SUPER SIMPLE SOLUTION No 18 – Wirklich Wahr?!

„Streben nicht alle Menschen nach der Wahrheit?“ fragte mich unlängst eine Freundin.

„Nein!“ wollte mein erster Impuls, schneller als der Schatten meines bewussten Verstandes, seine vor-urteilende Pistole ziehen. Ich zügelte meine Zunge und sprach: „Wahrer, weil näher an der Wirklichkeit, wäre es, das Wort Wahrheit durch Wahrhaftigkeit zu ersetzen.“

Wahrhaftigkeit verstehe ich als den Versuch, seiner inneren Wahrheit gemäß zu leben. Wahrheit in diesem Sinne wird als die eine Wirklichkeit verstanden, die nur im Auge des Subjektes der (Selbst)Beobachtung liegt. Dort, im Auge des Betrachters wird sie überhaupt erst geboren, hier hat sie ihren Ursprung und hier wird ihre Existenz bestätigt. Wahr-scheinlich strebt jede*r danach, ein derart wahrhaftiges Leben zu führen, ein mit sich stimmiges Leben. Ein Leben, in der Haft der eigenen Wahrheit, unter dem Zwang der eigenen Wirklichkeitswahrnehmung. In der Suche nach der beständigen Bestätigung der eigenen Selbst- und Weltsicht, auch wenn sie sich wandelt, finden so manche „sich selbst“ und „ihre Wahrheit“. Immer wieder. „Die Wahrheit“ fühlt sich unter diesem Blickwinkel dann erst besonders wahrhaftig an, wenn ein Erlebnis oder eine Erkenntnis die eigene Wirklichkeitserfahrung aus der Vergangenheit, inkl. der daraus resultierenden Erwartungen für die Gegenwart und Zukunft, bestätigt. Wahr ist, was sich richtig – weil erwaHrtet- anfühlt. Wird die ErwaHrtung gebrochen, muss die Wahrheit erneut gesucht, der Sinn wieder verliehen, die Bestätigung aufs Neue erzielt werden. So wird das der Wahrhaftigkeit gewidmete Leben zu einem Perpetuum Mobile aus der Suche nach der Wahrheit im Erleben einer Wirklichkeit, die mit Hilfe des entsprechenden Wandels von Selbst- und Weltbildern erkannt wird.

Wahrhaftigkeit versus Wahrheitsglaube

„Die“ absolute, einzige, „echte“ Wahrheit suchen manche im Glauben: An ein höheres Wesen, oder auch an wissenschaftliche Objektivität. Eine grundlegende Subjektbezogenheit des Glaubens an sich ist in beiden Fällen argumentierbar: Einmal ist es die Annahme einer überlegenen Wesenheit. Sie ist ja auf allen Ebenen überlegen, stärker, weiser, absolut all-umfassend. Es ist ein Jemand, der/die/das alles kann, sieht, weiß und sogar ist – und sich dieses „Alles“ auch noch bewusst ist, darin herrschen, schalten und walten kann, wie er/sie/es will. All-Mächtigkeit. Wunsch oder Wirklichkeit, wer kann das schon feststellen? Im als wahrhaft empfundenen Glauben und dem tiefen Wunsch nach einer entsprechenden Wahrheit, zeigt sich die Wesenheit des Glaubenden. Dieses Wesen-tliche waHltet in der Wirklichkeit, verwaHltet die Kriterien für eigene Wahrhaftigkeit. Die Wahl  entlässt die Wesenheit und ihre Wahrheit in die Welt.

Der andere Glaube, derjenige an eine rationale, objektive Realität, die wissenschaftlich nachweisbar so und nicht anders existiert, enthüllt spannender Weise eine ähnliche Quelle für Wirklichkeit (was sich natürlich aus meiner Art der Wirklichkeitsbetrachtung ergibt): Den Wunsch nach einer eindeutigen, definitiven Realität. Wissenschaftliche Wirklichkeitsdarstellungen nehmen mittlerweile immer öfter die Form von WAHRschein-lichkeiten an. Methodisch betrachtet ergibt sich etwa aus der Übereinstimmung und den Abweichungen von These und Untersuchungsergebnis ein mögliches Bild der Annahme über die Wirklichkeit, das mit „Der Wirklichkeit“ gleichgesetzt wird. Die konzepthafte Selbstbezogenheit dieser „Verifikationsprozesse“ wird in vielen Disziplinen erstaunlich wenig beachtet.

Klar ist, dass wir jeweils nur erkennen, was wir untersuchen. Wir sehen dort, wo wir hinsehen, das, was wir sehen können und wollen. Und daraus machen wir Sinn. So könnte die Annahme konstruktivistischer Erkenntnistheorie lauten. Ist diese Ansicht wahr, weil Die Wirklichkeit beschreibend? Wissen wir letztendlich nicht. Natürlich nicht. Sie ist im Lichte ihrer Annahmen über die Funktionsweise der Welt eine wahrhaft scheinende, wahr-scheinliche Idee. Konzepte sind immer nur Konzepte. Und doch gestalten wir mit ihnen unsere Wirklichkeit.

Wozu überhaupt Wahrheit, wenn es die Wirklichkeit gibt

Die Wirklichkeit alleine reicht uns Menschen nicht. Wir – Menschen – erstellen Regeln, an die wir uns halten (oder nicht) und wir – Menschen – interpretieren dann all unsere Erfahrungen innerhalb und mittels genau jenem Bedeutungsraum unserer derartigen Erwartungen. Wir bewegen uns durch die Welt mit Hilfe des Vergleichs von ankommenden Eindrücken mit vergangenen Erfahrungen und deren Ergebnisprojektionen auf das Jetzt und das Morgen, die die Gestalt von Ängsten und Hoffnungen annehmen.

Politiker etwa sind sich der Subjektivität der Wirklichkeitswahrnehmung „Des Volkes“ und der Bezüglichkeit zu den individuellen Erfahrungen und Erlebnisräumen oft bewusst. Deshalb tun sich auch so manche schwer mit „ehrlichen“ Aussagen. Um „Den Nerv“ „Der Menschen“ zu treffen, reproduzieren sie generelle menschliche Ängste und Hoffnungen. Sie wollen damit an sich die Wirklichkeitswahrnehmung „Der Menschen“ (=anvisierte Wähler) bestätigen, um den Eindruck zu erwecken, „Die Wahrheit“ zu sagen. Oft genug schaffen sie dadurch erst jene Wirklichkeit, die sie herbei fürchten. Genau deshalb wirken viele „Volksvertreter“ heutzutage auch so un-glaub-würdig wie selten zuvor. Sie verleugnen das Streben nach ihrer eigenen, inneren Wahrhaftigkeit, ihren Wunsch nach dem Glauben an eine Wirklichkeit, die wahrer ist, als ihr Wunsch nach Bestätigung.

Mittlerweile ist der Glaube an die Wahrhaftigkeit im Menschen vielen überhaupt abhanden gekommen. Sie glauben statt dessen eher an die Schlechtigkeit des Menschen. Auch das ist ein Glaube an eine „wahre Wirklichkeit“ und will durch ErwaHrtungen bestätigt werden. Es ist allerdings eine Katze, die sich in den Schwanz beißt, siehe self-fullfilling-prophecy. Natürlich könnten wir auch anders denken, urteilen und hinschauen auf unsere Wirklichkeit. Mann/Frau könnte all die unglaublich tollen Menschen und genialen Errungenschaften, alltägliche Leistungen, und einzigartige Ausdrucksformen wahr-nehmen und bewundern. Aber das ist interessanterweise für viele eher un-wahr-schein-l-Ich. Das hat mit der WaHrnehmung des Ich und seinem Wunsch nach Bestätigung zu tun.

Welche Wahrheit?

Wie sieht die unglaublich nahe liegende Lösung dieses Grunddilemmas der Selbstbezüglichkeit von Wirklichkeitswahrnehmung aus? Wie kann mit dem Problem umgegangen werden, dass Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit unterschiedliche Formen für jeden von uns annehmen können?

