Special Screen Script 17: HAPPY SINGLES

Raus aus der Einsamkeit – Rein in die Freiheit!

Stellen Sie sich vor, Sie leben alleine, gehen jeden Tag alleine ins Bett, stehen alleine auf. Kaufen im Supermarkt für eine Person, kochen nur für sich selbst, essen – alleine.

So schön diese Freiheit für manche ist, wenn Sie sich aussuchen können, was Sie wann essen, wann Sie wo und mit wem schlafen, welches Chaos oder welche Ordnung bei Ihnen zu Hause herrscht: Wer alleine lebt, fühlt sich manchmal auch ganz schön einsam. Aber muss das sein? Gibt es nicht Möglichkeiten, wie wir uns auch als „Singles“, also als allein Lebende, weniger einsam fühlen und stattdessen unsere Freiheit so richtig genießen können? Jede/r fragt sich wahrscheinlich im Laufe seines (Beziehungs-)Lebens irgendwann einmal: Ist das Leben ohne Partner nicht genauso lebenswert? Und dann kommt gleich die nächste Frage: Wie macht man das Beste aus dem Alleine-Leben?

Im Kern brauchen wir fürs Single-Glück nur die beiden Aspekte des Alleine-Seins, nämlich die prinzipielle Freiheit und das (eben oft fehlende) Gefühl tiefer Verbundenheit offenen Auges anzunehmen und damit zielführend umzugehen. Sie gehören unmittelbar zusammen, sind wie die beiden Seiten einer Medaille. Deswegen sind auch nur 2 Schritte nötig, um aus der Einsamkeit und hinein in die Freuden der Freiheit zu finden:

  1. Freiheit annehmen: Die Qualität der Selbstbestimmtheit zu genießen
  2. Verbundenheit entwickeln: Ein Gefühl tiefer Verbundenheit dort aufbauen, wo es geht: nämlich zu uns selbst – zu unseren Lieben, zu Freunden und Familie – und zu unserer Umwelt, sei es die Natur oder das Große Ganze…

Was es bedeutet, unsere Freiheit tatsächlich zu genießen

Vor allem, dass wir lernen, unsere Entscheidungen bewusst zu treffen. Dass wir Entscheidungen treffen, die uns stärken, die uns gut tun, durch die wir eine Freude am Leben haben, und den Sinn des Lebens spüren. Wir leben alle voraussichtlich nur einmal: Achten wir also gut auf unseren Körper, auf unser Gefühlsleben, unsere Gedankenwelt und unser Verhalten. Stellen wir uns nicht gegen uns, sondern handeln wir mit und für uns!

Die gute Verbundenheit zu uns selbst

Wieso fällt es uns oft schwer, uns ohne Partner gut mit uns selbst verbunden zu fühlen? Um eine Antwort darauf zu finden, können wir uns dazu die folgenden Fragen stellen:

  • Mag ich mich, so wie ich bin?
  • Reiche ich mir selbst aus?
  • Und wenn dem nicht so ist: Kann und soll eine Partnerschaft eine solche Lücke überhaupt füllen?
  • Ist die gute Verbundenheit zu mir selbst nicht der wesentlichste Schritt, um überhaupt Beziehungsfähigkeit zu entwickeln?

Nutzen wir diese Zeit, die Zeit unseres Lebens hier und jetzt, für uns und mit uns und stellen wir uns der vielleicht wichtigsten Frage unseres Lebens:

Wie will ich mit mir leben, bis dass der Tod uns scheidet?

Blog-Nachtrag des ORF-Beitrags vom 28.05.2018

Advertisements

Special Screen Script 11: ZU ALT ODER ZU JUNG?

Die Vor- und Nachteile von Altersunterschieden in der Partnerschaft

Es gibt viele Gründe sich zu fragen, ob die Liebe ein Verfallsdatum hat. Einer davon ist ein großer Altersunterschied zwischen den Liebenden. Kann es auf Dauer funktionieren, wenn einer älter bzw. jünger als nur wenige Jahre ist, wenn der Altersunterschied etwa 15+ Jahre beträgt? Worauf ist zu achten – und gibt es vielleicht sogar ungeahnte Vorteile?

