SUNNY SIDE STEP 9 – Living in the Meantime

Magnetismus der Zielverfehlung

Können Sie sich erinnern, als „Warten“ noch unangenehm war? Als man im Arztzimmer oder an der Supermarktkasse nicht wusste, wohin mit sich vor lauter innerer Unruhe, weil nichts weitergeht? Als man noch keine Möglichkeit hatte, die dringenden Emails, Nachrichten und Anrufe vor Ort und auf der Stelle per Smartphone abzuarbeiten? Als das Warten auf Züge und Flüge, Ärzte und Handwerker nervenzerreißend wirkte und zeitraubend schien, weil es uns im Erledigen unserer dringenden oder wichtigen Aufgaben aufzuhalten drohte?

Alles anders ist ganz normal

Was sich heute Alltag nennt, ist stattdessen zur Routine des nervtötend Unbekannten geworden. Nichts kommt mehr so wie erwartet, aber wir haben uns daran gewöhnt. Wir können damit umgehen, denn wir haben einen Trick gelernt: Wir lenken uns einfach und erfolglos ab. Auf jede Erwartungsenttäuschung folgt eine Belohnung, die nicht wirklich hilft. Um das Nichterfüllende daran nicht zu bemerken, vergraben wir uns noch tiefer im vermeintlichen Spaßfaktor der Ablenkung. Die Spannung des Lebens vegetiert heute in den Abgründen des Immergleichen Ewiganderen von den meisten unbemerkt vor sich hin. Dysfunktion und Desinformation waren vielleicht gestern en vogue. Ent-Fokussierung ist die Wahldroge der Zeit.

Kein Ziel rechtfertigt dieses Resultat

Zugegeben: Weder in der Planung noch im Abarbeiten von Aufgaben (von Aufstehen, Zähneputzen, Putzen im Allgemeinen über die Schulpflicht bis hin zur Arbeitspflichten) liegt heutzutage noch Zufriedenheit. Das Spannende verströmt gerade jener Hauch von Seltsamkeit, der Routinetätigkeiten diese Tage durchdringt: Jegliches Abarbeiten geht mit dieser „je-ne-sais-quoi“-Unruhe des „Falschseins“, des „am Leben -Vorbeilebens“ einher. Nichts, was „einfach nur erledigt“ gehört, hat mehr einen Wert. Das Hakerl, das hinter der inneren oder äußeren To-Do-Liste gesetzt wird, bringt keine Erfüllung (mehr) mit sich.

Ich erinnere mich, dass dies einst anders war. Ein guter Tag, war ein leerer Tag, also ein Tag, der sich durch eigene Aktivität geleert hatte. So ein Tag erfüllte mich einst mit innerer Zufriedenheit. Ein Tag, an dem man alles erledigt hatte, was man sich vorgenommen hatte, war genug. Gab Anlass zur inneren Ruhe. Diese Tage gibt es nicht mehr, schon lange nicht mehr. Es ist nicht mehr genug, es ist nie genug.

Warum wir niemals ankommen

Wer zu sich kommt, wer zu sich findet, erkennt, dass routinemäßige Arbeiten im Allgemeinen und Pflichten-Erledigen im Besonderen oft wenig mit der eigenen Sinnfrage zu tun haben. „Warum?“ ist daher die alles entscheidende Frage. Problematisch ist jedoch die Vielzahl an möglichen Antworten und die Beliebigkeit derselben. „42“ würde Douglas Adams als Antwort geben. Wer zu wissen glaubt „warum“ belügt sich entweder selbst oder ist sich der Fragilität der eigenen Arbeitshypothese bewusst. Denn es ist ja nie genug. Natürlich höhlt steter Tropfen nahezu jeden Stein. Aber der Stein ist unendlich groß.

Wer hingegen nicht weiß, „warum“ ist schlicht unzufrieden in seinem Alltag und beginnt im Anderswo zu leben. In der ewigen Ablenkung. Unsere Zeit fördert diese Entwicklung, sie schafft Mechanismen und Strukturen, die unsere Aufmerksamkeit aufsaugen wie der effizienteste Staubsauger aller Zeiten. Dieses Problem stellt allerdings weder die Digitalisierung, die Globalisierung noch die Konsumgesellschaft bereit. Die Quelle des Problems liegt viel, viel näher. Wir sind das Problem. Wir sind süchtig nach dem entweder-oder, nach Pflicht oder Ablenkung.

Wo also steckt sie, die Lösung?

Leben im Zwischenraum und in der Zwischenzeit

Dort, wo keine Bedürfnisse herrschen, keine Zwänge regieren, keine Anforderungen drängen, da spielt die Musik des Lebens. Dieser unendliche Freiraum, der in der Zwischenzeit existiert, wäre eigentlich stets vorhanden und zugänglich. Wir verstellen uns nur permanent die Tür dorthin. Nein, noch wahrer: Wir sind die Tür dorthin, geben aber anderen und den Umständen die Schlüssel in die Hand. Wir reden uns erfolgreich aus, die Tür zum Himmel auf Erden zu sein.

Und nein, es geht dabei nicht um „Freizeit“, welch perverses Konzept. Das Leben will als Ganzes gelebt und nicht gespalten in unzureichende Teile werden. Der Freiraum und die Zwischenzeit harren hinter allen Aufgaben und Ablenkungen unserer Aufmerksamkeit, bereit zu spielen.

Die Macht der Umwege

Wir können also nicht anders, als an der Härte der Realität so lange zu scheitern, bis wir zur Einsicht ihrer inneren Bedingtheit gelangen. Diese Erkenntnis markiert das Ende des Irrweges. Wir irren solange, bis wir nichts mehr erledigen wollen und uns nicht mehr ablenken müssen.

