Surprising Salon Session No 13: Raumzeit – Das Maß aller Dinge

Raum: Der reine Luxus

In meinem großen Zimmer ruht eine uralte Wasserwaage. Sie liegt einfach so vor sich und mich hin. Doch ich weiß nicht wirklich, was sie misst. Da sollte wohl ein Luftbläschen anzeigen, wo die totale Mitte, die absolute Gerade, das eigentliche Soll  zu finden ist. Tut es aber nicht. Zumindest nicht, solange ich nicht die Perspektive wechsle und das Ding selber in die Hand nehme. Aus diesem einen, ersten Blickwinkel eröffnet sich mir folgender Gedankengang: Das Maß aller geradlinigen Dinge – das Bläschen heißer oder kalter Luft – dürfte über die Zeit hinweg irgendwie abhandengekommen sein. Wie im echten Leben. Immer weniger scheint uns mit fortschreitender Zeit klar zu sein, worin das Optimum, die ideale Gerade, der perfekte Zustand zwischen zu viel links oder rechts, zu viel vom einen und zu wenig von anderem liegt. Die Antwort liegt nahe: im Hier. Doch wo ist „Hier“? Und wie viel Platz ist im „Hier“ verfügbar? Wer kaum Raum zur Verfügung hat, dessen Gefühl für die eigene Mitte wird stark gefordert. Sei es das Gedränge in einem asiatischen Markt, die Enge in der economy class auf einem Langstreckenflug, das Behindertwerden im Weiterkommen durch einen Stau beim Autofahren oder auch der fehlende Rückzugsraum in einer geteilten Wohnung. Aber nicht nur fehlender Raum zur Bewegung oder zum Ankommen bringt uns aus der eigenen Mitte. Auch ein Raum, dessen Lebensqualität beschränkt ist verhindert, dass wir aus dem vollen Ganzen unserer Kräfte und Möglichkeiten schöpfen.

Ich schreibe diese Zeilen in einer Business Lounge am Flughafen von Bangkok. Der reinste Luxus. Nach massivem Stau auf den verstopften Straßen, dichten Menschenmengen in ewig langen Schlangen, die einen durch behördliche Irrwege und technisch-logistische Umwege quälen, nach fehlenden Sitzgelegenheiten zum Ausrasten und unendlich langen Gehwegen zum Nirgendwo-Ankommen ist die Business Lounge eine Oase all dessen, was schön und gut zu sein scheint: Leise, entspannt, kühl, leer, mit weichen Sesseln und vollem Büffet, sauberen Toiletten und lächelndem Personal. Daran könnte man sich schon gewöhnen. Doch ist das auch real? Wieviel Raumlosigkeit muss man erlebt haben, um eine solche Raumfülle ohne schlechtes Gewissen genießen zu können? Wo doch so viele andere kaum einen echten Lebensraum haben, sich keinen hochqualitativen Eigenraum leisten können – und nicht mal temporär, quasi auf der Durchreise ihres Lebens, jemals in den Genuss von sorgsam geschütztem individuell verfügbarem Raum kommen. Eigenraum ähnelt insofern den luxuriösesten materiellen Ressourcen – beide scheinen an Geld gebunden zu sein. Natürlich gibt es da noch den öffentlichen Raum, die Parks und Gärten, die Berge und Seen, Wälder und Wiesen. Vorübergehend können wir dort ankommen, uns an der Natur ausrichten und in unsere Mitte finden. Aber irgendwann mal müssen wir wieder zurück. In den mehr oder weniger vorhandenen Eigenraum, in unser eigenes Leben…

Zeitlosigkeit: Die reine Freude

Viel einfacher ist es da schon, dem Luxus der Zeit zu frönen. Zeit hat jeder, gehört jedem. Dafür brauchen wir kein Geld. Im Gegensatz zum Raum hat jeder Zeit, der gar kein Geld hat. Und natürlich jeder, der über ganz viel Geld verfügt. Doch gerade diese Zeitbesitzer – und zwar auf beiden Seiten – wissen nicht immer etwas Sinnvolles mit ihrer Zeit anzufangen. Viele verzweifeln richtiggehend an zu viel freier Zeit, an zu viel Eigenzeit, an einem übervollen Zeitbudget, das gerade nicht fremdbestimmt, vorbestimmt, verplant und eingeteilt ist. Diese Menschen zerbrechen mit der Zeit an sinnentleert erlebter Zeit (nicht nur in der Arbeit), oder aber an beziehungsloser Zeit (im Privatleben wie im Berufsumfeld). Zuviel Zeit in der Einöde des Eigenraums ist vielen Menschen ein Gräuel. Mir nicht. Ganz im Gegenteil. Das liegt aber daran, dass Zeit für mich ein nicht immer verfügbarer Luxus ist – wie für die allermeisten Menschen, die arbeiten, um zu leben. Als selbstständig erwerbstätiger Mensch habe ich einen gewissen Eigenraum und eine gewisse Eigenzeit zur Verfügung. Beide werden regelmäßig durch Verpflichtungen aller Art so eingeschränkt, dass ich die Zeiten ohne Aufgaben und den Raum ohne Menschen auch so richtig genießen kann. Wenn die Zeit fließt und ich mit ihr, dann ist das Leben ideal. Wenn der Raum wirkt und ich in ihm, dann bin ich nicht nur in meiner Mitte, sondern in der Mitte des Seins.

Zeitlosigkeit: Die reinste Qual

Andere hingegen haben schlicht gar keine Zeit. Das pure Überleben frisst sie auf. Für jene, die zugleich kaum eigenen Raum zu ihrer Verfügung haben, sollten soziale Programme greifen. Hier können die Mindestsicherung, Steuererleichterungen, Wohnprogramme, Arbeitnehmerschutz uvm zu mehr Zeit und Raum verhelfen. Für all jene aber, die sehr wohl über Raum aber kaum über Zeit verfügen, stellen sich andere Fragen: Wovor laufen sie weg, wenn sie sich im Eigenraum einigeln? Was versuchen sie zu erreichen oder zu beweisen, wenn sie ihr Zeitbudget ständig gnadenlos überziehen? Warum müssen und wollen sie ihren Lebensstandard mit ihrer Lebenszeit bezahlen? Und allen voran: Ist es das tatsächlich wert? Welchen Themen müssen wir uns stellen, sobald uns die Stille und die Leere eine Innenschau gewähren? Erst sobald gesehen und gefühlt wurde, warum das Laufen attraktiver als das Stehenbleiben wirkt, können sich neue Tore öffnen. Tore, die einen anderen Film laufen lassen. Unseren Film. Ein Film, in dem wir nicht nur Hauptdarsteller sind, sondern auch die Drehbuchautoren, Regisseure und Kameraführenden.

