Silver Sounds of Silence: 1

Die Kraft der Stille“…

…klingt a. wie ein plattes ausgelutschtes Wortbild und b. wie ein schrecklich langweiliges Thema. Mitnichten.

Weder ist die Kraft der Stille für die meisten Menschen „einfach so“ als Energiequelle anzuzapfen. Noch ist die Stille öd und fad, weil sich darin nichts tut. Ganz in beiden Gegenteilen finden sich wahre Unge- und immense Reichtümer sowie ungeahnte Ressourcen.

Wo die Monster lauern

Fallen die äußeren Störungen erstmal weg, so fallen wir hinein ins magische Wunderland der inneren Kämpfe, der erlebten Niederlagen, der erfahrenen Verletzungen, der inneren Dämonen. Wie in einen dunklen Brunnenschacht werden wir im Grenzland zur Stille tiefer und tiefer in unsere eigene Geschichte, in unsere vielfältigen Verstrickungen und unaufgelösten Themen hineingezogen – in all das, was wir wohlweislich bei wachem Verstand schön wegsperren. Am Eingang zur Stille lauern lauter Tretminen, unsichtbar, doch mit der schmerzhaften Macht uns zu erschüttern bis zu verschütten. Da zeigt sich all das Unangenehme, Gewesene, Verweste, das, was in der Tiefe darauf lauert uns anzufallen, sobald sich die Schleier der Gewohnheiten und die Lautheit des Alltags verzogen haben.

Spannend eigentlich, was sich da so alles offenbart – sofern die Angst nicht überhand nimmt. Wie die Tiere eines Zoos betrachtet man am besten, was tief drinnen schlummert und wummert, wenn die Stille jung ist. Was sich sonst meist nur in Träumen, Kunstwerken oder unbewussten Handlungen mitteilt. Sehen wir die bunte Vielfalt unserer Monster genauer an, so verkörpern sie Schmerzen aller Art. Das Leid hat viele Gesichter, und unser eigenes Leiden hat seine speziellen Formen. Betrachten wir unsere Monster in aller Ruhe, blicken wir ihnen mit offenen Augen ins Herz, so verlieren sie ihren Schrecken. Und die Dämonen, die uns zuvor zu immer neuen Handlungen angetrieben haben, die uns im Alltag jenen unsäglichen Druck gemacht haben, andauernd alles möglich Sinnlose und Stressige zu tun, nur um unseren Monstern nicht zu begegnen, – sie ziehen vor Langeweile von dannen. Um die sie nährende Aufregung woanders, in noch tieferen, dunkleren Schichten zu suchen, oder um im Lichtkegel ihres Erkanntwordenseins schlicht zu verdampfen.

Wo die Juwelen warten

Warum ist es dennoch so schwierig, in der freigesetzten Stille zu verweilen – selbst, nachdem man den eigenen Monstern die Hand gereicht hat und die Dämonen verschwunden sind? Weil die Stimme im Kopf, die Gefühle im Herzen und die Spannungen im Körper immer noch jede Menge Lärm machen. Selbst wenn ihnen klare Aussagen zu fehlen scheinen. Es ist immer etwas los da drinnen.

Nachdem die Monster also friedlich in unserem Seelengarten zu grasen begonnen haben, fegen Stürme an ungeordneten Sinneseindrücken über unsere innere Landschaft hinweg. Wandern wir langsam unter den Wolken durch, hinein in die Mitte des Sturmes, in sein Auge,  so finden wir mittendrin einen See. Den See der inneren Ruhe, mit spiegelglatter Oberfläche. Die Sturmböen vermögen ihn nur ab und an leicht zu kräuseln, die Berge an bereits bewältigten Brunnenschächten herum verhindern, dass sie ungehindert wüten können. Wir können jedoch gezielt Steine in unseren See hineinwerfen -etwa Fragen, die uns beschäftigen- und den konzentrischen Kreisen, die sich um die Frage bilden, beim Ausbreiten zusehen. Manchmal bekommen wir unmittelbar Antworten wie ein klares Echo aus den Bergen. Manchmal blicken wir in aller Stille auf und in den Wasserspiegel. Betrachten uns selbst ungestört und unverzerrt. Werden eins mit dem Menschen, der wir sind, wenn alles Andere wegfällt.

All dies funktioniert nur dann, wenn das Alleinsein überhaupt zum Selbstsein führen kann, also sofern diese Entwicklung nicht von Vorneherein verhindert wird. Etwa dadurch, dass das Mit-Sich-Sein als eine unfreiwillige Pflicht, als eine Einschränkung oder gar als quälende Einsamkeit interpretiert wird. Oder wenn das Fehlen äußerer Reize und jeglicher Pläne als elende Langeweile bzw. „missing out“ empfunden werden. Sind wir jedoch offen für das Unbekannte hinter unseren Erwartungen öffnet sich der Zugang zu unserem See der inneren Wahrheit. Hier, an seinem Ufer lernen Bedürfnisse und Sehnsüchte mit dem Vorhandenen zufrieden zu werden. Vielleicht stellt sich ein Gefühl von Dankbarkeit, von Freude, am Leben zu sein, ein. Vielleicht auch ein Eindruck von Unbegrenztheit. Jedenfalls ein Zustand der Tiefenentspannung.

