Seven Strange Synchronicities: 7

Eine Frage der Liebe

Ich schreibe sonst nie über die Liebe. Heute ist eine absolute Ausnahme. Das Thema ist mir zu unkonkret, zu ungreifbar. Damit kann ein tief empfundenes Gefühl, eine bezaubernde Hormonmischung, eine unerfüllbare Sehnsucht, reine Projektion auf Unerreichbares, eine reale Tatsache, die alles umfasst, gemeint sein. „Liebe” wirft unendlich viele Fragen auf, die unwahrscheinlich viele Antworten mit sich bringen. Ähnlich wie das Thema „Freiheit“. Heute will ich es dennoch wagen, etwas über die Liebe zu sagen. Warum?

Im Auftrag der Liebe

Weil ich vor wenigen Minuten doch glatt ein wunderschönes, ebenmäßiges, nicht zu übersehendes, echt großes Herz in meiner Kaffeeschale entdeckt habe. Und das offenbarte sich genau, als ich über die Liebe nachgegrübelt hatte. Ich trank gerade den allerletzten Schluck, heute ausnahmsweise mal mit Kokosblütenzucker drin, welcher sich zähflüssig zu zwei wunderschön symmetrischen, miteinander verbundenen Bogen in der Mitte der Schale formte, gerade als ich den Kopf zurücklegte und die süße Freude bis zum letzten Milliliter auskosten wollte. Von den beiden perfekten runden Ohren des Herzens zog sich der Herzkörper immer spitzer zusammenlaufend genau in meinen Mund hinein. Ich traute meinen Augen nicht. Oder eben doch – und das brachte mich zum Lachen… Ein Zeichen (um mit Brian zu sprechen)!

Dies ist der letzte Blog für heuer, der sich 2021 ja den zufällig auftretenden Gleichzeitigkeiten widmet, denen wir nur allzu gern Bedeutung verleihen. Das unübersehbare Zuckerherz weist mich also an, über jene Gedanken zu schreiben, die mich im Augenblick seines Erscheinens beschäftigten. So lautet zumindest meine Interpretation des augenfälligen Zusammenfallens von Gedanken und Ereignis. Es blieb übrigens nicht das einzige Zeichen. Als ich gerade unbekümmert über die wundersame Mischung jener kostbaren Ingredienzien, die „wahre Liebe“ ausmachen nachsann, geschah doch glatt noch etwas Wunder-volles. Doch first things first

Die Grenzen der Liebe

So, jetzt braucht es zunächst mal scharfe Abgrenzung. Ich meine in der Folge mit „Liebe“ nicht die Eine Große, nämlich die zum Leben an sich oder zu den Menschen, zur Natur oder zum Wunder des Seins. Nicht jene stille zu sich selbst, die nicht das Ego nährt, sondern das Herz erwärmt, wenn man gerade gut bei und mit sich und für sich da ist. Nicht die bedingungslose Liebe zu den eigenen Kindern, zu anderen Familienmitgliedern, zu jenen, die man liebevoll begleitet, oder vielleicht auch zu (Haus)Tieren. Nicht die hormonell bedingte Gefühlsmischung mit dem falsch aufgeklebten Etikett „Liebe“ drauf: die in einer aufregenden Bekanntschaft, die das Kopfkino und die Körpersäfte anregt, auftaucht, oder die schlicht durch guten Sex ausgelöst wird. Oder die ein unerreichbares Gegenüber in einem hervorruft, mit dem man nur in seltenen kostbaren Momenten zusammenkommt, um dann in langen von Sehnsucht geplagten Absenzphasen von „der Liebe“ in einer irrealen Realität zu träumen.

Die Zeichen der Liebe

Nein, ich meine die Form von Liebe, die zeigt, dass ein/e PartnerIn tatsächlich zu einem selbst passt. Mit all seinen/ihren Eigenheiten, wirklich, weil alltagshaltbar kompatibel mit dem eigenen Selbstsein ist. In dem Sinne, dass in der Präsenz des Anderen das Wohlgefühl, miteinander zu sein, jedes Nerven prinzipiell, wenn schon nicht in jeder Situation, dominiert. Dass die grundlegende Wertschätzung jede Frustration, jedes Stirnrunzeln und Kopfschütteln ob der Eigenarten in Gefühlshaushalt, Denkweise und Verhaltensgewohnheiten des Gegenübers, aussticht. Dass die Attraktivität, die von sehenden Augen, von einem durch verschmitztes Lächeln den Seltsamkeiten des Lebens gegenüber gezeichneten Mund, und von einem Körper, auf den gut geachtet wird, ausgeht, all die unangenehmen und weniger anziehenden körperlichen Seiten überstimmen.

