Seven Strange Synchronicities: 5

Die Sandale!

Zoom in auf Brians Sandale, zoom out auf die nach Erlösung geifernde Anhängerschaft. Sie will sich Kraft der Sandale endlich zur Glaubensgemeinschaft erklären, das geht nur wenn Brian endgültig der Heiland ist. Die Sandale machts möglich. Sie wird in Monty Pythons Life of Brian zum Zeichen: Zur Bestätigung des Erhofften, zur Bestärkung des Ersehnten. Das Zeichen verleiht dem Glauben unantastbare Gültigkeit.

Die Schritte vom Zeichen-Sehen zur Anhängerschaft von seltsamen Ideen bis hin zu radikalen Verschwörungstheorien sind mitunter – je nach psychischer Disposition der Gläubigen – schnell getan. Diese Story widmet sich im Gegensatz zu diesen aber all jenen, die die Zeichen sehen, ohne sich dabei von ihren Ängsten und Hoffnungen allzu weit forttragen zu lassen. Ganz im Gegenteil. Dieser Blog ist der Selbsterkenntnis via „Zeichen“ gewidmet…

Die Zeichen

Sprichwörtlich alles kann Ein Zeichen sein. Doch wie sehen realistische, relevante Zeichen aus? Kann es solche denn überhaupt geben? Wird nicht alles, was Bedeutung bergen kann (und das ist Alles und Nichts), nicht erst durch den Akt unserer Sinngebung bedeutsam? Liegt also der Sinn in den Dingen selbst oder in uns verborgen? Warum sehe ich, da ich dies schreibe, eine Ente mit entzückenden 8 winzigen Küken, 4 davon auf ihren Rücken, schwimmend an mir vorbeiziehen? Ein Zeichen?? Dafür, dass mir in diesen letzten Monaten viele neue Ideen entschlüpft sind, die um mich herumschwirren und gerade ihr Eigenleben entwickeln? Alles eine Frage der Interpretation, könnte man sagen.

Seeking and Seeing…

Wer suchet, der findet. Und dennoch. So einen Anblick von winzigen Entlein (und selbst diese Entenart) habe ich noch nie gesehen. Und es passiert genau in dem Augenblick, in dem ich beginne, über Zeichen zu schreiben. Synchronizität pur. Das muss zwar in keinster Weise bedeutsam sein, ja allerhöchstwahrscheinlich hat das alles Null mit mir zu tun. Allerdings ist der Umstand der zeitlichen Koinzidenz zumindest witzig. Und es macht schlicht mehr Spaß, dem Ereignis die Bedeutung einer Bestärkung zuzuschreiben, als es einfach nur so zu erleben. Obwohl der reine Anblick auch herzergreifend süß ist. Die Welt braucht meine Bedeutungszuschreibung wirklich nicht. Wohl eher brauchen wir selbst das Gefühl der Bedeutsamkeit. Nicht nur für uns selbst, also dass wir als Menschen etwas bedeuten, ein bedeutsames Leben führen oder insgesamt etwas Bedeutsames schaffen, Sinn stiften, helfen, irgendetwas in der Welt verbessern, etwas Positives beitragen. Auch andersherum wäre schön, nämlich, dass die Welt sich was schert um uns. Dass die Natur und wir irgendwie kosmisch verbunden sind. Dass die Dinge doch Sinn machen, auch wenn wir ihn gerade nicht sehen können. So viel zum inneren Wunschkonzert. Aber was hat das alles mit Zeichen zu tun? Was können wir tatsächlich legitimerweise in Ereignisse und Vorkommnisse, ins Wetter oder die Wolken, in den Flug der Vögel oder die Ampelschaltung, in Plakattexte oder Radiosongs, in plötzliche Anrufe oder unerklärliche Ideen, in Gedanken an andere und Visionen von Verstorbenen hineininterpretieren – ohne des wahnhaften Geistes knusprige Beute zu werden, wie es einst und ungefähr so schön hieß?

Reading the Signs

Das Leben kann wie eine Schachtel Pralinen sein, man weiß nie was drin ist (so ähnlich hieß es zumindest bei Forrest Gump). Oder es ist ein Topf, der zur Hälfte mit Honig und zur Hälfte mit Scheiße gefüllt ist und man kann sich nur aussuchen, ob man das Ganze schüttelt und durcheinandergemischt genießt, oder immer abwechselnd vom einen und vom anderen isst, oder zuerst das eine und dann das andere. Alte griechische Weisheit, hab‘ ich mir sagen lassen. Aber ganz unabhängig davon, wie das Leben grad daherkommt, als eine gammelige Schnapspraline oder ein Löffelchen Kackhonig – „die Zeichen“ bieten uns in jeder beliebigen Situation eine Reflexionsfläche und können dadurch zur nützlichen Entscheidungshilfe werden. Wie das?

Der Mensch neigt zur Projektion, das heißt zur Übertragung der eigenen akuten und chronischen ungelösten Themen, Erfahrungen, Wünsche und Befürchtungen auf seine Umwelt. Diesen Umstand können wir entweder unreflektiert oder unkommentiert hinnehmen oder aber wir können ich uns zu Nutze machen. Jede Bedeutung, die wir vergeben ist ebenso wie jede Bewertung, etwa Kritik oder Lob, an uns als Person geknüpft. Daran, wie wir die Welt sehen und erleben. Wollen wir Begebenheiten aller Art als persönliche Wegweiser wahrnehmen, geht nichts leichter als das!