Zufriedenheit bedeutet nichts anderes, als dass man mit sich selbst im Frieden ist, mit sich in Frieden lebt. Kommt man aus der friedlichen Innenwelt nach „da draußen“ zurück, so umhüllt uns die innere Stille wie eine Art Rundum-Schild. Sein Kraftfeld der Ruhe dimmt die Lautheit der Welt, ent-stresst die Geschäftigkeit des Alltags, zumindest eine Zeit lang. Bis alte Automatismen oder noch im Dunkeln verweilende Elemente unserer Geschichte wieder das Ruder übernehmen wollen…

Wo die Kraft zu Hause ist

Das Umspannwerk der Stille arbeitet mit unaufgeregter Intensität. Seine Energiequelle liegt im Raum des Nichtstuns verborgen. Heute ist es vielleicht gar nicht mehr nötig, jahrelang in einer Höhle zu meditieren, um dieser Kraft zu begegnen. Corona machts möglich: Wir bekommen immer wieder die Chance, uns selbst im Stillen zu begegnen, mit unseren Themen ins Reine zu kommen, mit uns Frieden zu schließen. Die Welt erscheint täglich verrückter und wir wissen nicht, wohin sich alles entwickeln wird. Aber gewollte oder unvermutete Phasen der Zurückgezogenheit geben uns die Chance, zumindest dem Krach unserer Gewohnheiten zu entkommen. Damit sind wir auch besser gewappnet für alles Ungewohnte. Ungestörtes Alleinsein öffnet uns auf vielen Ebenen die Tür zu einem besseren Leben und schenkt uns ein neues Verhältnis zu unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nutzen wir diese Chance!

Dieser Blog klopft 2022 an verschiedene Tore der Stille an. Tore, durch die wir in neue Sphären spähen und gehen können. Willkommen zu einem Abenteuer der anderen Dimension…

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Seven Strange Synchronicities: 7

Eine Frage der Liebe

Ich schreibe sonst nie über die Liebe. Heute ist eine absolute Ausnahme. Das Thema ist mir zu unkonkret, zu ungreifbar. Damit kann ein tief empfundenes Gefühl, eine bezaubernde Hormonmischung, eine unerfüllbare Sehnsucht, reine Projektion auf Unerreichbares, eine reale Tatsache, die alles umfasst, gemeint sein. „Liebe” wirft unendlich viele Fragen auf, die unwahrscheinlich viele Antworten mit sich bringen. Ähnlich wie das Thema „Freiheit“. Heute will ich es dennoch wagen, etwas über die Liebe zu sagen. Warum?

Im Auftrag der Liebe

Weil ich vor wenigen Minuten doch glatt ein wunderschönes, ebenmäßiges, nicht zu übersehendes, echt großes Herz in meiner Kaffeeschale entdeckt habe. Und das offenbarte sich genau, als ich über die Liebe nachgegrübelt hatte. Ich trank gerade den allerletzten Schluck, heute ausnahmsweise mal mit Kokosblütenzucker drin, welcher sich zähflüssig zu zwei wunderschön symmetrischen, miteinander verbundenen Bogen in der Mitte der Schale formte, gerade als ich den Kopf zurücklegte und die süße Freude bis zum letzten Milliliter auskosten wollte. Von den beiden perfekten runden Ohren des Herzens zog sich der Herzkörper immer spitzer zusammenlaufend genau in meinen Mund hinein. Ich traute meinen Augen nicht. Oder eben doch – und das brachte mich zum Lachen… Ein Zeichen (um mit Brian zu sprechen)!

Dies ist der letzte Blog für heuer, der sich 2021 ja den zufällig auftretenden Gleichzeitigkeiten widmet, denen wir nur allzu gern Bedeutung verleihen. Das unübersehbare Zuckerherz weist mich also an, über jene Gedanken zu schreiben, die mich im Augenblick seines Erscheinens beschäftigten. So lautet zumindest meine Interpretation des augenfälligen Zusammenfallens von Gedanken und Ereignis. Es blieb übrigens nicht das einzige Zeichen. Als ich gerade unbekümmert über die wundersame Mischung jener kostbaren Ingredienzien, die „wahre Liebe“ ausmachen nachsann, geschah doch glatt noch etwas Wunder-volles. Doch first things first

Die Grenzen der Liebe

So, jetzt braucht es zunächst mal scharfe Abgrenzung. Ich meine in der Folge mit „Liebe“ nicht die Eine Große, nämlich die zum Leben an sich oder zu den Menschen, zur Natur oder zum Wunder des Seins. Nicht jene stille zu sich selbst, die nicht das Ego nährt, sondern das Herz erwärmt, wenn man gerade gut bei und mit sich und für sich da ist. Nicht die bedingungslose Liebe zu den eigenen Kindern, zu anderen Familienmitgliedern, zu jenen, die man liebevoll begleitet, oder vielleicht auch zu (Haus)Tieren. Nicht die hormonell bedingte Gefühlsmischung mit dem falsch aufgeklebten Etikett „Liebe“ drauf: die in einer aufregenden Bekanntschaft, die das Kopfkino und die Körpersäfte anregt, auftaucht, oder die schlicht durch guten Sex ausgelöst wird. Oder die ein unerreichbares Gegenüber in einem hervorruft, mit dem man nur in seltenen kostbaren Momenten zusammenkommt, um dann in langen von Sehnsucht geplagten Absenzphasen von „der Liebe“ in einer irrealen Realität zu träumen.