Zunächst einmal das Offensichtliche: Wenn ein älterer Mann mit einer jungen Frau zusammen ist, so empfinden das die Wenigsten als problematisch oder schauen allzu schief. An diese Konstellation hat „man“ sich seit Langem gewöhnt. Natürlich spielen bei der allgemein höheren Akzeptanz die klassischen Rollenbilder herein – überspitzt gesagt: Der Versorger auf der einen Seite, die Gebährfähige auf der anderen. Das scheint irgendwie zumindest (bio-/sozio-)logisch (selbst wenn es bei weitem nicht für alle erstrebenswert oder korrekt wirkt). Damit zum vielleicht weniger Offensichtlichen: Ganz gleich ob Mann oder Frau der/die Ältere ist, es können in jedem Fall heikle Punkte auftreten, die sich schlichtweg aus den Unterschieden in den jeweiligen Lebensphasen ergeben. Heute spielen vielfach die angestammten, traditionellen Rollenerwartungen keine so wesentliche Rolle mehr. Statt dessen sind es biographische Herausforderungen, die miteinander harmonieren oder eben Reibungen verursachen können.

6 heikle Punkte für Paare mit großem Altersunterschied:

  1. Beruf und Karriere: Einer ist beruflich schon etabliert, der andere noch am Anfang der Karriere. Was einer schon durchgemacht hat und ihn daher nicht aufregt, ist beim anderen noch ein offenes Feld, das ihn massiv beschäftigt. Und auf Dauer kann es passieren, dass der eine in Pension geht, während der andere noch mitten im Berufsleben steht, gestresst ist, andere alltägliche Herausforderungen bewältigen muss
  2. Interessen und Freunde: Es können unterschiedliche Interessen, Hobbies und Freundeskreise existieren, die nicht unbedingt zueinander passen
  3. Leistung und Lust: Auch die körperliche Leistungsfähigkeit und die Libido können mitunter zu Konflikten führen oder Selbstzweifel mit sich bringen. Und natürlich kann es schwierig werden, wenn der ältere Teil dauerhaft krank wird oder körperlich oder geistig/seelisch stark abbaut
  4. Der Blick von außen: Mitunter werden älteren Partnern massive Vorurteile entgegengebracht. Spitznamen wie „Sugar-Daddy“ oder „Sugar-Mama“ suggerieren, dass sie sich auf die eine oder andere Art den jüngeren Beziehungspartner aus Eigennutz erkaufen. Manche unterstellen, dass es dabei nur um Geld, Sex, Imagepolitur oder einen psychischen Knacks geht. Auch die Jüngeren sind vor Vorurteilen nicht gefeit: Begriffe wie „Vater- oder Mutter-Ersatz bzw. -Komplex“ können hier fallen. Die Anerkennung aus dem sozialen Umfeld ist für viele Menschen aber wesentlich, um eine erfüllende Beziehung führen können. Denn auf Dauer will verständlicherweise jedes Paar, will jeder Mensch in einer guten Verbindung zu Freunden und Familie stehen und nicht ständig kritisiert werden. Erfreulicherweise zeigen Untersuchungen, dass die Akzeptanz großer Altersunterschiede, also ab etwa 15 Jahren Unterschied, in den letzten Jahren immens gestiegen ist.

