Silver Sounds of Silence: 4

ODE AN DIE LEERE – SNIPPETS OF SPACE

*

Selbst wenn Du hast, was Du willst

Willst Du nicht, was Du hast

*

Lass

Es

Sein

*

Was immer es ist

Gewesen sein wird

Im Laufe der Zeit

Annulliert

Sich der Wunsch

Von selbst

*

Spannend : Entspannung

Nichts wissen, Nichts haben, Nichts wagen

Nichts suchen

Nichts für sich selbst verbuchen

*

In der Leere

Spielt sich Alles ab

*

Be the breeze, a tingeling freeze,

The silver shiver

Itself

Pure potency

Pulsating

A way

*

Enjoying the ride

Be the waves and the tide

The low and the hight

Non-action at work

Darkness and light

Interact

While you stay

In holistic display

Becoming your way

Silver Sounds of Silence: 3

Kampf und Kooperation

Wo liegt die Quelle des Friedens verborgen? Im Inneren des einzelnen. Und in der Funktionsweise von Systemen. Beginnen wir bei Zweiterem: Systeme, die auf Konkurrenz, Gewinnen, Profit oder Machtwachstum basieren, sind auf Kampf ausgelegt. Ok, ein sportlicher oder wissenschaftlicher Wettkampf kann auch zu Höchstleistungen anspornen. Aber die Grundhaltung bleibt: jeder gegen jeden. Diesen Systemen stehen jene gegenüber, die auf Kooperation, Aufbau und Erhalt gesunder Umwelten und fruchtbarer Umstände für alle, sowie auf Verantwortung fußen. Ver-Antwortung bedeutet dabei nicht die moralische Keule zu schwingen, lustfeindlich oder Besserwisser vom Dienst zu sein. Verantwortung meint, sich für das Suchen, Finden und Implementieren von Antworten auf drängende Herausforderungen zuständig zu fühlen. Derartige Systeme brauchen ein Miteinander.

Krieg und Frieden

Sowohl kampfbasierte Systeme als auf Kooperation ausgelegten Systeme können für sich, in sich funktionieren. Sie können eine gewisse Stabilität bieten und Überleben sichern. Sie können vielleicht auch eine Zeit lang nebeneinander, allerdings kaum miteinander funktionieren. Denn sie gehen mit Problemen unterschiedlich um: Kontrolle, Eigennutzen und Unterwerfung aller anderen auf der einen Seite – Analyse, Mitverantwortung und gemeinsames Handeln auf der anderen. Auch die Erlebensqualität für Menschen, die in und nach den Spielregeln der jeweiligen Systeme leben, unterscheidet sich gewaltig: Gewaltausübung macht den Unterschied.

Mut und Stille

Hier kommt die Stille ins Spiel. Und der innere Friede. Sich gewalttätigen Systemen zu widersetzen kann auf verschiedene Weisen geschehen. Mit buchstäblichen Bomben und Granaten – oder mit stillem Widerstand, mit leiser Diplomatie und „unblutigen“ Mitteln wie finanziellen Repressalien. Wer zur Stille bereit und zum inneren Frieden geneigt ist, wird freiwillig innehalten und gewaltarme oder gewaltfreie Lösungen suchen. Den anderen, jenen, die auf Kampf gepolt sind, müssen jedoch diese „gewalt-alternativen“ Daumenschrauben derart weh tun, dass ein Ende von Kampfhandlungen weniger schmerzhaft und vielleicht sogar profitabler wirkt als das Aufrechterhalten derselben.

Ist Friede käuflich?

Kann man Frieden kaufen? Die wirtschaftliche Verflechtung Europas war der Weg des Friedens nach dem zweiten Weltkrieg. Bis die Wirtschaft anfing zu wackeln (Stichwort Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007) und sich die Frage stellte: Gibt es ein gemeinsames Europa, das über wirtschaftliches Wohlergehen hinaus denkt und handelt? Wollen EuropäerInnen einen gemeinsamen Lebensraum der gemeinsamen Werte? Die Herausforderungen gemeinsamen humanitären Handelns plagen diese Frage nach einer Wahl zwischen Gegen- und Miteinander in Europa seit der Flüchtlingsstrom ab 2015 die Schwächen eines rein wirtschaftsbasierten Friedens aufdeckt. Unterm Strich bleibt die Nutzenfrage: Was haben wir vom friedlichen Miteinander mehr als vom gewalttätigen Gegeneinander (Nichts-Tun ist in humanitären Fragen gewalttätig!)? Kann man Menschen, die auf Eigennutz, Überleben und Kampf gepolt sind, die durch Autokratie, Patriarchat, Hierarchie, Gewalt aller Art hindurch zu überleben gelernt haben, die sich entweder als Gewalttäter oder Mitläufer, als Ignoranten oder Opfer mit dem Kampf „arrangiert“ haben, denn von einer gelingenden friedfertigen Gesellschaft überzeugen – ohne, dass eine solche Idee naiv wirkt, lebensfremd, irreal?

Angst und Vertrauen

Was im Kern kriegerischer Handlungen liegt, mag komplex wirken, lässt sich aber wohl auf einen Schlüsselfaktor zurückführen: Angst. Individuelle wie systemisch verankerte Angst. Der einzelne Kriegführende hat Angst um sein Überleben, um das Überleben, dessen, was ihm wichtig ist, um das Bild, das er von sich und der Welt hat. Diese Ängste müssen keine realen Gründe haben, sie bieten aber den Nährboden für die Gestaltung beängstigender Umstände und Erlebnisse. Angst und Gewalt gehen Hand in Hand. Vertrauen und Verantwortung ebenso. In und für sich selbst, in und für andere. Angst geht mit Lärm einher, mit Hyperaktivität. Vertrauen mit Ruhe, mit Stille. Aus dem Stress der Angst entstehen gewaltige Probleme. In der vertrauensvollen Entspannung finden sich lebens- und liebenswerte Lösungen. Aggressoren zu entspannen, bevor profitable und werthaltige Lösungen entwickelt werden, kann helfen. Vertrauenswürdige Handelnde sind dabei der Schlüssel. Ohne menschliche Glaubwürdigkeit der VerhandlungspartnerInnen braucht eine friedliche Lösung verschiedene Orte und Taten, die einer Phase oder einem Zustand der Stille entspringen: neutrale Intervention, neue Player, intensive Reflexion, inklusive Visionen.

Aus der Stille in die Welt

Aus der Sille springt das „Anders“, ihr entstammt das „Mögliche“. Manche beten laut, andere treten leise, um in die Stille zu gelangen. Unsere Zeit braucht alle Wege, die in jene friedvolle Stille führen. Unsere Zeit braucht stille Zonen, die mit einer Fülle möglicher Lösungen schwanger gehen. Tauchen wir ein in den tonlosen Raum, tauchen wir auf aus dem wortlosen Grauen.