Die wahr-l-Ich einfache Lösung liegt vor allem in der Wahl zwischen bewusstem Selbstbetrug oder dem Betrug durch die Wirklichkeitsdarstellung anderer. Das klingt einerseits traurig, weil nach einer Aufgabe des Glaubens an „Die Wahrheit“ und „Die eine, absolute Wirklichkeit“. Ist es aber nicht. Diese Aufgabe kann uns auch erlösen, zu einer Lösung führen. Sie stellt die Weichen hin zu mehr Freiheit, unser Leben durch vom Selbst gewähltes Streben nach „Wahr-Haftigkeit“ gestalten zu können. Im ehrlichen Eingeständnis, dass selbst die Ausrichtung auf Wahrhaftigkeit nur eine innere Bestrebung nach klarer Orientierung und spürbarer Stimmigkeit ist, eröffnet sich mir erst die Wahl der Realität, in der Ich tat-sächlich leben will. Diese Wahl zu treffen, bedeutet im selben Atemzug in dieser gewählten Wirklichkeit zu sein, sich selbst in ihrer innen liegenden Wahrheit zu suchen und mit allem, was die eigene Wahrhaftigkeit an Wehrhaftigkeit hergibt, zu verteidigen. Um an der eigenen Grenze weiter zu wachsen.

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SUPER SIMPLE SOLUTION No 13 – Aber Und Glauben

Wer Was Wie und Warum

WER etwas äußert ist oft wichtiger, als WAS gesagt wird. Und WAS gesagt wird, wirkt oft weniger relevant als WIE es rüberkommt: Untersuchungen bestätigen schon seit Langem, dass die Macht der Worte zum größten Teil in der Art und Weise ihres Ausdrucks liegt. WIE wir etwas ausdrücken, hängt davon ab, welche Worte wir wählen und welche emotionale Konnotation wir ihnen verleihen, sowie vom Rahmen, in dem wir etwas präsentieren. WER und WIE besiegen das WAS, wenn es um Glaub-Würdigkeit geht.WARUM dies so gut funktioniert ist schnell erklärt: WER etwa  Bildsprache und Vereinfachungen (wie Verallgemeinerungen oder Zuspitzungen und Überhöhungen) zu verwenden weiß, diese Worte in anregende Mimik und Gestik verpackt und am richtigen Ort von sich gibt – der kann sein Publikum höchst effektiv emotionalisieren. WARUM jemand sich und seine Inhalte derart in Szene setzt? Weil Emotionen, egal welcher Couleur, die Relevanz des Senders automatisch erhöhen. Will jemand auffallen, bewundert oder gemocht werden, sollte er/sie seine Ansichten so inszenieren, dass sie Emotionen hervorrufen. So weit so klar.

ABER. Was hat das alles mit Glauben zu tun?

Der Glaube ans Gute 

Glauben emotionalisiert uns ebenfalls ungemein. Oder gar umgekehrt: Emotionen lassen uns an Dinge oder Ideen glauben. Der Wunsch an etwas zu glauben, weil es uns emotional anspricht, garniert mit Bildsprache, serviert auf einem Spiegel von Vereinfachungen, ergibt eine ver-Führerische Mischung, die unsere Welt- und Selbstwahrnehmung stark beeinflussen kann. Werfen wir Hoffnung, Angst und Glaube in eine Topf, so entsteht ein wild-duftender Zaubertrank, der stark nach Aber-Glauben riecht: Trotz der an sich nackt-neutralen Wirklichkeit wollen viele von uns ABER an das GUTE GLAUBEN! Wer den Glauben ans Gute, an die Hoffnung, an die Liebe glaub-würdig – also spürbar Gefühle weckend – in den Menschen hervorzurufen versteht, der wird automatisch gemocht, sogar bejubelt. Aber nur von denen, die an das Gute glauben wollen. Eh klar.

Die Dunkle Seite der Macht

ABER. Was ist mit denen, die an den Weltuntergang glauben? An die ständige Bedrohung durch eine prinzipielle Übermacht der Dunklen Seite? Sie glauben an die übermächtige Existenz des Bösen (alternativ: der Blödheit), sowie an eine nicht zu besiegende Macht der Gewalt – und dass beide uns bald fest im Griff haben werden. Genau daran glaubt offenbar dieser Tage ein guter Teil der europäischen, auch der österreichischen Bevölkerung: Dieser Teil fürchtet den Untergang des Abendlands, der westlichen Kultur und Werte, der Wirtschaft sowieso, und die Umwelt hat gar für viele schon längst verloren…

Warum glauben so viele aber an genau dieses ABER, das nachweisbar sehr oft im krassen Gegensatz zur tatsächlich erlebten Realität dieser Menschen steht? Eine mögliche Antwort ist: Weil es Kommunikatoren und Medien sehr effektiv schaffen, genau diese negativen Bilder lebhaft und spürbar in ihnen aufzurufen. Es sind Bilder von Krieg, Kampf, Bedrohung, Abstieg, Verlust. Bilder, die 1-3 Generationen zuvor noch bittere Realität waren. Es sind Bilder des Schreckes, die für die meisten Geflüchteten tatsächlich jetzt bittere Realität sind. Für genau die wiederum viele keine Gefühlsregungen übrig haben. Weil sie offenbar diese Schreckensszenarien verkörpern, vor denen viele hier Angst haben. Derart spürbar verkörpern, dass der Glaube an ein Gutes Ende für solche Menschen in einem übermächtig empfundenen ABER untergeht…

Wort-Wahl

So in die Enge der Angst getrieben, scheint die Wahl nur aus Wegschauen, also aus Ignoranz oder Abwehr, und aus Intensivieren durch Aufbauschen zu bestehen. Kurz gesagt: Paranoia, Verdrängung und Aggression kämpfen in vielen von uns um die Vorherrschaft. Sie alle sind Versuche, mit Angst und dem Glauben an das Böse, Üble umzugehen.

ABER. Was hilft tatsächlich im Umgang mit der Wirklichkeit? Was sollen wir tun? Sollen wir nun ans Gute oder Böse glauben? Wir wollen doch weder naive Gutmenschen noch angstverhaftete Schlechtmacher sein, oder? Welche Seite entspricht mehr der Wirklichkeit? Wir haben schlicht die Wahl. Oder? Nein. Ich bin an dieser Stelle für ein spürbares: UND! Einfach weil ein UND wahrer ist, indem es mehr Realität zu umfassen vermag, als es endweder-oder jemals können. Gut und Böse. Beide sind real. Zumindest so real, wie eben jeder Glaube unsere Handlungen zu beeinflussen vermag. Und ich meine hier nicht den religiösen Glauben, sondern den Alltagsglauben. Also das, was wir für wahr und wirklich halten und was doch nur eine emotional gefärbte Bewertung von Tat-Sachen ist.

ABER das UND hat einen Nachteil: Es macht die Dinge kompliziert…

ABER versus UND

ABER hingegen reduziert das Viele auf die Eine Sicht der Dinge. Und vereinfacht dadurch alles, was danach kommt, wie etwa Entscheidungen zu treffen. Ein UND hingegen stellt Perspektiven einander zur Seite. Viele Perspektiven gemeinsam machen de facto das Geflecht der Wirklichkeit aus, in dem wir leben. Reduzieren wir unsere Sichtweisen auf nur wenige Stränge der An-Sicht, so geben wir damit zugleich unserem Gehirn den Auftrag, alles, was wir erleben so zu filtern und umzuinterpretieren, dass es zu dieser Voreinstellung passt. Ein ABER will stets die eigenen Voreinstellungen, die eigene Vor-Stellung bestätigen. Ein UND hält uns hingegen offen für mehr Möglichkeiten.