Möglichkeitsraum – Tatsächlichkeitszeit

Raum und Zeit nach eigenem Ermessen zur Verfügung zu haben – das sind die Luxusartikel unserer Tage. Raum zum Reisen, Zeit zum Schweigen. Raum zum Ruhen, Zeit zum Träumen. Raum zum Wirken, Zeit zum Reifen. Raum und Zeit, um Visionen zu entwickeln und zu realisieren.

Doch wer gibt uns diesen Raum, diese Zeit? Wieviel Geld brauchen wir für ein hochqualitatives Leben? Wieviel Ungerechtigkeit geht mit dem Vereinnahmen von Eigenraum und Eigenzeit einher? Mit anderen Worten: Wieviel soziale Verantwortung balanciert das Verweilen in der eigenen Mitte und das Auskosten der raumzeitlichen Möglichkeiten? Was kostet der Konsum von Raumzeit? Müssen dafür andere enger und schneller leben, haben sie weniger Möglichkeiten, wird ihr faktisches Leben tatsächlich beschränkter durch die Freiheit anderer? Wer trägt für die Zustände und Umstände dieser Welt, für die entgrenzten und die begrenzten Erlebniswelten in ihr eigentlich die Verantwortung?

Möglichkeit versus Geschwindigkeit

Die essenzielle Entscheidung zum Erleben von höchstmöglicher persönlicher Freiheit in Balance mit tragfähiger sozialer Verantwortung ist zweigestaltig. Die eine Hälfte betrifft das höchstpersönliche Erleben: Hier ist der Wunsch, die eigenen Grenzsetzungen zu erkennen  und neue Horizonte zu eröffnen ausschlaggebend. Die andere Hälfte betrifft die im persönlichen Einflussbereich befindliche Umwelt: Hier zählt der Wunsch, die inneren und äußeren Grenzen für andere zu verringern und ihnen ein Leben mit mehr Möglichkeiten als vorher zu eröffnen – in welcher Form auch immer. Es kann der Abbau geistiger, emotionaler oder physischer Limitationen sein, der mehr Raum für eine gesteigerte Erlebensqualität schafft. Etwa Bildungsmaßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung, die wiederum neue Türen im Inneren und Äußeren sichtbar machen. Natürlich kann auch das Verändern systemischer Strukturen dabei helfen, das Überlebensproblem besser lösen zu können. Den Möglichkeiten, die eigenen und die Begrenzungen anderer zu überschreiten bzw. aufzulösen sind keine Grenzen gesetzt. Auch keine zeitlichen. Es geht hierbei weniger darum, die Welt schnellstmöglich zu verbessern, als darum, die Perspektiven möglichst vieler Menschen, die zur Entgrenzung ihrer selbst und anderer bereit sind, zu verändern. Es geht also darum, einen sozialpolitischen Auftrag zu definieren – und zu erfüllen, nämlich Multiplikatoren der Entgrenzung zum Besten aller zu finden, wenn nötig auszubilden und bei der Verwirklichung zu unterstützen.

Lebensraum und Lebenszeit

Worum geht es in diesem Leben? Um Erfolg oder Erfüllung? Um minimale Leiderfahrung oder maximale Liebesempfindung? Um Wachstum oder Wirkung? Um Freiheit oder Verantwortung? Vielleicht um ein Leben ohne „oder“. Einmal Alles bitte. Und das für Alle. In Freiheit und Verantwortung für sich und andere, für Umwelt und Nachwelt.

Klingt aus dieser Perspektive doch gar nicht so unmöglich, oder?

 

Surprising Salon Session No 2: DIE TRUMPETE UND DER KNICK

Das Trumm des Tages

In meinem „Salon“ – dem großen Raum, in dem ich täglich schreibe und niemals schlafe, selten feiere und noch seltener fernsehe, meistens sitze und friere oder alternativ sitze und schwitze – da steht so allerlei herum. Wie auch dieses Trumm: Es tönt gar grässlich, wenn man darauf bläst. Daher hatte es meine Großmutter konsequenterweise auch einst aus dem Fenster geschmissen. Das war zu einer Zeit, als mein Vater noch ein des Trompetenspiels hartnäckigst unkundiger und zum lauten Getöse höchst williger Bub war.

Seither hat es, das Trumm, einen eleganten Knick im Rüssel, für den es sicher einen Fachbegriff gibt (für den Rüssel, nicht den Knick). Der Knick ist definitiv irgendwie cool. Wie eine wohlverdiente Narbe oder ein richtig böses Tattoo auf einer seidenzarten Pobacke. Er erinnert mich aus dem Augenwinkel – denn dort ist die Trompete platziert, schief stehend auf dem unbeachteten Flügel – ständig subtil daran, dass nichts im Leben wirklich glatt läuft. Mit einem Augenzwinkern sagt er, dass der Knick im Sein quasi mit eingebaut ist, serienmässig. Das Feature schlechthin, wenn man so will. Denn wer einen Knick hat, dem wird nicht fad. Und wer laut ist, der muss mit noch mehr Knicken rechnen. Der Lebensweg wird geradezu erst von Knicken ausgestaltet. Knicke werden Dingen und Menschen, Konzepten und Plänen, Erwartungen und Hoffnungen, Höhenflügen und Perfektionsvorstellungen immer wieder zugefügt. Knicke leiten hinein in die Realität, in den Tiefgang, ins Unglaubliche. Sie formen uns zu dem Menschen, der wir sind. Jeder Knick in unserer Optik bleibt erhalten – und sei es nur als Erinnerung. Ein Knick in der eigenen Optik, im Selbstbild und im Bild, das andere von uns haben, wird sukzessive eins mit dem Material, das uns ausmacht. Das muss uns nicht stören, das kann uns auch ehren.