Die Zeichen der Liebe

Nein, ich meine die Form von Liebe, die zeigt, dass ein/e PartnerIn tatsächlich zu einem selbst passt. Mit all seinen/ihren Eigenheiten, wirklich, weil alltagshaltbar kompatibel mit dem eigenen Selbstsein ist. In dem Sinne, dass in der Präsenz des Anderen das Wohlgefühl, miteinander zu sein, jedes Nerven prinzipiell, wenn schon nicht in jeder Situation, dominiert. Dass die grundlegende Wertschätzung jede Frustration, jedes Stirnrunzeln und Kopfschütteln ob der Eigenarten in Gefühlshaushalt, Denkweise und Verhaltensgewohnheiten des Gegenübers, aussticht. Dass die Attraktivität, die von sehenden Augen, von einem durch verschmitztes Lächeln den Seltsamkeiten des Lebens gegenüber gezeichneten Mund, und von einem Körper, auf den gut geachtet wird, ausgeht, all die unangenehmen und weniger anziehenden körperlichen Seiten überstimmen.

Und damit zur anderen Seite der Liebe: Nämlich, dass man im Licht der Augen des Anderen stets selbst so sein kann, wie man ist. So gesehen wird, wie man ist. So geschätzt wird, wie man ist. Dass das Gegenüber die Schwächen und Seltsamkeiten von uns nicht nur mühsam aushält, sondern als Teil unserer Persönlichkeit wahrnimmt. Natürlich gilt das in beide Richtungen. Beide akzeptieren einander, so wie sie sind – wobei nicht das Sich-in-das-Unvermeidliche-Schicken, sondern unterm Strich eben was Positives, Bereicherndes, Schönes übrigbleibt.

Und ganz grundlegend: Eine Liebe, die sich durch gegenseitige Inspiration und Bestärken, durch Zuhören und Aufmerksamkeit, durch Zärtlichkeit und Leidenschaft, durch eine in der Gegenwart des anderen erfahrende Steigerung von Sinn und Spaß entfaltet. Ok ich sehe es selbst, das alles zusammengenommen klingt irgendwie unwahrscheinlich, unerreichbar. Kann das alles denn überhaupt ein Mensch (geschweige denn zwei Menschen) verkörpern? Kann einer, können zwei, jemals projektionsfrei und selbstreflektiert die Verantwortung für das eigene Erleben, die eigenen Gefühle, die eigenen Lebensdramen übernehmend und den Mitmenschen in seinem Raum lassend, dabei nicht durch die eigenen Bedürfnisse die des anderen überlagern wollend, einfach „nur“ miteinander selbst sein?

Die Fähigkeit zur Liebe

Und genau an dieser Stelle meines Nachsinnens über die gelingende partnerschaftliche Liebe kam die zweite Synchronizität des heutigen Vormittags ins Spiel: Ich hörte nämlich Radio. Superfly, wer‘s wissen will. Und in dem Moment, in dem ich so über das Lieben und seine Ingredienzien brütete, drang Sade an mein Ohr: „It’s about trust“, singt sie überzeugt und überzeugend. Natürlich.

Erst Menschen, die sich selbst trauen, können sich einem anderen derart anvertrauen, dass eine Beziehung, in der nicht das in den meisten Beziehungen vorherrschende Ziehen im Mittelpunkt steht, entstehen kann. Dieses unangenehme und Beziehungen verleidende Ziehen zeigt sich, wenn der eine X und der andere Y will und dann darum gekämpft wird, wer Recht hat, wer Es bekommt, wer gewinnt, wer überlegen ist, wer mehr Raum und wer mehr Nähe bekommt etc.  