Worauf es in jeder Beziehung aber ganz prinzipiell ankommt sind ähnliche Werte, Ziele und Vorstellungen. Und worauf sich beide Seiten in jedem Fall einstellen müssen, sind unterschiedliche Weltansichten, Erfahrungswerte und Lebensperspektiven. Sofern sie wahrgenommen und akzeptiert werden, können sie Anlass zum Lachen und Lernen geben. Es kann immens bereichernd sein, aus der Ruhe, Erfahrung und Gelassenheit des „Alters“ zu schöpfen und aus der Neugier, Abenteuerlust und Sinnlichkeit der „Jugend“ Kraft zu tanken…

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 07.05.2018 eine Woche lang nachsehenhttp://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13975965/Altersunterschiede-in-einer-Partnerschaft-Vor-und-Nachteile/14296198

Special Screen Script 10: THE PERFECT MATCH

Ein echtes Traumpaar

Eine Möglichkeit um herauszufinden, ob Ihr Gegenüber wirklich zu Ihnen passt ist, sich besonders die schwierigen Situationen und kritischen Momente miteinander ganz genau auszusehen. In diesen Augenblicken wird klar, ob Sie beide auch unter Stress und widrigen Bedingungen zusammenhalten. Diese Stressresistenz ist zudem ein guter Gradmesser für die längerfristige Belastbarkeit einer Beziehung. Durchleuchten Sie dazu die folgenden

5 Meilensteine einer gelingenden Beziehung:

  1. Streitkultur: Können Schwierigkeiten offen angesprochen werden? Können Sie miteinander streiten, ohne dass tiefe Verletzungen geschehen? Können Sie Missverständnisse aufklären? Sind Sie beide willens und im Stande, nach einer Diskussion, einem kritischen Feedback oder einem Streit in sich selbst hineinzuhören und zu hinterfragen, was Ihr Anteil daran war? Sind beide fähig, etwaige Fehleinschätzungen oder ein Fehlverhalten nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor dem anderen einzugestehen und sich ernsthaft zu entschuldigen? Können Sie beide aus dem Geschehenen lernen und ziehen Sie gemeinsam Ihre Schlüsse fürs nächste Mal?
  2. Wertschätzung: Begegnen Sie einander auf Augenhöhe, also ohne dass der eine oder andere dauernd kritisiert, heruntergemacht oder sonst irgendwie abgewertet wird? Zeigen Sie einander Ihre gegenseitige Wertschätzung? Auch und vor allem während und nach einem Streit? Will keiner den anderen verändern und verlangt aber für sich selbst, so genommen zu werden, wie er ist?
  3. Machtverhalten: Zeigt eine Seite hingegen ein ausgeprägtes Dominanzverhalten, so kann sich dies nicht nur in abwertendem Verhalten äußern. Auch Gefühle können unkontrolliert ausbrechen, ohne dass dafür die Verantwortung übernommen wird. Das kann soweit gehen, dass es im Krisenfall zu verbaler, emotionaler oder sogar körperlicher Gewalt kommt. Ebenso können Ignoranz oder abwehrendes Verhalten deutliche Anzeichen für ein Bedürfnis nach Überlegenheit sein. Auf der anderen Seite der Machtfrage steht hingegen ein stark konfliktvermeidendes Verhalten – quasi die „Sucht nach Harmonie“ – bei dem die Verantwortung für die Lösung eigener und gemeinsamer Probleme und damit für die Entwicklung der Beziehung nicht übernommen wird.
  4. Selbstsicherheit: Dieser Punkt ist besonders spannend. An sich ist eine Partnerschaft, in der beide Partner stark und souverän sind, wünschenswert. Manchmal kommt es aber anders und das muss nicht schlecht sein, sondern kann sich auf den langfristigen Beziehungsverlauf vorteilhaft auswirken: Ist etwa einer der Partner sehr selbstkritisch oder unsicher, dann bleibt er mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst in schwierigen Phasen in der Beziehung. Nichtsdestotrotz sollte das Entwicklungsziel die „gleiche Ebene“ sein, denn ein solches Ungleichgewicht bringt wiederum ein ganz eigenes Konfliktpotenzial mit sich.
  5. Das Nähe-Distanz-Verhältnis: wollen Sie mehr Nähe und sterben vor Sehnsucht und „Er“ oder „Sie“ hält Sie hin? Oder klebt sie/er an Ihnen und Sie bekommen keine Luft mehr zum Atmen? Das funktioniert auf Dauer nicht und führt zu Frustration. Hier ist es angesagt, dass beide sich über ihr eigenes Nähe-Distanz-Bedürfnis klar werden und darüber austauschen. So sollte etwa die Angst vorm Verlassenwerden oder vor einem Kontrollverlust von jedem Partner klar erkannt werden. In der individuellen Auseinandersetzung damit kann sich dann auch das Verhältnis zu einander entspannen.

