FREEFLOWLETTINGO

Secret Success Story No 23 – über die Leichtigkeit des Seins

Flow

Kennen Sie das scheinbar mühelose völlige Aufgehen in einer Tätigkeit? Wenn Zeit und Raum, einfach alles außerhalb Ihres Konzentrationsfeldes, schlicht nicht mehr existieren. Hier drängen sich keine störenden Gefühle oder Gedanken auf. Im vielgepriesenen Zustand des Flows sind wir eins mit uns und unserer Handlung. Wie Kinder beim Spielen. Leider stehen uns unser Verstand, unsere Gefühle und unser Körper oft im Weg. Sie verhindern das „reinkippen“ in den Flowzustand. Genauso wie die Anforderungen des Alltags oder andere Menschen, die uns ablenken, rausbringen, vereinnahmen, fremdbestimmen.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die dieses köstliche Erlebnis in die Existenz heben. Das Gefühl der Selbstbestimmung ist das zentralste von allen. Und wie oft haben wir dies am Tag? Und wie oft, sofern wir es kennen, mündet es in Langeweile bis Depression? Fühlen wir uns faul, nutzlos, nicht gebraucht, überflüssig? Selbstbestimmt, aber einsam und alleine…

Freiheit

Wer sein Leben zur freien Verfügung hat, den freut dies nicht immer. Aber sobald wir wissen, was uns mit Spaß und Sinn erfüllt, wenn wir es tun steht dem Eintauchen in den Fluss des Seins nichts mehr im Weg. (Wer noch nicht weiß, was er wirklich will, dem sei hier der Blogbeitrag „Motirection“ empfohlen). Es sind aber noch einige andere Zutaten für das freie Fließen im Moment nötig: das Freisein von Sorge und Angst oder die Freiheit von Erwartungen und Erfolgsdruck. An deren Stelle steht die Freiheit, den eigenen Fähigkeiten entsprechend aktiv zu werden. Das dem eigenen Wesen entsprechende Tun sollte sich in der eigenen Haut gut anfühlen (für andere könnte sich dasselbe schrecklich anfühlen) und das Werk im eigenen Sinne Sinn machen (für andere könnte es völlig sinnentleert sein). Der Weg zum wonniglichen Fließen führt daher zunächst aus der Insel der Selbstbestimmtheit über die Brücke der Un-Abhängigkeit von Fremdvorstellungen und Fremdbeurteilungen, jenseits des Berges der Kritik (von innen und außen) und damit hinein ins Land der unbegrenzt fliessenden Möglichkeiten.

Loslassen

Und da? Einfach machen. Und dann? Das ist eine gute Frage. Denn der Flowzustand hat ein Ende. Dann schlägt der Alltag gnadenlos zu, die Rechnungen wollen bezahlt werden, die Schule zwingt einen zum Sprechtag, die Kinder wollen etwas essen, Partner wollen beglückt werden. Verantwortungen rufen. Laut und gebieterisch. Flow und Verantwortung scheinen zwei Planeten aus unterschiedlichen Sonnensystemen zu sein. Kein Wunder, dass viele Künstler sich eher soziopathisch verhalten und große Denker oder Mathematiker dem Reich des Autismus nahe stehen.

Wie passt das zusammen? Wie findet der Flow, das reine Sein  im Moment, seinen Frieden mit jener Selbstaufgabe, die benötigt wird, um seinen Verpflichtungen in der Gesellschaft nachzukommen?

Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins

…ist deshalb unerträglich, weil es einem zwar leicht fallen kann, alles zu vergessen, sich zu vergessen, nur zu sein. Aber weil zur gleichen Zeit ganz automatisch im Vergleich dazu alles und jeder andere schlichtweg unfassbar schwer wird. Spürbar schwer. Mühsam. Im Flow gibt es keine Probleme, die nicht gelöst werden können. Die Welt außerhalb des Flow zelebriert das Problembewusstsein schlechthin. Wer sich leicht fühlt, der wird schnell von seinem Umfeld (oder von seinen eigenen Gewohnheiten) wieder runtergeholt und durch die Schwerkraft des Alltäglichen eines scheinbar Besseren belehrt. Aber: welcher Zustand ist echter? Leicht oder schwer? Welche Einstellung, welches Erleben entspricht wirklich und wahrhaftig der Realität? Doch wohl die Schrecken dieser Welt. Glück, Zufriedenheit, Leichtigkeit – die alle zählen nicht so viel, wiegen nicht so schwer (!). Die Macht des schlechten Gewissens sorgt schon dafür. Wir dürfen uns nicht bewusst wohl und leicht fühlen angesichts des Elends dieser Welt. So viel ums uns ist ungerecht, dramatisch, unfassbar und vor allem: unlösbar. Apokalypse now! Und wie kann man sich angesichts des Elends dieser Welt bloß leicht fühlen?

Andersrum aber geht das ganz gut: Ewig gegen Windmühlen kämpfen, das ist ein respektabler Seinszustand. Die passende Einstellung dazu: „Alles wird schlechter, obwohl es früher auch nicht besser war“. Es gibt zwar keine gute alte Zeit aber dafür gibt es auch keine große Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wo soll uns eine solche Denkweise eigentlich hinführen? Nirgendwohin. Eine solche Haltung ist im wahrsten Sinne Aussichts-los. Sie ist letztendlich auch nur eine Art, im Hier und Jetzt zu sein. Keine sehr angenehme.

Alles easy – oder was?

An der Leichtigkeit – am Flow, am Spiel, an Spaß, an Sinnlichkeit und Sinn – führt deshalb kein Weg vorbei, weil alle anderen Tätigkeiten und Einstellungen dem Leben seine Qualität nehmen. Wie finden nun also Selbstlosigkeit und Selbstbestimmung zu einander? Wie finden Freiheit und Verantwortung eine gemeinsame Ausdrucksform? Darf „Gutes tun“ tatsächlich Spaß machen und das „kreative Lösungen für echt große Probleme-Finden“ in Leichtigkeit passieren? Darf man dem Ernst des Lebens lustvoll auf die eisige spiegelglatte Glatze spucken und dem eigenen Antlitz darin eine schön freche Grimasse ziehen? Ja, man darf.

Viele großartige und oft unsichtbare Menschen und Projekte zeigen, wie inspirierende Kreativität selbst festgefahrenes Problemdenken aufbricht oder wie ein echtes Lächeln real bedrohliche Konfliktherde in bereichernde Reibungsfreude umwandelt. Die Haltung, aus der derart wirksame Transformationsakte entstehen kann, ist eine Mischung aus edler Gesinnung (etwas zum Besseren verändern zu wollen) bei gleichzeitigem Mangel an Rechthaberei (den Zwang, etwas erreichen zu müssen loslassen). Die Unaufdringlichkeit jener, solche Transformationen initiierenden Akteure mischt sich idealerweise mit der spontan entstehenden Freiwilligkeit der  zur Transformation eingeladenen Beteiligten. Eine solche, höchst effektive Leichtigkeit in einem anstehenden Veränderungsprozesses zu vermitteln und ihn dadurch gezielt einzuleiten kann Schwerstarbeit sein. Diplomaten wissen um die immense Schwierigkeit, andere so zu bewegen, dass die äußere Form mit selbstverständlicher Leichtigkeit gewahrt und im selben Atemzug im Inneren alte Denkweisen ersetzt oder massive Strukturveränderungen eingeleitet werden können.

You gotta move it, move it

Diese Fähigkeit, unauffällig und freudvoll andere zur weiteren Entwicklung anzuregen, mit einem Blick oder einer Geste Grundsätzliches zu bewegen und so quasi „nebenbei“ das Rad der Evolution am Laufen zu halten, wird selten mit Ruhm und Ehre, Geld oder Karriere belohnt. Diese Art von Erfolg ist kaum messbar, kaum sichtbar, nur spürbar. Es gibt keine institutionalisierten Beobachter jener weisen Akteure, die im Hintergrundrauschen des Alltags mit dem Funken der Verwandlung spielen. Diese Funken verändern Negatives in Optionen und Leid in Erkenntnis. Solche Menschen wandeln fast unsichtbar umher und tippen andere an, so  wie Buddhisten ihre Gebetsrollen am Rotieren halten. Sie bringen stockende Energien in Gedanken, Gefühlen oder auch im Körper ganz unauffällig wieder zum Fließen. Eine Begegnung mit ihnen lässt einen das eigene Zentrum spüren und die eigene Handlungsfähigkeit steigt wieder. Sie machen, dass wir uns fühlen, wie das Titelbild dieses Blogs zeigt: Sie halten uns am Laufen(den). Ein Dank an all jene, die uns derart im Inneren „anstupsen“, die uns selbstlos berühren und bewegen, unsere Welt am Weiterdrehen halten, uns immer wieder ins Fließen bringen! Dieses Wunder geschieht aus jener bewundernswerten Leichtigkeit heraus, die durch Lebenserfahrung erworben wurde. Gerade diese lebensweise Leichtigkeit kann kaum professionalisiert oder gelehrt werden…

Professionelle Helfer und die Leichtigkeit

Denn der Grat ist schmal. Der Grat zwischen selbstloser und zutiefst befriedigender Hilfstätigkeit beim Sein und Werden – und der völligen Selbstaufopferung. Jeder Sozialarbeiter, jede im Gesundheitswesen kennt ihn, diesen gefährlichen Grat zwischen der Hochachtung vor der Aufgabe, andere zu berühren und zu bewegen – und dem Burnout durch Selbstaufgabe. Kennt diese zehrende Hoffnungslosigkeit, die hinter jeder gelungenen Hilfsaktion lauert, weil es zu viele gibt, denen im selben Atemzug nicht geholfen wird. Weil das Leid kein Ende kennt, aber die eigenen Kräfte schon. Die Erwartungen, die Hoffnungen, sind groß, die Realität weit von der Leichtigkeit einer Erfüllung entfernt. Die oben angesprochenen Weisen der Leichtigkeit haben die Hoffnung aufgegeben. Nicht weil sie frustriert oder hoffnungslos wären, sondern weil sie das Leben kennen und nehmen. Deshalb sind sie auch unsichtbar. Sie kompromittieren ihre eigene Einstellung nicht mit der Suche nach Anerkennung. Sie wissen, dass dies kontraproduktiv für das Resultat wäre. Ihre Selbstlosigkeit ist kaum wahrnehmbar, gut versteckt. Mit voller Absicht.

Die Falle der Selbstlosigkeit

Selbstaufgabe zugunsten anderer wird in unserer Zeit und Gesellschaft einerseits als anbetungswürdig verherrlicht. Moderne Märtyrer, Helden von heute. Die konstruktiven Journalisten erzählen gerne von den Mutter Theresas und Nelson Mandelas. Oder ein untragbares, menschenunwürdiges (beispielsweise Gesundheits-)System (siehe unsere Spitäler und deren Arbeitszeiten) fordert die Selbstaufgabe einfach ein. Leichtigkeit hat im offiziellen Berufsleben keinen Wert. Im Gegenteil. Arbeit muss schwer sein, damit sie als Arbeit gilt. Und nicht einmal dann wird sie mit Wertschätzung entlohnt.

Vor allem Frauen ergeben sich darin, ihr Leben in den Dienst anderer zu stellen. Und in einer Zwickmühle aus mangelnder Wertschätzung und niedriger Entlohnung zu landen. Den eigenen Weg zu gehen ist für Frauen immer noch nicht nur schick. Sie würden vielleicht dafür Geld bekommen, aber Wertschätzung? Für die Kinder da sein oder Karriere machen – diese Entscheidung ist viel zu oft nach wie vor ein entweder-oder  bei der jede Seite nur verlieren kann. Geld und Hochachtung fehlen in den meisten „weiblichen“ Berufen – ebenso wie im Muttersein. Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Putzfrauen, Sekretärinnen, Krankenschwestern, Pflegerinnen, Sexarbeiterinnen. Zweite Reihe, Hilfsdienste, Zulieferer, Wohlfühlbasis, Hintergrundrauschen. Was sind sie der Gesellschaft wirklich wert? Ich weiß, ich provoziere. Allerdings für einen guten Zweck, nämlich um das – vorwiegend weibliche – Rezept „Erfolg durch Selbstaufgabe“ in Frage zu stellen. Geht es denn auch anders? Dieser Frage widmet sich nächste Woche die Success Story No 24: WonderWomen – über Weibliche Wunderwirksamkeit. Samstag, 14.11.2015, 10.00.

Und an dieser Stelle der Gerechtigkeit halber gleich eine Vorschau auf die Success Story No 25: MiracleMen – über das Mirakel im Mann. Am Samstag, 21.11.2015

 

CHAOSRULES

Secret Success Story No 22 – über die Ordnung in der Unordnung

Wie Alles begann und inwiefern Alles immer so kompliziert ist

Am Anfang war das… naja, Nichts eigentlich. Wo keine Zeit, da kein Raum, da keine Materie. Trotzdem waren Alles und Nichts schon mal da. Denn irgendwo muss das Etwas ja herkommen. Schlaue könnten jetzt sagen: Alles ist ja auch ein Wort (soviel zu „Am Anfang war das Wort„, zumindest laut Johannesevangelium). Da (dort, dann) kommt‘s jedenfalls her. Alles und Nichts waren quasi die Zwei Ur-Eltern des bekannten Universums (beide neutral von ihrem Artikel her, interessant). Sie waren zu zweit, so schaut’s nämlich aus. Dennoch Einerlei. Denn vor dem Big Bang ist laut zeitgenössischer Physik vorläufig noch Alles Graue Theorie, also nix is fix. Daher fangen wir mit dem Großen Knall an. Das ist mal ein (oder zwei) Wort(-ö/er)!