Und damit zur anderen Seite der Liebe: Nämlich, dass man im Licht der Augen des Anderen stets selbst so sein kann, wie man ist. So gesehen wird, wie man ist. So geschätzt wird, wie man ist. Dass das Gegenüber die Schwächen und Seltsamkeiten von uns nicht nur mühsam aushält, sondern als Teil unserer Persönlichkeit wahrnimmt. Natürlich gilt das in beide Richtungen. Beide akzeptieren einander, so wie sie sind – wobei nicht das Sich-in-das-Unvermeidliche-Schicken, sondern unterm Strich eben was Positives, Bereicherndes, Schönes übrigbleibt.

Und ganz grundlegend: Eine Liebe, die sich durch gegenseitige Inspiration und Bestärken, durch Zuhören und Aufmerksamkeit, durch Zärtlichkeit und Leidenschaft, durch eine in der Gegenwart des anderen erfahrende Steigerung von Sinn und Spaß entfaltet. Ok ich sehe es selbst, das alles zusammengenommen klingt irgendwie unwahrscheinlich, unerreichbar. Kann das alles denn überhaupt ein Mensch (geschweige denn zwei Menschen) verkörpern? Kann einer, können zwei, jemals projektionsfrei und selbstreflektiert die Verantwortung für das eigene Erleben, die eigenen Gefühle, die eigenen Lebensdramen übernehmend und den Mitmenschen in seinem Raum lassend, dabei nicht durch die eigenen Bedürfnisse die des anderen überlagern wollend, einfach „nur“ miteinander selbst sein?

Die Fähigkeit zur Liebe

Und genau an dieser Stelle meines Nachsinnens über die gelingende partnerschaftliche Liebe kam die zweite Synchronizität des heutigen Vormittags ins Spiel: Ich hörte nämlich Radio. Superfly, wer‘s wissen will. Und in dem Moment, in dem ich so über das Lieben und seine Ingredienzien brütete, drang Sade an mein Ohr: „It’s about trust“, singt sie überzeugt und überzeugend. Natürlich.

Erst Menschen, die sich selbst trauen, können sich einem anderen derart anvertrauen, dass eine Beziehung, in der nicht das in den meisten Beziehungen vorherrschende Ziehen im Mittelpunkt steht, entstehen kann. Dieses unangenehme und Beziehungen verleidende Ziehen zeigt sich, wenn der eine X und der andere Y will und dann darum gekämpft wird, wer Recht hat, wer Es bekommt, wer gewinnt, wer überlegen ist, wer mehr Raum und wer mehr Nähe bekommt etc.  

Die Welt der Liebenden

Wer sich selbst vertraut, kann andere in deren eigenem Licht sehen weil er/sie sich aus dem Gefängnis der eigenen Sicherheit einer selbstgezimmerten Selbst- und Weltsicht, die ungehindert von Bedürfnissen und schwierigen Erfahrungen bevölkert wird, hinausbewegen kann. Wer auf sich vertraut, kann sich auf sich verlassen – und kann sich daher trauen, seine eigene Welt ein Stück weit zu verlassen. Um sich in der Welt des Gegenübers umzusehen, in sie einzufühlen. Hier beginnt Beziehung ohne das leidige Ziehen. Eine Beziehung, die über das Selbstsüchtige hinausgeht, die zunächst vorsichtig und im Laufe der Zeit eine immer stabilere Brücke zwischen den Welten der Beteiligten schlägt. Nicht, damit man ausschließlich auf dieser Brücke oder unter ihr zu leben beginnt (das geschieht, wenn zwei Menschen nur noch in der „Wir-Form“ von sich reden). Nein, die Brücke wird zwar miteinander bewohnt, doch die Welt des Gegenübers bleibt stets seine eigene heilige Welt und Heimat, deren Grenzen auf beiden Seiten wahrgenommen und respektiert werden. Man kann einander auf Einladung besuchen, doch kann sich bzw. hat sich auch wieder zurückzuziehen, wenn dies von einer der beiden Seiten her gewünscht wird. Weder wird der eine aus seiner und in die eigene Welt hineinzuzerren versucht, noch umgekehrt. Das Ziehen und Zerren findet in dieser Version von Liebe keinen Raum. Stattdessen herrscht ungebrochene Frei-Willigkeit. Denn wahre zwischenmenschliche Liebe und echte innere Freiheit bedingen einander. Liebe kennt keine Verpflichtung, wohl aber Ver-Antwortung: die Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit Ein-Samkeit. Den Einen Anderen nämlich schlicht Sein zu lassen. Und genau das, das Sein miteinander zu genießen und zu erleben, was sich daraus entfalten mag, das über die eigene Welt hinausreicht, ist das Reich der Liebe.

