SPECIAL SCREEN SCRIPT 21: Von der Zukunft der Demokratie in Europa

Demokratie auf dem Prüfstand

Ja, gegen Polen und Ungarn laufen EU-Verfahren, weil die demokratisch gewählten Vertreter dieser Staaten sich ihre nationalen Systeme so zurechtbiegen, dass dabei die Grund- und Menschenrechte, die Rechtsstaatlichkeit und die Demokratie unter die Räder kommen. Die Bevölkerung sieht dabei machtlos zu – und wird mit jeder Maßnahme weiter entmachtet. Warum uns das etwas angehen sollte? Weil diese Entwicklung mit verführerischem (Rechts-)Populismus begonnen hat. Und weil ebendieser für immer mehr Menschen in ganz Europa alltagstauglich zu werden scheint. Das muss uns zu denken geben, denn wenn wir nicht darüber nachdenken beißt uns das Toleranz-Paradoxon in den Allerwertesten: Wer nämlich der Intoleranz gegenüber tolerant ist, der stärkt aktiv die Intoleranz – auch und gerade wenn er gar nichts tut. Davon war schon Sir Karl Popper zurecht überzeugt.

Wie Demokratie zur Demontage der freien Gesellschaft führen kann

Die Gleichgültigkeit den Intoleranten gegenüber hat – gepaart mit etwa massiven Wirtschaftskrisen und sozialer Ungerechtigkeit – bereits in den 1930ern dazu geführt, dass demokratisch gewählte Führungsfiguren sich die Welt so gemacht haben, wie sie ihnen gefällt. Und damit eben nicht „dem Volk“ gerecht werden, wie sie zunächst behaupten. Zu Beginn tun sie so, als ob sie für „das Volk“ stehen, danach herrschen sie über „das Volk“. Sie werden von Opfern der „bösen“ Eliten, Medien oder Migranten etc., die angeblich den Schutz von starken Männern brauchen, schrittweise zu entmachteten Untergebenen, die zu tun haben, was ihnen befohlen wird.

Eine Übertreibung, die uns heute nicht betrifft? Nur, wenn wir aktiv werden und uns für die Gesellschaft einsetzen, in der wir tatsächlich leben wollen.

Es ist Zeit aufzuwachen.

Der Populismus verführt all jene, die Lust auf heiße Emotionen haben, auf grelle Feindbilder, die ihren Vorurteilen entsprechen und ihre Bedürfnisse befriedigen. All jene werden wie die Motten zum Licht gezogen, die sich und ihre Gewohnheiten zu bestätigen suchen. Es ist die Suche nach Selbstwertgefühl und nach Aufwertung, die Suche nach einem besseren Gefühl, die sie auf den glänzenden Hoffnungsschimmer in Form der Verkörperung von aalglatten „Gewinnertypen“ mit patriarchalem Charm hereinfallen lassen. Populisten verführen jene, die einer Zugehörigkeit zu den „Starken“ bedürfen, um sich geschützt zu fühlen. Sie sprechen all jene an, die „zurück zur Normalität von früher“ wollen. Nur dass es niemals wieder „normal“ zugehen wird. Dass diese scheinbar Starken auf die echten Fragen unserer Zeit keine Antworten haben ist dabei keine Neuigkeit. Wo die Entscheidungsträger weniger auf kompetente Sachlichkeit zum möglichst Besten aller und vielmehr auf emotionale Zugkraft und eigene Vorteile achten, ist die freie Gesellschaft in Gefahr.

Warum antidemokratische Kräfte attraktiv sind

Die vox populi, die „Stimme des Volkes“, wirkt offenbar sukzessive immer stärker auf immer mehr Menschen. Die mittig-Rechten, mitunter sogar die Linksorientierten, geben sich dem Opportunismus hin und surfen auf dieser Welle. Die sanfte Stimme der Mitte zersplittert zusehends weiter in viele Fragmente der Uneinigkeit. Sie ist in ihrer Gesamtheit dadurch mittlerweile so leise, dass sie nicht mehr gegen die platten Parolen der Lauten ankommt. Eine wachsende Menge an Menschen gibt sich den frohen Hoffnungen, die der Populismus predigt, hin. Wer genau diese Menschen sind? Sie sind gut untersucht und wurden vielfach dargestellt: die wirtschaftlich und digital durch die Globalisierung Abgehängten, die Alleingelassenen im ländlichen Raum, die schlecht ausgebildeten Männer, die aussichtslosen Jugendlichen, die Abstiegsgeängstigten der Mitte. Diese Klassifizierungen scheinen mir trotz einer fast spürbaren Nachvollziehbarkeit für all jene, die diesen Gruppen nicht angehören, zu kurz zu greifen.

Vom gemütlichen Früher über das holperige Heute zum mysteriösen Morgen

Schauen wir tiefer in die vielschichtigen Veränderungen, die unsere Gesellschaft seit einiger Zeit schon durchmacht, so finden wir faszinierender Weise gleich mehrere Themenfelder, die diesen Umbruch markieren. Wobei die Wandlung eine deutliche Richtung und eigentlich auch eindeutig erkennbare Ziele hat. Aber der Weg in die Gesellschaft der next generation bzw. der next dimension wird kaum professionell begleitet, weder durch politische noch durch zivilgesellschaftliche Integrationsfiguren. Es fehlt das klare Bild einer gelingenden Gesellschaft von morgen, also wie eigentlich genau das Zusammenleben funktionieren soll, wenn wir die Veränderungen dann irgendwann einmal endlich durchstanden haben. Ohne dieses Zukunftsbild, ohne vertrauenswürdige Leitfiguren sowie ohne glaubwürdige, leitende Medien als Wegbegleiter, ist der Stress der Unsicherheit dieser heftigen Umbruchszeiten so groß, dass der Regress, der Rückzug, die Abwehr, die Ignoranz – oder aber die Aggression, die Gewalt, der Kampf ungemein attraktiv werden. „Kopf in den Sand, „Zurück zum Alten“ oder „Kampf dem Neuen“ lauten dann die Devisen…