Ask and Receive

Es gibt mehrere Zugänge, wie Dinge und Ereignisse zur Landkarte der individuellen Orientierung werden können. Es ist ein bisschen so wie mit Tarot-Karten: Was auch immer sie zeigen, es kommt auf die Interpretation an, auf die Kunst eine Brücke zwischen einem bestimmten Bild und den offenen Fragen des Lebens herzustellen. Eine Variante ist, sich eine Frage zu stellen und dann auf die Zeichen zu schauen. Also etwa: wenn X soundso ist, dann werde ich heute irgendwo Äpfel sehen. Natürlich geht das besser, wenn man nicht soundso Äpfel zu Hause hat. Und das Lustige daran ist eigentlich weniger das Ereignis der Bestätigung als vielmehr das Suchen und Finden. Oder eben Nichtfinden, aber auf dem Weg dahin zumindest etwas zielgerichteter und aufmerksamer durchs Leben zu gehen.

Ein anderer Zugang besteht in der Deutung von Ereignissen, etwa Wolkenformationen. Was immer man in den Gebilden zu sehen glaubt, gibt einem letztendlich Aufschluss über das eigene Unterbewusstsein. Kann auch erhellend sein. Oder man deutet seine Träume, besonders die Gefühle darin. Rumoren Neugierde und Lust oder Flucht und Angst, Wut und Frust im eigenen Wesen? Dann darf man sich getrost die Frage stellen: Wird der bewussten Verarbeitung unangenehmer Ereignisse oder treibender Bedürfnisse im eigenen Leben genug Raum gegeben? Wenn nicht, sagts Euch gleich das Licht, äh der Traum. Assoziationen – etwa noch so schlechte Reime – geben auch gute Zeichen ab. Erinnerungen bergen bestimmte Gefühle, die etwa mit Hoffnungen verbunden sind. Möge einem doch das Licht endlich zeigen, wo es langgeht! Die Reaktionen von Tieren zeigen ebenfalls recht schnell, wie achtsam und einfühlsam man gerade ist, oder welche Bedürfnisse man hat (vor allem, wenn sie nicht erfüllt werden). Übrigens ist es auch sehr aufschlussreich, wenn man sich selbst zuhört, während man gedankenverloren zu den lieben Haustieren spricht. Hui, spannend was man so alles über sich erfährt, wenn der Tag lang ist.

Und dann sind da noch die anderen Menschen: Wen zieht man im eigenen Leben so an? Welche Typen zeigen sich immer und immer wieder? Welche Konflikte erlebt man gebetsmühlenartig? Die Chance ist groß, dass vielleicht nicht „alle Männer“ oder „alle Frauen“ oder „alle Chefs“ schlecht sind, sondern dass man selbst so einiges an Ungelöstem mit sich trägt, das einen in immer wieder ähnliche Beziehungskonstellationen oder Autoritätsverhältnisse wirft. Solange bis man endlich versteht…

The Art of Storytelling

Aber was kann man denn nun eigentlich mittels Zeichen verstehen? Die ominöse Kraft der Zeichen liegt weniger in den Zeichen als vielmehr in den Zeichen-Lesenden. Welche Geschichten erzählen wir uns selbst – über uns selbst und die Welt? Welche Strickmuster der Interpretation, der Fragestellung und Antwortgebung wiederholen sich? Welche Fragen werden mit der Zeit so klar, dass wir sie ebenso gut gleich direkt betrachten und nach eingehender Auseinandersetzung vielleicht endlich ad acta legen können?

The Story of our Life

Zeichen sind wie ein Spiel. Und wir spielen ja soundso das Spiel unseres Lebens, die ganze Zeit. Bloß bleiben wir solang Spielfiguren, die von unbekannten Mächten bewegt werden und ungewollte Züge auf einem unsichtbaren Spielfeld zum Zweck eines unhinterfragten Kampfes ausführen, bis wir uns und anderen keine Geschichten mehr erzählen. Darüber wie „es ist“, wie „es sein sollte“ oder wie „es nicht sein darf“.

Was dann? Dann werden wir höchstwahrscheinlich tief aufatmen, ‘ne Runde oder zwei über uns lachen und die Dinge vielleicht erstmals so sehen, wie sie tatsächlich sind. Und ab dann macht das Spielen wahrscheinlich erst so wirklich Spaß.

