Special Screen Script 7: EIN FREUND, EIN GUTER FREUND

Was echte Freundschaft auszeichnet…

…zeigt sich oft erst mit der Zeit. Selbst gute Bekanntschaften kommen und gehen, so manche ehemalige Freundschaft verläuft sich im Sand. Andere Menschen wiederum enttäuschen uns unvermutet und mitunter gerade dann, wenn wir sie am nötigsten in unserer Nähe bräuchten. Wie hilfreich wäre es, schon bei Zeiten feststellen zu können, ob jemand das Potenzial dazu hat, ein echter Freund, eine echte Freundin zu sein?

In der Tat gibt es sie, die

7 Anzeichen für echte Freundschaft*

  1. Wohlfühlen: Mit einer guten Freundin fühlen Sie sich einfach wohl. Sie akzeptiert Sie, so wie Sie sind. Sie sieht und schätzt Ihre Stärken, sie kennt Ihre Schwächen – und mag Sie trotzdem
  2. Wahrhaftigkeit: Ein echter Freund sagt Ihnen die Wahrheit, so wie er sie sieht. Das ist manchmal nicht angenehm. Aber er tut es aus einem Wohlwollen heraus und nicht, um Ihnen wehzutun
  3. Wertschätzung: Eine gute Freundin zeigt Ihnen ihre Zuneigung. Durch Komplimente, Wohlwollen, Interesse. Sie stärkt Ihr Selbstvertrauen und bringt das Beste in Ihnen zum Vorschein
  4. Aufmerksamkeit: Ein wahrer Freund ist offen für Sie, Ihre Ideen, Probleme und Interessen. Er hört zu und fragt nach. Und merkt sich, was Ihnen wichtig ist
  5. Verbundenheit: Eine echte Freundin bleibt. Und zwar lebenslang. Auch wenn Sie einander nur selten sehen, fühlen Sie sich verbunden. Und wenn Sie sich dann vielleicht erst nach Jahren wiedersehen, so ist es, als wäre keine Zeit vergangen
  6. Mitfreude: Wahre Freunde fühlen mit. In guten wie in schlechten Zeiten. In guten freuen sie sich mit, in schlechten unterstützen sie
  7. Humor: Mit einem Freund können Sie einfach lockerlassen und auch über die schwierigen Seiten des Lebens lachen

Viele dieser Punkte stellen sich natürlich erst nach einer gewissen Zeit heraus. Zeit, die nötig ist, um beidseitiges Vertrauen aufzubauen. Nicht umsonst gewinnen viele Menschen ihre besten FreundInnen schon in der Schulzeit. Damals verbrachten sie jahrelang fast jeden Tag miteinander – gingen gemeinsam durch dick und dünn, teilten die schwierigsten und schönsten Erlebnisse, ertrugen die langweiligen und genossen die aufregenden Momente dieser intensiven Lebensphase zusammen.

Lernen wir einander erst im Erwachsenenalter kennen, so braucht es vor allem auch die „Reibungsphasen“, in denen und durch die beide einander erst so richtig gut kennen lernen können. Bleiben die FreundInnen dann trotz aller „Hitze des Gefechts“  für einander offen, dann werden ihnen ihre individuellen Grenzen, Werte und Ansichten nicht nur klar. Vielmehr werden ihnen durch die intensive Auseinandersetzung miteinander in Form von vielen Gesprächen die Eigenarten des anderen aus ihrer jeweiligen Lebensgeschichte heraus nachvollziehbar. Ähnlichkeiten und Andersartiges kann so an die Oberfläche gelangen und gesehen werden. In diesem Prozess lernen sich die FreundInnen gegenseitig aber auch selbst besser kennen. So wird eine präzise(re) gegenseitige Einschätzung möglich, auf deren Basis sich das Gefühl von Vertrautheit und Verlässlichkeit entwickeln kann. Nähe zu sich und zum anderen kann aufgebaut werden.

Zu Beginn einer Bekanntschaft achten Sie am besten darauf, dass Sie miteinander eine gute Zeit haben, dass sich beide zeigen können, wie sie sind, sowie dass Sie sich gegenseitig schätzen und echtes Interesse am Leben des anderen zeigen.

