Sunny Side Step 3: Mehr Mensch – Mehr Leben

Das Wunder Menschlichkeit

Jeder von uns hat eine persönliche Sammlung an Erlebnissen, die uns unter die Haut gehen. Im besten aller Sinne. Erlebnisse, in denen Menschen uns unvermutet gut getan oder uns nahe gekommen sind – oder in denen wir anderen tiefe Verbundenheit vermittelt haben. Solche Augenblicke der Menschlichkeit haben etwas gemeinsam: es geht in ihnen nicht um konventionelle Höflichkeit, nicht um professionelle Dienstleitung, nicht um reine Verhaltensgewohnheit, nicht um Charity und sie sind auch nicht auf den Familien- und Freundeskreis beschränkt. Wundervolle menschliche Begegnungen holen uns aus dem Alltag, aus jeder Mühsal und aus unserem Fokus auf das zu-Erledigende heraus und reconnecten uns mit uns selbst, mit anderen, mit Unbekannten und Unbekanntem.

Menschlichkeit verbindet

Menschlichkeit vereint uns in der Tat, egal wie unterschiedlich wir sind. Wir erkennen gelebte Menschlichkeit an einer gewissen Präsenz, am Da Sein, am wachen Aufmerksamsein, an der Wertschätzung, an der respektvollen und einfühlsamen Begegnung auf gleicher Ebene, an dem Nichts-dafür-Wollen, also an der Erwartungslosigkeit, an der Selbstlosigkeit, an einer unverkrampften Selbstverständlichkeit, am Einssein mit dem, was gerade ist, und natürlich am wirksamen Tun – auch wenn es bedeutet, nichts zu tun, jemandem vielleicht nur in die Augen zu sehen, zuzuhören oder eine Hand hin zu halten.

Momente der Menschlichkeit machen das Leben erst lebenswert

Aber reife Menschen und mitmenschliches Verhalten sind leider keine Selbstverständlichkeit. Oft wird beklagt, dass es früher viel besser war, dass sich früher die Menschen noch zu verhalten wussten. Menschlichkeit darf aber m.E. nicht mit dem „richtigen“ Verhalten, mit rein äußerlicher, erlernter Höflichkeit und Angepaßtsein verwechselt werden. Die heutige Welt verlangt weit mehr. Die wechselhaften Lebensumstände und die vielen Möglichkeiten, sich in verschiedenen Umwelten aufzuhalten, verlangen von jedem Menschen sein persönliches Verhältnis zu sich, zu anderen und zur Umwelt zu entwickeln. Und zwar immer wieder neu. Wir alle brauchen ein tief empfundenes, für uns selbst wahres, eigenes Verständnis von etwa Respekt und Gleichbehandlung. Konventionen sind aus dieser Sicht quasi der Vorläufer des friedlichen Miteinanders. Menschlichkeit ist lebendiger als die Konvention, flexibler und stabiler zugleich: Es ist die bewusste Form und Fähigkeit, auch in den schwierigsten Umständen bei sich zu bleiben und eine Verbindung zu anderen herzustellen. Wer sich auf sich verlassen kann, weil er sich gut kennt, kann sich auch ein Stück weit verlassen, um sich dann auf andere tatsächlich einlassen zu können – und zwar ohne stets nur seine Sichtweisen und die eigene Geschichte überall zu sehen und auf jeden drüberzulegen, also ohne seine ungelösten Fragen und Themen auf alle anderen zu projizieren, um sie im Bestenfall im Diskurs erst zu erkennen.