Silver Sounds of Silence: 2

peace of mind

Seltene Momente, wenn der Kopf mal Frieden gibt. Ganz still ist es ja bekanntlich nahezu niemals da oben drin. Selbst mit Übung gelingt es eher, das Geplapper weniger ernst zu nehmen, nicht auf Drama-Angebote einzusteigen und die Verführungen der Abwärts- und Aufwärts-Spiralen an sich vorbei ziehen zu lassen, als völliger Aussteiger aus dem eigenen Kopfkino zu werden. Die innere Stimme wird mit der Zeit zur altbekannten Freundin – die sich mitunter wenig weise oder gar überaus fies und mies verhälft. Wir hören, was sich da aus den Tiefen unserer Sozialisierung und angesammelten Vorurteilen heraus offenbart, ohne die Inhalte je völlig verändern oder gar die ganze Stimme loswerden zu können. Aufmerksamkeitsverlagerung macht aber eine friedliche Koexistenz möglich. Konzentration auf den Atem, auf den Raum zwischen den Gedanken, auf die Stille hinter dem Strom der wiederkehrenden Kommentare, die die Vergangenheit ohne Ende wiederkäuen oder alles und jeden bewerten. Das Spiel, wer im eigenen Kopf das Sagen hat, geht so lang, bis durch ein gerüttelt Maß an Übung das übliche Gelaber zunehmend leiser wird und in den Hintergrund tritt. Aus dem gewonnenen Freiraum heraus spricht dann mitunter jemand anders zu uns. Weise, witzig, überraschend, inspirierend – mehr als wert, in die unbekannte Stille reinzuhören.

peace of body

Hand aufs Herz: wer fühlt sich in seinem Körper immer wohl? Wem tut nicht viel öfter irgendetwas weh? Kopfschmerzen durch das Laptop/Handy-Nackensyndrom. Rückenschmerzen durchs viele Sitzen. Uvm. Wie kann der Körper Frieden finden – nicht den letzten, sondern den im Leben – wenn die Nerven durch andauernd neue Anforderungen und aufregende Informationen ständig aufgerieben werden, wenn die Bewegung permanent zu kurz kommt, das Essen zu schnell, zu fett, salzig, kohlehydrat-lastig und zuckrig ist? Die Arbeit zu viel, die Menschen zu anstrengend, das Autofahren zu lang,… – die Lebensumstände schlicht körperfeindlich sind? Der Alltag ist für viele wenig lebenslustig, die Freizeigt zum Ausgleich wenig körperfreundlich (Stichwort Couchpotatoe).

Einen fröhlich gestimmten Körper im beständig schmerzfreien Gleichgewicht, den haben nicht mal jene, die sich supergesund ernähren, ständig Laufen, ins Fitnesscenter oder Radfahren gehen und Yoga machen. Warum nicht? Weil das Leben uns in jedem Moment neu herausfordert, uns anzupassen und wir nicht immer hinhören. Worauf der Körper die vielen oftmals ignorierten Ungleichgewichte unseres Lebens ausdrückt. Außerdem gilt: Wer nichts tut, dem tut alles weh. Wer zu viel tut, dem auch. Und „Nichts“ wie „Zuviel“ sind situationsbedingt unterschiedlich gesund oder zielführend.

Das Gleichgewicht zwischen körperlicher, geistiger, seelischer und emotionaler Unter- und Überforderung jeden Tag aufs Neue herzustellen, gelingt wohl nur den wenigsten. Und der Körper badet aus, was im Argen oder Dunkeln liegt. Was also tun? Still werden. Schmerzen wahrnehmen, annehmen, reinatmen. Langsamer werden. Die Weisheit des Alters kommt mit dem permanenten Schmerz. Das wissende Lächeln kommt mit der Akzeptanz der lebensimmanenten Überforderung, die zum ständigen Begleiter geworden ist, der – sofern wir ihn wahrnehmen – langsam mehr Raum gibt, ohne je zu verschwinden. Die gezielte Dehnung der verkrampftesten Stellen zeigt den effizienten Umgang mit Schmerz: reingehen, Platz schaffen, das Sosein zulassen, auch wenn‘s wehtut. Das Leben ein- und das Leiden ausatmen. Vereinzelte Momente des Friedens im Körper genießen. Im Wissen, dass der Schmerz wie die Schmerzfreiheit wie Wellen kommen und gehen, mal intensiver, mal weniger präsent, ruhig werden. Im Anerkennen, dass alles was ist, immer wieder vorübergeht. Dankbarkeit empfinden.

peace of emotion

Gleichmut, das Zauberwort. Mittendrin in aller Nervosität, Agitiertheit, Aufregung, Intensität ist der Beobachter immer dabei. Wie die Nabe eines Rades kann man sich in jenen glücklichen Momenten darauf besinnen, dass nicht nur die action da ist, sondern auch eine innere Instanz der nicht-Aktion. Das Innehalten, die Wahlfreiheit. Sie haben einen Ort im Bewusstsein. Wem diese Position unbekannt oder suspekt ist, der bleibt gefangen im Auf und Ab, denn Hoch und Tief gehören einfach zusammen. Wer hoch fliegt, kommt wieder runter. Wer unten ist, kann sich dort eingraben (das geschieht paradoxerweise oft, um sich vor einem neuerlichen Fall zu schützen) oder neue Kraft und Mut für die nächste Runde sammeln. Wer oben ist kann sich kaum dauerhaft oben halten. Die meisten leben wohl in beständiger „mal höher-mal tiefer“ Fliegerei.

Gleichmut ist nun so etwas wie eine konstante Mittellinie, die alles, was man erlebt und wie man es erlebt neutral durchzieht. Ein bisschen wie das gleichförmige Piiiiiep der lebenserhaltenden Maschinen, nachdem es kein Leben mehr zu erhalten gibt. Die Gleichförmigkeit, der gleiche Geschmack der ewigen Mitte, können Angst machen. Davor, dass das Leben dann öd und fad wird oder gar vorbei ist. Deshalb ist der Friede im Gefühlsleben so unendlich kostbar und selten. Nicht nur weil er meist nur vorübergehend ist, sondern weil er sich diesseits der Angst befindet. Nicht umsonst heißt es „Zu-Frieden“heit. Wer mit sich und dem Leben im tiefen Frieden ist, braucht nicht mehr zu suchen, zu laufen, etwas aufzubauen oder niederzureißen, sich oder andere mit Ansprüchen und Anforderungen, Erwartungen oder Perfektionismus zu quälen. Aber wer will das schon? Denn: Was dann?

peace in motion

Wir sind gewohnt, dass sich alles ständig verändert und dennoch wiederholt. Damit es neu und aufregend, sicher und kontrollierbar zugleich bleibt. Jeden Tag aufs Neue Essen, Schlafen, Tun und Ruhen. Unser Verhalten will mit Wohlgefühl belohnt werden, unser Wohlgefühl will aufrechterhalten werden, alles, was nicht optimal ist, soll verändert, alles, was erstrebenswert ist, soll miteinander in verstärkende Resonanz treten. Zu viele Ansprüche, die sich per Definition nie selbst genügen. Bewegung geschieht von allein. Sie sein lassen reicht vollauf.

peace in relation

Friedvolle Beziehungen ohne Langeweile. Klingt wie die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau. Unerreichbar illusorisch. Und dennoch. Vielleicht treffen einander mal Menschen, die die Verantwortung für ihre eigenen Zustände, Umstände und Gefühlsstände übernehmen. Die ihre unerledigten und unbewussten Konflikte nicht nach Außen tragen, sondern sich selbst damit auseinandersetzen. Die in sich ruhen und andere in Ruhe lassen. Die sich am anders und eigen sein erfreuen. An sich selbst und am Gegenüber. Schweigen ist nur dann Gold, wenn das Reden nicht der Quelle des inneren Friedens entspringt. Ansonsten möge der silberne Klang der inneren Stille uns alle zu Poeten des Alltags machen.

