Seven Strange Synchronicities: 1

Wie es der Zufall so will, klopfte heute das Schicksal an meine Tür – gleichzeitig flutschte das Glück, Hand in Hand mit dem Pech, zur Hintertür hinaus und hinterließ mich nackt in meinem Sein, also in jenem Zustand, den ich zuvor gesucht hatte. Das nenne ich mal Synchronizität. Ein äußerst wundersames Zusammenfallen innerer Zustände und äußerer Umstände. Ja, das Ganze geht auch einfacher erklärt: Sie fahren im Auto, hören nette Musik, haben grad nicht viel im Kopf, da ploppt von innen eine Frage auf. Etwas, das Sie schon lange beschäftigt hat, ohne dass Sie bisher recht Zeit dafür gefunden hatten. Etwas fundamental Wichtiges. Vielleicht, warum Sie immer noch nicht Ihre Lebensaufgabe leben. Und Sie denken nicht groß drüber nach, nein, Sie lassen sich nur in die Stimmung kippen, in die Sie diese Frage taucht. Ein kleines Fragezeichen runzelt dabei vielleicht unbemerkt Ihre Stirn, die große Sehnsucht macht sich wehmütig in der Brust breit, leichte Frustration rumort im Bauch, während Ihre Beine minimalistisch zum Beat zucken. Just jetzt fällt Ihr nichtsahnender Blick auf ein Plakat. Und siehe da: Hier steht sie, Ihre Antwort! Sie müssen lachen, über den Zufall, über das Schicksal. Aber vor allem über diese Synchronizität. Über das gleichzeitige Auftauchen von Frage und Antwort, das Zusammenfinden von innen und außen. Darüber, dass der banale Alltag der Werbung auf das Wunder des Lebens trifft. Darüber, dass das Leben sich über sich selbst amüsiert – und Sie Zeuge sind.

Ein anderer Begriff für Synchronizität wäre vielleicht Stimmigkeit. Damit ist beleibe nicht einfach nur Harmonie gemeint, nein, eher schon das Auftauchen von plötzlich Stimmigem im prinzipiell Unstimmigen. Ein kleines Wunder eben. Mit solchen Wundern beschäftigt sich dieser Blog 2021. Denn das Leben ist zu kurz und viel zu seltsam, um sich nicht dem Wundersamen zu widmen. Wir müssen nicht an Wunder glauben, um Wunder zu wirken. Die Macht kann mit uns sein, ohne über uns zu kommen. Alleine schon, dass manchmal das unsinnigste Ereignis auf einmal unfassbar viel Sinn macht, sofern man die Perspektive wechselt, ist schon ein kleines Wunder. Und solcherart Wunder lassen sich in aller Absichtslosigkeit tatsächlich selbst dem Alltäglichsten entlocken und aus dem unscheinbarsten Augenblick hervorkitzeln.

Es wird Zeit, dass wir uns mehr wundern, finde ich. 2021 braucht uns, braucht unsere Kraft: Nicht nur die Kraft, trotz Pandemie durchzuhalten oder gegen schwierige Entwicklungen anzukämpfen. Nein. Vor allem die Kraft, das Leben an sich zu bewundern. Das Beste in jedem Moment nicht vorweg zu wünschen oder im Nachhinein hinein zu interpretieren. Erst im leeren Raum des Hier und Jetzt zeigt sich das Wunder. Seien wir live dabei und lassen uns von Moment zu Moment aufs Neue vom Leben überraschen!

PS: „Masters of Magic Moments“ hieß mein erstes Buch im Original. In Kürze erscheint es neuerlich als Hörbuch. Es handelt von der Kunst wunder-voller Begegnungen mit sich selbst, mit anderen und dem großen Ganzen. Synchronizitäten sind Zeichen. Nämlich für die eigene Offenheit den Wundern des Lebens gegenüber. Bestimmte Geisteshaltungen, Grundeinstellungen und Verhaltensweisen machen das Wundersame in unserem Leben erst sichtbar. Frei nach dem Motto: Verzaubern wir uns selbst, so wird die Welt magisch…