Gelebte Menschlichkeit könnte das Ende von Kulturkämpfen bedeuten…

…und den Anfang einer Weltgesellschaft. Weil sich in jeder Verschiedenartigkeit das Menschliche finden lässt. So weit möchte ich gerne denken und so eine Entwicklung möchte ich gerne fördern. Als Herausgeberin dieser beiden Bücher habe ich ein Ziel vor Augen: Eine gelingende Gesellschaft, bestehend aus reifen Menschen. Die Reifung des Menschen geschieht ja sowieso im Umgang mit seinen Mitmenschen. Vorbilder, Regulative, Spiegel – wir können alles Mögliche für unsere Mitmenschen sein. Aber eines steht fest: wir lernen voneinander und miteinander, in der Begegnung, im Tun und Sein. Das ist vielleicht sogar die effektivste Art zu lernen. Unser Umfeld prägt uns und wir prägen es.  In dem Moment, wo ein Mensch die Verantwortung für den Umgang mit sich selbst und anderen übernimmt, kann es losgehen. Jeder kann mithelfen, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen miteinander reifen können.

Um ein gesundes Umfeld zu gestalten, brauchen wir heute keine blutige Revolution, wie es früher zur Zeit der Aufklärung vielleicht notwendig war. Vielmehr brauchen wir eine sanfte aber beständige Evolution der Menschlichkeit, um in einer rundum lebenswerten Welt anzukommen

Die Evolution der Menschlichkeit

Genau vor 2 Jahren, im März 2017, kam „Die Evolution der Menschlichkeit“, ebenfalls im Braumüller Verlag und unter dem Schirm des DRI – Human and Global Development Research Institute, heraus. Es ist ein grundlegendes Werk, in dem sich 20 WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen mit der Entwicklung von Mensch und Gesellschaft hin zu mehr (Mit-)Menschlichkeit auseinandersetzen. Im Nachwort kündigten wir eine vertiefende und vor allem praxisorientierte Fortsetzung an. Und nun ist es soweit: „Die Bildung der Menschlichkeit“ lehrt ein Leben der emotionalen Intelligenz, der sozialen Kompetenz, der Selbstverantwortung, der Reflexionsfähigkeit, des Handlungsspielraums im Angesicht des Unerwarteten und auch Unangenehmen – eben der menschlichen Reife. Wir brauchen heute ganz bestimmte Kompetenzen, um mit den ständigen Unterbrechungen und unplanbaren Veränderungen anders umzugehen, als gestresst zu sein und in die Abwehr, die Ignoranz oder den Kampf zu kippen.

Auch unsere Lebenswelt, das gemeinsame Europa, braucht reife Menschen 

Wir brauchen europäische BürgerInnen, deren Identitätsverständnis und Verantwortungsbewusstsein über die althergebrachten und gewohnten Grenzen hinausgewachsen ist. Und nicht nur im Sinne Europas, auch im Sinne der hoffentlich werdenden Weltgesellschaft meine ich: Wir alle wollen gesehen und behandelt werden als der Mensch, der wir tatsächlich sind. Wir wollen nicht mit unserer Schale, dem Äußeren verwechselt werden. Wir wollen nicht als Klischee eines Geschlechts oder Alters, als Stereotyp einer Hautfarbe oder Berufes, mit den Vorurteilen eines Herkunftslandes, einer Sprache oder an Hand von Kleidung oder Besitz beurteilt und behandelt werden. Nicht die Vorstellung von jemandem zählt, sondern der Mensch hinter aller Äußerlichkeit. Jemanden aber überhaupt so sehen zu können, durch die Äußerlichkeit aber auch durch die eigenen inneren vorgefertigten Schablonen hindurchsehen zu können, braucht menschliche Reife. Eine reife Gesellschaft, die friedlich in aller Vielfalt leben und miteinander wachsen möchte, braucht reife Menschen, die allzeit bereit und dazu in der Lage sind, zu sich zu finden und über ihre Vorannahmen hinauszuwachsen.