Glauben Und Wissen

ABER. Was glauben wir zu wissen? Das ist eigentlich das einzige, worauf es wirklich ankommt. Wir glauben zu wissen, was wir selbst erfahren haben. ABER wir glauben oft, Dinge selbst erfahren zu haben, von denen uns nur emotional höchst nachvollziehbar erzählt wurde! Die Macht der Worte und die Überzeugungskraft guter Redner bewirken ein effektives und lebhaftes Hineinversetzen in alle möglichen Szenarien. Die effektive Manipulation der Befindlichkeit – darin sind gute Redner wahre Meister, egal ob Prediger oder Fanatiker, ob Kabarettisten oder Politiker. Manchmal verschwimmen die Grenzen sowieso: Wissenschaftler, die ihre 1-Satz-Message  kabarettreif rüberbringen. Politiker, die fanatisch predigen. Medien, die mit sachlicher Stimme gefärbte Inhalte präsentieren. Infotainment. Kennen wir alles. ABER. Wo ist die tat-sächliche Wirklichkeit? Dies ist eine Frage, die besonders oft von Negativszenario-Gläubigen an Positivisten und Optimismus-Gläubige gerichtet wird. Die Wirklichkeit liegt in der Sache und zeigt sich in Taten. ABER eben nicht alleine. Hier kommt das UND: Sie liegt auch in der Emotion. Denn durch das Gefühl geben wir den Taten und Sachen erst eine Bedeutung, die für uns Relevanz hat.

Wissen Und Wirklichkeit

Wissen, das sich an die Wirklichkeit hält, müsste ohne Bewertung, ohne Interpretation auskommen. Wissen, was ist, bedeutet im selben Atemzug zumindest zu ahnen, was man alles nicht wissen kann. Keine Wahrscheinlichkeitsrechnung kann das Nicht-Wissen tatsächlich effektiv beseitigen. Wie uns Risikoberechnungen vielfach gezeigt haben, bewahren sie uns nicht davor, Entscheidungen zu rechtfertigen, die letztendlich das auslösen, was vermieden hätte werden sollen. Siehe Immobilien- und Finanzblasen.

Die Wirklichkeit gleicht einem nüchternen Objekt, erlebt von dieselbe emotionalisierenden Subjekten. Ob man es nun glauben will oder nicht: Jedes Wissen kann immer nur einen Auszug der Wirklichkeit liefern. Einen Teil darstellen, der niemals umfassend genug sein kann, um die gesamte Wirklichkeit zu beschreiben. Die wichtigste, weil handlungsrelevanteste Frage an dieser Stelle lautet: Ist dieser Umstand für uns frustrierend oder antreibend? Wissenschaftler fühlen sich durch das Nicht-Wissen und ihren Glauben an eine zu entdeckende dahinterliegende, als Ganzes in ihrem Wirkungsgefüge zu erfassende Realität, „angeturnt“. Sie forschen dann aus Leidenschaft. Aber viele andere regt das Nicht-Wissen und die unüberschaubare Komplexität des Lebens, des Seins und des Rests einfach nur auf. Um beruhigt leben zu können, reduzieren sie die unendliche Wirklichkeit auf einfache Wahrheiten. Sie behaupten alles über die Wirklichkeit zu wissen, indem sie eine Wahrheit definieren und diese, ihre Definition glauben. Der Glaube an die eigens zu diesem Zweck produzierte „Wahrheit“ spendet Sicherheit.

Wahrheit Und Weisheit

Weisheit weiß Sicherheit zu spenden, ohne die Wahrheit der Wirklichkeit zu limitieren. Weisheit agiert oft mit einem unsichtbaren aber spürbaren UND. Mein Lieblings-Haiku illustriert dies deutlich:

„Wie klingt das Klatschen einer Hand?“, fragte einst der Meister seinen Schüler.

Die Weisheit verweist auf das Unsichtbare, das Mit-Existente – selbst wenn es das Nichts, die Leere, das Undenkbare ist. Das noch-Mögliche, Mitgemeinte, Auch-Existierende. Weisheit schließt ein UND eröffnet. Schafft Verbindung UND Freiheit. Weise sind höchst unabhängig und zutiefst verbunden.

Weisheit, Wunder Und Wirksamkeit

Weisheit wirkt Wunder. Warum? Weil sie das ABER in ein UND zu verwandeln weiß. Wo ein UND, da Ent-Wicklung. Wo Entwicklung, da WACHstum. UND:

Wo die Wachheit ohne Wertung, da die Wirklichkeit.

SUPER SIMPLE SOLUTION No 10 – Ode an die Freude

Das Unmögliche möglich machen

Ja, es ist möglich, auch wenn alles manchmal hoffnungslos erscheint. Wir können selbst in Zeiten unvorhersehbarer Veränderungen und trotz anhaltender Krisenstimmung einen Schwenk vollziehen. Zu konstruktiver Lösungsorientierung. Zu Hoffnung, die sich nicht in Glauben, sondern Taten manifestiert. Wir können (zurück) zur Lebensfreude gelangen. Danke an alle, die sehen, wer wir sein können, wenn wir nur wollen – und danach handeln!

Um dorthin zu finden, braucht es oft eine Prozess. Einen Prozess der Auseinandersetzung mit dem Mühsamen, der Angst, der Hoffnungslosigkeit – der uns dazu führt, anders als bisher handeln zu wollen.

Freud und Leid

Ja, es ist möglich. Wir können tatsächlich auch auf allen Ebenen unseres Daseins leiden: körperlich, emotional, mental und durch unser Verhalten. Wir können Leid nach Innen und Außen tragen, es steigern, uns hineinsteigern und letztendlich auch seelisches Leid, also Leid, das uns als ganzen Menschen erfüllt, empfinden.

ABER! Bzw. UND: Ebenso sind wir dazu im Stande, auf all diesen Ebenen Freude in unser Leben zu rufen. Einfach, praktisch, effektiv. Um dies tatsächlich zu tun, braucht es „nur“ einen prinzipiellen ersten Schritt. Nämlich dass wir die Verantwortung für unsere Zustände selbst in die Hand nehmen, anstatt sie an die Umstände, das Umfeld, die anderen abzugeben. Haben wir diese Entscheidung für uns getroffen, so steht dem Freud-vollen Leben nichts mehr im Weg. Vor allem nicht wir selbst.

Der heutige Blog dreht sich um diverse erprobte Wege zu tiefen und hohen Freudenzuständen. Wir beginnen beim Körper, gehen dann zum Gefühlsleben über und landen beim Geist. Aus diesen drei Perspektiven gespeist, verändert sich dann unser Verhalten ganz „automatisch“ hin zu mehr happyness, spürbar für uns und andere.

Rezepte für körperliche Freuden

Wann freuen wir uns überhaupt physisch? Alleine die Freiheit von Schmerz reicht noch nicht zum erlebten Jauchzen jeder Zelle. Ernährungswissenschaftler und Gesundheitsmediziner haben diesbezüglich eigene Zugänge: viel Wasser (ca. 1 Liter pro 25 kg), um die Funktionsweisen von Blut bzw. Zellen zu maximieren. Vitamin D (oder tatsächlich auf der Haut ankommende, regelmäßige Sonnenbestrahlung) als Stimmungsaufheller. Ausreichend Proteine/Eiweiß für unsere zellulären Energiekraftwerke, die Mitochondrien. Tryptophan als Basis für die Produktion von Serotonin (unser „Glückshormon“), etwa in Cashew-Nüssen vorhanden. Magnesium im oberen Normbereich (erkennbar in den meisten Standardbluttests) und am besten kaum Kohlehydrate (Respekt wer das schafft). Zucker ebenfalls reduzieren. Und zum Thema Fett: Omega 3 Fettsäuren (Lachs, Hering, Makrele), eh klar. Durch einen angeregten Serotonin-Haushalt sollte dann auch genügend Melatonin für einen tiefen, entspannenden Schlaf sorgen. Extrem wichtig fürs Wohlgefühl. So wir uns selbst nicht zu viel sorgen und die Schlafrhythmen durch unsere emotionale Befindlichkeit bzw. Stress unterbrechen. Damit also zum Stressabbau: Für die effektive Reduktion von Cortisol und anderen Stresshormonen bzw. –Zuständen (wie muskuläre Anspannungen, Atmungsuntiefen etc.) bietet sich – natürlich – Bewegung an. Sex sowieso. Da kommt dann vielleicht auch noch Oxytocin dazu, das seligmachende „Kuschelhormon“…