  • im Text werden „Freundin“ und „Freund“ der Lesbarkeit halber abwechselnd und jeweils synonym für das andere Geschlecht verwendet

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie hier nachsehen: 

http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13972896/Beziehungsweise-in-Oesterreich/14281571

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Special Screen Script 6: BEZIEHUNGSFORMEN & BEZIEHUNGSFALLEN

Warum es manchmal einfach nicht klappen will

Eine Möglichkeit, warum Menschen auf Dauer (also nach der ersten Zeit der Verliebtheit) nicht miteinander können, sind zu große Unterschiede in den Erwartungen, Vorstellungen und Bedürfnisse. Um diese auseinanderklaffenden Differenzen schnell erkennen zu können, hilft es, sich möglichst bald in der werdenden Beziehung Klarheit darüber zu verschaffen. Fragen Sie sich selbst und den anderen, welche der 3 Beziehungsformen Sie beide sich vorrangig wünschen. So können Sie erkennen, ob sich Ihre Vorstellungen decken. Stellen Sie sich dazu die folgenden Fragen:

Wollen Sie mit Ihren Partner vor Allem den Alltag meistern, wollen Sie hauptsächlich Ihre Bedürfnisse stillen oder wollen Sie sich aneinander und miteinander weiterentwickeln?

Eine Beziehung, die auf gemeinsamen Zukunftsvorstellungen und dem gemeinsamen Funktionieren in der Welt beruht, ist eine Funktionsgemeinschaft. Sie suchen dann vielleicht die Mutter/den Vater ihrer zukünftigen Kinder, wollen eine Familie aufbauen, „Haus und Hund“ oder auch nur ein gesichertes und funktionierendes tägliches Leben miteinander teilen.

Wenn Sie viel mehr die schönen Seiten des Lebens mit einem Partner teilen wollen, also etwa gemeinsam Essen, Trinken, Spaß haben, Unterhaltung, Kunst, Kultur, Reisen, Sex etc. genießen möchten, dann suchen Sie so etwas wie einen Spielgefährten fürs Leben. Dies ist eine Bedürfnisgemeinschaft, weil vorrangig gemeinsam körperliche, emotionale und geistige Bedürfnisse gestillt werden.

Wollen Sie vielleicht alles das, aber im Grunde noch viel mehr: miteinander durch Dick und Dünn gehen, das Abenteuer „Leben“ gemeinsam erleben, sich selbst dabei verändern und zugleich miteinander wachsen? Dann suchen Sie eine Entwicklungsgemeinschaft. Hier werden etwa Streit und Spannung zum aneinander Lernen genutzt. Das braucht viel Reflexion und den Willen zur Auseinandersetzung. Manchen Menschen ist aber genau das, dieses gemeinsame Auseinandersetzen mit dem Beziehungsleben, das „Darüber-Reden“ und auch das eigene Selbstreflektieren ein Gräuel…

Hier nochmals die 3 Beziehungsformen im Überblick:

  1. Eine Funktionsgemeinschaft (Alltag teilen)
  2. Eine Bedürfnisgemeinschaft (Bedürfnissen stillen)
  3. Eine Entwicklungsgemeinschaft (sich selbst und miteinander weiterentwickeln)

Stellen Sie fest, welche Form von Beziehung Sie selbst vorranging wollen bzw. in welchem Mischungsverhältnis der drei Formen eine Beziehung für Sie so gut passt, damit sie diese als erfüllend empfinden. Dann können Sie leicht und rechtzeitig verstehen, warum ein anderer nicht, noch nicht – oder vielleicht auch nicht mehr – zu Ihnen passt.

 

Special Screen Script 5: KANN DENN ARBEIT SÜNDE SEIN?

Liebe am Arbeitsplatz

Viele Menschen „erwischt es“ im Arbeitsumfeld – sie stellen sich dann Fragen wie: „Zwischen meiner Kollegin und mir funkt es ganz schön. Ich weiß aber nicht ob es wirklich sinnvoll ist, ein Verhältnis mit ihr zu beginnen. Worauf muss ich dabei achten?“ 

Statistiken gemäß verliebt sich jeder Dritte irgendwann mal in einen Kollegen oder eine Kollegin – und etwa jede vierte Beziehung beginnt tatsächlich am Arbeitsplatz. Vieles spricht dafür, einiges dagegen.

Folgende 3 Punkte sollten Sie sich gut überlegen, bevor Sie zur Tat schreiten:

  1. Beziehungsform: Zunächst gehört geklärt, ob Sie eine Affäre oder eine Beziehung anpeilen. Affären leben vom Reiz des geteilten Geheimnisses, können aber zu Schwierigkeiten führen, wenn einer von beiden mehr will. Diese Konflikte können sich dann auf das Arbeitsumfeld ausbreiten und für schlechte Stimmung sorgen oder die Belegschaft spalten (wer hält zu wem?).
  2. Hierarchie: Wenn Sie etwas mit einer Kollegin anfangen, kein Problem. Aber mit einer/m Vorgesetzten oder mit jemandem, der Ihnen unterstellt ist, kann es schwierig werden. In der Firma könnte es sich herumsprechen, es können Gerüchte auftauchen, dass Sie begünstigt werden oder ihre Freundin/ihren Freund bevorzugen. Auch die worst case-Szenarien sehen unschön aus: Sie könnten als Untergebene/r in ein ungewolltes Abhängigkeitsverhältnis geraten oder als Vorgesetzte/r wegen sexueller Belästigung verklagt werden.
  3. Recht: In Österreich ist es rein rechtlich gesehen kein Problem, in der Arbeit ein sexuelles Verhältnis zu beginnen. Arbeitsrechtlich darf ein Dienstgeber die Beziehung zwischen Mitarbeitern jedenfalls nicht verbieten. Manchmal müssen Partner aber den Firmenvorschriften gemäß die Abteilungen wechseln. Natürlich darf die Arbeitsleistung und Professionalität nicht leiden. Man sollte auch Privates von Beruflichem strikt trennen. Alles Intime sollte ebenfalls in der Öffentlichkeit unterlassen werden: also kein Händchenhalten, Küssen oder Streiten im Büro.

In jedem Fall sollten Sie vermeiden, Liebesgeheimnisse und Intimitäten oder gar Beziehungsfrust in der Firma loszuwerden, denn das kann nicht nur die Beziehung, Sie selbst oder Ihren Partner, sondern letztlich Ihr gesamtes Arbeitsumfeld stark irritieren.

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie hier nachsehen: http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13970441/Liebe-am-Arbeitsplatz/14269480 

Special Screen Script 4: FREUNDSCHAFT PLUS

Zweisamkeit mal anders: Kann das gut gehen?

Wer mehr will als eine bloß platonische Freundschaft, der fragt sich vielleicht, ob das Beziehungskonzept „Freundschaft plus“ nicht eine Option wäre. Dazu sollte uns bewusst sein, dass Freundschaft plus nach ganz anderen Spielregeln verläuft als die üblichen Paarbeziehungsformen.

Als klassisches „Paar“ ist man nämlich meistens der gegenseitigen Treue verpflichtet. Bei reinen Freunden hingegen fehlt die körperliche Komponente, kurz gesagt: der Sex. Aus diesen Unterschieden zwischen dem weit verbreiteten Paarbeziehungsmodell und der Freundschaft plus ergeben sich dann auch die folgenden Schwierigkeiten im Alltag:

Die 3 größten Herausforderungen für das Beziehungsmodell „Freundschaft plus“

  1. Keine Gefühle: Hormonrausch: ja bitte – Liebe: nein danke. Dabei sind diese beiden sehr intensiven Gefühlswelten nicht immer leicht auseinander zu halten und können schnell verwechselt werden. Was der eine dann als „einfach nur angenehm“ empfindet, kann für den anderen schon „mehr“ bedeuten. Wer sich auf Freundschaft plus geeinigt hat, der hat zudem kein Recht auf Exklusivität. Das heißt, beide können sich auch mit anderen treffen und sollten das auch ganz offen einander mitteilen (können). Jeder kann nach Lust und Laune tun, wonach ihm oder ihr ist – keiner ist dem anderen  verpflichtet. Eine solche Offenheit und das Teilen des anderen mit unbekannt vielen Dritten, Vierten etc. hält nicht jeder aus. Eifersucht oder jeglicher Erwartungsdruck (wie etwa, dass man sich bald wieder sieht), sind tabu.
  2. Keine Zukunftsplanung: Die Chancen stehen verschwindend gering, dass eine gemeinsame Wohnung, eine gemeinsame Familie, ein gemeinsames Leben irgendwann mal angedacht, geschweige denn verwirklicht werden. Das kann im Moment vielleicht passend sein, kann auf Dauer aber „zu wenig“ werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einer von beiden irgendwann einmal eine stabile Zweierbeziehung führen möchte, ist groß – und dann kommt die unberechenbare Zeit „danach“: Können beide einfach wieder „nur“ Freunde sein? Gibt es ein „zurück“?
  3. Kein gemeinsames Auftreten: Im Freundeskreis und in der Öffentlichkeit bleiben Sie immer nur „gute Freunde“. Für die anderen sind beide Singles, aktive natürlich, aber dennoch. Auch typische Paaraktivitäten, wie ein romantisches Dinner zum Valentinstag, werden Sie voraussichtlich nicht machen. Oder eher scherzhaft bestreiten. Kann auch Spaß machen. Oder doch Hoffnungen schüren?