Sie sehen’s vielleicht schon: Zu Beginn des heutigen Blog-Beitrags drängt sich ein Haufen Paradoxa in den Vordergrund. Um nicht zu sagen sternenstaubhaufenweise Paradoxa. Denn Alles kam aus dem Nichts. Und Alles ist Nichts. Zumindest damals, am zeitlosen Anfang. Vielleicht (wie gesagt, da ist man sich unter Wissenschaftlern nicht einig, eher mehrfach zweinig, um den Widersprüchen weiter zur Ehre zu verhelfen und inhaltlich ein bisschen Konsistenz zu zeigen). Doch zurück zum Thema: Alles war mal Nichts und als solches wohl noch dazu zu allem Überfluss Eins. Eine Einheit. Ein AllesundNichts. Zwei Nichtse wären ja schon wieder Etwas, aber keinesfalls Alles. Es kann nur Das Nichts und Das Alles geben, wenn man die Grundgesamtheit des Universums betrachtet. Einzahl. Von Paralleluniversen reden wir ja nicht, die müssen ja auch von wo herkommen. Aus anderen All-Nichtsen?

Mit höchster Wahrscheinlichkeit ist Ihnen inmitten all dieser Verwirrung fast schon aufgefallen, dass wir uns grad ganz hinterlistig, von der Maschekseitn sozusagen, an das Chaos anpirschen. Ich würde mich freuen, wenn Sie es ein bisschen spüren, den Schwindel des Allanfangs, und ihn aushalten, nur um zu sehen, wie es weitergeht. Aber ich will Ihnen nicht zu viel abverlangen. Also bringen wir jetzt ganz im Sinne des Titels mal ein bisschen Ordnung rein in diese paradoxen Wahrheiten (wenn sie denn solche sind): (Ein) Nichts war, dann macht‘s anständig PUFF (zumindest wörtlich, nicht als Explosion, da ist das Wort BANG nämlich missverständlich) und: Alles ist. Schaut doch schon viel besser aus. Die Zeit macht‘s möglich und trennt das vermurkste Chaos in eine schöne und nachvollziehbare Reihenfolge. Aber fragen Sie jetzt bloß nicht warum! So weit sind wir noch nicht. Wir sind wie gesagt erst am Anfang. Alles ist einmal. Winzig klein, zusammengepresst, Sie können getrost sagen „Ein Klumpen Etwas“. Ein immens dichter Punkt. Klingt eigentlich nach einem fundamentalen ersten Statement: „Und Punkt.

Dicht bis zum GehtNichtMehr oder: Warum Alles immer so komplex ist

Sind Sie schon soweit und fragen sich (mich – ja, Wir sind an diesem Punkt Eins, zumindest aus meiner Sicht, die Sie ja grad lesen): „Was hat das denn alles mit mir zu tun??“ oder: „Was hat das Alles denn mit Erfolg zu tun??“ Denn darum geht es ja in diesem Blog, um Erfolg – mal anders.

Na dann kommen wir besser gleich auf den Punkt, nicht war?! Singularität würden die Physiker unter Ihnen an dieser Stelle sagen. Einfach, weil nur Eins. Die Singularität ist unendlich dicht, die arme. Kein Wunder dass sie in ihre Bestandteile zerfällt, vielleicht musste sie sich übergeben. Und Schwupps: da war er, der Erfolg. Es folgt die Entstehung von Raum-Zeit und Materie. So viel Reichtum aus dem Nichts! Wenn das mal kein Megaerfolg ist. Und nach der Dichte folgen Ausdehnung und Abkühlung. Mit anderen Worten: Die Weltherrschaft. Startup Total. Cool. Zu diesem Zeitpunkt ist das Universum noch gehörig undurchsichtig (im wahrsten Sinne des Wortes). Erst mit der Zusammenrottung von Elektronen, Neutronen und Positronen (insgesamt Nukleonen), die ihrerseits größtenteils aus Quarks bestehen, zu Atomen kommt ein bisschen mehr Ordnung rein. Und mit der Ordnung der Durchblick, denn endlich kriegt das Nichts seinen Raum zwischen den Etwassen. Das Zwischendenzeilenlesen wird möglich, weil nicht mehr alles aneinanderpickt. Aus dem Dunklen Einerlein ins Helle Vielerlei. Aus dem Chaos in…. Juhu, die Komplexität! Und damit vom Regen in die Traufe? Denn die kleinsten subatomaren Bestandteile hängen irgendwie zusammen, verleihen durch ihre raumzeitliche Strukturierung und kräftemäßige Koordination unserem sichtbaren Universum seine Gestalt, verhalten sich trotzdem nicht unbedingt stets berechenbar. Ohne in die Untiefen der Beobachterabhängigkeit der Wirklichkeit abzudriften kann man getrost sagen: Die Wahrheit über die Wirklichkeit liegt im Auge des Betrachters. Alles andere ist eine mehr oder weniger gute Theorie über die Wirklichkeit. Je besser die Theorie – will heißen je nachvollziehbarer und überprüfbarer ihre Thesen – desto schöner entfaltet sich das komplexe Gebäude möglicher Zusammenhänge zu einem funktionierenden Großen Ganzen. Uni-Versum. Ein Vers das Ganze – Gott ist Poet. Und mein Latein schlecht.

Da wir wissen, dass es (noch) keine bestätigte Theorie gibt, die alle einzelnen Ordnungskräfte des Alls – quasi alle Sinnzusammenhänge unseres Gedichtes – vereinen könnte, müssen wir uns damit zufriedengeben, dass es sich insgesamt gesehen um ein recht komplexes Alles handelt. Nicht so leicht zu durchschauen, obwohl jetzt in Atomen, später in Sternen und Planeten, schon einmal schöner aufgeräumt. Richtig geräumig das Universum, wo doch vorher so viel allesaufeinmal war! Je mehr Raum desto komplexer, desto ordentlicher. Je mehr Zeit desto komplexer, desto erkennbarer. Weil irgendwann mal wer entsteht, der des Erkennens fähig ist. Und je mehr Durchblick, desto mehr sichtbare Komplexität. Kommt Ihnen das bekannt vor? So schön paradox wie das Leben! Willkommen im Club. Und wir haben noch nicht mal die Frage beantwortet, wie genau sich Alles Undurchsichtige zu Etwas Sichtbarem und noch viel mehr Durchsichtigen zusammenrottet.

Phasenübergänge: Beam us up Scotty!

Ja auf den Punkt zu kommen ist gar nicht so einfach. Wieviel schwerer ist es dann, auf viele Punkte zu kommen? Naja eines stimmt: Es braucht tatsächlich Schwerkraft und noch ein paar andere Kräfte. Alles in Allem verläuft der Bildungsprozess von etwas Ordentlichem (weil aus dem murksigen Dichten Vielen Etwas zunehmend mehr Einheiten sichtbar werden) prozesshaft und sprunghaft in sogenannten Phasenübergängen. Und jetzt endlich kann ich zu meinem Punkt kommen (ich weiß das hat etwas gedauert, aber im Vergleich zu den Zeitmaßstäben des Universums, des Großen einen Gedichts, ist ja alles ein bisschen relativ).

Ich behaupte nämlich, dass erfolgreiche Künstler und Leader (politische, unternehmerische, familiäre,…) besonders gut darin sind, Zeit, Raum und Materie in Übergangsphasen zu verdichten. Außerdem schaffen sie es, Dinge und Betrachter in und über einen Phasenübergang auf die nächste Ordnungsstufe zu heben. Sie schaffen es, aus dem Dunkeln Mischmasch das sichtbare Etwas hervor zu kitzeln. Und sie führen es anderen vor, indem sie sie dabei mitnehmen. Erfolg, weil folgenreich.

Die Kunst als Schöpferin

Künstler machen sichtbar, was unter der Oberfläche schwelt. Sie machen spürbar, was eine Gesellschaft, einen Zeitgeist beschäftigt, noch bevor sie oder er es sich selbst eingesteht oder gar wahrzunehmen vermag. Künstler zeigen des Offensichtliche, das bis dahin noch kaum jemand erkannt hat oder in Form bringen konnte. Sie legen das bereits allseits Offensichtliche auf eine Art und Weise offen, die zu neuen Sichtweisen führt. Sie gestalten den Phasenübergang des Alten zum Neuen aus, sind Reporter des Uferlosen, Grenzgänger im grenzenlos Komplexen. Sie reflektieren den Prozess unseres Werdens, sie sind Spiegelbilder der Abgründe ihrer selbst. Je treffsicherer sie den wunden Punkt, die Ideal-Sehnsucht oder die Realitätswut einer Gesellschafft treffen, desto erfolg-reicher sind sie. Vorausgesetzt, sie werden gesehen, gehört, für wahr genommen. Kunst gießt das Vergängliche ins Zeitlose. Große Künstler überleben den Tod weil ihre Kunst weiterlebt, ihr Wirken sich fortpflanzt. Dieser unaussprechliche Kreationsakt gelingt, indem sie das Paradoxe einer Ausgangssituation (Sie erinnern sich: AllesundNichts in Einem) in Bedeutung auflösen. Eine Bedeutung, die von anderen als erlebte Wirklichkeit empfunden werden kann. Oft interpretieren andere ihre Werke ins nicht Nachvollziehbare hinein. Rezipienten sehen, hören, spüren Aspekte eines Prozesses und eines Ergebnisses, die dem Künstler selbst eher als bloße Notwendigkeit erschienen. Einen solchen Wandlungsprozess auszulösen unterscheidet die Kunst von der Natur.

Sie sehen schon: Ich verehre die Kunst, huldige den Künstler in jedem von uns. Die Kunst-Vollen muten sich, ihr Chaos und ihre Komplexität, ihr Dunkel und ihr Licht, sich selbst und anderen zu. Sie heben das Andere ins Blickfeld. Sie sind anders. Künstler passen sich nicht den Vorstellungen anderer an. Sie bleiben stur beim Dokumentieren der Phasenübergänge einer Gesellschaft, eines Wesens, des Universums, ohne all zu sehr darauf zu achten, ob sie dafür gemocht oder geschätzt werden. Verschrobene Wissenschaftler und nerdige Techniker, alle Arten von hemmungslos durch Alles Mögliche motivierten Innovatoren, die es nicht des Geldes wegen tun, sondern um zu gestalten und zu formen, zu bewegen und zu verändern, sind für mich Künstler.

Die Kunst des Führens

Aus dem Hut eines Standpunkts mehrere Handlungsoptionen zaubern. Das kann die Kunst des Führens. Aus der Lustlosigkeit, dem Frust, der Abwehr oder gar Wut einer Belegschaft, eine Vision, Ziele und Taten zu formen, schafft die Kunst des Führens. Echte Leader sehen die Möglichkeiten in der Krise. Und sie geben inmitten des Chaos und der Dunkelheit Orientierung, spenden Vertrauen, stellen ein Vorbild dar. Klingt irreal in Zeiten wie diesen? Erleben wir derzeit zuviel Veränderung, einen zu starken Phasenübergang, eine zu hohe Komplexität, einfach zuviel des Chaos? Ich hoffe sehr auf das Erscheinen jener Führungs-Kräfte, die unsere Zeit braucht. Menschen, die das scheinbar Unmögliche – das Undurchsichtige, undurchdringlich Komplexe – in Möglichkeit, in Ein-Sicht verwandeln. Ordnung auf einer neuen Ebene herstellen, und so ihrer Berufung folgen. Menschen, die kritische Phasen als notwendigen Teil einer laufenden, weil universalen Entwicklung sehen und die diese Evolution tatkräftig begleiten: Wir brauchen Euch! Und wenn Ihr nicht zu sehen seid, liegt es vielleicht daran, dass es so viele sind, die rund um uns das Beste aus dem Hier und Jetzt zum Besten aller, auch dort und dann, machen? Vielleicht fallen deshalb die Ewiggestrigen so stark auf, weil sie in der Unterzahl sind, befremdlich jene längst als untragbar erkannte Realitätsvorstellungen hernehmen, um dadurch den Veränderungen unserer Welt gerecht zu werden suchen? Was genau tun diese anderen, die nicht Ausschau nach neuen Welten, nach neuem Durchblick, nach der nächsten Seinsstufe – und sei sie nur ein Stück näher am Herzen oder ein Stück tiefer im Geist, sind?

Auch jene, die nicht an den Prozess der Weiterentwicklung, des stetigen Werdens glauben, schaffen Ordnung im Chaos. Nur anders. Oder anders gesagt eher immer gleich.

Selbstähnlichkeit alias sich selbst der nächste sein

Zugegeben: Tradition, Rituale, Regeln und Normen – das Ordnunghalten durch das wiederkehrend Gleiche – machen durchaus Sinn. Sie erleichtern das Zusammenleben indem sie verhindern, dass die Einzelteilchen unserer Gesellschaft derart aneinandergeraten, dass sie sich aufreiben und es zu unnötig hitziger Reibungswärme oder gar explosionsartigen Veränderungsschüben, die oft eine massive Vernichtung ihrer Bestandteile mit sich bringt, kommt. Alles beim Alten zu belassen heißt auch, Ruhephasen und Regeneration gewinnen. Aber immer und ewig more of the same? Das lässt die Evolution nicht zu, da sollen die konservativen Kräfte nur lamentieren und intrigieren, sich versteifen und rechthabenwollen so viel sie können. Das „ordentliche Aufräumen“, das Ordnungmachen in Veränderungsphasen auf Basis der Repetition des Starren, basierend auf dem Strickmuster des Alten, versucht das Gleiche wie bisher oder vielleicht sogar die gute alte Zeit zu reproduzieren. Eine Illusion, an der die Ewiggestrigen gerne festhalten, weil sie Kontrolle über das Chaos suchen. Wenn sie das Ruder von Anfang an gehabt hätten, dann wäre das Universum nicht entstanden, denn in der Stille vor dem Beginn, da war‘s so schön ordentlich. Da gab es nur einen Standpunkt. Den Einen. Und der hat sich nicht in Frage gestellt. Oder doch? Ist er deshalb aus der Einheit mit sich gefallen, zur Vielheit gewachsen? Hm. Am Anfang war… Oh ja, da waren wir schon.

