Sunny Side Step 7: Summerbreak

Abenteuersuchen – Abhängen – Anbandeln – Aufwachen – Bereitsein – Biertrinken – Buntwerden – Chaosfördern – Dankbarbleiben – Einfachdasein – Erfüllungerfahren – Faulenzen – Flanieren – Flowen – Freiheiterleben – Freundetreffen – Friedenfinden – Geniessen – Gernhaben – Grandiosfühlen – Grillen – Herzen – Highohnegrundsein – Hoffen – Inskaltewasserspringen – Inspirationspüren – Jammen – Künstlerrauslassen – Ko(s)mischfinden – Lachen – Leben – Leerwerden – Lieben – Loslassen – Lustigfinden – Maulfaulsein – Meersehen – Mildwerden – Musikerindirzuwinken – Neuesausprobieren – Nichtstun – Offensein – Panzerfallenlassen – Rasten – Reinkippen – Ruhenichtverscheuchen – Schlafenkönnen – Schwimmengehen – Seelenbaumeln – Spielen – Sternschnuppenzählen – Strahlen – Talentezeigen – Träumen – Trostspenden – Tunwasspassmacht – Verliebeninsleben – Wohlwollen – Zerkugeln – Zufriedensein – Zulassen

Wie sieht Dein Wort-Rorschachtest zum Sommer aus?

Denk an Sommer, schreib drauflos, lass die negativen Assoziationen weg und Dich vom Ergebnis inspirieren…

Sunny Side Step 5: uVoteWe.Date – Wähl Dir Dein Liebesglück!

„Gehst Du wählen? Dann wähl ich Dich!“

uVoteWe.Date lautet die Formel, die diese Tage immer wieder bei Dating Apps und Webseiten wie Tinder, Bumble oder Grindr Profile auftaucht. Mit #uVoteWeDate und entsprechenden Fotos statten junge Menschen (mein Foto ist daher nur ein Dummy ;-)) derzeit ihre Dating Profile aus. Sie fragen damit ihre Datingpartner, ob diese ihr demokratisches Wahlrecht nützen, wie etwa nächsten Sonntag bei der Europawahl am 26. Mai 2019.

Weil nicht egal ist, wen wir (er)wählen

Auf Partnersuche ist uns Menschen das Aussehen wichtig, auch die Größe zählt. Das Geld und die Lebensumstände sind für die meisten wesentlich, ebenso wie eine gute Ausbildung und ein attraktiver Job. Warum aber ist vielen (noch) nicht wichtig, ob der/die WunschpartnerIn wählen geht?

Wer wählt hat mehr vom Leben

Das Wahlverhalten legt offen, ob jemand Verantwortung tragen will oder nicht. Denn wer wählen geht macht sich Gedanken um seine Umwelt und will seinen Teil zum Zusammenleben beisteuern. Wer wählt, der liebt nicht nur sich selbst. Wer wählt ist damit einfach der bessere Lover…

Was Sex und Wählen gemeinsam haben

Mit wem wir was tun oder nicht tun – wem wir überhaupt näherkommen wollen und wem nicht – hängt von einem individuellen Auswahlprozess ab, der uns selten voll bewusst ist. Körperliche Signale wie Offenheit in der Körpersprache, sympathisches Aussehen, eine volle Stimme, passende hormonelle Mixturen und Duftstoffe, attraktive Kleidung, angenehmes Auftreten, interessante Ansichten, genügend Status… All das und vieles mehr, wie die eigene Lust und Laune, aber auch familiäre und soziale Prägungen tragen dazu bei, mit wem wir intim werden (wollen). Und die Entscheidung trifft sowieso unser limbisches System, unser Gefühlshaushalt, lange bevor sich unser Verstand einschaltet.

