Silver Sounds of Silence: 7

Living in the Meantime, Twilight rules the World

Stille muss sich weder auf Geräusche noch auf Gedanken beziehen. Die Stille im Kopf und die Stille im Raum sind bloß zwei gängigere Aspekte einer Vielzahl von Möglichkeiten, in diese eine seltsam erfüllende Leere zu finden, die sich jedes Mal aufs Neue und anders gestaltet als zuvor oder erwartet. In den Blogeinträgen 2022 dreht sich alles um naheliegende wie weniger bekannte Zugänge zu ebendiesem überraschend angenehmen Zustand, der nicht nur zu innerem Frieden, sondern auch in die Zu-Friedenheit führt: Etwa um sensory deprivation (den Entzug der Dauerbespielung aller Sinne), um den Zwischenraum hinter den Gedanken oder um den Weg des Heiligen Nichts-Tuns. Heute geht es um die Zeit als Tür zum Frieden, genauer gesagt um die wohl genutzte Zwischenzeit. Um das ereignislose, ergebnislose Warten. Um jene anstrengungslose Präsenz, die eher nebenbei geschieht als dass sie bewusst herbei-meditiert werden könnte.

Das Warten und das Wunder

Warten beim Zahnarzt, Warten an der Supermarktkasse, Warten an der Bushaltestelle. Warten zählt zu jenen ungewollten Nicht-Aktivitäten, die uns meist aufgezwungen werden, die unseren Tatendrang bremsen, die verhindern, dass wir etwas Unangenehmes endlich hinter uns bringen können oder die verursachen könnten, dass es zu spät für etwas Angenehmes sein wird. Warten ist ein wunderbares Übungsfeld um auszusteigen aus Er-Wartungen. Im Warten die Fülle des Seins einfach sein zu lassen ohne gedanklich, gefühlsmäßig oder tätlich einzugreifen, öffnet eine Tür zum Unbekannten. Wer sich auf das Warten einlässt gleitet in eine Art Parallel-Existenz, in der sich die gewohnte Welt in einer völlig frischen Farbpalette widerspiegelt, in der Menschen wie Aliens wirken (so sie das nicht soundso andauernd tun) und in der die Situationen, in denen man sich wiederfindet, irgendwie grotesk anmuten. Das Leben wird plötzlich seiner Selbstverständlichkeit beraubt, mit dem Zauberstaub des Neuen bezuckert, mit einer Art Magie durchdrungen erlebt, die das Wundern zum Normalzustand werden lässt. Das Wunder des Lebens begegnet uns ja sonst meist nur in Extremsituationen. Wenn wir einen Unfall oder eine schwere Krankheit überleben, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, wenn wir unvermutet eine körperliche oder geistige Höchstleistung vollbringen, wenn die Natur uns mit ihrer Gradiosität unvermutet den Atem raubt. Dabei wäre das Wunder des Lebens allzeit bereit für uns – ja, das Wunder wartet geradezu auf jeden von uns…

Im Wartehäuschen des Lebens

Es gibt eine Menge Menschen, die ExpertInnen des unzufriedenen Wartens sind. Die sogar nicht nur in gewissen Situationen, wie oben beschrieben etwa beim Zahnarzt, mehr oder wenig ungeduldig auf ein Ereignis oder Erlebnis warten, das sie abhaken können, um weiter voranzuschreiten, wohin auch immer. Sondern die sogar ihr halbes bis ganzes Leben in einer Art Dämmerzustand des Wartens verbringen. Die sich als Kind vom Leben Großes erhofften, die sich als Erwachsene von ihrer Beziehung, ihrem Job, ihren Kindern oder ihrem Alltag Größeres er-warteten. Statt das Wunder des Seins mit jedem Atemzug tief in sich einzusaugen, vegetieren sie eher in einem selbstgebauten Wartehäuschen ihres Lebens dahin – ein Wartehäuschen, an dem der Bus, der Zug, das Raumschiff des „wahren Lebens“ irgendwie niemals eintreffen. Für sie ist das Warten ein Dauerzustand geworden, der verhindert, dass sie jemals irgendwo begeistert einsteigen und willkommen von den anderen Reisenden irgendwo mitfahren würden, oder gar je ein Gefährt selbst steuern werden.

