FOCUSHIFT

Secret Success Story No 19 – über die Augen des Betrachters

Sehen und gesehen werden

Wir sind, was wir essen. Wie wir wohnen. Was wir lesen. Woher wir kommen. Wie wir uns verhalten. Wie viele Methoden es nicht gibt, um festzustellen wer oder was wir sind! Wenig mehr fasziniert uns Menschen so sehr wie die Geschichten und Spekulationen rund um andere Menschen. Was sie quält, was sie auszeichnet, was sie besser und schlechter als wir selbst machen. Unsere Interessen offenbaren uns als Beziehungswesen, die Wenigsten entscheiden sich tatsächlich und freiwillig fürs Einsiedlertum. Wir lieben Geschichten. Großes Kino, Nahes Fernsehen, Zeitungs-Stories und Soziale Dramen – oder auch das beliebte Soziale Netz-Panoptikum. Wer es zur geschichtsträchtigen Figur schafft, der hat „es“ geschafft. Ja, aber was denn eigentlich? Erfolgreich in aller Munde zu sein? Reicht es, wenn uns Aufmerksamkeit geschenkt wird, egal wofür? Sind in diesem Zusammenhang sogar „only bad news good news“? Selbstmarketing gehört heute zum Karriere-Making fix dazu. Optik und Präsentation, Auftritt und Rhetorik – alles zahlt ein ins Gesamtbild, das andere von uns haben – sollen. Zahlt ein in die Geschichte, die wir uns selbst über uns erzählen und die nicht nur wir, sondern zuallererst die anderen über uns glauben sollen. Wir wollen, dass andere uns sehen, wie wir uns selbst gern sehen würden. Sie sollen bestätigen, was wir uns selbst vielleicht (noch) nicht glauben…

Selbstbild und Fremdbild

Was sehen wir, wenn wir uns selbst betrachten? Welche unserer Stärken und Schwächen (aner)kennen wir? Und wie „recht“ haben wir mit unserer Selbsteinschätzung? Wie viele halten sich selbst für toll, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass dieses Gefühl der „objektiven“ Grundlage entbehrt. Aber: Brauchen wir wirklich einen Grund, um uns toll zu finden?? Könnten wir uns nicht einfach nur für wunderbar halten, simpel weil wir existieren? Irgendetwas hakt bei diesem Gedanken. Das darf nicht sein. Warum eigentlich nicht? Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen – liegen sie denn überhaupt in unserer eigenen Hand? Oder bekommen wir sie von der Kinderstube, dem Erziehungssystem, der Umgebung, sprich: den Anderen auf unseren Weg mit – oder eben nicht mit? Wie viele Erfolg-Reiche kompensieren in ihrem Streben nach äußerlichem Erfolg das tief in ihnen verankerte, teils seit Kindheit genährte Manko an Selbstwertgefühl? Und wäre die Schlussfolgerung korrekt, dass psychisch Gesunde, weil von der Meinung und den Gefühlen anderer Un-Abhängige, gleichzeitig aufhören würden, nach Anerkennung und Erfolgsbestätigung durch die Augen anderer zu streben?

Was sehen andere in uns?

Liegt Erfolg im Auge des Betrachters – und zwar im Auge der Anderen, die uns betrachten? Liegt der gesunde Stolz auf uns selbst in der Hand der Außenwelt, die uns durch ihre, also öffentliche, Akzeptanz zum Beispiel in Form von durch sie verliehene Ehren wie hohe Reputation, vollmundige Titel oder vielzitiertem Expertentum zum Glänzen bringen?

Und was ist mit den verinnerlichten Anderen? Jenen Anderen, die ein integraler Bestandteil unserer Selbst geworden sind und deren Stimmen wir – ohne es zu wollen – in uns sprechen hören. Die Stimmen unserer Vergangenheit, die Wünsche und Werte unserer Eltern, die Normen der Gesellschaft, in der wir aufgewachsen sind? Bestimmen sie nicht alle darüber, wann und unter welchen Umständen wir uns als erfolgreich empfinden dürfen? Wieviel von dieser Fremdbestimmung ist uns überhaupt bewusst und wieviel tragen wir ganz selbstverständlich als einen Teil unseres Selbstbildes und der Ansprüche, die wir an uns stellen, mit und in uns? Wie steht es mit Ihnen: Dürfen Sie sich erst wohl fühlen, wenn Sie etwas geleistet haben? Zugegeben, manchmal schätzen wir uns selbst für unsere Leistungen, auch wenn sie keiner sieht. Aber ist es dann wirklich die eigene Stimme in unserem Kopf, die uns lobt und so zufrieden stimmt – oder nur eine uns zutiefst bekannte Stimme der Vergangenheit, die uns einst gelehrt hat, dass wir uns nach vollbrachter Tat redlich und gerecht wohl in unserer Haut fühlen können.

Sind es nicht auch stets andere, die uns gut für außergewöhnliche Dienste, spektakuläre Leistungen oder wertvolle Produkte bezahlen? Ist es nicht erst der erhaltene Lohn der Mühe, der uns als erfolgreich abstempelt? Und ist es nicht genau dieses Anhäufen von fremdem Geld und Gut, das uns zu Aufsteigern macht? Manchen ist der gesellschaftliche Status, die eigene Größe ja bereits mit der adeligen Abstammung oder dem fetten Erbe in die Wiege gelegt. Macht sie das zugleich auch erfolgreich, oder ist das nur folgenreich oder sind sie vielleicht nur reich (an Geschichte(n) und/oder Geld bzw. Besitz)?

Warum glauben wir daran, dass Selbstwert mit Geldwert oder mittels dem Wert einer guten Geschichte gekauft werden kann?

Die Kristallkugel und das Hell-Sehen

Was sehen wir, wenn wir in die Zukunft blicken? Wir sehen die Konsequenzen unserer Prägung, unserer Erlebnisse, unserer Erfahrungen – entschlüsselt durch den Code unserer gewohnten Interpretationsmuster. Diese sind nicht nur mentaler Natur. Körper und Geist finden im Gehirn zusammen, das limbische System mixt hier noch die Gefühlswelt hinzu. Hormonausschüttungen, die Sättigung mit Mineralstoffen oder anderen Substanzen beeinflussen ebenso wie viele andere Aspekte – etwa muskuläre Körperzustände – massiv, ob wir uns stark oder schwach, gut oder elend, zufrieden oder angespannt fühlen. Das Gefühl erfolgreich, stark, schön, leuchtend, beschenkt etc. zu sein manifestiert sich schlichtweg unter den richtigen inneren, also psychophysischen Zuständen. Diese können allerdings durch äußere Umstände „getriggert“ (ausgelöst) werden.

Wir lieben Geschichten oder Spiele deshalb so sehr, weil wir durch sie in alle möglichen Gefühlszustände tauchen können, ohne die Last der Konsequenzen auf uns nehmen zu müssen. Konsequenzen, die in der Außenwelt Wellen schlagen würden, wenn wir in echt so gewalttätig wie James Bond oder so verantwortungslos wie Onkel Charlie wären. Das vorübergehende Mit-Erleben von fremder Größe, Stärke oder Wahnsinn hat zwar vielleicht nicht direkt etwas mit unserem Selbstbild zu tun. Es beeinflusst uns eher indirekt. Durch das Nachvollziehen anderer Verhaltensmöglichkeiten als den uns eigenen – und durch das klare Spüren des Unterschiedes zwischen beiden – nehmen wir unsere eigene Welt, unser Selbst als heimeliges Zuhause wahr. Vielleicht wünschen wir uns aber manchmal stärker, schneller, klüger, wichtiger, schöner, jünger, geliebter, reicher etc. zu sein. Diese Gefühle können Ansporn für die eigene Entwicklung sein. Oder sie sind eine Quelle, das eigene Selbstwertgefühl im Keim zu ersticken. Und genau diese Wahl treffen wir selbst. Exakt diese Entscheidung, wer wir sind sollten wir auch tatsächlich selbst bestimmen, oder?

Stop!

You’d better stop before you go and break my heart…“ singt Sam Brown in ihrem Song Stop!.

Es gibt die unterschiedlichsten Wege, sich im automatisierten Bewerten, Denken, Fühlen und Handeln aufzuhalten und die eigene Aufmerksamkeit auf neue Wege zu lenken. Eine Verlagerung unseres Fokus verhindert nicht nur, dass wir uns selbst und/oder andere physisch, psychisch oder emotional verletzen. Das bewusste neuerliche Ausrichten des Lichtkegels unserer Wahrnehmung auf andere Stellen eröffnet auch neue Handlungsperspektiven. Der Wechsel unseres Blickfeldes führt uns recht leicht vom Problemdenken, von leidvollen Gefühlen oder schwierigem Verhalten hinaus zu frischen Möglichkeiten und ungeahnten Lösungsansätzen.