Was sich gerade ändert und wohin die Reise geht

Dass Menschen und Regionen, Kulturen und Staaten zudem auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen dieser Umbruchsphase stehen und unterschiedliche Prioritäten haben macht die Sache nicht leichter. Verständlich werden dadurch jedoch die ganz Europa ergreifenden Grabenkämpfe. Sobald man die Entwicklungslinien, die im nächsten Abschnitt dargestellt sind, ansieht, wird sonnenklar, wer warum wofür und wogegen kämpft. Manche wollen an der linken Spalte festhalten („die gute alte Welt“), andere wollen endlich in der rechten Spalte („die gute neue Welt“) ankommen. Kombiniert mit den Stress-induzierten Handlungsalternativen von Ignoranz, Abwehr oder Aggression ergibt sich überraschend schnell ein Abbild der Positionen von Menschen, gesellschaftlichen Interessensgruppen oder auch Parteien. Das Dilemma Europas ist, dass kaum jemand den Wechsel von „vorher“ zu nachher“ deutlich anspricht, ihn koordiniert, begleitet und den Menschen dabei hilft sich und die Gesellschaft schrittweise weiter zu entwickeln. Ein zweites Dilemma ist, dass Populisten die vorhandenen Klüfte absichtlich nach dem Motto „teile und herrsche“ vertiefen, sodass die Gesellschaft auseinanderzudriften scheint anstatt zusammenzuwachsen und gemeinsam zu Wachsen.

Entwicklungslinien und Bruchstellen der Europäischen Gesellschaft

  • Analoge Welt                                                       –>  Digitale Welt
  • Glaube an ewiges Wirtschaftswachstum      –>  Nachhaltige Wirtschaft
  • Nationale Gesellschaften/BürgerInnen         –> International verflochtene Gesellschaft(en)/Europäische BürgerInnen/Global-Gesellschaft
  • Institutionell-religiös Orientierung               –>  Individuell-spirituelle Orientierung
  • Glauben(ssysteme)                                            –> Wissen(schaft)
  • Patriarchal Führende                                       –>  Gleichberechtigt Führende
  • Autoritäre Systeme                                            –>  Demokratische Systeme
  • Mono-ethnische Gruppen                                 –>  Multi-ethnische Gruppen
  • Monokulturell geprägte Regionen                  –> kulturell vielfältig geprägte Regionen
  • Exklusive, starre Identität                                –> Inklusive und liquide Identität
  • Konkurrenz                                                         –> Kooperation

Wir bewegen uns mit unserer Lebenswelt schon seit Längerem von links nach rechts (im Sinne der obigen Aufzählung). Aber manchen geht das einfach zu schnell. Andere haben das Gefühl, die Basis ihrer Identität zu verlieren, fühlen sich angegriffen, wissen nicht mehr wer sie in der neuen Welt sein sollen – ohne sich die befreiende Frage zu stellen, wer sie eigentlich sein wollen. Dritte wiederum sehen nicht, wie die Zukunft aussehen kann. Vierte nutzen all dies aus und versprechen das Gewohnte aus dem Hut der verklärten Vergangenheit in die vorgestellte Gegenwart zu zaubern.

Dabei wäre alles so einfach. Wir verändern gemeinsam die in sich abgeschlossenen, inkompatiblen und Andere exkludierenden Systeme in eine Gemeinschaft, die mit Hilfe eines transkulturell-systemischen Rahmens (= Grund- und Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Säkularität) für das friedvolle Zusammenleben in aller Vielfalt sorgt.

Was die Demokratie der Zukunft schon heute braucht

Es sind vor allem demokratiefähige und -willige Europäische BürgerInnen, die unsere Gesellschaft heute schon braucht um morgen miteinander leben zu können. Wir brauchen Führende, die klar wissen, warum und wie wir alle gemeinsam, wenn auch vielleicht zeitversetzt, in der oben rechterhand angegebenen Spalte ankommen. Wir brauchen Medien, die emotional verantwortlich, sachlich kompetent und einfühlsam diesen Weg begleiten und das Ziel dabei nicht aus dem Augen verlieren. All dies verlangt Menschen, die wissen, was sie wollen – nicht für sich, sondern im Sinne der Menschheit, also im Sinne aller Menschen. Die mitgestalten wollen, aber nicht um der Macht, sondern um des Ergebnis Willen. Die einander erkennen und miteinander in einer Kooperationsgesellschaft diskursive Überzeugungsarbeit leisten können und wollen.

Es ist letztlich der Diskurs, der darüber entscheiden wird, ob wir miteinander leben lernen. Es gilt dabei der oftmals praktizierten pro-kontra-Logik, wie sie etwa im EU-Bashing in einer Reduktion auf „Ja oder Nein zur EU“ üblich wurde, eine Absage zu erteilen. Es ist das verstehende und einfühlende „sowohl-als-auch“, das unter dem Dach des „größeren gemeinsamen Ganzen“ aus Irritationen zunächst Informationen und letztlich Innovationen machen kann. Jeder einzelne zählt in diesem Prozess. Jeder Dialog ist ausschlaggebend.

Demokratie heißt aktiv mitreden und mitgestalten

Dazu können Gespräche zuhause oder auf der Strasse genauso beitragen wie Diskussionsrunden oder Medienaktivitäten. Private Postings sind dabei genauso wichtig wie Führungskräfte und andere gesellschaftliche role models und Meinungsmachende. Wo ein Wille, da ein Weg in eine gelingende Zukunft. Ich wünsche uns allen den Mut zum Willen und die Kraft, auf dem Weg zu bleiben, auf dass wir alle gemeinsam in einer rundum lebenswerten Zukunft ankommen.

Auszug aus meinem Beitrag zur ORF-Podiumsdiskussion „Der Auftrag: Demokratie“, aufgezeichnet im Radiokulturhaus am 06.11.2018

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SUPER SIMPLE SOLUTION No 15 – Der Schlüssel FÜR unsere Zukunft

Sage mir wofür du stehst – und ich sage dir, wer du bist

Dagegen sein kann jeder. Wofür einstehen schon viel weniger. Ins „dagegen“ können Ängste und Vorurteile eingepackt werden. Ins „dafür“ schon weniger. Um effektiv FÜR etwas zu sein, braucht es eine andere Art der Überzeugung, eine Art positive Grundstimmung. Hoffnung, Wünsche, Ideale – sie alle kommen im FÜR zum Ausdruck. Und hier gilt es, ganz genau hinzuschauen: WOFÜR jemand steht gibt Auskunft darüber, ob dieser jemand nur FÜR sich und „seinesgleichen“ oder für alle Menschen und eine gemeinsame Zukunft eintreten möchte.

