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Secret Success Story No 8 – über das Schwingen zwischen den Welten

Eine Sicht auf viele Welten

Eine Buckelpiste runterwedeln. Die Wellen entlang surfen. Auf einen Gipfel rauf, wieder runter und zum nächsten wandern. Das „runners-high“ durchs immer weiter Laufen provozieren… Im Sport kennen wir das genüssliche Schwingen, das sich einstellt, wenn wir die Hürden der Außenwelt mit der „richtigen Einstellung“ nehmen. Höchst freiwillig setzen wir uns der Mühsal des Trainings aus. Wir nehmen die sich uns dabei stellenden Herausforderungen quasi „sportlich“.

Im „normalen“ Leben sind wir nicht immer froh darüber, wenn wir uns aus unserer Komfortzone hinaus bewegen sollen. Und wir wollen es eigentlich auch nicht. Denn außerhalb des Sports sind etwa die Ziele und Regeln, der Zeitrahmen oder die Konsequenzen sowie vor allem der Aspekt der Freiwilligkeit nicht so eindeutig gegeben. Im normalen Leben machen wir es uns vielleicht gar nicht zur Aufgabe, mit den auftauchenden Hürden lustvoll umzugehen. Spaß am Anderen, am Anstrengenden, am Un-Komfortablen zu haben – hat das einen Wert für Sie?

Die „Viele Welten-Theorie“ oder: das Problem des Mit-Schwingens

In der Physik oder der Philosophie existiert die Überlegung, dass es so viele Welten gibt, wie nur möglich sind bzw. so viele Weltbilder existieren, wie es Beobachtende gibt. Allein auf dieser, unserer, Welt hat jede(r) von uns eine ganz eigene Vorstellungen von sich, von der Welt, von Wirklichkeit und Wahrheit. Interessant daran ist, dass die meisten von uns zugleich glauben, mit der eigenen Sicht der Dinge rechter zu haben als die anderen. Das liegt wohl daran, dass wir unser eigenes Leben derart unmittelbar erfahren, während wir das Leben der anderen nur „in Übersetzung“ kommuniziert bekommen. So interpretieren wir ganz automatisch etwa mit Hilfe unserer Spiegelneuronen wie es anderen gerade geht und worum es ihnen eigentlich geht – und nehmen zumeist unreflektiert an, das wäre dann tatsächlich so. Wir stellen den Zustand anderer innerlich in uns nach und unser Gehirn schlüsselt die ankommenden Reize in uns bereits bekannte Bedeutungen und Gefühle auf. Dieses scheinbare  „Mitschwingen“ mit den Zuständen und Motiven anderer können wir etwa beim Filmschauen in höchstem Maß genießen. Wir sind in diesen Momenten – dank unseres Einfühlungsvermögens – die Tänzer und Helden, die Liebenden und Abenteurer, die Bösewichte oder Opfer.

Es gibt aber auch Momente, in denen das „Mitschwingen“ mit den Gefühlen oder dem Verhalten anderer ganz und gar unerwünscht ist. Wenn die Kollegin jammert, der Boss – oder das Kind – schreit, der Liebste zickt oder die Schwester mit Vorwürfen daher kommt. Dann wollen wir all diese „üblen Schwingungen“ gar nicht mit-bekommen. Was gehen uns die schlechten Gefühlslagen der anderen an? Aber leider, unseren empathischen Fähigkeiten sei „Dank“, können wir unser Mitempfinden auch bei den schwierigen, den düsteren Empfindungen anderer nicht komplett ausschalten. „Emotionale Atmosphärenvergiftung“ – das ist es, was so mancher Mitarbeiter in Unternehmen verursacht, manchmal sind es ganze Teams, die sich im Schwarzmalen ergehen und ihre Umwelt mit Negativität verpesten.