Wenn man sich diese drei Herausforderungen ansieht so wird eines klar: Freundschaft Plus ist für jene gut geeignet, die tatsächlich keine ernsthafte Partnerschaft suchen oder eingehen wollen. Sie kann eine Zeit lang gut funktionieren. Das Risiko, dass einer der beiden irgendwann „mehr“ möchte ist aber durchaus gegeben. Und bei einer etwaigen Enttäuschung kann auch die Freundschaft gefährdet sein…

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie hier nachsehenhttp://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13969425/Talk-mit-Kommunikationsexpertin-Nana-Walzer/14263694

 

 

Special Screen Script 3: WAHRE LIEBE?

Woran man den Partner fürs Leben erkennen kann 

Ob Sie Ihre Wonderwoman oder Ihren Superman gefunden haben zeigen Ihnen die folgenden sieben klar erkennbare Signale!

DIE 7 V – KENNZEICHEN DER GROßEN LIEBE
1. Verbundenheit: erkennbar etwa im gegenseitigen direkten, offenen und tiefen Augenkontakt – bei dem keiner von beiden etwas anderes will, als einander in Verbundenheit zu spüren
2. Verstehen: wissen, wer man selbst ist und was man will – wissen, wer der andere ist und was er/sie will – Unterschiede und Gemeinsamkeiten wahrnehmen, zulassen und annehmen
3. Vertrauen: den Entscheidungen des anderen vertrauen, darauf vertrauen, dass ihr einander nur Gutes wollt und selbst im Konfliktfall einen Weg findet
4. Verlangen: Körperliche Anziehung, die auf Gegenseitigkeit beruht, ein beidseitig erfüllendes Liebesleben
5. Verantwortung: beide Seiten sind willens und im Stande, für die eigenen Gefühle, die eigenen Bedürfnisse, das eigene Leben und für das Wohl der gemeinsamen Zukunft Sorge zu tragen
6. Vorstellungen: Ähnliche Werte und Prioritäten, Interessen und Einstellungen sowie Vorstellungen vom Alltag und der gemeinsamen Zukunft sichern, dass auch in schwierigen Zeiten am selben Strang gezogen werden kann
7. Nicht Verstellen: So sein, wie man ist und einander gegenseitig klar sehen und akzeptieren. Wer dem anderen helfen will sich zu verändern, der kann Vorschläge machen und unterstützen – aber er sollte keine Bedingungen stellen. Wer den anderen nicht nehmen kann, wie er ist, also mit seinen Schwächen und Macken, der erweist sich selbst als nicht der/die Richtige für den anderen…

Einen wichtigen Punkt gilt es dabei zu beachten: Viele Menschen haben sich mit der Zeit an das Suchen und Finden, an das Kosten und Probieren im Beziehungsleben gewöhnt. Sie sind gar nicht bereit, ihre (Beziehungs-)Reise aufzugeben und endgültig bei einem Partner anzukommen. Damit stellt sich die vielleicht wichtigsten Frage von allen: Sind Sie selbst denn überhaupt bereit der oder die „Eine“ für Ihr Gegenüber zu sein?

Und trotz aller guter Vorzeichen können sich Menschen und Umstände mit der Zeit auch verändern, sodass eine Neuausrichtung innerhalb unserer selbst, im Umgang miteinander oder in Bezug auf unser Verhältnis zur Umwelt (denken wir da etwa an die Arbeitswelt und Familienverbände) notwendig wird. Erst an diesen Bruchstellen des eigenen Lebensweges und der partnerschaftlichen Lebensgeschichte beweist sich, ob eine Beziehung halten kann, was zunächst unter besten Vorzeichen begonnen hat …

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie hier nachsehenhttp://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13968373/Beziehungsweise-mit-Kommunikationstrainerin-Nana-Walzer/14258097

Special Screen Script 2: SO geht anders!

Viel zu oft stehen wir uns nicht nur selbst im Weg. Wir bereiten uns auch gegenseitig eine Menge Kopfzerbrechen und Herzleid. Wenn es uns Menschen gelänge, mit unterschiedlichen Sichtweisen sozialverträglich umzugehen, wäre die Welt definitiv ein besserer Ort. Aber warum fällt es so schwer, gut miteinander umzugehen, wenn wir anderer Meinung sind? Worüber streiten wir besonders gern und oft – meist lautstark und voll unangenehmer Emotionen? Welche Verhaltensweisen sind eigentlich sinnlos, obwohl sie uns nahezu tagtäglich begleiten? Und vor allem: (Wie) Geht es auch anders?

Der Beitrag „Streit oder Diskussion?“ wurde am 27.02.2018 auf ORF 2 in „Mittag in Österreich“ ausgestrahlt: http://tvthek.orf.at/profile/Mittag-in-Oesterreich/13887636/Mittag-in-Oesterreich/13967537/Nana-Walzer-Kommunikationsexpertin-Streit-oder-Diskussion/14253276

Und für alle, die das Zeitfenster der TV-Thek verpasst haben oder die gleich lieber nachlesen:

Worüber streiten wir uns, wenn nicht um des Kaisers Bart?