Unterschiedliche praktische Methoden können beim Aussteigen aus gewohnten Mustern helfen: Ein Stop! (leise im Kopf gesagt oder laut ausgesprochen), ein echter Schritt weg vom Problem („von der Leitung runter steigen“) getan, eine bestimmte Ankerstelle am Körper gedrückt (die zuvor mit etwa einer positiven emotionalen Konnotation gekoppelt wurde), ein simpler Satz wie „Was ist sonst noch möglich?“, ein lautes oder auch besonders sanftes Musikstück. Es gibt viele Wege hinaus aus dem Problem und hinein ins Unbekannte…

Warum fällt es uns aber so schwer, innezuhalten und unsere bisherige gewohnte Sichtweise von uns selbst und der Welt zu relativieren? Weil wir in diesem Fall oft den Eindruck damit verbinden, wir würden uns selbst verraten, unsere Ansichten, unsere Identität aufgeben. Nicht „zu uns“ stehen. Wir identifizieren uns mit unseren Gewohnheiten. Keine hilfreiche Angewohnheit, wenn es darum geht, andere Wege zum Erfolg zu finden und einzuschlagen. Von der Schatzsuche nach unglaublichen, ungewohnten Möglichkeiten zum Erfolg handelt dann der nächste Blog:

Possidigging – über das Suchen und das Finden. Success Story No 20: Samstag, 17.10.2015, 10.00

INTRASTABILISATION

Secret Success Story No 18 – über die Sicherheit aus dem Inneren

Sicherheit versus Freiheit

Gehen Sie gern auf Nummer Sicher? Ist es Ihnen lieber, kaum Risiko einzugehen und den Weg des geringsten Widerstandes zu verfolgen? Stehen Sie dem Ruf des Abenteuers misstrauisch gegenüber und befürchten Sie ungeahnte Konsequenzen? Dann gehören Sie zu jenen, die das Gefühl von Sicherheit über eine Reduktion von Möglichkeit herstellen. Letztere werden dabei einfach ausgeblendet. Wie tunlichst auch alles, was erschreckt, beängstigt, unangenehm ist. Klimawandel, Finanzkrise, Bildungspolitik (das könnte ewig so weiter gehen)… Auf Nummer Sicher gehen und den Rest ausblenden – beide Strategien gehören zueinander wie die zwei Seiten einer Medaille. Das scheint aber auch hervorragend zu funktionieren. Oder? Was wäre denn überhaupt die Alternative? Zeitung lesen, Nachrichten schauen – und Angst haben? Das Gefühl, nichts ausrichten zu können ist unschön, man fühlt sich so leicht verdammt zur offenbaren Hilflosigkeit. Der Eindruck, vom Schicksal oder den diversen Zeitgeistern ungewollt überrollt zu werden, stellt sich angesichts der Unwägbarkeiten der Welt schnell und übermächtig ein.

Wie genau können wir auf Nummer Sicher gehen, ohne uns dabei im Altbekannten einzuigeln und ohne konsequent im Ausblenden zu bleiben?

Freiheit versus Sicherheit

Oder sind Sie vielleicht ein Optimist? Sehen die Chance im Wandel, sind offen für Neues, begrüßen das Andere, umarmen das Fremde? Entspricht „ Alles wird gut“ Ihrer Überzeugung? Dann haben Sie eine andere Wahl getroffen. Und – leben Sie gut damit? Und vor allem: Wo nehmen Sie die Sicherheit her, dass sich schon alles irgendwie ausgehen wird? Wieviel Vogel-Strauß Haltung ist nötig, um diese Zuversicht aufrecht zu erhalten? Und wieviele gut portionierte tägliche Rationen Guten-Glaubens?

Die Schnecke und das Haus

Lassen Sie mich so fragen: In welcher Methode im Umgang mit dem Wahnsinn der Welt haben Sie es sich gemütlich gemacht? In welcher Haut, durch welchen Panzer, fühlen Sie sich pudelwohl und geschützt, wie Zuhause? In der schimmernden Verheißung des Optimismus, der dicken dunklen Decke des Pessimismus, im bunt-hedonistischen Opportunismus? Sind Sie ein Fan der nüchternen Realität oder kämpfen Sie für hohe Ideale? Sind Sie ein Vertreter der neuen Sachlichkeit oder ein Gentleman (eine gentle woman) der alten Schule? Gleich in welchem Zugang Sie ihre Heimat gewählt haben – er wird Sie dennoch nicht beschützen können. Nicht vor den Übeln der Welt, nicht vor den Zeichen der Zeit. Sehen Sie sich bitte einmal um in Ihrem Zuhause. Es ist hoffentlich ein Ort des Rückzugs und der wohligen Heimeligkeit. Nichts deutet darauf hin, dass er viel mit einem filigranen Schneckenhaus gemein hat. Nur eine selbstgebaute Schutzschicht gegen die harte, kalte oder auch heiße, dürre Seite der Wirklichkeit ist. Aber: Eine wilde Woge, ein unbedachter Schritt und… Knirsch. Bis dahin wähnen wir uns wohl behütet (wohl behüttet).

Ängstlichkeit, Naivität,  Ignoranz – sie alle geben vielleicht vorübergehend funktionierende Mittel ab, sich in Sicherheit zu wiegen. Wir bauen aus ihnen unsere höchsteigenen Schutzmechanismen, welche dadurch, dass sie den Blick auf die Welt verwehren, den inneren Frieden bewahren sollen.

Schutz inmitten des Unkontrollierbaren

Was ist die Alternative zum Wegsehen? Hinsehen und sich mit dem, was wir sehen, einfach abfinden? Fatalismus? Zynismus? Sich stoisch aufrecht halten? Haben wir denn eine große Wahl, was das Vergehen aller Dinge inklusive unserer selbst betrifft? Nein, ich glaube nicht an den unmittelbaren Weltuntergang und daran, sich vorzuhalten dass jeder Tag der letzte sein könnte. Vielmehr bin ich der Meinung „Wir sind die Schnecke und ihr Haus“. Will heißen: Wir sind in der Lage, das weiche Innere und die harte Schale zu einem flexiblen und stabilen Ganzen zu formen. Wir sind wunder-volle Wesen – fähig, romantische Realisten oder geerdete Idealisten, hoffnungsfroh verantwortungsvoll oder umsetzungsstarke Tagträumer zu werden. Bleibt nur noch die Frage, wie wir zu dieser Fähigkeit der Verbindung scheinbar gegensätzlicher Fähigkeiten kommen. Wie können wir uns angesichts der Unsicherheiten dieser Welt, eingedenk des ständigen Wandels sowie der selbstgebauten filigranen Schutzmechanismen diesen beiden Fakten, nämlich der sicheren Vergänglichkeit gegenüber überhaupt jemals wirklich sicher fühlen?

Stabilität im Wandel

Wer kann uns garantieren, dass wir unsere Jobs behalten (bzw. bekommen), unsere Pensionen beziehen, uns den Arzt leisten, überhaupt in Frieden leben oder dass unsere Kinder ein gutes Leben haben werden? Die Politik? Der Staat? Ein Gott? Wer sind diese Wesen(heiten) in der gelebten Wirklichkeit? Innere Ideale, die es mit der äußeren Realität (nicht) aufnehmen können? Worauf vertrauen wir, worauf setzt unsere Gesellschaft, wenn die gewählten Volks-Vertreter oder die gepredigten Heilsversprechen spürbar unglaubwürdiger werden? Wenn wir resistent gegen oder gewöhnt an das Opium fürs Volk geworden sind? Natürlich gibt es hochintelligente und hochmotivierte Politiker oder Priester, von den besten Absichten beseelt und überzeugt, gemeinsam etwas nachhaltig Gutes ausrichten zu können. Die breite Öffentlichkeit wählt jedoch lieber altbewährte Vogel-Strauß-Taktik und Schlaraffenland-Versprechen als die nüchterne Aussicht des gewährleistungslosen Alltags reiner Selbstverantwortung. Doch vor allem in ihr, in der Selbstverantwortung, besteht der Schlüssel zum nachhaltig wirksamen und immer wieder aus dem eigenen Inneren herstellbaren Gefühl der Stabilität.

Niemand kann für andere…

…dafür jeder für sich selbst. Jeder von uns ist seiner inneren Stabilität, seines Sicherheitsgefühls eigener Schmied. Was Staat und Politik, Institutionen und Organisationen, Systeme und Glauben leisten können sind, Rahmenbedingungen zu verbessern, Unterstützungen anzubieten, Hilfestellungen zu geben, Ankerstellen zu schaffen und Orientierungsmarken zu setzen, Schmerztabletten zu verteilen und Ablenkungsmanöver darzubringen. Aber das Gefühl der Sicherheit ist zutiefst Ihr eigenes. Fragen Sie sich: Verfällt die Öffentlichkeit in Panik – fallen Sie mit ihr? Bleiben Sie ein Fels in der Brandung, wenn es rund um Sie herum stürmt? Bewahren Sie im dichtesten Dschungel den Überblick und in der Hitze des Gefechtes einen kühlen Kopf? Wer sind Sie, wenn alles andere außer Kontrolle zu geraten droht oder tatsächlich aus den Fugen gerät? Sind Sie ein Anker für sich – und andere, wenn es darauf ankommt?