Auf dem Weg dorthin, tief im abhängigen Herumirren, hilft uns jeder dem Geist des Erledigens oder der Lust auf Ablenkungen zutiefst verhasste Umweg. Denn die eigenartige Anziehungskraft des Abwegigen sorgt dafür, dass wir über unsere Planungen und Vorannahmen, Hoffnungen und Befürchtungen stolpern. Wir fallen aus unseren Routinen der Ablenkung vom Unvorhergesehenen und landen.

Im unendlichen Zwischenraum der Freude, im ewigen Frieden der Übergangszeit

Sunny Side Step 7: Summerbreak

Abenteuersuchen – Abhängen – Anbandeln – Aufwachen – Bereitsein – Biertrinken – Buntwerden – Chaosfördern – Dankbarbleiben – Einfachdasein – Erfüllungerfahren – Faulenzen – Flanieren – Flowen – Freiheiterleben – Freundetreffen – Friedenfinden – Geniessen – Gernhaben – Grandiosfühlen – Grillen – Herzen – Highohnegrundsein – Hoffen – Inskaltewasserspringen – Inspirationspüren – Jammen – Künstlerrauslassen – Ko(s)mischfinden – Lachen – Leben – Leerwerden – Lieben – Loslassen – Lustigfinden – Maulfaulsein – Meersehen – Mildwerden – Musikerindirzuwinken – Neuesausprobieren – Nichtstun – Offensein – Panzerfallenlassen – Rasten – Reinkippen – Ruhenichtverscheuchen – Schlafenkönnen – Schwimmengehen – Seelenbaumeln – Spielen – Sternschnuppenzählen – Strahlen – Talentezeigen – Träumen – Trostspenden – Tunwasspassmacht – Verliebeninsleben – Wohlwollen – Zerkugeln – Zufriedensein – Zulassen

Wie sieht Dein Wort-Rorschachtest zum Sommer aus?

Denk an Sommer, schreib drauflos, lass die negativen Assoziationen weg und Dich vom Ergebnis inspirieren…

Surprising Salon Session No 20: Zum Kuckuck nochmal

Kuckurucku

Wenn er könnte würde er kucku-en, der Kuckuck in meiner ungewollt ererbten Kuckucksuhr.  Kann er aber nicht. Irgendwann hat sich der Akt des Aufziehens in sich selbst verstrickt. Kenner werden erkennen, was mir verborgen bleibt: Wie genau Pendel und Kette, Gewicht und Schwerkraft miteinander zusammen-hängen und als in die Tiefe ziehende wirksame Einheit dem Kuckuck seine ruckizuckelnde Krähfähigkeit verleihen.

Wenn er könnte wie er sollte, würde er überraschend tief kukurucku-en. Daran kann ich mich erinnern. Doch nun herrscht Piepstille. Stört an sich nicht weiter. Außer man bleibt mal an der reinen Existenz, der puren akustik-versprechenden Optik hängen und fragt sich: Wozu das alles? Definitiv eine  Frage, die inaktive Kuckucksuhren mit Vorzüglichkeit auszulösen wissen. Aktive allerdings auch. Meiner Meinung nach zumindest. Eine Kernfrage, die nicht zu kurz kommen sollte in kuckurucku-mal-was-nicht-noch-alles-geschehen-kann-Zeiten wie diesen.

Wolkenkuckucksheim

Also: Wozu das alles? Wozu in regelmäßigen Abständen Krähen oder nicht Krähen, das ist hier die Frage. Wozu bloggen? Wozu arbeiten? Wozu wählen? Wozu sich engagieren? Wozu… egal was eigentlich?

Kuckurucku.

Ohne Ziel kein Sinn. Ohne Ziel keine Richtung. Ohne Ziel kein Weg, der Sinn macht. Klar kann der un-sinnige Weg das richtungsweisende Ziel an sich sein. Kuckuck. Aber wer weiß das schon, zum Kuckuck nochmal.

Vielleicht krähen Kuckucksuhr-Kuckucke sehnsüchtig nach ihrem höchstpersönlichen (höchstkuckuckigen) Wolkenkuckucksheim. Nach einem über den Wolken schwebenden Ziel, nach einem wolkennebelschwaden-durchbrechenden Weg dorthin, nach einerm jenseits aller Wolken existierenden Kuck-in-crime–Partner, nach einem wolkenweichen Zuhause. Nach einem „dort, wo alles gut ist“. Kuckuuuck?

Oder auch nicht: Kommentieren sie einfach nur in einer Tonlage zwischen komisch und bedeutungsleer das Verstreichen der Zeit? Kuckuck!?

Wonach krähen wir denn so, tagein, tagaus? Wonach strecken wir uns gerne ruckartig aus, wo wollen wir mit dem Drive unseres Herzen hin und was lässt uns den Abstand zwischen hier und eben nicht dort in regelmäßigen Abständen, lautstark oder durch unsere pure Anwesenheit, durch den Ausdruck unseres Wesens, beanstanden? Wohin geht die Reise, wenn das Ziel nicht Urlaub ist, sondern Leben heißt?

Bei Dir piepst‘s wohl

Was piepst im Hinterkopf ständig vor sich, vor Dich hin…? Was schiebt und zerrt, kettet uns an die Schwerkraft des Verkörpertseins, verleiht dem Pendel unseres wiederkehrenden Strebens seinen unaufhaltsamen Schwung? Sind wir nichts anderes, als der Vogel im Kasten eines anderen? Haben oder sind wir (schon) unser eigener Vogel…? Fragen über Fragen. Willkommen im Rasthaus „Zum Kuckuck“.