Gründe für Konflikte gibt es scheinbar wie Sand am Meer, aber eigentlich sind es nur drei Bereiche, die uns schnell einmal aufregen: Wir streiten uns besonders gern, wenn es um Unterschiede in den Bedürfnissen, Wünschen, Erwartungen und Zielsetzungen zwischen zwei Menschen oder Menschengruppen geht. „Wer bekommt, was er will?“ lautet bei diesen Konflikten die Grundfrage.

Zweitens sind wir vielfach über die Methoden, also über den besten Weg zu einem gewissen Ziel zu kommen, uneins. Hier kommen unsere Einstellungen und Werte ins Spiel: Was empfinden wir als fair und was als unfair? Wie definieren wir richtig und falsch? Welches Vorgehen funktioniert am allerbesten? Welche möglicherweise untragbaren Konsequenzen können im Zuge einer Entscheidung entstehen? Unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Prägungen liefern uns den Hintergrund für weit auseinanderklaffende Ansichten. Leider sind an sie individuelle Hoffnungen und Ängste geknüpft, die einem selbst oft selbstverständlich erscheinen, aber für andere nur schwer nachzuvollziehen sind – vor allem dann, wenn diese darunterliegenden Gefühle nicht ausgesprochen werden. Solche divergierenden Ausgangspositionen verleiten uns dazu, mitunter heftig am eigentlichen Thema vorbei zu streiten. Oft würde es an der Stelle darum gehen, angehört und in den eigenen Sichtweisen und Empfindungen anerkannt zu werden. Dann erst kann der Inhalt wieder in den Mittelpunkt rücken.

Und zu guter Letzt sind es auseinanderdriftende Prioritäten oder Hierarchien, die Differenzen verursachen. Dem einen ist etwa die Beziehung wichtiger, dem anderen die Arbeit. Einem die Familienzeit, anderen die Freizeit alleine oder mit Freunden. Und wer wo in der Hackordnung steht, das ist ein Thema, das wohl die meisten in Beziehungen aller Art, sei es in der Familie oder der Arbeit, auf Trab hält. Wer darf entscheiden? Wer kann wem etwas anschaffen? Wer muss gehorchen und darf nicht mitreden?

All diese Themen lassen sich gar nicht so einfach ruhig diskutieren und verleiten uns leicht zum miteinander Streiten.

Worin liegt der Unterschied zwischen einem Streit und einer Diskussion?

Beim Streiten kochen die Gefühle leicht einmal über oder es wird schnell untergriffig. Wir fühlen uns vom anderen angegriffen, abgewertet oder ignoriert. Das Resultat ist, dass wir „aus der Haut“ fahren, „rot sehen“, uns aggressiv oder defensiv verhalten.

Beim Diskutieren stehen es aber weniger die Gefühle, weniger die eigene Stellung als Person oder das Selbstwertgefühl der Beteiligten im Zentrum. Vielmehr geht es in einer Diskussion ums recht(er) haben auf Basis des besseren Arguments.

Was macht eine gepflegte Diskussion aus?

Wer nicht nur streiten kann, sondern zu diskutieren versteht, vermischt die Beziehungs- und die Sachebene nicht so leicht, wie es beim Streiten fast automatisch passiert. Es stehen eher die Inhalte als die Gefühle eines Menschen oder die Beziehung zueinander im Zentrum. Dabei geht es nicht darum, das Persönliche, sämtliche Gefühle und die Beziehungsebene zu ignorieren oder zu verdrängen. All diese Komponenten gehören ebenso wahrgenommen, sie sollten aber die sachorientierte Unterhaltung nicht so stören, dass das Gespräch aus dem Ruder läuft. Dazu braucht es eine gewisse emotionale Reife: Wahrnehmungsvermögen nach innen und außen, den Willen zur ungeschönten Selbsterkenntnis und die Fähigkeit zur Gefühlsregulation.

Wenn eine Diskussion in diesem Sinne gelingt, also sachlich geführt werden kann, dann hört man dies auch am Tonfall. Er kann zwar aufgeregt sein, muss aber nicht aggressiv oder anklagend werden.

Was genau versteht man unter einer Diskussion?

Diskutieren bedeutet schlicht „seine Meinung austauschen“, etwa um ein Problem oder einen Vorschlag aus verschiedenen Blickwinkeln zu erörtern. Es geht dabei primär um ein Thema, das untersucht wird, indem jede Seite ihre Argumente dazu beiträgt. Ein Argument ist übrigens eine Aussage zur Begründung oder Wiederlegung einer Behauptung. Es können für eine nachvollziehbare Begründung zum Beispiel wirtschaftliche, technische, menschliche, organisatorische und Umweltaspekte herangezogen werden. Also alles, was etwa finanzielle Faktoren oder die Machbarkeit betrifft, den sozialen Nutzen, die Zeitersparnis oder Nachhaltigkeit uvm.