Was brauchen wir also, um diese Entwicklung anzustossen und zu fördern

Einen breit angelegten Reifungsprozess mit Hilfe ganz bestimmter menschlicher Kompetenzen, die man lernen kann und lehren sollte – und zwar geht das vom Mutterleib bis zum Sterbebett. Es ist nie zu früh und nie zu spät für mehr Menschlichkeit. Mit unserem Buch liefern wir daher Lern- und Lehrinhalte für alle Altersstufen und viele Lebenslagen – für sich selbst und für andere. Wie beim ersten Buch haben sich wieder gut 20 AutorInnen zusammengefunden um in „Die Bildung der Menschlichkeit“ Auszüge ihres großen Erfahrungsschatzes und ihrer besten Übungen und zur Verfügung stellen. Ob der Fülle des Materials und mit Blick auf die Ausrichtung an allen Lebensphasen, sind es letztlich zwei wunderschöne Teile geworden:

Teil I, „Die Bildung der Menschlichkeit für junge Menschen“…

…beleuchtet das Menschwerden von der Kindheit über die Jugendzeit bis zum beginnenden Erwachsenenalter, kurz gesagt von ca. 3-18 Jahren. Die Beiträge bieten praktisches Material für den Kindergarten und die Schulzeit und richten sich besonders an PädagogInnen und Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen der Elementar-, Primar- und Sekundarstufe arbeiten – und natürlich auch an Eltern. Die Lehrmaterialien können direkt im pädagogischen Umfeld angewandt werden. Die AutorInnen sind selbst erfahrene PädagogInnen und ExpertInnen und stellen best practise Beispiele, wirksame Übungen und bewährte Methoden zur Verfügung.

Teil IIDie Bildung der Menschlichkeit für Erwachsene“…

…befasst sich mit dem Menschsein im Erwachsenenalter. Die Beiträge liefern praktisches Material zur Bildung von (Mit)Menschlichkeit im Bereich humanitäres Engagement und Freiwilligenarbeit, in der Eltern- und Erwachsenenbildung, im Medienkontext, für den Umgang mit sich und anderen im Arbeitsleben, für effektives Selbstcoaching in kritischen Lebensphasen bis zum Umgang mit dem Sterben und mit Sterbenden. Auch hier bieten renommierte ExpertInnen und PraktikerInnen ein „Best of“ ihrer bewährtesten Methoden, Einsichten in die Essenz ihrer Lebens- und Arbeitserfahrung und natürlich eine Vielzahl praktischer und spannender Übungen. Letztere eröffnen effiziente Wege zum Selbststudium, für den Umgang mit sich und anderen in heiklen Lebensphasen, und im Trainings- und Bildungsbereich. Hierin legt der große Unterschied zu Teil I, der sich eher an PädagogInnen und Lehrende richtet. Teil II ist vollgepackt mit Material für jedermann und jede Frau, die mehr Menschlichkeit, eine bessere Verbundenheit zu sich, zu anderen und zur Umwelt erleben und leben will. Die Themen sind auch hier nach Lebensphasen geordnet und reichen von der vorgeburtlichen Phase über den menschlichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen im oft anstrengenden (Eltern-)Alltag, über mediale Verantwortung und die Bildung von interkultureller Kompetenz hin zur Achtsamkeit in der Arbeitswelt und zur Reifung des Selbst. Besonderes Augenmerk wird der Menschlichkeit an Hand der Herausforderungen ab der Lebensmitte, etwa mit dem Altern oder der Pensionierung, sowie am Lebensende gewidmet.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen, beim Leben und beim Schenken :-)!

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SPECIAL SCREEN SCRIPT 20: WIR SIND EUROPA(STAATSPREIS)!

Danke

Einen Preis verliehen zu bekommen ist definitiv etwas Besonderes. Ihn für eine Truppe engagierter Menschen für einen gute Zweck übernehmen zu dürfen, sogar tatsächlich eine große Ehre. Stolz erfüllt mich, nicht weil ich den in der Tat physisch durchaus mächtigen Preis (er)halten darf, sondern vielmehr, weil sich für europa.cafe so viele Freiwillige zusammengefunden haben, um in der Welt da draußen einen Unterschied zu machen.