Zusammengefasst stehen die Zeichen für Ihre Beziehung gut, wenn Sie miteinander streiten können, einander dabei wertschätzen und auf Augenhöhe begegnen, die Verantwortung für die eigenen schwierigen Gefühle übernehmen, ein gesundes Maß an Selbstsicherheit und ein passendes Nähe-Distanz Verhältnis haben.

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 30.04.2018 eine Woche lang nachsehen: http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13975266/Beziehungstipps-von-Expertin-Nana-Walzer/14292653

Surprising Salon Session No 16: In voller Blüte

Blooming

Blühend, so soll es uns gehen. Blühen, so sollen wir. Zumindest wir Frauen. Männer würden die Zielvorgabe für optimale Befindlichkeit und Ausstrahlung wahrscheinlich anders ausdrücken: „voll im Saft stehen“, oder so. Abgesehen von der Wortwahl und den Bildern, die „Blüte“ und „Saft“ im Geist hervorrufen, ist prinzipiell Ähnliches gemeint: Wir sollen im Vollbesitz all unserer Kräfte sein, alles uns nur Mögliche erleben können. Und das sollten wir am besten andauernd können. Das Leben befinden wir genau in solchen Momenten für richtig gut, in denen wir unser Potenzial an Kraft und Selbst, an Schönheit und Intensität, an Leistungsfähigkeit und Brillanz ausleben. Wenn wir uns bis zur Perfektion verfeinert und zur sichtbaren Verwirklichung all unserer Wünsche und Talente hin ent-faltet haben, dann „passt es“. Vorher sind wir am Weg dorthin, nachher ist es zu spät. Dieser Höhepunkt, dieses voll Erblühen und Sprühen soll eigentlich und irgendwie das ganze Leben lang währen. Obwohl wir zugleich wissen, dass dies so nicht geht. Oder vielleicht doch?

Gibt es wirklich nur Einen Karrieregipfel, die Eine Erfolgsphase, auf die das ganze Leben zugesteuert, für die gelernt und geopfert wird und nach der alles vorbei ist?

Perfect Moment – Perfect Life

Wie sieht ein nachhaltig perfektes, weil durchgehend blühendes, saftiges Leben aus?

Über die „Karriere, Geld, Macht, Haus, Partner, Familien“-Phantasien brauchen wir hier gar nicht lange reden. Dass selbst all diese zusammen genommen nicht wirklich glücklich machen, sondern dem Leben „nur“ eine Richtung geben, wird den meisten im Lauf ihrer (Lebens)Zeit klar. Interessanterweise machen weder das Erreichen noch das Nicht-Erreichen dieser Zielvorstellungen ein erfüllendes Leben aus. Ja, erfüllt im Sinne von „voll“, „ausgefüllt“ allemal. Erfüllend in unserem Sinne meint jedoch einen Zustand, in dem wir aus einem inneren Überschuss an Energie heraus schöpfen können. Das Sein, unser Wesen, damit das Wesentliche füllt uns aus (statt der to do-Listen). Es fliesst aus uns, formt sich in (Selbst- und Fremd-)Wirksamkeit, findet (s)einen Weg, um aus unserem Innersten hinaus auch andere zu ihrer Überfülle, zum Heraustreten aus sich und ihren engen Vorstellungen, ihren Ver-Stellungen und Ver-Biegungen, zu inspirieren.