Wie schön wäre es, wenn jede(r) von uns die Verantwortung für die eigenen (Gefühls- und Körper-)Zustände übernehmen würde! Wir könnten dann unseren Unmut so ausdrücken, dass er andere nicht belastet oder wir würden nur unsere angenehmen Stimmungen in die Umwelt abgeben… Ebenso schön wäre es wenn wir lernen könnten, wie wir uns nicht von der Negativität, der Angst oder Aggression, dem Frust oder der Trauer, der Verzweiflung und der Ohnmacht anderer „anstecken“ lassen. Aber es ist wie es ist: Wollen wir etwas nicht wahrnehmen, so spüren wir es trotzdem, vielleicht sogar verstärkt, gerade weil wir diese Gefühlsstimmung nicht wahrhaben wollen. Selbst wenn wir geübt im Abwehren und Verdrängen sind, finden die unerwünschten Reize Eingang in unser System und wir fühlen uns vielleicht ungreifbar unwohl, ohne dass wir die Ursache zuordnen könnten. Weil wir das Gefühl nicht haben wollen und nicht wissen wollen, was es auslöst. Oft geschieht das, weil wir uns nicht daran erinnern wollen, was solche Gefühle in uns selbst einmal provoziert hat.

Wir können uns leider auch nicht einreden, unangenehme Stimmungen anderer auf einmal „toll“ zu finden. „Ja, lass es raus!“ rufen wir selten, wenn jemand tobt. Und wenn doch, so riskieren wir, dass sich die Aggression auf uns persönlich richtet oder intensiviert.

Nein, im Umgang mit den verschiedenen Schwingungszuständen in und um uns muss es andere Wege geben als das Wegschieben oder Akzeptieren (letzteres verstanden im Sinne von diese Gefühle für „gut“ zu befinden).

Annehmen, ohne zu übernehmen

Die Zauberformel heißt: Zulassen, Einlassen – ohne sich zu dagegen wehren oder sich hinein zu steigern. Gar nicht so leicht in der Hitze des Gefechts. Das „Reiten“ von (eigenen oder fremden) „Störgefühlen“ will geübt werden. Man kann trainieren, sich auf unangenehme Emotionswelten einzustellen, ohne seine Mitte dabei zu verlieren. Ganz wie bei einer sportlichen Herausforderung: Wir verlassen unsere eigene Komfortzone – und wir können uns deshalb verlassen, weil wir uns auf uns verlassen können. Diese Fähigkeit, sich einzulassen ohne sich in anderen (Gefühlszuständen oder Weltbildern) zu verlieren hat etwas mit Vertrauen zu tun. Mit Selbstvertrauen einerseits sowie mit einem gewissen (Ur-)Vertrauen, nämlich „dass alles im Prinzip so passt wie es ist“ (wie oben beschrieben heißt das nicht, dass wir es deshalb für gut befinden müssen). Wir selbst, aber auch die anderen, die Welt, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft – alles ist so (war so/wird so sein) wie es ist. Punkt. Es ist keine Bewertung des Status Quo nötig.

Ja, aber wer glaubt das schon? Und wer will das schon? Wer will sein Leben einfach so nehmen wie es ist?? Herrscht in unserer Zeit nicht die Stimmung der Krise, des Risikos, der bösen Vorahnungen, des prinzipiellen Zweifelns (an sich und der Welt) vor? Oder der Selbstüberhöhung, des Größenwahns, der unbegründeten Ignoranz aller Warnungen (Klima, Umwelt, Soziales etc.), um das Bedrohliche nicht wahrnehmen zu müssen? Diese Angst vor dem Status Quo und seinen potenziellen Konsequenzen ist der Grund, warum wir die Dinge, vor allem die unangenehmen, eben nicht so nehmen wollen – und sie nicht einfach so sein lassen können, wie sie sind. Weil wir ans „(uns) in Frage stellen“ und ans „Selbstschützen durch anderes-Abwehren“ gewöhnt sind, fühlen wir uns schnell aus der Mitte, unrund, unangenehm, unwohl wenn miese Stimmungen daher kommen.