Sunny Side Step 9 – Living in the Meantime

Magnetismus der Zielverfehlung

Können Sie sich erinnern, als „Warten“ noch unangenehm war? Als man im Arztzimmer oder an der Supermarktkasse nicht wusste, wohin mit sich vor lauter innerer Unruhe, weil nichts weitergeht? Als man noch keine Möglichkeit hatte, die dringenden Emails, Nachrichten und Anrufe vor Ort und auf der Stelle per Smartphone abzuarbeiten? Als das Warten auf Züge und Flüge, Ärzte und Handwerker nervenzerreißend wirkte und zeitraubend schien, weil es uns im Erledigen unserer dringenden oder wichtigen Aufgaben aufzuhalten drohte?

Alles anders ist ganz normal

Was sich heute Alltag nennt, ist stattdessen zur Routine des nervtötend Unbekannten geworden. Nichts kommt mehr so wie erwartet, aber wir haben uns daran gewöhnt. Wir können damit umgehen, denn wir haben einen Trick gelernt: Wir lenken uns einfach und erfolglos ab. Auf jede Erwartungsenttäuschung folgt eine Belohnung, die nicht wirklich hilft. Um das Nichterfüllende daran nicht zu bemerken, vergraben wir uns noch tiefer im vermeintlichen Spaßfaktor der Ablenkung. Die Spannung des Lebens vegetiert heute in den Abgründen des Immergleichen Ewiganderen von den meisten unbemerkt vor sich hin. Dysfunktion und Desinformation waren vielleicht gestern en vogue. Ent-Fokussierung ist die Wahldroge der Zeit.

Kein Ziel rechtfertigt dieses Resultat

Zugegeben: Weder in der Planung noch im Abarbeiten von Aufgaben (von Aufstehen, Zähneputzen, Putzen im Allgemeinen über die Schulpflicht bis hin zur Arbeitspflichten) liegt heutzutage noch Zufriedenheit. Das Spannende verströmt gerade jener Hauch von Seltsamkeit, der Routinetätigkeiten diese Tage durchdringt: Jegliches Abarbeiten geht mit dieser „je-ne-sais-quoi“-Unruhe des „Falschseins“, des „am Leben -Vorbeilebens“ einher. Nichts, was „einfach nur erledigt“ gehört, hat mehr einen Wert. Das Hakerl, das hinter der inneren oder äußeren To-Do-Liste gesetzt wird, bringt keine Erfüllung (mehr) mit sich.

Ich erinnere mich, dass dies einst anders war. Ein guter Tag, war ein leerer Tag, also ein Tag, der sich durch eigene Aktivität geleert hatte. So ein Tag erfüllte mich einst mit innerer Zufriedenheit. Ein Tag, an dem man alles erledigt hatte, was man sich vorgenommen hatte, war genug. Gab Anlass zur inneren Ruhe. Diese Tage gibt es nicht mehr, schon lange nicht mehr. Es ist nicht mehr genug, es ist nie genug.

Warum wir niemals ankommen

Wer zu sich kommt, wer zu sich findet, erkennt, dass routinemäßige Arbeiten im Allgemeinen und Pflichten-Erledigen im Besonderen oft wenig mit der eigenen Sinnfrage zu tun haben. „Warum?“ ist daher die alles entscheidende Frage. Problematisch ist jedoch die Vielzahl an möglichen Antworten und die Beliebigkeit derselben. „42“ würde Douglas Adams als Antwort geben. Wer zu wissen glaubt „warum“ belügt sich entweder selbst oder ist sich der Fragilität der eigenen Arbeitshypothese bewusst. Denn es ist ja nie genug. Natürlich höhlt steter Tropfen nahezu jeden Stein. Aber der Stein ist unendlich groß.

Wer hingegen nicht weiß, „warum“ ist schlicht unzufrieden in seinem Alltag und beginnt im Anderswo zu leben. In der ewigen Ablenkung. Unsere Zeit fördert diese Entwicklung, sie schafft Mechanismen und Strukturen, die unsere Aufmerksamkeit aufsaugen wie der effizienteste Staubsauger aller Zeiten. Dieses Problem stellt allerdings weder die Digitalisierung, die Globalisierung noch die Konsumgesellschaft bereit. Die Quelle des Problems liegt viel, viel näher. Wir sind das Problem. Wir sind süchtig nach dem entweder-oder, nach Pflicht oder Ablenkung.