Für alle, die nicht wissen warum und wozu es für uns einen Preis gab: Das europa.cafe ist eine Initiative von und für BürgerInnen, die strikt non-profit orientiert ist und von ehrenamtlichem Engagement lebt. Ein eigens zu einem mobilen europa.cafe umgebautes Kleinfahrzeug ermöglicht einen österreichweiten BürgerInnen-Dialog zu Europa. So können Gesprächssituationen über Europa dort stattfinden, wo die Menschen tatsächlich sind. Sie müssen nicht extra zu einer Diskussionsveranstaltung gehen – zu der sie vielleicht nie gegangen wären – und sie bekommen einen persönlichen guten Eindruck von Menschen, die sich pro-europäisch einsetzen. Bei einer guten Tasse Kaffee lässt es sich zudem ohne moralischem Zeigefinger ganz entspannt diskutieren. Freiwillige laden PassantInnen zu einem Gespräch über Europa ein, hören zu, nehmen Hoffnungen und Bedenken ernst und reden darüber, was Europa für sie ausmacht. Auch geben sie Auskunft darüber, wie Europa eigentlich funktioniert – wenn das gewünscht wird.

Das Konzept hinter dem Projekt lautet „Europa ist auch Dein Kaffee!“. Meiner Meinung nach gibt es kein Europa ohne Europäische BürgerInnen. Dazu ist wichtig, dass wir alle uns als solche verstehen (lernen) und die gemeinsame Verantwortung für eine gelingende Zukunft übernehmen (lernen). Das gesamte Projekt wurde von Daniel Gerer, Leiter von Europe Direct Wien, und mir entwickelt. Es ist der Zusammenarbeit von Europe Direct Wien, dem Europe Direct Netzwerk Österreich und vielen pro-europäischen NGOs zu verdanken, dass europa.cafe den Europa-Staatspreis 2018 erhalten hat. Einen der wichtigsten Beiträge, nämlich das Stellen von Freiwilligen für die Diskussionen auf der Strasse, haben die Jungen Europäischen Förderalisten und ihre Mitgliedsorganisationen AIESEC, Europäisches Jugendparlament und DebattierKlub geleistet.

Bitte

Es ist schlichtweg fatal, wenn sich die europäische Bevölkerung als Opfer und als durch „die EU“ fremdbestimmt empfindet,

  • ohne zu verstehen, wie das gemeinsame Europa eigentlich genau funktioniert
  • ohne anzuerkennen, dass alle Staaten zusammen „die EU“ ausmachen, und
  • ohne etwas dazu beizutragen, Europa aktiv nach ihrem Wunsch zu gestalten.

Unsere Ziele liegen daher im Fördern von Verständnis und Identifikation für und mit Europa. Wir bieten bei einem Becher Kaffee unaufdringlich Hilfestellung zur Entwicklung eines Europäischen Selbstverständnisses und unterstützen die Selbst- und Mitverantwortung für unser Europa durch seine/ihre BürgerInnen. Wobei es nicht darum gehen kann, „die EU“ zu bewerben oder zu verteidigen. Jedes große Projekt ist in einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung zu verstehen. Und wir können dabei helfen, etwas Gutes daraus zu machen oder das im Werden Begriffene für egozentrische Zwecke missbrauchen, konstruktive Schritte blockieren und bisher Erlangtes zerstören. Wir BürgerInnen bestimmen massiv mit, welcher Weg beschritten wird. Wir treffen sprichwörtlich die Wahl.

Es sind auch die einfach hingenommene Selbstverständlichkeit eines funktionierenden gemeinsamen Europas oder die unreflektierte Ignoranz der gemeinsamen Herausforderungen, ein vielfach  gewohnheitsmäßig aus dem Umfeld übernommenes Gefühl der Abwehr oder das Misstrauen gegen ein „neues“ größeres Ganzes sowie die Einfachheit des „Feindbildes EU“, dem man alle unangenehmen Entwicklungen in die Schuhe schieben kann, denen mit fundierter Information und positiver Emotion entgegenzutreten sind. Es geht um unsere Welt, unser Europa, unseren Lebensraum, unser gutes Miteinander, unsere gemeinsame Zukunft! Europa braucht uns Europäische BürgerInnen.