Die Beweisführung sollte dabei aus richtigen, belegbaren Zahlen, Daten, Fakten und Aussagen bestehen. Diese sollten aus einer qualitativ hochwertigen Quelle stammen (etwa aus Wissenschaft, Qualitätspresse, Fachliteratur, Expertenmeinungen, gesellschaftlichen Normen oder natürlich auch aus eigener praktischer Erfahrung und mit eigenen Augen beobachtbaren Entwicklungen). Die Nacherzählung der Meinung eines anderen liefert kein starkes Argument. Die Güte eines Argumentes bestimmt zum Ersten genau diese nachweisbare Realitätsabbildung, zum Zweiten das nachvollziehbare Vorbringen des Arguments und zum Dritten das Fehlen von überschäumenden Gefühlsinterpretationen oder anderen unzulässigen Bedeutungsauslegungen.

Wie sehen die „Goldenen Grundregeln des Diskutierens“ aus?

  1. Die erste Regel besteht darin anzuerkennen, dass zwei Menschen unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen und Meinungen haben können – und dass dies völlig normal ist. Es kann sogar ein einzelner Mensch verschiedene Standpunkte und Perspektiven einnehmen, die sich widersprechen. Man selbst bzw. die Gruppe, der man sich zugehörig fühlt, muss daher nicht immer recht haben oder richtigliegen. Je nach Situation und Bezugsrahmen können unterschiedliche Sichtweisen nachvollziehbar werden. Natürlich wollen wir alle Bestätigung und Anerkennung erleben und nicht kritisiert werden oder mit der Nase darauf gestoßen werden, dass wir Unrecht haben. Aber genau diese Fähigkeit zur Selbstkritik, zum Anerkennen, dass wir nur eine Meinung unter vielen möglichen vertreten, macht uns erst diskussionstauglich. Wir können erst an dieser Stelle von der Frage des Selbstwertes absehen und zugeben, dass wir auch mal danebenliegen können. Wir müssen also nicht Recht haben, nicht Gewinnen, nichts beweisen. Ab hier kann die persönliche Ebene von der inhaltlichen gut getrennt werden. Man kann einen Interessenskonflikt lautstark oder über einen langen Zeitraum austragen, und einander zugleich mögen. Oder man kann einander nicht leiden und zugleich derselben Meinung sein.
  2. Sobald diese grundsätzliche Erkenntnis bei zwei Menschen oder in einer Gruppe angekommen ist, ist es Zeit für die zweite Regel: Beide Seiten sind bereit, die Meinungen des anderen anzuhören und durchzudenken. Die Diskussionspartner gehen nicht sofort in die innere Abwehr, suchen weder Rechtfertigungen noch Gegenargumente. Sie sind offen für neue Perspektiven und versuchen den dazugehörigen Bezugsrahmen – etwa Hintergründe, Zusammenhänge und historische Entwicklungen – nachzuvollziehen.
  3. Die dritte Regel: Es werden sinnvolle Begründungen vorgetragen und am besten mit Beispielen erläutert. Ein starkes Argument lässt sich gut belegen und ist nachvollziehbar.
  4. Viertens: Der Verzicht von unfairen Kommunikationsmitteln. Keine unzulässigen Verallgemeinerungen oder Verkürzungen, keine spekulativen Interpretationen, schon gar keine Drohungen, leere Versprechungen, verzerrende Gefühlsfärbungen oder andere Formen des manipulativen Verbiegens eines Inhaltes, nur um zu Gewinnen oder zu Überzeugen.
  5. Fünftens: Es muss keine Einigung erzielt werden und keine Lösung herauskommen. Auch muss kein Kompromiss geschlossen werden. Die Diskutanten können unterschiedlicher Meinung bleiben. In jedem Fall haben am Ende einer gut geführten Diskussion alle Beteiligten über den eigenen Tellerrand geblickt, ihren Horizont erweitert und etwas dazu gelernt. Daher ist es auch so wichtig, an vielen Diskussionen aktiv oder als Zuhörer teilzunehmen. Sich mit mehreren Zugängen zu einem Problem auseinanderzusetzen fördert unter anderem die Fähigkeit, mit der Vielschichtigkeit der Wirklichkeit besser umgehen zu können. Wir werden dann weniger anfällig für Manipulationen aller Art, etwa für leere Versprechungen, Angstmacherei oder simple Lösungsvorschläge für komplexe Probleme.