Sein und nicht Sein

In letzter Konsequenz werden wir alle eines Tages sterben, unsere Welt wird in die Sonne stürzen, so nicht etwas anderes Katastrophales vorher geschieht. Man könnte also sagen, dass sowieso alles egal ist (siehe die Strategie „Ignoranz“). Man könnte den schönen Schein wahren, die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen, das Übel der Welt bekämpfen – und dennoch wird alles eines Tages zum selben Ende führen. Der Weg ist das Ziel meinen Sie an dieser Stelle völlig treffend? Das Sein ein Selbstzweck, das Werden Gegebenheit, das Sterben Notwendigkeit? Welche Haltung verlangt eine derart uferlose Klarheit? Wo kommt die innere und zutiefst als wahrhaftig empfundene Sicherheit trotz der Gewissheit der eigenen Sterblichkeit und ohne äußere Versprechen glauben zu müssen her?

Das Lächeln und der Abgrund

Wollen wir wenig funktionelle Strategien der Stabilisierung verabschieden, so können wir sie effektiv ersetzen, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf Gelingendes verschieben:

Schätzen wir echte Menschen und tatsächliche Umstände hoch, statt vergangene und drohende Verluste lautstark zu betrauern oder zu befürchten.

Setzen wir uns aktiv für gelebte Gerechtigkeit ein, statt dem Zorn nachzuhängen, der sich einstellt, wenn wir Ungerechtigkeiten sehen, erleben oder befürchten.

Schützen wir alles, was Freude bereitet, statt Hass und Angst einen Raum zu geben. 

Handeln wir, anstatt zu Sudern.

Lächeln wir im Angesicht des Abgrundes, denn diesseits liegt unsere Lebenswelt, über uns der Himmel, unter uns die Erde.

Wie uns das aktive Verschieben unseres Blickfeldes zu einem erfolgreicheren Leben führt, davon handelt der nächste Blogbeitrag:

Focushift – über die Augen des Betrachters. Success Story No 19: Samstag, 10.10.2015, 10.00

COHERINTERFERENT

Secret Success Story No 17 – über die Allverbundenheit im Zwischenraum

Wissen

Wissen ist Macht. Macht korrumpiert. Korruption öffnet Türen. Türen eröffnen Wege. Wege führen zu einem Meer von Möglichkeiten. Die Möglichkeiten sichern die Überfahrt. Am anderen Ufer angekommen, findet mann/frau Gleichgesinnte. Wie viel Wissen steckt in diesem Kreislauf der Reproduktion von Machtstrukturen? So einiges davon. Nämlich das Wissen, wie der Hase läuft. Soziales Erfolgswissen. Das Wissen um die Do it’s und Don’ts. Wer weiß gewinnt. Wer gewinnt hat Er-Folg. Es folgt, was folgen muss: Wer Erfolg hat weiß, wie es geht. Wer weiß, hat Macht… u.s.w.

Was ist Wissen anderes als die Fähigkeit zur Wiedergabe eines in sich schlüssig funktionierenden Systems?

Ist Wissen etwas anderes als ein show-off der eigenen synaptischen und menschlichen connections, der eigenen Kinderstube, der eigenen Erinnerungsleistung?

In Zeiten des Internets ist das Gesicherte am Wissen sichtbar nur relativ zur Quelle zu genießen. Diese Relativität des „Wahrheitsgehalts“ in Bezug zum Urheber steht der Relativität des „Wahrheitsgehalts“ in Bezug zu den Wünschen des Suchenden/Lesenden in Nichts nach. Wer nur will, weiß (noch) nichts. Wer weiß, hat scheinbar schon gewonnen.

Was aber ist wahres Wissen? Zu wissen, dass wir nichts wissen? Scheint irgendwie zu einfach. Die Frage „Was ist Wahrheit“ lege und lasse ich dieser Stelle naturgemäß offen. Wahrheit liegt im Auge des Betrachters, in der Interpretation von „Fakten“ und in der Intensität des Wunsches nach absoluter Glaubensgewissheit. Wahrheit ist ein Wunsch – oder ein Konzept. Aber das ist nur meine Meinung und muss wirklich nicht Ihrer entsprechen.

Weisheit

Das Wissen um die Herkunft von Weisheit liegt vielleicht eher auf der Hand: Es handelt sich dabei um eine beträchtliche Menge an Erfahrung, präsentiert auf einem Spiegel von Allgemeinbildung, gewürzt mit einer scharfen Prise Selbstreflexion, passiert durch einen zarten Hauch Berührbarkeit, geschüttelt von einer Vielfalt überwundener Lebenskrisen, garniert mit gesunder Distanz zu sich und der Welt und verständnisvoll serviert in exakt jenem Gefäß, das punktgenau die Entwicklungsbedürfnisse des Empfängers – und sei dies man selbst – stimuliert.

Weisheit erkennt die Beschränkungen, die sich jeder selbst auferlegt, inklusive der Existenz eigener Blinder Flecken. Weisheit trägt sich nicht zur Schau. Weisheit wirkt durch die Hintertür, indem sie das Innenleben hinter der Fassade offenbart. Sie macht dabei nicht öffentlich, sondern legt jene, die des Verstehens mächtig sind, sich und einander offen. Weisheit führt die anderen, die nur sich selbst sehen, zum eigentlich Wesentlichen, ohne ihnen die Wahl zu nehmen, sich auf Wunsch lieber weiterhin Ablenkungen hinzugeben zu können.

Weisheit ist mächtig, indem sie keine Macht ausübt.

Weisheit verändert, indem sie das Veränderliche frei legt.

Weisheit stabilisiert, indem sie den Kern des Pudels erfasst.

Weisheit lächelt.

Leichtigkeit und Verantwortung

Die Leichtigkeit der weisen Handlung basiert auf der unleugbaren Verantwortung sich selbst gegenüber. Dennoch trägt der Weise nicht die Steine der anderen. Jedem sein eigenes Kreuz (um in Anlehnung an Monty Python zu sprechen).

Zugleich wirkt Weisheit vorbildhaft, selbst wenn sie Erwartungen täuscht und Hoffnungen sprengt. „Das Richtige“ kann unschön oder wenig heldenhaft daher kommen. Wer weise wirkt, muss aber selbst nicht weise sein. Und wer Weisheit besitzt, muss nicht wirken wollen.  Die Verpflichtung der Verantwortung betrifft die Gerechten, nicht die Weisen. Und die Kämpfer für das Gute reiben ihre Handlungskraft nicht selten überwältigt durch die Last der niemals endenden Aufgabe Tag für Tag etwas weiter ab. Wer will schon alles wissen, wer will schon weise handeln müssen, wenn sich der ganze Aufwand als bloßer Tropfen auf den heißen Stein, als niemals genug, als stets einer Legion von Nichtwilligen gegenüber viel zu ungenügend erweist? Ist Nichtwissen und nicht-weise-Handeln nicht wesentlich erfolgsversprechender? Liegt im Limit nicht die Kraft der Fokussierung?

Die Gnade der Disconnection

Konzentrieren wir uns auf eine Sache, so blenden wir den Rest aus. Tun wir, was vor der Nase liegt, so finden Erledigungen zu ihrem Häkchen. Täglich. Stündlich. Minute für Minute. Ein Leben lang. Hartnäckiges Ausblenden höhlt den größten Brocken an Aufgaben zu einem fragmentierten Fragezeichen des „muss ich wirklich?„. Vielleicht ist ja der hohle Stein der Stein der Weisen?

Lassen wir den Überblick rastlos weiterschweifen, den Weitblick ins Leere laufen, den Einblick im Aktuellen enden – so finden wir die Einfachheit der Abgetrenntheit. Die Überschaubarkeit der eigenen Welt. Die Gewissheit der Kontrolle. Gleichzeitig ignorieren wir die Vielfalt der Existenz, die Komplexität der Zusammenhänge, die Unbestimmtheit von Ursache und Wirkung, die Unberechenbarkeit der Zukunft, die Unerklärlichkeit der Gegenwart. Die Eine Wirklichkeit bewahrt uns vor dem Chaos zwischen Allem und Nichts. Sie verstehen, warum ich meine Bedenken der „Wahrheit“ gegenüber habe.

Das All und die Wissenheit

Können Wissen-Schaften die Welt erklären? Nein. Wissenschaften erklären sich selbst. Und sie erklären uns, wie wir die Welt wahr-nehmen. Sie gestalten mit uns, durch uns, unsere Selbst- und Weltbilder.

Die Kunst hingegen reflektiert das für uns Unsichtbare, unseren Kreationsprozess. Kunst rührt uns durch Unspürbares, verwandelt Unaussprechliches in mehr oder weniger greifbaren Klartext. In der Kunst begegnen einander das Alles und die Wissenheit. Sie halten ein Zwiegespräch, dem Künstler und Rezipient unwillkürlich lauschen. Das Neue, das aus der intuitiven Verbindung von All und Wissenheit erwächst, keimt im Einzelnen und belegt den Zwischenraum vor jeder Bedeutungsverleihung. Deutungshoheit hat, wer wahr-zunehmen  und ans Licht zu holen vermag, was  zuvor unter der Oberfläche schwelte. Doch jede Deutung ist eine Reduktion von Möglichkeit, von unendlicher Verbundenheit, von Potenzial – zu Ein-, oder Zwei- oder vielleicht noch viel Mehr-Deutigkeit.