Wählen und Beziehungsglück

Daher stellt sich die Frage: Wie viel Aufmerksamkeit bekommt eigentlich das Hirn bei der Partnerwahl? Sind die allgemeinen Ansichten über die Welt, die politische Ausrichtung oder gar das demokratiepolitische Verhalten denn wesentliche Auswahlfaktoren, wenn es um potenziellen SpielgefährtInnen im Liebesleben geht? Wahrscheinlich weniger. Aber warum eigentlich nicht? Ist uns nicht wichtig, ob sich jemand für die Welt, in der er oder sie lebt, tatsächlich interessiert oder gar einsetzt? Macht es denn keinen Unterschied, ob jemand wählen geht oder ob ihm/ihr egal ist, was rundherum so passiert und alles den anderen überlässt? Wie oft fragt man beim ersten Date nach politischen Interessen und dem Wahl-Verhalten?

Wer wählt, sollte wissen, wen

Wen wir an uns heranlassen sollte nicht nur äußerlichen Kriterien entsprechen. Seien wir uns bewusst, dass wir in jedem Naheverhältnis etwas von uns hergeben und etwas von den anderen bekommen. Positive, aktive, interessierte und mitfühlende Menschen geben anderes von sich her und beeinflussen ihre Umwelt anders als das Gegenteil: negativ eingestellte, passive, ignorante oder kaltherzige Menschen beeinflussen ihre Umwelt auf nachhaltig negative Weise. Unsere Partnerwahl, und sei es auch nur für einen süßen Augenblick oder eine heiße Nacht, hinterlässt einen Nachgeschmack in unserem Leben. Ob wir das wollen oder nicht. Klar, wenn es um die „große Liebe“ geht, um den/die Eine/n, dann sehen wir meist schon etwas näher hin. Aber fragen wir tatsächlich bereits zu Beginn einer Begegnung, ob jemand wählen geht? Und warum eigentlich nicht?

Wähle den Unterschied!

Wer nicht wählen geht, entstammt entweder einer Familie, der demokratische Mitgestaltung nicht wichtig ist (das Wahlverhalten junger Menschen wird fast ausschließlich von der Wahlgewohnheit in der eigenen Familie bestimmt). Gut, darüber kann man reden. Der zweite Grund, nicht wählen zu gehen ist, dass es ihm/ihr schlichtweg egal ist. Will man aber seine kostbare Zeit mit einem Menschen verbringen, der sich nicht um seine Umwelt schert? Dem es egal ist, wer die Regeln in Zukunft macht? Möchte man wirklich mit jemandem die Nacht oder eine längere Zeit verbringen, der einfach nur konsumieren will, ohne etwas von der eigenen Energie zum Zusammenleben beizusteuern? Ja, das könnte nette Körperakrobatik werden. Die innere Leere danach (manchmal schon währenddessen) ist aber höchstwahrscheinlich vorprogrammiert. Natürlich gibt es auch ganz bewusste Wahlverweigerer. Sie brüsten sich damit, dass niemand im politischen Angebot den eigenen Kriterien entspricht und eh alles „Idioten“ seien oder meinen, dass die eigene Stimme soundso nichts bewirken kann. Doch reicht diese Ausrede? Kann es genug sein zu schimpfen, den Kopf in den Sand zu stecken und andere, die sich politisch engagieren, runterzumachen? Ohne selbst den Schritt zu wagen, irgendwo aktiv mitzumischen (und sei es einfach nur in Diskussionen oder eben in der Wahlkabine)? Ist diesen Menschen tatsächlich nicht bewusst, dass, wenn sie nicht wählen, sie das Zepter an all jene abgeben, die sie erst recht nicht unterstützen wollen? Die Menge der Nichtwähler beeinflusst das Wahlergebnis nämlich besonders stark…

Nur wer wählen geht ist gut genug…

…lautet die Behauptung der aktuellen Kampagne uVoteWe.Date. Wer sich nicht interessiert, ist auch nicht interessant. Ich finde diesen Zugang höchst spannend. Und wenn Euch interessiert, wer aller wählen geht und noch zu haben ist, macht mit bei uVoteWe.Date auf: #uvotewedate, http://www.uvotewe.date

PS: uVoteWe.Date ist eine überparteiliche, gemeinnützige, zivilgesellschaftliche Initiative zur Steigerung der Wahlbeteiligung. Sie wurde gemeinsam mit Jugendlichen in Zusammenarbeit mit R9 Regional TV entwickelt. Mitwirkende sind die Teil- und Mitgliedsverbände der europäischen überparteilichen Jugendorganisation JEF Österreich wie AIESEC, AEGEE und EYP. Warum sie das tun? Weil eines fest steht: “Wählen gehen“ ist ein wichtiger demokratiepolitischer Akt, der als gesellschaftlich relevanter Wert auch gelebt werden muss!