Knickomat

Wir sind und wir werden immer wieder geknickt. Unser Blick fällt von ganz alleine auf die Knicke. In uns, um uns, bei anderen. Nicht das Gerade, Erwartbare fällt uns auf. Es ist das Außergewöhnliche, das uns unter Strom stellt, das die Alarmglocken zum Klingeln bringt. Es ist das nahende Ungeahnte, der nächste Knick im Lebenslauf, in der Gesundenakte, auf der Karriereleiter, im Beziehungsleben, der unsere Aufmerksamkeit magnetisch anzieht – weil er kommt. Und er kommt, weil er kommen muss. Der Fehlschlag ist der Große Bruder des Erfolges. Er lässt jeden Erfolg verblassen und damit zugleich über sich selbst hinaus wachsen. Wir überhöhen, was nicht (mehr) der Fall ist. Und wir konzentrieren uns auf das Unvollständige, das, was nicht sein soll. Meine Tante würde an dieser Stelle ihre Großtante und deren legendär einfache und zeitlos wahre Worten zitieren: „Immer is wos!“

Tröööt

Das Ding der Woche ist also ein(e) Trumm-Pete. Interessanterweise heißt mein Vater Peter. Er war einst also ein Trom-Peter. Aber zurück zum Eigentlichen. Der Knick und sein Grund. Der Grund war das Besonders Übel Laut Tönen, das Stören, das Unerträgliche Geräusch, das alle Aufmerksamkeit auf sich wie ein schwarzes Loch des So-Soll-Es-Nicht-Sein zog. Auch heute noch tönt es an allen Ecken und Enden unerträglich laut. In der Realität, im virtuellen Netz, in den Medien, in der Arbeit, in der Schule, zuhause beim Streiten. Menschen mit eigenen Meinungen haben die Macht, laut zu tönen. Aber sie nutzen diese Macht auffallend oft zum reinen Spaßhaben an der Lautstärke, zum puren Generieren von Aufmerksamkeit für sich anstatt zur Kommunikation hilfreicher Inhalte. Sie Trump-eten. Ja, auch der amerikanische Präsident stellt einen gewaltigen Knick in der Optik dar. Nicht nur der Optik Amerikas. Laut ist er, irgendwie verstörend. Aber aus dem Fenster werfen kann man ihn nicht. Er selbst hat wahrscheinlich auch den einen oder anderen Knick weg – oder vielleicht gerade nicht? Vielleicht ist er so ein lautes Trumpeltier, weil ihm noch niemand einen echten Knick verpasst hat, der ihn von der oberflächlichen Sucht nach Aufmerksamkeit in die Tiefe der Selbstbetrachtung geführt hätte? Oder bekam er ganz im Gegenteil schon ganz früh seinen Knick ab? Und versucht jetzt sich und der Welt zu beweisen, dass er die größte und lauteste Trompete von allen ist? Koste es, was es wolle – Fakten, Geld, Versprechen, Integrität, Zukunft – der Lauteste gewinnt. Und laut ist nicht nur, was eine hohe Dezibelanzahl hat (in der Sprache moderner Gesellschaften: viel gesellschaftlich-mediale Frequenz und Reichweite, sowie (gesellschafts-)politischen Einfluss). Laut sind auch besondere Störfrequenzen: Angst, Hass, Wut, Neid, Ekel – alle besonders unangenehmen Gefühle lösen das Gefühl, schwer irritiert und höchst unangenehm berührt zu werden aus. Störenfriede stressen uns. Sie zwingen uns zu reagieren.

Der Trick mit dem Knick

Und hier kommt der Trick mit dem Trump-Knick: Das unbestreitbar Störende, das offensichtlich Unglaubliche, das unfasslich Bedrohliche zwingt uns aus unserer eigenen Komfortzone hinaus und hinein in die Auseinandersetzung mit uns und der Welt. Indem die Trumpete selbst offenbar keinerlei Selbstreflexion, kaum einen Plan für die Zukunft und wenig Vertrauenswürdigkeit in die Welt trötet, löst sie in anderen all dies aus: Die Fragen nach dem „Wer sind wir und wer wollen wir sein?“, dem „Wo entwickelt sich die Welt hin und wo wollen wir überhaupt hin?“ und „Wie vermeiden wir den nächsten Knick?“ drängen sich uns geradezu auf. Und das ist gut so. Denn Die Menschheit hat jetzt noch die Chance, einen gemeinsamen Weg einzuschlagen und den Knick zu verstehen, zu sehen und zu ehren. Als Zeichen dafür, dass es anders geht und dass jeder, auch der nächste, Knick zu mehr Erfahrung und vertiefender Erkenntnis führen kann – wenn man dies denn so sehen will. Wir können auch einfach nur geknickt sein. Knick oder nicht Knick: wir haben (immer noch und immer wieder) die Wahl.

 

 

SUPER SIMPLE SOLUTION No 9 – Krieg und Frieden

Umbruch – Abbruch – Aufbruch

So kann es nicht weitergehen“, hört man diese Tage allerorts. Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Bildung, Sozialwesen, Gesundheitswesen, Pensionen etc. – lauter offensichtlich weder einfach noch schnell zu klärende Dauerbaustellen. Und im Verweilen inmitten eines scheinbar ewigen Prozesses, der ebenso scheinbar niemals zur Kraft einer notwendigen Erneuerung findet, klopft schon  ab und an die Frage an: Können systemisch notwendige Weichenstellungen überhaupt herbeigeführt werden, solange hauptsächlich systemerhaltende Kräfte an der Macht sind?

Doch braucht es tatsächlich ein „blaues Wunder“, das einer Kriegserklärung an die Vernunft und Menschlichkeit gleichkommt, um frisches Wasser auf die stockenden Mühlen der sukzessiven Veränderung zu gießen?

Noch pointierter gefragt: Brauchen wir unbedingt die Emotionen von Hass und Angst, um dem real vorhandenen Frust in der Bevölkerung, dem medial geschürten Eindruck der Hoffnungslosigkeit und vor allem der generell zu beobachtenden Orientierungslosigkeit lautstark Ausdruck zu verleihen?

Wer hat Macht?

Brauchen wir wirklich eine Art gewalt(tät)igen „Reset-Button“?