Warten auf das „echte“ Leben, so wie es „sein soll“, heißt: Warten auf den Tod. Nun bietet das Gewahrsein des Todes tatsächlich wiederum eine Tür in den immensen Zwischenraum des Lebenswunders, der sich eröffnet, sobald jede Erwartung ans Jetzt wegfällt. Doch wer es sich gemütlich im Wartehäuschen seines Lebens eingerichtet hat, für den bedeutet der Tod meist nur die Endstation, die -gerade weil man sich im Warten, im Leo, nicht in Bewegung befindet- soundso unerreichbar, wie nicht-existent erscheint. Das Warten hat also einen unfassbaren Vorteil: im Warten scheint man ewig ausharren zu können. Nur dass halt das Leben an einem vorbeizieht… Die ewig Wartenden argumentieren und handeln sich dabei den eigenen Dämmerzustand schön: Essen, Trinken, Spielen, Bingen aller Art. Die Wartezeit tot zu schlagen kann so entertainend sein. So verführerisch, dass sich der Alltag im Wartehäuschen in ein ewig rollendes Rad aus Geldverdienen und Belohnen verwandelt, in dem sich die Träume und Ängste von gestern in den Serien von heute wiederfinden.

Der Ausstieg wird zum Einstieg

Wie man also aus dem Wartehäuschen des Lebens heraustritt, lautet die alles entscheidende Frage. Durch Unterbrechung des Gewohnten, durch Konterkarieren des Er-Warteten, durch einen Schritt seitwärts, durch einen lustvollen oder zaghaften Hüpfer ins gänzlich Unbekannte. Durch eine Aus-Zeit vom Alltäglichen, durch ein Nicht-Befriedigen von Süchten, ein Innehalten im Suchen, ein Enthalten der Sehnsucht. Durch das Offenlassen der eigenen Wünsche, gerade wenn sie sich als ewig bunter Farbkasten sinnlicher Vergnügungen tarnen. Durch ein beobachtendes Wahrnehmen jener physisch-psychischen Leiden, die sich aus Gewohnheit als die eigene Identität verkleiden. Runter mit den Masken, hinter denen sich zu verstecken normal geworden ist. Runter mit dem Pflaster, das statt zu schützen nur verdeckt, was an die Luft will. Schluss mit dem So-Tun-Als-Ob, dem Es-Wird-Schon-Werden. In der Zwischenzeit, im Zwischenraum, im Inzwischen-Sein rauscht das Blut durch die Adern, klopft das Herz den Takt, vibriert das eigene Leben. Was dann? Nichts dann. Weil Alles und mehr auf einmal da.

Silver Sounds of Silence: 4

ODE AN DIE LEERE – SNIPPETS OF SPACE

*

Selbst wenn Du hast, was Du willst

Willst Du nicht, was Du hast

*

Lass

Es

Sein

*

Was immer es ist

Gewesen sein wird

Im Laufe der Zeit

Annulliert

Sich der Wunsch

Von selbst

*

Spannend : Entspannung

Nichts wissen, Nichts haben, Nichts wagen

Nichts suchen

Nichts für sich selbst verbuchen

*

In der Leere

Spielt sich Alles ab

*

Be the breeze, a tingeling freeze,

The silver shiver

Itself

Pure potency

Pulsating

A way

*

Enjoying the ride

Be the waves and the tide

The low and the hight

Non-action at work

Darkness and light

Interact

While you stay

In holistic display

Becoming your way

Significant Soul Sample No 5: Tearing the Fearing

How to trust

in a world

that is screaming

and beaming with meaning


How to find peace

in a world

that is steaming

and exploding by eroding


How to love

in a world

that is dying

by lying and prying


How to see

in a world

that is strangely

rearranging

the truth and facts

to the needs of feeds


How to believe

in a future

when a culture

of unease

makes one freeze


No answers

around

but within


Keep your head clean.

Keep your heart keen.

Keep your eyes seen.