Sportler bringen ihre Zellen zum Singen, indem sie an ihre Grenzen gehen, wodurch sie die Ausschüttung von seligmachenden Endorphinen forcieren. Wobei manche Studien besagen, dass diese Stoffe tatsächlich gar keine Wohlgefühle verursachen, sondern vielmehr hochwirksame „Schmerzstiller“ sind. Wahrscheinlicher ist es, dass ganz andere Hormone für das Wohlgefühl ausschlaggebend sind: etwa Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Endocannabinoide und Serotonin. Ein anderer Zugang ist der Rhythmus: Ob durch rhythmische Bewegung beim Tanzen, Laufen, Liebemachen etc. ist vollkommen nebensächlich. Der Rhythmus an sich führt zum Entstehen eines „Flow“-Gefühls, das für den Abbau von Problemorientierung bzw. für eine Neubewertung von als problematisch abgespeicherten Erfahrungen sorgt.

Tun – oder nicht tun

Wenn wir all dies wissen (und viele von uns wissen all dies und noch viel mehr über Wege zu mehr Freude), dann stellt sich nur noch die Frage: Warum TUN wir all dies nicht bzw. so oft sogar genau das Gegenteil? Essen, was uns schwer macht, statt leicht. Tun, was uns Energie raubt, statt bringt. Wir verursachen uns selbst und anderen Leid, Schmerz und Unwohlsein – und dies scheinbar durchaus mit einiger Lust… Stundenlanges Fernsehen, Chips-Essen, Ab“hängen“, Alkohol… Wie kann das alles Spaß machen, wenn es doch eher keine echte Freude auslösen sollte?

Fragen wir an dieser Stelle zur Abwechslung einmal nicht nach dem „Warum“, sondern fragen wir uns lieber: „Wozu“? Was haben wir davon, wenn wir uns nicht freudvoll fühlen? Mit dieser Frage betreten wir das Reich der Gefühle:

Worauf freuen Sie sich?

Vorfreude ist erwiesenermaßen eine effektive Methode, um im Hier und Jetzt tatsächlich erlebte Freude ins Leben zu rufen. Doch wie oft kommt es nicht anders als erträumt! Die Enttäuschung scheint ein fixer Bestandteil unseres Erlebens zu sein. Viele von uns hören deshalb früher oder später auf, sich auf etwas zu freuen. Schade eigentlich. Denn im Sinne des Aufrechterhaltens eines Freudenzustandes wäre es wesentlich effektiver, wenn wir lernen würden, zunächst unsere Vorfreude zu genießen – und dann mit Überraschungen und Erwartungsbrüchen konstruktiv umzugehen. Wenn wir dies aber nicht lernen, so lernen wir dafür etwas anderes, nämlich wie wir negative Erfahrungen und Erwartungsenttäuschungen verdrängen. Eben, indem wir unseren Körper stillstellen und unsere Gefühle durch Alkohol etc. künstlich verändern. Wir kompensieren fehlendes körperliches Wohlgefühl und fehlende zwischenmenschliche Verbundenheit (übrigens auch eine Quelle von langanhaltender Freude) mit Hilfe von sog. „Belohnungsstrategien“. Wir freuen uns dann nach der Erfahrung von Mühsal auf  die Belohnung in Form von Schokolade, oder aufs Fremdschämen bei der Reality Show, aufs „Abschalten“ beim Bier etc. Und diese Art von Vorfreude wird nicht enttäuscht werden! Diese Formen von Belohnung liegen wahrlich in unserer Hand… Womit wir schon den Nutzen von „ungesunden“ Tätigkeiten hätten: kontrollierbare Zustände, die uns von effektiv negativen Gefühlen ablenken. Funktioniert. Bloß nicht auf Dauer. Irgendwann werden wir krank, einsam und/oder unglücklich. Spaß und Freude sind eben 2 verschiedene Paar Schuhe. Kurzfristiges Entspannen durch Ablenkung ist durchaus beim Stressabbau hilfreich, aber erst nachhaltige tiefe Freude nährt Körper, Geist und Seele dauerhaft. Spätestens wenn wir uns trotz intensiver Nutzung aller Kompensationsstrategien immer schlechter fühlen, kommt das (Nach)Denken auf den Plan. Und Planänderungen werden ins (geistige) Auge gefasst…

Ein freudvoller Geist…

…ist oft alleine auf dieser Welt. Optimisten werden nicht selten als naiv abgewertet. Und Realisten haben selbstverständlich freudlos zu sein. Grundlose Freude ist etwas für Kinder. Der Ernst des Lebens hat den Erwachsenen fest im Griff zu haben. Sonst kann man ihn/sie ja nicht ernst nehmen. Oder vielleicht doch?

Wir müssen schon ordentlich anders denken, um uns einen Weg aus diesen Vorurteilen heraus zu bahnen. Freude ist in unserer Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit. Arbeit, Medien, steuerliche Pflichten oder die Mühen der Erziehung und vieles Alltägliche mehr – selten sind sie Quellen für Freude. Und vielfach geben sie gute Anlässe zur kurzfristigen Ablenkung siehe oben. Die Super Simple Solution in Bezug auf ein freudvolles Leben bedarf des Mutes. Vernunftmenschen könnten sich sagen „Es macht einfach Sinn, jene Umstände zu fördern, die tiefe und hohe Freundenzustände auslösen.“ Und Bauchmenschen könnten sich sagen „Es macht einfach auf Dauer noch mehr Spaß, unserem Körper und dem Gefühlsleben zu geben, was wir brauchen – anstatt uns vom Negativen abzulenken.“

Aber was tun wir dann effektiv mit dem als negativ Erfahrenen? Wir lassen es sein, ohne ihm Energie zu geben. Wir tun, was vor der Nase liegt: Wir lösen die Negativität verursachenden Probleme, wo wir dies können. Und wir lassen uns nicht von der Freudlosigkeit anderer anstecken – egal, was sie sagen und von uns halten. Dieser Haltung geht eine Entscheidung voraus, nämlich zu unserer eigenen Wahrheit, zu unserem Freudenzustand, zu stehen und dort zu verweilen, so lange wir möchten. Ohne anderen ihre Realität abzusprechen. Jedem sein Recht auf seine eigene Stimmungsfarbe. Oder?

SUPER SIMPLE SOLUTION No 8 – Die Wahl, das Alter und das Ego

Identität – oder die Wahl: Wer bin ich?

Wenn unsere Vergangenheit die Wahl unserer Identität bestimmt, dann ist unser „Ich“ die Summe unserer Prägungen, Erfahrungen, Bedürfnisse und Vorlieben/Abneigungen.

Wenn die Gegenwart die Wahl unseres Selbstbildes trifft, dann drückt unser „Ich“ unsere Erwartungen, Ängste wie Hoffnungen im Hier und Jetzt – verbal und nonverbal, bewusst und unbewusst – aus.

Wenn wir auf Basis der Vergangenheit und des aktuellen Zustandes unser Wesen definieren, dann wird unser „Ich“ niemand anderes als das Ergebnis unserer bisherigen und aktuellen Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen in Reaktion auf unsere Umgebung sein.

Aber wo bleibt da die freie Wahl? Sie liegt genau hier: im Erkennen unserer Funktionsweise.

Wer bin ICH also? ICH ist das Resultat der erinnerten Vergangenheit und der antizipierten Zukunft. Ich bin mein Alter, meine Geschichte – und mein Ego erzeugt mICH in jedem Augenblick.