PS: dieser Text ist nicht gegendert, da er vom Menschen an sich spricht

Silver Sounds of Silence: 1

Die Kraft der Stille“…

…klingt a. wie ein plattes ausgelutschtes Wortbild und b. wie ein schrecklich langweiliges Thema. Mitnichten.

Weder ist die Kraft der Stille für die meisten Menschen „einfach so“ als Energiequelle anzuzapfen. Noch ist die Stille öd und fad, weil sich darin nichts tut. Ganz in beiden Gegenteilen finden sich wahre Unge- und immense Reichtümer sowie ungeahnte Ressourcen.

Wo die Monster lauern

Fallen die äußeren Störungen erstmal weg, so fallen wir hinein ins magische Wunderland der inneren Kämpfe, der erlebten Niederlagen, der erfahrenen Verletzungen, der inneren Dämonen. Wie in einen dunklen Brunnenschacht werden wir im Grenzland zur Stille tiefer und tiefer in unsere eigene Geschichte, in unsere vielfältigen Verstrickungen und unaufgelösten Themen hineingezogen – in all das, was wir wohlweislich bei wachem Verstand schön wegsperren. Am Eingang zur Stille lauern lauter Tretminen, unsichtbar, doch mit der schmerzhaften Macht uns zu erschüttern bis zu verschütten. Da zeigt sich all das Unangenehme, Gewesene, Verweste, das, was in der Tiefe darauf lauert uns anzufallen, sobald sich die Schleier der Gewohnheiten und die Lautheit des Alltags verzogen haben.

Spannend eigentlich, was sich da so alles offenbart – sofern die Angst nicht überhand nimmt. Wie die Tiere eines Zoos betrachtet man am besten, was tief drinnen schlummert und wummert, wenn die Stille jung ist. Was sich sonst meist nur in Träumen, Kunstwerken oder unbewussten Handlungen mitteilt. Sehen wir die bunte Vielfalt unserer Monster genauer an, so verkörpern sie Schmerzen aller Art. Das Leid hat viele Gesichter, und unser eigenes Leiden hat seine speziellen Formen. Betrachten wir unsere Monster in aller Ruhe, blicken wir ihnen mit offenen Augen ins Herz, so verlieren sie ihren Schrecken. Und die Dämonen, die uns zuvor zu immer neuen Handlungen angetrieben haben, die uns im Alltag jenen unsäglichen Druck gemacht haben, andauernd alles möglich Sinnlose und Stressige zu tun, nur um unseren Monstern nicht zu begegnen, – sie ziehen vor Langeweile von dannen. Um die sie nährende Aufregung woanders, in noch tieferen, dunkleren Schichten zu suchen, oder um im Lichtkegel ihres Erkanntwordenseins schlicht zu verdampfen.

Wo die Juwelen warten

Warum ist es dennoch so schwierig, in der freigesetzten Stille zu verweilen – selbst, nachdem man den eigenen Monstern die Hand gereicht hat und die Dämonen verschwunden sind? Weil die Stimme im Kopf, die Gefühle im Herzen und die Spannungen im Körper immer noch jede Menge Lärm machen. Selbst wenn ihnen klare Aussagen zu fehlen scheinen. Es ist immer etwas los da drinnen.

Nachdem die Monster also friedlich in unserem Seelengarten zu grasen begonnen haben, fegen Stürme an ungeordneten Sinneseindrücken über unsere innere Landschaft hinweg. Wandern wir langsam unter den Wolken durch, hinein in die Mitte des Sturmes, in sein Auge,  so finden wir mittendrin einen See. Den See der inneren Ruhe, mit spiegelglatter Oberfläche. Die Sturmböen vermögen ihn nur ab und an leicht zu kräuseln, die Berge an bereits bewältigten Brunnenschächten herum verhindern, dass sie ungehindert wüten können. Wir können jedoch gezielt Steine in unseren See hineinwerfen -etwa Fragen, die uns beschäftigen- und den konzentrischen Kreisen, die sich um die Frage bilden, beim Ausbreiten zusehen. Manchmal bekommen wir unmittelbar Antworten wie ein klares Echo aus den Bergen. Manchmal blicken wir in aller Stille auf und in den Wasserspiegel. Betrachten uns selbst ungestört und unverzerrt. Werden eins mit dem Menschen, der wir sind, wenn alles Andere wegfällt.

All dies funktioniert nur dann, wenn das Alleinsein überhaupt zum Selbstsein führen kann, also sofern diese Entwicklung nicht von Vorneherein verhindert wird. Etwa dadurch, dass das Mit-Sich-Sein als eine unfreiwillige Pflicht, als eine Einschränkung oder gar als quälende Einsamkeit interpretiert wird. Oder wenn das Fehlen äußerer Reize und jeglicher Pläne als elende Langeweile bzw. „missing out“ empfunden werden. Sind wir jedoch offen für das Unbekannte hinter unseren Erwartungen öffnet sich der Zugang zu unserem See der inneren Wahrheit. Hier, an seinem Ufer lernen Bedürfnisse und Sehnsüchte mit dem Vorhandenen zufrieden zu werden. Vielleicht stellt sich ein Gefühl von Dankbarkeit, von Freude, am Leben zu sein, ein. Vielleicht auch ein Eindruck von Unbegrenztheit. Jedenfalls ein Zustand der Tiefenentspannung.

Zufriedenheit bedeutet nichts anderes, als dass man mit sich selbst im Frieden ist, mit sich in Frieden lebt. Kommt man aus der friedlichen Innenwelt nach „da draußen“ zurück, so umhüllt uns die innere Stille wie eine Art Rundum-Schild. Sein Kraftfeld der Ruhe dimmt die Lautheit der Welt, ent-stresst die Geschäftigkeit des Alltags, zumindest eine Zeit lang. Bis alte Automatismen oder noch im Dunkeln verweilende Elemente unserer Geschichte wieder das Ruder übernehmen wollen…

Wo die Kraft zu Hause ist

Das Umspannwerk der Stille arbeitet mit unaufgeregter Intensität. Seine Energiequelle liegt im Raum des Nichtstuns verborgen. Heute ist es vielleicht gar nicht mehr nötig, jahrelang in einer Höhle zu meditieren, um dieser Kraft zu begegnen. Corona machts möglich: Wir bekommen immer wieder die Chance, uns selbst im Stillen zu begegnen, mit unseren Themen ins Reine zu kommen, mit uns Frieden zu schließen. Die Welt erscheint täglich verrückter und wir wissen nicht, wohin sich alles entwickeln wird. Aber gewollte oder unvermutete Phasen der Zurückgezogenheit geben uns die Chance, zumindest dem Krach unserer Gewohnheiten zu entkommen. Damit sind wir auch besser gewappnet für alles Ungewohnte. Ungestörtes Alleinsein öffnet uns auf vielen Ebenen die Tür zu einem besseren Leben und schenkt uns ein neues Verhältnis zu unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nutzen wir diese Chance!