Eine solche Frage in Zeiten wie diesen zu stellen, klingt für viele leider gar nicht utopisch. Und das macht die Frage an sich durchaus gefährlich, was unseren lieben Frieden betrifft. Aber wäre eine alternative „sanfte Revolution“ ausreichend, um jene Funktionsweisen der auf kurzfristigen Profit ausgerichteten Finanzwelt und des auf kurz- und mittelfristigen Wählergewinn ausgerichteten Politzirkus, effektiv und grundlegend in Richtung Nachhaltigkeit und Menschlichkeit umzuformen? Es darf gezweifelt werden…

Im Zweifel jedoch liegt eine oft unbeachtete Kraft: Die Kraft zu hinterfragen, in welchen Händen die Macht liegt und liegen sollte. Liegt sie dort, wo sie bisher war, können viele davon ausgehen, dass ihre Interessen durch jene, die die Strukturen so wie sie sind mit aufgebaut und erhalten haben, gewahrt bleiben – und sich daher nicht allzu viel verändert. Logisch. Man kann nicht beides haben – alt und neu. Der Vorteil des „alten Systems“ liegt auch noch auf einer anderen Hand: Man darf darauf hoffen, dass sich die „alten Hasen“ auskennen, wie unser Staat denn so funktioniert und was daher „geht“ und was nicht. Viele bezweifeln aber zugleich und berechtigter Maßen, dass die seit Jahrzehnten schon als notwendig erachteten Reformen unter solcher Führung tatsächlich angegangen, geschweige denn umgesetzt werden. Der liebe Friede schürt also den brodelnden Kriegswillen.

Was anders wird, wenn nichts anders wird

Wenn es bloß so bleibt wie jetzt“ lautet die ängstliche Einstellung derer, denen es recht gut geht. „Frieden um jeden Preis!“ heißt für viele zwischen Optimismus und Pessimismus Unentschlossene das prinzipielle Motto, an dem sie sich orientieren. Für wiederum andere zeigt aber das Zünglein an der Waage zwischen Vertrauen und Aggression eindeutig nach rechts. Wenn nichts anders wird, werden diese Menschen mehr. „Jetzt ist Schluss!“ fordern sie, die nach Veränderung hin zu mehr Sicherheit und Klarheit streben. Aber welche Veränderung vermag diese Resultate zu erzielen? Zurück zur „guten alten Zeit“? Eine Illusion. Zeit läuft nicht rückwärts. Diese Menschen wollen eigentlich ein Gefühl von Sicherheit, und das um jeden Preis. Aber womit sie sich zufriedengeben ist leider bereits das Versprechen von Sicherheit. Denn es funktioniert auf der Gefühlsebene. Der Kopf allerdings kann nur schütteln: Ein solches Versprechen in veränderungsintensiven, wenig planbaren Zeiten! Reine Bauernfängerei. Oder? Starre Ideologien geben die entsprechenden Heilsversprechen ab – und sie können durchaus Systeme verändern. Hin zu weniger individueller Freiheit, weniger demokratischer Mitbestimmung, weniger Mitmenschlichkeit. Freiheit, Gleichheit und Mitmenschlichkeit sind keine relevanten Größen totalitärer Weltanschauungen. Sicherheit durch Kontrolle, Planbarkeit durch Ausgrenzung und Orientierung basierend auf Abwehr hingegen schon.

Daumen hoch für Daumenschrauben

Und obwohl viele wissen, dass die neuen alten Kräfte des blauäugigen Nationalismus oder des grünäugigen Weltverbessertums  neben frust-entlastenden Emotionen und vielversprechenden Grundsatzforderungen nur selten alltagstaugliche, praktikable Lösungen liefern, nutzen sie ihre Macht, den alten Nicht-Veränderern durch ihre Stimme zu drohen. Das ist ihr gutes Recht. Und es zwingt sogar alteingesessene Regierende in die Knie. Niemand kann sagen, wo uns das hin führt. Krieg oder Frieden?

Revolution und Evolution

Wo ist also eine Lösung in Sicht? Erst da, wo wir eine Lösung auch tatsächlich suchen. Jede Problemstellung braucht zunächst eine Zielvorstellung, um von beiden Punkten ausgehend einen Weg zur Lösung zu finden. Die Frage, die sich uns Wählern diese Tage stellt lautet weniger: „Blau oder Grün?“ In dieser Frage finden sich weder praktikable Zielvorstellungen, geschweige denn alltagstaugliche Lösungen.

Kehren wir also zunächst zum Ausgangspunkt zurück, indem wir fragen: „Was ist das Problem?“ Und auf einmal liegt die Antwort klar auf der Hand: Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit. Erlebt etwa am Arbeitsmarkt, geschürt vor allem durch das Feuer der Medien.

Daran anschließend stellt sich die entscheidende Frage: „Wie können wir in unserer Gesellschaft Stabilität, Aussichtsreichtum und klare Ausrichtung entwickeln?“ Ohne dazu das Blaue vom Himmel zu versprechen.

Wenn das Problem der vermeintliche Stillstand in allen eingangs erwähnten  Feldern ist – liegt dann das Ziel nicht erst recht in einer spürbaren Weiterentwicklung? Nicht im Rückschritt, nicht im Festhalten, sondern im lösungsorientierten Weiterdenken und Weitergehen? Aber wo sind sie, die Vordenker, die Systemwandler, die „gesellschaftsgenetischen Mutanten“ – die zugleich wissen, „wie der Hase läuft“? Wo sind die tatkräftigen Visionäre mit Systemerfahrung, die energiegeladenen „Start-ups“, geleitet von den „Business-Angels“ unserer Gesellschaft?  Sie existieren, aber oft sind sie Einzelkämpfer oder medial wenig beachtete Organisationen, jedenfalls nur selten öffentlich sichtbar in politischen Parteien oder Interessensverbänden organisiert.