Seven Strange Synchronicities: 2

Wirklich wird, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken. In diesem Jahr faszinieren mich, wie schon der Titel dieser Blog-Reihe sagt, Synchronizitäten – und siehe da: sie machen sich bemerkbar. Erst gestern träumte ich so vor mich hin und machte ein Gedankenexperiment mit mir selbst. Welches ist der größte Lebenstraum, den ich mir gönnen kann? Wie weit kann ich denken und fühlen? Ich verbringe den Tag damit, schwelge in möglichen Realitäten, spüre, wenn mich der Realitätssinn zurückpfeifen will, wenn die Nachrichten, die ich lese, dagegensprechen. Sie sprechen ja oft gegen alles, was mit Hoffnung und Wünschen zusammenhängt, liegt schlicht in ihrer Natur. Ich spüre all die Bereiche, die sich die MitgliederInnen meiner Familie selbst entsagt haben oder glaubten, sich entsagen zu müssen, weil sie dachten auf gesellschaftlichen Konventionen achten zu müssen oder den Erwartungen anderer (meist Familienmitglieder) gerecht werden zu müssen. Ich sinniere darüber, wie eng Familie einst machen konnte (was so manche/n unter uns sicherlich noch immer betrifft). Wie sehr man früher die eigenen Wünsche und Lebensträume verleugnet hat, um andere im Frieden ihrer Erwartungen ungestört zu lassen oder um sich einen ständigen Kampf zu ersparen. Ich spüre wie anders unsere Zeit ist – sofern man sie denn anders als ehemals sein lässt. Eine Zeit der Möglichkeiten, gerade inmitten des unberechenbaren, chaotischen, scheinbar niemals endenden, weltweiten Übergangsprozesses, in den uns eine Krise nach der anderen wirft. Ich spüre die unklaren Aussichten, eine Atmosphäre, geschwängert von Fragezeichen. Und gerade, weil die Zukunft so diffus ist, spüre ich die Notwendigkeit zu träumen. Und zwar groß zu träumen. Ich lausche hinein und horche hinaus. Und die Offenheit spricht zu mir…

Sie sagt, dass ich mal was kochen sollte. Ich gehe in die Küche und fange an Gemüse zu schnippeln. Vernehme alsbald in meinem Inneren eine weibliche Stimme Soul singen. Aha, denke ich, Zeit für Musik. Nehme also mein Handy und mache Superfly an. Und siehe da: Hier singt eine Frau soulig vom Träumen. Das Lieb heißt Dreamer. Na, wenn das keine Synchronizität ist. Schön, lächle ich in mich hinein. So solls sein.

Seven Strange Synchronicities: 1

Wie es der Zufall so will, klopfte heute das Schicksal an meine Tür – gleichzeitig flutschte das Glück, Hand in Hand mit dem Pech, zur Hintertür hinaus und hinterließ mich nackt in meinem Sein, also in jenem Zustand, den ich zuvor gesucht hatte. Das nenne ich mal Synchronizität. Ein äußerst wundersames Zusammenfallen innerer Zustände und äußerer Umstände. Ja, das Ganze geht auch einfacher erklärt: Sie fahren im Auto, hören nette Musik, haben grad nicht viel im Kopf, da ploppt von innen eine Frage auf. Etwas, das Sie schon lange beschäftigt hat, ohne dass Sie bisher recht Zeit dafür gefunden hatten. Etwas fundamental Wichtiges. Vielleicht, warum Sie immer noch nicht Ihre Lebensaufgabe leben. Und Sie denken nicht groß drüber nach, nein, Sie lassen sich nur in die Stimmung kippen, in die Sie diese Frage taucht. Ein kleines Fragezeichen runzelt dabei vielleicht unbemerkt Ihre Stirn, die große Sehnsucht macht sich wehmütig in der Brust breit, leichte Frustration rumort im Bauch, während Ihre Beine minimalistisch zum Beat zucken. Just jetzt fällt Ihr nichtsahnender Blick auf ein Plakat. Und siehe da: Hier steht sie, Ihre Antwort! Sie müssen lachen, über den Zufall, über das Schicksal. Aber vor allem über diese Synchronizität. Über das gleichzeitige Auftauchen von Frage und Antwort, das Zusammenfinden von innen und außen. Darüber, dass der banale Alltag der Werbung auf das Wunder des Lebens trifft. Darüber, dass das Leben sich über sich selbst amüsiert – und Sie Zeuge sind.

Ein anderer Begriff für Synchronizität wäre vielleicht Stimmigkeit. Damit ist beleibe nicht einfach nur Harmonie gemeint, nein, eher schon das Auftauchen von plötzlich Stimmigem im prinzipiell Unstimmigen. Ein kleines Wunder eben. Mit solchen Wundern beschäftigt sich dieser Blog 2021. Denn das Leben ist zu kurz und viel zu seltsam, um sich nicht dem Wundersamen zu widmen. Wir müssen nicht an Wunder glauben, um Wunder zu wirken. Die Macht kann mit uns sein, ohne über uns zu kommen. Alleine schon, dass manchmal das unsinnigste Ereignis auf einmal unfassbar viel Sinn macht, sofern man die Perspektive wechselt, ist schon ein kleines Wunder. Und solcherart Wunder lassen sich in aller Absichtslosigkeit tatsächlich selbst dem Alltäglichsten entlocken und aus dem unscheinbarsten Augenblick hervorkitzeln.

Es wird Zeit, dass wir uns mehr wundern, finde ich. 2021 braucht uns, braucht unsere Kraft: Nicht nur die Kraft, trotz Pandemie durchzuhalten oder gegen schwierige Entwicklungen anzukämpfen. Nein. Vor allem die Kraft, das Leben an sich zu bewundern. Das Beste in jedem Moment nicht vorweg zu wünschen oder im Nachhinein hinein zu interpretieren. Erst im leeren Raum des Hier und Jetzt zeigt sich das Wunder. Seien wir live dabei und lassen uns von Moment zu Moment aufs Neue vom Leben überraschen!