Dieser Blog klopft 2022 an verschiedene Tore der Stille an. Tore, durch die wir in neue Sphären spähen und gehen können. Willkommen zu einem Abenteuer der anderen Dimension…

Seven Strange Synchronicities: 7

Eine Frage der Liebe

Ich schreibe sonst nie über die Liebe. Heute ist eine absolute Ausnahme. Das Thema ist mir zu unkonkret, zu ungreifbar. Damit kann ein tief empfundenes Gefühl, eine bezaubernde Hormonmischung, eine unerfüllbare Sehnsucht, reine Projektion auf Unerreichbares, eine reale Tatsache, die alles umfasst, gemeint sein. „Liebe” wirft unendlich viele Fragen auf, die unwahrscheinlich viele Antworten mit sich bringen. Ähnlich wie das Thema „Freiheit“. Heute will ich es dennoch wagen, etwas über die Liebe zu sagen. Warum?

Im Auftrag der Liebe

Weil ich vor wenigen Minuten doch glatt ein wunderschönes, ebenmäßiges, nicht zu übersehendes, echt großes Herz in meiner Kaffeeschale entdeckt habe. Und das offenbarte sich genau, als ich über die Liebe nachgegrübelt hatte. Ich trank gerade den allerletzten Schluck, heute ausnahmsweise mal mit Kokosblütenzucker drin, welcher sich zähflüssig zu zwei wunderschön symmetrischen, miteinander verbundenen Bogen in der Mitte der Schale formte, gerade als ich den Kopf zurücklegte und die süße Freude bis zum letzten Milliliter auskosten wollte. Von den beiden perfekten runden Ohren des Herzens zog sich der Herzkörper immer spitzer zusammenlaufend genau in meinen Mund hinein. Ich traute meinen Augen nicht. Oder eben doch – und das brachte mich zum Lachen… Ein Zeichen (um mit Brian zu sprechen)!

Dies ist der letzte Blog für heuer, der sich 2021 ja den zufällig auftretenden Gleichzeitigkeiten widmet, denen wir nur allzu gern Bedeutung verleihen. Das unübersehbare Zuckerherz weist mich also an, über jene Gedanken zu schreiben, die mich im Augenblick seines Erscheinens beschäftigten. So lautet zumindest meine Interpretation des augenfälligen Zusammenfallens von Gedanken und Ereignis. Es blieb übrigens nicht das einzige Zeichen. Als ich gerade unbekümmert über die wundersame Mischung jener kostbaren Ingredienzien, die „wahre Liebe“ ausmachen nachsann, geschah doch glatt noch etwas Wunder-volles. Doch first things first

Die Grenzen der Liebe

So, jetzt braucht es zunächst mal scharfe Abgrenzung. Ich meine in der Folge mit „Liebe“ nicht die Eine Große, nämlich die zum Leben an sich oder zu den Menschen, zur Natur oder zum Wunder des Seins. Nicht jene stille zu sich selbst, die nicht das Ego nährt, sondern das Herz erwärmt, wenn man gerade gut bei und mit sich und für sich da ist. Nicht die bedingungslose Liebe zu den eigenen Kindern, zu anderen Familienmitgliedern, zu jenen, die man liebevoll begleitet, oder vielleicht auch zu (Haus)Tieren. Nicht die hormonell bedingte Gefühlsmischung mit dem falsch aufgeklebten Etikett „Liebe“ drauf: die in einer aufregenden Bekanntschaft, die das Kopfkino und die Körpersäfte anregt, auftaucht, oder die schlicht durch guten Sex ausgelöst wird. Oder die ein unerreichbares Gegenüber in einem hervorruft, mit dem man nur in seltenen kostbaren Momenten zusammenkommt, um dann in langen von Sehnsucht geplagten Absenzphasen von „der Liebe“ in einer irrealen Realität zu träumen.

Die Zeichen der Liebe

Nein, ich meine die Form von Liebe, die zeigt, dass ein/e PartnerIn tatsächlich zu einem selbst passt. Mit all seinen/ihren Eigenheiten, wirklich, weil alltagshaltbar kompatibel mit dem eigenen Selbstsein ist. In dem Sinne, dass in der Präsenz des Anderen das Wohlgefühl, miteinander zu sein, jedes Nerven prinzipiell, wenn schon nicht in jeder Situation, dominiert. Dass die grundlegende Wertschätzung jede Frustration, jedes Stirnrunzeln und Kopfschütteln ob der Eigenarten in Gefühlshaushalt, Denkweise und Verhaltensgewohnheiten des Gegenübers, aussticht. Dass die Attraktivität, die von sehenden Augen, von einem durch verschmitztes Lächeln den Seltsamkeiten des Lebens gegenüber gezeichneten Mund, und von einem Körper, auf den gut geachtet wird, ausgeht, all die unangenehmen und weniger anziehenden körperlichen Seiten überstimmen.

Und damit zur anderen Seite der Liebe: Nämlich, dass man im Licht der Augen des Anderen stets selbst so sein kann, wie man ist. So gesehen wird, wie man ist. So geschätzt wird, wie man ist. Dass das Gegenüber die Schwächen und Seltsamkeiten von uns nicht nur mühsam aushält, sondern als Teil unserer Persönlichkeit wahrnimmt. Natürlich gilt das in beide Richtungen. Beide akzeptieren einander, so wie sie sind – wobei nicht das Sich-in-das-Unvermeidliche-Schicken, sondern unterm Strich eben was Positives, Bereicherndes, Schönes übrigbleibt.

Und ganz grundlegend: Eine Liebe, die sich durch gegenseitige Inspiration und Bestärken, durch Zuhören und Aufmerksamkeit, durch Zärtlichkeit und Leidenschaft, durch eine in der Gegenwart des anderen erfahrende Steigerung von Sinn und Spaß entfaltet. Ok ich sehe es selbst, das alles zusammengenommen klingt irgendwie unwahrscheinlich, unerreichbar. Kann das alles denn überhaupt ein Mensch (geschweige denn zwei Menschen) verkörpern? Kann einer, können zwei, jemals projektionsfrei und selbstreflektiert die Verantwortung für das eigene Erleben, die eigenen Gefühle, die eigenen Lebensdramen übernehmend und den Mitmenschen in seinem Raum lassend, dabei nicht durch die eigenen Bedürfnisse die des anderen überlagern wollend, einfach „nur“ miteinander selbst sein?

Die Fähigkeit zur Liebe

Und genau an dieser Stelle meines Nachsinnens über die gelingende partnerschaftliche Liebe kam die zweite Synchronizität des heutigen Vormittags ins Spiel: Ich hörte nämlich Radio. Superfly, wer‘s wissen will. Und in dem Moment, in dem ich so über das Lieben und seine Ingredienzien brütete, drang Sade an mein Ohr: „It’s about trust“, singt sie überzeugt und überzeugend. Natürlich.

Erst Menschen, die sich selbst trauen, können sich einem anderen derart anvertrauen, dass eine Beziehung, in der nicht das in den meisten Beziehungen vorherrschende Ziehen im Mittelpunkt steht, entstehen kann. Dieses unangenehme und Beziehungen verleidende Ziehen zeigt sich, wenn der eine X und der andere Y will und dann darum gekämpft wird, wer Recht hat, wer Es bekommt, wer gewinnt, wer überlegen ist, wer mehr Raum und wer mehr Nähe bekommt etc.  