Für unser gemeinsames Europa einzutreten ist nicht nur der Drive für dieses Projekt, sondern auch noch für viele weitere, etwa im Rahmen einer neuen Initiative namens Europe United, der ich vorstehen darf (check it out: www.europeunited.eu)….

Und überhaupt…

Meine Motivation in der Europafrage aktiv zu werden, resultiert aus der Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre. Wir alle, jeder einzelne von uns, scheinen schon seit einigen Jahre zunehmend an einem Scheideweg zu stehen – die gesellschaftliche Spaltung zeugt eindrucksvoll bei jeder Wahl von dieser Entwicklung:

Entweder wir sind für einen Regress, etwa den Rückschritt zur Nation, für die Abschottung von der Welt, für die Ignoranz von Leid oder gar für Gewaltanwendung zur Abwehr von Neuem und (menschlich) Notwendigem. So landen wir auf Dauer (wieder) in einer Welt, die nach dem Motto „jeder gegen jeden“ funktioniert.

ODER wir sind für Progress, für Weiter-Entwicklung, in Offenheit, mit einer Haltung der Konstruktivität und Lösungsorientierung – und treten so für ein Miteinander und eine gemeinsame Zukunft ein.

Das scheint heute die fundamentale Grundsatzentscheidung zu sein, die die Geister scheidet. Regress oder Progress. Wir haben die Wahl. Und genau diese Wahl bewusst zu treffen, Menschen zur aktiven Auseinandersetzung anzuregen, damit sie verstehen, dass sie

  1. eine Wahl haben und
  2. was diese Wahl für die Gegenwart und die Zukunft bedeutet – für die Rahmenbedingungen, in denen wir alle leben, für unsere tägliche Lebenswelt –

treibt meinen freiwilligen Einsatz für Europa an.

…jetzt aber!

Wir alle sind Europa, das muss uns bewusst sein.

Wir bestimmen, in welcher Welt wir leben wollen, welche Rahmenbedingungen wir zulassen, und diese Verantwortung sollten wir, die Europäischen BürgerInnen, offenen Auges annehmen.

Handeln wir danach.

 

Inhalte aus Interviews im Zuge der Preisverleihung zum Europa-Staatspreis 2018, am 16.10.2018 im Österreichischen Außenministerium

SUPER SIMPLE SOLUTION No 25 – Wie Wünsche Wahr Werden

Wünschel-Route

Welchen Weg müssen wir gehen, damit sich unsere Wünsche erfüllen, jetzt wo es das Christkind doch schon etwas länger nicht mehr gibt (schade eigentlich)? Was oder wer bestimmt, ob unsere Wünsche Wirklichkeit werden? Sollen wir es mithilfe des Gesetzes der Resonanz versuchen, also indem wir die Schwingung unseres Bedürfnisses mit der Schwingung einer andernorts vorhandenen Überfülle zu vereinen suchen? Sollen wir auf den günstigen Zufall hoffen oder ist doch eher das Schicksal der Vater aller Wunscherfüllung? Sollte gar die sagenumwobene Synchronizität die Mutter aller Verwirklichungskräfte sein? Mit ihr ist jene gleichzeitige und gegenseitige Verstärkung von menschlicher Fokussierung, sowie räumlichen, zeitlichen und situativen Gegebenheiten gemeint, die zu schwer nachvollziehbaren komplexen Ursache-Wirkungs-Interferenzen führt. Klingt alles samt irgendwie kompliziert, oder?