PS: „Masters of Magic Moments“ hieß mein erstes Buch im Original. In Kürze erscheint es neuerlich als Hörbuch. Es handelt von der Kunst wunder-voller Begegnungen mit sich selbst, mit anderen und dem großen Ganzen. Synchronizitäten sind Zeichen. Nämlich für die eigene Offenheit den Wundern des Lebens gegenüber. Bestimmte Geisteshaltungen, Grundeinstellungen und Verhaltensweisen machen das Wundersame in unserem Leben erst sichtbar. Frei nach dem Motto: Verzaubern wir uns selbst, so wird die Welt magisch…

Sunny Side Step 9 – Living in the Meantime

Magnetismus der Zielverfehlung

Können Sie sich erinnern, als „Warten“ noch unangenehm war? Als man im Arztzimmer oder an der Supermarktkasse nicht wusste, wohin mit sich vor lauter innerer Unruhe, weil nichts weitergeht? Als man noch keine Möglichkeit hatte, die dringenden Emails, Nachrichten und Anrufe vor Ort und auf der Stelle per Smartphone abzuarbeiten? Als das Warten auf Züge und Flüge, Ärzte und Handwerker nervenzerreißend wirkte und zeitraubend schien, weil es uns im Erledigen unserer dringenden oder wichtigen Aufgaben aufzuhalten drohte?

Alles anders ist ganz normal

Was sich heute Alltag nennt, ist stattdessen zur Routine des nervtötend Unbekannten geworden. Nichts kommt mehr so wie erwartet, aber wir haben uns daran gewöhnt. Wir können damit umgehen, denn wir haben einen Trick gelernt: Wir lenken uns einfach und erfolglos ab. Auf jede Erwartungsenttäuschung folgt eine Belohnung, die nicht wirklich hilft. Um das Nichterfüllende daran nicht zu bemerken, vergraben wir uns noch tiefer im vermeintlichen Spaßfaktor der Ablenkung. Die Spannung des Lebens vegetiert heute in den Abgründen des Immergleichen Ewiganderen von den meisten unbemerkt vor sich hin. Dysfunktion und Desinformation waren vielleicht gestern en vogue. Ent-Fokussierung ist die Wahldroge der Zeit.

Kein Ziel rechtfertigt dieses Resultat

Zugegeben: Weder in der Planung noch im Abarbeiten von Aufgaben (von Aufstehen, Zähneputzen, Putzen im Allgemeinen über die Schulpflicht bis hin zur Arbeitspflichten) liegt heutzutage noch Zufriedenheit. Das Spannende verströmt gerade jener Hauch von Seltsamkeit, der Routinetätigkeiten diese Tage durchdringt: Jegliches Abarbeiten geht mit dieser „je-ne-sais-quoi“-Unruhe des „Falschseins“, des „am Leben -Vorbeilebens“ einher. Nichts, was „einfach nur erledigt“ gehört, hat mehr einen Wert. Das Hakerl, das hinter der inneren oder äußeren To-Do-Liste gesetzt wird, bringt keine Erfüllung (mehr) mit sich.

Ich erinnere mich, dass dies einst anders war. Ein guter Tag, war ein leerer Tag, also ein Tag, der sich durch eigene Aktivität geleert hatte. So ein Tag erfüllte mich einst mit innerer Zufriedenheit. Ein Tag, an dem man alles erledigt hatte, was man sich vorgenommen hatte, war genug. Gab Anlass zur inneren Ruhe. Diese Tage gibt es nicht mehr, schon lange nicht mehr. Es ist nicht mehr genug, es ist nie genug.

Warum wir niemals ankommen

Wer zu sich kommt, wer zu sich findet, erkennt, dass routinemäßige Arbeiten im Allgemeinen und Pflichten-Erledigen im Besonderen oft wenig mit der eigenen Sinnfrage zu tun haben. „Warum?“ ist daher die alles entscheidende Frage. Problematisch ist jedoch die Vielzahl an möglichen Antworten und die Beliebigkeit derselben. „42“ würde Douglas Adams als Antwort geben. Wer zu wissen glaubt „warum“ belügt sich entweder selbst oder ist sich der Fragilität der eigenen Arbeitshypothese bewusst. Denn es ist ja nie genug. Natürlich höhlt steter Tropfen nahezu jeden Stein. Aber der Stein ist unendlich groß.

Wer hingegen nicht weiß, „warum“ ist schlicht unzufrieden in seinem Alltag und beginnt im Anderswo zu leben. In der ewigen Ablenkung. Unsere Zeit fördert diese Entwicklung, sie schafft Mechanismen und Strukturen, die unsere Aufmerksamkeit aufsaugen wie der effizienteste Staubsauger aller Zeiten. Dieses Problem stellt allerdings weder die Digitalisierung, die Globalisierung noch die Konsumgesellschaft bereit. Die Quelle des Problems liegt viel, viel näher. Wir sind das Problem. Wir sind süchtig nach dem entweder-oder, nach Pflicht oder Ablenkung.

Wo also steckt sie, die Lösung?