Zukunftssicherung durch Vergesellschaftung

Wir miteinander!“ sollte nicht nur das Motto all jener lauten, die unsere Gesellschaft zum nachhaltig Besseren im Sinne der Menschlichkeit verändern möchten. Sie mögen sich zusammenschließen, medialen Einfluss gewinnen und politische Strukturen formen – vielleicht eine Art Zukunftsministerium gründen, in dem Arbeitskreise aus praxiserprobten nachhaltig-visionären Experten vereint und verschränkt arbeiten. Ein think- und do-tank. Hier können die notwendigen systemischen Veränderungen strategisch geplant werden. Notwendige Veränderungen sind jene, die zu mehr Menschlichkeit, mehr Gleichberechtigung und mehr Miteinander führen. Ein besseres Leben für alle ermöglichen. Sozial-ökologisch-ökonomischer Fortschritt. Und von dieser Positionierung aus sollte auch die Umsetzung konsequent inhaltlich und kommunikativ begleitet werden. Von unseren Politikern und Medien. Und das alles geschieht unter Einbezug der zur Mitgestaltung willigen Bevölkerung. So würden wir die manchmal kriegerisch anmutende Lust auf Veränderung in die friedliche Kraft der Erneuerung zum Besten aller kanalisieren. Simpel? Solutions!

OSCILLATOR

Secret Success Story No 8 – über das Schwingen zwischen den Welten

Eine Sicht auf viele Welten

Eine Buckelpiste runterwedeln. Die Wellen entlang surfen. Auf einen Gipfel rauf, wieder runter und zum nächsten wandern. Das „runners-high“ durchs immer weiter Laufen provozieren… Im Sport kennen wir das genüssliche Schwingen, das sich einstellt, wenn wir die Hürden der Außenwelt mit der „richtigen Einstellung“ nehmen. Höchst freiwillig setzen wir uns der Mühsal des Trainings aus. Wir nehmen die sich uns dabei stellenden Herausforderungen quasi „sportlich“.

Im „normalen“ Leben sind wir nicht immer froh darüber, wenn wir uns aus unserer Komfortzone hinaus bewegen sollen. Und wir wollen es eigentlich auch nicht. Denn außerhalb des Sports sind etwa die Ziele und Regeln, der Zeitrahmen oder die Konsequenzen sowie vor allem der Aspekt der Freiwilligkeit nicht so eindeutig gegeben. Im normalen Leben machen wir es uns vielleicht gar nicht zur Aufgabe, mit den auftauchenden Hürden lustvoll umzugehen. Spaß am Anderen, am Anstrengenden, am Un-Komfortablen zu haben – hat das einen Wert für Sie?

Die „Viele Welten-Theorie“ oder: das Problem des Mit-Schwingens

In der Physik oder der Philosophie existiert die Überlegung, dass es so viele Welten gibt, wie nur möglich sind bzw. so viele Weltbilder existieren, wie es Beobachtende gibt. Allein auf dieser, unserer, Welt hat jede(r) von uns eine ganz eigene Vorstellungen von sich, von der Welt, von Wirklichkeit und Wahrheit. Interessant daran ist, dass die meisten von uns zugleich glauben, mit der eigenen Sicht der Dinge rechter zu haben als die anderen. Das liegt wohl daran, dass wir unser eigenes Leben derart unmittelbar erfahren, während wir das Leben der anderen nur „in Übersetzung“ kommuniziert bekommen. So interpretieren wir ganz automatisch etwa mit Hilfe unserer Spiegelneuronen wie es anderen gerade geht und worum es ihnen eigentlich geht – und nehmen zumeist unreflektiert an, das wäre dann tatsächlich so. Wir stellen den Zustand anderer innerlich in uns nach und unser Gehirn schlüsselt die ankommenden Reize in uns bereits bekannte Bedeutungen und Gefühle auf. Dieses scheinbare  „Mitschwingen“ mit den Zuständen und Motiven anderer können wir etwa beim Filmschauen in höchstem Maß genießen. Wir sind in diesen Momenten – dank unseres Einfühlungsvermögens – die Tänzer und Helden, die Liebenden und Abenteurer, die Bösewichte oder Opfer.

Es gibt aber auch Momente, in denen das „Mitschwingen“ mit den Gefühlen oder dem Verhalten anderer ganz und gar unerwünscht ist. Wenn die Kollegin jammert, der Boss – oder das Kind – schreit, der Liebste zickt oder die Schwester mit Vorwürfen daher kommt. Dann wollen wir all diese „üblen Schwingungen“ gar nicht mit-bekommen. Was gehen uns die schlechten Gefühlslagen der anderen an? Aber leider, unseren empathischen Fähigkeiten sei „Dank“, können wir unser Mitempfinden auch bei den schwierigen, den düsteren Empfindungen anderer nicht komplett ausschalten. „Emotionale Atmosphärenvergiftung“ – das ist es, was so mancher Mitarbeiter in Unternehmen verursacht, manchmal sind es ganze Teams, die sich im Schwarzmalen ergehen und ihre Umwelt mit Negativität verpesten.

Wie schön wäre es, wenn jede(r) von uns die Verantwortung für die eigenen (Gefühls- und Körper-)Zustände übernehmen würde! Wir könnten dann unseren Unmut so ausdrücken, dass er andere nicht belastet oder wir würden nur unsere angenehmen Stimmungen in die Umwelt abgeben… Ebenso schön wäre es wenn wir lernen könnten, wie wir uns nicht von der Negativität, der Angst oder Aggression, dem Frust oder der Trauer, der Verzweiflung und der Ohnmacht anderer „anstecken“ lassen. Aber es ist wie es ist: Wollen wir etwas nicht wahrnehmen, so spüren wir es trotzdem, vielleicht sogar verstärkt, gerade weil wir diese Gefühlsstimmung nicht wahrhaben wollen. Selbst wenn wir geübt im Abwehren und Verdrängen sind, finden die unerwünschten Reize Eingang in unser System und wir fühlen uns vielleicht ungreifbar unwohl, ohne dass wir die Ursache zuordnen könnten. Weil wir das Gefühl nicht haben wollen und nicht wissen wollen, was es auslöst. Oft geschieht das, weil wir uns nicht daran erinnern wollen, was solche Gefühle in uns selbst einmal provoziert hat.

Wir können uns leider auch nicht einreden, unangenehme Stimmungen anderer auf einmal „toll“ zu finden. „Ja, lass es raus!“ rufen wir selten, wenn jemand tobt. Und wenn doch, so riskieren wir, dass sich die Aggression auf uns persönlich richtet oder intensiviert.

Nein, im Umgang mit den verschiedenen Schwingungszuständen in und um uns muss es andere Wege geben als das Wegschieben oder Akzeptieren (letzteres verstanden im Sinne von diese Gefühle für „gut“ zu befinden).