In diesem Blog geht es um solche Formen des Blühenden Lebens. Um das „Alles“, das auch sich gemacht, herausgeholt, im besten Fall ausgelebt werden kann. Aber ist das „Alles“ zu jeder Lebenszeit dasselbe? Ich denke nicht. Jedes Lebensjahrzehnt blüht anders, lässt uns anders erleben, fokussieren, wirksam sein.

Diese Blüten jeden Lebensalters erstrahlen in jeweils eigen-willigen Farben, bilden die ihnen eigen-artigen Formen heraus und tragen entsprechend eigentümliche Früchte. Sie finden die zu ihnen passenden Nahrungsquellen und wachsen dem Lichtspektrum entgegen, das genau dieser Zeitabschnitt anziehend findet. Über die Dauer eines Lebens blühen wir immer wieder, immer anders, immer weiter auf und wachsen zunehmend  in die Essenz unserer Persönlichkeit hinein. Dies kann so aussehen (oder auch anders):

Brillantine Brutal: Die 20er

Schönheit, Kraft und Abenteuer. Die Farbe der 20er ist bunt, die Formen wild, die Früchte schmecken intensiv. Die Nahrung für die 20er liefern zum einen unsere Sinne, die auf Hochtouren arbeiten, zum Zweiten unsere Bewegungsfreude, sowie drittens unsere Offenheit, die unser (noch)Nichtwissen in die vielen Premiere-Erlebnisse dieses Alters transformiert. Das Licht fürs Weiter- und Überunsselbsthinaus-Wachsen liefert ein glühender Horizont, der zum Greifen nahe scheint: Das All-Wissen lockt. Wir lernen Dinge, von denen wir nicht wissen, ob wir sie jemals brauchen.

Powerpack: Die 30er

Wissen, Können, Tun. Die bunte Erfahrung der 20er mündet in den einfärbigen, weil fokussierten Willen des zielgerichteten Schaffens der 30er. Nahrung bieten die beruflichen und beziehungstechnischen Erfolge. Die Früchte werden vielfach einfach hängen gelassen, übersehen oder als Treibstoff für die nächste Etappe umgehend umgewandelt. Der Weg scheint klar, er führt auf einen Gipfel, egal ob auf einen nahen oder fernen. Der leuchtende Horizont schimmert hinter dem Gipfel hervor, bleibt sanft und kaum wahrnehmbar im Hintergrund, denn der Alltag will gemeistert werden.

AllinOne: Die 40er

Konzentrieren, Potenzieren, Brillieren. Sind die erste und zweite Etappe geschafft – und das sind sie, so oder so, mit 40+ – dann werden die Farben weniger grell, angenehmer, ruhiger, entspannter. Das Tun weicht dem „am Punkt bringen“, die Früchte glänzen besonders. Sie duften nach Lebenserfahrung und dem dicken, süßen Saft erlebter Gefühle, Niederlagen und Höhenflüge. Nun ist der Horizont ganz einfach da, er bietet den Nährboden des eigenen Standpunktes. Von hier aus kann in alle Richtungen und Lebenszeiten geblickt werden. Wie sehen und verstehen: Kinder, Eltern, Großeltern. Das Altern wird selbstverständlich, das Werden und Vergehen ein hypnotischer Rhythmus, von dem wir uns nur allzu leicht einlullen lassen. Wer wach bleibt, dem eröffnen sich unerwartet andere Knospen:

