Special Screen Script 9: WAS TUN BEI LIEBESKUMMER

Erste Hilfe beim Liebesleiden

Unter Liebeskummer leiden wir alle einmal und natürlich erwischt es auch die Lieben in unserem Umfeld. Was wir Sinnvolles tun können, um ihnen bei der Verarbeitung all der schwierigen Gefühle zu helfen, richtet sich am besten danach, in welchem Stadium sich der oder die Liebesleidende gerade befindet:

Verhalten in den 5 Phasen des Liebeskummers:

  1. Phase – Vorahnungen: Das Liebesleiden beginnt schon oft bevor überhaupt erst ein Anfang gemacht wurde – oder bevor tatsächlich Schluss gemacht wurde. Variante eins: Betroffene werden von ihrem Subjekt der Begierde irgendwie nicht gesehen, nicht wahrgenommen oder bekommen einen Korb. Oder Variante zwei: sie spüren, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt. Am Wichtigsten ist in dieser Phase, dass sich Betroffene offen aussprechen können. Hier möchten sie ihre negative Gefühle, Selbstzweifel, Sorgen und Bedenken einfach nur teilen. Geben Sie selbst keine guten Tipps und keine Ratschläge, auch wenn es schwer fällt. Vielleicht erzählen Sie von einer persönlichen Erfahrung, bei der es anders kam, als erwartet. Hören Sie aber vor allem zu, seien Sie da, unterstützen Sie und bauen Sie das Selbstwertgefühl der Liebesleidenden auf.
  2. Phase – Schock: Wenn es dann soweit ist und die Trennung ausgesprochen ist, so steht eine Zeit des Schocks an. In dieser Phase sind Betroffene weder für Worte, Erklärungen, Vorschläge etc. offen. Jetzt geht es eher um körperliche Unterstützung. Bringen Sie vielleicht etwas Tee, etwas Warmes zu essen, auch wenn es nicht angerührt wird (es ist die Geste des sich-Kümmerns, um die es geht). Umarmungen können ebenso guttun. Reden Sie schlichtweg nicht, seien Sie einfach da. Auch wenn Sie weggeschickt werden, versichern Sie, dass Sie jederzeit für sie da sind!
  3. Phase – Verleugnung: In dieser Phase wird die Trennung gern wegrationalisiert, also es wird so getan, als ob sie noch nicht (endgültig) stattgefunden hat. Sie hören dann Aussagen wie „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder „Der findet nie wieder jemanden wie mich!„, „Die kommt schon wieder“ oder Ähnliches. Hier wird auch an sich selbst gern gezweifelt (etwa in Form von Selbstanklagen wie „Hätte ich doch nur…„) oder es wird versucht, mit dem/der ExpertnerIn in Verhandlungen zu treten, was man besser oder anders machen könnte. In dieser Phase schreiben Menschen dann 1001 SMS mit guten Vorschlägen, flehentlichen Bitten, harten Anschuldigungen, Beschimpfungen usw. Eine andere Form des Auslebens dieser Phase glänzt hingegen durch immense Aktivität, durch dauernde Ablenkung, ständiges Ausgehen, nur noch Arbeiten oder viel zu viel Trinken und Essen. Sie können jetzt beim Verarbeiten des Trennungsschocks helfen, wenn Sie Betroffenen dabei helfen, keinen Unsinn zu machen und weder sich selbst noch anderen zu schaden. Organisieren Sie etwa ein Treffen mit FreundInnen, damit sie sich mit vertrauten und wohlwollenden Menschen in aller Ruhe aussprechen können.
  4. Phase – Das Tal der Tränen: In dieser Phase geschieht die emotionale Akzeptanz. Die vom Liebeskummer Geplagten verstehen jetzt auch mit dem Herzen, dass es „aus“ ist. Jetzt wird viel geweint, das gebrochene Herz geht ganz auf, die Trauer wird zugelassen. Seien Sie so gut es geht da, unterstützen Sie still, bis alle Tränen geweint sind. Früher oder später können Sie vielleicht Herzschmerzfilme gemeinsam ansehen, vielleicht auch Filme, die eine lustige Komponente haben. Sobald sich Weinen und Lachen abwechseln, ist das Schlimmste überstanden.
  5. Phase – Akzeptanz: Irgendwann ist der Schmerz vorüber. Die Wunde kann heilen und die ehemals Leidenden öffnen sich neuerlich nach der Verarbeitungsphase. Die ganze Verarbeitung kann übrigens sehr unterschiedlich lange dauern, je nachdem in welcher Phase jemand eventuell „steckenbleibt“, also sich der Verarbeitung entgegenstellt bzw. je nachdem wie lange die Partner vorher zusammen waren und welche Konsequenzen das Fehlen des/der PartnerIn mit sich bringen. Früher oder später ist es aber bei dem Allermeisten wieder so weit: Sie gehen wieder aus dem Haus dem Haus und treffen sich mit neuen Menschen. Ermutigen Sie sie dazu!

Als Grundeinstellung in allen Phasen gilt:

  • Da-Sein signalisieren
  • Einfühlen, ohne die eigene Perspektive in den Vordergrund zu stellen
  • Das Leiden lindern statt es zu vergrößern (was etwa durch gemeinsames Reinsteigern passieren kann oder dadurch, dass negative Gefühle noch mehr aufgebauscht werden)
  • Selbstwertgefühl aufbauen
  • Zuversicht ausstrahlen

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 23.04.2018 eine Woche lang nachsehen: http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13974527/Tipps-bei-Liebeskummer/14289261

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