Hier, genau hier, trennt sich die Spreu vom Weizen.

Will ICH mehr Vorteile, mehr Geld, mehr Sicherheit, mehr Gefühl der Kontrolle?

Oder will ich darauf vertrauen, dass WIR mehr Wohlstand, mehr Sicherheit, mehr Gefühl der Mitbestimmung FÜR ALLE wollen und erreichen können?

Und hier ist er schon, der Knackpunkt: das Ver-TRAUEN. Das ist erschüttert. In das EU-Europa, in die Politik, in die Sicherheit, in das Gefühl, heutzutage und in Zukunft ein selbstbestimmt erfolg-reiches Leben führen zu können. Wo ist bloß die Hoffnung hin? Sie wird niedergemetzelt von den Gegnern. Und die Gegner handelt aus Gewohnheit gegen etwas oder jemand, sie tun dies auf Basis ihrer Erfahrung. Es lohnt sich, hier etwas genauer hinzusehen:

Wo kommt Ver-TRAUEN her?

Aus guten Erfahrungen. In der Kindheit, in der Beziehung, in der Arbeitswelt. Gute Eindrücke stärken den Mut, sich FÜR etwas, das so noch nicht vorhanden ist, einzusetzen. DAGEGEN zu sein, wird von schlechten Eindrücken, schlechten Erfahrungen, schlechten Ahnungen genährt. DaGEGENsein schafft GEGNER, braucht Feindbilder, die es zu bekämpfen gilt. Und wird genährt von der „halb leer“-Perspektive, weil eben etwas noch nicht so ist, wie es sein sollte, könnte, müsste.

Da FÜR zu sein braucht PARTNER, braucht Kooperation, braucht gemeinsame Ziele.

Aber FÜR etwas zu sein, indem man GEGEN alle(s) andere(n) ist, schränkt die Möglichkeiten – und die Resultate – gewaltig ein.

Warum ist es so schwer, FÜR etwas zu sein, das uns ALLEN GUT tut?

Die Antwort liegt in der Ver-ANTWORTung. Wollen wir ein besseres Miteinander, ein besseres Leben für uns alle, so gilt es ANTWORTEN auf die drängenden Fragen zu suchen, zu finden – und umzusetzen. Diesen Schlüssel zur Zukunft sehen und drehen zu können verlangt analytisches Denken, Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit und Tatkraft.

Warum ist es so leicht, GEGEN etwas zu sein, was ANDEREN gut tun könnte?

Die Antwort liegt in der EIN-Fach-heit. Eine Antwort reicht, um gegen die Komplexität der Welt einzutreten: NEIN!

Ein NEIN sagt lautstark: Ich will mich nicht damit auseinandersetzen, es reicht mir, ich kann nicht mehr, ich bin überfordert, ich verstehe die Welt nicht (mehr).

Unsere Welt im globalen Zusammenspiel ist unüberschaubar und unkontrollierbar. Das ist das PROBLEM. PRO Blem. Ich bin an dieser Stelle für folgende Interpretation: Ein PROblem haben, heisst, Für ein Blem zu sein. Ein „Blem“ ist in diesem Zusammenhang alles, was mich stört, irritiert, unangenehme Gefühle verursacht, mir Angst macht. Ein PRO-Blem in diesem Sinne zu haben bedeutet: Ich nehme mich dieses Blems selbst und PROaktiv an. Ich übernehme die Ver-ANTWORTung daFÜR, für das jeweilige Blem, und suche aktiv nach Lösungen, die UNS ALLEN etwas bringen. Das kann doch nicht so schwer sein! Noch dazu, da es ja noch andere geben muss, JA mit SICHERHEIT gibt, die ebenfalls an diesen PRO-Blemen arbeiten. Damit wir alle am Ende, das immer auch ein Anfang ist, besser (zusammen)leben können.

Das PRO-Blem der Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit

Wo Privilegien sind und waren und ein Ausgleich in naher Zukunft angestrebt wird, da herrscht die Angst vor dem Verlust. Aber worauf haben wir denn überhaupt – jeder einzelne von uns – einen Anspruch?

Gilt etwa das „Gesetz der Reziprozität“ in unserer Gesellschaft? Also „wer etwas leistet“ bekommt auch etwas? Oder gilt das Prinzip der Solidarität? Also „wer existiert“ hat ein Recht darauf, menschenwürdig zu leben?

Das bringt uns zu einer entscheidenden Grundsatzfrage: Was ist überhaupt eine anerkennenswerte Leistung?

In meinen Augen liegt Leistung nicht darin, sein Leben sinnloser Tätigkeit zu verschreiben und sich dafür bezahlen zu lassen. Wahre Leistung zu erbringen bedarf des Mutes FÜR etwas einzustehen, das einen Unterschied FÜR Jetzt und die Zukunft macht. Etwas echt zu leisten bedeutet, etwas zu tun, was letztendlich ALLEN etwas bringt. Und was bringt ALLEN etwas? Alles, was uns alle in Richtung von mehr Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit führt. Solche Leistungen fördern das MIT-EIN-ANDER.

Daher gilt für mich alles, was zu mehr körperlicher, emotionaler und geistiger Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit führt, als (be)lohnenswerte Leistung.

Auf dem Weg zu mehr MIT-Ein-ANDER beGEGNET uns wieder die Ver-ANTWORTung. Wer also tatsächlich Antworten liefert, die zu mehr Miteinander führen, der leistet. Dabei geht es nicht nur um Worte und Taten, auch Einstellungen und Haltungen können höchst effektiv sein, da sie ein ganzes Umfeld zu verändern vermögen. Dafür braucht man nicht reich und mächtig zu sein, es reicht, ein Mensch mit offener Einstellung und dem Mut zur gemeinsamen Zukunft zu sein und diese Haltung zu leben.