Special Screen Script 18: GESUNDE GEFÜHLE

Was gesunde Gefühle ausmacht 

Unser Gefühlshaushalt sorgt auf vielfältige Art und Weise für unser Überleben. Er erzeugt Motivation und Schubkraft, auf dass wir tun können, was nötig ist oder Spaß macht. Gefühle weisen uns einen Weg im Angesicht von Gefahren aller Art. Sie vermitteln, dass es Zeit zum Handeln ist. Von „gesunden“ Gefühlen können wir dann sprechen, wenn sie uns unterstützen und uns helfen, den Alltag besser zu bewältigen. Solche Gefühle schädigen uns selbst nicht und belasten auch unsere Beziehungen nicht auf Dauer. Selbst unangenehme Gefühle sind gesund, ja sinnvoll, weil sie uns anzeigen, dass wir auf bestimmte Bereiche besonders achten sollten. Etwa ekeln wir uns, wenn etwas möglicherweise für unsere Gesundheit abträglich ist (wie vergammeltes Essen). Wir werden wütend, wenn wir uns angegriffen fühlen oder etwas für unfair oder bedrohlich halten. Gefühle haben einen Grund und auch wenn dieser in uns selbst liegt bleibt er uns nur allzu oft verborgen. So drängen sie mitunter ungebremst an die Oberfläche…

Wenn Gefühle „giftig“ werden

Unangenehme Gefühle werden dann so richtig „giftig“, wenn sie uns nicht mehr bei einer positiven Entwicklung unterstützen – dies ist eine, die uns und das Verhältnis zur Umwelt und zu anderen fördert – sondern wenn sie im Gegenteil eine negative Entwicklung bestärken. Beispielsweise wenn wir uns selbst heruntermachen, wenn etwa die Scham oder Angst uns fest im Griff hat und wir uns nicht mehr trauen, aus dem Haus zu gehen. Oder wenn wir ständig in Sorge leben, anderen misstrauen, uns selbst nichts zutrauen. Wenn Wutausbrüche jede Beziehung verleiden. Auch die Autoaggression, also die Wut, die gegen sich selbst gerichtet wird, ist ungesund. Sie macht Menschen seelisch oder körperlich krank, manche werden süchtig, etwa nach Schmerz, nach Ablenkung, nach Essen, Sex oder Alkohol etc.

Unangenehme Gefühle werden besonders intensiv und kippen dann ins Ungesunde, wenn wir ihre Ursachen nicht rechtzeitig erkennen, wenn wir uns nicht rechtzeitig abgrenzen, wenn Konflikte verdrängt werden und im Unbewussten schwelen. Sie drängen dann an bestimmten Stellen unseres Lebens, in bestimmten Situationen und ganz bestimmten Menschen gegenüber vehement an die Oberfläche.

Alarmzeichen erkennen

Um mit toxischen Gefühlen gut umgehen zu können ist es sinnvoll, ihre Vorboten rechtzeitig zu erkennen. Denn selbst wenn die Selbstreflexion im Affekt schwer fällt, so sind es doch bestimmte Verhaltensweisen, an denen wir schon frühzeitig ablesen können, dass sich etwas in die falsche Richtung, also gegen einen selbst oder gegen eine Beziehung bzw. gegen unsere Umwelt, entwickelt.

Die drei Grundformen an denen wir erkennen können, dass wir mit einer Situation oder Beziehung nicht mehr ganz rund sind, können wir an sich einfach erkennen: Festhalten, Wegschieben und Ignorieren.

  1. Festhalten geschieht etwa indem wir versuchen, an Altem festzuhalten wie an den schönen Erinnerungen, an der „guten alten Zeit“ und etwa daran, dass man versucht gewohnte Rituale immer wieder aufzuwärmen, sie aber nicht mehr dieselbe Wirkung haben. Das Entspannungsbier am Abend entspannt nicht mehr, das Plaudern beim Frühstückskaffee stellt keine Beziehung mehr her.
  2. Wegschieben geschieht, indem wir uns selbst oder den anderen abwerten, an allem Möglichen herumnörgeln, uns oder ihn kritisieren und verändern wollen oder das Gute der eigenen oder gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart anzweifeln.
  3. Ignoranz erkennt man daran, dass wir anfangen uns selbst zu übergehen. Wenn wir nicht mehr auf unser Äußeres oder Inneres achten. Oder wenn wir uns vom Partner immer öfter oder immer länger fernhalten, uns einer Auseinandersetzung oder Diskussion entziehen.