Der All-Wissende reitet jedoch in der Dichte der Querverbindungen von einem Zwischenraum zum nächsten auf der zeitlosen Welle der – aus unserer Sicht zumindest – unendlich  komplexen Wirklichkeit.

Zeit für eine kleine Zusammenfassung:

Perlen des Wissens,

Meer der Weisheit,

Sich erkennendes Universum der All-Wissenheit.

AlleinSsein

Voraussetzung, sich im EinsSein mit dem All zu erleben, ist die Fähigkeit zur Entgrenzung, zur quasi Ent-Identifizierung von all dem, was oder wer wir zu sein glauben. Das Nicht-Festhalten gibt den Startschuss zur Freiheit der Allverbundenheit.

Wir sind die Synapsen, denen unsere Wirklichkeit entspringt. Je bewusster die Wahrnehmung des Netzwerks selbst, desto tiefer das Wissen um die All-Einheit. Im AlleinSsein vereinen wir Alles und Nichts in uns, wobei es kein Außerhalb mehr gibt. Nichts und Alles existieren tatsächlich zugleich im Raum. Vielleicht gut, vielleicht wahr, vielleicht schön. Aber was tun damit?

Wollen wir Teil des Ganzen sein, unseren Platz im Universum finden, unser Selbst verwirklichen, ungehemmt Leben und ungehindert Sein – dann empfiehlt sich der Zustand des AlleinSseins durchaus als der rote Faden der Erfahrung wie auch als letztendliches Entwicklungsziel.

Er-, Nein: Wir-Leuchtung

Was oder wer ist eigentlich wirklich er-leuchtet? Anders gefragt: Wer oder was kann das überhaupt beurteilen? Ich wage zu behaupten, dass Urteilen und Erleuchten sich wie zwei Pole zueinander verhalten. Das eine schließt das andere aus. Und dennoch sind sie miteinander verbunden. Denn in der Allverbundenheit hat alles einen Platz – einen vorübergehenden – im Prozess des Werdens, Seins und Vergehens. Wie sagte Klaus Kinsky so schön in einem seiner Filme: „Ich bin in der Überzahl“ (oder so ähnlich). Wir sind Eins. In dieser Erkenntnis, die nichts mit Wissen, wenig mit Weisheit und viel mit Wahr-Nehmung zu tun hat, liegt vielleicht der Schlüssel für ein erfolgreiches globales Miteinander. Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht. Nur das Wissen alleine reicht eben nicht. Weises Handeln und wahrhaftiges Wir-sind-Eins-Gefühl: er-/wir-leuchte unseren Weg!

Sollen Sie  bis hierher gelesen haben: Hut ab. Dankeschön. Selten lasse ich meinen Gedanken derart freien Lauf. Sie können mich für ver-rückt halten, das ist mehr als ok. Sie können sich zutiefst irritiert fühlen, das wirkt fast noch besser. Denn in der Irritation liegt der Keim eines jeden Wandlungsprozesses. Mitten in der Destabilisierung manifestiert sich die Aufforderung zum Reorganisieren, zum Un-Abhängig werden von Vorannahmen und äußeren Bedingungen der inneren Sicherheit. Sollten Sie es bis hierher geschafft haben, könnte Sie das Thema der nächsten Woche anziehen wie ein schwarzes Loch –  es lockt unnachgiebig, unausweichlich, letztendlich und durchaus beängstigend die Essenz der Transformation:

Instrastabiliation – über die Sicherheit aus dem Inneren. Success Story No 18: Samstag, 03.10.2015, 10.00

MOTIRECTION

Secret Success Story No 15 – über die Lebenskraft aus Leidenschaft

In The Still Of The Heat

Der Sommer war heiß, indeed. In der Hitze scheint vieles still zu stehen. Der Druck, etwas zu verändern, verdunstet in der Bewegungslosigkeit. Der Weg und das Ziel verschmelzen im Hier und Jetzt, es ist schlichtweg zu heiß für große Sprünge oder kleinen Zweifel. In der Hitze regiert das Sein. Nur unter dem kühlen Hauch einer Klimaanlage springen die Lebensgeister wie eh und je von Sinn und Richtung zu In-Frage-Stellen und  Mehr-oder-Anders-Wollen.

Jetzt ist es wieder kühler und das Drängen nach Neuem schlägt sich mit der Übermacht des Alltags herum. Die Ehrlichkeit des Notwendigen besiegt den Keim von Hoffnung oder Leidensdruck: Ersehnte Veränderungen punktgenau anzupeilen und kraftvoll durchzuziehen – das ist der Stoff von Ratgebern (menschlichen oder literarischen), viel zu selten entspricht er der Realität. Viel zu verlockend ruft uns das altbekannte eigene Lied und wir bleiben dem heimischen Sumpf von „geht nicht“, „war schon immer so“, „kann nicht“, „darf nicht“, „wenn ich nur…“ etc. treu. Vorher war die Hitze da, der Urlaub und das Abschalten. Jetzt ist es der Alltag, jene allzu heimtückische Überforderung durch Fremdbestimmungen aller Art.

In den Passion-Drive schalten

Verstehen wir „Erfolg“ jedoch als die Erfüllung unserer größten Träume und tiefsten Sehnsüchte, als die Verwirklichung unserer eigenen Vorstellungen von uns selbst und der Welt, dann bleiben wir auf oben geschilderte Art und Weise wohl ewig erfolglos. Stellen wir uns die ernstgemeinte Frage, wie wir aus dem nebeligen Irrgarten des Altbekannten ins blühende Hochland des Neuen oder zumindest zur vielversprechenden Weite des tatsächlich Möglichen finden, so sollten wir uns nicht länger vormachen, dass Reden und Lesen, Planen und Wünschen, Nachdenken und Vorstellen jemals dafür ausreichen. Es geht vielmehr darum, den eigenen Weg aus der Quelle der eigenen Leidenschaft heraus zu beschreiten. Es gilt, unseren Drive aus dem Inneren zu generieren, unseren Weg aus pulsierender Passion heraus zu bauen und ihn, von derselben Passion in Bewegung gehalten, mit schlafwandlerischer Sicherheit ganz von allein, im wahrsten Sinne von selbst zu gehen. Das Außen wird quasi von innen heraus umgewandelt. Nennen Sie es The Secret, wenn Sie wollen. Doch es ist eigentlich kein Geheimnis, dass die Kraft der Passion, die in vielen von uns noch schlummert, nicht nur uns selbst sondern auch unsere Umgebung zu verändern vermag.

Die Gretchen-Frage

Was rumort derart tief in uns drinnen, auf dass wir willig die allzu eingetretenen oder allzu offensichtlich vor uns liegenden Pfade verlassen? Welcher Ruf in unserem Inneren öffnet uns die Flügel? Was gibt uns den letzten Kick, uns von der Klippe der Sicherheit ins Unbekannte des zutiefst Eigenen fallen zu lassen?

Success is what you define it is“ schreibt Richard St. John in seinem Buch „8 Traits Of Successfull People“, für das er hunderte weltweit Erfolgreiche nach ihren Rezepten und Prinzipien interviewt hat. Allen Erfolgsfaktoren voran steht dort die Passion, gefolgt von der Arbeit, diese Leidenschaft in die Welt zu bringen. Fokus, Druck, Ideen, Verbesserungen, Dienen und Durchhalten sind die weiteren Ingredienzien des Erfolgreichwerdens. Aber all diesen verständlichen Punkten, die sich mit der Umsetzung befassen, voran steht eben die Passion. Leidenschaft heißt nicht umsonst Leiden-Schaft. Es ist ein inneres Leiden, eine ewige Sehn-Sucht, der fast unangenehm starke Druck, der gleich einer Geburt etwas in die Welt setzen möchte, etwas erleben oder bewegen will. Und dieser Prozess ist nicht immer angenehm. Viele von uns streben jedoch Glück oder Zufriedenheit als höchsten Entwicklungszustand an. Für andere ist Liebe das Lebensziel.