Kuck mal, wer da spricht

Monkey-Mind“ nennen manche das kuckureske vor-sich-und-uns-hin-Krähen der Stimme in unserem Kopf. Könnte eigentlich auch“Kuckuck-Geist“ heißen. Wer da spricht ist klar: Die Maschine in uns. Die Gewohnheit. Die von uns zusammengereimte Interpretation unserer Erfahrungen als unsere Lebensgeschichte, die aufrechterhalten und immer wieder erzählt werden will, damit wir wissen, wer wir sind. Stoppt die Stimme, stoppt der Kuckuck, wirkt die Leere oftmals bedrohlich. Dabei ist sie der notwendige Raum, um überhaupt wahrnehmen zu können, was sonst so in der Welt los ist. Der Kuckuck hört nur sich selbst, er fährt entlang eingefahrener Schienen vor sich hin und kann nicht anders, da die Schwerkraft dies zu der größten aller Selbstverständlichkeit macht.

Menschen, die sich mit dem Kuckuck in sich identifizieren, sehen dies als die größte Selbstverständlichkeit an. Dabei krähen sie sich lautstark und sinnentleert durch ihre Welt des Vorhersehbaren. Solange, bis das Pendel still steht.

Und was passiert, wenn das Ticken aufhört? Das war‘s dann mit dem Schwung und dem Krähen und dem Schweben über den Wolken im sicheren Heim der eigenen Überzeugung. Dann bleibt nur noch ein Hauch von: Wozu das alles? übrig. Das lautstarke Vorbeisein überstimmt das Krähen nach dem und über das Ewiggleiche. Das schweigende Antlitz der bewegungslosen Uhr antwortet in aller Stille: Da Sein zählt. Gerade dann, wenn es nicht kommentiert wird.

Surprising Salon Session No 16: In voller Blüte

Blooming

Blühend, so soll es uns gehen. Blühen, so sollen wir. Zumindest wir Frauen. Männer würden die Zielvorgabe für optimale Befindlichkeit und Ausstrahlung wahrscheinlich anders ausdrücken: „voll im Saft stehen“, oder so. Abgesehen von der Wortwahl und den Bildern, die „Blüte“ und „Saft“ im Geist hervorrufen, ist prinzipiell Ähnliches gemeint: Wir sollen im Vollbesitz all unserer Kräfte sein, alles uns nur Mögliche erleben können. Und das sollten wir am besten andauernd können. Das Leben befinden wir genau in solchen Momenten für richtig gut, in denen wir unser Potenzial an Kraft und Selbst, an Schönheit und Intensität, an Leistungsfähigkeit und Brillanz ausleben. Wenn wir uns bis zur Perfektion verfeinert und zur sichtbaren Verwirklichung all unserer Wünsche und Talente hin ent-faltet haben, dann „passt es“. Vorher sind wir am Weg dorthin, nachher ist es zu spät. Dieser Höhepunkt, dieses voll Erblühen und Sprühen soll eigentlich und irgendwie das ganze Leben lang währen. Obwohl wir zugleich wissen, dass dies so nicht geht. Oder vielleicht doch?

Gibt es wirklich nur Einen Karrieregipfel, die Eine Erfolgsphase, auf die das ganze Leben zugesteuert, für die gelernt und geopfert wird und nach der alles vorbei ist?

Perfect Moment – Perfect Life

Wie sieht ein nachhaltig perfektes, weil durchgehend blühendes, saftiges Leben aus?

Über die „Karriere, Geld, Macht, Haus, Partner, Familien“-Phantasien brauchen wir hier gar nicht lange reden. Dass selbst all diese zusammen genommen nicht wirklich glücklich machen, sondern dem Leben „nur“ eine Richtung geben, wird den meisten im Lauf ihrer (Lebens)Zeit klar. Interessanterweise machen weder das Erreichen noch das Nicht-Erreichen dieser Zielvorstellungen ein erfüllendes Leben aus. Ja, erfüllt im Sinne von „voll“, „ausgefüllt“ allemal. Erfüllend in unserem Sinne meint jedoch einen Zustand, in dem wir aus einem inneren Überschuss an Energie heraus schöpfen können. Das Sein, unser Wesen, damit das Wesentliche füllt uns aus (statt der to do-Listen). Es fliesst aus uns, formt sich in (Selbst- und Fremd-)Wirksamkeit, findet (s)einen Weg, um aus unserem Innersten hinaus auch andere zu ihrer Überfülle, zum Heraustreten aus sich und ihren engen Vorstellungen, ihren Ver-Stellungen und Ver-Biegungen, zu inspirieren.

In diesem Blog geht es um solche Formen des Blühenden Lebens. Um das „Alles“, das auch sich gemacht, herausgeholt, im besten Fall ausgelebt werden kann. Aber ist das „Alles“ zu jeder Lebenszeit dasselbe? Ich denke nicht. Jedes Lebensjahrzehnt blüht anders, lässt uns anders erleben, fokussieren, wirksam sein.