Annehmen, ohne zu übernehmen

Die Zauberformel heißt: Zulassen, Einlassen – ohne sich zu dagegen wehren oder sich hinein zu steigern. Gar nicht so leicht in der Hitze des Gefechts. Das „Reiten“ von (eigenen oder fremden) „Störgefühlen“ will geübt werden. Man kann trainieren, sich auf unangenehme Emotionswelten einzustellen, ohne seine Mitte dabei zu verlieren. Ganz wie bei einer sportlichen Herausforderung: Wir verlassen unsere eigene Komfortzone – und wir können uns deshalb verlassen, weil wir uns auf uns verlassen können. Diese Fähigkeit, sich einzulassen ohne sich in anderen (Gefühlszuständen oder Weltbildern) zu verlieren hat etwas mit Vertrauen zu tun. Mit Selbstvertrauen einerseits sowie mit einem gewissen (Ur-)Vertrauen, nämlich „dass alles im Prinzip so passt wie es ist“ (wie oben beschrieben heißt das nicht, dass wir es deshalb für gut befinden müssen). Wir selbst, aber auch die anderen, die Welt, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft – alles ist so (war so/wird so sein) wie es ist. Punkt. Es ist keine Bewertung des Status Quo nötig.

Ja, aber wer glaubt das schon? Und wer will das schon? Wer will sein Leben einfach so nehmen wie es ist?? Herrscht in unserer Zeit nicht die Stimmung der Krise, des Risikos, der bösen Vorahnungen, des prinzipiellen Zweifelns (an sich und der Welt) vor? Oder der Selbstüberhöhung, des Größenwahns, der unbegründeten Ignoranz aller Warnungen (Klima, Umwelt, Soziales etc.), um das Bedrohliche nicht wahrnehmen zu müssen? Diese Angst vor dem Status Quo und seinen potenziellen Konsequenzen ist der Grund, warum wir die Dinge, vor allem die unangenehmen, eben nicht so nehmen wollen – und sie nicht einfach so sein lassen können, wie sie sind. Weil wir ans „(uns) in Frage stellen“ und ans „Selbstschützen durch anderes-Abwehren“ gewöhnt sind, fühlen wir uns schnell aus der Mitte, unrund, unangenehm, unwohl wenn miese Stimmungen daher kommen.

Oszillation als Ausweg, Umweg, Einweg, Mehrweg

Wie kann ein erfolgreicher Umgang mit den beängstigend unangenehmen Welt(sicht)en anderer aussehen? Es müssen ja nicht immer nur unangenehme Welten sein. Manchmal gehen uns auch die siegesgewissen oder erfolgsstrotzenden Überflieger auf die Nerven….

Der Ausweg ist ein spannender und eröffnet sich, wenn wir die „Viele-Welten-Theorie“ wörtlich nehmen. Werden wir zu Abenteurern, die die Welten anderer erkunden, dann können wir mit-fühlen, mit-erleben, ohne uns von den Gefühlszuständen und Sichtweisen anderer von uns selbst forttragen zu lassen. Wir sind wie Reisende, die sich sehenden Auges auf eine fremde Speise, etwa eine unbekannte Frucht und ihren eigenartigen Geschmack, einlassen. Sie kann bitter oder süß sein – jedenfalls wird das Einlassen auf sie ein einzigartiges Erlebnis. Und nein, wir sind nicht dafür verantwortlich, die Bedürfnisse der anderen zu befriedigen, also quasi den Geschmack der Frucht zu verändern. Wir müssen nicht jeden, der uns begegnet sich „besser fühlen“ lassen. Dieser unlautere, eigentlich respektlose, Eingriff in die Welt anderer laugt aus, vor allem dann wenn die anderen gar nicht dazu bereit sind, sich selbst oder ihre Sicht der Dinge zu verändern.  Das mag für professionelle Helfer-Rollen anders aussehen, aber für uns als Menschen ist es schon eine Heldentat, wenn wir die Verantwortung für unsere eigenen Zustände tragen (lernen).

Das führt zu einem erfolgreichen Leben, denn: Wenn wir die Verantwortung für unsere eigenen Gefühle (aller Schattierungen!) übernehmen, gibt es keine Schuld mehr, keine Opfer und Täter, keine Retter! Wir werden zu unseren eigenen Helden. Das heißt nicht, dass wir dadurch völlig vereinsamt in unserer eigenen Welt dahin vegetieren und auf jeden Kontakt verzichten. Wir erkennen nur an, dass es nicht andere sind, sondern wir selbst, die in einem Moment Gefühle und Körperzustände wie etwa Spannungen erleben. Wir nehmen uns selbst klar wahr und wir geben uns selbst, was wir brauchen, damit es uns besser geht anstatt dies von anderen zu erwarten.

Interessanterweise ändert sich auch bei anderen etwas, wenn wir sie so sehen wie sie sich selbst sehenohne etwas zu tun. Ohne ihnen unser Weltbild oder das Bild, das wir von ihnen haben (wollen) aufzudrängen. Vielleicht stellen wir sehenden Auges einige Fragen. Nur um die Klarheit des anderen über seine Gefühlslage und Motive erhöhen zu helfen, ohne zugleich eigene Interpretationen anzubieten. Als „Reisende“ mit der Fähigkeit zwischen verschiedenen Welten zu Oszillieren, können wir die jeweiligen Zustände zulassen ohne uns damit zu identifizieren. Wir wollen primär nichts ändern, sondern nur kennen lernen.  Und irren wir uns nicht: Selbst wenn wir glauben dieselbe Sache schon 1000x erlebt zu haben ist dem nicht so. Jeder Moment ist einzigartig und – in Erinnerung an den letzten Blog „The Art of Change“ – können wir uns jederzeit fragen „Was ist noch möglich?“. Lassen wir uns von der Antwort des Lebens überraschen. Lassen wir uns von uns selbst und von anderen überraschen. Es bleibt spannend, denn nichts ist so wie es einmal war und nichts kommt so, wie wir es uns vorstellen….

Ja, das Leben ist ein laufender Prozess. Nächste Woche dreht sich alles um die prinzipielle Bewegung, was uns antreibt und den Sinn und Ziel von lebenslanger Entwicklung.