Keep yourself being

the door and the frame

a wall against shame

a roof for protecting

those who are dreaming

of beaming with meaning


Be a silent island:

Truthful and trusting

easy to live in

with an attitude

not rude nor crude, 

not brute or cute

but loving and laughing 

no matter what


Stay as a fact.

Rewriting the fury

into your story

Sunny Side Step 7: Summerbreak

Abenteuersuchen – Abhängen – Anbandeln – Aufwachen – Bereitsein – Biertrinken – Buntwerden – Chaosfördern – Dankbarbleiben – Einfachdasein – Erfüllungerfahren – Faulenzen – Flanieren – Flowen – Freiheiterleben – Freundetreffen – Friedenfinden – Geniessen – Gernhaben – Grandiosfühlen – Grillen – Herzen – Highohnegrundsein – Hoffen – Inskaltewasserspringen – Inspirationspüren – Jammen – Künstlerrauslassen – Ko(s)mischfinden – Lachen – Leben – Leerwerden – Lieben – Loslassen – Lustigfinden – Maulfaulsein – Meersehen – Mildwerden – Musikerindirzuwinken – Neuesausprobieren – Nichtstun – Offensein – Panzerfallenlassen – Rasten – Reinkippen – Ruhenichtverscheuchen – Schlafenkönnen – Schwimmengehen – Seelenbaumeln – Spielen – Sternschnuppenzählen – Strahlen – Talentezeigen – Träumen – Trostspenden – Tunwasspassmacht – Verliebeninsleben – Wohlwollen – Zerkugeln – Zufriedensein – Zulassen

Wie sieht Dein Wort-Rorschachtest zum Sommer aus?

Denk an Sommer, schreib drauflos, lass die negativen Assoziationen weg und Dich vom Ergebnis inspirieren…

CHAOSRULES

Secret Success Story No 22 – über die Ordnung in der Unordnung

Wie Alles begann und inwiefern Alles immer so kompliziert ist

Am Anfang war das… naja, Nichts eigentlich. Wo keine Zeit, da kein Raum, da keine Materie. Trotzdem waren Alles und Nichts schon mal da. Denn irgendwo muss das Etwas ja herkommen. Schlaue könnten jetzt sagen: Alles ist ja auch ein Wort (soviel zu „Am Anfang war das Wort„, zumindest laut Johannesevangelium). Da (dort, dann) kommt‘s jedenfalls her. Alles und Nichts waren quasi die Zwei Ur-Eltern des bekannten Universums (beide neutral von ihrem Artikel her, interessant). Sie waren zu zweit, so schaut’s nämlich aus. Dennoch Einerlei. Denn vor dem Big Bang ist laut zeitgenössischer Physik vorläufig noch Alles Graue Theorie, also nix is fix. Daher fangen wir mit dem Großen Knall an. Das ist mal ein (oder zwei) Wort(-ö/er)!

Sie sehen’s vielleicht schon: Zu Beginn des heutigen Blog-Beitrags drängt sich ein Haufen Paradoxa in den Vordergrund. Um nicht zu sagen sternenstaubhaufenweise Paradoxa. Denn Alles kam aus dem Nichts. Und Alles ist Nichts. Zumindest damals, am zeitlosen Anfang. Vielleicht (wie gesagt, da ist man sich unter Wissenschaftlern nicht einig, eher mehrfach zweinig, um den Widersprüchen weiter zur Ehre zu verhelfen und inhaltlich ein bisschen Konsistenz zu zeigen). Doch zurück zum Thema: Alles war mal Nichts und als solches wohl noch dazu zu allem Überfluss Eins. Eine Einheit. Ein AllesundNichts. Zwei Nichtse wären ja schon wieder Etwas, aber keinesfalls Alles. Es kann nur Das Nichts und Das Alles geben, wenn man die Grundgesamtheit des Universums betrachtet. Einzahl. Von Paralleluniversen reden wir ja nicht, die müssen ja auch von wo herkommen. Aus anderen All-Nichtsen?