Beobachten wir an uns selbst ein solches Verhalten, ist es Zeit, in sich zu gehen und sich zu fragen: Wie fühle ich mich eigentlich? Wovor habe ich Angst? Was macht mich wütend? Worüber bin ich traurig? Was bereitet mir Sorgen? Erst dann können wir nämlich anfangen, darüber zu reden – zunächst im inneren Dialog, dann auf klärende Art und Weise mit der Außenwelt…

Die Gefahr von giftigem Verhalten in Beziehungskrisen 

Kein Mensch will enttäuscht, verlassen oder verletzt werden. Wir wollen auch andere meist weder enttäuschen, noch verletzen. Aber allein schon der Wunsch nach einer Veränderung beinhaltet die Möglichkeit von Enttäuschung und Verletzung ganz automatisch und macht Angst. Und oft ist das Problem genau dieses: Einer von beiden ist mit einem inneren Konflikt oder mit einer äußeren Herausforderung so beschäftigt, dass sich seine Prioritäten verändern – und der andere bleibt in der Vergangenheit stehen, sieht nicht mehr das Hier und Jetzt, sondern eher seine Vorstellung von einem gelingenden Miteinander wie es bisher war. Wenn Partner aber nur ihre eigene Vorstellung bestätigt haben möchten – sei es nun die der Veränderung oder die des Stehenbleibens, das ist egal -, so kann eine offene Kommunikation kaum geschehen. Weil eben Festhalten, Wegschieben und Ignoranz aus Angst vor Verletzung (also sowohl verletzt zu werden, als auch den anderen zu verletzen) gegen einen echten Austausch arbeiten. Es kommt dann nicht nur zu schwierigen Gefühlen, die sich aufschaukeln, sondern auch zu psychisch oder physisch verletzendem, ausfallenden Verhalten sich selbst oder dem Anderen gegenüber (je nach Veranlagung). Es ist das Kommunizieren über die schwelende Verlustangst, über das bedrohte Selbstwertgefühl, über die Gefahren von Einsamkeit und Enttäuschung, über all diese Gefühle, die mit einer veränderten Situation automatisch mitschwingen, das uns so schwer fällt.

Gesunde Kommunikation trotz giftiger Gefühle

Der Schlüssel zur guten Kommunikation(sbasis) besteht darin, trotz intensiver, unangenehmer Gefühle nicht im Affekt zu handeln. Sobald wir merken, dass wir maßlos wütend oder voller Angst sind, sollten wir uns innerlich oder tatsächlich zurückziehen, um herauszufinden, wo wir stehen, welche Bedürfnisse und Erwartungen wir an uns selbst und an den anderen haben und welche Entwicklung unserer Ansicht nach ansteht. Zum anderen sollte uns in diesen Momenten – die auch länger dauern können, je nach Mensch und Situation vielleicht Minuten, Stunden, Tage, manchmal noch länger – klar werden, was genau wir am anderen schätzen und was wir darüber hinaus an uns selbst und an der Beziehung verändern wollen.

Klarheit, Zeit und Wertschätzung sind daher die Kernkomponenten einer fruchtbaren Krisenkommunikation: Für das Krisengespräch vereinbaren wir uns am besten einen abgegrenzten Zeitraum uns sorgen für eine ungestörte und angenehme Atmosphäre. Hier teilen wir einander mit, wie man das (Beziehungs)Leben derzeit sieht, was man empfindet, was man möchte und auch nicht möchte. Was man am anderen schätzt und was einem in der Beziehung fehlt. Dann ist Zuhören gefragt. Je besser wir uns selbst und den anderen verstehen, desto mehr lernen wir selbst aus scheinbar ausweglosen Situationen.

Wie wir Reibungswärme nutzen können

Wir können die vier negativen Grundgefühle von Wut, Angst, Trauer und Ekel meistern, indem wir sie bewusst nutzen lernen. Wenn sie uns nicht mehr vorgeben, wie wir zu denken und zu handeln haben, werden gerade die unangenehmen Gefühle zu wertvollen Signalgebern. Sie deuten unmissverständlich auf Themen und Situationen, deren Hintergründe und Auswirkungen eine intensive Auseinandersetzung verlangen …

Interviewscript zu „Gesunde Gefühle: Wie wir Reibungswärme nutzen können“ in „Heute Mittag“ am 20.03.2018, ORF 2