Liebe zwischen Sehnsucht und Vergnügen

In Anlehnung an den niederländischen Psychologen Paul Verhaeghe könnte man die Liebe zu etwas oder jemandem so beschreiben: Sie wird aus zwei Tunnel gespeist, die sich von beiden Seiten eines Berges auf einander zu bewegen. Der eine Tunnel ist die Sehnsucht (desire), der andere das Vergnügen (pleasure). Beide schließen einander prinzipiell aus. Der Widerspruch aus Sehnsucht (das Sehnen nach dem Abwesenden) und Vergnügen (die Einlösung der Sehn-Sucht) begründet das Paradox der Liebe. Entweder wir begehren oder wir genießen. Der Genuss ist das Essen der Frucht, das Begehren ist das Wollen derselben. Liebe begehrt und genießt – im süß-schmerzvollen Wissen, dass es nie genug ist, dass immer eine Seite fehlt, denn wenn wir je genug hätten, hätte sich die Quelle der Passion erschöpft. Gerade die nicht zu stillende Sehnsucht speist die mentale Überzeugung, den emotionalen Überschwang, den tatkräftigen Überschuss, der den Liebenden letztendlich unabhängig vom Objekt oder Subjekt seiner Begierde macht und es oder ihn/sie zum Projekt, zur Projektionsfläche werden lässt. Bis „über den Tod hinaus“ vermag die Sehnsucht ihre Wirkung zu zeigen. Lacan beschreibt das Paradoxon passend „Love means giving what you don’t have“.

Unzufriedenheit als Zugpferd

Enjoy! Lautet das Credo unserer Zeit. Die Sehnsucht nach erfreulichen Erlebnissen dominiert unsere Freizeit. Konsum! Lautet der Wahlspruch unserer Wirtschaft. Das Genießen der Kompensationen für unsere Arbeit in Form von Gütern oder Dienstleistungen ist unsere Belohnung für das Voranstellen der Fremdvorstellungen vor unsere eigenen. Parallel zu Vergnügen und Konsum fordern heute etwa Flüchtlingsmassen, Klima oder wirtschaftliche Unberechenbarkeit ein Umdenken. Viele nehmen diese Zeichen wahr und reflektieren, handeln, geben, helfen. Andere wiederum suchen die Defensive, den Rückzug, wollen nichts Veränderliches wahr haben. Zufrieden wollen wir jedoch alle sein. Das Problem mit der Zu-Frieden-Heit ist nur, dass sie im Kern nicht durch Konsum, Genuss, Besitz oder sogar Liebe erreicht werden kann. Zu-Frieden ist jemand, der mit sich und der Welt im Frieden ist. Doch wer akzeptiert sich selbst schon zu 100% so wie er ist und wer sieht nicht, dass diese Welt voller Ungerechtigkeit und Ungleichheit zu Taten drängt? Aus diesem Gefälle, dem Gefälle zwischen erwünschtem Selbstbild und momentan wahrgenommenem, dem Unterschied zwischen erwünschtem Weltbild und momentan vorhandenem, ergeben sich diverse Handlungsaufträge, die lautstark oder subtil nach uns rufen. Sie fordern uns auf, ihnen zu folgen. Doch sind diese drängenden Aufforderungen zu Handeln wirklich eins mit unserer Passion?

Die Verantwortung uns selbst gegenüber

Ist es egoistisch, unseren eigenen Weg zu gehen? Sollten wir nicht alle vielmehr wie Mutter Theresa oder Bill Gates sein und unsere Fähigkeiten bzw. unsere Mittel in das Besser-Ergehen anderer, weniger Begünstigter, stecken? Die Frage, wieviel Verantwortung wir für die Welt, in der wir leben, haben ist keine leicht zu beantwortende. Ja, wir haben – so viel steht fest. Doch sollten wir uns selbst zugunsten des Wohlergehens anderer aufgeben oder vergessen? Lieber die selbstlose Demut statt selbstzentrierte Visionen in uns pflegen? Sollten wir nicht dem großen Ganzen dienen anstelle unserer Passion zu folgen?

Statt eines entweder-oder Gedankens bietet sich hier ein sowohl-als-auch an. Zugleich klingt in diesem Vorschlag der schale Vorgeschmack auf einen müden Kompromiss an. Ein bisschen Konsum, etwas Vergnügen, gewürzt mit ein paar Spenden oder ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ist das Passion?

Was treibt uns an?

Mit Passion ist hier auch nicht „Trieb“, also das Drängen nach der Erfüllung körperlicher, emotionaler oder geistiger Bedürfnisse, gemeint. Mit dem Titel Motirection, einer Wort-Kombination aus Motivation und Direction, wird jene Quelle der Ausrichtung unseres Lebens in uns adressiert, die unsere Gedanken, Gefühle und Tatkraft speist, ohne dass wir uns verbiegen, anpassen oder verstellen. Peter Handke hat in „Über die Dörfer“ die Richtung, die aus uns selbst kommt, sowie eine Art Anleitung, wie diese freizulegen ist, folgendermaßen beschrieben:

Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit noch mehr. Sei nicht die Hauptperson. Such die Gegenüberstellung. Aber sei absichtslos. Vermeide die Hintergedanken. Verschweige nichts. Sei weich und stark. Sei schlau, lass dich ein und verachte den Sieg. Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar. Zeig deine Auge, wink die anderen ins Tiefe, sorge für den Raum und betrachte einen jedem in seinem Bild. Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig. Vor allem hab Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken. Mach sozusagen Urlaub. Überhör keinen Baum und kein Wasser. Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück, zerlach den Konflikt. Bewege dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird. Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach.“

Der Rote Faden unseres Lebens

Wir sind weder unsere Geschichte noch unsere Vorstellung von uns. Wir sind auch nicht das Bild, das andere von uns haben. Passion ist jene Schwingung, die jeden von uns auf seine eigene Art zum Klingen bringt und jedes Atom in uns vibrieren lässt. Spüren wir jene Momente, die uns in aller Klarheit offenbaren, was uns kraftvoll strahlen lässt. Verfolgen wir diese Spur. Setzen wir unsere Prioritäten, indem wir Entscheidungen treffen, die unser Leben entlang ebendieser Spur verlaufen lassen. Mit einer solchen inneren Ausrichtung einher geht unbändige Lebensfreude, jenes untrügerische Zeichen dafür, dass wir die unerschöpfliche Quelle unserer Lebenskraft freigelegt haben.

Sind Sie etwa einer von jenen Menschen, denen alles zu langsam geht und die noch viel schneller ans Ziel kommen wollen? Haben Sie keine Zeit zum Austeigen (aus dem Bisherigen), Umsteigen (auf etwas Anderes), Absteigen (vom toten Pferd)? Sind Sie der Meinung, dass die Karotte zum Essen da ist, und nicht zum vor-die-Nase-hängen? Ja: Warum das Ziel nicht in sich, statt vor sich haben? Dann lesen Sie nächste Woche mehr über die Fastcination – Trieb Kraft Geschwindigkeit. Success Story No 16: Samstag, 19.09.2015, 10.00

FLEXICORE

Secret Success Story No 14 – über das Stabile im Sturm der Zeit

„All ends with beginnings….

…but we’ve come too far to give up who we are!” meinen Daft Punk und Pharrell Williams  in ihrem Hit “Get Lucky”. Diese Zeilen beschreiben treffend in aller Kürze die Würze unseres momentanen Lebens hier in der Mitte der 2010er-Jahre:

Ständige Veränderung ist die Herausforderung unserer Zeit. Uns treu zu bleiben und gleichzeitig mit den Veränderungen optimal umzugehen ist die Herausforderung für uns Menschen in dieser Zeit.

Wo wir doch so gerne alles unter Kontrolle hätten und endlich sowie dauerhaft all unsere Schäfchen im Sicheren wissen wollten! Wie können wir uns den Eindruck von Sicherheit geben auch wenn es rundherum unplanbar drunter und drüber geht?

Das Schöne an der Komfortzone…

…ist, dass sie sich erweitern lässt. Vielleicht kennen Sie das folgende Bild: Im sprichwörtlichen „Grünen Bereich“ ist alles ok. Die eher schon „Orangerote Stresszone“ kann anregend (Abenteuer, Adrenalin) oder belastend sein. Und wenn es uns eine ungewollte Veränderung zu schnell geht, zu intensiv ist oder zu lange andauert, dann sehen wir „Dunkelrot“: Panik oder Burnout setzen plötzlich bzw. schleichend ein.

Wenn wir nun unsere Komfortzone erweitern und Stress als Anregung empfinden könnten sowie ganz schnell aus der roten Zone zurück in gut-orange oder angenehm-grün finden würden, dann wäre eigentlich alles geritzt. Wenn wir wüssten wie, dann wäre unsere Stabilität in der Veränderung gesichert. Wir hätten in jeder Lebenslage alles im Griff. Und es gibt Wissenschaftler, die behaupten dass dies geht. Im Folgenden geht es um verschiedene Wege zu mehr Gleichmut und Gelassenheit im Auge des Tornados.

Was bringt uns aus der Komfortzone?