PPS: Fotocredits L.Schedl

Sunny Side Step 4: Echte EuropäerInnen gesucht

Die etwas andere Europa-Wahl

Wo sind sie, die „echten EuropäerInnen“? Wir suchen sie!

Wer geht voran in eine lebenswerte, krisenfeste, hoffnungsfrohe und gemeinsame Zukunft? Wer tut dies aus Überzeugung und nicht aus Selbstnutz? „Wer kommt und kettet sich die Welt ans Bein?“, wie es im Song „Deine Zeit“ von Seeed so schön heißt… Wir wollen Euch kennen lernen, noch weiter vor den Vorhang holen und so richtig schön hoch leben lassen und schwer Wert schätzen: Menschen, die Ihr ein Leben lang für grenzüberschreitende Gerechtigkeit eintretet, für friedliche Vielfalt sorgt, für Verständigung zwischen den Welten plädiert, Brücken zwischen den Gräben baut: Meldet Euch! Denn wir von Europe:United wollen Euch Danke sagen – und Euch einen schönen Preis verleihen.

Rolemodelling The Future

Wir brauchen Euch ganz dringend, die Ihr vorangeht in eine mögliche gute Zukunft, die Ihr vormacht, wie das Miteinander gelingen kann, die Ihr vorlebt, was eine gesunde Gesellschaft sein kann, wie sie funktionieren und aussehen kann und vor allem: wie sie sich anfühlen kann. Wir brauchen Euch, die Ihr zeigt, was geht, wenn man nur will. Die Ihr seid, was es braucht. Was wir brauchen. Klar, geradlinig, ehrlich und offen, verletzlich und durchsetzungsstark, streitbar und diskurswillig, visionär und kreativ, verantwortungsvoll und tatkräftig, schützend und stützend, fördernd und fordernd, funny und verrückt. Wenn Ihr Euch Europa zur Herzensangelegenheit macht, wenn Ihr Europa schon ein gutes Stück mitgeformt habt, in Eurer Lebenswelt, spürbar für andere, dann seid Ihr reif für den…

…European Of The Year!

Am 10 Dezember 2019, am Tag der Menschenrechte, ist es soweit: Der „European of the Year“-Award wird von Europe:United – Organisation für ein Menschliches Europa (www.europeunited.eu) zum zweiten Mal verliehen.

Worum geht’s in aller Kürze? Um herausragendes zivilgesellschaftliches pro-europäisches Engagement. Die in Sachen Menschlichkeit höchst engagierte Jury besteht aus Katharina Stemberger und Florian Eder, Erich Schleyer und Alexander Göbel. Sie wird aus den Einreichungen die/den diesjährige/n PreisprägerIn auswählen. Eure Vorschläge für den/die European of the Year 2019 können bis zum 09. November 2019 eingereicht werden. Einfach ein Email senden an: office@europeunited.eu.

Geehrt wird der/die PreisträgerIn übrigens mit der wunderschönen Skulptur, die im Bild zu sehen ist: Kunstprofessor Stephan Fillitz und Kommunikationsdesignerin Catherine Rollier haben die außergewöhnliche und aus allen Richtungen perfekt ausgewogene Plastik gestaltet.