Die Welt der Liebenden

Wer sich selbst vertraut, kann andere in deren eigenem Licht sehen weil er/sie sich aus dem Gefängnis der eigenen Sicherheit einer selbstgezimmerten Selbst- und Weltsicht, die ungehindert von Bedürfnissen und schwierigen Erfahrungen bevölkert wird, hinausbewegen kann. Wer auf sich vertraut, kann sich auf sich verlassen – und kann sich daher trauen, seine eigene Welt ein Stück weit zu verlassen. Um sich in der Welt des Gegenübers umzusehen, in sie einzufühlen. Hier beginnt Beziehung ohne das leidige Ziehen. Eine Beziehung, die über das Selbstsüchtige hinausgeht, die zunächst vorsichtig und im Laufe der Zeit eine immer stabilere Brücke zwischen den Welten der Beteiligten schlägt. Nicht, damit man ausschließlich auf dieser Brücke oder unter ihr zu leben beginnt (das geschieht, wenn zwei Menschen nur noch in der „Wir-Form“ von sich reden). Nein, die Brücke wird zwar miteinander bewohnt, doch die Welt des Gegenübers bleibt stets seine eigene heilige Welt und Heimat, deren Grenzen auf beiden Seiten wahrgenommen und respektiert werden. Man kann einander auf Einladung besuchen, doch kann sich bzw. hat sich auch wieder zurückzuziehen, wenn dies von einer der beiden Seiten her gewünscht wird. Weder wird der eine aus seiner und in die eigene Welt hineinzuzerren versucht, noch umgekehrt. Das Ziehen und Zerren findet in dieser Version von Liebe keinen Raum. Stattdessen herrscht ungebrochene Frei-Willigkeit. Denn wahre zwischenmenschliche Liebe und echte innere Freiheit bedingen einander. Liebe kennt keine Verpflichtung, wohl aber Ver-Antwortung: die Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit Ein-Samkeit. Den Einen Anderen nämlich schlicht Sein zu lassen. Und genau das, das Sein miteinander zu genießen und zu erleben, was sich daraus entfalten mag, das über die eigene Welt hinausreicht, ist das Reich der Liebe.

Seven Strange Synchronicities: 6

Flowus Interruptus

Disruption, Du fiese Zecke. Kommst daher in Form von Handy, Computer, Internet, Anrufen, SMS, Türklingel, miesen Gefühlen, langweiligen Geschmäckern, elend aufregenden Nachrichten, bekümmerten FreundInnen, unerwarteten Notfällen aller Art. Da bin ich kurz davor, endlich in den Goldenen Zustand zu kippen, reinzufallen in den Fluss der Dinge, den Großen Kreator aus mir rauszulassen, die Zeichnerin der Zukunft zu entfesseln – und was passiert? Profanes. Ödes. Blödes.

Da führt kein Weg drumrum, da muss sich drum gekümmert werden. Von wem? Von mir. Ist ja sonst niemand im Dienst, so scheints in meiner Welt.

Wenn die Welt ruft

Man sollte meinen, dass der Weckruf, der immer dann ruft, wenn‘s gerade schön wird, einen Sinn hat. Aber Nein, davon bin ich mittlerweile überzeugt, das hat er nicht. Er will mich nur ärgern, nervtötend ätzend sich ins Fäustchen lachen. Was oder wer stört, tut das aus reiner Selbstgefälligkeit. Mitunter denke ich, so eine Höhle in einem Berg wär schon was.

Aber was solls, man lebt ja nur einmal (soweit ich weiß), muss also auch alles auf einmal machen. Doch da kollidieren eben die so heiß ersehnten ewigen Flowmomente mit den Bedürfnissen der Welt. Was tun?

Die Macht der Ignoranz

Soll ja angeblich groß sein. Allein, sie ist mir nicht gegeben. Mich stört schnell ein fremdes Bedürfnis, wenn der Hund jammert oder das Telefon fiept (in meinem Fall zirpt es). Irgendwie heißt es: egoistisches Konzentrieren auf die Kreativität oder mitfühlendes Übernehmen von Verantwortung für die Bedürfnisse aller anderen. Mich wunderts ganz und gar nicht, dass viele große KünstlerInnen in sozialen Feldern eher unterbegabt waren, oder sich auch absichtlich nichts geschert haben um andere. Es scheint tatsächlich ein entweder-oder zu sein, wenn es um die Frage geht „Konzentration auf mich oder Dich“. Das sowohl-als-auch, die vielzitierte win:win Situation geht natürlich da, wo Menschen mit sich reden lassen, also zum Beispiel Vereinbarungen getroffen werden können, wer wessen Bedürfnisse wann wie befriedigt. Fixe Essenszeiten und so. Sind nur leider mit dem kreativen Flow nicht vereinbar. Der will nämlich dann fließen, wann er fliessen will. Der Hund muss aber dann runter, wann er runter muss. Hmpf. Kampf der Naturgewalten.

Solipsisten haben‘s leichter

Wäre man allein auf der Welt, allein dafür verantwortlich, was man wie erlebt und drehte sich alles nur um einen selbst oder müsste man nicht auf andere achten – wäre es dann einfacher? Das liegt wohl in der Persönlichkeit und Sozialisation.

Äh, und was passiert doch glatt, GERADE JETZT? Das Telefon läutet. Die Handwerker rufen. Wie der Besen, den man rief, zu helfen, zu einer Zeit, wann es wichtig schien. Und der daherkommt, wenn man ihn nicht braucht. Ich WUSSTE, das würde passieren. Jetzt, da ich so schön vor mich hinschreibe, würde ES mich unterbrechen. Doch HAHA, da ich es wusste, hat es mir nichts gemacht, weil ich die Unterbrechung einfach hier reinschreibe. Triumpf. Oder so.

Wenn die Störung Input liefert

Würde es nicht der Meisterschaft des Synchronizitäten-Reitens gleichkommen, wenn Unterbrechungen aller Art zum Flow beitragen könnten, in den Flow einfließen könnten? Welche Art des Denkens, Fühlens, Reagierens bräuchte man dafür?

Hm.

Eben ist es mir gelungen, indem ich mein Gegenüber auf das sachlichste abgewürgt, den Moment nicht aus den Augen verloren und das Geschehene in den Text eingearbeitet habe. Aber würde das auch funktionieren, wenn ich Kochen muss, jemanden trösten soll, erwerbsarbeitstechnisch aktiv werde? Kann vielleicht alles zum Teil meiner Geschichte, meines Erlebens-Flows werden? Hoffnung keimt.

Schöne Aussicht, ein hehres Ziel und wert, daran zu scheitern. Ich werde berichten…

Seven Strange Synchronicities: 5

Die Sandale!

Zoom in auf Brians Sandale, zoom out auf die nach Erlösung geifernde Anhängerschaft. Sie will sich Kraft der Sandale endlich zur Glaubensgemeinschaft erklären, das geht nur wenn Brian endgültig der Heiland ist. Die Sandale machts möglich. Sie wird in Monty Pythons Life of Brian zum Zeichen: Zur Bestätigung des Erhofften, zur Bestärkung des Ersehnten. Das Zeichen verleiht dem Glauben unantastbare Gültigkeit.