Alles, was uns überrascht. Wenn wir angenehm oder selbstgesteuert überrascht werden (etwa durch eine Überraschungsparty oder beim Fallschirmspringen), läuft alles nach Plan. Anregung pur. Wenn wir aber in unseren Erwartungen enttäuscht, mit scheinbar unlösbaren Problemen konfrontiert, in unserer gemütlichen Position bedroht werden, dann läuten unsere Alarmglocken. Buchstäblich. Alarmierende Stresshormone bewirken dann Veränderungen auf allen 5 Ebenen:

  • Vegetativ-hormonelles System (Atmung, Blutdruck, Verdauung etc.)
  • Muskuläres System (Verspannungen, Bewegungs-Blockaden, Haltungsänderungen etc.)
  • Mentales System (negative Gedanken, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsmängel etc.)
  • Emotionales System (Interpretation von Sinnesreizen und Körperzuständen in Form von Stimmungen, Launen, Bewertungen etc.)
  • Verhalten (Reaktionen: was wir sagen und was wir wie tun)

Wie hinreichend bekannt, sollen uns die alarmierenden Zustände eigentlich dazu ermächtigen, gegen einen Säbelzahntiger zu kämpfen oder schnellstens weglaufen zu können. Im modernen Leben bringen diese unkontrollierten Hormonschübe und andere automatisierte Reaktionsweisen eher Probleme als Lösungen mit sich. Und stehen wir unter Dauerstress winkt das Burnout. Stresshormonabbau ist zum einen essenziell für die sogenannte Resilienz, also unsere Widerstandkraft und das „Durchhaltevermögen“. Um an die Wurzel zu gehen wäre es aber am besten, gleich die Auslösefaktoren für Stress zu eliminieren.

Welche Wahlräume haben wir?

Je mehr wir darüber wissen, was wir von uns, von anderen, von der Welt und dem Leben erwarten umso eher wissen wir, was uns enttäuscht. Im Wissen selbst liegt die vielleicht größte Macht, die es schafft, uns in unserer Mitte zu halten, egal was passiert. Denn was uns aus dem Gleichgewicht bringt, ist stets eine Bedrohung dessen, was wir glauben zu haben und zu sein, zu verdienen und zu erreichen. Eine Bedrohung unseres Selbstbildes, unseres Weltbildes, unserer Hoffnung. Flüchtlingsströme im Mittelmehr, TTIP, ein zwar momentan stiller aber eher unberechenbarer russischer Anführer, vom Klima redet schon gar niemand mehr. Alles unberechenbare und auf den ersten Blick risikoreiche, gefährliche Komponenten, die unser Wohlergehen über kurz oder lang beschneiden könnten. Eine Veränderung macht für uns nämlich erst dann Sinn, wenn sie sofort und spürbar oder zumindest höchst aussichtsreich unsere Situation verbessert oder erleichtert. Wenn die Erleichterung aber nicht unmittelbar sichtbar und spürbar ist und auch nicht überzeugend für die Zukunft argumentiert wird, erfolgt der Widerstand – nach außen (Wahlergebnisse, Bürgerinitiativen, Demonstrationen), oder auch nach innen (Stress, Spannungen, Autoagression, Krankheiten).

Wenn wir hier als von Wissen reden und von seiner Macht, uns all dies zu ersparen, damit wir ohne große Aufregung das Beste aus jeder Situation machen können, dann sprechen wir eigentlich schon fast vom Stein der Weisen. Wahrnehmungsfähigkeit, Reflexionsvermögen, Urteilsfreiheit oder auch Entscheidungslosigkeit (siehe mein letzter Blog) führen zu einer krisenfesteren Persönlichkeit. Unzählige Therapien, Bücher, Trainer, Seminare und Workshops bieten Erkenntnishilfen an. Ich sehe dort Vorsicht geboten, wenn das Konzept, also die Methode rechter haben will, als Ihre innere Stimme Ihnen sagt. Die Wahrheit im obigen Sinne liegt definitiv in Ihnen und nicht in einer Lehre oder einem Konzept, auch nicht in einem Rezept. Es gibt tolle Methoden, Mittel und Wege, sich zu erkennen. Aber erkennen werden Sie hoffentlich sich selbst und nicht die Funktionsweise eines Produktes, eines Verkäufers oder einer Organisation. In jedem Fall gibt es viele Möglichkeiten, die eigenen Gewohnheiten und (Re)Aktionsweisen zu durchleuchten und so Abstand von eingefahrenen Denk-, Fühl- und Verhaltensmustern zu gewinnen.

Der einfachste Weg zur Sicherheit

Übersichtlichkeit, Langsamkeit und Ordnung scheinen heute wie Relikte vergangener Zeiten:

„Instability is chronic, uncertainty is permanent, change is accelerating, disruption is common, and we can neither predict or govern events. There will be no „NEW NORMAL“. There will only be a continuous series of „NOT NORMAL“ times.“ Collins/Hansen, Great by Choice

In Zeiten ständiger Veränderungen macht es Sinn, das eigene Zentrum der Stabilität nicht in den äußeren turbulenten Umständen, sondern im Auge des Tornados anzulegen, und die eigene Komfortzone ganz in die Nabe des sich ständig drehenden Rades, zu verlegen. Die Neurowissenschaft sagt uns wie dies geht. Ganz ohne Seminare und Selbstreflexion. Nur mit ein bisschen Übung.

„Normally what you think and decide is influenced by the limbic system. You think different if you are happy or depressed. If you want to change your thinking and change the quality of your thinking, you can’t do it by thinkingTo change behaviour, you have to change thinking, to change thinking, you have to change the context in which thoughts occur! What is the biological and emotional context in which a thought arises? Here you can change the quality of your thought. And you don’t have to be a yogic master or enlightened. IT’S ALL ABOUT CHOICES.“ Dr. Alan Watkins, Neurowissenschafter (siehe seine spannenden youtube-Clips zum Thema „Daily Peak Performance“)

Laut Neurowissenschaft – aber auch gemäß Sozialpsychologie und Ernährungswissenschaft – liegt die Wahl zur maximal stabilen Haltung für eine maximal flexible und effiziente Performance nicht nur in Ihren Händen, sondern in Ihrem gesamten Körper:

  1. Atem: Er beeinflusst Ihre Herzrate und damit Ihren Stresslevel, sowie durch die Sauerstoffsättigung Ihre gesamte Grundkonstitution. Für eine optimale Versorgung atmen Sie etwa 4 Sekunden ein und ebensolange aus, für mindestens 5 Minuten lang, in einem gleichmäßigen und sanften Rhythmus (also nicht stoßweise).

Tun Sie dies regelmäßig, so erhöht sich Ihre Gehirnleistung und generelle Verfassung, Sie werden emotional ausgeglichener und reagieren im Falle des Falles weniger heftig. Besonders wenn Sie es schaffen, noch vor einer allfälligen Reaktion nach altem Muster (Toben, Anklagen, Ausrasten, Selbstanschuldigungen, Fressanfälle – alle Gewohnheiten, mit denen Sie bisher versuchten Ihren Frust, Ihre Enttäuschung, Ihre Wut, Trauer und Angst „normalerweise“ zu besänftigen) einen solchen Atemfluss zu etablieren (nach einiger Übung reicht ein einziger solcher Atemzug, um automatisierte Musterabläufe zu unterbrechen).

  1. Muskelentspannung: gezielt. Etwa indem Sie aktiv in eine vorhandene Spannung hineingehen (10Sekunden lang) und doppelt solange (20 Sekunden lang) danach doppelt so sehr loslassen und entspannen. Funktioniert besonders gut mit Schultern, Kiefer, Nacken. Massagen, Yoga oder Osteopathie sind natürlich auch wunderbare Methoden.
  2. Haltung: Öffnen Sie regelmäßig Ihren Oberkörper (à la Siegerpose), sitzen, gehen, stehen Sie aufrecht ohne dabei steif zu sein. Verschränken Sie weder Arme noch Beine. Sie verhelfen Ihrem Körper zur optimalen Atmung und Zirkulation. Dies hat nachgewiesener Weise Auswirkungen auf Ihr Gefühlserleben und Ihre Selbsteinschätzung, lässt Schwieriges weniger mühsam und Neues weniger bedrohlich wirken.
  3. Ernährung: wenige Überraschungen erwarten Sie hier, die aber viel bewirken, da Ihr Körper eben einige Elemente ausreichend braucht und für den Abbau anderer Dinge viel zu viel Kraft verbraucht. Mehr Wasser, Nüsse, Obst, Gemüse, Fisch. Weniger Zucker, Fett, Tabak und Alkohol. Die Zellen regenerieren schneller, die Nerven und das Immunsystem werden gestärkt u.v.m
  4. Spass: Lachen, Wohlfühlen, Liebe machen, Musik hören, Malen, Sporteln – alles, was uns gute Laune spendet macht uns nur stärker.