Mit höchster Wahrscheinlichkeit ist Ihnen inmitten all dieser Verwirrung fast schon aufgefallen, dass wir uns grad ganz hinterlistig, von der Maschekseitn sozusagen, an das Chaos anpirschen. Ich würde mich freuen, wenn Sie es ein bisschen spüren, den Schwindel des Allanfangs, und ihn aushalten, nur um zu sehen, wie es weitergeht. Aber ich will Ihnen nicht zu viel abverlangen. Also bringen wir jetzt ganz im Sinne des Titels mal ein bisschen Ordnung rein in diese paradoxen Wahrheiten (wenn sie denn solche sind): (Ein) Nichts war, dann macht‘s anständig PUFF (zumindest wörtlich, nicht als Explosion, da ist das Wort BANG nämlich missverständlich) und: Alles ist. Schaut doch schon viel besser aus. Die Zeit macht‘s möglich und trennt das vermurkste Chaos in eine schöne und nachvollziehbare Reihenfolge. Aber fragen Sie jetzt bloß nicht warum! So weit sind wir noch nicht. Wir sind wie gesagt erst am Anfang. Alles ist einmal. Winzig klein, zusammengepresst, Sie können getrost sagen „Ein Klumpen Etwas“. Ein immens dichter Punkt. Klingt eigentlich nach einem fundamentalen ersten Statement: „Und Punkt.

Dicht bis zum GehtNichtMehr oder: Warum Alles immer so komplex ist

Sind Sie schon soweit und fragen sich (mich – ja, Wir sind an diesem Punkt Eins, zumindest aus meiner Sicht, die Sie ja grad lesen): „Was hat das denn alles mit mir zu tun??“ oder: „Was hat das Alles denn mit Erfolg zu tun??“ Denn darum geht es ja in diesem Blog, um Erfolg – mal anders.

Na dann kommen wir besser gleich auf den Punkt, nicht war?! Singularität würden die Physiker unter Ihnen an dieser Stelle sagen. Einfach, weil nur Eins. Die Singularität ist unendlich dicht, die arme. Kein Wunder dass sie in ihre Bestandteile zerfällt, vielleicht musste sie sich übergeben. Und Schwupps: da war er, der Erfolg. Es folgt die Entstehung von Raum-Zeit und Materie. So viel Reichtum aus dem Nichts! Wenn das mal kein Megaerfolg ist. Und nach der Dichte folgen Ausdehnung und Abkühlung. Mit anderen Worten: Die Weltherrschaft. Startup Total. Cool. Zu diesem Zeitpunkt ist das Universum noch gehörig undurchsichtig (im wahrsten Sinne des Wortes). Erst mit der Zusammenrottung von Elektronen, Neutronen und Positronen (insgesamt Nukleonen), die ihrerseits größtenteils aus Quarks bestehen, zu Atomen kommt ein bisschen mehr Ordnung rein. Und mit der Ordnung der Durchblick, denn endlich kriegt das Nichts seinen Raum zwischen den Etwassen. Das Zwischendenzeilenlesen wird möglich, weil nicht mehr alles aneinanderpickt. Aus dem Dunklen Einerlein ins Helle Vielerlei. Aus dem Chaos in…. Juhu, die Komplexität! Und damit vom Regen in die Traufe? Denn die kleinsten subatomaren Bestandteile hängen irgendwie zusammen, verleihen durch ihre raumzeitliche Strukturierung und kräftemäßige Koordination unserem sichtbaren Universum seine Gestalt, verhalten sich trotzdem nicht unbedingt stets berechenbar. Ohne in die Untiefen der Beobachterabhängigkeit der Wirklichkeit abzudriften kann man getrost sagen: Die Wahrheit über die Wirklichkeit liegt im Auge des Betrachters. Alles andere ist eine mehr oder weniger gute Theorie über die Wirklichkeit. Je besser die Theorie – will heißen je nachvollziehbarer und überprüfbarer ihre Thesen – desto schöner entfaltet sich das komplexe Gebäude möglicher Zusammenhänge zu einem funktionierenden Großen Ganzen. Uni-Versum. Ein Vers das Ganze – Gott ist Poet. Und mein Latein schlecht.