Die Preisverleihung am 10 Dezember wird dann auch ein richtig schönes Fest: Für den großartigen Menschen, der den Preis verdient. Mit den wunderbaren Menschen, die sich mit uns freuen. Und für die Menschheit, die von einer echten Entwicklung Europas, nämlich in Richtung Menschlichkeit und Umsicht, am allermeisten hat…

Sunny Side Step 3: Mehr Mensch – Mehr Leben

Das Wunder Menschlichkeit

Jeder von uns hat eine persönliche Sammlung an Erlebnissen, die uns unter die Haut gehen. Im besten aller Sinne. Erlebnisse, in denen Menschen uns unvermutet gut getan oder uns nahe gekommen sind – oder in denen wir anderen tiefe Verbundenheit vermittelt haben. Solche Augenblicke der Menschlichkeit haben etwas gemeinsam: es geht in ihnen nicht um konventionelle Höflichkeit, nicht um professionelle Dienstleitung, nicht um reine Verhaltensgewohnheit, nicht um Charity und sie sind auch nicht auf den Familien- und Freundeskreis beschränkt. Wundervolle menschliche Begegnungen holen uns aus dem Alltag, aus jeder Mühsal und aus unserem Fokus auf das zu-Erledigende heraus und reconnecten uns mit uns selbst, mit anderen, mit Unbekannten und Unbekanntem.

Menschlichkeit verbindet

Menschlichkeit vereint uns in der Tat, egal wie unterschiedlich wir sind. Wir erkennen gelebte Menschlichkeit an einer gewissen Präsenz, am Da Sein, am wachen Aufmerksamsein, an der Wertschätzung, an der respektvollen und einfühlsamen Begegnung auf gleicher Ebene, an dem Nichts-dafür-Wollen, also an der Erwartungslosigkeit, an der Selbstlosigkeit, an einer unverkrampften Selbstverständlichkeit, am Einssein mit dem, was gerade ist, und natürlich am wirksamen Tun – auch wenn es bedeutet, nichts zu tun, jemandem vielleicht nur in die Augen zu sehen, zuzuhören oder eine Hand hin zu halten.

Momente der Menschlichkeit machen das Leben erst lebenswert

Aber reife Menschen und mitmenschliches Verhalten sind leider keine Selbstverständlichkeit. Oft wird beklagt, dass es früher viel besser war, dass sich früher die Menschen noch zu verhalten wussten. Menschlichkeit darf aber m.E. nicht mit dem „richtigen“ Verhalten, mit rein äußerlicher, erlernter Höflichkeit und Angepaßtsein verwechselt werden. Die heutige Welt verlangt weit mehr. Die wechselhaften Lebensumstände und die vielen Möglichkeiten, sich in verschiedenen Umwelten aufzuhalten, verlangen von jedem Menschen sein persönliches Verhältnis zu sich, zu anderen und zur Umwelt zu entwickeln. Und zwar immer wieder neu. Wir alle brauchen ein tief empfundenes, für uns selbst wahres, eigenes Verständnis von etwa Respekt und Gleichbehandlung. Konventionen sind aus dieser Sicht quasi der Vorläufer des friedlichen Miteinanders. Menschlichkeit ist lebendiger als die Konvention, flexibler und stabiler zugleich: Es ist die bewusste Form und Fähigkeit, auch in den schwierigsten Umständen bei sich zu bleiben und eine Verbindung zu anderen herzustellen. Wer sich auf sich verlassen kann, weil er sich gut kennt, kann sich auch ein Stück weit verlassen, um sich dann auf andere tatsächlich einlassen zu können – und zwar ohne stets nur seine Sichtweisen und die eigene Geschichte überall zu sehen und auf jeden drüberzulegen, also ohne seine ungelösten Fragen und Themen auf alle anderen zu projizieren, um sie im Bestenfall im Diskurs erst zu erkennen.