Transformotion – Success Story No 9: Samstag, 02.05.2015, 10.00

BeMeUp – Der Erfolgsblog. Jeden Samstag um 10.00. http://www.bemeup.today

THE ART OF CHANGE

Secret Success Story No 7 – über die Kunst des steten Wandel(n)s

„Sich wandelnd ruht die Wirklichkeit“

Schon die alten Griechen – allen voran Sokrates und Heraklit mit ihren berühmte Aussage „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ und „Man steigt niemals in denselben Fluss“ – ernannten die Veränderung zum Prinzip des Daseins und erklärten Dauerhaftigkeit zur Illusion. Für sie war es die Selbsterkenntnis, die den Weg der Entwicklung zum höchsten Gut des Menschen, nämlich zur Weisheit, markierte.

Ich bin etwa 9 Jahre und habe 2 klare Lebensziele. Ich will Abenteurer und weise werden. Ersteres Entwicklungsbild stammt von meiner umfassenden Karl May Lektüre. Zweiteres von… das weiß ich gar nicht so genau. Aber wenn ich mir die Erwachsenen in meinem Leben ansehe, fällt mir vor allem eines ganz deutlich auf: nämlich dass sie allesamt unlustig, unglücklich, unentspannt sind. Die Mütter sowieso, das wundert uns Kinder gar nicht sonderlich. Die scheinen nicht viel Spaß in ihrem Leben zu haben. Sie kochen, waschen, putzen, sind dauernd beschäftigt mit Herrichten, Wegräumen, Aufräumen, Planen, Organisieren, Einkaufen und, ah ja da war noch was, Arbeiten. Wer will denn das bitte schön?? Aber auch die Männer, wenn sie mal da sind, sind mit ihren witzig gemeinten Scherzchen irgendwie komisch, und das eher im Sinne von seltsam. Also so richtig mit dem Leben zufrieden scheint keine Erwachsener zu sein. Daher also will ich weise werden. Ich will wissen, wie man mit dem Leben am besten umgeht, auf dass das Leben nicht so mit mir umgeht. Ich will unter keinen Umständen ein mieselsüchtiger Erwachsener werden…

Cut. Viele Jahre später.

Das Leben ist mühsam. Voller Erledigungen. Abarbeiten, Erhalten-Müssen, Disziplinieren, Erziehen. Die angenehmen Freiräume scheinen proportional zur Verantwortung des Erwachsenseins zu verschwinden. Klar, man kann sich ablenken mit Entertainment und Genuss oder Konsum. Worin liegt die aber Weisheit, mit der man die Routine, den Alltag und all das „Müssen“ in schmetterlingshafte Sonnigkeit, in unerwartete Leichtigkeit und berückende Schönheit verwandeln könnte? Als Erwachsener sehne ich mich nach wie vor nach der Kunst der Transformation von Stroh in Gold…

Transformation ist Kunst

Die Komfortzone, das Altbekannte und Gewohnte ist wie ein wunderbar eingelaufener Schuh. Zieh ihn an und nichts tut Dir weh. Es gibt eine Textzeile in einem Song von Sade, in dem sie den Hunger in Afrika besingt, die lautet: „And it hurts like brand new shoes“. Ich empfinde diesen Satz als höchst unpassend. Wie kann man solch gravierendes existenzielles Leid mit banalen neuen Schuhen vergleichen?! Es kann natürlich sein, dass ich den Songtext die ganze Zeit schon falsch verstehe. Aber jedes Mal wenn ich den Song höre, wundere ich mich aufs Neue (und sehe nicht im Internet nach, ob der Text auch wirklich so lautet oder so gemeint ist). Ist das Neue wirklich dermaßen spürbar, derart schmerzlich – körperlich so schmerzhaft wie unstillbarer Hunger?

Was tut eigentlich so weh an Veränderungen? Die Gefühle von Unsicherheit oder das Risiko können es nicht sein, die sind maximal unangenehm, manchmal sowieso anregend aufregend. Mir geht es hier um den effektiven Schmerz, den Veränderungen verursachen können. Eine zerbrochene Beziehung, ein verlorener Job, ein verstorbener naher Verwandter – der Schmerz des Unfreiwilligen oder des Verlustes, die Angst vor der Einsamkeit oder das Bewusstsein der Sterblichkeit: Sie alle sind zutiefst schmerzhaft, zugleich aber höchst verständlich. Nein, ich meine den unerklärlichen Schmerz wenn wir unsere Routinen verändern sollen oder wollen. Der neue Schuh schmerzt wie ein Einschnitt in die Archilles-Ferse unseres Seins. Warum ist es so schwierig, anders zu denken, anders zu fühlen, anders zu handeln als bisher? Warum wollen wir nur schweren Herzens ins Neue schlüpfen, unser bisheriges Leben wenn schon nicht völlig verlassen, so doch zumindest einmal mit anderen Augen sehen? Meine Theorie lautet: Weil Veränderung eine Kunst ist. Und diese Kunst uns nicht gelehrt wird. Wir lernen Altbekanntes kennen, lernen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und sie dann vehement zu verteidigen. Therapeuten lehren uns vielleicht die Vergangenheit anders emotional zu interpretieren, um besser mit der Gegenwart zurechtzukommen. Coaching zeigt vielleicht unbekannte Wege auf und macht Lust auf neue Schritte, neue Ziele. Aber ins Neue gehen müssen wir selbst. Und das lustvolle Wandeln, das Lustwandeln in stets neue Zustände und Umstände ist uns fremd. Wie sich der stete Wandel lustvoll leben lässt, kann uns die Kunst jedoch lehren. Denn sie zelebriert das stets Andere.