Doch es herrscht ein immenser Unterschied zwischen dem ICH, das aus der Angst vor der Zukunft geboren wird und dem ICH, das dem erlebten Vertrauen erwächst.

Und genau diese Wahl, die wir tatsächlich täglich aufs Neue treffen können, entscheidet über unser Selbsterleben und über die Welt, in der wir leben. Auch morgen. Es geht darum, ob wir in Angst leben oder Vertrauen bilden. Aber haben wir wirklich die Wahl?

Identität zwischen Einheit und Unterscheidung

Ohne Akt der Unterscheidung, was Ich bin und was Ich nicht bin, gibt es mIch nicht. Das klingt banal, hat aber eine schwerwiegende Auswirkung: Erst durch Unterscheidung gibt es mich als nach innen hin definierte und nach außen (wieder)erkennbare Einheit.

Eins mit sich sein, über die Zeit hinweg konsequent stimmig sein – bedarf zunächst der Abgrenzung.

Im Unterschied zwischen innen und außen, zwischen mir und anderen erkenne ich mICH selbst.Und von hier aus kann ICH den nächsten Schritt gehen: ICH kann erkennen, wer WIR sein können und was uns zusammenhält, wenn wir diese Grenzen zwischen uns nicht ziehen.

Verzichten wir auf Unterscheidungen, können wir unser All-Eins-Sein erkennen und spüren.

Identität, verstanden als der stabile Kern unseres Selbstempfindens, verlangt nach Abgrenzung. Solange zumindest, bis wir lernen, in der grenzenlosen Offenheit zu Hause zu sein. Und das kann ein Leben lang dauern, oder auch nie geschehen.

In dem Moment aber, in dem ich mein ICH, also meine Vorstellung von mir und der Welt für wahrhaftig, für gegeben, für unabänderlich und einzig wahr halte, wird alles ANDERE zur potenziellen Bedrohung. ICH will Stimmigkeit mit seiner Vorstellung. ICH will nicht, dass seine Bedürfnisse und Ansichten, Hoffnungen und Weltbilder ignoriert oder konterkariert werden.

ICH wehrt sich gegen jede Bedrohung.

Indem es seinen inneren Schutzschirm hochfährt, sich abschottet – oder nach außen hin aggressiv wird oder ANDERE(S) zu kontrollieren versucht. Mit Gewalt, durch Machtausübung.

Orientierung und Stabilität

Ordnung und Sicherheit, Kontrolle und Planbarkeit – sie alle zielen auf eines ab: auf tatsächlich erlebte Stimmigkeit der äußeren Wirklichkeit mit der eigenen Selbst- und Weltsicht. Hier treibt uns die Hoffnung auf gefühlten Frieden durch Aufrechterhalten des Alten und des Ego.

In Zeiten des Wandels und unter der Prämisse der Freiheit kann der Eindruck von Chaos vorherrschend werden. Wo Strukturen aufbrechen und neue noch nicht in Sicht sind, greift das Gefühl von Instabilität gnadenlos um sich. Die Frage nach Orientierung wird vorherrschend.

Wir Menschen sind – evolutionsgeschichtlich – gesehen auf die Wahr-Nehmung von Angst spezialisiert (das haben wir im Überlebenskampf tausende von Jahren lang trainiert). Daher werden wir in solchen als kritisch und unplanbar empfundenen Zeiten leicht aggressiv, ignorant oder abweisend. ICH will sich schützen, es hält an Altem und Ego fest.

Haben wir uns hingegen unser Leben lang mit den Mechanismen von Kreation, Innovation und Wachstum beschäftigt, so wissen wir, dass Irritationen und Wechselphasen zu Entwicklung und Fortschritt dazugehören. Unser Selbstbild ist durch diese Erkenntnis nicht gefährdet, ein derartiges Ich, das um ein kollektives Wir im Wandel erweitert ist, schöpft die Orientierung aus dieser Ausrichtung und im Prozess selbst.

Keine Henne ohne Ei. Und kein Ei ohne Henne. In beiden Fällen. Angst oder Vertrauen: Unsere Wahl zählt!

Ident und Täter

Wir haben die Wahl. Jeder einzelne von uns. In jedem Moment. Wo sehen wir hin, wie handeln wir, wem schenken wir unsere Aufmerksamkeit, wen wählen wir zum Präsidenten.

Wir können dabei zwei emotionalen Leitlinien folgen:

  1. Gleichmachen und Angstschüren.
  2. Unterschiede sehen und Vertrauen.

Wofür entscheiden wir uns: Werden wir zu Triebtätern der blinden Angst oder zu Wohltätern des sehenden Vertrauens?

Angst versus Vertrauen

Angst ist der Gegenpol zu Vertrauen.

Vertrauen braucht innere Sicherheit, Angst sucht die Sicherheit in starren Systemen. Aus der Angst heraus existieren evolutionsbiologisch gesehen nur 2 Reaktionsmöglichkeiten: fight or flight. Panikreaktion und Totstellen oder Wut und Hass.

Vertrauen wiederum bedarf einer gehörigen Portion Mut.

Nicht umsonst heißt es ver-trauen. Es ist der Mut, der sich der Realität stellt, ohne wegzuschauen. Wir trauen uns zu sehen, was auch immer da ist, ohne zuzuschlagen oder abzustumpfen. Vertrauen heißt verletzlich sein und zu bleiben, empfänglich für die unendlich vielen Facetten des Lebens. SIch zu trauen. Sich und anderen, der Welt und der Zukunft zu vertrauen, bedeutet in Offenheit zu erleben, was da ist und in Ruhe zu tun, was getan gehört, um noch mehr Vertrauen ins Leben zu rufen. Vertrauen zu verbreiten ist so viel schwieriger als das Angsthaben zu schüren…

Faites vos jeux

Die vermeintliche Sicherheit der Vergangenheit ist eine Illusion, die Planbarkeit der Zukunft ein vermeintliche Sicherheit spendender Traum. Aber Angst erzeugt nur noch mehr Angst.

Was bleibt übrig? Das Vertrauen in die Vernunft. Auch und gerade jetzt. Seien wir uns bewusst, dass wir unser aller Leben durch unsere Wahl mitbestimmen.

Zeigen wir Courage. Wählen wir den Mut, uns und einander zu vertrauen.

FOCUSHIFT

Secret Success Story No 19 – über die Augen des Betrachters

Sehen und gesehen werden

Wir sind, was wir essen. Wie wir wohnen. Was wir lesen. Woher wir kommen. Wie wir uns verhalten. Wie viele Methoden es nicht gibt, um festzustellen wer oder was wir sind! Wenig mehr fasziniert uns Menschen so sehr wie die Geschichten und Spekulationen rund um andere Menschen. Was sie quält, was sie auszeichnet, was sie besser und schlechter als wir selbst machen. Unsere Interessen offenbaren uns als Beziehungswesen, die Wenigsten entscheiden sich tatsächlich und freiwillig fürs Einsiedlertum. Wir lieben Geschichten. Großes Kino, Nahes Fernsehen, Zeitungs-Stories und Soziale Dramen – oder auch das beliebte Soziale Netz-Panoptikum. Wer es zur geschichtsträchtigen Figur schafft, der hat „es“ geschafft. Ja, aber was denn eigentlich? Erfolgreich in aller Munde zu sein? Reicht es, wenn uns Aufmerksamkeit geschenkt wird, egal wofür? Sind in diesem Zusammenhang sogar „only bad news good news“? Selbstmarketing gehört heute zum Karriere-Making fix dazu. Optik und Präsentation, Auftritt und Rhetorik – alles zahlt ein ins Gesamtbild, das andere von uns haben – sollen. Zahlt ein in die Geschichte, die wir uns selbst über uns erzählen und die nicht nur wir, sondern zuallererst die anderen über uns glauben sollen. Wir wollen, dass andere uns sehen, wie wir uns selbst gern sehen würden. Sie sollen bestätigen, was wir uns selbst vielleicht (noch) nicht glauben…