Da wir wissen, dass es (noch) keine bestätigte Theorie gibt, die alle einzelnen Ordnungskräfte des Alls – quasi alle Sinnzusammenhänge unseres Gedichtes – vereinen könnte, müssen wir uns damit zufriedengeben, dass es sich insgesamt gesehen um ein recht komplexes Alles handelt. Nicht so leicht zu durchschauen, obwohl jetzt in Atomen, später in Sternen und Planeten, schon einmal schöner aufgeräumt. Richtig geräumig das Universum, wo doch vorher so viel allesaufeinmal war! Je mehr Raum desto komplexer, desto ordentlicher. Je mehr Zeit desto komplexer, desto erkennbarer. Weil irgendwann mal wer entsteht, der des Erkennens fähig ist. Und je mehr Durchblick, desto mehr sichtbare Komplexität. Kommt Ihnen das bekannt vor? So schön paradox wie das Leben! Willkommen im Club. Und wir haben noch nicht mal die Frage beantwortet, wie genau sich Alles Undurchsichtige zu Etwas Sichtbarem und noch viel mehr Durchsichtigen zusammenrottet.

Phasenübergänge: Beam us up Scotty!

Ja auf den Punkt zu kommen ist gar nicht so einfach. Wieviel schwerer ist es dann, auf viele Punkte zu kommen? Naja eines stimmt: Es braucht tatsächlich Schwerkraft und noch ein paar andere Kräfte. Alles in Allem verläuft der Bildungsprozess von etwas Ordentlichem (weil aus dem murksigen Dichten Vielen Etwas zunehmend mehr Einheiten sichtbar werden) prozesshaft und sprunghaft in sogenannten Phasenübergängen. Und jetzt endlich kann ich zu meinem Punkt kommen (ich weiß das hat etwas gedauert, aber im Vergleich zu den Zeitmaßstäben des Universums, des Großen einen Gedichts, ist ja alles ein bisschen relativ).

Ich behaupte nämlich, dass erfolgreiche Künstler und Leader (politische, unternehmerische, familiäre,…) besonders gut darin sind, Zeit, Raum und Materie in Übergangsphasen zu verdichten. Außerdem schaffen sie es, Dinge und Betrachter in und über einen Phasenübergang auf die nächste Ordnungsstufe zu heben. Sie schaffen es, aus dem Dunkeln Mischmasch das sichtbare Etwas hervor zu kitzeln. Und sie führen es anderen vor, indem sie sie dabei mitnehmen. Erfolg, weil folgenreich.

Die Kunst als Schöpferin

Künstler machen sichtbar, was unter der Oberfläche schwelt. Sie machen spürbar, was eine Gesellschaft, einen Zeitgeist beschäftigt, noch bevor sie oder er es sich selbst eingesteht oder gar wahrzunehmen vermag. Künstler zeigen des Offensichtliche, das bis dahin noch kaum jemand erkannt hat oder in Form bringen konnte. Sie legen das bereits allseits Offensichtliche auf eine Art und Weise offen, die zu neuen Sichtweisen führt. Sie gestalten den Phasenübergang des Alten zum Neuen aus, sind Reporter des Uferlosen, Grenzgänger im grenzenlos Komplexen. Sie reflektieren den Prozess unseres Werdens, sie sind Spiegelbilder der Abgründe ihrer selbst. Je treffsicherer sie den wunden Punkt, die Ideal-Sehnsucht oder die Realitätswut einer Gesellschafft treffen, desto erfolg-reicher sind sie. Vorausgesetzt, sie werden gesehen, gehört, für wahr genommen. Kunst gießt das Vergängliche ins Zeitlose. Große Künstler überleben den Tod weil ihre Kunst weiterlebt, ihr Wirken sich fortpflanzt. Dieser unaussprechliche Kreationsakt gelingt, indem sie das Paradoxe einer Ausgangssituation (Sie erinnern sich: AllesundNichts in Einem) in Bedeutung auflösen. Eine Bedeutung, die von anderen als erlebte Wirklichkeit empfunden werden kann. Oft interpretieren andere ihre Werke ins nicht Nachvollziehbare hinein. Rezipienten sehen, hören, spüren Aspekte eines Prozesses und eines Ergebnisses, die dem Künstler selbst eher als bloße Notwendigkeit erschienen. Einen solchen Wandlungsprozess auszulösen unterscheidet die Kunst von der Natur.