Nix is fix

Controlfreak nennt man jemanden, der versucht alles und jeden mit seiner eigenen Sichtweise und den eigenen Methoden zum eigens ausgeklügelten Ergebnis zu pressen. Nein ich meine nicht Lehrer oder Eltern. Die müssen das Paradoxon von Grenzen-setzen und Horizonte-erweitern meistern. Sie haben genug damit zu tun, dass ihr Klientel so veränderungsfreudig und zugleich formungsresistent ist. Gut so, in der Spannung von Altem und Neuem wächst jene Handlungskompetenz, mit ungeahnten Paradoxa vertrauensvoll und zugleich mutig umzugehen. Respekt an jene Lehrer und Eltern, die den Nachwuchs über diese Phasen hinweg begleiten. Der Nachwuchs wächst sich irgendwann mal aus. Er wächst. Zum Er-wachsenen. Und hier ist es wichtig, dass er weiter wächst, flexibel bleibt, immer neue Ordnung schafft – indem er vorhandene Ordnungen weiter-wachsen lässt.

Alles fließt

Nun ja, es lässt sich nicht verleugnen: Chaos und Ordnung sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, die Ausdehnung von Raum und Zeit, sie alle schauen drauf, dass die prinzipielle Tendenz im Universum in Richtung Unordnung geht. Aber es gibt andere, wirksame Kräfte, Mittel und Wege zu immer neuer Ordnung in der Unordnung. Sogar zu immer neuen Ordnungsebenen, komplexere Ordnungen sozusagen: Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Soziologie – alles Zeichen der sprunghaften Entwicklung komplexer Systeme. Das Schaffen neuer Ordnungen kann auch ohne bewussten Akt geschehen. Die Evolution zeigt, dass Fehler und Krisen, Katastrophen und ganz allgemein „das Chaos“, im Sinne des Zusammenbruchs einer Ordnung, zu neuen Formen der Existenz führen.

Chaos Rules, das ist das Statement der beiden Strömungen des Seins. Alles strebt zur Auflösung. Auf dem Weg dorthin, eigentlich währenddessen, entsteht ganz Erstaunliches: Ordnung. Ordnung und Chaos existieren zugleich, der Widerspruch lebt ganz offensichtlich. Alles und Nichts, Chaos und Ordnung. Menschen, die die Einheit des Paradoxen akzeptieren anstelle das Entweder-Oder zu verteidigen, halte ich für lebensweise. Erfolgreich nach universellen Ausmaßen. Mehr geht nicht. Punkt. Punkte. Und ihr Zwischenraum.

Und jetzt? Was tun im Fluss des All-Einen, wenn alles Sein und Werden zum Vergehen und Neu-Ordnen führt? Enjoying the ride? Oder doch lieber eine hehre,  moralisch-ethisch lobenswerte Aufgabe erfüllen? Geht’s auch anders? Mit der Frage nach dem Loslassen und Seinlassen befasst sich BeMeUp-Der Erfolgsblog nächste Woche: Success Story No 23: Freeflowlettingo – alles easy oder was? Samstag, 07.11.2015, 10.00

DISCOVENTURE

Secret Success Story No 21 – über das Abenteuer des Entdeckens

Der Ruf der Ferne

Manche hören ihn, den Ruf der Ferne. Manche folgen ihm. Vor allem jene ohne Verpflichtungen oder jene, die von Berufs wegen der Ferne verpflichtet sind. Manch andere hören ihn nicht nur nicht, für sie liegt die Ferne gänzlich jenseits ihrer Lebenswelt. Für solche mag schon der angrenzende Bezirk oder auch die Nachbarwohnung zu weit weg wirken, als sie erforschen zu wollen. Dritte wiederum begeben sich in der Ferne in Ressorts, die wie ein besseres Zuhause funktionieren – all inclusive, abzüglich Kochen, Putzen und Kinder – wenn auch das Wetter besser und die Umgebung sowie Shoppinggelegenheiten andere sind.

Die Welt ist ein Dorf

Wo liegt überhaupt die Ferne, jenes fremde und verlockende Abenteuerland, das es zu entdecken gilt, so man denn überhaupt etwas ent-decken möchte? Ist nicht bereits die ganze Welt erschlossen, alle Lebewesen gezählt und katalogisiert, alle Landmassen vermessen? Zugegeben, in der tiefsten Tiefe der Meere gibt es teils noch Unentdecktes, überraschend anders aussehenden Schildkröten werden immer noch neue Namen verliehen.  Ähnlich wie rund um die kleinsten Teilchen der Physik noch ungelüftete Geheimnisse schwirren oder der große Gesamtzusammenhang des Universums, sein Entstehen, sein Enden, seine Enden und die Einheit seines Kräftespiels, noch fehlen. Aber die sichtbare Welt, oberhalb des Meeresspiegels? Da gibt es kaum echtes Neuland zu finden, überall war schon wer, alles ist mehr oder weniger altbekannt. Kann sogar über Satelliten angesteuert und vergrößert werden. In Echtzeit. Scheinbar zumindest erschließt sich uns die ganze Welt auf Knopfdruck. Und das Abenteuer „Expedition“ nimmt heute andere Formen an als noch vor 100 Jahren.

Moderne Entdeckungsreisen

Wir entdecken heute kaum mehr die Ferne, sondern vielmehr unsere eigenen Grenzen. Wir laufen Marathon, biken extrem mountain. Die Generation 50+ und fängt an zu Surfen oder einen Kampfsport auszuüben. Wir entdecken aber nicht nur unsere körperlichen Grenzen – um sie zu erweitern, das Leben zu verlängern, das Unmögliche zum Machbaren zu degradieren. Wir erforschen auch unsere psychischen Weiten und Tiefen mit Hilfe von Therapeuten, wir entdecken unser Verhalten und seine Limits oder Optionen mit Hilfe von Coaches. Wir reisen mit Schamanen zu den Ahnen, oder mit Astrologen zu den Sternen. Und überall finden wir: uns selbst. Oder Aspekte unserer selbst, Splitter unseres eigenen Gesamtzusammenhanges. Wir haben Erfolgserlebnisse, wenn wir uns tränenreich mit unserem inneren Kind versöhnen und wenn wir uns im Rausch des Naturbezwingens unseren Endorphinen ausliefern. Wir haben „Durchbrüche“, wenn wir verstehen, wie wir funktionieren und warum, indem wir unsere Familiengeschichten nicht nur durchleuchten, sondern etwa in systemischen Aufstellungen sogar weit in der Vergangenheit vor uns Vergrabenes am eigenen Körper durchleben.

Wir lernen uns selbst kennen, bereisen die bedrohlich und verlockend unbekannten Flecken unseres Lebens, unseres Wesens, unserer Vergangenheit. Nicht selten mündet die Reise in ein Gefühl der Ernüchterung. Der Weg dorthin, in uns hinein, ist vielleicht spannend, aufregend, intensiv und erlebnisreich. Aber kann das Ziel, sich selbst ein Stück weit besser zu kennen, tatsächlich als Erfolg verbucht werden? Ist die Selbst-Erkenntnis nicht vielmehr Startpunkt und Endpunkt einer jeden Reise? Können wir diesbezüglich überhaupt jemals ans Ziel kommen? Sind die in diesem Bereich wahren Erfolg-Reichen nicht vielmehr die diversen Reiseleiter zum „Ich“, die in den unzähligen Disziplinen ihr Geleit, ihre Landkarten – ihre Versionen moderner Schatzsuche – anbieten? Therapie, Coaching, Training, Ernährungsberatung, Energiearbeit, Feng Shiu – irgendwann hat man dann alles, was einen anspricht, ausprobiert, kennt sich und die Pauschalreisen zur Erkenntnis und zum besseren, runderen Selbst-Erleben gut genug und fragt sich: Und wohin jetzt?

Das Unwirkliche als Neuland

Was haben denn die Außen- und die Innenwelt noch zu bieten, was das Virtuelle nicht besser, schöner, aufregender vermitteln könnte? Wir orientieren uns heute selten am Sonnenstand (außer um zu entscheiden, was wir anziehen oder welcher Freizeitbeschäftigung wir nachgehen). Wir sondieren die Lage der Welt eher am (elektronischen) Zeitungsstand, entdecken in den Digitalen News, was unsere Welt bewegt. Wir bewegen uns selbst in der Welt, ohne uns selbst zu bewegen. Der Screen und seine virtuelle Wirklichkeit – unser Einstiegstor in alternative Realitäten, in denen wir uns und einander oft näher sind, uns intensiver spüren, als im schalen Dunstkreis unserer alten „wirklichen“ raumzeitlichen Umgebung. Erfolg hat, wer viele friends hat. Erfolgreich ist, wer geliked wird. Noch erfolgreicher ist, wer geshared wird.

Virtuell Erfolgreich…

so könnten sich auch jene nennen, die auf ihrem Bankkonto viele Zahlen sehen (ohne Minus davor). Zahlen im Äther der digitalen Welt, Zahlen ohne Realitätsbezug, Zahlen mit denen spekuliert wird – auf den Zusammenbruch von Staaten oder den Hunger der Welt (auch auf Luxusgüter). Zahlen, die man versucht zu vermehren, indem auf die Unwahrscheinlichkeit einer Katastrophe gewettet wird. Denn letztendlich ist Spekulation nichts anderes als eine elaborierte Form, auf das beste „Pferd“ zu setzen. Virtuelles Neuland, auf das sich wetten lässt zu erfinden, ist so ertragreich, wie reale Personen, Institutionen oder Staaten, die man für irgendetwas klagen kann. Am besten auf etwas, das neue oder bisher ungenutzte Rechtslücken ermöglichen, denn dann kann man Sammelklagen veranstalten oder Präzedenzfälle für Folgeklagen schaffen – und es kennt sich niemand damit so richtig aus. Um wirkliche Gerechtigkeit geht es hierbei selten. Profit ist das Wort des virtuellen Erfolges. Von Big Data, Cookies und Apps als Goldesel und das potenziell Eselhafte an uns Usern will ich jetzt gar nicht anfangen…

Im Virtuellen liegt reales Geld. Start up-Millionäre sind die neuen Hoffnungsträger, sie sind der Stoff, aus dem postpostmoderne Heldenstories gemacht sind: Vom Tellerwäscher zum Millionär? Au contraire! Vom Studenten zum Netzwerk-Giganten, zur Suchmaschinen-Legende, zum eShopping-Megalithen. Das Abenteuer im Algorithmus-Land, der Entdecker wird zum Schöpfer ungeahnter Optionen, der nerdige Programmierer der Vergangenheit zum sexy Supermodel der Zukunft.

Das Locken der Sirene

Virtualität oder Wirklichkeit: es gefällt de facto heute dasselbe wie damals. Was wir nicht sind, aber gerne wären. Leute, die tun was sie wollen und gut dabei aussehen? Eher weniger. Eher schon Leute, die durchschnittlich aussehen – so wie wir oder wenn geht etwas weniger attraktiv – und mehr (wörtlich) erreichen als irgendjemand sich auch nur erträumen kann. Hoffentlich tun sie dabei, was sie wollen, öfter aber wahrscheinlich tun sie etwas, das es braucht, um wahr-genommen zu werden. Die wenigsten schaffen das von ganz alleine. Irgendwer Potenter muss auf den Visions-Zug aufspringen und das Ganze in die Verwirklichung hinein finanzieren, damit es abhebt. Was tut ein solcher „Business Angel“ eigentlich? Er sucht, erkennt und füttert diese Hoffnungsträger, die nicht so recht wissen, wie der Hase in der Wirtschaftswildnis unbehelligt hoppelt, ohne zu früh abgeschossen oder von anderen gefressen zu werden. Er trainiert die Rennpferde der Zukunft, bereitet sie auf die Rennbahnen der Gegenwart vor, schützt sie vor Fallstricken und rechnet sich und seinen Investorenfreunden den nächsten Lottosechser und die passende Strategie der Risikostreuung aus. Berechenbare Unberechenbarkeit? Spiele der Erwachsenen! Warum nehmen wir sie bloß so ernst? Was genau ist es, das wir uns und anderen durch virtuelles Gewinnspielen beweisen wollen? Worin besteht der Unterschied zum bloßen Computerspielen? Suchtpotenzial scheinen ja alle Arten virtueller Tätigkeiten zu bieten: Das Geschäftemachen, das Spielen, das Usen

Die Verheißungen des außergewöhnlich Alltäglichen

Ich behaupte, es ist das Machtgefühl, die Welt auf einen Knopfdruck hin verändern zu können. Via youtube Millionen von Leuten erreichen zu können, ohne landläufige Wege wie Expertentum, Reichtum, Heldentum oder irgendein anderes Hervortun beschreiten zu müssen. Eine Parallelwelt, in der jeder digital inhabitant die gleiche Chance hat. Das zeigen uns etwa die unzähligen unsäglichen Katzenclips, die Hundertausende von Malen geliked, geshared und wer-weiss-wie-unendlich-oft angesehen werden. Kein Newswert im klassischen Sinn: nicht neu, nicht prominent, nicht katastrophal, nicht relevant – aber dennoch offenbar weltbewegend, weltumspannend. Infos, die um die (facebook-)Welt gehen. Irgendwie ein Wunder. Das Wunder des außergewöhnlich Alltäglichen. Der schwarze Humor der Realität.

Schön ist, was gefällt

Und am besten gefällt uns das außergewöhnlich überdurchschnittlich Normale. Das „wie es eigentlich sein sollte“: großartig einzigartig, überraschend einfach, das Genie von nebenan, das aber so in der Realität nur selten vorkommt. Wir bewundern das Ideal, das tatsächlich gelebt wird. Der Goldene Schnitt, die Symmetrie, das Ebenmäßige – alles Ausdrucksformen des Schönen. Wie wollen das Schöne entdecken, in uns, in anderen. Es zieht uns magisch an, als wäre sein Anblick, sein Besitz Seinsgrund genug. Schöne Menschen wissen dies, sie können nicht unbemerkt bleiben – sie sind die wandelnde Einladung zu einem Abenteuer, und sei es nur eines im Kopf des Betrachters. Nähe suchen und Besitzen-Wollen: Zeichen der Anziehungskraft der Ästhetik – im Sinne des überdurchschnittlich Durchschnittlichen und daher Schönen.