Oszillation als Ausweg, Umweg, Einweg, Mehrweg

Wie kann ein erfolgreicher Umgang mit den beängstigend unangenehmen Welt(sicht)en anderer aussehen? Es müssen ja nicht immer nur unangenehme Welten sein. Manchmal gehen uns auch die siegesgewissen oder erfolgsstrotzenden Überflieger auf die Nerven….

Der Ausweg ist ein spannender und eröffnet sich, wenn wir die „Viele-Welten-Theorie“ wörtlich nehmen. Werden wir zu Abenteurern, die die Welten anderer erkunden, dann können wir mit-fühlen, mit-erleben, ohne uns von den Gefühlszuständen und Sichtweisen anderer von uns selbst forttragen zu lassen. Wir sind wie Reisende, die sich sehenden Auges auf eine fremde Speise, etwa eine unbekannte Frucht und ihren eigenartigen Geschmack, einlassen. Sie kann bitter oder süß sein – jedenfalls wird das Einlassen auf sie ein einzigartiges Erlebnis. Und nein, wir sind nicht dafür verantwortlich, die Bedürfnisse der anderen zu befriedigen, also quasi den Geschmack der Frucht zu verändern. Wir müssen nicht jeden, der uns begegnet sich „besser fühlen“ lassen. Dieser unlautere, eigentlich respektlose, Eingriff in die Welt anderer laugt aus, vor allem dann wenn die anderen gar nicht dazu bereit sind, sich selbst oder ihre Sicht der Dinge zu verändern.  Das mag für professionelle Helfer-Rollen anders aussehen, aber für uns als Menschen ist es schon eine Heldentat, wenn wir die Verantwortung für unsere eigenen Zustände tragen (lernen).

Das führt zu einem erfolgreichen Leben, denn: Wenn wir die Verantwortung für unsere eigenen Gefühle (aller Schattierungen!) übernehmen, gibt es keine Schuld mehr, keine Opfer und Täter, keine Retter! Wir werden zu unseren eigenen Helden. Das heißt nicht, dass wir dadurch völlig vereinsamt in unserer eigenen Welt dahin vegetieren und auf jeden Kontakt verzichten. Wir erkennen nur an, dass es nicht andere sind, sondern wir selbst, die in einem Moment Gefühle und Körperzustände wie etwa Spannungen erleben. Wir nehmen uns selbst klar wahr und wir geben uns selbst, was wir brauchen, damit es uns besser geht anstatt dies von anderen zu erwarten.

Interessanterweise ändert sich auch bei anderen etwas, wenn wir sie so sehen wie sie sich selbst sehenohne etwas zu tun. Ohne ihnen unser Weltbild oder das Bild, das wir von ihnen haben (wollen) aufzudrängen. Vielleicht stellen wir sehenden Auges einige Fragen. Nur um die Klarheit des anderen über seine Gefühlslage und Motive erhöhen zu helfen, ohne zugleich eigene Interpretationen anzubieten. Als „Reisende“ mit der Fähigkeit zwischen verschiedenen Welten zu Oszillieren, können wir die jeweiligen Zustände zulassen ohne uns damit zu identifizieren. Wir wollen primär nichts ändern, sondern nur kennen lernen.  Und irren wir uns nicht: Selbst wenn wir glauben dieselbe Sache schon 1000x erlebt zu haben ist dem nicht so. Jeder Moment ist einzigartig und – in Erinnerung an den letzten Blog „The Art of Change“ – können wir uns jederzeit fragen „Was ist noch möglich?“. Lassen wir uns von der Antwort des Lebens überraschen. Lassen wir uns von uns selbst und von anderen überraschen. Es bleibt spannend, denn nichts ist so wie es einmal war und nichts kommt so, wie wir es uns vorstellen….

Ja, das Leben ist ein laufender Prozess. Nächste Woche dreht sich alles um die prinzipielle Bewegung, was uns antreibt und den Sinn und Ziel von lebenslanger Entwicklung.

Transformotion – Success Story No 9: Samstag, 02.05.2015, 10.00

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