Life is a constant Transition

Das Erfolgsziel ist es, dauerhaft eine Haltung zu entwickeln, in der wir mehr Möglichkeiten in Zeit, Raum und Bedeutung wahr-nehmen. Die Challenge ist es, über das Gewohnte (Erwartungen: Ängste + Hoffnungen) hinauszugehen, und es sich direkt hinein im Unbekannten bequem zu machen. Sie können obige Anregungen besonders gut mit Personen üben, die Sie regelmäßig „triggern“, also aus Ihrer Komfortzone kicken. Z.B. Kinder, Kollegen, Vorgesetzte, Eltern etc. Sie alle scheinen oft nur allzu genau zu wissen, auf welchen Knopf sie drücken müssen, um uns zum orangeroten Glühen zu bringen. Das nächste Mal atmen Sie 4 Sekunden aus bevor Sie reagieren, entspannen in dieser Zeit Ihre angespannte Stellen, erlauben Ihrer Stimmung dazu sein, ohne sie für gut oder schlecht zu halten. Sehen den Betroffenen an, richten sich auf, greifen zur Banane und lächeln…

Keine Lust auf Veränderung, bringt eh alles nichts, alles schon probiert – und das Leben ist und bleibt trotzdem irgendwie nicht ganz so wie erhofft? Steht die Motivation auf dem Prüfstein, fehlt die Richtung oder das Ziel? Dann lesen Sie nächste Woche mehr über

Motirection – Lebenskraft aus Leidenschaft. Success Story No 15: Samstag, 12.09.2015, 10.00

BeMeUp – Der Erfolgsblog. Jeden Samstag um 10.00. auf www.bemeup.today

CHALLENCHOICE

Secret Success Story No 13 – über das Gute an der Qual der Wahl

Freiheit – Privileg und Geißel unserer Zeit

Viel wurde schon darüber geschrieben, wie mühselig doch unsere heutige Zeit geworden ist: Unsere „Freiheit“ besteht darin, ständig Entscheidungen treffen zu müssen, ohne aber die Konsequenzen absehen zu können. Auch die Entscheidungsgrundlagen gleichen eher trüben Sümpfen als dass sie einer klaren Architektur zu folgen scheinen. Die allgegenwärtige Informationsflut überschwemmt uns mit einer unüberschaubaren Vielzahl an… Ja was eigentlich? Das weiß keiner so genau. Hauptsache viel Info, gleichzeitig und räumlich parallel.

Das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben, geschweige denn über die äußeren Umstände musste schon vor einiger Zeit einem Arrangement mit dem „es ist wie es ist“ weichen. Manche interpretieren ihre Rolle in der derzeitigen, gelinde gesagt „veränderungsfreudigen“ Situation eher als Auftritt in dem Stück „friss Vogel oder stirb“. Andere entwickeln im steten und durchaus (mit)reißenden Fluss der Veränderungen eine innere Stabilität. Der Blog nächste Woche („Flexicore“) handelt von ihnen.

Heute geht es um die prinzipielle Einstellung zur Vielfalt – und um unseren Hang zur Einfalt, was unsere Handlungsmöglichkeiten betrifft.

Widerstand ist zwecklos

Gefühle und gedankliche Schlussfolgerungen limitieren unseren Handlungsraum. Gefühle und Gedanken sind nicht viel anderes, als die Interpretation von Sinnesreizen und Körperzuständen im Gehirn. Mit Körperzuständen sind etwa muskuläre Spannungen, der Sauerstoffgehalt im Blut (verursacht durch beispielsweise flache oder tiefe Atmung) oder der im Körper befindliche aktuelle Hormoncocktail gemeint. Diesen „Informationen“ – im Sinne der derzeitigen „Form“, in der wir uns jeweils befinden – wird von uns eine „Bedeutung“ zugeschrieben. Dies geschieht auf der Basis unserer Erfahrung: unsere Erlebnisse, Prägungen und damit Gewohnheiten geben vor, wie wir etwas fühlen, sehen oder verstehen. Das ist er Grund, warum uns immer wieder „dasselbe“ passiert, obwohl wir ja eigentlich „niemals in denselben Fluss steigen“. Die persönliche Interpretation ist aber auch ein Weg im stets Neuen den Eindruck der Kontrolle und Selbstbestimmung aufrechterhalten zu können. Jede Interpretation ist ein willkürlicher, wenn auch zumeist unbewusst ablaufender, Akt der Verortung auf einer fließenden Skala zwischen beispielsweise gut oder schlecht, hell oder dunkel, angenehm oder unangenehm. Insofern ist jede Interpretation zugleich auch ein Akt der Bewertung. Und an dieser Stelle wird es wirklich interessant.

Challenge without choice

Würden wir nämlich akzeptieren, dass jeder Moment absolut einzigartig ist, bräuchten wir ihn nicht mehr zu interpretieren im Sinne von bewerten. Nein: Wir könnten ihn sogar gar nicht mehr bewerten. Wir wären uns voll und ganz bewusst, dass jede Interpretation unserer eigenen Sicht der Dinge entspringt, und damit nur uns selbst und unsere eigene Wirklichkeit widerspiegelt – und nicht „die“ Wirklichkeit (oder „die Wirklichkeit der anderen“).

Aber warum ist diese Unterscheidung überhaupt wichtig? Warum ist es wichtig anzuerkennen, dass wir niemals mit unseren Sichtweisen „absolut recht“ haben sondern nur „relativ recht“, quasi „subjektiv recht“?  Reicht es denn nicht für ein authentisches, erfolgreiches Leben, unseren eigenen Weg gemäß unserer eigenen Vorstellung zu gehen? Ja und Nein. Es kommt eben auf unsere bewusste Einstellung der Subjektivität jeder Entscheidung gegenüber an.

Das eigentliche Problem besteht darin, dass jede Entscheidung eben eine Bewertung, eine Interpretation der Gegebenheiten ist. „Die Gegebenheiten“ erleben wir dadurch, dass sie in uns repräsentiert in Form unserer eigenen Zustände sind. Die Interpretation dieser eigenen Zustände basiert dann eben – wie oben schon beschrieben – entlang unserer Musterprägungen, Erfahrungen, Gewohnheiten. Eine Wahl zu treffen bedeutet, die uns zu einem Zeitpunkt gerade sichtbaren Möglichkeiten zu bewerten, abzuwägen – sprich: auf das uns Sichtbare, Zugängliche zu limitieren.

Die „Qual“ der Wahl stellt sich eigentlich genau hier und jetzt ein: Wenn wir nicht mehr bewerten können oder die Konsequenzen nicht mehr abschätzen können, weil uns eine eindeutige Grundlage für diese Einschätzungen fehlt. Genau hierin liegt aber zugleich die Chance, mehr als „das Übliche“ erkennen und letztendlich tun zu können…

Die Kraft der Entscheidungslosigkeit

Das größte Abenteuerland, die größten Herausforderungen, liegen dort verborgen, wo wir noch nicht waren. Im unbegrenzten Hier und Jetzt. Und um dorthin, dahin, hierher zu gelangen braucht es nicht viel. Ganz im Gegenteil: nur die Aufgabe von Vor-Stellungen.  Das Aufhören vom Bewerten und Interpretieren. Durch die  Hingabe an die Entscheidungslosigkeit eröffnet sich uns das weite Land der Komplexität. Eine Realität zwischen Chaos und Ordnung mit unendlich vielen Möglichkeiten. Orientierung, Sinn, Richtung, Ziel – alle diese Anker des Alltags geben hier wie eine Landschaft verschiedene Täler und Bergspitzen, Flüsse und Wege ab. Und wir sehen verschiedene Menschen auf ihren eigenen Wegen. Wir sehen unsere und ihre Landschaften neben einander. Und manchmal sehen wir uns zu, wie wir gemeinsame Welten gestalten.

Zuvor haben wir zumeist unsere selbst geschaffene Landschaft wahrgenommen. Wenn wir unsere Vor-Stellungen, unsere Bewertungen und Ein-Schätzungen von gut/böse, richtig/falsch, schwarz/weiss etc. als relativ erkennen und ein Stück weit loslassen, füllt sich der Raum mit ungeahnten, ungesehenen Möglichkeiten.

Die Macht der Wahl liegt darin, sie auch nicht treffen zu können

Jede Entscheidung reduziert unendliche Komplexität auf eine simple Funktion. Sei es der Gewinn von Sicherheit, das Stillen von Bedürfnissen, das nackte Überleben. Als Menschen, die im Alltag funktionieren wollen, müssen wir uns ständig entscheiden. Als Vor-Bilder im Unternehmen oder in der Familie müssen wir uns entscheidungsstark geben, um anderen das Gefühl von Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit zu vermitteln. Wir können nicht von allen erwarten, Komplexität aushalten zu wollen. Es ist jedermanns/-fraus gutes Recht, sich auf die eigenen Sichtweisen zu reduzieren. Ich sage nur: Wenn wir alle unsere Sichtweisen relativieren könnten und uns in diesem Bewusstsein begegnen würden, dann wäre die Welt eine große gemeinsame und vor allem friedlichere Spielwiese.

Ganz in diesem Sinne fordere ich unsere gewohnten Erfolgsbilder heraus: Muss wirklich immer der Stärkere gewinnen? Können wir nicht die mit der Fähigkeit zum intellektuellen Tiefsinn (statt denen mit den Bestsellerlisten), die mit der Fähigkeit zum handlungsorientierten Weitblick (statt denen mit dem meisten Geld/Macht/Ansehen), die mit der Fähigkeit zur emotionalen Nahversorgung (statt denen, die uns das Ganze auf der Leinwand vorspielen) oder die mit der Fähigkeit zum körperlichen Höhenflug (statt denen, die Spitzenleistung bringen) an ihrer Stelle küren? Hier mein Vorschlag: Machen wir einander zu Gewinnern, einfach für die Eigenart, die wir einander schenken – gönnen wir uns Erfolg auf unsere Weise, schätzen wir uns nicht ein oder ab, sondern hoch!