Selbstbild und Fremdbild

Was sehen wir, wenn wir uns selbst betrachten? Welche unserer Stärken und Schwächen (aner)kennen wir? Und wie „recht“ haben wir mit unserer Selbsteinschätzung? Wie viele halten sich selbst für toll, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass dieses Gefühl der „objektiven“ Grundlage entbehrt. Aber: Brauchen wir wirklich einen Grund, um uns toll zu finden?? Könnten wir uns nicht einfach nur für wunderbar halten, simpel weil wir existieren? Irgendetwas hakt bei diesem Gedanken. Das darf nicht sein. Warum eigentlich nicht? Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen – liegen sie denn überhaupt in unserer eigenen Hand? Oder bekommen wir sie von der Kinderstube, dem Erziehungssystem, der Umgebung, sprich: den Anderen auf unseren Weg mit – oder eben nicht mit? Wie viele Erfolg-Reiche kompensieren in ihrem Streben nach äußerlichem Erfolg das tief in ihnen verankerte, teils seit Kindheit genährte Manko an Selbstwertgefühl? Und wäre die Schlussfolgerung korrekt, dass psychisch Gesunde, weil von der Meinung und den Gefühlen anderer Un-Abhängige, gleichzeitig aufhören würden, nach Anerkennung und Erfolgsbestätigung durch die Augen anderer zu streben?

Was sehen andere in uns?

Liegt Erfolg im Auge des Betrachters – und zwar im Auge der Anderen, die uns betrachten? Liegt der gesunde Stolz auf uns selbst in der Hand der Außenwelt, die uns durch ihre, also öffentliche, Akzeptanz zum Beispiel in Form von durch sie verliehene Ehren wie hohe Reputation, vollmundige Titel oder vielzitiertem Expertentum zum Glänzen bringen?

Und was ist mit den verinnerlichten Anderen? Jenen Anderen, die ein integraler Bestandteil unserer Selbst geworden sind und deren Stimmen wir – ohne es zu wollen – in uns sprechen hören. Die Stimmen unserer Vergangenheit, die Wünsche und Werte unserer Eltern, die Normen der Gesellschaft, in der wir aufgewachsen sind? Bestimmen sie nicht alle darüber, wann und unter welchen Umständen wir uns als erfolgreich empfinden dürfen? Wieviel von dieser Fremdbestimmung ist uns überhaupt bewusst und wieviel tragen wir ganz selbstverständlich als einen Teil unseres Selbstbildes und der Ansprüche, die wir an uns stellen, mit und in uns? Wie steht es mit Ihnen: Dürfen Sie sich erst wohl fühlen, wenn Sie etwas geleistet haben? Zugegeben, manchmal schätzen wir uns selbst für unsere Leistungen, auch wenn sie keiner sieht. Aber ist es dann wirklich die eigene Stimme in unserem Kopf, die uns lobt und so zufrieden stimmt – oder nur eine uns zutiefst bekannte Stimme der Vergangenheit, die uns einst gelehrt hat, dass wir uns nach vollbrachter Tat redlich und gerecht wohl in unserer Haut fühlen können.

Sind es nicht auch stets andere, die uns gut für außergewöhnliche Dienste, spektakuläre Leistungen oder wertvolle Produkte bezahlen? Ist es nicht erst der erhaltene Lohn der Mühe, der uns als erfolgreich abstempelt? Und ist es nicht genau dieses Anhäufen von fremdem Geld und Gut, das uns zu Aufsteigern macht? Manchen ist der gesellschaftliche Status, die eigene Größe ja bereits mit der adeligen Abstammung oder dem fetten Erbe in die Wiege gelegt. Macht sie das zugleich auch erfolgreich, oder ist das nur folgenreich oder sind sie vielleicht nur reich (an Geschichte(n) und/oder Geld bzw. Besitz)?

Warum glauben wir daran, dass Selbstwert mit Geldwert oder mittels dem Wert einer guten Geschichte gekauft werden kann?

Die Kristallkugel und das Hell-Sehen

Was sehen wir, wenn wir in die Zukunft blicken? Wir sehen die Konsequenzen unserer Prägung, unserer Erlebnisse, unserer Erfahrungen – entschlüsselt durch den Code unserer gewohnten Interpretationsmuster. Diese sind nicht nur mentaler Natur. Körper und Geist finden im Gehirn zusammen, das limbische System mixt hier noch die Gefühlswelt hinzu. Hormonausschüttungen, die Sättigung mit Mineralstoffen oder anderen Substanzen beeinflussen ebenso wie viele andere Aspekte – etwa muskuläre Körperzustände – massiv, ob wir uns stark oder schwach, gut oder elend, zufrieden oder angespannt fühlen. Das Gefühl erfolgreich, stark, schön, leuchtend, beschenkt etc. zu sein manifestiert sich schlichtweg unter den richtigen inneren, also psychophysischen Zuständen. Diese können allerdings durch äußere Umstände „getriggert“ (ausgelöst) werden.

Wir lieben Geschichten oder Spiele deshalb so sehr, weil wir durch sie in alle möglichen Gefühlszustände tauchen können, ohne die Last der Konsequenzen auf uns nehmen zu müssen. Konsequenzen, die in der Außenwelt Wellen schlagen würden, wenn wir in echt so gewalttätig wie James Bond oder so verantwortungslos wie Onkel Charlie wären. Das vorübergehende Mit-Erleben von fremder Größe, Stärke oder Wahnsinn hat zwar vielleicht nicht direkt etwas mit unserem Selbstbild zu tun. Es beeinflusst uns eher indirekt. Durch das Nachvollziehen anderer Verhaltensmöglichkeiten als den uns eigenen – und durch das klare Spüren des Unterschiedes zwischen beiden – nehmen wir unsere eigene Welt, unser Selbst als heimeliges Zuhause wahr. Vielleicht wünschen wir uns aber manchmal stärker, schneller, klüger, wichtiger, schöner, jünger, geliebter, reicher etc. zu sein. Diese Gefühle können Ansporn für die eigene Entwicklung sein. Oder sie sind eine Quelle, das eigene Selbstwertgefühl im Keim zu ersticken. Und genau diese Wahl treffen wir selbst. Exakt diese Entscheidung, wer wir sind sollten wir auch tatsächlich selbst bestimmen, oder?

Stop!

You’d better stop before you go and break my heart…“ singt Sam Brown in ihrem Song Stop!.

Es gibt die unterschiedlichsten Wege, sich im automatisierten Bewerten, Denken, Fühlen und Handeln aufzuhalten und die eigene Aufmerksamkeit auf neue Wege zu lenken. Eine Verlagerung unseres Fokus verhindert nicht nur, dass wir uns selbst und/oder andere physisch, psychisch oder emotional verletzen. Das bewusste neuerliche Ausrichten des Lichtkegels unserer Wahrnehmung auf andere Stellen eröffnet auch neue Handlungsperspektiven. Der Wechsel unseres Blickfeldes führt uns recht leicht vom Problemdenken, von leidvollen Gefühlen oder schwierigem Verhalten hinaus zu frischen Möglichkeiten und ungeahnten Lösungsansätzen.