Der Jagd nach dem Schönen Abenteuer oder dem Schönen Leben gegenüber steht der Schutz, den die Anästhetik, das Nicht-Wahrnehmen, Nicht-Spüren, bietet. Wir schützen uns vor dem Hässlichen, dem Beängstigenden, dem Drohenden und Dunklen, indem wir unsere Sinne desensibilisieren, unsere Wahrnehmung verengen, unser Wahrnehmungsvermögen limitieren. Viele stolpern über die Kunst nichts mitzubekommen, nicht zu empfinden, nicht mitzufühlen, nicht zuzuhören, nicht zu verstehen, nicht zu sehen aus Versehen, ohne dass sie sich bewusst dazu entscheiden. Traumatisierende Erfahrungen werden verdrängt, Altes, scheinbar Sicheres wird zelebriert, hochgehalten , wiederholt – um sich vor dem bedrohlichen Neuen zu schützen. Angst nimmt die Sicht auf Möglichkeiten. Angst und Abenteuer passen nicht zusammen. Hierin liegt der fruchtbare Boden für all die Reiseleiter ins Ich-Land.

Angst essen Seele auf

Um hingegen ins Schlaraffenland zu gelangen, müsste sich die pure Abenteuerlust, der reine Wille nach mehr (anders, weiter, tiefer, höher, bunter) durch den Berg des Risikos fressen. Dieser Berg wird bewacht von der Angst. Die Angst zu verlieren, die Angst zu versagen, die Angst zu vergehen – sie lässt den Berg des Risikos als unerklimmbar, unbezwingbar, unverrückbar erstrahlen. So wirkt der Berg, der uns die Sicht aufs Neuland, aufs Andersland verstellt, zwar sicherheitsspendend altbekannt und vielleicht sogar in seiner Stabilität und Masse ehrfurchtgebietend schön. Aber das nunmehr Unerreichbare dahinter wird zugleich zum Hässlichen verdammt, ins hoffnungslos Ausgeblendete wegradiert. Dies ist ein höchst nützlicher Schutzmechanismus. Angst schafft unbestreitbar Bedrohliches und mögliche Alternativen, auch alternative Sichtweisen werden ausgeblendet, da der Berg des Risikos überlebensgroß erscheint. Es gibt dann nur noch ein Diesseits des Berges. Oder eine Vorstellung vom völligen Jenseits, manifestiert durch das Virtuelle oder auch den Glauben an ein Leben „danach“.

Das gelobte Neuland…

…liegt hingegen Jenseits und Diesseits zugleich. Mit dem Begriff der Aisthetik (geprägt durch z.B. Wolfgang Welsch) eröffnet sich uns letztendlich das Sesamkorn, das sich eben noch als unbezwingbarer Berg getarnt hatte. Und der Tunnelblick stülpt seine Grenzen hinaus, lässt uns eins werden mit dem Berg, führt uns ein ins Abenteuerland. Es sind unsere Sinne, wenn sie nicht überreizt, zugedeckt, eingelullt und abgelenkt werden, die uns die feinen Nuancen jener, dieser stets präsenten Zwischenwelt vermitteln. Es ist die Stille zwischen den Gedanken, die uns die Weite des Universums zugänglich macht. Es ist der Blick in die unendliche Schwärze der Pupille unseres Gegenübers, der uns – hinter jeder Spiegelung unserer selbst – Allverbundenheit erfahren lässt. Das Unwahrscheinliche, das Nochniedagewesene, das Unbeschreibliche, das Abenteuer liegt nicht nur vor unserer Nase. Es liegt viel mehr hinter ihr, zwischen unseren Ohren und sieht durch unsere Augen. Nichts ist so wie es war, wenn wir anfangen zu sehen, wer wir im Sein werden. Welch unvergleichliches Abenteuer!

Und wo führt uns das letztendlich hin? Was ist der Fall, wenn nichts fix ist? Völlige Unsicherheit? Absolute Relativität? Ist das Leben tatsächlich ein unkalkulierbares Risiko? Oder gar komplettes Chaos? Antworten dazu nächste Woche wenn es um Orientierungsfähigkeit, Gestaltungsspielräume und das Etablieren von Strukturen im Chaos geht:

Success Story No 22: Chaosrules – Über die Ordnung in der Unordnung. Samstag, 31.10.2015, 10.00

POSSIDIGGING

Secret Success Story No 20 – über das Suchen und das Finden

Golddigger

Das Große Glück, das Große Geld , der Große Wurf… Wie zieht man bloß das Richtig Große Los? Brauchen wir dazu den Zufall, das Schicksal oder doch das aktive und gesteuerte Zusammenbringen günstiger Umstände? Müssen wir gar andere ausnutzen oder uns auf ihre Kosten bereichern? Mit anderen Worten: Wie müssen wir suchen, dass wir auch tatsächlich finden? Und wie oft ver-suchen wir etwas zu err-reichen und er-finden am Weg dorthin etwas ganz anderes?

Wer suchet der findet…

…soviel steht fest. Wir finden immer irgend etwas. Es ist nur oft nicht, was wir gesucht haben. Vergleichen wir uns kurz mit Trüffelschweinen. Für den Trüffelbauern ist die Trüffel das Ziel, die Große Weiße vielleicht das Ganz Große Glück. Für das Schwein ist die Trüffel ebenfalls das Ziel. Ein Ziel, das es, je perfekter es erreicht wird, umso weniger fressen darf. Wir sind das Trüffelschwein. Wir suchen unsere persönliche Trüffel, unser individuelles Glück. Aber selten sind wir in einer Person zugleich auch der Trüffelbauer. Wir suchen und wir finden vielleicht – aber wir kommen nicht recht in den Genuss der Trüffel. Der Trüffelbauer macht‘s anders. Er kauft sich um das Gefundene Große, was er will oder braucht. Aber ob er das um die Trüffel Erworbene dann auch genießen kann? Vielleicht nicht, denn wer weiß schon, was seine wirkliche, höchstpersönliche „Trüffel“ ist…

Das Ziel, der Weg dahin und der Fruchtgenuß sind offenbar unterschiedliche Aspekte von Erfolgreichsein. Ob uns tatsächlich einer davon glücklich macht steht hier zur Debatte.

Wer findet, der suchet

Wir suchen, wir finden – und dennoch bleiben wir unzufrieden. Unbefriedigt. Finden keinen Frieden. Unabhängig davon, ob wir „es“ gefunden, geschafft, gemeistert haben oder nicht. Denn das Ankommen selbst ist eine Kunst. Dazu müssten wir zunächst einmal wissen, wo wir eigentlich hin wollen – und nicht selten lenken uns Zwischenziele, scheinbare „quick wins“, die oft weder quick noch gewinnbringend sind, vom eigentlichen Herzenswunsch ab. To Do-Listen enthalten meist keine To Be-Visionen

Seine wahre Trüffel zu kennen birgt außerdem Gefahren. Denn Ankommen wäre dann das Ende. Das Ende des Suchens – und ohne Suchen gibt es keine Hoffnung. Ohne Hoffnung aber obsiegt der Zweifel mit seiner Tendenz zu verzweifeln. Denn Zweifler finden erst recht nichts außer noch mehr Grund, sich Fragen zu stellen, sich in Frage zu stellen. Nichts gegen Fragen. Aber Fragen ohne Antworten zu suchen? Probleme ohne Lösungen zu suchen? Hoffnungslose zirkuläre Falle, hoffnungslose menschliche Fälle.

Suchen und Finden, Finden und Suchen – der Prozess als Problem und Lösung, der Weg als das Ziel? Ja schon… aber dann doch nicht wirklich. Denn die Trüffel existiert ja irgendwo, vergraben aber doch. Dort – am Ziel. Irgendwo muss die letztendliche Goldtrüffel verborgen liegen, sie wartet darauf, dass jeder von uns seinen eigenen Weg dorthin findet. Oder doch nicht? Ist vielleicht schon alles verloren, war sie vielleicht niemals da? Willkommen Zweifel!

Ich seh, ich seh, was Du nicht siehst

Bruce Blythe ist Berater für Krisenmanagement. Er hat‘s gern kompliziert, denn er lebt von richtig schweren Fällen: von Unternehmen, deren Erfolg und Image zu ver-fallen drohen. Von Unternehmen, an denen die Kunden zweifeln und deren Management und Mitarbeiter kurz vorm Ver-Zweifeln stehen. Seien es Umweltkatastrophen, Finanzkrisen oder Rückhol-Dramen, die das Image und die finanzielle Sicherheit dieser Organisationen und Menschen bedrohen. Seine Methode für Führungskräfte, um die eingefahrene Perspektive der Zweifler auf neuen Kurs zu bringen, fasst er in seinen Tipps zum Strategic Crisis Leadership zusammen:

Care.

Take responsibility – even if it is not your fault.

Time the response to problems according to the actual needs.

Be true.

Be visible.

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle: „Äh, schön und gut – aber wo ist hier die Trüffel?“ Sind das nicht nur Techniken zur Schadensbegrenzung, zum Schöntun, zum Beruhigen und Hinhalten? Was bringt mir ein solches Verhalten, das sich auf Krisenzeiten bezieht, wo ich doch auf meinem Weg zum Erfolg sein will? Die Antwort ist überraschend einfach: Vertrauen. Denn ist der Erfolg nicht in Sicht, kennen wir unsere Trüffel nicht, so sind wir in der Krise.

In Trüffel we trust

Wobei „Trüffel“ hier als Stellvertreter allen Wünschenswerten dient. Vertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg. Aus dem Vertrauen heraus trauen wir uns, jene Schritte zu setzen, die das Erreichen von unseren Zielen letztendlich ermöglichen. Außer Sie glauben an Zufall und Schicksal als einzige Wege zum Ziel, aber dann spielen Sie wahrscheinlich lieber Lotto als diesen Blog zu lesen. Aber zurück zur Möglichkeit der aktiven Selbststeuerung jener Umstände, die Trüffelwachstum und -ernte begünstigen:

Innovation: neue Perspektiven, neue Produkte, neue Ziele, neue Alliierte, neue Prozesse, neue Finanzierung, neue Motivation,…

Durchhaltevermögen: Dranbleiben wenn es eng wird, Widerstand aushalten, Selbstvertrauen aus sich selbst schöpfen

Allianzen: strategische und geistige Partnerschaften und die Synergie von Kompetenzen suchen, finden und – aufrecht er-halten

Handeln: Die Vision der höchsteigenen Trüffel (wodurch erreichen Sie Zu-Frieden-heit?) durch gezielte emotional-strategische Fokussierung ins Reich des Möglichen einladen und zum Bestandteil des Tatsächlichen machen

Passion: ohne Lust, Freude, Leiden-schaft bis hin zur Selbstaufgabe können wir wahrscheinlich auch den Weg zur Trüffel nicht genießen. Die Steine drauf scheinen dann schnell unüberwindbar, die Umwege zu weit, die Entfernung unüberbrückbar

Überlegen Sie, in welche dieser Bereiche Sie mehr Energie stecken könnten und möchten. Mit zunehmender Fokussierung auf diese möglichkeits-eröffnenden Verhaltensweisen steigt die Wahrscheinlichkeit erfolgreich zu trüffeln.

Macht der Gewohnheit

Seien Sie gaaaaanz ehrlich zu sich selbst: Glauben Sie daran, dass Sie irgendwann einmal so richtig erfolgreich sein werden (was auch immer ihre Trüffel tatsächlich sein mag)? Vertrauen Sie darauf, dass Sie schon am Weg dorthin sind? Haben Sie ihre Trüffel vor Augen, riechen sie ihr Aroma, hören sie sie verlockend rufen? Spüren Sie ihre Existenz, ihre Präsenz in Ihrem Leben? Oder hoffen und wünschen Sie noch, dass die Trüffel Sie auserwählt…?

Der Große Schatz Ihres Lebens, Ihre höchstpersönliche Eine Trüffel, sollte Sie unwiderstehlich anziehen wie ein Magnet, Sie süchtig machen, Sie so stark träumen lassen, dass Ihre Realität nicht anders kann als traumhaft zu werden. Die unglaublichen, ungewohnten Möglichkeiten, Ihren Weg zu Ihrer Trüffel zu bereisen und zu vollenden, vibrieren genau hier: im Zwischenraum von Traum und Wirklichkeit. Graben Sie in sich, graben Sie außer sich – vor Freude und Lust, nach Frieden und trotz Frust. Geben Sie nicht auf zu suchen und zu finden. Seien Sie Trüffelbauer, Trüffelschwein und Trüffel in einer Person. Vertrüffeln Sie Ihre Existenz. Machen Sie sich das Trüffeln zur Gewohnheit. Die Trüffel wohnt Ihnen inne. Halten Sie inne. Sie sind die Trüffel.