Diese Blüten jeden Lebensalters erstrahlen in jeweils eigen-willigen Farben, bilden die ihnen eigen-artigen Formen heraus und tragen entsprechend eigentümliche Früchte. Sie finden die zu ihnen passenden Nahrungsquellen und wachsen dem Lichtspektrum entgegen, das genau dieser Zeitabschnitt anziehend findet. Über die Dauer eines Lebens blühen wir immer wieder, immer anders, immer weiter auf und wachsen zunehmend  in die Essenz unserer Persönlichkeit hinein. Dies kann so aussehen (oder auch anders):

Brillantine Brutal: Die 20er

Schönheit, Kraft und Abenteuer. Die Farbe der 20er ist bunt, die Formen wild, die Früchte schmecken intensiv. Die Nahrung für die 20er liefern zum einen unsere Sinne, die auf Hochtouren arbeiten, zum Zweiten unsere Bewegungsfreude, sowie drittens unsere Offenheit, die unser (noch)Nichtwissen in die vielen Premiere-Erlebnisse dieses Alters transformiert. Das Licht fürs Weiter- und Überunsselbsthinaus-Wachsen liefert ein glühender Horizont, der zum Greifen nahe scheint: Das All-Wissen lockt. Wir lernen Dinge, von denen wir nicht wissen, ob wir sie jemals brauchen.

Powerpack: Die 30er

Wissen, Können, Tun. Die bunte Erfahrung der 20er mündet in den einfärbigen, weil fokussierten Willen des zielgerichteten Schaffens der 30er. Nahrung bieten die beruflichen und beziehungstechnischen Erfolge. Die Früchte werden vielfach einfach hängen gelassen, übersehen oder als Treibstoff für die nächste Etappe umgehend umgewandelt. Der Weg scheint klar, er führt auf einen Gipfel, egal ob auf einen nahen oder fernen. Der leuchtende Horizont schimmert hinter dem Gipfel hervor, bleibt sanft und kaum wahrnehmbar im Hintergrund, denn der Alltag will gemeistert werden.

AllinOne: Die 40er

Konzentrieren, Potenzieren, Brillieren. Sind die erste und zweite Etappe geschafft – und das sind sie, so oder so, mit 40+ – dann werden die Farben weniger grell, angenehmer, ruhiger, entspannter. Das Tun weicht dem „am Punkt bringen“, die Früchte glänzen besonders. Sie duften nach Lebenserfahrung und dem dicken, süßen Saft erlebter Gefühle, Niederlagen und Höhenflüge. Nun ist der Horizont ganz einfach da, er bietet den Nährboden des eigenen Standpunktes. Von hier aus kann in alle Richtungen und Lebenszeiten geblickt werden. Wie sehen und verstehen: Kinder, Eltern, Großeltern. Das Altern wird selbstverständlich, das Werden und Vergehen ein hypnotischer Rhythmus, von dem wir uns nur allzu leicht einlullen lassen. Wer wach bleibt, dem eröffnen sich unerwartet andere Knospen:

Plateau-Mania: Die 50er

Angekommen, Nicht-Tun, Wirken. Das Sein ist an sich schon reif, es gilt nichts mehr wegzunehmen oder hinzuzufügen. Der eigene Horizont gleicht dem Universalhorizont – und steht als einer neben unendlich vielen. Ganz ohne Zutun er-folgt die feine, pastellfarbene Wahrnehmung der zahllosen Varianten des Ewiggleichen. Die Vielfalt im Einen Leben wird zelebriert und genossen. Die Ruhe angesichts des letzten Sturms erkennt sich als Auge im Hurrikan. Wer sich der Altes verzehrenden Kraft des Unbekannten widersetzt – wer behalten will, sich nicht mehr verändern will, der erstarrt zunehmend und wird immer mehr zum Zerrbild seiner Vergangenheit. Wer sich gegen das Neue, das Wechselnde, das Vergängliche im Fruchtbaren und das Fruchtbare im Vergänglichen wehrt, hat seinen Horizont überschritten. Alles geschieht für ihn „danach“. Den anderen, die auf dem fruchtbaren Boden des „bisher“ wandeln, bietet sich das weite Feld des „noch nicht“.

JoyFull Living: Die 60er

Freude, Friede, Frag-Würdigkeit. Wer sich nicht der Vergangenheit verschreibt oder der Schockstarre hingibt, der stellt sich dem Licht der neuen Fragen auf seinem Weg. Die Farben werden anders, erdiger und himmlischer zugleich. Im inneren Frieden, der jener Hingabe an den Wandel aller Dinge folgt, ent-faltet sich die Freude am reinen Sein, am Erleben ohne Auftrag. Diese Frucht kommt zum Tragen wenn kein Druck, kein Zwang sie formen will. Im frei Sein duftet sie von ganz alleine. Sie trägt das Licht der im Laufe des Lebens schwer erkämpften Zeitlosigkeit in sich. Selten zu sehen, aber köstlich für alle, die sie (mit) verkosten dürfen.

Silver Surfer: Die 70er

Hügel, Wellen, Wolken. Die Farben werden schillernd, die Formen fließend, die Zeit rinnt vor sich hin, der Horizont steht nicht im Vordergrund, eher ruft er sanft im Hintergrund, aus dem Rückhalt gibt er Rückhalt. Er flüstert: „Jetzt oder nie“. Die Früchte reifen da, wo Wohlgefühl und Wiedererleben auf die Einzigartigkeit des Jetzt treffen. Was geht, geht. Was nicht (mehr) geht, verabschiedet sich still und leise.

Wondering Wisdom: Die 80er

Wunder, Weisheit, Wohltun. Wer voll und ganz zu seiner Frucht wird, dessen Anwesenheit tut wohl. Diese Früchte gereichen anderen zur Seelennahrung, was wiederum die eigene Seele nährt. Alle Farben sind wunder-voll, jede Form ist ein-deutig aus ihrer Weisheit geboren. Wir sehen. Unsere Augen werden weich und mild.