Die Welt der Liebenden

Wer sich selbst vertraut, kann andere in deren eigenem Licht sehen weil er/sie sich aus dem Gefängnis der eigenen Sicherheit einer selbstgezimmerten Selbst- und Weltsicht, die ungehindert von Bedürfnissen und schwierigen Erfahrungen bevölkert wird, hinausbewegen kann. Wer auf sich vertraut, kann sich auf sich verlassen – und kann sich daher trauen, seine eigene Welt ein Stück weit zu verlassen. Um sich in der Welt des Gegenübers umzusehen, in sie einzufühlen. Hier beginnt Beziehung ohne das leidige Ziehen. Eine Beziehung, die über das Selbstsüchtige hinausgeht, die zunächst vorsichtig und im Laufe der Zeit eine immer stabilere Brücke zwischen den Welten der Beteiligten schlägt. Nicht, damit man ausschließlich auf dieser Brücke oder unter ihr zu leben beginnt (das geschieht, wenn zwei Menschen nur noch in der „Wir-Form“ von sich reden). Nein, die Brücke wird zwar miteinander bewohnt, doch die Welt des Gegenübers bleibt stets seine eigene heilige Welt und Heimat, deren Grenzen auf beiden Seiten wahrgenommen und respektiert werden. Man kann einander auf Einladung besuchen, doch kann sich bzw. hat sich auch wieder zurückzuziehen, wenn dies von einer der beiden Seiten her gewünscht wird. Weder wird der eine aus seiner und in die eigene Welt hineinzuzerren versucht, noch umgekehrt. Das Ziehen und Zerren findet in dieser Version von Liebe keinen Raum. Stattdessen herrscht ungebrochene Frei-Willigkeit. Denn wahre zwischenmenschliche Liebe und echte innere Freiheit bedingen einander. Liebe kennt keine Verpflichtung, wohl aber Ver-Antwortung: die Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit Ein-Samkeit. Den Einen Anderen nämlich schlicht Sein zu lassen. Und genau das, das Sein miteinander zu genießen und zu erleben, was sich daraus entfalten mag, das über die eigene Welt hinausreicht, ist das Reich der Liebe.

Seven Strange Synchronicities: 6

Flowus Interruptus

Disruption, Du fiese Zecke. Kommst daher in Form von Handy, Computer, Internet, Anrufen, SMS, Türklingel, miesen Gefühlen, langweiligen Geschmäckern, elend aufregenden Nachrichten, bekümmerten FreundInnen, unerwarteten Notfällen aller Art. Da bin ich kurz davor, endlich in den Goldenen Zustand zu kippen, reinzufallen in den Fluss der Dinge, den Großen Kreator aus mir rauszulassen, die Zeichnerin der Zukunft zu entfesseln – und was passiert? Profanes. Ödes. Blödes.

Da führt kein Weg drumrum, da muss sich drum gekümmert werden. Von wem? Von mir. Ist ja sonst niemand im Dienst, so scheints in meiner Welt.

Wenn die Welt ruft

Man sollte meinen, dass der Weckruf, der immer dann ruft, wenn‘s gerade schön wird, einen Sinn hat. Aber Nein, davon bin ich mittlerweile überzeugt, das hat er nicht. Er will mich nur ärgern, nervtötend ätzend sich ins Fäustchen lachen. Was oder wer stört, tut das aus reiner Selbstgefälligkeit. Mitunter denke ich, so eine Höhle in einem Berg wär schon was.

Aber was solls, man lebt ja nur einmal (soweit ich weiß), muss also auch alles auf einmal machen. Doch da kollidieren eben die so heiß ersehnten ewigen Flowmomente mit den Bedürfnissen der Welt. Was tun?

Die Macht der Ignoranz

Soll ja angeblich groß sein. Allein, sie ist mir nicht gegeben. Mich stört schnell ein fremdes Bedürfnis, wenn der Hund jammert oder das Telefon fiept (in meinem Fall zirpt es). Irgendwie heißt es: egoistisches Konzentrieren auf die Kreativität oder mitfühlendes Übernehmen von Verantwortung für die Bedürfnisse aller anderen. Mich wunderts ganz und gar nicht, dass viele große KünstlerInnen in sozialen Feldern eher unterbegabt waren, oder sich auch absichtlich nichts geschert haben um andere. Es scheint tatsächlich ein entweder-oder zu sein, wenn es um die Frage geht „Konzentration auf mich oder Dich“. Das sowohl-als-auch, die vielzitierte win:win Situation geht natürlich da, wo Menschen mit sich reden lassen, also zum Beispiel Vereinbarungen getroffen werden können, wer wessen Bedürfnisse wann wie befriedigt. Fixe Essenszeiten und so. Sind nur leider mit dem kreativen Flow nicht vereinbar. Der will nämlich dann fließen, wann er fliessen will. Der Hund muss aber dann runter, wann er runter muss. Hmpf. Kampf der Naturgewalten.

Solipsisten haben‘s leichter

Wäre man allein auf der Welt, allein dafür verantwortlich, was man wie erlebt und drehte sich alles nur um einen selbst oder müsste man nicht auf andere achten – wäre es dann einfacher? Das liegt wohl in der Persönlichkeit und Sozialisation.

Äh, und was passiert doch glatt, GERADE JETZT? Das Telefon läutet. Die Handwerker rufen. Wie der Besen, den man rief, zu helfen, zu einer Zeit, wann es wichtig schien. Und der daherkommt, wenn man ihn nicht braucht. Ich WUSSTE, das würde passieren. Jetzt, da ich so schön vor mich hinschreibe, würde ES mich unterbrechen. Doch HAHA, da ich es wusste, hat es mir nichts gemacht, weil ich die Unterbrechung einfach hier reinschreibe. Triumpf. Oder so.