Sie sehen schon: Ich verehre die Kunst, huldige den Künstler in jedem von uns. Die Kunst-Vollen muten sich, ihr Chaos und ihre Komplexität, ihr Dunkel und ihr Licht, sich selbst und anderen zu. Sie heben das Andere ins Blickfeld. Sie sind anders. Künstler passen sich nicht den Vorstellungen anderer an. Sie bleiben stur beim Dokumentieren der Phasenübergänge einer Gesellschaft, eines Wesens, des Universums, ohne all zu sehr darauf zu achten, ob sie dafür gemocht oder geschätzt werden. Verschrobene Wissenschaftler und nerdige Techniker, alle Arten von hemmungslos durch Alles Mögliche motivierten Innovatoren, die es nicht des Geldes wegen tun, sondern um zu gestalten und zu formen, zu bewegen und zu verändern, sind für mich Künstler.

Die Kunst des Führens

Aus dem Hut eines Standpunkts mehrere Handlungsoptionen zaubern. Das kann die Kunst des Führens. Aus der Lustlosigkeit, dem Frust, der Abwehr oder gar Wut einer Belegschaft, eine Vision, Ziele und Taten zu formen, schafft die Kunst des Führens. Echte Leader sehen die Möglichkeiten in der Krise. Und sie geben inmitten des Chaos und der Dunkelheit Orientierung, spenden Vertrauen, stellen ein Vorbild dar. Klingt irreal in Zeiten wie diesen? Erleben wir derzeit zuviel Veränderung, einen zu starken Phasenübergang, eine zu hohe Komplexität, einfach zuviel des Chaos? Ich hoffe sehr auf das Erscheinen jener Führungs-Kräfte, die unsere Zeit braucht. Menschen, die das scheinbar Unmögliche – das Undurchsichtige, undurchdringlich Komplexe – in Möglichkeit, in Ein-Sicht verwandeln. Ordnung auf einer neuen Ebene herstellen, und so ihrer Berufung folgen. Menschen, die kritische Phasen als notwendigen Teil einer laufenden, weil universalen Entwicklung sehen und die diese Evolution tatkräftig begleiten: Wir brauchen Euch! Und wenn Ihr nicht zu sehen seid, liegt es vielleicht daran, dass es so viele sind, die rund um uns das Beste aus dem Hier und Jetzt zum Besten aller, auch dort und dann, machen? Vielleicht fallen deshalb die Ewiggestrigen so stark auf, weil sie in der Unterzahl sind, befremdlich jene längst als untragbar erkannte Realitätsvorstellungen hernehmen, um dadurch den Veränderungen unserer Welt gerecht zu werden suchen? Was genau tun diese anderen, die nicht Ausschau nach neuen Welten, nach neuem Durchblick, nach der nächsten Seinsstufe – und sei sie nur ein Stück näher am Herzen oder ein Stück tiefer im Geist, sind?

Auch jene, die nicht an den Prozess der Weiterentwicklung, des stetigen Werdens glauben, schaffen Ordnung im Chaos. Nur anders. Oder anders gesagt eher immer gleich.