Es geht auch nicht darum, welchem Beruf jemand nachgeht. Emotionale Gerechtigkeit beispielsweise  kann man an der Tankstelle genauso vorleben, wie man FÜR geistige Freiheit in der Schule – ja, auch als Lehrer – eintreten kann. Wer als Mensch existiert und die Co-Existenz anderen Menschen ermöglicht oder erleichtert, sowie das MIT-EIN-ANDER stärkt, der hat meiner Meinung nach auch einen Anspruch. Wer auf Kosten anderer lebt, der soll auch dafür zahlen. So einfach ist das. Oder? Nein, natürlich nicht. Denn wer kann schon beurteilen, ob jemand etwas leistet, das ALLEN zu Gute kommt…

Was hat uns die EU jemals Gutes gebracht?

Wer kann schon beurteilen, ob die EU uns ALLEN etwas gebracht hat? Scheinbar ist unser Geld immer weniger wert, die Arbeitsplätze werden weniger und instabiler, etwas sparen geht schon lang nicht mehr. Wir, also die EU-Staaten, leben alle auf Schulden. Außer „Die Reichen“. Dort sammelt sich offenbar das Geld. Aber sind „Die Reichen“ die EU?

Oder 180 Grad in die andere Richtung gefragt: Nimmt uns „Die EU“ etwas weg, etwa indem sie FÜR Menschenrechte eintritt? Was sind die Konsequenzen, weltweite Konsequenzen wohlgemerkt, davon, wenn jemand wie die EU eine solche Haltung nicht nur theoretisch, sondern praktisch, weil strukturell verankert, vorlebt?

„Die EU“ hat uns beispielsweise einen größeren gemeinsamen Lebensraum eröffnet, indem sie etwa Mobilität auf vielen Ebenen gefördert hat. Sie hat uns damit mehr Freiheit gebracht: die Freiheit zu Reisen, zu Arbeiten, zu Wohnen. Aber reicht uns das? Nein.

Wir sind (gegen) Europa!

Wer tut all dies, wer gibt die Antworten, die zu mehr Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit führen? Antworten, die im selben Atemzug so viele Menschen verstören. Wer ist DIE EU? „Die EU“ ist ein Projekt. Wessen Projekt ist die zweite entscheidende Frage.

DIE EU sind zum einen Menschen, die zugunsten ALLER und nicht nur im Sinne der Nationalstaaten denken und handeln. Aber warum treten sie FÜR dieses Anliegen nicht noch wesentlich offener und direkter ein? Wo ist die strahlende PRO-europäische Leitfigur, die voller Überzeugung für ein sinnvolles Miteinander steht? Vielleicht gibt es sie, aber sie treten nicht lautstark auf, weil viele von ihnen das Gefühl haben, zwar FÜR ALLE zu handeln, dafür aber nicht von ALLEN, sprich in diesem Sinne: von den EU-Bürgern geschätzt zu werden. Sie wollen den Bürgern ihrer (National)Staaten gefallen. Müssen es vielleicht, um im politischen System überleben zu können.

Und es gibt „die anderen“, die Lobbyisten und all jene, die zuallererst die eigenen oder die Interessen von Konzernen etc. vertreten. DIE wollen Geld machen, Geld, das höchstwahrscheinlich NICHT ALLEN zu Gute kommen soll. DIE SIND ABER NICHT DIE EU! WIR SIND EUROPA! Oder?

Sagen wir JA zueinander und geben wir dem NEIN eine klare Absage.

Setzen wir uns ein – nicht ab!

Denn ohne uns geht’s nicht.

Nur MIT uns geht was weiter.

SUPER SIMPLE SOLUTION No 9 – Krieg und Frieden

Umbruch – Abbruch – Aufbruch

So kann es nicht weitergehen“, hört man diese Tage allerorts. Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Bildung, Sozialwesen, Gesundheitswesen, Pensionen etc. – lauter offensichtlich weder einfach noch schnell zu klärende Dauerbaustellen. Und im Verweilen inmitten eines scheinbar ewigen Prozesses, der ebenso scheinbar niemals zur Kraft einer notwendigen Erneuerung findet, klopft schon  ab und an die Frage an: Können systemisch notwendige Weichenstellungen überhaupt herbeigeführt werden, solange hauptsächlich systemerhaltende Kräfte an der Macht sind?

Doch braucht es tatsächlich ein „blaues Wunder“, das einer Kriegserklärung an die Vernunft und Menschlichkeit gleichkommt, um frisches Wasser auf die stockenden Mühlen der sukzessiven Veränderung zu gießen?

Noch pointierter gefragt: Brauchen wir unbedingt die Emotionen von Hass und Angst, um dem real vorhandenen Frust in der Bevölkerung, dem medial geschürten Eindruck der Hoffnungslosigkeit und vor allem der generell zu beobachtenden Orientierungslosigkeit lautstark Ausdruck zu verleihen?

Wer hat Macht?

Brauchen wir wirklich eine Art gewalt(tät)igen „Reset-Button“?

Eine solche Frage in Zeiten wie diesen zu stellen, klingt für viele leider gar nicht utopisch. Und das macht die Frage an sich durchaus gefährlich, was unseren lieben Frieden betrifft. Aber wäre eine alternative „sanfte Revolution“ ausreichend, um jene Funktionsweisen der auf kurzfristigen Profit ausgerichteten Finanzwelt und des auf kurz- und mittelfristigen Wählergewinn ausgerichteten Politzirkus, effektiv und grundlegend in Richtung Nachhaltigkeit und Menschlichkeit umzuformen? Es darf gezweifelt werden…

Im Zweifel jedoch liegt eine oft unbeachtete Kraft: Die Kraft zu hinterfragen, in welchen Händen die Macht liegt und liegen sollte. Liegt sie dort, wo sie bisher war, können viele davon ausgehen, dass ihre Interessen durch jene, die die Strukturen so wie sie sind mit aufgebaut und erhalten haben, gewahrt bleiben – und sich daher nicht allzu viel verändert. Logisch. Man kann nicht beides haben – alt und neu. Der Vorteil des „alten Systems“ liegt auch noch auf einer anderen Hand: Man darf darauf hoffen, dass sich die „alten Hasen“ auskennen, wie unser Staat denn so funktioniert und was daher „geht“ und was nicht. Viele bezweifeln aber zugleich und berechtigter Maßen, dass die seit Jahrzehnten schon als notwendig erachteten Reformen unter solcher Führung tatsächlich angegangen, geschweige denn umgesetzt werden. Der liebe Friede schürt also den brodelnden Kriegswillen.