 

 

Special Screen Script No 1: Über dem Brillenrand

2018 wird anders. Ganz anders. In diesem Blog dreht sich nun alles ums Nach-lesen zum Fern-Sehen. Denn dieses Jahr sind so einige TV-Beiträge mit meiner Wenigkeit geplant. Um der Schnelllebigkeit des Mediums Rechnung zu tragen, sowie um den mitunter hintergründigen Inhalten gerechter zu werden, können hier nun die Beiträge in aller Ruhe und in ihrer ursprünglichen Form erlesen werden…

Den ersten Artikel liefert das Interview über „Erwartung und Enttäuschung“ in Daheim in Österreich vom 04. Jänner 2018. Einige Tage noch hier zu sehen: http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13959808/Talk-mit-Kommunikationsexpertin-Nana-Walzer/14210602

Und dies ist das originale, dem Interview zugrunde liegende Skript dazu:

Warum erwarten wir überhaupt etwas? Und wozu sind Enttäuschungen gut?

Unsere Erwartungen schenken uns Orientierung im Alltag. Sie sind der Maßstab, mit dessen Hilfe wir beurteilen, ob uns etwas gefällt oder nicht, angenehm ist oder nicht, wir es gut finden oder nicht. Und mitunter bescheren sie uns auch Enttäuschungen. Ja, das eine bedingt das andere. Ohne Erwartungen gäbe es auch keine Enttäuschungen. Dabei ist interessant, dass unsere Erwartungen stets auf einem von 2 Gefühlen basieren: sie werden entweder von Angst oder von Hoffnung gespeist.

Wir alle wollen unsere Erwartungen erfüllt wissen – und zwar egal, ob sich damit unsere Ängste oder unsere Hoffnungen bestätigen. Gehen unsere Erwartungen in Erfüllung, so haben wir das Gefühl der Kontrolle, das Gefühl, dass unsere Sicht von uns selbst und der Welt richtig ist, das alles „stimmt“.

Da wir uns selbst unseren Erwartungen, insbesondere den Gefühlen dahinter, also der Angst und der Hoffnung gemäß verhalten, beeinflussen wir unsere Wirklichkeit mit. Sind wir oftmals ängstlich, machen wir uns viele Sorgen, dann sehen wir auch sprichwörtlich schwarz: wir erleben die Welt bedrohlicher und machen negativere Erfahrungen. Suchen wir hingegen nach Hoffnung, sind wir optimistisch eingestellt, dann leben wir auch glücklicher (dies wurde in vielen Studien bewiesen). Man kann sich aber nun nicht einfach einbilden, ab jetzt positiver zu denken und „einfach“ hoffnungsfroher zu werden. Erwartungen erwachsen aus zum Teil lebenslangen Gewohnheiten, sie sitzen tief. Um sie zu verändern brauchen wir die Erwartungsenttäuschung!

Werden unsere Erwartungen nämlich nicht bestätigt – egal ob positive oder negative  – so sind wir enttäuscht, da wir das Gefühl haben, unsere Wirklichkeit nicht mehr zu kennen. Es kommt anders, als wir denken. Wir merken, dass wir uns getäuscht haben. Das irritiert, verstört. Im besten Fall ist dieses Gefühl der Dissonanz zwischen der eigenen Weltwahrnehmung und der Welt an sich eine gute Gelegenheit, die eigenen Gewohnheiten zu reflektieren und zu erkennen, was man vielleicht in seiner Selbst- und Weltsicht verändern möchte. Meistens aber ärgern wir uns, werden frustriert, traurig oder fühlen uns schlicht einsam. Wir gehen in den Rückzug oder in die Abwehr, sind enttäuscht von der Welt und den Menschen statt animiert, etwas an uns selbst zu verändern.

Warum schrauben viele Menschen ihre Erwartungshaltung so hoch, dass sie von der Realität fast nur enttäuscht werden können?

In unseren Erwartungen spiegelt sich unser Wertesystem – und damit kommen auch unsere Idealvorstellungen ins Spiel. Was wir für besonders schön, anziehend, attraktiv, sprich: wünschenswert halten, das wollen wir auch erleben. Wir vergleichen uns mit ewig jungen und schlanken Supermodels, wollen wie Spitzensportler durchtrainiert und leistungsfähig sein, wären gern Wirtschaftsbosse oder Helden unserer eigenen Filmreihe. Das „sich-nach-oben-ausrichten“ kann uns durchaus einen Energieschub geben, wir stecken uns Ziele, haben durch die anvisierten Vorgaben eine Richtung und einen gewissen Druck und Schub, diesen Weg zu gehen und die Zielsetzungen zu erreichen.