Unterschiedliche praktische Methoden können beim Aussteigen aus gewohnten Mustern helfen: Ein Stop! (leise im Kopf gesagt oder laut ausgesprochen), ein echter Schritt weg vom Problem („von der Leitung runter steigen“) getan, eine bestimmte Ankerstelle am Körper gedrückt (die zuvor mit etwa einer positiven emotionalen Konnotation gekoppelt wurde), ein simpler Satz wie „Was ist sonst noch möglich?“, ein lautes oder auch besonders sanftes Musikstück. Es gibt viele Wege hinaus aus dem Problem und hinein ins Unbekannte…

Warum fällt es uns aber so schwer, innezuhalten und unsere bisherige gewohnte Sichtweise von uns selbst und der Welt zu relativieren? Weil wir in diesem Fall oft den Eindruck damit verbinden, wir würden uns selbst verraten, unsere Ansichten, unsere Identität aufgeben. Nicht „zu uns“ stehen. Wir identifizieren uns mit unseren Gewohnheiten. Keine hilfreiche Angewohnheit, wenn es darum geht, andere Wege zum Erfolg zu finden und einzuschlagen. Von der Schatzsuche nach unglaublichen, ungewohnten Möglichkeiten zum Erfolg handelt dann der nächste Blog:

Possidigging – über das Suchen und das Finden. Success Story No 20: Samstag, 17.10.2015, 10.00

CHALLENCHOICE

Secret Success Story No 13 – über das Gute an der Qual der Wahl

Freiheit – Privileg und Geißel unserer Zeit

Viel wurde schon darüber geschrieben, wie mühselig doch unsere heutige Zeit geworden ist: Unsere „Freiheit“ besteht darin, ständig Entscheidungen treffen zu müssen, ohne aber die Konsequenzen absehen zu können. Auch die Entscheidungsgrundlagen gleichen eher trüben Sümpfen als dass sie einer klaren Architektur zu folgen scheinen. Die allgegenwärtige Informationsflut überschwemmt uns mit einer unüberschaubaren Vielzahl an… Ja was eigentlich? Das weiß keiner so genau. Hauptsache viel Info, gleichzeitig und räumlich parallel.

Das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben, geschweige denn über die äußeren Umstände musste schon vor einiger Zeit einem Arrangement mit dem „es ist wie es ist“ weichen. Manche interpretieren ihre Rolle in der derzeitigen, gelinde gesagt „veränderungsfreudigen“ Situation eher als Auftritt in dem Stück „friss Vogel oder stirb“. Andere entwickeln im steten und durchaus (mit)reißenden Fluss der Veränderungen eine innere Stabilität. Der Blog nächste Woche („Flexicore“) handelt von ihnen.

Heute geht es um die prinzipielle Einstellung zur Vielfalt – und um unseren Hang zur Einfalt, was unsere Handlungsmöglichkeiten betrifft.

Widerstand ist zwecklos

Gefühle und gedankliche Schlussfolgerungen limitieren unseren Handlungsraum. Gefühle und Gedanken sind nicht viel anderes, als die Interpretation von Sinnesreizen und Körperzuständen im Gehirn. Mit Körperzuständen sind etwa muskuläre Spannungen, der Sauerstoffgehalt im Blut (verursacht durch beispielsweise flache oder tiefe Atmung) oder der im Körper befindliche aktuelle Hormoncocktail gemeint. Diesen „Informationen“ – im Sinne der derzeitigen „Form“, in der wir uns jeweils befinden – wird von uns eine „Bedeutung“ zugeschrieben. Dies geschieht auf der Basis unserer Erfahrung: unsere Erlebnisse, Prägungen und damit Gewohnheiten geben vor, wie wir etwas fühlen, sehen oder verstehen. Das ist er Grund, warum uns immer wieder „dasselbe“ passiert, obwohl wir ja eigentlich „niemals in denselben Fluss steigen“. Die persönliche Interpretation ist aber auch ein Weg im stets Neuen den Eindruck der Kontrolle und Selbstbestimmung aufrechterhalten zu können. Jede Interpretation ist ein willkürlicher, wenn auch zumeist unbewusst ablaufender, Akt der Verortung auf einer fließenden Skala zwischen beispielsweise gut oder schlecht, hell oder dunkel, angenehm oder unangenehm. Insofern ist jede Interpretation zugleich auch ein Akt der Bewertung. Und an dieser Stelle wird es wirklich interessant.

Challenge without choice

Würden wir nämlich akzeptieren, dass jeder Moment absolut einzigartig ist, bräuchten wir ihn nicht mehr zu interpretieren im Sinne von bewerten. Nein: Wir könnten ihn sogar gar nicht mehr bewerten. Wir wären uns voll und ganz bewusst, dass jede Interpretation unserer eigenen Sicht der Dinge entspringt, und damit nur uns selbst und unsere eigene Wirklichkeit widerspiegelt – und nicht „die“ Wirklichkeit (oder „die Wirklichkeit der anderen“).

Aber warum ist diese Unterscheidung überhaupt wichtig? Warum ist es wichtig anzuerkennen, dass wir niemals mit unseren Sichtweisen „absolut recht“ haben sondern nur „relativ recht“, quasi „subjektiv recht“?  Reicht es denn nicht für ein authentisches, erfolgreiches Leben, unseren eigenen Weg gemäß unserer eigenen Vorstellung zu gehen? Ja und Nein. Es kommt eben auf unsere bewusste Einstellung der Subjektivität jeder Entscheidung gegenüber an.

Das eigentliche Problem besteht darin, dass jede Entscheidung eben eine Bewertung, eine Interpretation der Gegebenheiten ist. „Die Gegebenheiten“ erleben wir dadurch, dass sie in uns repräsentiert in Form unserer eigenen Zustände sind. Die Interpretation dieser eigenen Zustände basiert dann eben – wie oben schon beschrieben – entlang unserer Musterprägungen, Erfahrungen, Gewohnheiten. Eine Wahl zu treffen bedeutet, die uns zu einem Zeitpunkt gerade sichtbaren Möglichkeiten zu bewerten, abzuwägen – sprich: auf das uns Sichtbare, Zugängliche zu limitieren.

Die „Qual“ der Wahl stellt sich eigentlich genau hier und jetzt ein: Wenn wir nicht mehr bewerten können oder die Konsequenzen nicht mehr abschätzen können, weil uns eine eindeutige Grundlage für diese Einschätzungen fehlt. Genau hierin liegt aber zugleich die Chance, mehr als „das Übliche“ erkennen und letztendlich tun zu können…

Die Kraft der Entscheidungslosigkeit

Das größte Abenteuerland, die größten Herausforderungen, liegen dort verborgen, wo wir noch nicht waren. Im unbegrenzten Hier und Jetzt. Und um dorthin, dahin, hierher zu gelangen braucht es nicht viel. Ganz im Gegenteil: nur die Aufgabe von Vor-Stellungen.  Das Aufhören vom Bewerten und Interpretieren. Durch die  Hingabe an die Entscheidungslosigkeit eröffnet sich uns das weite Land der Komplexität. Eine Realität zwischen Chaos und Ordnung mit unendlich vielen Möglichkeiten. Orientierung, Sinn, Richtung, Ziel – alle diese Anker des Alltags geben hier wie eine Landschaft verschiedene Täler und Bergspitzen, Flüsse und Wege ab. Und wir sehen verschiedene Menschen auf ihren eigenen Wegen. Wir sehen unsere und ihre Landschaften neben einander. Und manchmal sehen wir uns zu, wie wir gemeinsame Welten gestalten.

Zuvor haben wir zumeist unsere selbst geschaffene Landschaft wahrgenommen. Wenn wir unsere Vor-Stellungen, unsere Bewertungen und Ein-Schätzungen von gut/böse, richtig/falsch, schwarz/weiss etc. als relativ erkennen und ein Stück weit loslassen, füllt sich der Raum mit ungeahnten, ungesehenen Möglichkeiten.

Die Macht der Wahl liegt darin, sie auch nicht treffen zu können

Jede Entscheidung reduziert unendliche Komplexität auf eine simple Funktion. Sei es der Gewinn von Sicherheit, das Stillen von Bedürfnissen, das nackte Überleben. Als Menschen, die im Alltag funktionieren wollen, müssen wir uns ständig entscheiden. Als Vor-Bilder im Unternehmen oder in der Familie müssen wir uns entscheidungsstark geben, um anderen das Gefühl von Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit zu vermitteln. Wir können nicht von allen erwarten, Komplexität aushalten zu wollen. Es ist jedermanns/-fraus gutes Recht, sich auf die eigenen Sichtweisen zu reduzieren. Ich sage nur: Wenn wir alle unsere Sichtweisen relativieren könnten und uns in diesem Bewusstsein begegnen würden, dann wäre die Welt eine große gemeinsame und vor allem friedlichere Spielwiese.