Was anders wird, wenn nichts anders wird

Wenn es bloß so bleibt wie jetzt“ lautet die ängstliche Einstellung derer, denen es recht gut geht. „Frieden um jeden Preis!“ heißt für viele zwischen Optimismus und Pessimismus Unentschlossene das prinzipielle Motto, an dem sie sich orientieren. Für wiederum andere zeigt aber das Zünglein an der Waage zwischen Vertrauen und Aggression eindeutig nach rechts. Wenn nichts anders wird, werden diese Menschen mehr. „Jetzt ist Schluss!“ fordern sie, die nach Veränderung hin zu mehr Sicherheit und Klarheit streben. Aber welche Veränderung vermag diese Resultate zu erzielen? Zurück zur „guten alten Zeit“? Eine Illusion. Zeit läuft nicht rückwärts. Diese Menschen wollen eigentlich ein Gefühl von Sicherheit, und das um jeden Preis. Aber womit sie sich zufriedengeben ist leider bereits das Versprechen von Sicherheit. Denn es funktioniert auf der Gefühlsebene. Der Kopf allerdings kann nur schütteln: Ein solches Versprechen in veränderungsintensiven, wenig planbaren Zeiten! Reine Bauernfängerei. Oder? Starre Ideologien geben die entsprechenden Heilsversprechen ab – und sie können durchaus Systeme verändern. Hin zu weniger individueller Freiheit, weniger demokratischer Mitbestimmung, weniger Mitmenschlichkeit. Freiheit, Gleichheit und Mitmenschlichkeit sind keine relevanten Größen totalitärer Weltanschauungen. Sicherheit durch Kontrolle, Planbarkeit durch Ausgrenzung und Orientierung basierend auf Abwehr hingegen schon.

Daumen hoch für Daumenschrauben

Und obwohl viele wissen, dass die neuen alten Kräfte des blauäugigen Nationalismus oder des grünäugigen Weltverbessertums  neben frust-entlastenden Emotionen und vielversprechenden Grundsatzforderungen nur selten alltagstaugliche, praktikable Lösungen liefern, nutzen sie ihre Macht, den alten Nicht-Veränderern durch ihre Stimme zu drohen. Das ist ihr gutes Recht. Und es zwingt sogar alteingesessene Regierende in die Knie. Niemand kann sagen, wo uns das hin führt. Krieg oder Frieden?

Revolution und Evolution

Wo ist also eine Lösung in Sicht? Erst da, wo wir eine Lösung auch tatsächlich suchen. Jede Problemstellung braucht zunächst eine Zielvorstellung, um von beiden Punkten ausgehend einen Weg zur Lösung zu finden. Die Frage, die sich uns Wählern diese Tage stellt lautet weniger: „Blau oder Grün?“ In dieser Frage finden sich weder praktikable Zielvorstellungen, geschweige denn alltagstaugliche Lösungen.

Kehren wir also zunächst zum Ausgangspunkt zurück, indem wir fragen: „Was ist das Problem?“ Und auf einmal liegt die Antwort klar auf der Hand: Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit. Erlebt etwa am Arbeitsmarkt, geschürt vor allem durch das Feuer der Medien.

Daran anschließend stellt sich die entscheidende Frage: „Wie können wir in unserer Gesellschaft Stabilität, Aussichtsreichtum und klare Ausrichtung entwickeln?“ Ohne dazu das Blaue vom Himmel zu versprechen.

Wenn das Problem der vermeintliche Stillstand in allen eingangs erwähnten  Feldern ist – liegt dann das Ziel nicht erst recht in einer spürbaren Weiterentwicklung? Nicht im Rückschritt, nicht im Festhalten, sondern im lösungsorientierten Weiterdenken und Weitergehen? Aber wo sind sie, die Vordenker, die Systemwandler, die „gesellschaftsgenetischen Mutanten“ – die zugleich wissen, „wie der Hase läuft“? Wo sind die tatkräftigen Visionäre mit Systemerfahrung, die energiegeladenen „Start-ups“, geleitet von den „Business-Angels“ unserer Gesellschaft?  Sie existieren, aber oft sind sie Einzelkämpfer oder medial wenig beachtete Organisationen, jedenfalls nur selten öffentlich sichtbar in politischen Parteien oder Interessensverbänden organisiert.

Zukunftssicherung durch Vergesellschaftung

Wir miteinander!“ sollte nicht nur das Motto all jener lauten, die unsere Gesellschaft zum nachhaltig Besseren im Sinne der Menschlichkeit verändern möchten. Sie mögen sich zusammenschließen, medialen Einfluss gewinnen und politische Strukturen formen – vielleicht eine Art Zukunftsministerium gründen, in dem Arbeitskreise aus praxiserprobten nachhaltig-visionären Experten vereint und verschränkt arbeiten. Ein think- und do-tank. Hier können die notwendigen systemischen Veränderungen strategisch geplant werden. Notwendige Veränderungen sind jene, die zu mehr Menschlichkeit, mehr Gleichberechtigung und mehr Miteinander führen. Ein besseres Leben für alle ermöglichen. Sozial-ökologisch-ökonomischer Fortschritt. Und von dieser Positionierung aus sollte auch die Umsetzung konsequent inhaltlich und kommunikativ begleitet werden. Von unseren Politikern und Medien. Und das alles geschieht unter Einbezug der zur Mitgestaltung willigen Bevölkerung. So würden wir die manchmal kriegerisch anmutende Lust auf Veränderung in die friedliche Kraft der Erneuerung zum Besten aller kanalisieren. Simpel? Solutions!

SUPER SIMPLE SOLUTION No 7 – Lebenslange Lernlust

Nie mehr Schule

Bildung, Schule, Lernen: Pfui Teufel! Seien wir uns mal ehrlich, oder? Anstrengend, lustfern, uninteressant. Hausübung. Grantige Kinder. Müde Erwachsene. Zermürbende Jahre. Keiner will, was da geschieht. Das Schulsystem macht Eltern zu Tyrannen („Hast du schon gelernt? Mach doch endlich…!“ etc.) oder zu Aushilfslehrern, als hätte man sonst nichts zu tun. Und Kinder? Die fragt ja keiner, die müssen. Und die Kinder mit starkem Willen, die sich des „Müssens“ vehement erwehren, bleiben oft auf der Strecke. Unerziehbar in der Schule, unerträglich zu Hause. Keine Lösung in Sicht. Eine Wahl haben? Die Motivation steigern? Auf Bedürfnisse eingehen? Interessen fördern? Nix da.