Challenge the Choice! Choose the Challenge! Das bewusste Leben im Fluss unendlicher Komplexität verlangt nach einer unerschöpflichen Quelle innerer Stabilität, die uns wie die Nabe am Rad in der Mitte des Seins zentriert, während das Leben sich in alle Richtungen entwickelt. Mehr dazu in

Flexicore – Success Story No 14: Samstag, 06.06.2015, 10.00

BeMeUp – Der Erfolgsblog. Jeden Samstag um 10.00. auf www.bemeup.today

SYNERGETIC LEADERSHIP

Secret Success Story No 12 – über das Beste beider Seiten

Der Balanceakt

Sie ist umsichtig – er ist entscheidungsfreudig. Sie ist vorsichtig – er ist direkt. Sie ist gefühlvoll – er ist sachlich. Sie hört zu – er gibt vor. Sie möchte, dass es allen gut geht – er möchte, dass alle Gas geben…

So oder so ähnlich könnten die eher positiv besetzen Eigenschaftszuschreibungen von weiblichen und männlichen Führungskräften aussehen. Zusätzlich existieren die eher negativen Vorurteile: Sie ist „bossy“, er „durchsetzungsstark“.  Sie ist „intrigant“, er „taktiert“. Sie ist „unflexibel“, er ist „konsequent“…

Sie hören es vielleicht heraus: Im Negativen gibt es nicht nur Gegensätze zwischen, sondern auch Ähnlichkeiten in den Geschlechtern. Das sog. „Wording“ (die Ausdrucksweise), unterscheidet sich aber durch eine implizite (Ab-)Wertung: Männliches Fehlverhalten scheint sozial akzeptierter zu sein als weibliches. Bosse „zucken“ nun mal ab und an aus und dann ist alles wieder gut. Wenn Frauen mal ausrasten oder „sogar“ tiefere Emotionen zeigen, so wird ihnen oft jeglicher Verstand und vor allem Kompetenz nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft abgesprochen. Warum ist das so?

Die Frau und der Mann in uns

Stellen wir uns vor, dass beide Seiten, nämlich die männliche und weibliche, einen wichtigen Betrag für das erfolgreiche Zusammenleben leisten. Emotionen und Verstand arbeiten im Idealfall zusammen. Weisheit trifft auf Tatkraft, Menschlichkeit auf Technik. Stellen wir uns nun vor, dass wir Menschen die gesamte Palette an „männlichen“ und „weiblichen“ Fähigkeiten prinzipiell in uns tragen. Wir könn(t)en also männliche und weibliche Stärken ausleben, wenn wir dies wollten. Nur unsere Erziehung und unsere Erwartung, sprich: unsere Gewohnheiten, hindern uns daran, das gesamte Spektrum an Ressourcen, das in uns steckt, zu nutzen.

„Wann ist ein Mann ein Mann?“ (Antwort: alles erlaubt, bloss nicht weich sein). „Wann ist eine Frau eine Frau“ (Antwort: bloss nicht hart sein, zumindest nicht über das jeweils gewünschte Mass hinaus). Schluss damit. Warum sollten wir die in uns Menschen schlummernden Fähigkeiten limitieren?

Männer: ran an die Gefühle!

Frauen : ran an die Strategien und Entscheidungen!

Für diese Erweiterung unseres Verhaltensspektrums wäre vielerorts eine frische Sichtweise auf uns selbst hilfreich. Was wäre, wenn wir keine Männer oder Frauen mehr wären, sondern zuallererst Menschen?

Menschen – ran an die notwendige Härte und meist mögliche Berührbarkeit!

Im Privaten ist uns das Wechseln von männlichen und weiblichen Qualitäten ja nicht fremd. Im Berufsleben sind solche „verkehrten“ Verhaltensweisen aber bei Weitem noch nicht unumstritten. Männer fühlen sich oft noch von direkten, entscheidungsstarken Frauen angegriffen. Frauen wollen oft noch von autoritären Männern geführt werden (Beispiel: ein „Frauenversteher“ als Boss? Dann doch lieber stundenlang mit ihm reden, ihm von den eigenen Sorgen erzählen, als einfach nur seine Anweisungen befolgen…).

Leadership of the Future

Ich plädiere hiermit für Führungspersönlichkeiten – und jeder ist im Idealfall sein eigener Boss – , die sich durch ihr flexibles Verhalten auszeichnen. Werden wir zu Menschen, die unser eigenes Leben führen und durch unser Vorbild andere führen. Indem es uns gelingt, weich und stark, gefühlvoll und sachlich, kommunikativ und tatkräftig, umsichtig und risikofreudig zu (re)agieren. Je nachdem, was die Situation erfordert.

Synergetic Leadership bezeichnet nun Zweierlei: Zum einen verstehe ich darunter die weitgehend noch ungenutzte Ressource, Führungsspitzen zweigeschlechtlich aufzustellen. Spitzenpositionen könnten zweigeteilt und durch einen Mann und eine Frau abgedeckt werden.  Die sich ergänzenden Qualitäten und Sichtweisen bieten einen Mehrwert für das gesamte Unternehmen – sofern die Unterschiedlichkeiten nicht nur akzeptiert sondern auch aktiv genutzt werden. Die Führung ist breiter aufgestellt, deckt mehr Bedürfnisse und Anforderungen ab und bietet nicht zuletzt einen Vorbildcharakter, was die Entwicklung sozialer Gerechtigkeit betrifft.

Zum anderen meine ich mit Synergetic Leadership die konsequente Weiterentwicklung beider Seiten in jedem von uns: Mögen wir zu ganzen Menschen werden! Aber können (oder wollen) wir überhaupt aufhören, uns über unsere Geschlechterzugehörigkeit zu definieren? Damit meine ich nicht, dass wir aufhören sollten, unsere vorhandenen männlichen und weiblichen Seiten weiterhin zu schätzen und zu leben. Ich meine aber, dass das Ausschlussprinzip sich überholt hat. Eine Synergie aus männlichen und weiblichen Qualitäten in uns zu erzielen hieße, dass wir in uns einfach noch weitere Entwicklungsfelder erschließen. Sie eröffnen uns, in neuen Möglichkeiten zu denken, zu fühlen, wahrzunehmen und erweitern unser Verhaltensspektrum. So können wir uns dann auch langfristig nachhaltig und kurzfristig erfolgsorientiert verhalten. Und wir können die Einzigartigkeit anderer besser sehen und verstehen, weil wir nichts mehr ablehnen müssen, was wir ins uns selbst (aus Gewohnheit) ausschließen. Wir können uns schlichtweg mit den anderen 50% der Weltbevölkerung identifizieren. Welch ein Gewinn, welch eine Ressource für friedliches Zusammenleben.

Aber wer sind wir, wenn nicht unser Körper?

Warum fällt es uns so schwer, uns in das andere Geschlecht hineinzuversetzen? Warum scheinen „Männer immer noch vom Mars“ und „Frauen immer noch von der Venus“ zu kommen (siehe Barbara und Allan Pease‘s Klassiker über Geschlechterunterschiede)?

Weil die einfachste Variante, uns als „Ich“ zu definieren, darin besteht, uns an unseren „Etiketten“, also klar erkennbaren Äußerlichkeiten, festzumachen. Sie verleihen uns scheinbar offensichtlich eine „eigene“ Identität und ermöglichen auch anderen, uns mit einem Blick „einzuordnen“: Aussehen, Alter, Herkunft, Name, Nationalität, Sprache, Titel/Bildung, Job, sexuelle Tendenzen etc. – sie alle machen uns leicht und eindeutig erkennbar zu dem/der, die wir sind. Oder?

Ich finde, wir sollten tiefer schauen. Wir sollten anders schauen. Wir sollten aufblicken vom Offensichtlichen und hinter das automatisch Mitinterpretierte schauen. Fangen wir an, uns und andere so zu sehen, wie sie sind – und nicht, wie sich sich selbst darstellen oder wie sie durch andere gesehen werden. Indem wir uns klar werden, dass nichts und niemand je so ist wie er/sie/es uns scheint, wird alles und jeder zunächst einmal so wie es/er/sie ist. Von diesem neutralen Standpunkt aus können sich unsere Kräfte in alle Richtungen ungehindert entfalten, da sie dort ansetzen, wo sie gebraucht werden und nicht dort, wo sie mit (unseren/anderen) Vorstellungen übereinstimmen.

Hören Sie an dieser Stelle vielleicht ein deutliches “Ich will aber nicht!” ins sich rufen? Dann könnte dies ein ebenso deutliches Zeichen dafür sein, genau diesen Weg weiter zu verfolgen. Am Ende des Regenbogens aus den verschiedenen Schattierungen von Widerwillen wartet nämlich

Challenchoice – Success Story No 13: Samstag, 30.05.2015, 10.00

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