 

Nächste Woche gibt’s noch mehr über das Entdecken zu entdecken. In Discoventure – über das Abenteuer des Entdeckens. Success Story No 21: Samstag, 24.10.2015, 10.00

FOCUSHIFT

Secret Success Story No 19 – über die Augen des Betrachters

Sehen und gesehen werden

Wir sind, was wir essen. Wie wir wohnen. Was wir lesen. Woher wir kommen. Wie wir uns verhalten. Wie viele Methoden es nicht gibt, um festzustellen wer oder was wir sind! Wenig mehr fasziniert uns Menschen so sehr wie die Geschichten und Spekulationen rund um andere Menschen. Was sie quält, was sie auszeichnet, was sie besser und schlechter als wir selbst machen. Unsere Interessen offenbaren uns als Beziehungswesen, die Wenigsten entscheiden sich tatsächlich und freiwillig fürs Einsiedlertum. Wir lieben Geschichten. Großes Kino, Nahes Fernsehen, Zeitungs-Stories und Soziale Dramen – oder auch das beliebte Soziale Netz-Panoptikum. Wer es zur geschichtsträchtigen Figur schafft, der hat „es“ geschafft. Ja, aber was denn eigentlich? Erfolgreich in aller Munde zu sein? Reicht es, wenn uns Aufmerksamkeit geschenkt wird, egal wofür? Sind in diesem Zusammenhang sogar „only bad news good news“? Selbstmarketing gehört heute zum Karriere-Making fix dazu. Optik und Präsentation, Auftritt und Rhetorik – alles zahlt ein ins Gesamtbild, das andere von uns haben – sollen. Zahlt ein in die Geschichte, die wir uns selbst über uns erzählen und die nicht nur wir, sondern zuallererst die anderen über uns glauben sollen. Wir wollen, dass andere uns sehen, wie wir uns selbst gern sehen würden. Sie sollen bestätigen, was wir uns selbst vielleicht (noch) nicht glauben…

Selbstbild und Fremdbild

Was sehen wir, wenn wir uns selbst betrachten? Welche unserer Stärken und Schwächen (aner)kennen wir? Und wie „recht“ haben wir mit unserer Selbsteinschätzung? Wie viele halten sich selbst für toll, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass dieses Gefühl der „objektiven“ Grundlage entbehrt. Aber: Brauchen wir wirklich einen Grund, um uns toll zu finden?? Könnten wir uns nicht einfach nur für wunderbar halten, simpel weil wir existieren? Irgendetwas hakt bei diesem Gedanken. Das darf nicht sein. Warum eigentlich nicht? Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen – liegen sie denn überhaupt in unserer eigenen Hand? Oder bekommen wir sie von der Kinderstube, dem Erziehungssystem, der Umgebung, sprich: den Anderen auf unseren Weg mit – oder eben nicht mit? Wie viele Erfolg-Reiche kompensieren in ihrem Streben nach äußerlichem Erfolg das tief in ihnen verankerte, teils seit Kindheit genährte Manko an Selbstwertgefühl? Und wäre die Schlussfolgerung korrekt, dass psychisch Gesunde, weil von der Meinung und den Gefühlen anderer Un-Abhängige, gleichzeitig aufhören würden, nach Anerkennung und Erfolgsbestätigung durch die Augen anderer zu streben?

Was sehen andere in uns?

Liegt Erfolg im Auge des Betrachters – und zwar im Auge der Anderen, die uns betrachten? Liegt der gesunde Stolz auf uns selbst in der Hand der Außenwelt, die uns durch ihre, also öffentliche, Akzeptanz zum Beispiel in Form von durch sie verliehene Ehren wie hohe Reputation, vollmundige Titel oder vielzitiertem Expertentum zum Glänzen bringen?

Und was ist mit den verinnerlichten Anderen? Jenen Anderen, die ein integraler Bestandteil unserer Selbst geworden sind und deren Stimmen wir – ohne es zu wollen – in uns sprechen hören. Die Stimmen unserer Vergangenheit, die Wünsche und Werte unserer Eltern, die Normen der Gesellschaft, in der wir aufgewachsen sind? Bestimmen sie nicht alle darüber, wann und unter welchen Umständen wir uns als erfolgreich empfinden dürfen? Wieviel von dieser Fremdbestimmung ist uns überhaupt bewusst und wieviel tragen wir ganz selbstverständlich als einen Teil unseres Selbstbildes und der Ansprüche, die wir an uns stellen, mit und in uns? Wie steht es mit Ihnen: Dürfen Sie sich erst wohl fühlen, wenn Sie etwas geleistet haben? Zugegeben, manchmal schätzen wir uns selbst für unsere Leistungen, auch wenn sie keiner sieht. Aber ist es dann wirklich die eigene Stimme in unserem Kopf, die uns lobt und so zufrieden stimmt – oder nur eine uns zutiefst bekannte Stimme der Vergangenheit, die uns einst gelehrt hat, dass wir uns nach vollbrachter Tat redlich und gerecht wohl in unserer Haut fühlen können.

Sind es nicht auch stets andere, die uns gut für außergewöhnliche Dienste, spektakuläre Leistungen oder wertvolle Produkte bezahlen? Ist es nicht erst der erhaltene Lohn der Mühe, der uns als erfolgreich abstempelt? Und ist es nicht genau dieses Anhäufen von fremdem Geld und Gut, das uns zu Aufsteigern macht? Manchen ist der gesellschaftliche Status, die eigene Größe ja bereits mit der adeligen Abstammung oder dem fetten Erbe in die Wiege gelegt. Macht sie das zugleich auch erfolgreich, oder ist das nur folgenreich oder sind sie vielleicht nur reich (an Geschichte(n) und/oder Geld bzw. Besitz)?

Warum glauben wir daran, dass Selbstwert mit Geldwert oder mittels dem Wert einer guten Geschichte gekauft werden kann?

Die Kristallkugel und das Hell-Sehen

Was sehen wir, wenn wir in die Zukunft blicken? Wir sehen die Konsequenzen unserer Prägung, unserer Erlebnisse, unserer Erfahrungen – entschlüsselt durch den Code unserer gewohnten Interpretationsmuster. Diese sind nicht nur mentaler Natur. Körper und Geist finden im Gehirn zusammen, das limbische System mixt hier noch die Gefühlswelt hinzu. Hormonausschüttungen, die Sättigung mit Mineralstoffen oder anderen Substanzen beeinflussen ebenso wie viele andere Aspekte – etwa muskuläre Körperzustände – massiv, ob wir uns stark oder schwach, gut oder elend, zufrieden oder angespannt fühlen. Das Gefühl erfolgreich, stark, schön, leuchtend, beschenkt etc. zu sein manifestiert sich schlichtweg unter den richtigen inneren, also psychophysischen Zuständen. Diese können allerdings durch äußere Umstände „getriggert“ (ausgelöst) werden.

Wir lieben Geschichten oder Spiele deshalb so sehr, weil wir durch sie in alle möglichen Gefühlszustände tauchen können, ohne die Last der Konsequenzen auf uns nehmen zu müssen. Konsequenzen, die in der Außenwelt Wellen schlagen würden, wenn wir in echt so gewalttätig wie James Bond oder so verantwortungslos wie Onkel Charlie wären. Das vorübergehende Mit-Erleben von fremder Größe, Stärke oder Wahnsinn hat zwar vielleicht nicht direkt etwas mit unserem Selbstbild zu tun. Es beeinflusst uns eher indirekt. Durch das Nachvollziehen anderer Verhaltensmöglichkeiten als den uns eigenen – und durch das klare Spüren des Unterschiedes zwischen beiden – nehmen wir unsere eigene Welt, unser Selbst als heimeliges Zuhause wahr. Vielleicht wünschen wir uns aber manchmal stärker, schneller, klüger, wichtiger, schöner, jünger, geliebter, reicher etc. zu sein. Diese Gefühle können Ansporn für die eigene Entwicklung sein. Oder sie sind eine Quelle, das eigene Selbstwertgefühl im Keim zu ersticken. Und genau diese Wahl treffen wir selbst. Exakt diese Entscheidung, wer wir sind sollten wir auch tatsächlich selbst bestimmen, oder?

Stop!

You’d better stop before you go and break my heart…“ singt Sam Brown in ihrem Song Stop!.

Es gibt die unterschiedlichsten Wege, sich im automatisierten Bewerten, Denken, Fühlen und Handeln aufzuhalten und die eigene Aufmerksamkeit auf neue Wege zu lenken. Eine Verlagerung unseres Fokus verhindert nicht nur, dass wir uns selbst und/oder andere physisch, psychisch oder emotional verletzen. Das bewusste neuerliche Ausrichten des Lichtkegels unserer Wahrnehmung auf andere Stellen eröffnet auch neue Handlungsperspektiven. Der Wechsel unseres Blickfeldes führt uns recht leicht vom Problemdenken, von leidvollen Gefühlen oder schwierigem Verhalten hinaus zu frischen Möglichkeiten und ungeahnten Lösungsansätzen.

Unterschiedliche praktische Methoden können beim Aussteigen aus gewohnten Mustern helfen: Ein Stop! (leise im Kopf gesagt oder laut ausgesprochen), ein echter Schritt weg vom Problem („von der Leitung runter steigen“) getan, eine bestimmte Ankerstelle am Körper gedrückt (die zuvor mit etwa einer positiven emotionalen Konnotation gekoppelt wurde), ein simpler Satz wie „Was ist sonst noch möglich?“, ein lautes oder auch besonders sanftes Musikstück. Es gibt viele Wege hinaus aus dem Problem und hinein ins Unbekannte…

Warum fällt es uns aber so schwer, innezuhalten und unsere bisherige gewohnte Sichtweise von uns selbst und der Welt zu relativieren? Weil wir in diesem Fall oft den Eindruck damit verbinden, wir würden uns selbst verraten, unsere Ansichten, unsere Identität aufgeben. Nicht „zu uns“ stehen. Wir identifizieren uns mit unseren Gewohnheiten. Keine hilfreiche Angewohnheit, wenn es darum geht, andere Wege zum Erfolg zu finden und einzuschlagen. Von der Schatzsuche nach unglaublichen, ungewohnten Möglichkeiten zum Erfolg handelt dann der nächste Blog:

Possidigging – über das Suchen und das Finden. Success Story No 20: Samstag, 17.10.2015, 10.00

INTRASTABILISATION

Secret Success Story No 18 – über die Sicherheit aus dem Inneren

Sicherheit versus Freiheit

Gehen Sie gern auf Nummer Sicher? Ist es Ihnen lieber, kaum Risiko einzugehen und den Weg des geringsten Widerstandes zu verfolgen? Stehen Sie dem Ruf des Abenteuers misstrauisch gegenüber und befürchten Sie ungeahnte Konsequenzen? Dann gehören Sie zu jenen, die das Gefühl von Sicherheit über eine Reduktion von Möglichkeit herstellen. Letztere werden dabei einfach ausgeblendet. Wie tunlichst auch alles, was erschreckt, beängstigt, unangenehm ist. Klimawandel, Finanzkrise, Bildungspolitik (das könnte ewig so weiter gehen)… Auf Nummer Sicher gehen und den Rest ausblenden – beide Strategien gehören zueinander wie die zwei Seiten einer Medaille. Das scheint aber auch hervorragend zu funktionieren. Oder? Was wäre denn überhaupt die Alternative? Zeitung lesen, Nachrichten schauen – und Angst haben? Das Gefühl, nichts ausrichten zu können ist unschön, man fühlt sich so leicht verdammt zur offenbaren Hilflosigkeit. Der Eindruck, vom Schicksal oder den diversen Zeitgeistern ungewollt überrollt zu werden, stellt sich angesichts der Unwägbarkeiten der Welt schnell und übermächtig ein.

Wie genau können wir auf Nummer Sicher gehen, ohne uns dabei im Altbekannten einzuigeln und ohne konsequent im Ausblenden zu bleiben?

Freiheit versus Sicherheit

Oder sind Sie vielleicht ein Optimist? Sehen die Chance im Wandel, sind offen für Neues, begrüßen das Andere, umarmen das Fremde? Entspricht „ Alles wird gut“ Ihrer Überzeugung? Dann haben Sie eine andere Wahl getroffen. Und – leben Sie gut damit? Und vor allem: Wo nehmen Sie die Sicherheit her, dass sich schon alles irgendwie ausgehen wird? Wieviel Vogel-Strauß Haltung ist nötig, um diese Zuversicht aufrecht zu erhalten? Und wieviele gut portionierte tägliche Rationen Guten-Glaubens?

Die Schnecke und das Haus

Lassen Sie mich so fragen: In welcher Methode im Umgang mit dem Wahnsinn der Welt haben Sie es sich gemütlich gemacht? In welcher Haut, durch welchen Panzer, fühlen Sie sich pudelwohl und geschützt, wie Zuhause? In der schimmernden Verheißung des Optimismus, der dicken dunklen Decke des Pessimismus, im bunt-hedonistischen Opportunismus? Sind Sie ein Fan der nüchternen Realität oder kämpfen Sie für hohe Ideale? Sind Sie ein Vertreter der neuen Sachlichkeit oder ein Gentleman (eine gentle woman) der alten Schule? Gleich in welchem Zugang Sie ihre Heimat gewählt haben – er wird Sie dennoch nicht beschützen können. Nicht vor den Übeln der Welt, nicht vor den Zeichen der Zeit. Sehen Sie sich bitte einmal um in Ihrem Zuhause. Es ist hoffentlich ein Ort des Rückzugs und der wohligen Heimeligkeit. Nichts deutet darauf hin, dass er viel mit einem filigranen Schneckenhaus gemein hat. Nur eine selbstgebaute Schutzschicht gegen die harte, kalte oder auch heiße, dürre Seite der Wirklichkeit ist. Aber: Eine wilde Woge, ein unbedachter Schritt und… Knirsch. Bis dahin wähnen wir uns wohl behütet (wohl behüttet).

Ängstlichkeit, Naivität,  Ignoranz – sie alle geben vielleicht vorübergehend funktionierende Mittel ab, sich in Sicherheit zu wiegen. Wir bauen aus ihnen unsere höchsteigenen Schutzmechanismen, welche dadurch, dass sie den Blick auf die Welt verwehren, den inneren Frieden bewahren sollen.

Schutz inmitten des Unkontrollierbaren

Was ist die Alternative zum Wegsehen? Hinsehen und sich mit dem, was wir sehen, einfach abfinden? Fatalismus? Zynismus? Sich stoisch aufrecht halten? Haben wir denn eine große Wahl, was das Vergehen aller Dinge inklusive unserer selbst betrifft? Nein, ich glaube nicht an den unmittelbaren Weltuntergang und daran, sich vorzuhalten dass jeder Tag der letzte sein könnte. Vielmehr bin ich der Meinung „Wir sind die Schnecke und ihr Haus“. Will heißen: Wir sind in der Lage, das weiche Innere und die harte Schale zu einem flexiblen und stabilen Ganzen zu formen. Wir sind wunder-volle Wesen – fähig, romantische Realisten oder geerdete Idealisten, hoffnungsfroh verantwortungsvoll oder umsetzungsstarke Tagträumer zu werden. Bleibt nur noch die Frage, wie wir zu dieser Fähigkeit der Verbindung scheinbar gegensätzlicher Fähigkeiten kommen. Wie können wir uns angesichts der Unsicherheiten dieser Welt, eingedenk des ständigen Wandels sowie der selbstgebauten filigranen Schutzmechanismen diesen beiden Fakten, nämlich der sicheren Vergänglichkeit gegenüber überhaupt jemals wirklich sicher fühlen?