Plateau-Mania: Die 50er

Angekommen, Nicht-Tun, Wirken. Das Sein ist an sich schon reif, es gilt nichts mehr wegzunehmen oder hinzuzufügen. Der eigene Horizont gleicht dem Universalhorizont – und steht als einer neben unendlich vielen. Ganz ohne Zutun er-folgt die feine, pastellfarbene Wahrnehmung der zahllosen Varianten des Ewiggleichen. Die Vielfalt im Einen Leben wird zelebriert und genossen. Die Ruhe angesichts des letzten Sturms erkennt sich als Auge im Hurrikan. Wer sich der Altes verzehrenden Kraft des Unbekannten widersetzt – wer behalten will, sich nicht mehr verändern will, der erstarrt zunehmend und wird immer mehr zum Zerrbild seiner Vergangenheit. Wer sich gegen das Neue, das Wechselnde, das Vergängliche im Fruchtbaren und das Fruchtbare im Vergänglichen wehrt, hat seinen Horizont überschritten. Alles geschieht für ihn „danach“. Den anderen, die auf dem fruchtbaren Boden des „bisher“ wandeln, bietet sich das weite Feld des „noch nicht“.

JoyFull Living: Die 60er

Freude, Friede, Frag-Würdigkeit. Wer sich nicht der Vergangenheit verschreibt oder der Schockstarre hingibt, der stellt sich dem Licht der neuen Fragen auf seinem Weg. Die Farben werden anders, erdiger und himmlischer zugleich. Im inneren Frieden, der jener Hingabe an den Wandel aller Dinge folgt, ent-faltet sich die Freude am reinen Sein, am Erleben ohne Auftrag. Diese Frucht kommt zum Tragen wenn kein Druck, kein Zwang sie formen will. Im frei Sein duftet sie von ganz alleine. Sie trägt das Licht der im Laufe des Lebens schwer erkämpften Zeitlosigkeit in sich. Selten zu sehen, aber köstlich für alle, die sie (mit) verkosten dürfen.

Silver Surfer: Die 70er

Hügel, Wellen, Wolken. Die Farben werden schillernd, die Formen fließend, die Zeit rinnt vor sich hin, der Horizont steht nicht im Vordergrund, eher ruft er sanft im Hintergrund, aus dem Rückhalt gibt er Rückhalt. Er flüstert: „Jetzt oder nie“. Die Früchte reifen da, wo Wohlgefühl und Wiedererleben auf die Einzigartigkeit des Jetzt treffen. Was geht, geht. Was nicht (mehr) geht, verabschiedet sich still und leise.

Wondering Wisdom: Die 80er

Wunder, Weisheit, Wohltun. Wer voll und ganz zu seiner Frucht wird, dessen Anwesenheit tut wohl. Diese Früchte gereichen anderen zur Seelennahrung, was wiederum die eigene Seele nährt. Alle Farben sind wunder-voll, jede Form ist ein-deutig aus ihrer Weisheit geboren. Wir sehen. Unsere Augen werden weich und mild.

Shining Eyes: Die 90er

Sehen, Herzen, Stille. Die Ruhe sieht über die Bewegung, das Herz über den Verstand. Die Farben werden durchsichtig, das Leben ist ein Aquarell, das sich selbst malt. Jeder Augenblick kommt und verschwindet. Von ganz alleine. Früchte kommen und gehen. Der Horizont ist offen und weit. Wir sehen ins Allganze, sehen es in uns, in anderen. Wir leben im Raum zwischen den Herzschlägen, er wird zu unserem Zuhause.

Just Be: Die 100er

Sein. Zeit hat keine Macht mehr, Raum ist kein Thema. In der Mitte des Erlebens gibt es zwei Augen, sie sehen und erkennen keinen Unterschied zwischen Innen und Außen.

***

Die Rose, die derzeit oben auf dem Subwoofer in der Mitte meines Schreibtisches thront, wurde auf dem Höhepunkt ihrer Einen Blüte eingefroren, schockgefroren, in Stickstoff getaucht, damit sie haltbar bleibt. In ihrer Perfektion ist ihre letztendliche Schönheit fast schon bedrohlich. Im optimalen Moment ihres Seins wurde sie genommen, für ultimativ reif befunden und ihres Lebens beraubt. Ihr „Leben danach“ ist dazu verdonnert, in der vollen Blüte ihres Seins bewundert zu werden, ohne dass sie selbst das Leben noch genießen könnte. Wie vielen (erfolgreichen) Menschen ergeht es so? Dass sie nur zu ihrer Blüte gesehen werden und sich selbst sehen? Das limitiert uns Menschen ungemein.