Gelebte Menschlichkeit könnte das Ende von Kulturkämpfen bedeuten…

…und den Anfang einer Weltgesellschaft. Weil sich in jeder Verschiedenartigkeit das Menschliche finden lässt. So weit möchte ich gerne denken und so eine Entwicklung möchte ich gerne fördern. Als Herausgeberin dieser beiden Bücher habe ich ein Ziel vor Augen: Eine gelingende Gesellschaft, bestehend aus reifen Menschen. Die Reifung des Menschen geschieht ja sowieso im Umgang mit seinen Mitmenschen. Vorbilder, Regulative, Spiegel – wir können alles Mögliche für unsere Mitmenschen sein. Aber eines steht fest: wir lernen voneinander und miteinander, in der Begegnung, im Tun und Sein. Das ist vielleicht sogar die effektivste Art zu lernen. Unser Umfeld prägt uns und wir prägen es.  In dem Moment, wo ein Mensch die Verantwortung für den Umgang mit sich selbst und anderen übernimmt, kann es losgehen. Jeder kann mithelfen, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen miteinander reifen können.

Um ein gesundes Umfeld zu gestalten, brauchen wir heute keine blutige Revolution, wie es früher zur Zeit der Aufklärung vielleicht notwendig war. Vielmehr brauchen wir eine sanfte aber beständige Evolution der Menschlichkeit, um in einer rundum lebenswerten Welt anzukommen

Die Evolution der Menschlichkeit

Genau vor 2 Jahren, im März 2017, kam „Die Evolution der Menschlichkeit“, ebenfalls im Braumüller Verlag und unter dem Schirm des DRI – Human and Global Development Research Institute, heraus. Es ist ein grundlegendes Werk, in dem sich 20 WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen mit der Entwicklung von Mensch und Gesellschaft hin zu mehr (Mit-)Menschlichkeit auseinandersetzen. Im Nachwort kündigten wir eine vertiefende und vor allem praxisorientierte Fortsetzung an. Und nun ist es soweit: „Die Bildung der Menschlichkeit“ lehrt ein Leben der emotionalen Intelligenz, der sozialen Kompetenz, der Selbstverantwortung, der Reflexionsfähigkeit, des Handlungsspielraums im Angesicht des Unerwarteten und auch Unangenehmen – eben der menschlichen Reife. Wir brauchen heute ganz bestimmte Kompetenzen, um mit den ständigen Unterbrechungen und unplanbaren Veränderungen anders umzugehen, als gestresst zu sein und in die Abwehr, die Ignoranz oder den Kampf zu kippen.

Auch unsere Lebenswelt, das gemeinsame Europa, braucht reife Menschen 

Wir brauchen europäische BürgerInnen, deren Identitätsverständnis und Verantwortungsbewusstsein über die althergebrachten und gewohnten Grenzen hinausgewachsen ist. Und nicht nur im Sinne Europas, auch im Sinne der hoffentlich werdenden Weltgesellschaft meine ich: Wir alle wollen gesehen und behandelt werden als der Mensch, der wir tatsächlich sind. Wir wollen nicht mit unserer Schale, dem Äußeren verwechselt werden. Wir wollen nicht als Klischee eines Geschlechts oder Alters, als Stereotyp einer Hautfarbe oder Berufes, mit den Vorurteilen eines Herkunftslandes, einer Sprache oder an Hand von Kleidung oder Besitz beurteilt und behandelt werden. Nicht die Vorstellung von jemandem zählt, sondern der Mensch hinter aller Äußerlichkeit. Jemanden aber überhaupt so sehen zu können, durch die Äußerlichkeit aber auch durch die eigenen inneren vorgefertigten Schablonen hindurchsehen zu können, braucht menschliche Reife. Eine reife Gesellschaft, die friedlich in aller Vielfalt leben und miteinander wachsen möchte, braucht reife Menschen, die allzeit bereit und dazu in der Lage sind, zu sich zu finden und über ihre Vorannahmen hinauszuwachsen.