Wenn die Störung Input liefert

Würde es nicht der Meisterschaft des Synchronizitäten-Reitens gleichkommen, wenn Unterbrechungen aller Art zum Flow beitragen könnten, in den Flow einfließen könnten? Welche Art des Denkens, Fühlens, Reagierens bräuchte man dafür?

Hm.

Eben ist es mir gelungen, indem ich mein Gegenüber auf das sachlichste abgewürgt, den Moment nicht aus den Augen verloren und das Geschehene in den Text eingearbeitet habe. Aber würde das auch funktionieren, wenn ich Kochen muss, jemanden trösten soll, erwerbsarbeitstechnisch aktiv werde? Kann vielleicht alles zum Teil meiner Geschichte, meines Erlebens-Flows werden? Hoffnung keimt.

Schöne Aussicht, ein hehres Ziel und wert, daran zu scheitern. Ich werde berichten…

Significant Soul Sample No 8: Good News!

Finally

Good News. Biden and Harris. DemokratInnen, zwar ein „alter, weisser Mann“ im Führungssessel, aber eine Frau mit Migrationshintergrund als Co-Pilotin. Vielleicht eine Wegbereiterin für Michelle Obama? Grossartige Zeichen jedenfalls. Die wir bitter nötig haben… Corona zehrt an unseren Nerven: (Wann) erwischt es uns oder unsere Lieben? Halten die Krankenhäuser und das stark beanspruchte Personal den ganzen Winter lang durch? Wie fatal wird der wirtschaftliche Zusammenbruch? Wird sich unsere Gesellschaft und die Welt unüberbrückbar spalten? Und was ist das eigentlich mit dem Terror? Sind wir dem immer wieder aufkeimenden Wahnsinn einiger Weniger schutzlos ausgeliefert?

Future

Die Zukunft. Nur wenige Szenarien weisen eine positive, hoffnungsfrohe Zukunft auf. Umso wichtiger, dass Biden/Harris das Ruder übernehmen. Dass es Politikerinnen wie Jacinda Ardern in Neuseeland und Angela Merkel in Europa gibt, die Stabilität, Ruhe und Mitgefühl ausstrahlen. Doch was genau wie Zukunft bringt ist mehr als dubios. Klima, Wirtschaft, Migration, Miteinander. Alles ungelöste Themen und Prozesse, deren Entwicklungsrichtungen derzeit unabsehbar sind.

Fiction

Wenn die Wirklichkeit zu wünschen übrig lässt, wird es Zeit für Wunder. Wer wagt es, ein realistisches und zugleich progressives, auf Verbesserungen und langfristiges Wohlergehen aller ausgerichtetes Zukunftsszenario zu entwerfen? Wir lassen uns gerne überraschen. Interessant ist dabei, dass diese Rolle nicht einmal die Welt des Entertainments derzeit übernimmt. Die meisten Serien sind eher düstere Versionen von gegenwärtigen, alternativen und zukünftigen Welten. Der Kampf der Dunkelheit gegen das Helle, der Gewaltherrschaft gegen das auf verlorenem Posten befindliche demokratische, gleichberechtigte Vernunftsystem findet zumeist am Rande der Aussichtslosigkeit statt. Vielleicht sind die Serien, die uns früher mit unmittelbarem Wohlgefühl – weil das Gute stets siegt – versorgt haben, aus Gründen psychologischer Einfühlung in die Bedürfnislage der Gegenwart ins Düstere abgerutscht. Vielleicht brauchen wir konsumorientierten Mehrheitsmenschen gerade jetzt eine scheinbar harmlose, weil virtuelle und unterhaltsame Abreibung, die uns dazu zwingt, uns der möglichen Düsternis eines nicht völlig unwahrscheinlichen Morgen zumindest unbewusst zu stellen.

Fear

Gegen das „sich der Düsternis Stellen“ spricht die Angst. Angst vor dem Ungewissen. Und wenn wir ehrlich sind, haben wir derzeit genug von der Angst und Panikmache. Wir sind Corona-müde, Klimapanik-müde, Kampf-gegen-Rechts-müde, Terror-müde, Nachrichten-müde. Vielleicht ist es Zeit für einen Rückzug aus der Welt. Vielleicht ist ein Lockdown gar keine so schlechte Idee. Sofern das Überleben aller gesichert werden kann, könnte diese Zeit uns den geschützten Raum zum Nachdenken und Nachfühlen geben, den unsere Welt und auch wir selbst gerade dringend brauchen: Zeit für die Introspektion, für die Reflexion, für das Kräftesammeln, für das auf-sich-hören, für das Da sein. Natürlich auch für andere, aber zuallererst für sich selbst. Erst wer gut mit und bei sich ist, kann gut mit den Unsicherheiten der Welt und den Nöten anderer umgehen. Diese innere Quelle der Kraft zu hegen und zu pflegen ist heute wichtiger denn je. Dazu müssen wir nichts tun, nichts leisten, nichts erledigen, nicht kämpfen und nicht sehnen. Ganz im Gegenteil. Einfach „nur“ Sein lautet die Devise. Ruhig, besonnen, weich, sensitiv. In dieser Stille liegt die Kraft. Nutzen wir sie.