Bildung als Erziehungsmittel

Manchmal denke ich, dass unser Bildungssystem äußerst gut dazu geeignet ist, Menschen aller Altersstufen auszulaugen. Kommen Sie sonst eigentlich ganz gut zurecht? Die Schule schafft‘s schon, Sie fertig zu machen! Manche Menschen glauben, dass Fernsehen verblödet und zur Steuerung der Massen, zum Stillhalten dient. Zuckerbrot und Peitsche. Während unsere Konsumgesellschaft das Zuckerbrot feilbietet, lässt unser Schulsystem die Peitsche knallen. Auf alle Beteiligten.

Aber könnte das auch ganz real gesehen anders gehen? Und ich meine nicht à la Waldorf, Montessori und Co. Kann Erziehung – also das Lernen, in einem gemeinsamen Rahmen nach gemeinsamen Vorstellungen und Regeln zu funktionieren – überhaupt Spaß machen?

Schauen wir uns um, so entdecken wir verlockende Oasen des Lernens besonders oft dort, wo die restliche Realität noch schlimmer, noch frustrierender ist:

Bildung als Zuflucht

Erwachsene lernen dann besonders gerne, wenn der Job unerträglich wird. Die Bildungskarenz ist die schönste Möglichkeit, dezent mal eine Auszeit zu nehmen, ohne Burnout oder Arbeitsfrust allzu deutlich und öffentlich zugeben zu müssen. Eine wunderbare Gelegenheit, sich umzuorientieren, ob nicht woanders noch etwas anderes, ja: ein besseres Leben möglich wäre.

Auch in den ärmeren Ländern ist die Schule ein Privileg und bietet eine Auszeit von harten Arbeitsbedingungen oder vielleicht wenig liebevollen familiären Strukturen. Aber muss das sein: Muss es uns schon verdammt schlecht gehen, damit wir gerne lernen – oder sogar gerne in die Schule gehen?

Der Rotstift des Lebens

Das Problem mit der Schule ist, dass sie Probleme macht. Wortwörtlich. Sie fokussiert auf Probleme – und vermittelt nicht das kreative-Lösungen-Finden. Sie macht in der jetzigen Form das Lösungen-Suchen zur Sache des Auswendiglernens vorgegebener, vielfach wiedergekäuter Uraltansichten. Und wo die Mathematik kreativ sein will, steigen die Eltern aus (kennen Sie die Textbeispiele, die keiner versteht, weil sie angeblich logisches Denken fordern – ohne allerdings vorher logisches Denken zu schulen oder eine solche Aufgabe als solche auszuweisen? Man sucht vergeblich nach einer versteckten Rechnung und fragt sich, was die eigentlich wissen wollen…). Eltern, die wohlgemerkt mit ihren Kindern lernen müssen, weil diese ihre Aufgaben nicht verstehen. Das hat’s doch früher nicht gegeben, oder? Vielleicht bin ich eine Ausnahme, aber mit mir hat keiner zu Hause gelernt. Es war völlig klar, wie wir unsere Hausübungen zu machen haben. Das heißt nicht, dass man nicht ab und zu, vor allem in der Oberstufe, eine Nachhilfestunde eingelegt hat. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern je mit mir gelernt hätten oder sich den Kopf darüber zerbrechen mussten, was mit einer Aufgabe wohl gemeint ist. Das war schlicht nicht nötig. Warum funktioniert das heute nicht (mehr)?

Ich behaupte, weil die Überforderung systemimmanent ist. Alle Beteiligten sind überfordert: Lehrer, Schüler, Eltern, die Politik, die Budgets, die Zeitpläne, die Lehrpläne – überfrachtet, unterversorgt, der eigenständigen Entscheidung enthoben, durch sozial-integrative Aufgaben der Gesellschaft belastet. Schule ist derzeit eine reine Frustbaustelle. Hier sollte der Rotstift des Lebens unerbittlich ansetzen!

Himmlische Schulen – Friede auf Erden

Fragen wir einmal ganz anders: Was müssten wir eigentlich als Kinder und Jugendliche lernen, um im realen Leben eines Erwachsenen nicht nur zu überleben, sondern auch noch Erfüllung, Sinn, Glück und Zu-Frieden-heit zu finden, zu erhalten und weiter zu entwickeln?

Natürlich brauchen wir Lesen, Schreiben und Rechnen. Wir brauchen logisches Denken, Sprachen und Einblick in künstlerische Wirkungsfelder. Wir müssen die Rahmenhandlungen aus Geschichte, Wirtschaft, Politik und (Natur-)Wissenschaften kennen, damit wir uns zumindest als ansatzweise in derselben Welt befindlich erleben und uns in diesen Konventionen halbwegs geschmeidig bewegen können.

Natürlich brauchen wir ein Verständnis für die notwendige Vielfalt des Lebens, eine Einsicht in die Gleichwertigkeit jedes Menschen und ein Vermitteln von Wertschätzung für jeden einzelnen. Aber was wir vor allem und zur Vermittlung von all dem bräuchten, wären weniger gestresste Menschen. Wir bräuchten die Zeit, die Mittel und Wege, unsere Interessen lustvoll zu erforschen und uns an dieser Leitlinie weiterzuentwickeln.

Ich behaupte (und hoffe), dass jeder Lehrer sein Fach zumindest aus einem gewissen Interesse heraus gewählt hat. Wenn man ihnen erlaubte, neben den grundlegenden Inhalten vor allem ihr Interesse zu vermitteln, diesem, ihrem roten Faden der Leidenschaft zu folgen, wie anders wäre dann wohl der Unterricht? Wenn man Kindern erlaubte, herauszufinden, was ihr inneres Feuer anfacht, wofür sie Begeisterung empfinden können und welchen roten Faden sie verfolgen wollen – wie anders wären dann die jungen Erwachsenen, die der Schule entwachsen?

Super Simple Schule

Und wo ist jetzt die Lösung? Ganz einfach: Sie liegt im Fokus auf die Lösungskompetenz.