Stabilität im Wandel

Wer kann uns garantieren, dass wir unsere Jobs behalten (bzw. bekommen), unsere Pensionen beziehen, uns den Arzt leisten, überhaupt in Frieden leben oder dass unsere Kinder ein gutes Leben haben werden? Die Politik? Der Staat? Ein Gott? Wer sind diese Wesen(heiten) in der gelebten Wirklichkeit? Innere Ideale, die es mit der äußeren Realität (nicht) aufnehmen können? Worauf vertrauen wir, worauf setzt unsere Gesellschaft, wenn die gewählten Volks-Vertreter oder die gepredigten Heilsversprechen spürbar unglaubwürdiger werden? Wenn wir resistent gegen oder gewöhnt an das Opium fürs Volk geworden sind? Natürlich gibt es hochintelligente und hochmotivierte Politiker oder Priester, von den besten Absichten beseelt und überzeugt, gemeinsam etwas nachhaltig Gutes ausrichten zu können. Die breite Öffentlichkeit wählt jedoch lieber altbewährte Vogel-Strauß-Taktik und Schlaraffenland-Versprechen als die nüchterne Aussicht des gewährleistungslosen Alltags reiner Selbstverantwortung. Doch vor allem in ihr, in der Selbstverantwortung, besteht der Schlüssel zum nachhaltig wirksamen und immer wieder aus dem eigenen Inneren herstellbaren Gefühl der Stabilität.

Niemand kann für andere…

…dafür jeder für sich selbst. Jeder von uns ist seiner inneren Stabilität, seines Sicherheitsgefühls eigener Schmied. Was Staat und Politik, Institutionen und Organisationen, Systeme und Glauben leisten können sind, Rahmenbedingungen zu verbessern, Unterstützungen anzubieten, Hilfestellungen zu geben, Ankerstellen zu schaffen und Orientierungsmarken zu setzen, Schmerztabletten zu verteilen und Ablenkungsmanöver darzubringen. Aber das Gefühl der Sicherheit ist zutiefst Ihr eigenes. Fragen Sie sich: Verfällt die Öffentlichkeit in Panik – fallen Sie mit ihr? Bleiben Sie ein Fels in der Brandung, wenn es rund um Sie herum stürmt? Bewahren Sie im dichtesten Dschungel den Überblick und in der Hitze des Gefechtes einen kühlen Kopf? Wer sind Sie, wenn alles andere außer Kontrolle zu geraten droht oder tatsächlich aus den Fugen gerät? Sind Sie ein Anker für sich – und andere, wenn es darauf ankommt?

Sein und nicht Sein

In letzter Konsequenz werden wir alle eines Tages sterben, unsere Welt wird in die Sonne stürzen, so nicht etwas anderes Katastrophales vorher geschieht. Man könnte also sagen, dass sowieso alles egal ist (siehe die Strategie „Ignoranz“). Man könnte den schönen Schein wahren, die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen, das Übel der Welt bekämpfen – und dennoch wird alles eines Tages zum selben Ende führen. Der Weg ist das Ziel meinen Sie an dieser Stelle völlig treffend? Das Sein ein Selbstzweck, das Werden Gegebenheit, das Sterben Notwendigkeit? Welche Haltung verlangt eine derart uferlose Klarheit? Wo kommt die innere und zutiefst als wahrhaftig empfundene Sicherheit trotz der Gewissheit der eigenen Sterblichkeit und ohne äußere Versprechen glauben zu müssen her?

Das Lächeln und der Abgrund

Wollen wir wenig funktionelle Strategien der Stabilisierung verabschieden, so können wir sie effektiv ersetzen, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf Gelingendes verschieben:

Schätzen wir echte Menschen und tatsächliche Umstände hoch, statt vergangene und drohende Verluste lautstark zu betrauern oder zu befürchten.

Setzen wir uns aktiv für gelebte Gerechtigkeit ein, statt dem Zorn nachzuhängen, der sich einstellt, wenn wir Ungerechtigkeiten sehen, erleben oder befürchten.

Schützen wir alles, was Freude bereitet, statt Hass und Angst einen Raum zu geben. 

Handeln wir, anstatt zu Sudern.

Lächeln wir im Angesicht des Abgrundes, denn diesseits liegt unsere Lebenswelt, über uns der Himmel, unter uns die Erde.

Wie uns das aktive Verschieben unseres Blickfeldes zu einem erfolgreicheren Leben führt, davon handelt der nächste Blogbeitrag:

Focushift – über die Augen des Betrachters. Success Story No 19: Samstag, 10.10.2015, 10.00

COHERINTERFERENT

Secret Success Story No 17 – über die Allverbundenheit im Zwischenraum

Wissen

Wissen ist Macht. Macht korrumpiert. Korruption öffnet Türen. Türen eröffnen Wege. Wege führen zu einem Meer von Möglichkeiten. Die Möglichkeiten sichern die Überfahrt. Am anderen Ufer angekommen, findet mann/frau Gleichgesinnte. Wie viel Wissen steckt in diesem Kreislauf der Reproduktion von Machtstrukturen? So einiges davon. Nämlich das Wissen, wie der Hase läuft. Soziales Erfolgswissen. Das Wissen um die Do it’s und Don’ts. Wer weiß gewinnt. Wer gewinnt hat Er-Folg. Es folgt, was folgen muss: Wer Erfolg hat weiß, wie es geht. Wer weiß, hat Macht… u.s.w.

Was ist Wissen anderes als die Fähigkeit zur Wiedergabe eines in sich schlüssig funktionierenden Systems?

Ist Wissen etwas anderes als ein show-off der eigenen synaptischen und menschlichen connections, der eigenen Kinderstube, der eigenen Erinnerungsleistung?

In Zeiten des Internets ist das Gesicherte am Wissen sichtbar nur relativ zur Quelle zu genießen. Diese Relativität des „Wahrheitsgehalts“ in Bezug zum Urheber steht der Relativität des „Wahrheitsgehalts“ in Bezug zu den Wünschen des Suchenden/Lesenden in Nichts nach. Wer nur will, weiß (noch) nichts. Wer weiß, hat scheinbar schon gewonnen.

Was aber ist wahres Wissen? Zu wissen, dass wir nichts wissen? Scheint irgendwie zu einfach. Die Frage „Was ist Wahrheit“ lege und lasse ich dieser Stelle naturgemäß offen. Wahrheit liegt im Auge des Betrachters, in der Interpretation von „Fakten“ und in der Intensität des Wunsches nach absoluter Glaubensgewissheit. Wahrheit ist ein Wunsch – oder ein Konzept. Aber das ist nur meine Meinung und muss wirklich nicht Ihrer entsprechen.

Weisheit

Das Wissen um die Herkunft von Weisheit liegt vielleicht eher auf der Hand: Es handelt sich dabei um eine beträchtliche Menge an Erfahrung, präsentiert auf einem Spiegel von Allgemeinbildung, gewürzt mit einer scharfen Prise Selbstreflexion, passiert durch einen zarten Hauch Berührbarkeit, geschüttelt von einer Vielfalt überwundener Lebenskrisen, garniert mit gesunder Distanz zu sich und der Welt und verständnisvoll serviert in exakt jenem Gefäß, das punktgenau die Entwicklungsbedürfnisse des Empfängers – und sei dies man selbst – stimuliert.

Weisheit erkennt die Beschränkungen, die sich jeder selbst auferlegt, inklusive der Existenz eigener Blinder Flecken. Weisheit trägt sich nicht zur Schau. Weisheit wirkt durch die Hintertür, indem sie das Innenleben hinter der Fassade offenbart. Sie macht dabei nicht öffentlich, sondern legt jene, die des Verstehens mächtig sind, sich und einander offen. Weisheit führt die anderen, die nur sich selbst sehen, zum eigentlich Wesentlichen, ohne ihnen die Wahl zu nehmen, sich auf Wunsch lieber weiterhin Ablenkungen hinzugeben zu können.

Weisheit ist mächtig, indem sie keine Macht ausübt.

Weisheit verändert, indem sie das Veränderliche frei legt.

Weisheit stabilisiert, indem sie den Kern des Pudels erfasst.

Weisheit lächelt.

Leichtigkeit und Verantwortung

Die Leichtigkeit der weisen Handlung basiert auf der unleugbaren Verantwortung sich selbst gegenüber. Dennoch trägt der Weise nicht die Steine der anderen. Jedem sein eigenes Kreuz (um in Anlehnung an Monty Python zu sprechen).

Zugleich wirkt Weisheit vorbildhaft, selbst wenn sie Erwartungen täuscht und Hoffnungen sprengt. „Das Richtige“ kann unschön oder wenig heldenhaft daher kommen. Wer weise wirkt, muss aber selbst nicht weise sein. Und wer Weisheit besitzt, muss nicht wirken wollen.  Die Verpflichtung der Verantwortung betrifft die Gerechten, nicht die Weisen. Und die Kämpfer für das Gute reiben ihre Handlungskraft nicht selten überwältigt durch die Last der niemals endenden Aufgabe Tag für Tag etwas weiter ab. Wer will schon alles wissen, wer will schon weise handeln müssen, wenn sich der ganze Aufwand als bloßer Tropfen auf den heißen Stein, als niemals genug, als stets einer Legion von Nichtwilligen gegenüber viel zu ungenügend erweist? Ist Nichtwissen und nicht-weise-Handeln nicht wesentlich erfolgsversprechender? Liegt im Limit nicht die Kraft der Fokussierung?

Die Gnade der Disconnection

Konzentrieren wir uns auf eine Sache, so blenden wir den Rest aus. Tun wir, was vor der Nase liegt, so finden Erledigungen zu ihrem Häkchen. Täglich. Stündlich. Minute für Minute. Ein Leben lang. Hartnäckiges Ausblenden höhlt den größten Brocken an Aufgaben zu einem fragmentierten Fragezeichen des „muss ich wirklich?„. Vielleicht ist ja der hohle Stein der Stein der Weisen?

Lassen wir den Überblick rastlos weiterschweifen, den Weitblick ins Leere laufen, den Einblick im Aktuellen enden – so finden wir die Einfachheit der Abgetrenntheit. Die Überschaubarkeit der eigenen Welt. Die Gewissheit der Kontrolle. Gleichzeitig ignorieren wir die Vielfalt der Existenz, die Komplexität der Zusammenhänge, die Unbestimmtheit von Ursache und Wirkung, die Unberechenbarkeit der Zukunft, die Unerklärlichkeit der Gegenwart. Die Eine Wirklichkeit bewahrt uns vor dem Chaos zwischen Allem und Nichts. Sie verstehen, warum ich meine Bedenken der „Wahrheit“ gegenüber habe.

Das All und die Wissenheit

Können Wissen-Schaften die Welt erklären? Nein. Wissenschaften erklären sich selbst. Und sie erklären uns, wie wir die Welt wahr-nehmen. Sie gestalten mit uns, durch uns, unsere Selbst- und Weltbilder.

Die Kunst hingegen reflektiert das für uns Unsichtbare, unseren Kreationsprozess. Kunst rührt uns durch Unspürbares, verwandelt Unaussprechliches in mehr oder weniger greifbaren Klartext. In der Kunst begegnen einander das Alles und die Wissenheit. Sie halten ein Zwiegespräch, dem Künstler und Rezipient unwillkürlich lauschen. Das Neue, das aus der intuitiven Verbindung von All und Wissenheit erwächst, keimt im Einzelnen und belegt den Zwischenraum vor jeder Bedeutungsverleihung. Deutungshoheit hat, wer wahr-zunehmen  und ans Licht zu holen vermag, was  zuvor unter der Oberfläche schwelte. Doch jede Deutung ist eine Reduktion von Möglichkeit, von unendlicher Verbundenheit, von Potenzial – zu Ein-, oder Zwei- oder vielleicht noch viel Mehr-Deutigkeit.

Der All-Wissende reitet jedoch in der Dichte der Querverbindungen von einem Zwischenraum zum nächsten auf der zeitlosen Welle der – aus unserer Sicht zumindest – unendlich  komplexen Wirklichkeit.

Zeit für eine kleine Zusammenfassung:

Perlen des Wissens,

Meer der Weisheit,

Sich erkennendes Universum der All-Wissenheit.

AlleinSsein

Voraussetzung, sich im EinsSein mit dem All zu erleben, ist die Fähigkeit zur Entgrenzung, zur quasi Ent-Identifizierung von all dem, was oder wer wir zu sein glauben. Das Nicht-Festhalten gibt den Startschuss zur Freiheit der Allverbundenheit.

Wir sind die Synapsen, denen unsere Wirklichkeit entspringt. Je bewusster die Wahrnehmung des Netzwerks selbst, desto tiefer das Wissen um die All-Einheit. Im AlleinSsein vereinen wir Alles und Nichts in uns, wobei es kein Außerhalb mehr gibt. Nichts und Alles existieren tatsächlich zugleich im Raum. Vielleicht gut, vielleicht wahr, vielleicht schön. Aber was tun damit?

Wollen wir Teil des Ganzen sein, unseren Platz im Universum finden, unser Selbst verwirklichen, ungehemmt Leben und ungehindert Sein – dann empfiehlt sich der Zustand des AlleinSseins durchaus als der rote Faden der Erfahrung wie auch als letztendliches Entwicklungsziel.