Special Screen Script 10: THE PERFECT MATCH

Ein echtes Traumpaar

Eine Möglichkeit um herauszufinden, ob Ihr Gegenüber wirklich zu Ihnen passt ist, sich besonders die schwierigen Situationen und kritischen Momente miteinander ganz genau auszusehen. In diesen Augenblicken wird klar, ob Sie beide auch unter Stress und widrigen Bedingungen zusammenhalten. Diese Stressresistenz ist zudem ein guter Gradmesser für die längerfristige Belastbarkeit einer Beziehung. Durchleuchten Sie dazu die folgenden

5 Meilensteine einer gelingenden Beziehung:

  1. Streitkultur: Können Schwierigkeiten offen angesprochen werden? Können Sie miteinander streiten, ohne dass tiefe Verletzungen geschehen? Können Sie Missverständnisse aufklären? Sind Sie beide willens und im Stande, nach einer Diskussion, einem kritischen Feedback oder einem Streit in sich selbst hineinzuhören und zu hinterfragen, was Ihr Anteil daran war? Sind beide fähig, etwaige Fehleinschätzungen oder ein Fehlverhalten nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor dem anderen einzugestehen und sich ernsthaft zu entschuldigen? Können Sie beide aus dem Geschehenen lernen und ziehen Sie gemeinsam Ihre Schlüsse fürs nächste Mal?
  2. Wertschätzung: Begegnen Sie einander auf Augenhöhe, also ohne dass der eine oder andere dauernd kritisiert, heruntergemacht oder sonst irgendwie abgewertet wird? Zeigen Sie einander Ihre gegenseitige Wertschätzung? Auch und vor allem während und nach einem Streit? Will keiner den anderen verändern und verlangt aber für sich selbst, so genommen zu werden, wie er ist?
  3. Machtverhalten: Zeigt eine Seite hingegen ein ausgeprägtes Dominanzverhalten, so kann sich dies nicht nur in abwertendem Verhalten äußern. Auch Gefühle können unkontrolliert ausbrechen, ohne dass dafür die Verantwortung übernommen wird. Das kann soweit gehen, dass es im Krisenfall zu verbaler, emotionaler oder sogar körperlicher Gewalt kommt. Ebenso können Ignoranz oder abwehrendes Verhalten deutliche Anzeichen für ein Bedürfnis nach Überlegenheit sein. Auf der anderen Seite der Machtfrage steht hingegen ein stark konfliktvermeidendes Verhalten – quasi die „Sucht nach Harmonie“ – bei dem die Verantwortung für die Lösung eigener und gemeinsamer Probleme und damit für die Entwicklung der Beziehung nicht übernommen wird.
  4. Selbstsicherheit: Dieser Punkt ist besonders spannend. An sich ist eine Partnerschaft, in der beide Partner stark und souverän sind, wünschenswert. Manchmal kommt es aber anders und das muss nicht schlecht sein, sondern kann sich auf den langfristigen Beziehungsverlauf vorteilhaft auswirken: Ist etwa einer der Partner sehr selbstkritisch oder unsicher, dann bleibt er mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst in schwierigen Phasen in der Beziehung. Nichtsdestotrotz sollte das Entwicklungsziel die „gleiche Ebene“ sein, denn ein solches Ungleichgewicht bringt wiederum ein ganz eigenes Konfliktpotenzial mit sich.
  5. Das Nähe-Distanz-Verhältnis: wollen Sie mehr Nähe und sterben vor Sehnsucht und „Er“ oder „Sie“ hält Sie hin? Oder klebt sie/er an Ihnen und Sie bekommen keine Luft mehr zum Atmen? Das funktioniert auf Dauer nicht und führt zu Frustration. Hier ist es angesagt, dass beide sich über ihr eigenes Nähe-Distanz-Bedürfnis klar werden und darüber austauschen. So sollte etwa die Angst vorm Verlassenwerden oder vor einem Kontrollverlust von jedem Partner klar erkannt werden. In der individuellen Auseinandersetzung damit kann sich dann auch das Verhältnis zu einander entspannen.

Zusammengefasst stehen die Zeichen für Ihre Beziehung gut, wenn Sie miteinander streiten können, einander dabei wertschätzen und auf Augenhöhe begegnen, die Verantwortung für die eigenen schwierigen Gefühle übernehmen, ein gesundes Maß an Selbstsicherheit und ein passendes Nähe-Distanz Verhältnis haben.