Leben im Zwischenraum und in der Zwischenzeit

Dort, wo keine Bedürfnisse herrschen, keine Zwänge regieren, keine Anforderungen drängen, da spielt die Musik des Lebens. Dieser unendliche Freiraum, der in der Zwischenzeit existiert, wäre eigentlich stets vorhanden und zugänglich. Wir verstellen uns nur permanent die Tür dorthin. Nein, noch wahrer: Wir sind die Tür dorthin, geben aber anderen und den Umständen die Schlüssel in die Hand. Wir reden uns erfolgreich aus, die Tür zum Himmel auf Erden zu sein.

Und nein, es geht dabei nicht um „Freizeit“, welch perverses Konzept. Das Leben will als Ganzes gelebt und nicht gespalten in unzureichende Teile werden. Der Freiraum und die Zwischenzeit harren hinter allen Aufgaben und Ablenkungen unserer Aufmerksamkeit, bereit zu spielen.

Die Macht der Umwege

Wir können also nicht anders, als an der Härte der Realität so lange zu scheitern, bis wir zur Einsicht ihrer inneren Bedingtheit gelangen. Diese Erkenntnis markiert das Ende des Irrweges. Wir irren solange, bis wir nichts mehr erledigen wollen und uns nicht mehr ablenken müssen.

Auf dem Weg dorthin, tief im abhängigen Herumirren, hilft uns jeder dem Geist des Erledigens oder der Lust auf Ablenkungen zutiefst verhasste Umweg. Denn die eigenartige Anziehungskraft des Abwegigen sorgt dafür, dass wir über unsere Planungen und Vorannahmen, Hoffnungen und Befürchtungen stolpern. Wir fallen aus unseren Routinen der Ablenkung vom Unvorhergesehenen und landen.

Im unendlichen Zwischenraum der Freude, im ewigen Frieden der Übergangszeit

Sunny Side Step 4: Echte EuropäerInnen gesucht

Die etwas andere Europa-Wahl

Wo sind sie, die „echten EuropäerInnen“? Wir suchen sie!

Wer geht voran in eine lebenswerte, krisenfeste, hoffnungsfrohe und gemeinsame Zukunft? Wer tut dies aus Überzeugung und nicht aus Selbstnutz? „Wer kommt und kettet sich die Welt ans Bein?“, wie es im Song „Deine Zeit“ von Seeed so schön heißt… Wir wollen Euch kennen lernen, noch weiter vor den Vorhang holen und so richtig schön hoch leben lassen und schwer Wert schätzen: Menschen, die Ihr ein Leben lang für grenzüberschreitende Gerechtigkeit eintretet, für friedliche Vielfalt sorgt, für Verständigung zwischen den Welten plädiert, Brücken zwischen den Gräben baut: Meldet Euch! Denn wir von Europe:United wollen Euch Danke sagen – und Euch einen schönen Preis verleihen.

Rolemodelling The Future

Wir brauchen Euch ganz dringend, die Ihr vorangeht in eine mögliche gute Zukunft, die Ihr vormacht, wie das Miteinander gelingen kann, die Ihr vorlebt, was eine gesunde Gesellschaft sein kann, wie sie funktionieren und aussehen kann und vor allem: wie sie sich anfühlen kann. Wir brauchen Euch, die Ihr zeigt, was geht, wenn man nur will. Die Ihr seid, was es braucht. Was wir brauchen. Klar, geradlinig, ehrlich und offen, verletzlich und durchsetzungsstark, streitbar und diskurswillig, visionär und kreativ, verantwortungsvoll und tatkräftig, schützend und stützend, fördernd und fordernd, funny und verrückt. Wenn Ihr Euch Europa zur Herzensangelegenheit macht, wenn Ihr Europa schon ein gutes Stück mitgeformt habt, in Eurer Lebenswelt, spürbar für andere, dann seid Ihr reif für den…

…European Of The Year!

Am 10 Dezember 2019, am Tag der Menschenrechte, ist es soweit: Der „European of the Year“-Award wird von Europe:United – Organisation für ein Menschliches Europa (www.europeunited.eu) zum zweiten Mal verliehen.

Worum geht’s in aller Kürze? Um herausragendes zivilgesellschaftliches pro-europäisches Engagement. Die in Sachen Menschlichkeit höchst engagierte Jury besteht aus Katharina Stemberger und Florian Eder, Erich Schleyer und Alexander Göbel. Sie wird aus den Einreichungen die/den diesjährige/n PreisprägerIn auswählen. Eure Vorschläge für den/die European of the Year 2019 können bis zum 09. November 2019 eingereicht werden. Einfach ein Email senden an: office@europeunited.eu.

Geehrt wird der/die PreisträgerIn übrigens mit der wunderschönen Skulptur, die im Bild zu sehen ist: Kunstprofessor Stephan Fillitz und Kommunikationsdesignerin Catherine Rollier haben die außergewöhnliche und aus allen Richtungen perfekt ausgewogene Plastik gestaltet.