Wo also steckt sie, die Lösung?

Leben im Zwischenraum und in der Zwischenzeit

Dort, wo keine Bedürfnisse herrschen, keine Zwänge regieren, keine Anforderungen drängen, da spielt die Musik des Lebens. Dieser unendliche Freiraum, der in der Zwischenzeit existiert, wäre eigentlich stets vorhanden und zugänglich. Wir verstellen uns nur permanent die Tür dorthin. Nein, noch wahrer: Wir sind die Tür dorthin, geben aber anderen und den Umständen die Schlüssel in die Hand. Wir reden uns erfolgreich aus, die Tür zum Himmel auf Erden zu sein.

Und nein, es geht dabei nicht um „Freizeit“, welch perverses Konzept. Das Leben will als Ganzes gelebt und nicht gespalten in unzureichende Teile werden. Der Freiraum und die Zwischenzeit harren hinter allen Aufgaben und Ablenkungen unserer Aufmerksamkeit, bereit zu spielen.

Die Macht der Umwege

Wir können also nicht anders, als an der Härte der Realität so lange zu scheitern, bis wir zur Einsicht ihrer inneren Bedingtheit gelangen. Diese Erkenntnis markiert das Ende des Irrweges. Wir irren solange, bis wir nichts mehr erledigen wollen und uns nicht mehr ablenken müssen.

Auf dem Weg dorthin, tief im abhängigen Herumirren, hilft uns jeder dem Geist des Erledigens oder der Lust auf Ablenkungen zutiefst verhasste Umweg. Denn die eigenartige Anziehungskraft des Abwegigen sorgt dafür, dass wir über unsere Planungen und Vorannahmen, Hoffnungen und Befürchtungen stolpern. Wir fallen aus unseren Routinen der Ablenkung vom Unvorhergesehenen und landen.

Im unendlichen Zwischenraum der Freude, im ewigen Frieden der Übergangszeit

Super Simple Solution No 4 – Der Sinn des Lebens

Warum wir verwirrt sind

Halten wir Anerkennung oder Gemocht-Werden für ein Anzeichen von Erfolg, so suchen wir vielleicht auch den Sinn unseres Lebens im Außen. Veräußern wir aber unsere ureigene Sinnsuche, so werden wir zu anderen, als wir eigentlich sind. Das Verstellen, Verbiegen, sich-selbst-Verlassen manifestiert sich früher oder später in Unstimmigkeit. Im Innen wie im Außen. Wir haben uns ver-irrt, wir sind verwirrt.

Wo ist das Licht am Ende des Tunnels?

Bis zu diesem Punkt haben wir nach der Leitlinie gehandelt: Welche Entscheidungen und welches Verhalten versprechen die meisten scheinbaren, also „mich anscheinenden“ Resultate? Wodurch stelle ich mich ins „rechte“ Licht? Diese Haltung verlängert den Tunnel. Fragen wir uns hier: Welchem Licht wollen wir an dieser Stelle unseres Lebens weiter folgen?

Mein Vorschlag: Suchen und folgen wir dem aus uns selbst kommenden Licht. Entwickeln wir die uns eigene Strahlkraft. Leben wir unsere tatsächliche Eigenfarbe. Sie kommt erst dann zum Vorschein, wenn wir ganz wir selbst sind. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Hoffnung auf Zustimmung. Ohne Angst vor Kritik. Erwartungslos unseren Weg gehen, unserer inneren roten Leitlinie folgen…. DAS macht Sinn. Aber wie finden wir uns selbst, unser eigenes Licht?

Wer bin ich?

Die Antwort darauf offenbart sich überraschenderweise, sobald uns klar wird, wer wir nicht sind. Indem wir die Vorstellungen darüber, wer wir sein sollten oder müssten loslassen, gewinnen wir den Raum für die reine Selbst-Erkenntnis. In dieser formlosen Offenheit kristallisiert sich heraus, was immer schon da war. Wir sind, wer durch unsere Augen sieht und durch unsere Ohren hört. Unser Gewahr-Sein. Alles andere ist Interpretation.