Kunst ist Transformation

Künstlerische Impulse irritieren das Normale, Alltägliche, Gewohnte und Erwartete. Sie tun dies ästhetisch ansprechend oder abstoßend, auf sinnhafte oder sinnentleerende Weise, in sinnlicher oder sinnvoller Art. Und in Kombination all dieser Wege, letztendlich um den Künstler selbst und/oder die Rezipienten seiner Kunst zu berühren, ihren Erlebnishorizont zu erweitern. Kunst thematisiert das Nichtgesehene, das unter der Oberfläche Schwelende, das vielleicht allzu Alltägliche. Kunst macht uns den aktuellen Status Quo und den (anstehenden) Wandel unserer Gesellschaft, den Grad unseres aktuellen kollektiven bewusst Seins zugänglich. Künstler interpretieren die Realität, versuchen das momentan Ideale zu dekonstruieren oder das Gegensätzliche in neuen Einheiten aufzulösen. Kunst thematisiert den uns im Moment des Kunstgenusses zugänglichen Möglichkeitsraum. Sie öffnet unsichtbare Welten und bringt so manch verdrängtes Gefühle zum Vorschein.

In all diesen Formen zelebriert die Kunst den Wandel, indem sie anders agiert als der hypothetische „Otto Normalverbraucher“. Bekannte Bedeutungswelten, akzeptierte Werte-Räume, angenommene Verhaltenskodizes, übliche  Wahrnehmungsvorlieben – sie alle werden abstrahiert, verdreht, neu kombiniert und gemixt. Das Überraschende, die Unterbrechung, der Kontrollverlust, das Unberechenbare werden in der Kunst zu Prinzipien des Wachstums stilisiert. Kunst ist die Expertin des Wandel(n)s. Wie können wir von ihr lernen, das Stroh unseres Alltags ins Gold des Besonderen zu transformieren?

Formvollendete Veränderung

Erfolg in der Kunst ist nur zu einem Teil handwerklicher Kunstfertigkeit geschuldet. Feine Antennen, die in den Zeitgeist hinein reichen sind ebenso essenziell wie Vermittlungsformen zu kreieren, die unweigerlich ankommen. Gegen die sich die Welt nicht wehren kann. Gar nicht wehren will. „Große Kunst“, verstanden als Kunst, die die Welt bewegt, regt an und auf. Wir können uns ihr nicht entziehen. Vorausgesetzt wir nehmen sie überhaupt wahr, verändert formvollendete Kunst etwas in uns. Sie enthebt uns des Banalen, belebt das Besondere in uns, im Moment und darüber hinaus. Aber das Alltägliche passiert ja zumeist diesseits des Kunstvollen. Die Schlüsselfrage lautet daher: Wie kann das tägliche Leben an sich zur Kunstform werden?

Veränderung als Lebenskunst

Lebenskunst meint in diesem Zusammenhang nicht das Auskommen ohne Geld oder das nicht durchgeplante Weltreisen, auch nicht das unabhängige Selbstversorger-Dasein. Mit der Kunst zu Leben sei hier die Fähigkeit adressiert, die Spannungsfelder des täglichen Lebens kreativ nutzen zu können.

Blicken wir auf die Faktoren, die überdurchschnittlich oft zum alltäglichen „Unrundsein“ führen: Fremdbestimmung, Überforderung, Erwartungs-Enttäuschung, Sorgen. Sie zeigen sich in Müdigkeit, Frustration bis Wut und Streit, in anstrengenden Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsstörungen. Sie werden sichtbar, etwa in schwunglosem Auftreten, geknickter Körperhaltung, hängenden Mundwinkeln, gekrausten Stirnfalten, wiederkehrenden Kopfschmerzen, chronischen Krankheiten, allgemeinen Süchten. Alles Zeichen dafür, dass wir unser Leben nicht so erleben, wie wir es gerne wollten. Sie erzählen nach innen und nach außen vom vorübergehenden oder lebenslangen Misserfolg. „Misserfolg“ verstehe ich hier als eine wiederkehrend erlebte Unstimmigkeit zwischen innerer Erwartung und äußerer Realität. Der Versuch, unsere inneren Überzeugungen im Außen sichtbar und wirksam zu machen ist gescheitert. Und die Tretmühle des Alltags zermalmt Tag für Tag jede Hoffnung darauf.  Und jetzt? Was tun?

Genau jetzt ist die Lebenskunst gefragt. Die Kunst, sich und sein Leben aus dem trüben Sumpf des Alltäglichen ins Besondere zu verändern. Die Kunst, zum einen die eigenen Erwartungen zu verändern und zum anderen sich selbst und die Umwelt anders als bisher zu interpretieren. Anstelle des „Funktionierens“ im eigenen Sinn, anstelle des Vergleichens mit eigenen und fremden Vor-Stellungen, könnten wir hier an dieser Stelle des „Aufgebens“ unseres alten Lebens anfangen die Welt und uns selbst frisch wahrzunehmen. Wir könnten in Leichtigkeit und mit Leidenschaft in jedem Moment aus dem Vollen schöpfen. Wie das gehen könnte? Fragen Sie sich in jedem Moment der Enge: „Was ist noch möglich?“ Wie könnte das Gegenteil, das Andere aussehen? Was würde ich gern Neues empfinden? Sie müssen im selben Moment keine Antworten suchen. Die Antworten auf diese Fragen, sofern sie mit tiefem inneren Interesse gestellt werden, werden uns finden. Die Voraussetzung ist nur, dass Sie fragen und dadurch eine Haltung der Offenheit erreichen. Es reicht, wenn Sie sich in diesen Momenten des „Unrundseins“, des „Unwohlseins“ mit sich und der Welt völlig unbegründeter Weise einfach körperlich aufrichten, ohne Grund Lächeln und einen Moment Innehalten im Tun.

Wenn wir den Schritt wagen, nicht in Gedanken und Gefühle vorwegzunehmen, was da ist und kommt und wahrnehmen, was aus diesem Nichtwissen, als dem Nicht nach unseren Gewohnheiten Handeln, aus dem Nichtweiterverfolgen des Bisherigen heraus passiert… Dann verwandelt sich der scheinbar niemals endende ewiggleiche Alltag in einen Fluss einzigartiger Momente mit unbekannter Ausrichtung. Dann begegnen wir uns in der Kunst des Lebens.

Genau hier betreten wir uns bis dahin fremd gewesene Welten und es eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten…

Wie können wir uns in all diesen verschiedenen Welten bewegen, ohne uns selbst in ihnen zu verlieren?  Erfahren Sie nächste Woche mehr über die Fähigkeit des Oszillierens:

Oscillator –  Secret Success Story No 8: Samstag, 25.04.2015, 10.00

BeMeUp – Der Erfolgsblog. Jeden Samstag um 10.00. http://www.bemeup.today