Stellen wir Kindern Fragen und begleiten wir sie dabei, praktikable Lösungen zu finden. Auch wenn diese nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Wir können dann sogar mehrere Lösungen zulassen und nebeneinander stehen lassen und aus dem Vergleich Erkenntnisse gewinnen. So lernen wir alle den kompetenten Umgang mit Vielfalt, definitiv eine Schlüsselfähigkeit in unserer heutigen Welt.

Man kann sogar mathematische Aufgaben auf unterschiedliche Weise lösen, sobald man die Funktionsmechanismen tatsächlich nachvollziehen kann. Ich weiß das: Ich hatte plötzlich einen Einser in der Achten, als ich auf einmal verstand, dass man Mathematik tatsächlich verstehen kann. Ich löste die Aufgaben, wie ich es wollte. Meiner damaligen grantig-diktatorischen Mathematiklehrerin gefiel dies nicht, denn der Weg zu meiner (richtigen) Lösung war oft anders, als sie es erwartete. Diesem, meinem unerwarteten Verständnis gingen Lernstunden mit einer weisen, nicht frustrierten und trotz ihres hohen Alters immer noch begeisterungsfähigen anderen Mathematiklehrerin voran. Dass Mathematik tatsächlich zu verstehen ist, war für mich ein nahezu erleuchtungsähnliches Aha-Erlebnis, auf das ich Zeit meines (Schul)Lebens warten musste – und das ich nur durch Eigeninitiative, gepaart mit echtem Mentoring erreichen konnte. Und daher weiß ich: So sollte Schule eigentlich sein. Lustvolles Lernen bringt das Licht der Erkenntnis ins Leben!

Lernen wir also unseren Kindern, die grundlegenden Zusammenhänge zu verstehen und selbst herstellen zu können. Dann bekommen wir auch selbstverantwortliche Menschen, die in wechselnden Herausforderungen nicht den Rotstift zücken, und die Realität ihrer Vorstellung anpassen wollen, sondern sich auch in Veränderungsphasen zu behaupten wissen und neue anwendbare Wege für alle suchen, finden und gehen.

Super Simple Solution No 3 – Der Europäische Frühling

Genug vom Europäischen Winter!

Das Wetter ist scheußlich. Im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn. Es wird höchste Zeit für Wärme und Licht. Wenn ich aus dem Fenster sehe – und wenn ich auf Europa blicke. Daher fangen wir heute zur Abwechslung gleich mit der Lösung des Problems an:

Europa im Frühling

Wie kann ein Europa aussehen, das de facto aufblühend aus all seinen Krisen hervorkommt? Kann es das überhaupt geben? Sind wir nicht dem sicheren Untergang geweiht?

Nein. Wir erleben schlichtweg in jedem Augenblick das, was wir aus unserer Situation machen. Jeder von uns bestimmt die Richtung, in die wir uns bewegen, mit. Durch unsere Einstellung, unsere Sprache, unser Handeln verändern wir unsere Welt mit jedem Atemzug. Nichts ist tatsächlich so, wie in unseren Erwartungen (seien sie nun durch Angst oder von Hoffnung gespeist).

Alles ist wie es ist – und zugleich haben wir die Macht, durch unser Tun das Werden zu verändern.

Was gilt es also zu tun, wenn wir jetzt und in Zukunft ein friedliches und konstruktives Miteinander in aller Vielfalt und trotz aller Krisen erleben wollen?

Die Antwort ist überraschend einfach: Seien wir genau jetzt, im Angesicht der offenen Entwicklung in eine noch nicht feststehende Zukunft, jene Menschen, mit der wir unsere Welt bevölkert sehen wollen. Hier liegt die Lösung: Entscheiden wir uns für ein gemeinsames Europa. Leben wir, und zwar jeder einzelne von uns, Frieden, Freiheit, Freundschaft und Gerechtigkeit vor. Hier und jetzt – für alle sichtbar, weltweit.

Sie fragen sich vielleicht: Wie und warum? Hier kommen einige praktische Ansätze:

Europa im Umbruch

In Zeiten anhaltender Krisen (Finanz, Wirtschaft, destabilisierte Staaten, und ja, drängende Flüchtlingsfragen) gilt es, einen klaren und sinnvollen Weg einzuschlagen. Ein solcher ergibt sich aus einem gemeinsamen Ziel, welches die Frage zu beantworten vermag: Quo vadis Europa?

Was sich derzeit im Umbruch befindet ist vor allem das Selbstverständnis, mit dem wir Europäer (die wir uns selten als solche begreifen, außer wir sind im nicht-europäischen Ausland) die Privilegien der ersten Welt für uns beanspruchen. Ja, es sind unsere Selbstverständlichkeiten, die derzeit in Gefahr scheinen: unsere Sicherheit (Arbeit, Einkommen, Pensionen, Wohlstand und Wohlgefühl) und unser Wachstum (die berechenbar positive Entwicklung von Wirtschaft oder die Güte unserer Bildung) – ganz generell gesagt: unser lieber Frieden und die schönen Aussichten stehen derzeit auf dem Prüfstand.

Bricht Europa auseinander?

Die einen sagen: Früher war alles besser. Naja, kommt darauf an, wie viel früher. Das ist definitiv eine Generationenfrage. An den letzten Krieg denken möchte dann doch keiner.

Einen ähnlichen aber in Zukunft zu vermeiden, daran zeigen besonders jene kein Interesse, die derzeit zurück zur vermeintlichen Stabilität der 80er, 90er und 2000er wollen. Eine egogetriebene Stabilität, die in weiten Teilen die aktuellen Krisen mitverursacht hat. Die Vorgehensweisen der Gewinnmaximierung durch etwa (un)wahrscheinlichkeits-berechnete Spekulation oder die Hoffnung auf ewiges Wirtschaftswachstum haben wohl vielen den Blick auf nachhaltig sinnvolle, weil langfristig stabile Strukturbildungen verstellt. Schnelle, weil krisenbedingte Strukturänderungen stellen jedoch für Menschen, die ihre Notwendigkeit nicht sehen, weil sie an „der guten alten Zeit“ und ihrer scheinbar ruhigen Vorhersehbarkeit hängen, eine schwere Irritation dar. Schock und Abwehr sind die Folgen. Angst greift um sich. Allesamt Emotionen, die das Gegeneinander schüren und Probleme vergrößern, anstatt im und durch das Miteinander Lösungen zu suchen, zu finden und umzusetzen.