Was brauchen wir also, um diese Entwicklung anzustossen und zu fördern

Einen breit angelegten Reifungsprozess mit Hilfe ganz bestimmter menschlicher Kompetenzen, die man lernen kann und lehren sollte – und zwar geht das vom Mutterleib bis zum Sterbebett. Es ist nie zu früh und nie zu spät für mehr Menschlichkeit. Mit unserem Buch liefern wir daher Lern- und Lehrinhalte für alle Altersstufen und viele Lebenslagen – für sich selbst und für andere. Wie beim ersten Buch haben sich wieder gut 20 AutorInnen zusammengefunden um in „Die Bildung der Menschlichkeit“ Auszüge ihres großen Erfahrungsschatzes und ihrer besten Übungen und zur Verfügung stellen. Ob der Fülle des Materials und mit Blick auf die Ausrichtung an allen Lebensphasen, sind es letztlich zwei wunderschöne Teile geworden:

Teil I, „Die Bildung der Menschlichkeit für junge Menschen“…

…beleuchtet das Menschwerden von der Kindheit über die Jugendzeit bis zum beginnenden Erwachsenenalter, kurz gesagt von ca. 3-18 Jahren. Die Beiträge bieten praktisches Material für den Kindergarten und die Schulzeit und richten sich besonders an PädagogInnen und Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen der Elementar-, Primar- und Sekundarstufe arbeiten – und natürlich auch an Eltern. Die Lehrmaterialien können direkt im pädagogischen Umfeld angewandt werden. Die AutorInnen sind selbst erfahrene PädagogInnen und ExpertInnen und stellen best practise Beispiele, wirksame Übungen und bewährte Methoden zur Verfügung.

Teil IIDie Bildung der Menschlichkeit für Erwachsene“…

…befasst sich mit dem Menschsein im Erwachsenenalter. Die Beiträge liefern praktisches Material zur Bildung von (Mit)Menschlichkeit im Bereich humanitäres Engagement und Freiwilligenarbeit, in der Eltern- und Erwachsenenbildung, im Medienkontext, für den Umgang mit sich und anderen im Arbeitsleben, für effektives Selbstcoaching in kritischen Lebensphasen bis zum Umgang mit dem Sterben und mit Sterbenden. Auch hier bieten renommierte ExpertInnen und PraktikerInnen ein „Best of“ ihrer bewährtesten Methoden, Einsichten in die Essenz ihrer Lebens- und Arbeitserfahrung und natürlich eine Vielzahl praktischer und spannender Übungen. Letztere eröffnen effiziente Wege zum Selbststudium, für den Umgang mit sich und anderen in heiklen Lebensphasen, und im Trainings- und Bildungsbereich. Hierin legt der große Unterschied zu Teil I, der sich eher an PädagogInnen und Lehrende richtet. Teil II ist vollgepackt mit Material für jedermann und jede Frau, die mehr Menschlichkeit, eine bessere Verbundenheit zu sich, zu anderen und zur Umwelt erleben und leben will. Die Themen sind auch hier nach Lebensphasen geordnet und reichen von der vorgeburtlichen Phase über den menschlichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen im oft anstrengenden (Eltern-)Alltag, über mediale Verantwortung und die Bildung von interkultureller Kompetenz hin zur Achtsamkeit in der Arbeitswelt und zur Reifung des Selbst. Besonderes Augenmerk wird der Menschlichkeit an Hand der Herausforderungen ab der Lebensmitte, etwa mit dem Altern oder der Pensionierung, sowie am Lebensende gewidmet.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen, beim Leben und beim Schenken :-)!

Und hier geht’s direkt zum Kuppitsch (mit versandkostenfreier Lieferung): https://www.kuppitsch.at/list?quick=nana+walzer&cat=&sendsearch=suchen

 

Sunny Side Step 2: London Calling

Exit The Brexit!

Schon am Weg nach London mischen sich die Gefühle in mir zu einem spannenden Cocktail: Vorfreude und Ungewissheit, viel Arbeit mit einem Hauch von Freizeit, rote Telefonzellen im Handyzeitalter, knusprige Fish&Chips zu stillem lauwarmem Schankbier. Und in der Tat – Großbritannien erweist sich auch in der Praxis derzeit widersprüchlich wie nie.