Er-, Nein: Wir-Leuchtung

Was oder wer ist eigentlich wirklich er-leuchtet? Anders gefragt: Wer oder was kann das überhaupt beurteilen? Ich wage zu behaupten, dass Urteilen und Erleuchten sich wie zwei Pole zueinander verhalten. Das eine schließt das andere aus. Und dennoch sind sie miteinander verbunden. Denn in der Allverbundenheit hat alles einen Platz – einen vorübergehenden – im Prozess des Werdens, Seins und Vergehens. Wie sagte Klaus Kinsky so schön in einem seiner Filme: „Ich bin in der Überzahl“ (oder so ähnlich). Wir sind Eins. In dieser Erkenntnis, die nichts mit Wissen, wenig mit Weisheit und viel mit Wahr-Nehmung zu tun hat, liegt vielleicht der Schlüssel für ein erfolgreiches globales Miteinander. Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht. Nur das Wissen alleine reicht eben nicht. Weises Handeln und wahrhaftiges Wir-sind-Eins-Gefühl: er-/wir-leuchte unseren Weg!

Sollen Sie  bis hierher gelesen haben: Hut ab. Dankeschön. Selten lasse ich meinen Gedanken derart freien Lauf. Sie können mich für ver-rückt halten, das ist mehr als ok. Sie können sich zutiefst irritiert fühlen, das wirkt fast noch besser. Denn in der Irritation liegt der Keim eines jeden Wandlungsprozesses. Mitten in der Destabilisierung manifestiert sich die Aufforderung zum Reorganisieren, zum Un-Abhängig werden von Vorannahmen und äußeren Bedingungen der inneren Sicherheit. Sollten Sie es bis hierher geschafft haben, könnte Sie das Thema der nächsten Woche anziehen wie ein schwarzes Loch –  es lockt unnachgiebig, unausweichlich, letztendlich und durchaus beängstigend die Essenz der Transformation:

Instrastabiliation – über die Sicherheit aus dem Inneren. Success Story No 18: Samstag, 03.10.2015, 10.00

FASTCINATION

Secret Success Story No 16 – über Trieb, Kraft und Geschwindigkeit

Schnell, schneller, am schnellsten

Geil finden Sie? Wenn die Umgebung vorbeifliegt, die Fliehkraft Sie fest im Griff hat, der Fahrtwind Ihr Gesicht verzerrt… Oder wenn die Gedanken fliegen, die Ideen einander blitzschnell folgen, der Funke der Inspiration nur so sprüht? Wenn der Computer noch vor Ihrem Anschlag öffnet, was Sie brauchen, das Internet schneller als das Auge funktioniert: Wenn Sie all das fasziniert oder gar glücklich und zufrieden stimmt, dann zählen Sie zu jenen, für die der Thrill des Speed zum Erfolgreich-Fühlen führt.

Die 7 Hochgefühle im Schnelldurchlauf

Christian Mikunda beschreibt die 7 Hochgefühle, die jeden von uns in unterschiedlicher und höchst individueller Zusammensetzung „glücklich“ im Sinne von erfolg-reich fühlen lassen (siehe sein Buch „Warum wir uns Gefühle kaufen“). Er leitet sie aus den 7 Todsünden her, die er einfach in das jeweilige Gegenteil verkehrt. Unterschiedliche Kombinationen dieser 7 Wege führen zu unserem persönlichen Mix an Glück. Jeder von uns schöpft seine Erfolgs-Gefühle aus Gewohnheiten und Präferenzen und erzielt sie mit Hilfe seiner eigenen Mittel und Methoden. Wir alle haben unsere höchst eigenen Arten und Weisen,  in uns Joy (das positive Gegenteil von Völlerei), Glory (statt Hochmut), Chill (statt Trägheit), Power (statt Zorn), Bravour (statt Neid), Desire (statt Gier), Intensity (statt Wollust) zu generieren.

Der Speed gilt als Bestandteil von Thrill, und dieser wiederum gehört zur Kategorie Power. Beim Thrill werden Signale, die eigentlich Angst auslösen, weil sie außerhalb unserer Kontrolle liegen, als positiv erlebt. Wir machen die Erfahrung, dass etwas zwar „wild“ ist, uns aber nicht verletzt. Die Geschwindigkeit ist wie ein gefährliches Abenteuer – mit Sicherheitsnetz. Jede Erfahrung der Kategorie Power lässt uns selbst stark fühlen. Und diese Kraftstärke zeigt sich als deutliche Empfindung in einem Moment (oder eben nicht). Stärke ist keine Idee, obwohl sie vorgestellt werden kann, sondern ein Zustand.

Zeit und die Empfindung von Geschwindigkeit

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines einzelnen Momentes beträgt nur etwa 3 Sekunden. Der Philosoph Husserl sprach in diesem Zusammenhang vom sogenannten „Nu“, der Dauer eines Augen-Blicks. Diese kleinste Einheit bewusster Konzentrationsphase kann mit der Zeitspanne, die wir brauchen, um ein Bildes intensiv visuell abzutasten gleichgesetzt werden. Nach spätestens 3 Sekunden springen wir weiter, mit den Augen, mit den Gedanken. In der Geschwindigkeit, die sich in Aktion und Reaktion zeigt, liegt die seit Urzeiten tief in uns verankerte Gewissheit, das eigene Überleben besser sichern zu können. Wir sind unbewusst davon überzeugt, dass wenn wir alles über-blicken jede Gefahr schneller gesichtet und daher gebannt werden kann. Geschwindigkeit und Adrenalin gehören wie die beiden Seiten einer Medaille zusammen, damit der Thrill seine Magie versprüht: das Ansteigen des Pulses, eine erhöhte Herzfrequenz, das Gefühl mitten im Leben zu sein. Wem bei Geschwindigkeit eher übel wird oder ein anderer Gefühlscocktail (etwa Angst oder Mulmigkeit durch die Ausschüttung von Stresshormonen) packt, den führt wohl eines oder mehrere der anderen 6 Hochgefühle zum Erfolgreich-Fühlen.

Die Intensität des Erlebens

Die 7 Hochgefühle bedeuten maximale sinnliche Reizstimulierung (nur beim Chill wird das High ausgelöst durch gezielte Minimierung von Reizeindrücken). In unserer Erlebnisgesellschaft wollen wir uns und die Welt mit allen Sinnen erleben, das Leben voll auskosten, es genießen und uns anregen lassen, wo nur möglich. Erfolg hat, wer das Leben zu leben weiß. Zumindest die Belohnungszentren in unserem Gehirn signalisieren uns dies. Beim Genuss von gutem Essen, gutem Sex, gutem Entertainment senden sie die Botschaft: „ja, das ist Erfolg“. Gleichzeitig liegt die Gefahr von „Zuviel des Guten“ nahe. Übersättigung oder wiederholte ähnliche Stimuli lassen uns abstumpfen, dick werden, machen uns träge. Langsamkeit und die Langeweile liegen dicht bei einander. Intensivere Eindrücke müssen her.

Das Unersättliche an der Geschwindigkeit

Haben wir das neueste Telefon, surfen auf der schnellsten Internetverbindung, verfügen wir über den letzten Stand der Nachrichten? Geschwindigkeit hält uns gefangen im Kreislauf der Dringlichkeit. Wichtiges, das viel Aufmerksamkeit und Zeit braucht, wird zugunsten der schneller zu bewältigenden Aufgaben verschoben. Kein Wunder, dass nachhaltiges Planen und langsames Agieren heute so unpopulär sind. Schnell wirkt professionell. Politik, die sich ernsthaft mit der Komplexität unserer Zeit und ihrer Anforderungen auseinandersetzt, scheitert an der öffentlichen Wahrnehmung ihrer scheinbaren Untätigkeit.

Trugbild Speed

Ja, Speed ist geil. Schnelle und schlagfertige Antworten beeindrucken. Im Sport zählt die Geschwindigkeit als ultimatives Leistungskriterium. Wer schnell ist, der siegt. Das Langsame ist out. Das ist ja schon lange nichts Neues mehr. Langsam ist alt, zahnlos, bedeutungslos. Aber ist schnell tatsächlich besser? In Krisensituationen ist schnelles Handeln notwendig. Heutzutage hat jedoch nahezu jede Veränderung den Anschein einer Krise. Die Veränderungsgeschwindigkeit unserer Lebensumstände nimmt seit Jahren unablässig zu. Viele finden das schon lange nicht mehr geil.

Triebkraft und Kraftakt

Letzte Woche stand die Frage „was turnt uns an“ am gedanklichen Wochen-Menu. Geschwindigkeit zählt definitiv dazu. Die Gewohnheit, dass alles schnelllebig, vergänglich, wegwerfbar ist, begleitet uns ständig. Neu ist in, alt ist out. Wir wenden lieber viel Kraft dafür auf, unsere Neu-Gierde zu befriedigen als unseren An-Trieben auf den Grund zu gehen. Sobald wir wissen, was uns antreibt – und das ist stets ein vorgestelltes oder reales Defizit – verfügen wir über die Macht, den Trieb, den Druck, das „Muss“ in unserem Leben auszuschalten. Was ist aber, wenn es nichts mehr zu kompensieren, nichts mehr zu erreichen, keine innere Unausgewogenheit mehr auszufüllen gibt? Was tun wir dann? Kennen Sie die Angst vor dem Ankommen? Ist Ankommen nur ein Synonym für Antriebslosigkeit und insofern als das Gegenteil von Triebkraft zu verstehen?

Andererseits könnte auch das Auge des Momentes, das  durch keinerlei Wunsch oder Angst getrübt wird, der Schlüssel zur Ewigkeit sein. Erfolg ohne Kraftakt. Wie entscheiden Sie sich: für das Perpetuum Mobile von immer mehr, weiter, höher, schneller? Oder für ein unvergleichlich un-vergleichendes Leben.

Die Karotte ist zum Essen da

Speed ist eine Methode. Den Antrieb und Motivation für die Sucht nach dem „Immer-Schneller“ zu durchleuchten ist für Speedjunkies alles andere als geil. Dagegen ist nichts zu sagen. Die Karotte ist zum Essen da. Mein Argument besteht darin, dass sich auch in der Stille der Bewegungslosigkeit, in der Ruhe der schrittweisen Veränderung, im Anerkennen, dass wir über keinen Moment unseres Lebens wirklich die Kontrolle haben, ebenso Zustände von Power oder Intensity erzeugen lassen. Nein, Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck. Und das sich-Dauer-Beschäftigen, wie es von so vielen praktiziert wird, nicht gleichbedeutend mit einem erfüllten, erfolgreichen Leben. Hier liegt ein weit verbreitetes Missverständnis vor. Die schnellste Abkürzung zum Glück wäre das sofortige Beenden des Speed-Trips. Wir sind die Karotte!

Das eigene Zeitempfinden steuern

Dem Need for Speed eine gewisse Lust auf Just Now zur Seite zu stellen eröffnet neue Freiheiten. In dem Ausmaß, in dem weder Stille oder Leere noch Langsamkeit oder Veränderung das Gefühl von „zu spät“, „zu lahm“, „ich halte das nicht aus“ bzw. „nur weg hier“ mehr auslösen, gewinnen wir frischen  Handlungsspielraum. Alles, was wir dazu brauchen ist es auszuhalten, offenen Auges all die unangenehmen Gefühle da sein zu lassen, die auftauchen, wenn wir uns nicht mit Volldampf von ihnen ablenken. Wir brauchen sie nur einmal bewusst anzusehen, ohne auf sie zu reagieren. Sehen und spüren wir hinein in das Unangenehme, ohne es wegzuschieben oder festzuhalten. Machen wir keine große story draus, steigern wir uns nicht hinein, lassen wir einfach da sein, auftauchen und abebben, was uns bisher unbeachtet angetrieben hat.

Ja, hier begegnen uns Frustration und Aggression, Verletzlichkeit und Verzweiflung, Trauer und Einsamkeit. Sie alle gehören zum Menschsein. Dies anzunehmen, ohne daraus ein Drama zu machen, macht frei. Frei von Antrieb, frei von Antriebslosigkeit, frei von Angst, frei von Hoffnung, frei von Zeit. Hier liegt die Fähigkeit zu jener Präsenz verborgen, die einen Augenblick unendlich werden lassen kann. Und hierin liegt auch die wahrhaft wunder-volle Kraft, unsere Aufmerksamkeit bewusst so verschieben zu können, dass Unangenehmes zwar da sein kann, uns aber nicht mehr aus der Mitte wirft. Das heißt nicht, dass Gefühle und Geschwindigkeit kontrolliert werden oder sich im Nirvana auflösen. In time zu leben bedeutet vielmehr, die Welle reiten zu können (in ihrer jeweiligen Geschwindigkeit – oder das Meer zu sein (in seiner Unendlichkeit).

 

Erfolgreich die Geschwindigkeit je nach Lust, Laune und Notwendigkeit anheben oder verebben lassen können. Das ist mal ein Entwicklungsziel. Dicht gefolgt von der Möglichkeit, die Dichte an Querverbindungen, sprich die Komplexität eines jeden Umstandes und Zustandes, unreduziert stehen lassen und vor allen wahrnehmen, vielleicht sogar sehen zu können. Mit dieser etwas anderen Art der „Allwissenheit“ befasst sich der nächste Blogbeitrag:

Coherinterferent – über die Allverbundenheit im Zwischenraum. Success Story No 17: Samstag, 26.09.2015, 10.00

MOTIRECTION

Secret Success Story No 15 – über die Lebenskraft aus Leidenschaft

In The Still Of The Heat

Der Sommer war heiß, indeed. In der Hitze scheint vieles still zu stehen. Der Druck, etwas zu verändern, verdunstet in der Bewegungslosigkeit. Der Weg und das Ziel verschmelzen im Hier und Jetzt, es ist schlichtweg zu heiß für große Sprünge oder kleinen Zweifel. In der Hitze regiert das Sein. Nur unter dem kühlen Hauch einer Klimaanlage springen die Lebensgeister wie eh und je von Sinn und Richtung zu In-Frage-Stellen und  Mehr-oder-Anders-Wollen.