Worum es wirklich geht…

… zeigt sich uns besonders deutlich in den spannenden Übergangsphasen unseres Lebens, in denen wir in die Offenheit katapultiert werden oder in manchmal als leidvoll erfahrenen Veränderungsprozessen, in denen wir Unsicherheit erfahren. Spätestens in der direkten Konfrontation mit dem Tod oder gegen Ende unseres Lebens wird klar ersichtlich und eindeutig spürbar, was wirklich zählt. Menschen mit solchen Grenzerfahrungen1, die unser Leben ins “rechte Licht“ rücken, formulieren die 3 Kernfragen des Lebens in etwa so:

  • Lebe ich?
  • Liebe ich?
  • Bewege ich jemanden/etwas?

Leben, lieben, bewegen

Aber leben wir nicht alle? Nein, viele funktionieren vor sich hin oder warten auf bessere Zeiten, manche verwechseln  das Leben mit „so tun als ob“ sie irgendwer oder etwas anderes als einfach nur Menschen wären.

Lieben wir nicht alle? Nein, viele sehnen und wünschen bzw. beklagen sich eher, anstatt die Quelle der Liebe in sich selbst zu entdecken.

Bewegen wir nicht alle irgendetwas oder jemanden? Nein, nicht so, wie wir könnten. Natürlich strahlt jeder von uns hinaus in seine Welt. Aber die wenigsten achten darauf, was sie ausstrahlen und was sie daher wie oder warum bewegen.

Viele Menschen könnten schon allein dadurch mehr im Sinne von Leben und Lieben bewegen, indem sie schlicht nicht tun, was sie „normalerweise“ so ausstrahlen…

Und wieviel mehr und anderes können wir bewirken, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, alles Mögliche zu tun, was zu mehr Leben und Liebe führt… Ein solches Verhalten muss gar nicht Gandhi-like von Selbstaufgabe oder moralischem Heilsanliegen begleitet werden. Ganz im Gegenteil: Ein derartig auf Leben und Liebe ausgerichtetes Verhalten verändert unser eigenes Erleben auf höchst sinnliche und erfreuliche Art und Weise.

Glück und Zufriedenheit

Viele Untersuchungen2 zeigen, dass in der Qualität unserer Beziehungen der Schlüssel

  • zum kurzfristigen Glück (etwa durch Hormonausschüttungen bei gemeinsamen Höhenflügen verschiedenster Art)
  • zur langfristigen Zufriedenheit (durch die Umgestaltung neuronaler Prozesse und damit der Gewohnheiten in unserem Gehirn)
  • sowie zu dauerhafter Gesundheit (u.a. durch die Stärkung des Immunsystems und den Abbau von Stress) liegt.

Jeder Schritt auf unserem Lebensweg, der uns in Richtung hochqualitative Begegnung – mit uns selbst und anderen – führt, ist daher besonders sinnvoll.3

Sinn und Sinnlichkeit

Erleben wir hochqualitative Begegnungen auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene, erfüllt dies unser Leben in aller Sinnlichkeit. Und wir strahlen. Unser Strahlen bewegt unsere Umwelt, wie beeinflussen andere durch unsere Lebendigkeit, wir lehren sie alleine schon durch unsere Präsenz das Leben zu lieben. Und der Sinn? Liegt direkt am Weg. Wir ent-wickeln uns – und andere.

Live, Love, Matter.

What else?

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1 beispielsweise die bewegende Geschichte von Brendon Burchard, der sich in der schwierigsten Phase fragte: Did I live?, Did I love?, Did I matter?

2 vgl. etwa der schöne TED Vortrag „The Good Life“ von Robert Waldinger über die „longest runnig study on happyness“, die seit den 1930ern von der Harvard University durchgeführt wird

3 Mehr darüber, wie das eigene Leben auf hochqualitative Begegnungen ausgerichtet werden kann, in: Die Kunst der Begegnung. Vom Ich zum Wir. Der Weg zu einer erfüllenden Beziehung. Braumüller Verlag 2016.