Ich meine, dass für uns Menschen nicht nur diese eine, große, ultimative Blüte(zeit) im Leben möglich ist. Es zählen eben nicht nur die Höhepunkt unserer beruflichen Karriere oder die Höchstleistungen aller Art. Vielleicht sollten wir uns eher am Bild der „Blume des Lebens“, das ja aus vielen einzelnen Blüten besteht, die miteinander verbunden sind, orientieren. Diese Blüten gemeinsam ergeben ein großes Ganzes, das erst im Zusammenspiel seine maximale Kraft entfaltet. Es können die Blüten der Lebensphasen sein, die ein solches Ganzes ergeben. Oder die Blüten mehrerer Menschen gemeinsam.

Mögen wir die Blüte jeder Lebensphase zur vollen Entfaltung bringen und das Blühen anderer in jeder ihrer Lebensphasen befördern. Mögen wir auf diese Weise jedes Lebenszeitalter in seiner Einzigartigkeit und als ein wesentlicher Teil, der uns insgesamt noch blühender das Leben erfahren lässt, verstehen. Wir können getrost darauf verzichten, einzelne Zeitabschnitte zu überhöhen oder ihnen nachzutrauern.

Auf diese Weise blühen wir ein Leben lang und bis zum Ende voll und ganz.

Surprising Salon Session No 9: Einmal Entwicklung mit Erfüllung bitte!

Das vollendete Werk

Macht stolz. Und ist doch nur ein neuer Anfang. Es ist nie genug. Solange die Menschheit sich nicht in Frieden ihres Daseins freut gibt es noch unendlich viel zu tun. Sisyphos lässt grüßen. Wenn ich unser Buch so betrachte, dann stellt sich mir als erstes die Frage: Wird es wohl gelesen werden? Und wenn ja – was wird daraus erwachsen? Das Werk ist tatsächlich erst vollendet, wenn es ankommt. Aber was genau soll ankommen, wenn es um einen Prozess geht? Den Prozess der Menschwerdung im Sinne der Entwicklung von Mitmenschlichkeit im Einzelnen und einer auf Miteinander basierenden Gesellschaft im Ganzen. Ist dieser Prozess jemals zu Ende? Kann er das überhaupt sein? Kann es jemals so viele „reife“ Menschen geben, dass sich „das Blatt wendet“?

Füllhorn der Menschlichkeit

Eigentlich dreht sich alles um die Antwort auf die Frage: Wann ist menschliche Entwicklung tatsächlich erfüllend? Also Raum und Zeit sinnlich ansprechend und sinnvoll füllend. Ich spreche hier nicht von vorübergehenden Zuständen des Glücks, der Dankbarkeit, der Zufriedenheit. Ich spreche hier von einem tiefen Grundgefühl, auf dem „richtigen Weg“ zu sein. Und davon, diesen nicht alleine zu gehen, sondern mit vielen anderen und zum Besten aller. Friedlich, freudvoll, frei. Ist das Utopie? Falsche Frage.

Denn: Zahlt es sich denn überhaupt aus, für weniger als für diese Utopie zu leben? Ab wann ist eine Utopie unrealistisch? Meiner Ansicht nach dann, wenn sie entkoppelt von den Vorstellungen und Bedürfnissen der Menschen ein abstraktes Dasein führt und Menschen dazu zwingt, ihre Menschlichkeit starren Regeln zu unterwerfen. Die Verwirklichung von Ideen und Idealen muss jedenfalls bei der Wirklichkeit ansetzen. Aber es gibt so viele Wirklichkeiten… So viele wie Menschen.