Ist denn wirklich wichtig, wodurch unsere Wünsche in die Realität transferiert werden? Ja, es ist. Denn wozu sollte ein Wunsch gut sein, wenn er unserer Kontrolle entrinnen, unserer berechtigten Hoffnung entfleuchen kann und wir letzten Endes enttäuscht werden? Wäre es unter diesen Umständen nicht viel einfacher, „einfach wunschlos glücklich“ zu sein, weil wir uns damit viele Frustrationen ersparen würden – und uns das Leben quasi aus dem Nichts heraus eines ums andere Mal positiv überraschen könnte? Nein, wäre es nicht. Wir sind Menschen, uns liegt das Hoffen, Wünschen und Sehnen im Blut, in den Genen: Wir streben nach mehr, nach angenehmer, weiter, schöner, gescheiter, jünger, besser, anders, nach unerreichbar. Wünschen ist wichtig, gerade weil wir unsere Wünsche niemals völlig befriedigen können. Unsere Unzufriedenheit ist eine starke Triebfeder für Entwicklung, für Neugierde. Die Spannung macht Lust auf Lösung, die Leere ruft nach der Fülle. Die Fülle schreit nach mehr, nach anders. Nicht nur zu Weihnachten. Aber wie sollen wir richtig wünschen, sodass wir nicht enttäuscht, sondern erfüllt, beglückt und überaus angenehm überrascht werden, und zwar immer wieder?

Der Weihnachtsmann oder das Christkind

Wer – wenn schon nicht was, also welche Methode – ist eigentlich für die Wunscherfüllung zuständig? Ist der Staat verpflichtet, alle seine Bürger lebensfähig zu erhalten? Sind die Eltern dazu verpflichtet, Kindern alle Träume zu erfüllen? Muss der Partner den Vorstellungen seines Gegenübers entsprechen? Wer macht uns froh und zufrieden und: muss er/sie das?

Auf diese Frage gibt es zweierlei Antworten, beide machen uns zumindest auf den ersten Blick nicht unbedingt rundum happy. Erstens: Es sind andere Menschen und ganze Systeme für das höchsteigene Wohl zuständig. Das ist schön, wenn diese die Verantwortung tatsächlich übernehmen. Es macht uns jedoch zugleich hochgradig abhängig von ihnen. Zweitens: Wir sind es selbst, die für unser Wohl und Weh zuständig sind. Das macht die Wunscherfüllung planbarer und überschaubarer, aber der Zufallseffekt ist wohl eher limitiert, ebenso wie alles, das außerhalb unseres naheliegenden Wirkungskreises aktiviert werden müsste. Und es ist durchaus befriedigend, Ziele zu erreichen, sich Geschenke zu kaufen, Wohnträume zu verwirklichen. Fühlt sich alles gut und richtig an, sofern es uns gelingt, unsere Vorstellungen in die Realität umzusetzen. Viel zu oft hinterlassen aber gerade die hart erarbeiteten Ziele eher das schale Gefühl eines abgehakten Etappenziels auf dem Weg ins Nirgendwo. Wie also richtig wünschen?

Wunscherfüllung, aber richtig

Praktisch wäre folgende Einstellung:

Nichts von anderen erwarten und sich über alles freuen, was da kommt.

Alles von sich selbst erwarten und sich stets wundern, wenn es anders kommt.

Aber wer lebt schon so? Erwarten wir nicht immer mehr von anderen, als diese uns bieten oder liefern (können)? Das Resultat sind wiederkehrende Ent-Täuschungen. Und erwarten wir andererseits nicht meist mehr von uns selbst, als wir in der Lage sind zu erfüllen? Wobei uns das meist sauer auf uns selbst macht. Beides, die Frustration und die Unzufriedenheit mit oder sogar Wut auf sich selbst und andere, sind Gefühlszustände, die weitab von der wunschverwirklichenden Strahlkraft liegen, wie sie etwa in „The Secret“ beschrieben wird. Spüre dein Wunschziel in dir – dann geht es in Erfüllung, magisch angezogen durch deine Ausstrahlung. Hach schön wär‘s. Denken wir aber beim Wünschen versehentlich eher an den Mangel als an das Ziel (und das geschieht leider viel zu oft), dann wird das Mangelbewusstsein gestärkt und uns zu noch mehr Mangelzustand führen (in beiden Fällen wirkt das „Gesetz der Bestätigung eigener Vorannahmen“, vulgo: die selffulfilling-prophecy). Wünschen wir uns mehr Geld oder endlich den richtigen Partner? Schwupps, schon sind wir in der Mangelfalle. Tun wir hingegen so, als hätten wir alles Geld der Welt, werden sich voraussichtlich unsere Schulden erhöhen. So will das mit dem Wünschen irgendwie nicht klappen.