Aber wenn die Ideale allzu weit von unseren realen Möglichkeiten und den Umständen, in denen wir leben entfernt sind, dann wird der Weg zum Ideal sehr hart, ist von Enttäuschungen gezeichnet oder aber wir handeln, um etwas Bestimmtes zu erreichen, völlig gegen unsere eigenen Wertvorstellungen – und sind dann von uns selbst enttäuscht.

Doch wer hätte es für möglich gehalten: genau hierin liegt der Nutzen von zu hohen Erwartungen! Denn was zum einen eine Wunschvorstellung ist, ist zum anderen ein Ziel, dass es absichtlich, wenn auch unbewusst, nicht zu erreichen gilt. Unsere Erwartungen werden nämlich von unserem Selbstbild getragen. Wir leben nach Leit- und Glaubenssätzen, die uns nicht immer bewusst sind. Sätze wie „das kann ich nicht“, „ich bin nicht klug/schön/dünn genug“ oder „das ist mir zuviel“, „ich schaffe das soundso nicht“ etc. flüstern uns aus dem Unterbewusstsein wie Souffleusen beim Theater ein und beeinflussen unser Verhalten stärker als die Wunschvorstellungen es vermögen. Auch hier können Enttäuschungen wie der x-te nicht gelungene Versuch abzunehmen ein Wegweiser sein, unsere Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster in der Tiefe unseres Seins zu erkennen. Wer glauben wir zu sein? Welches Selbstbild glauben wir immer und immer wieder bestätigen zu müssen?

Fazit ist: Indem wir unsere unrealistischen Erwartungen nicht erfüllen können, bestätigt sich unser (in diesem Fall negatives) Selbstbild. Wir gewinnen dadurch den Eindruck, die Welt ist „in Ordnung“, weil alles so ist, wie wir es unterbewusst erwarten. Wir glauben zu wissen, wer wir sind, bloß weil das Ergebnis für uns „intuitiv“ vorhersehbar war.

Geht es vielleicht auch ganz ohne Erwartungen? Können wir „wunschlos glücklich sein“? 

Ja, Erwartungsenttäuschungen lassen sich durch Erwartungslosigkeit vermeiden. Erwartungen sind wie eine Brille, durch die wir das Leben sehen – mit einem schwarzen und einem rosa gefärbten Brillenglas. Je nach Persönlichkeit und Prägung sehen Menschen öfter angstbesetzt (durch die dunkle Seite der Brille) oder hoffnungsfroh (durch die rosa Seite der Brille) auf sich und die Welt. Diese Brille wird von vielen nicht einmal wahrgenommen. Aber sie bestimmt zum größten Teil, was wir wahrnehmen und wie wir es sehen, also welche Bedeutung wir dem Erlebten verleihen. Die Welt an sich spielt sich jedoch zu 99,999% außerhalb unserer eigenen Brille ab – ob wir dies nun wollen oder nicht. Man muss innerlich erst einmal dazu bereit sein, die eigene Brille wahrzunehmen und abzunehmen um zu entdecken, was tatsächlich der Fall ist. Im Gegensatz zu alldem, was man bisher erlebt hat, weil man es so seinen Erwartungen gemäß sehen wollte.

Um den Mut aufzubringen, die Brille abzunehmen und um die Wirklichkeit auszuhalten, die so völlig eigenständig ohne unser Zutun ist, wie sie ist, braucht es nur eine Fähigkeit. Die hat es aber in sich. Ich nenne sie „Urteilsfreiheit“. Es ist die Fähigkeit, Dinge und Menschen nicht zu bewerten. Wenn sie alle Menschen entwickelt hätten, so wären die von uns, die zum Glücklichsein fähig sind, weil sie darin geübt sind, wunschlos glücklich. Die unter uns, die es gewohnt sind, die dünkleren Farben der Gefühlswelt stärker zu spüren, würden sich dieser, ihrer Eigenart bewusst. Aber beide Seiten der Menschheit, die Frohgemuteren und die Zweifelnderen müssten ihre Erlebnisse und sich selbst – egal ob sie ihren Vorstellungen entsprechen oder nicht – nicht (mehr) bewerten, weder ab- noch aufwerten. Der Kampf ums Rechthaben, vor sich selbst und mit anderen, hätte ein Ende.

Über Urteilsfreiheit können wir ein Stück weit mehr innere Freiheit und Selbstakzeptanz erlangen. Wollen wir darüber hinaus unsere Gewohnheiten, alles eher düster oder zu zuckerlrosa zu sehen verändern, so gilt es, die Brille, durch die wir wie selbstverständlich schauen, Stück für Stück zu erkennen. Werden wir uns unserer Erwartungen bewusst, gewinnen wir Freiraum fürs so-Sein. Wunschlos Sein…