Ganz in diesem Sinne fordere ich unsere gewohnten Erfolgsbilder heraus: Muss wirklich immer der Stärkere gewinnen? Können wir nicht die mit der Fähigkeit zum intellektuellen Tiefsinn (statt denen mit den Bestsellerlisten), die mit der Fähigkeit zum handlungsorientierten Weitblick (statt denen mit dem meisten Geld/Macht/Ansehen), die mit der Fähigkeit zur emotionalen Nahversorgung (statt denen, die uns das Ganze auf der Leinwand vorspielen) oder die mit der Fähigkeit zum körperlichen Höhenflug (statt denen, die Spitzenleistung bringen) an ihrer Stelle küren? Hier mein Vorschlag: Machen wir einander zu Gewinnern, einfach für die Eigenart, die wir einander schenken – gönnen wir uns Erfolg auf unsere Weise, schätzen wir uns nicht ein oder ab, sondern hoch!

Challenge the Choice! Choose the Challenge! Das bewusste Leben im Fluss unendlicher Komplexität verlangt nach einer unerschöpflichen Quelle innerer Stabilität, die uns wie die Nabe am Rad in der Mitte des Seins zentriert, während das Leben sich in alle Richtungen entwickelt. Mehr dazu in

Flexicore – Success Story No 14: Samstag, 06.06.2015, 10.00

BeMeUp – Der Erfolgsblog. Jeden Samstag um 10.00. auf www.bemeup.today

DIE WAHL

Teaser No 2 – über das Unbequeme an der Komfortzone

Der Ruf der Ferne

Sie ist wirklich gut. Sprüht vor Geist, überzeugt mit scharfen Beobachtungen und schafft ungewöhnlich treffende Zusammenhänge. Das muss er neidlos zugeben. Er sieht sich um. Zusammengekniffene Augen, handy-erleuchtete Gesichter, heruntergezogene verkniffene Mundwinkel. Was ist mit diesen Leuten bloß los? Sie sind so mit sich und ihrer scheinbaren Misere beschäftigt, dass sie keine neuen Inhalte zu schätzen wissen. Er blickt wieder nach vorne. Der Vortrag neigt sich seinem Ende zu. Die Message ist bestechend einfach: stay true, stay you. Etwas hölzern formuliert vielleicht, aber nicht grundfalsch.

Doch im Konzern, so scheint‘s, fällt diese Aussage auf Sahara-Boden. Authentizitäts-Wüste, kein Bedarf nach eigener Stimme, nach selbstständigen Wesen. Es ist schwer zu sagen, was zuerst da war: die fehlende Wertschätzung der Vorgesetzten für Eigeninitiative oder die Angst der Angestellten, fürs Anderssein rausgeschmissen zu werden. Beide Parteien verdienen zu gut dafür. Das Risiko der Selbstverwirklichung zahlt sich schlichtweg nicht aus. Es müssen doch die Hypotheken, Alimente, Urlaube und Versicherungen bezahlt werden.

Ent-Scheidungen

„Prioritäten“ hört er sie vorne sagen. Ja was hat er selbst für Prioritäten in seinem Leben gesetzt? Mit welchem Ergebnis? Er denkt nach und weiß im selben Moment, noch bevor ihm ein konkreter Gedanke kommt, dass er noch nicht hat, was er eigentlich will. Sein Leben wird von einer stummen Suche, die unter seinen Handlungen schlummert, begleitet. Wann immer er sich für „Sicherheit“ entschließt, versinkt das fragende Schweigen ein Stück weiter hinein in seinen Untergrund. Und mit ihm sinkt die Gewissheit, das eigentliche Ziel, welches immer es sein mag, jemals zu erreichen. Jeden Abend kehrt er zu seiner Familie zurück: Dort sinkt auch er. Nach 2 Glas Wein zusammen mit all den Dingen, die zu tun waren und die nie ein Ende finden in einen unruhigen Schlaf. Prioritäten, hah! Lange zuvor schon wurden die Weichen gestellt, jetzt beherrscht eine Abfolge von Konsequenzen sein Leben. Nein, er hat nicht das ganz Falsche studiert, nicht die ganz falsche Frau geheiratet, nicht völlig in der Kindererziehung versagt.

Doch das zufriedene, stolze Gefühl, am richtigen Weg zu sein, das kennt er persönlich nicht. Er ist sich nicht einmal sicher, ob es tatsächlich existiert, denn er hat einen scharfen Blick und sieht, wie die anderen sich selbst mit einer selbstgebastelten Fassade des „ich hab‘s geschafft“ täglich aufs Neue belügen. Er sieht dies an den unförmigen Körpern, die von runtergeschluckter Enttäuschung mit Hilfe von zu viel Essen sprechen. Er sieht es an den gesprungenen Adern in manchen Gesichtern, an den grobporigen Nasen und roten Augen, die vom übermäßigen Zuspruch zum Alkohol, von Schlaflosigkeit und nächtlichen Ablenkungen erzählen. Er hört es auch an den genervten Tonfällen, nimmt es selbst am Überhören feiner Stimmungen wahr. Weiter, immer weiter. Bis zum Kollaps oder Sieg. Er bezweifelt aber, dass es den Sieg überhaupt gibt. Zumindest nicht für ihn. Man müsste vielleicht kinderlos, gewissenlos, skrupellos, beziehungslos sein, um so viel Zeit und Kraft in den Sieg, was immer das auch ist, investieren zu können. Oder bessere Beziehungen, bessere Karten, mehr Glück im Spiel des Lebens haben. Doch so? Wo ist er jetzt, in diesem Moment, in dem er hinsieht, denn in seinem Leben…

Der Ruf der Nähe

Und mit einem Schlag versteht er die abwehrenden Gesichter, die kritischen Kommentare während des Vortrages: sie zeugen davon, dass es den hier Mitgefangenen, Mitgehangenen nicht viel anders geht als ihm selbst. Sie wollen nicht hier sein, nicht in dieser Form von (Arbeits-)Leben. Doch dies zu sehen wäre zu riskant, also sehen sie nur so weit, dass sie nicht hier sein wollen, zumindest nicht in diesem so seltsam unangenehmen Vortrag…

Denn gegen den Externen zu sein ist wesentlich vielversprechender als sich selbst und die eigenen Lebensentscheidungen in Frage zu stellen. In der Abwehrhaltung bekommt man Unterstützung von anderen, denen es nicht viel anders geht. Und endlich war eine Spur von Solidarität zu spüren. Verwirrt stellt er beim Buffet fest, dass er seiner Kollegin nickend zustimmt, als diese von einem völlig weltfremden Vortrag spricht. In diesem Moment weiß er nicht, ob er nur zu müde zum Verteidigen der so an die Stille gewohnten Stimme in sich drinnen ist. Oder ob er es nicht vielleicht genießt, mit jemand durchaus Attraktiven in seiner unmittelbaren Nähe einfach eine Welle der Gemeinsamkeit zu reiten. Er braucht nicht viel tun, um dieses angenehme Gefühl zu steigern – nur ein bisschen gegen etwas zu sein, das morgen schon nicht mehr da sein würde…

Fragen Sie sich selbst

  • Wie viel Selbstverleugnung ist im Arbeitsleben notwendig?            
  • Muss der Mensch ein Produkt sein (oder haben oder schaffen)?       
  • Sind Sie in Ihrem eigenen Arbeitsleben am richtigen Weg?          

Lesen Sie nächsten Samstag mehr über unbestreitbar streitbare Erfolgsfälle

IM ZWEIFELSFALL –  Teaser No 3: Samstag, 28.02.2015, 10.00

 BeMeUp – Der Erfolgsblog

Start der 27 Secret Success Stories: Samstag, 02.03.2015, 10.00

27 ungeahnte Wege zum Erfolg. Jeden Samstag, 10.00 auf www.bemeup.today