Die Preisverleihung am 10 Dezember wird dann auch ein richtig schönes Fest: Für den großartigen Menschen, der den Preis verdient. Mit den wunderbaren Menschen, die sich mit uns freuen. Und für die Menschheit, die von einer echten Entwicklung Europas, nämlich in Richtung Menschlichkeit und Umsicht, am allermeisten hat…

Surprising Salon Session No 20: Zum Kuckuck nochmal

Kuckurucku

Wenn er könnte würde er kucku-en, der Kuckuck in meiner ungewollt ererbten Kuckucksuhr.  Kann er aber nicht. Irgendwann hat sich der Akt des Aufziehens in sich selbst verstrickt. Kenner werden erkennen, was mir verborgen bleibt: Wie genau Pendel und Kette, Gewicht und Schwerkraft miteinander zusammen-hängen und als in die Tiefe ziehende wirksame Einheit dem Kuckuck seine ruckizuckelnde Krähfähigkeit verleihen.

Wenn er könnte wie er sollte, würde er überraschend tief kukurucku-en. Daran kann ich mich erinnern. Doch nun herrscht Piepstille. Stört an sich nicht weiter. Außer man bleibt mal an der reinen Existenz, der puren akustik-versprechenden Optik hängen und fragt sich: Wozu das alles? Definitiv eine  Frage, die inaktive Kuckucksuhren mit Vorzüglichkeit auszulösen wissen. Aktive allerdings auch. Meiner Meinung nach zumindest. Eine Kernfrage, die nicht zu kurz kommen sollte in kuckurucku-mal-was-nicht-noch-alles-geschehen-kann-Zeiten wie diesen.

Wolkenkuckucksheim

Also: Wozu das alles? Wozu in regelmäßigen Abständen Krähen oder nicht Krähen, das ist hier die Frage. Wozu bloggen? Wozu arbeiten? Wozu wählen? Wozu sich engagieren? Wozu… egal was eigentlich?

Kuckurucku.

Ohne Ziel kein Sinn. Ohne Ziel keine Richtung. Ohne Ziel kein Weg, der Sinn macht. Klar kann der un-sinnige Weg das richtungsweisende Ziel an sich sein. Kuckuck. Aber wer weiß das schon, zum Kuckuck nochmal.

Vielleicht krähen Kuckucksuhr-Kuckucke sehnsüchtig nach ihrem höchstpersönlichen (höchstkuckuckigen) Wolkenkuckucksheim. Nach einem über den Wolken schwebenden Ziel, nach einem wolkennebelschwaden-durchbrechenden Weg dorthin, nach einerm jenseits aller Wolken existierenden Kuck-in-crime–Partner, nach einem wolkenweichen Zuhause. Nach einem „dort, wo alles gut ist“. Kuckuuuck?

Oder auch nicht: Kommentieren sie einfach nur in einer Tonlage zwischen komisch und bedeutungsleer das Verstreichen der Zeit? Kuckuck!?

Wonach krähen wir denn so, tagein, tagaus? Wonach strecken wir uns gerne ruckartig aus, wo wollen wir mit dem Drive unseres Herzen hin und was lässt uns den Abstand zwischen hier und eben nicht dort in regelmäßigen Abständen, lautstark oder durch unsere pure Anwesenheit, durch den Ausdruck unseres Wesens, beanstanden? Wohin geht die Reise, wenn das Ziel nicht Urlaub ist, sondern Leben heißt?

Bei Dir piepst‘s wohl

Was piepst im Hinterkopf ständig vor sich, vor Dich hin…? Was schiebt und zerrt, kettet uns an die Schwerkraft des Verkörpertseins, verleiht dem Pendel unseres wiederkehrenden Strebens seinen unaufhaltsamen Schwung? Sind wir nichts anderes, als der Vogel im Kasten eines anderen? Haben oder sind wir (schon) unser eigener Vogel…? Fragen über Fragen. Willkommen im Rasthaus „Zum Kuckuck“.

Kuck mal, wer da spricht

Monkey-Mind“ nennen manche das kuckureske vor-sich-und-uns-hin-Krähen der Stimme in unserem Kopf. Könnte eigentlich auch“Kuckuck-Geist“ heißen. Wer da spricht ist klar: Die Maschine in uns. Die Gewohnheit. Die von uns zusammengereimte Interpretation unserer Erfahrungen als unsere Lebensgeschichte, die aufrechterhalten und immer wieder erzählt werden will, damit wir wissen, wer wir sind. Stoppt die Stimme, stoppt der Kuckuck, wirkt die Leere oftmals bedrohlich. Dabei ist sie der notwendige Raum, um überhaupt wahrnehmen zu können, was sonst so in der Welt los ist. Der Kuckuck hört nur sich selbst, er fährt entlang eingefahrener Schienen vor sich hin und kann nicht anders, da die Schwerkraft dies zu der größten aller Selbstverständlichkeit macht.

Menschen, die sich mit dem Kuckuck in sich identifizieren, sehen dies als die größte Selbstverständlichkeit an. Dabei krähen sie sich lautstark und sinnentleert durch ihre Welt des Vorhersehbaren. Solange, bis das Pendel still steht.

Und was passiert, wenn das Ticken aufhört? Das war‘s dann mit dem Schwung und dem Krähen und dem Schweben über den Wolken im sicheren Heim der eigenen Überzeugung. Dann bleibt nur noch ein Hauch von: Wozu das alles? übrig. Das lautstarke Vorbeisein überstimmt das Krähen nach dem und über das Ewiggleiche. Das schweigende Antlitz der bewegungslosen Uhr antwortet in aller Stille: Da Sein zählt. Gerade dann, wenn es nicht kommentiert wird.