Evolution gut und schön

Aber wohin? Wohin schreiten wir, als „Menschheit“, fort? Wer ist „die Menschheit“ wenn nicht eine Ansammlung aus Individuen, die sich in formbaren Gemeinschaften aus Gründen der sozialen Stabilität formieren. Haben Menschen überhaupt ein Gefühl dafür, Teil „der Menschheit“ zu sein und deren Entwicklung mitzugestalten? Und haben wir überhaupt einen Einfluss auf die weitere Entwicklung? Ja, wir haben. Synchronisation heißt das Zauberwort. Menschen wirken auf sich und auf andere in jedem Augenblick ihres Seins. Manche wirken stark, so stark, dass sie als Vorbilder Veränderungen initiieren oder kanalisieren können. Andere Menschen wirken gemeinsam, wirken zusammen und können dadurch großen Einfluss nehmen, größere Menschenmengen bewegen. „Der Schwarm“. Aber ob der immer intelligent ist…? Wer stellt sicher, dass sich die Menschen und die Menschheit in die „richtige“ Richtung fort bewegt? Moral, Ethik, Glaube? Nicht als abstrakte Schrift, nicht als normative Regel, nicht als bebilderter Buchtext oder langweiliger Bildungsinhalt. Bleibt etwas reine Theorie oder wertende Handlungsanweisung, so wird es selten gern gelebt. Klar wäre es vielleicht sinnvoll. Aber es ist in dieser Form nicht sexy, nicht attraktiv, schlicht nicht sinnlich.

Reicht es andererseits, auf negative Mobilisierung zu setzen? Auf die drastische und dramatische Darstellung diverser Katastrophenszenarien? Sollten wir verstärkt auf die Bedrohungen durch Klimawandel über Ressourcenerschöpfung, Radikalisierung bis Krieg, Finanzcrashs oder Verrohung von Einzelnen, Bildungsabbau der Gesellschaft und Emotionalisierung der Politik setzen, sie immer mehr und emotionsgeladener ins Feld zu führen, um Menschen zu aktivieren? Um die Notwendigkeit einer anderen Entwicklung zu unterstreichen? Nein. Angst und Bedrohung reichen nicht. Da muss was Stärkeres her.

Was motiviert zum Mitmenschlichsein?

Die Fähigkeit zur bewussten Wahrnehmung von Körperzuständen, Gefühlen und Gedanken wie Verhalten unterscheidet den Mensch vom Tier. Solange er aber noch unreflektiert von seinen Trieben, Begierden und Gewohnheiten in seinem Verhalten angefeuert wird, ist der Unterschied zur Tierwelt nicht allzu groß. Erst mit der bewussten Wahl, nicht nur auf das eigene Wohl zu sehen, sondern „Ich“ und „Du“ gleichberechtig zu behandeln, entsteht ein neuer Raum, der verändertes Handeln ermöglicht. Warum ist dieser Raum so wichtig? Weil uns heutzutage sowohl der Raum als auch die Zeit abhandenkommen. Wir werden immer mehr Menschen, die einander zunehmend wahrnehmen. Ja, wahrnehmen müssen, weil sie nicht mehr auszublenden sind. Auf den Straßen, im Internet, in den Schulen und Universitäten, am Arbeitsmarkt, am Markt der Waren und Dienstleistungen generell. Die Fülle ist überwältigend. Wer „mitmenschlich“ agieren will muss scheinbar zum selbstlosen Heiligen mutieren angesichts dieser schieren Überzahl. „Wer kommt und kettet sich die Welt ans Bein – möge die Macht, mit ihm sein…“ singen SEEED. Aber schönerweise heißt der Songtitel „Deine Zeit“: „Diese Zeit, ist Deine Zeit, und Du meinst, Du seist noch nicht so weit – doch jeder Tag, ruft Deinen Namen, Du weißt, Du hast keine Wahl!“ Und damit sind wir schon bei der „Moral von der Geschichte“: Wer, wenn nicht wir? Mehr Motivation gibt es nicht.