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 30.04.2018 eine Woche lang nachsehen: http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13975266/Beziehungstipps-von-Expertin-Nana-Walzer/14292653

Surprising Salon Session No 13: Raumzeit – Das Maß aller Dinge

Raum: Der reine Luxus

In meinem großen Zimmer ruht eine uralte Wasserwaage. Sie liegt einfach so vor sich und mich hin. Doch ich weiß nicht wirklich, was sie misst. Da sollte wohl ein Luftbläschen anzeigen, wo die totale Mitte, die absolute Gerade, das eigentliche Soll  zu finden ist. Tut es aber nicht. Zumindest nicht, solange ich nicht die Perspektive wechsle und das Ding selber in die Hand nehme. Aus diesem einen, ersten Blickwinkel eröffnet sich mir folgender Gedankengang: Das Maß aller geradlinigen Dinge – das Bläschen heißer oder kalter Luft – dürfte über die Zeit hinweg irgendwie abhandengekommen sein. Wie im echten Leben. Immer weniger scheint uns mit fortschreitender Zeit klar zu sein, worin das Optimum, die ideale Gerade, der perfekte Zustand zwischen zu viel links oder rechts, zu viel vom einen und zu wenig von anderem liegt. Die Antwort liegt nahe: im Hier. Doch wo ist „Hier“? Und wie viel Platz ist im „Hier“ verfügbar? Wer kaum Raum zur Verfügung hat, dessen Gefühl für die eigene Mitte wird stark gefordert. Sei es das Gedränge in einem asiatischen Markt, die Enge in der economy class auf einem Langstreckenflug, das Behindertwerden im Weiterkommen durch einen Stau beim Autofahren oder auch der fehlende Rückzugsraum in einer geteilten Wohnung. Aber nicht nur fehlender Raum zur Bewegung oder zum Ankommen bringt uns aus der eigenen Mitte. Auch ein Raum, dessen Lebensqualität beschränkt ist verhindert, dass wir aus dem vollen Ganzen unserer Kräfte und Möglichkeiten schöpfen.

Ich schreibe diese Zeilen in einer Business Lounge am Flughafen von Bangkok. Der reinste Luxus. Nach massivem Stau auf den verstopften Straßen, dichten Menschenmengen in ewig langen Schlangen, die einen durch behördliche Irrwege und technisch-logistische Umwege quälen, nach fehlenden Sitzgelegenheiten zum Ausrasten und unendlich langen Gehwegen zum Nirgendwo-Ankommen ist die Business Lounge eine Oase all dessen, was schön und gut zu sein scheint: Leise, entspannt, kühl, leer, mit weichen Sesseln und vollem Büffet, sauberen Toiletten und lächelndem Personal. Daran könnte man sich schon gewöhnen. Doch ist das auch real? Wieviel Raumlosigkeit muss man erlebt haben, um eine solche Raumfülle ohne schlechtes Gewissen genießen zu können? Wo doch so viele andere kaum einen echten Lebensraum haben, sich keinen hochqualitativen Eigenraum leisten können – und nicht mal temporär, quasi auf der Durchreise ihres Lebens, jemals in den Genuss von sorgsam geschütztem individuell verfügbarem Raum kommen. Eigenraum ähnelt insofern den luxuriösesten materiellen Ressourcen – beide scheinen an Geld gebunden zu sein. Natürlich gibt es da noch den öffentlichen Raum, die Parks und Gärten, die Berge und Seen, Wälder und Wiesen. Vorübergehend können wir dort ankommen, uns an der Natur ausrichten und in unsere Mitte finden. Aber irgendwann mal müssen wir wieder zurück. In den mehr oder weniger vorhandenen Eigenraum, in unser eigenes Leben…

Zeitlosigkeit: Die reine Freude

Viel einfacher ist es da schon, dem Luxus der Zeit zu frönen. Zeit hat jeder, gehört jedem. Dafür brauchen wir kein Geld. Im Gegensatz zum Raum hat jeder Zeit, der gar kein Geld hat. Und natürlich jeder, der über ganz viel Geld verfügt. Doch gerade diese Zeitbesitzer – und zwar auf beiden Seiten – wissen nicht immer etwas Sinnvolles mit ihrer Zeit anzufangen. Viele verzweifeln richtiggehend an zu viel freier Zeit, an zu viel Eigenzeit, an einem übervollen Zeitbudget, das gerade nicht fremdbestimmt, vorbestimmt, verplant und eingeteilt ist. Diese Menschen zerbrechen mit der Zeit an sinnentleert erlebter Zeit (nicht nur in der Arbeit), oder aber an beziehungsloser Zeit (im Privatleben wie im Berufsumfeld). Zuviel Zeit in der Einöde des Eigenraums ist vielen Menschen ein Gräuel. Mir nicht. Ganz im Gegenteil. Das liegt aber daran, dass Zeit für mich ein nicht immer verfügbarer Luxus ist – wie für die allermeisten Menschen, die arbeiten, um zu leben. Als selbstständig erwerbstätiger Mensch habe ich einen gewissen Eigenraum und eine gewisse Eigenzeit zur Verfügung. Beide werden regelmäßig durch Verpflichtungen aller Art so eingeschränkt, dass ich die Zeiten ohne Aufgaben und den Raum ohne Menschen auch so richtig genießen kann. Wenn die Zeit fließt und ich mit ihr, dann ist das Leben ideal. Wenn der Raum wirkt und ich in ihm, dann bin ich nicht nur in meiner Mitte, sondern in der Mitte des Seins.