Was wirklich wirkt

Wollen wir ein Leben in der Fülle, im Wohlgefühl mit uns selbst und der Welt führen, dann gilt es, diesen Zustand in uns selbst herzustellen. Punkt. Alles andere, also Wunscherfüllung und Wohlgefühl von außen und anderen und in Form bestimmter Dinge ist ein Geschenk, das wir dankbar annehmen oder ablehnen können. Hilfreich dabei ist es anzuerkennen, dass der Mensch nicht auf dauerhafte Zufriedenheit und Glücks-Hochs gepolt ist. Wir leben recht gut und vor allen gewohnheitsmäßig in der Qualität des Auf und Ab, des Angenehmen und Unangenehm, des Kalt-Warm. Ohne das eine wäre das Erkennen und Wahrnehmen des anderen gar nicht möglich. Wären wir keine Wesen der Polarität, der Hochs und Tiefs, dann würden wir in der ewigen Mitte, in der reinen Gelassenheit, in der völligen Unberührbarkeit verweilen. Seien wir uns ehrlich, wer will das schon? Also: Rein in die breite Farbpalette des Lebens, der Gefühle, des Wünschen und Sehnens, Freuen und wieder Loslassens.

In einem Zustand der erwartungsfreien Offenheit wird es möglich, so tief in sich hinein zu spüren, dass wir herausfinden, was wir gerade brauchen, nicht was wir wollen. Unsere Wünsche verdecken unsere Bedürfnisse nur allzu oft. Wir können mit etwas Einfühlung auch leicht erkennen, welche unsere ureigenen Wünsche sind und welche wir von anderen übernommen haben (von Menschen aus unserer Vergangenheit, aus Medien, von unserer Umgebung). So viele Wünsche gehören uns gar nicht. Welch unglaubliche Erleichterung!

Wir können uns in dieser frischen Unvoreingenommenheit dazu entscheiden, den Wunsch eines anderen Menschen für ihn wirklich werden zu lassen – wir sind dann sein Christkind, Schicksal, Zufallsmoment. Wir müssen aber nicht. Früher oder später führt ein solches Handeln zur Erfahrung, dass das eigene Wünschen reiner, schöner Selbstzweck sein kann. Das Wünschen selbst macht dann Freude, unabhängig von der Form oder der Art und Weise der Wunscherfüllung: Im Spagat zwischen dem tatsächlich Machbaren (etwa einem Wochenende in einem schönen Hotel) und dem idealen, unerreichbaren Zielbild (beispielsweise einem Schloss in Südfrankreich) liegt ein freudvolles Reich an Möglichkeiten und Varianten, die Palette der Annäherung und Distanzierung vom Idealwunsch auszukosten. Sich für keine Möglichkeit zu verschließen („das geht ja eh nicht“) und sich an keine Variante zu klammern („Es muss unbedingt das Wasserschloss an der Loire sein“) hält uns im prickelnden Zwischenraum des Aussichtsreichen, ohne in die Sehnsucht des Abwesenden zu kippen. Hier, in diesem Zwischenreich mit 360 Grad Panoramablick in alle Realisierungsrichtungen erleben wir das Wünschen als Wunder-voll. Hier macht es tatsächlich nur Spaß und liefert fruchtbare Inspirationen für den tagträumenden Alltag und für die vorfreudige Planung der tatsächlichen Zukunft. Wunsch-voll glücklich lächeln wird dann aus der Fülle des Abwesenden, Vorgestellten und Realisierten heraus – alles und mehr kann kommen, so oder anders…