Die Schritte vom Zeichen-Sehen zur Anhängerschaft von seltsamen Ideen bis hin zu radikalen Verschwörungstheorien sind mitunter – je nach psychischer Disposition der Gläubigen – schnell getan. Diese Story widmet sich im Gegensatz zu diesen aber all jenen, die die Zeichen sehen, ohne sich dabei von ihren Ängsten und Hoffnungen allzu weit forttragen zu lassen. Ganz im Gegenteil. Dieser Blog ist der Selbsterkenntnis via „Zeichen“ gewidmet…

Die Zeichen

Sprichwörtlich alles kann Ein Zeichen sein. Doch wie sehen realistische, relevante Zeichen aus? Kann es solche denn überhaupt geben? Wird nicht alles, was Bedeutung bergen kann (und das ist Alles und Nichts), nicht erst durch den Akt unserer Sinngebung bedeutsam? Liegt also der Sinn in den Dingen selbst oder in uns verborgen? Warum sehe ich, da ich dies schreibe, eine Ente mit entzückenden 8 winzigen Küken, 4 davon auf ihren Rücken, schwimmend an mir vorbeiziehen? Ein Zeichen?? Dafür, dass mir in diesen letzten Monaten viele neue Ideen entschlüpft sind, die um mich herumschwirren und gerade ihr Eigenleben entwickeln? Alles eine Frage der Interpretation, könnte man sagen.

Seeking and Seeing…

Wer suchet, der findet. Und dennoch. So einen Anblick von winzigen Entlein (und selbst diese Entenart) habe ich noch nie gesehen. Und es passiert genau in dem Augenblick, in dem ich beginne, über Zeichen zu schreiben. Synchronizität pur. Das muss zwar in keinster Weise bedeutsam sein, ja allerhöchstwahrscheinlich hat das alles Null mit mir zu tun. Allerdings ist der Umstand der zeitlichen Koinzidenz zumindest witzig. Und es macht schlicht mehr Spaß, dem Ereignis die Bedeutung einer Bestärkung zuzuschreiben, als es einfach nur so zu erleben. Obwohl der reine Anblick auch herzergreifend süß ist. Die Welt braucht meine Bedeutungszuschreibung wirklich nicht. Wohl eher brauchen wir selbst das Gefühl der Bedeutsamkeit. Nicht nur für uns selbst, also dass wir als Menschen etwas bedeuten, ein bedeutsames Leben führen oder insgesamt etwas Bedeutsames schaffen, Sinn stiften, helfen, irgendetwas in der Welt verbessern, etwas Positives beitragen. Auch andersherum wäre schön, nämlich, dass die Welt sich was schert um uns. Dass die Natur und wir irgendwie kosmisch verbunden sind. Dass die Dinge doch Sinn machen, auch wenn wir ihn gerade nicht sehen können. So viel zum inneren Wunschkonzert. Aber was hat das alles mit Zeichen zu tun? Was können wir tatsächlich legitimerweise in Ereignisse und Vorkommnisse, ins Wetter oder die Wolken, in den Flug der Vögel oder die Ampelschaltung, in Plakattexte oder Radiosongs, in plötzliche Anrufe oder unerklärliche Ideen, in Gedanken an andere und Visionen von Verstorbenen hineininterpretieren – ohne des wahnhaften Geistes knusprige Beute zu werden, wie es einst und ungefähr so schön hieß?

Reading the Signs

Das Leben kann wie eine Schachtel Pralinen sein, man weiß nie was drin ist (so ähnlich hieß es zumindest bei Forrest Gump). Oder es ist ein Topf, der zur Hälfte mit Honig und zur Hälfte mit Scheiße gefüllt ist und man kann sich nur aussuchen, ob man das Ganze schüttelt und durcheinandergemischt genießt, oder immer abwechselnd vom einen und vom anderen isst, oder zuerst das eine und dann das andere. Alte griechische Weisheit, hab‘ ich mir sagen lassen. Aber ganz unabhängig davon, wie das Leben grad daherkommt, als eine gammelige Schnapspraline oder ein Löffelchen Kackhonig – „die Zeichen“ bieten uns in jeder beliebigen Situation eine Reflexionsfläche und können dadurch zur nützlichen Entscheidungshilfe werden. Wie das?

Der Mensch neigt zur Projektion, das heißt zur Übertragung der eigenen akuten und chronischen ungelösten Themen, Erfahrungen, Wünsche und Befürchtungen auf seine Umwelt. Diesen Umstand können wir entweder unreflektiert oder unkommentiert hinnehmen oder aber wir können ich uns zu Nutze machen. Jede Bedeutung, die wir vergeben ist ebenso wie jede Bewertung, etwa Kritik oder Lob, an uns als Person geknüpft. Daran, wie wir die Welt sehen und erleben. Wollen wir Begebenheiten aller Art als persönliche Wegweiser wahrnehmen, geht nichts leichter als das!

Ask and Receive

Es gibt mehrere Zugänge, wie Dinge und Ereignisse zur Landkarte der individuellen Orientierung werden können. Es ist ein bisschen so wie mit Tarot-Karten: Was auch immer sie zeigen, es kommt auf die Interpretation an, auf die Kunst eine Brücke zwischen einem bestimmten Bild und den offenen Fragen des Lebens herzustellen. Eine Variante ist, sich eine Frage zu stellen und dann auf die Zeichen zu schauen. Also etwa: wenn X soundso ist, dann werde ich heute irgendwo Äpfel sehen. Natürlich geht das besser, wenn man nicht soundso Äpfel zu Hause hat. Und das Lustige daran ist eigentlich weniger das Ereignis der Bestätigung als vielmehr das Suchen und Finden. Oder eben Nichtfinden, aber auf dem Weg dahin zumindest etwas zielgerichteter und aufmerksamer durchs Leben zu gehen.

Ein anderer Zugang besteht in der Deutung von Ereignissen, etwa Wolkenformationen. Was immer man in den Gebilden zu sehen glaubt, gibt einem letztendlich Aufschluss über das eigene Unterbewusstsein. Kann auch erhellend sein. Oder man deutet seine Träume, besonders die Gefühle darin. Rumoren Neugierde und Lust oder Flucht und Angst, Wut und Frust im eigenen Wesen? Dann darf man sich getrost die Frage stellen: Wird der bewussten Verarbeitung unangenehmer Ereignisse oder treibender Bedürfnisse im eigenen Leben genug Raum gegeben? Wenn nicht, sagts Euch gleich das Licht, äh der Traum. Assoziationen – etwa noch so schlechte Reime – geben auch gute Zeichen ab. Erinnerungen bergen bestimmte Gefühle, die etwa mit Hoffnungen verbunden sind. Möge einem doch das Licht endlich zeigen, wo es langgeht! Die Reaktionen von Tieren zeigen ebenfalls recht schnell, wie achtsam und einfühlsam man gerade ist, oder welche Bedürfnisse man hat (vor allem, wenn sie nicht erfüllt werden). Übrigens ist es auch sehr aufschlussreich, wenn man sich selbst zuhört, während man gedankenverloren zu den lieben Haustieren spricht. Hui, spannend was man so alles über sich erfährt, wenn der Tag lang ist.