Shining Eyes: Die 90er

Sehen, Herzen, Stille. Die Ruhe sieht über die Bewegung, das Herz über den Verstand. Die Farben werden durchsichtig, das Leben ist ein Aquarell, das sich selbst malt. Jeder Augenblick kommt und verschwindet. Von ganz alleine. Früchte kommen und gehen. Der Horizont ist offen und weit. Wir sehen ins Allganze, sehen es in uns, in anderen. Wir leben im Raum zwischen den Herzschlägen, er wird zu unserem Zuhause.

Just Be: Die 100er

Sein. Zeit hat keine Macht mehr, Raum ist kein Thema. In der Mitte des Erlebens gibt es zwei Augen, sie sehen und erkennen keinen Unterschied zwischen Innen und Außen.

***

Die Rose, die derzeit oben auf dem Subwoofer in der Mitte meines Schreibtisches thront, wurde auf dem Höhepunkt ihrer Einen Blüte eingefroren, schockgefroren, in Stickstoff getaucht, damit sie haltbar bleibt. In ihrer Perfektion ist ihre letztendliche Schönheit fast schon bedrohlich. Im optimalen Moment ihres Seins wurde sie genommen, für ultimativ reif befunden und ihres Lebens beraubt. Ihr „Leben danach“ ist dazu verdonnert, in der vollen Blüte ihres Seins bewundert zu werden, ohne dass sie selbst das Leben noch genießen könnte. Wie vielen (erfolgreichen) Menschen ergeht es so? Dass sie nur zu ihrer Blüte gesehen werden und sich selbst sehen? Das limitiert uns Menschen ungemein.

Ich meine, dass für uns Menschen nicht nur diese eine, große, ultimative Blüte(zeit) im Leben möglich ist. Es zählen eben nicht nur die Höhepunkt unserer beruflichen Karriere oder die Höchstleistungen aller Art. Vielleicht sollten wir uns eher am Bild der „Blume des Lebens“, das ja aus vielen einzelnen Blüten besteht, die miteinander verbunden sind, orientieren. Diese Blüten gemeinsam ergeben ein großes Ganzes, das erst im Zusammenspiel seine maximale Kraft entfaltet. Es können die Blüten der Lebensphasen sein, die ein solches Ganzes ergeben. Oder die Blüten mehrerer Menschen gemeinsam.

Mögen wir die Blüte jeder Lebensphase zur vollen Entfaltung bringen und das Blühen anderer in jeder ihrer Lebensphasen befördern. Mögen wir auf diese Weise jedes Lebenszeitalter in seiner Einzigartigkeit und als ein wesentlicher Teil, der uns insgesamt noch blühender das Leben erfahren lässt, verstehen. Wir können getrost darauf verzichten, einzelne Zeitabschnitte zu überhöhen oder ihnen nachzutrauern.

Auf diese Weise blühen wir ein Leben lang und bis zum Ende voll und ganz.

Surprising Salon Session No 11: On the Road Again

Die Welt ist nicht genug

Ich gestehe, ich bin ein Trekkie irgendwie. Damals, als das Fernsehen noch aus 2 Kanälen bestand und meine Kindheit in Schwarz Weiss abgespeichert wurde, da hatten abenteuerliche Figuren eine immense Anziehungskraft. Old Shatterhand war die erste dieser Verkörperungen vom großen Abenteuer, mit der ich mich identifizierte. Mann? Egal. Wilder Western? Ja bitte – bloss schön weit weg. Dort, woanders, war das Leben voller Aufregung, voll duftender Verlockung. Es waren sinn- und ehrenhaften Aufgaben, die zu weiten Reisen und unberechenbaren Kämpfen anspornten. Es waren auch zeitlich begrenzte, episodenhafte, heute würde man sagen: projektbezogene Aufgaben, die dem Suchen der Beteiligten eine situativ gültige Richtung gaben. Vor dem Hintergrund ihrer lebenslangen ungelösten Fragen, die sie überhaupt erst auf diesen, ihren Weg brachten. Vordergründig suchten sie dabei nichts anderes als Neues, Ungeahntes, Unerforschtes – sie wollten einfach immer nur das Richtige tun, je nach Anforderung des Momentes. Old Shatterhand, wie auch Cpt. James T. Kirk, war die eigene Welt nicht groß genug, es galt Neuland zu betreten und sich zu beweisen, nicht die Liebe zu finden. Warum ist aber gerade das Neuland so anziehend? Weil wir nicht wissen, was passieren wird. Weil wir uns auf uns verlassen müssen, um im Unbekannten zu überleben. Weil wir uns beweisen können, dass wir etwas schaffen, was garantiert noch niemals jemand vor uns jemals getan hat. Aber gibt es solche, fremde Welten auch hier bei uns – oder nur in der Literatur, im Film, im Kopfkino?