FOCUSHIFT

Secret Success Story No 19 – über die Augen des Betrachters

Sehen und gesehen werden

Wir sind, was wir essen. Wie wir wohnen. Was wir lesen. Woher wir kommen. Wie wir uns verhalten. Wie viele Methoden es nicht gibt, um festzustellen wer oder was wir sind! Wenig mehr fasziniert uns Menschen so sehr wie die Geschichten und Spekulationen rund um andere Menschen. Was sie quält, was sie auszeichnet, was sie besser und schlechter als wir selbst machen. Unsere Interessen offenbaren uns als Beziehungswesen, die Wenigsten entscheiden sich tatsächlich und freiwillig fürs Einsiedlertum. Wir lieben Geschichten. Großes Kino, Nahes Fernsehen, Zeitungs-Stories und Soziale Dramen – oder auch das beliebte Soziale Netz-Panoptikum. Wer es zur geschichtsträchtigen Figur schafft, der hat „es“ geschafft. Ja, aber was denn eigentlich? Erfolgreich in aller Munde zu sein? Reicht es, wenn uns Aufmerksamkeit geschenkt wird, egal wofür? Sind in diesem Zusammenhang sogar „only bad news good news“? Selbstmarketing gehört heute zum Karriere-Making fix dazu. Optik und Präsentation, Auftritt und Rhetorik – alles zahlt ein ins Gesamtbild, das andere von uns haben – sollen. Zahlt ein in die Geschichte, die wir uns selbst über uns erzählen und die nicht nur wir, sondern zuallererst die anderen über uns glauben sollen. Wir wollen, dass andere uns sehen, wie wir uns selbst gern sehen würden. Sie sollen bestätigen, was wir uns selbst vielleicht (noch) nicht glauben…

Selbstbild und Fremdbild

Was sehen wir, wenn wir uns selbst betrachten? Welche unserer Stärken und Schwächen (aner)kennen wir? Und wie „recht“ haben wir mit unserer Selbsteinschätzung? Wie viele halten sich selbst für toll, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass dieses Gefühl der „objektiven“ Grundlage entbehrt. Aber: Brauchen wir wirklich einen Grund, um uns toll zu finden?? Könnten wir uns nicht einfach nur für wunderbar halten, simpel weil wir existieren? Irgendetwas hakt bei diesem Gedanken. Das darf nicht sein. Warum eigentlich nicht? Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen – liegen sie denn überhaupt in unserer eigenen Hand? Oder bekommen wir sie von der Kinderstube, dem Erziehungssystem, der Umgebung, sprich: den Anderen auf unseren Weg mit – oder eben nicht mit? Wie viele Erfolg-Reiche kompensieren in ihrem Streben nach äußerlichem Erfolg das tief in ihnen verankerte, teils seit Kindheit genährte Manko an Selbstwertgefühl? Und wäre die Schlussfolgerung korrekt, dass psychisch Gesunde, weil von der Meinung und den Gefühlen anderer Un-Abhängige, gleichzeitig aufhören würden, nach Anerkennung und Erfolgsbestätigung durch die Augen anderer zu streben?

Was sehen andere in uns?

Liegt Erfolg im Auge des Betrachters – und zwar im Auge der Anderen, die uns betrachten? Liegt der gesunde Stolz auf uns selbst in der Hand der Außenwelt, die uns durch ihre, also öffentliche, Akzeptanz zum Beispiel in Form von durch sie verliehene Ehren wie hohe Reputation, vollmundige Titel oder vielzitiertem Expertentum zum Glänzen bringen?

Und was ist mit den verinnerlichten Anderen? Jenen Anderen, die ein integraler Bestandteil unserer Selbst geworden sind und deren Stimmen wir – ohne es zu wollen – in uns sprechen hören. Die Stimmen unserer Vergangenheit, die Wünsche und Werte unserer Eltern, die Normen der Gesellschaft, in der wir aufgewachsen sind? Bestimmen sie nicht alle darüber, wann und unter welchen Umständen wir uns als erfolgreich empfinden dürfen? Wieviel von dieser Fremdbestimmung ist uns überhaupt bewusst und wieviel tragen wir ganz selbstverständlich als einen Teil unseres Selbstbildes und der Ansprüche, die wir an uns stellen, mit und in uns? Wie steht es mit Ihnen: Dürfen Sie sich erst wohl fühlen, wenn Sie etwas geleistet haben? Zugegeben, manchmal schätzen wir uns selbst für unsere Leistungen, auch wenn sie keiner sieht. Aber ist es dann wirklich die eigene Stimme in unserem Kopf, die uns lobt und so zufrieden stimmt – oder nur eine uns zutiefst bekannte Stimme der Vergangenheit, die uns einst gelehrt hat, dass wir uns nach vollbrachter Tat redlich und gerecht wohl in unserer Haut fühlen können.