Und dann sind da noch die anderen Menschen: Wen zieht man im eigenen Leben so an? Welche Typen zeigen sich immer und immer wieder? Welche Konflikte erlebt man gebetsmühlenartig? Die Chance ist groß, dass vielleicht nicht „alle Männer“ oder „alle Frauen“ oder „alle Chefs“ schlecht sind, sondern dass man selbst so einiges an Ungelöstem mit sich trägt, das einen in immer wieder ähnliche Beziehungskonstellationen oder Autoritätsverhältnisse wirft. Solange bis man endlich versteht…

The Art of Storytelling

Aber was kann man denn nun eigentlich mittels Zeichen verstehen? Die ominöse Kraft der Zeichen liegt weniger in den Zeichen als vielmehr in den Zeichen-Lesenden. Welche Geschichten erzählen wir uns selbst – über uns selbst und die Welt? Welche Strickmuster der Interpretation, der Fragestellung und Antwortgebung wiederholen sich? Welche Fragen werden mit der Zeit so klar, dass wir sie ebenso gut gleich direkt betrachten und nach eingehender Auseinandersetzung vielleicht endlich ad acta legen können?

The Story of our Life

Zeichen sind wie ein Spiel. Und wir spielen ja soundso das Spiel unseres Lebens, die ganze Zeit. Bloß bleiben wir solang Spielfiguren, die von unbekannten Mächten bewegt werden und ungewollte Züge auf einem unsichtbaren Spielfeld zum Zweck eines unhinterfragten Kampfes ausführen, bis wir uns und anderen keine Geschichten mehr erzählen. Darüber wie „es ist“, wie „es sein sollte“ oder wie „es nicht sein darf“.

Was dann? Dann werden wir höchstwahrscheinlich tief aufatmen, ‘ne Runde oder zwei über uns lachen und die Dinge vielleicht erstmals so sehen, wie sie tatsächlich sind. Und ab dann macht das Spielen wahrscheinlich erst so wirklich Spaß.

Seven Strange Synchronicities: 4

Aufgetaucht

Ich schaue auf den See, kleine Wellenspitzen kräuseln um sich selbst. Meine Gedanken tun es ihnen gleich. Da, auf einmal: Plopp! Taucht ein Haubentaucher (s. Bild) auf. Wie aus dem Nichts. Ich hatte ich nicht abtauchen gesehen. Huch, Überraschung. Die sind ja auch nicht immer da. Sonst gibt’s immer nur die üblichen Verdächtigen: Schwäne, Stockenten, Möwen (die gabs früher nicht, Klimawandel?) und im Winter Blesshühner, liebevoll Tuckanterln genannt, weil sie so schön „Bock“ machen.

Exzellente Taucher, die Haubentaucher, können nicht nur in ziemliche Tiefe vorstoßen, sondern auch einiges an Strecke zurücklegen. Ich weiss also nicht, wo besagter Ploppvogel zuvor abgetaucht war. Ich wundere mich nicht nur über das Wunder der Natur (es ist ein ausgesucht schöner Vogel), ich wundere mich über all das, was immer wieder mal im Leben aufploppt, obwohl man es beim Barte des Propheten oder bei der Göttin des Unbewussten -wen auch immer man hier ‘ne Runde verantwortlich machen möchte- zuvor nicht abtauchen gesehen hatte.

Und täglich grüßt…

Nehmen wir zum Beispiel wiederkehrende Alpträume oder sich wiederholende Beziehungsmuster – am besten beides, ist ja kein großer Unterschied: Da will man weder verfolgt werden noch in Abwehr erstarren und doch passiert es immer wieder. Schweißgebadet wachen wir auf. Wir sehen den Traum nicht kommen, wenn wir einschlafen, ebenso wenig wie wir alptraumhaftes Verhalten von anderen (und schon gar nicht von uns selbst) erwarten, bis es passiert. Und doch geschieht nichts davon rein zufällig. Wir reagieren im Unterbewusstsein wesentlich früher als wir dann mit dem Bewusstsein wahrnehmen, was bereits geschehen ist. Nein, wir müssen noch früher ansetzen: wir speichern im Unterbewussten bestimmte „wenn-dann“ Regelwerke wie Codes. Wenn X, dann Y. Und weil‘s so schön ist, passierts dann auch immer wieder, ob wir nun wollen oder nicht.

Wie das Amen im Gebet

Was das mit Synchronizität zu tun hat? Gleichzeitigkeit kann uns auf verschiedenste Arten überraschen. Sie muss nicht immer als kosmisch-positives Orakelgeschehnis daherkommen, die den Alltag -und den Erlebenden desselben- mit wundersam bedeutungsschwangeren Zufälligkeiten veredelt. Sie kann auch mal unangenehm sein und uns auf den selbstgebundenen Schlips treten, der in diesem Fall wie ein mit eigener Hand angelegter Henkersstrick anmutet. Dann nämlich, wenn unser Unterbewusstsein uns etwas sagen will, wir es aber früher (ach so oft schon) nicht hören, sehen, fühlen, wahrhaben wollten. Magisch wirkt das Ganze allemal, nämlich im Sinne von „es ist wie verhext“. Weihnachten wird gestritten. Auf der romantischen Reise kommt die unschöne Wahrheit raus. Der Teenager bringt Papa von Null auf Hundert zum Kochen. Als würde jedesmal ein Knopf gedrückt werden. Auslöser: 100 Punkte, ausgelöstes Gefühl: -100.

Abgetaucht

Fragen wir, wann und wo denn jener schräge Ereignisvogel, der uns immer und immer wieder unerwartet abwatscht, eigentlich abgetaucht ist, dann liegen die Antworten weniger im Argen verborgen, als vielmehr in der Vergangenheit begraben. Ist ja jetzt auch nichts Neues. Neu wäre, wenn der seltsame und unliebsame Vogel einfach nicht mehr auftauchte, sprich: wir nicht immer wieder dasselbe Essverhalten, denselben Frauentyp, dieselbe Art Chef, dasselbe Familienfest, dieselbe gebrochene Wunschvorstellung miterleben müssten (oder uns aussuchen würden, wie gemeine Menschen behaupten).

Eintauchen, um Aufzuwachen

Lösung, wo ist die Erlösung? Aus den Fallstricken erlernter „wenn-dann“ Schleifen führen mehrere Wege. Der erste ist so was wie Bonding, wenn man der Typ dafür ist: Liebe Deine Leiden! Beschwere Dich lauthals und andauernd im gesamten Umkreis über immer wieder dasselbe. Deine Umwelt wird Dir dann früher oder später zu verstehen geben, dass es heißt: Deine Trips oder sie. Zweite Lösung: Sooft mit dem Holzhammer auf dieselbe Stelle gehauen bekommen, sooft alles erhoffen und alles verlieren, bis wir das dahinterliegende Muster (ja, meist hat es was mit den Eltern zu tun) endlich selbst so klar sehen wie unsere Mitmenschen. Dritte Lösung: Wann immer etwas öfter als zufällig auftritt, gleich mal prophylaktisch drüber nachdenken, warum das so ist. Am besten mit der Hilfe von klugen Unbeteiligten (Therapeuten?) oder echten Freunden, die klar sehen und einem die kalte Dusche auch verabreichen, die man braucht. Viertens: Manche Menschen lesen in ihren Träumen wie in einem Buch über sich selbst, auch das soll man sich angeblich beibringen können. Fünftens: Sei der Haubentaucher. Tauche bei anderen wie das Amen im Gebet auf, wenn sie denselben Fehler zum Xten Mal machen. Mahne sie immer wieder auf dieselbe unaufdringlich eindringliche Art und Weise oder beleuchte ihren blinden Fleck aus immer neuer Perspektive.

Wie auch immer Deine Lösung: Auf zu neuen Vogelarten!