So prallen die Fronten für und gegen den Brexit ungehindert vor dem Parlament aufeinander. Die einen hupen im Vorbeifahren, weil sie aus der EU rauswollen, weil sie nicht wollen, „dass die Deutschen den Briten alles diktieren“, wie uns an die Köpfe geschleudert wird, als wir Brexit-Gegner interviewen. Die anderen sind von einer fast irrationalen Überzeugung geprägt, dass es gar nicht so weit kommen kann. Wie Mr. „Stop Brexit“, der Tag für Tag vor dem Parlament gegen den Brexit demonstriert. Dritte haben Angst, ganz konkrete Befürchtungen, etwa dass Medikamente nicht mehr lieferbar sein werden, dass notwendige Versorgungen ausbleiben, dass beinharte Ausweisungen stattfinden, dass das gewohnte Leben und Überleben zerstört wird.

Das hochemotionale Stimmungsbild der Kontrahenten passt zum eingerüsteten, verhüllten Parlament wie die Faust aufs Auge. Auch Big Ben steckt unter einer dicken Schicht Renovierungswut, die angeblich noch 2,5 Jahre lang anhalten wird. So geht es wohl auch den ParlamentarierInnen im Gebäude: Alles soll zwar neu werden, aber bis es soweit ist können erstens noch Jahre vergehen und zweitens herrscht eine gewisse Blickdichte, eine inhaltliche Vernebelung, die jede klare Sicht auf Konkretes verhindert. Lösungen? Die sucht man dort vergeblich. Zu sehr sind die Akteure im Kampf um ihre Positionen verstrickt. Zu sehr sind die Fronten durcheinander geraten. Links und Rechts treffen sich beim Wunsch nach Ausstieg, PolitikerInnen beider führenden Parteien verlassen ihre Reihen, weil sie nicht aus der EU austreten wollen. Wer Recht hat, weiß keiner. Recht haben wollen aber alle. Ein fatales Problem. Denn wer bleibt auf der Strecke? Die Menschen. Ungewissheit herrscht auf den Straßen Londons, gepaart mit arbeitsamer Betriebsamkeit, ungebremster Konsumfreude und absolutem Partywillen.

Wo auch immer das alles hinführen wird: Am Weg dorthin gibt es wieder (noch immer?) Passkontrollen und am Pfund wird nach wie vor nichts geändert. Good old Britain. Anyway: Wir werden Euch, liebe Briten, Schotten und Iren, immer als EuropäerInnen sehen!

Gerade im Angesicht des Undenkbaren ist es umso wichtiger, Europa aktiv und selbstbestimmt mitzugestalten. Damit wir auch morgen noch stolz darauf sein können, gemeinsam in der größten Friedensunion in aller Vielfalt vereint zu leben. Also, wählen gehen am 26. Mai 2019! Ganz in diesem Sinne: www.diesmalwaehleich.eu

Sunny Side Step 1: Medien zwischen gut und böse

Die Macht der Medien

Ob Internet, Fernsehen, Zeitung oder andere Medien: Sie schenken uns Bilder im Kopf, eine gewissen Einstellung dazu was gut, wahr und schön ist – und ein belastendes Bild von der Welt um uns. Unsere Überzeugungen, wer wir als Mensch und als Gesellschaft sind, wer wir sein wollen und was wir tun können, all das wird massiv medial geprägt. Viel ist von Manipulation, von Lügenpresse, von Einseitigkeit in den vergangenen Jahren die Rede gewesen. Wahlen werden durch fake news und alternative Realitäten ergaunert und eine beliebige, verwirrende Multiperspektivität wird geschaffen. Solch eine nur scheinbar medienkritische Analyse versucht durch Diskreditierung das zu erreichen, was wir seit 300 Jahren überwunden geglaubt hatten. Mythen und Emotionen wiegen zunehmend wieder schwerer als Wissenschaft und Ratio. Ja, auch die Wissenschaft ist nicht unfehlbar bzw. gibt nur ein Abbild davon, was sie untersuchen möchte und methodisch erfassen kann. Nein, „die eine Wahrheit“ der Wirklichkeit kann auch sie nicht absolut darstellen. Aber es ist ein Unterschied, zu versuchen inhaltlich nachprüfbar und nachvollziehbar zu sein, oder gefühlsmäßig aufzuhetzen. Es liegt ein gravierender Unterschied darin, gezielt Fragen zu stellen und gangbare Wege zu suchen oder gezielt Schlussfolgerungen zu ziehen und Türen zu schließen. Dies ist der feine Grat, auf dem Qualitätsmedien balancieren und den der Boulevard plattwalzt.