Alles außer irdisch

Wo beginnen die Spannung, der Spaß und das Spiel so richtig aufregend zu werden? Dort, wo die Grenzen der bekannten Welt endgültig überschritten werden. Weit jenseits des Rollenspiels, tief im Ernst des gefährlich unwissenden Überlebens. Zumindest theoretisch. Denn, seien wir uns ehrlich: Wer möchte denn wirklich Old Shatterhands oder Cpt. Kirks Leben führen? Beim einen keine Hygiene, Schlafen im harten, kalten Freien. Beim anderen ein Leben auf dem ewigselben Raumschiff mit den ewig selben Leuten. Bei beiden ständige Gefahren und niemals irgendwo ankommen.  Eigentlich ein unbequemes, unerfreuliches Leben, das vor Entbehrungen nur so strotzt. Doch was wirkt dann so stark auf uns? Ich behaupte es wirkt, dass beide Reisende sind, die ihr innerer Kompass auf Linie hält. Keine Regeln außer den eigenen, denen es zu folgen gilt. Doch die eigenen sind glasklar, die des moralisch integeren Freiheitsliebenden und des kreativ-kraftvollen Sternenflottenoffiziers. Klare Rollen mit eindeutigen Lebenswegen, die hier vorgelebt werden: Der ewige Abenteurer und Entdecker, der Held und Beschützer, Retter und nur gelegentlich Liebende – all das sind archetypische Grundfiguren, die uns in ihrer Reinheit und Eindeutigkeit ansprechen. Ideal im Selbstverständnis, konsequent in den Entscheidungen. Notfalls bis in den Tod für die eigenen Werte und Ansichten gehend. Alles für “das Richtige” riskierend. Doch Otto Normalbürger ist nun mal ein Irdischer, ein Mensch den die Komfortzone fest im Griff hat, der sich nicht allzusehr hinauslehnen will ins Unbekannte. Den der alltägliche Überlebenskampf schon fest genug im Griff hat. Da bleibt keine Überschussenergie ürbig, um noch mal schnell die Welt zu retten. Aber warum ist unser Überlebenskampf den um so viele unendliche Grade weniger spannend als jener der Helden und Heldinnen aus Star Trek und Co?

(Lass die) Fantasie los

Berechenbar, planbar, überschaubar, kontrollierbar, mit einem Quäntchen angenehmer Überraschung und vielen Glücksmomenten gewürzt – so haben wir’s gern. Nur in unseren Tagträumen sind wir Superstars, Helden und strahlende Ritter. Aber was brauchen wir, was bräuchten wir eigentlich, damit unser Alltag filmtauglich wird? Einen Zaubertrank, der uns unbesiegbar macht? Eine blaue Pille, die uns der Illusion beraubt, im Konsum Zufriedenheit zu finden? Von beiden etwas: Das Selbstvertrauen, dass egal was kommt, wir uns auf uns verlassen können, unseren Weg finden werden. Und den Mut, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, egal wie nackt, kalt und unwirklich sie auf uns wirkt. Um neue Wege zu gehen brauchen wir zum einen unseren inneren Kompass, das Wissen, was wir für wirklich wichtig halten, und zum anderen eine allumfassende Offenheit nach Außen hin, den Willen, das wahrzunehmen, was tatsächlich da ist und nicht was wir sehen wollen oder wovor wir uns zu fürchten glauben. Die knallharte Realität ist um unendliche Welten skurriler, als wir uns das auch nur ansatzweise vorstellen können. Und wir selbst sind um Äonen stabiler und heldenhafter wenn es darauf ankommt, als in unserer erwartungsvollen Sicherheitszone. Worauf warten wir denn dann noch? Auf geht’s. Oder? Hält uns vielleicht doch noch etwas fest? Ein “altes Leben”, das aufrechtzuerhalten wir uns verpflichtet fühlen?

Ein Leben jenseits der Rolle

Meine Identifikationsfigur bei “Next Generation” war Deanna Troi, der Schiffscounselor mit der verantwortungsvollen Fähigkeit, die Emotionen anderer lesen zu können. Irgendwie bin ich ihr, meinem fiktiven Rollenmodell, über die Zeit ähnlich geworden. Statt auf Raumschiffen wurde ich Berater für Firmen und Führungskräfte, ein kommunikativer Transformator für innere Konflikte und äußere Widerstände. Und jetzt? Wird es Zeit für neue Rollen und Aufgaben, Zeit für die “Next Dimension”. Und falls jemand unter Euch an der K(l)ippe steht und sich überlegt, das Altbekannte hinter sich zu lassen: Lassen wir uns nicht einengen durch all das, was bisher gut funktioniert hat. Lassen wir uns nicht einschüchtern durch all das, was noch nie irgendwohin geführt hat. Seien wir schlicht und einfach unendlich neugierig, wo uns unser Weg hinführen wird, wenn wir nur mehr unserem inneren roten Faden folgen. Das Abenteuer unseres Lebens wartet…

 

SUPER SIMPLE SOLUTION No 6 – Geld oder Leben

Der Heilige Gral

Mit dem Geld ist das so eine Sache: Hat man es, will man mehr. Hat man es nicht, auch. Außer man ist „Aussteiger“ und baut sein Essen selbst an, wird nie krank, bekommt keine Kinder und hat keine Ansprüche an seine Holzhütte oder Wohnhöhle. Ist man von „dieser Welt“ braucht man Geld. Geld verkörpert den Mechanismus, wie wir miteinander funktionieren. Es symbolisiert den Tauschhandel von Waren und Dienstleistungen. Als „Energieausgleich“ rechtfertigen manche esoterisch orientierte Menschen das Annehmen von Geld für ihre Tätigkeiten.

Money makes the world go round“ lautet eine berühmte Textzeile, deren Inhalt für viele wahr ist. Aber wer oder was energetisiert das Geld derart, die Welt zu bewegen? Ich behaupte Geld ist wie der moderne heilige Gral: Alle wollen es und die, die es haben, verstecken es. Haben wollen, an ein besseres Leben glauben, auf Erleichterung hoffen, sich in die Unabhängigkeit sehnen – Geld ist eine immens starke Projektionsfläche. Und natürlich kann man damit auch Miete zahlen und die Kinder versorgen. Ein sozusagen notwendiges Übel mit Erlösungspotenzial von allem Leiden…

Was macht das Geld

Wie bewegt uns Geld bloß dazu, Dinge zu tun, mit denen wir unser Leben nie ausfüllen würden, wenn wir es nicht zum „Leben“ (im wörtlichen und bildlichen Sinn, je nachdem welche Ansprüche wir haben) bräuchten? Ich behaupte durch Gewohnheiten. Wie wir gewohnt sind, miteinander umzugehen, was wir wertschätzen, was wir für wichtig halten und welche Entscheidungen wir treffen: Das Geld spricht mit, es flüstert ein, es überredet – es duftet und es stinkt. Aber es tut etwas. Es verführt und es tritt uns in den Hintern. Ob wir es nun haben oder nicht. Wer hat kann verlieren, wer nicht hat kann verhungern. Das Geld macht uns Beine, die wir gar nicht hätten, wenn es das System „Geld“ nicht gäbe.