Seven Strange Synchronicities: 3

Suchen, finden, überwinden. Ich versuche meinen ersten Roman zu schreiben. 100 Seiten sind schon da. Doch ich stecke. Ich suche nach dem perfekten, den idealen Zustand, um in Freude, Frieden und Freiheit weiterzuschreiben. Stattdessen ernte ich Hoffnung, Angst, Erwartungen aller Art – und Warten. Ich sehe mir beim Warten zu. Ich warte auf den Moment, an dem mir die Inspiration einen festen Tritt in den Allerwertesten schenkt. Nicht, dass mir die Ideen fehlten, nein, das Skript mit den Ideen ist voll. Es geht ums Einbauen in den bestehenden Text, diesen zu erweitert, zu vervollkommnen, zu ergänzen und abzurunden. Jedenfalls, die Wahrheit ist: ich warte. Auf den richtigen Moment.

Der Moment, ich kenne ihn gut, ist da, wenn mich das Bedürfnis überkommt wie eine Welle. Als würde mein Wesen die Worte und Bilder unwillkürlich, ungebremst durch mich – jetzt fällt mir kein besseres Wort ein – auskotzen. Aber angenehm, oder zumindest befriedigend. Es schreibt sich dann durch mich. Was auch immer da raus will. Ich warte also darauf, dass es wieder soweit ist. Jeglicher Zeitplan ist dadurch bei Teufel. Oder wo dasjenige halt zu Hause ist, das mich dann überkommt, wenn‘s kommt.

Beim Warten habe ich verschiedene Rituale und Gewohnheiten entwickelt, die das Plötzliche, das Magische anlocken sollen. Indem ich mich soweit ablenke, entspanne, anderweitig beschäftige, dass ich die Muse – oder wer eben immer es ist, der sich da durch mein Wesen manifestiert – nicht durch einen „Erledigungsmodus“ verschrecke. Denn ich weiss: Offenheit muss sein. Wenn ich arbeite, dann verkriecht sich die Muse, zieht sich zurück wie eine Mimose. Was tue ich also, um offen zu sein und mich dennoch beim Warten von der Erwartung des Ankommens des Musen-Tritts abzulenken? Ich putze, koche, wasche, räume herum. Meine Wohnung profitiert eindeutig. Auch die Menschen rundherum, bilde ich mir ein. Ich gehe einkaufen, sehe den Schneeflocken beim Tanzen zu, den Wellen beim Springen. Ich höre Musik. Ich träume und sinniere, ohne irgendwo haften zu bleiben. Ich übergebe mich dem Fluss der Dinge. Und küsst mich die Muse deswegen? Mitnichten. Die Muse lacht mich aus. Oder ignoriert mich. Oder tut, was Musen halt so tun, wenn sie nicht am Küssen sind.

Seit gestern versuche ich daher mir ein Ritual zusammenzubasteln, damit ich nicht immer meine Wohnung malträtieren muss. Ein Ritual der Offenheit, des reinen Möglichkeitsraumes, des Vernichtens von Hoffnungen und Erwartungen. Eines, das ich durchführe, bevor ich mein Manuskript öffne. Ich denke da an etwas Stretchen, Atmen und meine Steeldrum spielen. Vielleicht eine Kerze dazu? Anyway. Es soll ein wirksames Experiment werden, mich vor dem Schreiben zu konzentrieren, frei zu werden. Und was passiert?

Ich öffne vor 10 Minuten mein aktuelles Morgen-Buch, ein Buch, aus dem ich in der Früh immer wieder mal eine Stelle lese, um mich aufs Sein einzustimmen. Und was steht da? Die Antwort auf meine Frage nach dem richtigen Zustand (ohne, dass ich zuvor überhaupt vermocht hatte, die Frage richtig zu formulieren): „Spontaneity is unattainable through techniques or forced concentration. Goal-orientation is superfluous, ambition and apprehension dispensable. Spontaneity is pure being, here and now”. Na super, kann ich mir meine Rituale an den Hut stecken. Nichts zu suchen, nichts zu finden, nichts festzuhalten, nichts abzuweisen, nichts. Und das Alles ist da. Ganz spontan. Wie es immer schon war.

Die Insel der Seligen, die Quelle des Schaffens, das Ankommen im Formen – sie alle „verstecken“ sich wohl stets in all ihrer Pracht direkt vor aller Augen. Weit näher als vermutet, unmittelbar da, wo man gerade ist, wenn man nichts tut oder will. Weder Greifen noch Begreifen nötig. Ein Mysterium, das sich der Kontrolle entzieht. Ein Zustand, der sich dem Erkennen verweigert, während er sich durch einen (her)aus-drückt. Ob das alles helfen wird, mein Buch fertigzustellen? Weiß ich nicht. Aber mir selbst, dem Sein und dem Werden nicht durch irgendeine Art von Ver-Suchen im Weg zu stehen, könnte ein würdiger Wegweiser sein…

Seven Strange Synchronicities: 2

Wirklich wird, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken. In diesem Jahr faszinieren mich, wie schon der Titel dieser Blog-Reihe sagt, Synchronizitäten – und siehe da: sie machen sich bemerkbar. Erst gestern träumte ich so vor mich hin und machte ein Gedankenexperiment mit mir selbst. Welches ist der größte Lebenstraum, den ich mir gönnen kann? Wie weit kann ich denken und fühlen? Ich verbringe den Tag damit, schwelge in möglichen Realitäten, spüre, wenn mich der Realitätssinn zurückpfeifen will, wenn die Nachrichten, die ich lese, dagegensprechen. Sie sprechen ja oft gegen alles, was mit Hoffnung und Wünschen zusammenhängt, liegt schlicht in ihrer Natur. Ich spüre all die Bereiche, die sich die MitgliederInnen meiner Familie selbst entsagt haben oder glaubten, sich entsagen zu müssen, weil sie dachten auf gesellschaftlichen Konventionen achten zu müssen oder den Erwartungen anderer (meist Familienmitglieder) gerecht werden zu müssen. Ich sinniere darüber, wie eng Familie einst machen konnte (was so manche/n unter uns sicherlich noch immer betrifft). Wie sehr man früher die eigenen Wünsche und Lebensträume verleugnet hat, um andere im Frieden ihrer Erwartungen ungestört zu lassen oder um sich einen ständigen Kampf zu ersparen. Ich spüre wie anders unsere Zeit ist – sofern man sie denn anders als ehemals sein lässt. Eine Zeit der Möglichkeiten, gerade inmitten des unberechenbaren, chaotischen, scheinbar niemals endenden, weltweiten Übergangsprozesses, in den uns eine Krise nach der anderen wirft. Ich spüre die unklaren Aussichten, eine Atmosphäre, geschwängert von Fragezeichen. Und gerade, weil die Zukunft so diffus ist, spüre ich die Notwendigkeit zu träumen. Und zwar groß zu träumen. Ich lausche hinein und horche hinaus. Und die Offenheit spricht zu mir…

Sie sagt, dass ich mal was kochen sollte. Ich gehe in die Küche und fange an Gemüse zu schnippeln. Vernehme alsbald in meinem Inneren eine weibliche Stimme Soul singen. Aha, denke ich, Zeit für Musik. Nehme also mein Handy und mache Superfly an. Und siehe da: Hier singt eine Frau soulig vom Träumen. Das Lieb heißt Dreamer. Na, wenn das keine Synchronizität ist. Schön, lächle ich in mich hinein. So solls sein.