Auch die Lebenswelt Europas ensteht und zerfällt im Blick des Betrachters

Wir alle sind mittlerweile Medienschaffende. Unsere Meinungen kulminieren im Netz zu Stimmungslandschaften und „Bubblewelten“, die von vielen mit „der Realität“ verwechselt werden. Zugleich gibt es einige wenige breitenwirksame mediale Leuchttürme, die versuchen in der vielfältigen und individualisierten Medienlandschaft gleichbleibende Verlässlichkeit und einen gewissen Überblick zu bewahren. Die Öffentlich-Rechtlichen sollten schon von ihrem Auftrag her solche verlässliche Felsen in der gefühlsschäumenden Brandung sein. Gerade, was die Betrachtung und Gestaltung unserer Lebenswelt betrifft, dürfen wir uns nicht von marktschreierischen Stimmungsmachern unser Weltbild vorschreiben lassen. Vielmehr sollten vertrauenswürdige Quellen unsere Sichtweisen und Handlungen konstruktiv bereichern.

Der folgende Text ist mein Beitrag zum aktuellen Public Value Report des ORF, der diese Tage unter dem Titel „Der Auftrag 2019: Vielfalt, Vertrauen, Verantwortung“ veröffentlicht wurde. Mir ist es darin ein Anliegen, auf die herausragende Rolle und den Auftrag des ORF bei der Bildung und Erhaltung von Demokratie in Europa hinzuweisen:

Öffentlich-rechtliche Medien als 4. Macht der europäischen Demokratie…

… sind der Fels in der Brandung gegen fake news und kommunikationstechnische Manipulation aller Art. Die Medienlogik negativer Emotionalisierung und das Rezeptionsverhalten der Selbstbestätigung in Resonanzräumen wirken demokratiegefährdend, da der Wille zur sachlichen Auseinandersetzung zugunsten von Ängsten und Vorurteilen in den Hintergrund tritt. Menschen reagieren unter -allzu oft inszenierter- gefühlter Bedrohung regressiv: Angst, Abwehr, Ignoranz bzw. Aggression verhindern ein progressives, konstruktives, kooperatives und lösungsorientiertes Verhalten. Eine vertrauenswürdige ö-r Medienqualität kann dieser Entwicklung entgegenwirken, indem sie hochqualitativ und umsichtig bleibt, emotional attraktiv und lebenswelt-relevant wird und das (soziale) Mediennutzungsverhalten der Rezipienten miteinzubeziehen weiß. Das Ziel sollte eine Kompetenzsteigerung der Rezipienten im Umgang mit einer höchst komplexen, mitunter verunsichernden Welt sein. Hierin liegt der vielleicht bedeutendste Bildungsauftrag unserer Zeit.

Gerade die Europakommunikation braucht mehr als reine Informationsvermittlung. Sie benötigt ein realistisches, zugleich positives, zuversichtliches Bild einer gemeinsamen Zukunft. Ein krisenfestes Europa bedarf einer demokratiefähigen und -willigen Bevölkerung, die ein klares Ziel vor Augen hat, nämlich eine gelingende Gesellschaft im Sinne des friedlichen Zusammenlebens in aller Vielfalt.

Eine Möglichkeit derart konstruktive Mitgestaltung zu erreichen, wäre die aktive Einbindung von BürgerInnen ins Programm, um die vielen Perspektiven der Wirklichkeit abzubilden, in Kontakt treten zu lassen und aus den bubbles zum Dialog zu führen. Je mehr Verständnis für sich selbst, für andere und für unser Kommunikationsverhalten, desto eher können gemeinsame größere Ziele anvisiert werden. Genau das ist es, was Europa derzeit fehlt.

Den gesamten Public Value Bericht des ORF finden Sie hier: https://zukunft.orf.at/