Zeitlosigkeit: Die reinste Qual

Andere hingegen haben schlicht gar keine Zeit. Das pure Überleben frisst sie auf. Für jene, die zugleich kaum eigenen Raum zu ihrer Verfügung haben, sollten soziale Programme greifen. Hier können die Mindestsicherung, Steuererleichterungen, Wohnprogramme, Arbeitnehmerschutz uvm zu mehr Zeit und Raum verhelfen. Für all jene aber, die sehr wohl über Raum aber kaum über Zeit verfügen, stellen sich andere Fragen: Wovor laufen sie weg, wenn sie sich im Eigenraum einigeln? Was versuchen sie zu erreichen oder zu beweisen, wenn sie ihr Zeitbudget ständig gnadenlos überziehen? Warum müssen und wollen sie ihren Lebensstandard mit ihrer Lebenszeit bezahlen? Und allen voran: Ist es das tatsächlich wert? Welchen Themen müssen wir uns stellen, sobald uns die Stille und die Leere eine Innenschau gewähren? Erst sobald gesehen und gefühlt wurde, warum das Laufen attraktiver als das Stehenbleiben wirkt, können sich neue Tore öffnen. Tore, die einen anderen Film laufen lassen. Unseren Film. Ein Film, in dem wir nicht nur Hauptdarsteller sind, sondern auch die Drehbuchautoren, Regisseure und Kameraführenden.

Möglichkeitsraum – Tatsächlichkeitszeit

Raum und Zeit nach eigenem Ermessen zur Verfügung zu haben – das sind die Luxusartikel unserer Tage. Raum zum Reisen, Zeit zum Schweigen. Raum zum Ruhen, Zeit zum Träumen. Raum zum Wirken, Zeit zum Reifen. Raum und Zeit, um Visionen zu entwickeln und zu realisieren.

Doch wer gibt uns diesen Raum, diese Zeit? Wieviel Geld brauchen wir für ein hochqualitatives Leben? Wieviel Ungerechtigkeit geht mit dem Vereinnahmen von Eigenraum und Eigenzeit einher? Mit anderen Worten: Wieviel soziale Verantwortung balanciert das Verweilen in der eigenen Mitte und das Auskosten der raumzeitlichen Möglichkeiten? Was kostet der Konsum von Raumzeit? Müssen dafür andere enger und schneller leben, haben sie weniger Möglichkeiten, wird ihr faktisches Leben tatsächlich beschränkter durch die Freiheit anderer? Wer trägt für die Zustände und Umstände dieser Welt, für die entgrenzten und die begrenzten Erlebniswelten in ihr eigentlich die Verantwortung?

Möglichkeit versus Geschwindigkeit

Die essenzielle Entscheidung zum Erleben von höchstmöglicher persönlicher Freiheit in Balance mit tragfähiger sozialer Verantwortung ist zweigestaltig. Die eine Hälfte betrifft das höchstpersönliche Erleben: Hier ist der Wunsch, die eigenen Grenzsetzungen zu erkennen  und neue Horizonte zu eröffnen ausschlaggebend. Die andere Hälfte betrifft die im persönlichen Einflussbereich befindliche Umwelt: Hier zählt der Wunsch, die inneren und äußeren Grenzen für andere zu verringern und ihnen ein Leben mit mehr Möglichkeiten als vorher zu eröffnen – in welcher Form auch immer. Es kann der Abbau geistiger, emotionaler oder physischer Limitationen sein, der mehr Raum für eine gesteigerte Erlebensqualität schafft. Etwa Bildungsmaßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung, die wiederum neue Türen im Inneren und Äußeren sichtbar machen. Natürlich kann auch das Verändern systemischer Strukturen dabei helfen, das Überlebensproblem besser lösen zu können. Den Möglichkeiten, die eigenen und die Begrenzungen anderer zu überschreiten bzw. aufzulösen sind keine Grenzen gesetzt. Auch keine zeitlichen. Es geht hierbei weniger darum, die Welt schnellstmöglich zu verbessern, als darum, die Perspektiven möglichst vieler Menschen, die zur Entgrenzung ihrer selbst und anderer bereit sind, zu verändern. Es geht also darum, einen sozialpolitischen Auftrag zu definieren – und zu erfüllen, nämlich Multiplikatoren der Entgrenzung zum Besten aller zu finden, wenn nötig auszubilden und bei der Verwirklichung zu unterstützen.

Lebensraum und Lebenszeit

Worum geht es in diesem Leben? Um Erfolg oder Erfüllung? Um minimale Leiderfahrung oder maximale Liebesempfindung? Um Wachstum oder Wirkung? Um Freiheit oder Verantwortung? Vielleicht um ein Leben ohne „oder“. Einmal Alles bitte. Und das für Alle. In Freiheit und Verantwortung für sich und andere, für Umwelt und Nachwelt.

Klingt aus dieser Perspektive doch gar nicht so unmöglich, oder?