Europa im Aufbruch

Worüber wir uns zumeist einig sind: Aufhetzen und Panikmachen sind keine effizienten Wege zu effektiven Lösungen. Negative Emotionalisierung nährt die Abwehr und das Verurteilen, um nicht zu sagen das Vor-Urteilen. Fühlen wir uns angegriffen, folgt eine Stressreaktion: fight or flight, wie es so schön heißt. Aber Flüchten geht derzeit nicht gut, nicht einmal in die Unterhaltung oder den Genuss (wie es unsere Konsumgesellschaft ja schon so lange recht erfolgreich mit dem Verdrängen der Probleme dieser Welt tut). Flüchten bringt nichts, schon gar keine Hoffnung – das führen uns die vielen Flüchtlinge momentan nur allzu offenbar vor Augen.

Bleibt also das Kämpfen. Aber wollen wir nicht gegen etwas sein (wie kämpft man gegen Finanz- und Wirtschaftskrise oder gegen destabilisierte soziale Systeme?), dann stellt sich die Frage: Wofür? Wofür wollen wir kämpfen?

Oder gibt es vielleicht noch andere Handlungsalternativen? Wohin bitteschön, sollen und können wir mit all dem individuellen und kollektiven Stress, der uns Europäer aktuell aufmischt?

Die Macht unserer Wahl

Flucht, Kampf oder Stressabbau. Das sind scheinbar unsere drei Wahlmöglichkeiten.

Um die bestmögliche Wahl punktgenau und kräfteschonend zu treffen, ist es hilfreich, zuvor eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Die kann meiner Meinung nach nur ein „Ja zu Europa!“ sein. Denn am derzeitigen Scheideweg der Geister und Handlungen gibt es nur ein Ja oder Nein. Klar, über Form und Struktur Europas kann man dann wieder streiten. Aber eines sollte klar sein: Europa steht als demokratischer Verbund für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Und das soll so bleiben. Am besten im Angesicht der Krisen noch wesentlich profunder verwirklicht werden! Ab dieser prinzipiellen pro-Europäischen Entscheidung liegen wieder unsere 3 Wahlmöglichkeiten vor uns: der Kampf, die Flucht und der Stressabbau.

Handlungsvariante 1: Der Kampf

Für ein solches Ziel, für ein solches Europa wollen und können wir tatsächlich guten Gewissens kämpfen. Auf so viele Arten und Weisen: Im täglichen Gespräch mit allen möglichen Menschen, in (social) medialen Diskussionen, in Demonstrationen, in Hilfsaktionen. Wenn wir uns unserer prinzipiellen Einstellung und leitenden Motive bewusst sind, dann nimmt der Kampf eine proaktive Haltung ein, keine streitende, aggressive. Wir sind dann bedingungslos FÜR Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Und zwar ALLER Menschen.

Bleiben als Alternativen die Handlungsvarianten 2 + 3:

Flucht und Stressabbau

Beginnen wir mit dem Stressabbau: Eine gute Verbindung zu Mitmenschen ist erwiesenermaßen (siehe mein Buch „Die Kunst der Begegnung“) ein Garant für nachhaltigen Stressabbau: Das intensive Gespräch, das einander-Halten, das für einander Da Sein – ob wir das Gegenüber nun kennen oder nicht – führt zu Wohlgefühl, zu innerer Stabilität, zu Selbstvertrauen und Weltvertrauen. Und wenn das Gegenüber nicht will? Dann gibt es genügend andere, mit denen wir eine vertrauensvolle Stimmung aufbauen können. Und das braucht Europa derzeit wirklich: Vertrauen in uns als seine Bürger, in unsere Gegenwart und Zukunft. Nein, die Politik ist nicht an allem Schuld. Ja, wir können Verantwortung tragen und dazu beitragen, dass unsere Gegenwart und Zukunft menschlicher, wärmer, hoffnungsvoller und ganz real angenehmer und stabiler wird. Jeder Mensch, der sich selbst stabil und zugleich offen hält, ist ein Beitrag zu jener Zukunft, die es an uns liegt, derzeit zu gestalten.

Und die Flucht? Lassen wir die Ablenkung mal außen vor. Reine Ablenkung, Verdrängung und Ignoranz setzt selten aktiv Veränderung in Gang. Man kann natürlich darauf hoffen, dass alles einfach vorbei geht und wir unbeschadet davon kommen.

Eine etwas andere Art der Realitätsflucht sind gute Bücher, aufbauende Filme, aber auch Sport, Genuss, Natur. Statt Fluchtpunkte bieten sich hier eher Kraftquellen, die wir uns gerade in dieser aufreibenden Zeit gönnen sollten. Jedenfalls solange, wie wir die Balance aus Realität und Fiktion dazu nützen können, unsere Welt in eine anstrebenswerte Wirklichkeit zu verwandeln.

Wir haben die Wahl. In jedem Moment. Abwehr oder Offenheit, Zurückziehen oder Stress abbauen. Alles ist möglich. Wissen wir, wofür wir selbst stehen, fällt die Entscheidung, was in jedem Augenblick am sinnvollsten zu tun ist, nicht schwer. Die Folgen eines solchen Handelns sind weitreichend.

Wir können uns sogar ein blühendes Europa vorstellen!

Wie kann so ein Europa aussehen? Es ist ein Europa mit gleichen Rechten und Pflichten für alle, die hier miteinander leben. Ein Europa, das dadurch letztendlich auch als Vorbild für ein friedliches und gerechtes Miteinander in globalem Ausmaß dienen kann. Feiern wir unsere Tradition und denken wir weiter als nur bis zum nächsten Vorteil oder zu den Herausforderungen des Alltags. Stellen wir uns weiterhin den Herausforderungen des Menschen und der Menschheit an sich. Entwickeln und etablieren wir heute Lösungen, die das Potenzial dazu haben, eine Zukunft für alle zu sichern. So weit muss Krisen-Management gehen. Danach sollte sich die Führung in Krisenzeiten und durch Krisen orientieren.

Die Vision eines gemeinsamen Europas hat die Macht, unsere täglichen Entscheidungen, seien sie politisch und menschlich, zu leiten. Eine solche Vision hat auch die Kraft, dem Abendland einen Frühling zu bescheren. Und das nicht auf Kosten anderer, sondern zum Vorteil aller.