Schall und Rauch

Machen wir ein kurzes Gedankenexperiment: Wer wären wir, wenn wir alle kein Geld hätten. Niemand von uns kennt es. Und wir haben nicht die Steinzeit, sondern leben im Jetzt. Wäre dann automatisch die Macht bei den Stärksten, die uns beschützen können? Oder bei den Handwerkern und Ärzten? Wie würden wir Dienstleistungen „vergelten“? Auge um Auge, Leistung um Leistung?

Gehen wir noch einen Schritt weiter und stellen wir uns vor, wir müssten für eine Leistung überhaupt nichts zurückgeben. Es herrscht nur eine Regel: Wir könnten uns völlig frei aussuchen, an wen wir unsere eigene Dienstleistungen oder Produkte geben. Und es ist in dieser Gesellschaft nicht üblich, zu tauschen. „Eine Hand wäscht die andere“ gibt es nicht. Jeder Mensch gibt was er kann oder will schlicht an jene, die ihm sympathisch sind…

Was wäre das für eine Welt? Wir wären gezwungen, uns zum einen wohl zu verhalten, um etwas zu bekommen und zum anderen uns einander genau anzusehen, um etwas zu geben. Was für eine Welt!

2 Fässer ohne Boden

So wie wir jedoch mit unserem Leben und Geld momentan umgehen ist von beiden nicht genug da. Das eine kostet das andere quasi. Wer arbeitet kommt kaum zu leben, wer lebt kommt kaum zum Geldverdienen. Lassen wir mal all jene außen vor, die nicht arbeiten wollen oder können und die genug geerbt haben und auch nicht mehr möchten. Die mit viel Geld zeigen den anderen, was „Leben“ ist – die mit wenig bekommen einen Zahn darauf, wie toll das reiche Leben doch wäre. Ein Perpetuum Mobile der Begehrlichkeit, der Sehnsucht ohne Ende. Eine gegenseitige Abhängigkeit: Reiche zeigen dem Rest der Welt, wie toll sie sind. Der Rest der Welt will dazugehören oder kämpft für ihre Sicherheit und gegen die Abhängigkeiten von Arbeit, Banken – wie gegen Windmühlen.

Wo genau ist jetzt das Leben? Die Lebensqualität? Die Freiheit und Leichtigkeit? (Mal abgesehen vom Sinn des Lebens, den hatten wir ja schon in Blog No 4…)

Richtig versus Wichtig

Der Wohl-Stand, der Stand, dem es wohl ergeht, hält auch das System Geld aufrecht. Wichtig ist, was Sicherheit schafft. Und wer Geld hat, kann sich Sicherheit kaufen: Essen, Wohnen, Unterhaltung, Gesundheit, ein bisschen Liebe, zumindest Gesellschaft. Die „Aussteiger“ sind oft fade Moralapostel, genussverweigernde Miesepeter, besserwisserische Oberlehrer des „So sollte es aber (nicht) sein!“.

Fragen wir uns ganz unabhängig davon, was richtig oder wichtig wäre – unabhängig davon, was wir tun sollten, müssten oder auf gar keinen Fall dürften, schlicht: Was wollen wir wirklich?

Liebe, Luft und Leidenschaft

Kann man von Liebe leben? Nein, ich meine nicht von körperlicher gegen Geld. Von der Fähigkeit zu Lieben, meine ich. Nein, natürlich nicht, werden Sie sagen. Können wir von Luft und Leidenschaft leben? Nein, werden wir sagen. Wir sind doch Realisten. Und Geld regiert die Welt. Oder?

Mut zur Lücke

Ich behaupte, es gibt geldfreie Zonen der reinen Lebensqualität. Und ich behaupte, wir sollten diese kultivieren, um unsere Gewohnheiten und nicht zuletzt unsere Gesellschaft und unser Miteinander-Funktionieren ganz allmählich und profund auf andere Beine zu stellen. Keine kurzen oder langen, sondern unsere eigenen. Das hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern etwas mit Gewinn: Lebenszeit, Lachen, Lust und Laune statt Abrackern, Stress, Kompensationsgenuss und Ablenken. Wie das geht? Ganz einfach: Aufhören zu tun, anfangen zu sein. In den Himmel schauen. Ein- und ausatmen. Dem nächsten Menschen in die Augen sehen und nichts von ihm wollen. Sich überraschen lassen. Frei werden. Ankommen.

Super Simple Solution No 4 – Der Sinn des Lebens

Warum wir verwirrt sind

Halten wir Anerkennung oder Gemocht-Werden für ein Anzeichen von Erfolg, so suchen wir vielleicht auch den Sinn unseres Lebens im Außen. Veräußern wir aber unsere ureigene Sinnsuche, so werden wir zu anderen, als wir eigentlich sind. Das Verstellen, Verbiegen, sich-selbst-Verlassen manifestiert sich früher oder später in Unstimmigkeit. Im Innen wie im Außen. Wir haben uns ver-irrt, wir sind verwirrt.