Sind es nicht auch stets andere, die uns gut für außergewöhnliche Dienste, spektakuläre Leistungen oder wertvolle Produkte bezahlen? Ist es nicht erst der erhaltene Lohn der Mühe, der uns als erfolgreich abstempelt? Und ist es nicht genau dieses Anhäufen von fremdem Geld und Gut, das uns zu Aufsteigern macht? Manchen ist der gesellschaftliche Status, die eigene Größe ja bereits mit der adeligen Abstammung oder dem fetten Erbe in die Wiege gelegt. Macht sie das zugleich auch erfolgreich, oder ist das nur folgenreich oder sind sie vielleicht nur reich (an Geschichte(n) und/oder Geld bzw. Besitz)?

Warum glauben wir daran, dass Selbstwert mit Geldwert oder mittels dem Wert einer guten Geschichte gekauft werden kann?

Die Kristallkugel und das Hell-Sehen

Was sehen wir, wenn wir in die Zukunft blicken? Wir sehen die Konsequenzen unserer Prägung, unserer Erlebnisse, unserer Erfahrungen – entschlüsselt durch den Code unserer gewohnten Interpretationsmuster. Diese sind nicht nur mentaler Natur. Körper und Geist finden im Gehirn zusammen, das limbische System mixt hier noch die Gefühlswelt hinzu. Hormonausschüttungen, die Sättigung mit Mineralstoffen oder anderen Substanzen beeinflussen ebenso wie viele andere Aspekte – etwa muskuläre Körperzustände – massiv, ob wir uns stark oder schwach, gut oder elend, zufrieden oder angespannt fühlen. Das Gefühl erfolgreich, stark, schön, leuchtend, beschenkt etc. zu sein manifestiert sich schlichtweg unter den richtigen inneren, also psychophysischen Zuständen. Diese können allerdings durch äußere Umstände „getriggert“ (ausgelöst) werden.

Wir lieben Geschichten oder Spiele deshalb so sehr, weil wir durch sie in alle möglichen Gefühlszustände tauchen können, ohne die Last der Konsequenzen auf uns nehmen zu müssen. Konsequenzen, die in der Außenwelt Wellen schlagen würden, wenn wir in echt so gewalttätig wie James Bond oder so verantwortungslos wie Onkel Charlie wären. Das vorübergehende Mit-Erleben von fremder Größe, Stärke oder Wahnsinn hat zwar vielleicht nicht direkt etwas mit unserem Selbstbild zu tun. Es beeinflusst uns eher indirekt. Durch das Nachvollziehen anderer Verhaltensmöglichkeiten als den uns eigenen – und durch das klare Spüren des Unterschiedes zwischen beiden – nehmen wir unsere eigene Welt, unser Selbst als heimeliges Zuhause wahr. Vielleicht wünschen wir uns aber manchmal stärker, schneller, klüger, wichtiger, schöner, jünger, geliebter, reicher etc. zu sein. Diese Gefühle können Ansporn für die eigene Entwicklung sein. Oder sie sind eine Quelle, das eigene Selbstwertgefühl im Keim zu ersticken. Und genau diese Wahl treffen wir selbst. Exakt diese Entscheidung, wer wir sind sollten wir auch tatsächlich selbst bestimmen, oder?

Stop!

You’d better stop before you go and break my heart…“ singt Sam Brown in ihrem Song Stop!.

Es gibt die unterschiedlichsten Wege, sich im automatisierten Bewerten, Denken, Fühlen und Handeln aufzuhalten und die eigene Aufmerksamkeit auf neue Wege zu lenken. Eine Verlagerung unseres Fokus verhindert nicht nur, dass wir uns selbst und/oder andere physisch, psychisch oder emotional verletzen. Das bewusste neuerliche Ausrichten des Lichtkegels unserer Wahrnehmung auf andere Stellen eröffnet auch neue Handlungsperspektiven. Der Wechsel unseres Blickfeldes führt uns recht leicht vom Problemdenken, von leidvollen Gefühlen oder schwierigem Verhalten hinaus zu frischen Möglichkeiten und ungeahnten Lösungsansätzen.

Unterschiedliche praktische Methoden können beim Aussteigen aus gewohnten Mustern helfen: Ein Stop! (leise im Kopf gesagt oder laut ausgesprochen), ein echter Schritt weg vom Problem („von der Leitung runter steigen“) getan, eine bestimmte Ankerstelle am Körper gedrückt (die zuvor mit etwa einer positiven emotionalen Konnotation gekoppelt wurde), ein simpler Satz wie „Was ist sonst noch möglich?“, ein lautes oder auch besonders sanftes Musikstück. Es gibt viele Wege hinaus aus dem Problem und hinein ins Unbekannte…

Warum fällt es uns aber so schwer, innezuhalten und unsere bisherige gewohnte Sichtweise von uns selbst und der Welt zu relativieren? Weil wir in diesem Fall oft den Eindruck damit verbinden, wir würden uns selbst verraten, unsere Ansichten, unsere Identität aufgeben. Nicht „zu uns“ stehen. Wir identifizieren uns mit unseren Gewohnheiten. Keine hilfreiche Angewohnheit, wenn es darum geht, andere Wege zum Erfolg zu finden und einzuschlagen. Von der Schatzsuche nach unglaublichen, ungewohnten Möglichkeiten zum Erfolg handelt dann der nächste Blog:

Possidigging – über das Suchen und das Finden. Success Story No 20: Samstag, 17.10.2015, 10.00