Selbstähnlichkeit alias sich selbst der nächste sein

Zugegeben: Tradition, Rituale, Regeln und Normen – das Ordnunghalten durch das wiederkehrend Gleiche – machen durchaus Sinn. Sie erleichtern das Zusammenleben indem sie verhindern, dass die Einzelteilchen unserer Gesellschaft derart aneinandergeraten, dass sie sich aufreiben und es zu unnötig hitziger Reibungswärme oder gar explosionsartigen Veränderungsschüben, die oft eine massive Vernichtung ihrer Bestandteile mit sich bringt, kommt. Alles beim Alten zu belassen heißt auch, Ruhephasen und Regeneration gewinnen. Aber immer und ewig more of the same? Das lässt die Evolution nicht zu, da sollen die konservativen Kräfte nur lamentieren und intrigieren, sich versteifen und rechthabenwollen so viel sie können. Das „ordentliche Aufräumen“, das Ordnungmachen in Veränderungsphasen auf Basis der Repetition des Starren, basierend auf dem Strickmuster des Alten, versucht das Gleiche wie bisher oder vielleicht sogar die gute alte Zeit zu reproduzieren. Eine Illusion, an der die Ewiggestrigen gerne festhalten, weil sie Kontrolle über das Chaos suchen. Wenn sie das Ruder von Anfang an gehabt hätten, dann wäre das Universum nicht entstanden, denn in der Stille vor dem Beginn, da war‘s so schön ordentlich. Da gab es nur einen Standpunkt. Den Einen. Und der hat sich nicht in Frage gestellt. Oder doch? Ist er deshalb aus der Einheit mit sich gefallen, zur Vielheit gewachsen? Hm. Am Anfang war… Oh ja, da waren wir schon.

Nix is fix

Controlfreak nennt man jemanden, der versucht alles und jeden mit seiner eigenen Sichtweise und den eigenen Methoden zum eigens ausgeklügelten Ergebnis zu pressen. Nein ich meine nicht Lehrer oder Eltern. Die müssen das Paradoxon von Grenzen-setzen und Horizonte-erweitern meistern. Sie haben genug damit zu tun, dass ihr Klientel so veränderungsfreudig und zugleich formungsresistent ist. Gut so, in der Spannung von Altem und Neuem wächst jene Handlungskompetenz, mit ungeahnten Paradoxa vertrauensvoll und zugleich mutig umzugehen. Respekt an jene Lehrer und Eltern, die den Nachwuchs über diese Phasen hinweg begleiten. Der Nachwuchs wächst sich irgendwann mal aus. Er wächst. Zum Er-wachsenen. Und hier ist es wichtig, dass er weiter wächst, flexibel bleibt, immer neue Ordnung schafft – indem er vorhandene Ordnungen weiter-wachsen lässt.

Alles fließt

Nun ja, es lässt sich nicht verleugnen: Chaos und Ordnung sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, die Ausdehnung von Raum und Zeit, sie alle schauen drauf, dass die prinzipielle Tendenz im Universum in Richtung Unordnung geht. Aber es gibt andere, wirksame Kräfte, Mittel und Wege zu immer neuer Ordnung in der Unordnung. Sogar zu immer neuen Ordnungsebenen, komplexere Ordnungen sozusagen: Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Soziologie – alles Zeichen der sprunghaften Entwicklung komplexer Systeme. Das Schaffen neuer Ordnungen kann auch ohne bewussten Akt geschehen. Die Evolution zeigt, dass Fehler und Krisen, Katastrophen und ganz allgemein „das Chaos“, im Sinne des Zusammenbruchs einer Ordnung, zu neuen Formen der Existenz führen.

Chaos Rules, das ist das Statement der beiden Strömungen des Seins. Alles strebt zur Auflösung. Auf dem Weg dorthin, eigentlich währenddessen, entsteht ganz Erstaunliches: Ordnung. Ordnung und Chaos existieren zugleich, der Widerspruch lebt ganz offensichtlich. Alles und Nichts, Chaos und Ordnung. Menschen, die die Einheit des Paradoxen akzeptieren anstelle das Entweder-Oder zu verteidigen, halte ich für lebensweise. Erfolgreich nach universellen Ausmaßen. Mehr geht nicht. Punkt. Punkte. Und ihr Zwischenraum.

Und jetzt? Was tun im Fluss des All-Einen, wenn alles Sein und Werden zum Vergehen und Neu-Ordnen führt? Enjoying the ride? Oder doch lieber eine hehre,  moralisch-ethisch lobenswerte Aufgabe erfüllen? Geht’s auch anders? Mit der Frage nach dem Loslassen und Seinlassen befasst sich BeMeUp-Der Erfolgsblog nächste Woche: Success Story No 23: Freeflowlettingo – alles easy oder was? Samstag, 07.11.2015, 10.00