Wo ist das Licht am Ende des Tunnels?

Bis zu diesem Punkt haben wir nach der Leitlinie gehandelt: Welche Entscheidungen und welches Verhalten versprechen die meisten scheinbaren, also „mich anscheinenden“ Resultate? Wodurch stelle ich mich ins „rechte“ Licht? Diese Haltung verlängert den Tunnel. Fragen wir uns hier: Welchem Licht wollen wir an dieser Stelle unseres Lebens weiter folgen?

Mein Vorschlag: Suchen und folgen wir dem aus uns selbst kommenden Licht. Entwickeln wir die uns eigene Strahlkraft. Leben wir unsere tatsächliche Eigenfarbe. Sie kommt erst dann zum Vorschein, wenn wir ganz wir selbst sind. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Hoffnung auf Zustimmung. Ohne Angst vor Kritik. Erwartungslos unseren Weg gehen, unserer inneren roten Leitlinie folgen…. DAS macht Sinn. Aber wie finden wir uns selbst, unser eigenes Licht?

Wer bin ich?

Die Antwort darauf offenbart sich überraschenderweise, sobald uns klar wird, wer wir nicht sind. Indem wir die Vorstellungen darüber, wer wir sein sollten oder müssten loslassen, gewinnen wir den Raum für die reine Selbst-Erkenntnis. In dieser formlosen Offenheit kristallisiert sich heraus, was immer schon da war. Wir sind, wer durch unsere Augen sieht und durch unsere Ohren hört. Unser Gewahr-Sein. Alles andere ist Interpretation.

Worum es wirklich geht…

… zeigt sich uns besonders deutlich in den spannenden Übergangsphasen unseres Lebens, in denen wir in die Offenheit katapultiert werden oder in manchmal als leidvoll erfahrenen Veränderungsprozessen, in denen wir Unsicherheit erfahren. Spätestens in der direkten Konfrontation mit dem Tod oder gegen Ende unseres Lebens wird klar ersichtlich und eindeutig spürbar, was wirklich zählt. Menschen mit solchen Grenzerfahrungen1, die unser Leben ins “rechte Licht“ rücken, formulieren die 3 Kernfragen des Lebens in etwa so:

  • Lebe ich?
  • Liebe ich?
  • Bewege ich jemanden/etwas?

Leben, lieben, bewegen

Aber leben wir nicht alle? Nein, viele funktionieren vor sich hin oder warten auf bessere Zeiten, manche verwechseln  das Leben mit „so tun als ob“ sie irgendwer oder etwas anderes als einfach nur Menschen wären.

Lieben wir nicht alle? Nein, viele sehnen und wünschen bzw. beklagen sich eher, anstatt die Quelle der Liebe in sich selbst zu entdecken.

Bewegen wir nicht alle irgendetwas oder jemanden? Nein, nicht so, wie wir könnten. Natürlich strahlt jeder von uns hinaus in seine Welt. Aber die wenigsten achten darauf, was sie ausstrahlen und was sie daher wie oder warum bewegen.

Viele Menschen könnten schon allein dadurch mehr im Sinne von Leben und Lieben bewegen, indem sie schlicht nicht tun, was sie „normalerweise“ so ausstrahlen…

Und wieviel mehr und anderes können wir bewirken, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, alles Mögliche zu tun, was zu mehr Leben und Liebe führt… Ein solches Verhalten muss gar nicht Gandhi-like von Selbstaufgabe oder moralischem Heilsanliegen begleitet werden. Ganz im Gegenteil: Ein derartig auf Leben und Liebe ausgerichtetes Verhalten verändert unser eigenes Erleben auf höchst sinnliche und erfreuliche Art und Weise.

Glück und Zufriedenheit

Viele Untersuchungen2 zeigen, dass in der Qualität unserer Beziehungen der Schlüssel

  • zum kurzfristigen Glück (etwa durch Hormonausschüttungen bei gemeinsamen Höhenflügen verschiedenster Art)
  • zur langfristigen Zufriedenheit (durch die Umgestaltung neuronaler Prozesse und damit der Gewohnheiten in unserem Gehirn)
  • sowie zu dauerhafter Gesundheit (u.a. durch die Stärkung des Immunsystems und den Abbau von Stress) liegt.

Jeder Schritt auf unserem Lebensweg, der uns in Richtung hochqualitative Begegnung – mit uns selbst und anderen – führt, ist daher besonders sinnvoll.3

Sinn und Sinnlichkeit

Erleben wir hochqualitative Begegnungen auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene, erfüllt dies unser Leben in aller Sinnlichkeit. Und wir strahlen. Unser Strahlen bewegt unsere Umwelt, wie beeinflussen andere durch unsere Lebendigkeit, wir lehren sie alleine schon durch unsere Präsenz das Leben zu lieben. Und der Sinn? Liegt direkt am Weg. Wir ent-wickeln uns – und andere.

Live, Love, Matter.

What else?

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1 beispielsweise die bewegende Geschichte von Brendon Burchard, der sich in der schwierigsten Phase fragte: Did I live?, Did I love?, Did I matter?

2 vgl. etwa der schöne TED Vortrag „The Good Life“ von Robert Waldinger über die „longest runnig study on happyness“, die seit den 1930ern von der Harvard University durchgeführt wird

3 Mehr darüber, wie das eigene Leben auf hochqualitative Begegnungen ausgerichtet werden kann, in: Die Kunst der Begegnung. Vom Ich zum Wir. Der Weg zu einer erfüllenden Beziehung. Braumüller Verlag 2016.