Jetzt ist es wieder kühler und das Drängen nach Neuem schlägt sich mit der Übermacht des Alltags herum. Die Ehrlichkeit des Notwendigen besiegt den Keim von Hoffnung oder Leidensdruck: Ersehnte Veränderungen punktgenau anzupeilen und kraftvoll durchzuziehen – das ist der Stoff von Ratgebern (menschlichen oder literarischen), viel zu selten entspricht er der Realität. Viel zu verlockend ruft uns das altbekannte eigene Lied und wir bleiben dem heimischen Sumpf von „geht nicht“, „war schon immer so“, „kann nicht“, „darf nicht“, „wenn ich nur…“ etc. treu. Vorher war die Hitze da, der Urlaub und das Abschalten. Jetzt ist es der Alltag, jene allzu heimtückische Überforderung durch Fremdbestimmungen aller Art.

In den Passion-Drive schalten

Verstehen wir „Erfolg“ jedoch als die Erfüllung unserer größten Träume und tiefsten Sehnsüchte, als die Verwirklichung unserer eigenen Vorstellungen von uns selbst und der Welt, dann bleiben wir auf oben geschilderte Art und Weise wohl ewig erfolglos. Stellen wir uns die ernstgemeinte Frage, wie wir aus dem nebeligen Irrgarten des Altbekannten ins blühende Hochland des Neuen oder zumindest zur vielversprechenden Weite des tatsächlich Möglichen finden, so sollten wir uns nicht länger vormachen, dass Reden und Lesen, Planen und Wünschen, Nachdenken und Vorstellen jemals dafür ausreichen. Es geht vielmehr darum, den eigenen Weg aus der Quelle der eigenen Leidenschaft heraus zu beschreiten. Es gilt, unseren Drive aus dem Inneren zu generieren, unseren Weg aus pulsierender Passion heraus zu bauen und ihn, von derselben Passion in Bewegung gehalten, mit schlafwandlerischer Sicherheit ganz von allein, im wahrsten Sinne von selbst zu gehen. Das Außen wird quasi von innen heraus umgewandelt. Nennen Sie es The Secret, wenn Sie wollen. Doch es ist eigentlich kein Geheimnis, dass die Kraft der Passion, die in vielen von uns noch schlummert, nicht nur uns selbst sondern auch unsere Umgebung zu verändern vermag.

Die Gretchen-Frage

Was rumort derart tief in uns drinnen, auf dass wir willig die allzu eingetretenen oder allzu offensichtlich vor uns liegenden Pfade verlassen? Welcher Ruf in unserem Inneren öffnet uns die Flügel? Was gibt uns den letzten Kick, uns von der Klippe der Sicherheit ins Unbekannte des zutiefst Eigenen fallen zu lassen?

Success is what you define it is“ schreibt Richard St. John in seinem Buch „8 Traits Of Successfull People“, für das er hunderte weltweit Erfolgreiche nach ihren Rezepten und Prinzipien interviewt hat. Allen Erfolgsfaktoren voran steht dort die Passion, gefolgt von der Arbeit, diese Leidenschaft in die Welt zu bringen. Fokus, Druck, Ideen, Verbesserungen, Dienen und Durchhalten sind die weiteren Ingredienzien des Erfolgreichwerdens. Aber all diesen verständlichen Punkten, die sich mit der Umsetzung befassen, voran steht eben die Passion. Leidenschaft heißt nicht umsonst Leiden-Schaft. Es ist ein inneres Leiden, eine ewige Sehn-Sucht, der fast unangenehm starke Druck, der gleich einer Geburt etwas in die Welt setzen möchte, etwas erleben oder bewegen will. Und dieser Prozess ist nicht immer angenehm. Viele von uns streben jedoch Glück oder Zufriedenheit als höchsten Entwicklungszustand an. Für andere ist Liebe das Lebensziel.

Liebe zwischen Sehnsucht und Vergnügen

In Anlehnung an den niederländischen Psychologen Paul Verhaeghe könnte man die Liebe zu etwas oder jemandem so beschreiben: Sie wird aus zwei Tunnel gespeist, die sich von beiden Seiten eines Berges auf einander zu bewegen. Der eine Tunnel ist die Sehnsucht (desire), der andere das Vergnügen (pleasure). Beide schließen einander prinzipiell aus. Der Widerspruch aus Sehnsucht (das Sehnen nach dem Abwesenden) und Vergnügen (die Einlösung der Sehn-Sucht) begründet das Paradox der Liebe. Entweder wir begehren oder wir genießen. Der Genuss ist das Essen der Frucht, das Begehren ist das Wollen derselben. Liebe begehrt und genießt – im süß-schmerzvollen Wissen, dass es nie genug ist, dass immer eine Seite fehlt, denn wenn wir je genug hätten, hätte sich die Quelle der Passion erschöpft. Gerade die nicht zu stillende Sehnsucht speist die mentale Überzeugung, den emotionalen Überschwang, den tatkräftigen Überschuss, der den Liebenden letztendlich unabhängig vom Objekt oder Subjekt seiner Begierde macht und es oder ihn/sie zum Projekt, zur Projektionsfläche werden lässt. Bis „über den Tod hinaus“ vermag die Sehnsucht ihre Wirkung zu zeigen. Lacan beschreibt das Paradoxon passend „Love means giving what you don’t have“.

Unzufriedenheit als Zugpferd

Enjoy! Lautet das Credo unserer Zeit. Die Sehnsucht nach erfreulichen Erlebnissen dominiert unsere Freizeit. Konsum! Lautet der Wahlspruch unserer Wirtschaft. Das Genießen der Kompensationen für unsere Arbeit in Form von Gütern oder Dienstleistungen ist unsere Belohnung für das Voranstellen der Fremdvorstellungen vor unsere eigenen. Parallel zu Vergnügen und Konsum fordern heute etwa Flüchtlingsmassen, Klima oder wirtschaftliche Unberechenbarkeit ein Umdenken. Viele nehmen diese Zeichen wahr und reflektieren, handeln, geben, helfen. Andere wiederum suchen die Defensive, den Rückzug, wollen nichts Veränderliches wahr haben. Zufrieden wollen wir jedoch alle sein. Das Problem mit der Zu-Frieden-Heit ist nur, dass sie im Kern nicht durch Konsum, Genuss, Besitz oder sogar Liebe erreicht werden kann. Zu-Frieden ist jemand, der mit sich und der Welt im Frieden ist. Doch wer akzeptiert sich selbst schon zu 100% so wie er ist und wer sieht nicht, dass diese Welt voller Ungerechtigkeit und Ungleichheit zu Taten drängt? Aus diesem Gefälle, dem Gefälle zwischen erwünschtem Selbstbild und momentan wahrgenommenem, dem Unterschied zwischen erwünschtem Weltbild und momentan vorhandenem, ergeben sich diverse Handlungsaufträge, die lautstark oder subtil nach uns rufen. Sie fordern uns auf, ihnen zu folgen. Doch sind diese drängenden Aufforderungen zu Handeln wirklich eins mit unserer Passion?

Die Verantwortung uns selbst gegenüber

Ist es egoistisch, unseren eigenen Weg zu gehen? Sollten wir nicht alle vielmehr wie Mutter Theresa oder Bill Gates sein und unsere Fähigkeiten bzw. unsere Mittel in das Besser-Ergehen anderer, weniger Begünstigter, stecken? Die Frage, wieviel Verantwortung wir für die Welt, in der wir leben, haben ist keine leicht zu beantwortende. Ja, wir haben – so viel steht fest. Doch sollten wir uns selbst zugunsten des Wohlergehens anderer aufgeben oder vergessen? Lieber die selbstlose Demut statt selbstzentrierte Visionen in uns pflegen? Sollten wir nicht dem großen Ganzen dienen anstelle unserer Passion zu folgen?

Statt eines entweder-oder Gedankens bietet sich hier ein sowohl-als-auch an. Zugleich klingt in diesem Vorschlag der schale Vorgeschmack auf einen müden Kompromiss an. Ein bisschen Konsum, etwas Vergnügen, gewürzt mit ein paar Spenden oder ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ist das Passion?

Was treibt uns an?

Mit Passion ist hier auch nicht „Trieb“, also das Drängen nach der Erfüllung körperlicher, emotionaler oder geistiger Bedürfnisse, gemeint. Mit dem Titel Motirection, einer Wort-Kombination aus Motivation und Direction, wird jene Quelle der Ausrichtung unseres Lebens in uns adressiert, die unsere Gedanken, Gefühle und Tatkraft speist, ohne dass wir uns verbiegen, anpassen oder verstellen. Peter Handke hat in „Über die Dörfer“ die Richtung, die aus uns selbst kommt, sowie eine Art Anleitung, wie diese freizulegen ist, folgendermaßen beschrieben:

Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit noch mehr. Sei nicht die Hauptperson. Such die Gegenüberstellung. Aber sei absichtslos. Vermeide die Hintergedanken. Verschweige nichts. Sei weich und stark. Sei schlau, lass dich ein und verachte den Sieg. Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar. Zeig deine Auge, wink die anderen ins Tiefe, sorge für den Raum und betrachte einen jedem in seinem Bild. Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig. Vor allem hab Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken. Mach sozusagen Urlaub. Überhör keinen Baum und kein Wasser. Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück, zerlach den Konflikt. Bewege dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird. Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach.“

Der Rote Faden unseres Lebens

Wir sind weder unsere Geschichte noch unsere Vorstellung von uns. Wir sind auch nicht das Bild, das andere von uns haben. Passion ist jene Schwingung, die jeden von uns auf seine eigene Art zum Klingen bringt und jedes Atom in uns vibrieren lässt. Spüren wir jene Momente, die uns in aller Klarheit offenbaren, was uns kraftvoll strahlen lässt. Verfolgen wir diese Spur. Setzen wir unsere Prioritäten, indem wir Entscheidungen treffen, die unser Leben entlang ebendieser Spur verlaufen lassen. Mit einer solchen inneren Ausrichtung einher geht unbändige Lebensfreude, jenes untrügerische Zeichen dafür, dass wir die unerschöpfliche Quelle unserer Lebenskraft freigelegt haben.

Sind Sie etwa einer von jenen Menschen, denen alles zu langsam geht und die noch viel schneller ans Ziel kommen wollen? Haben Sie keine Zeit zum Austeigen (aus dem Bisherigen), Umsteigen (auf etwas Anderes), Absteigen (vom toten Pferd)? Sind Sie der Meinung, dass die Karotte zum Essen da ist, und nicht zum vor-die-Nase-hängen? Ja: Warum das Ziel nicht in sich, statt vor sich haben? Dann lesen Sie nächste Woche mehr über die Fastcination – Trieb Kraft Geschwindigkeit. Success Story No 16: Samstag, 19.09.2015, 10.00

FLEXICORE

Secret Success Story No 14 – über das Stabile im Sturm der Zeit

„All ends with beginnings….

…but we’ve come too far to give up who we are!” meinen Daft Punk und Pharrell Williams  in ihrem Hit “Get Lucky”. Diese Zeilen beschreiben treffend in aller Kürze die Würze unseres momentanen Lebens hier in der Mitte der 2010er-Jahre:

Ständige Veränderung ist die Herausforderung unserer Zeit. Uns treu zu bleiben und gleichzeitig mit den Veränderungen optimal umzugehen ist die Herausforderung für uns Menschen in dieser Zeit.

Wo wir doch so gerne alles unter Kontrolle hätten und endlich sowie dauerhaft all unsere Schäfchen im Sicheren wissen wollten! Wie können wir uns den Eindruck von Sicherheit geben auch wenn es rundherum unplanbar drunter und drüber geht?

Das Schöne an der Komfortzone…

…ist, dass sie sich erweitern lässt. Vielleicht kennen Sie das folgende Bild: Im sprichwörtlichen „Grünen Bereich“ ist alles ok. Die eher schon „Orangerote Stresszone“ kann anregend (Abenteuer, Adrenalin) oder belastend sein. Und wenn es uns eine ungewollte Veränderung zu schnell geht, zu intensiv ist oder zu lange andauert, dann sehen wir „Dunkelrot“: Panik oder Burnout setzen plötzlich bzw. schleichend ein.

Wenn wir nun unsere Komfortzone erweitern und Stress als Anregung empfinden könnten sowie ganz schnell aus der roten Zone zurück in gut-orange oder angenehm-grün finden würden, dann wäre eigentlich alles geritzt. Wenn wir wüssten wie, dann wäre unsere Stabilität in der Veränderung gesichert. Wir hätten in jeder Lebenslage alles im Griff. Und es gibt Wissenschaftler, die behaupten dass dies geht. Im Folgenden geht es um verschiedene Wege zu mehr Gleichmut und Gelassenheit im Auge des Tornados.

Was bringt uns aus der Komfortzone?

Alles, was uns überrascht. Wenn wir angenehm oder selbstgesteuert überrascht werden (etwa durch eine Überraschungsparty oder beim Fallschirmspringen), läuft alles nach Plan. Anregung pur. Wenn wir aber in unseren Erwartungen enttäuscht, mit scheinbar unlösbaren Problemen konfrontiert, in unserer gemütlichen Position bedroht werden, dann läuten unsere Alarmglocken. Buchstäblich. Alarmierende Stresshormone bewirken dann Veränderungen auf allen 5 Ebenen:

  • Vegetativ-hormonelles System (Atmung, Blutdruck, Verdauung etc.)
  • Muskuläres System (Verspannungen, Bewegungs-Blockaden, Haltungsänderungen etc.)
  • Mentales System (negative Gedanken, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsmängel etc.)
  • Emotionales System (Interpretation von Sinnesreizen und Körperzuständen in Form von Stimmungen, Launen, Bewertungen etc.)
  • Verhalten (Reaktionen: was wir sagen und was wir wie tun)

Wie hinreichend bekannt, sollen uns die alarmierenden Zustände eigentlich dazu ermächtigen, gegen einen Säbelzahntiger zu kämpfen oder schnellstens weglaufen zu können. Im modernen Leben bringen diese unkontrollierten Hormonschübe und andere automatisierte Reaktionsweisen eher Probleme als Lösungen mit sich. Und stehen wir unter Dauerstress winkt das Burnout. Stresshormonabbau ist zum einen essenziell für die sogenannte Resilienz, also unsere Widerstandkraft und das „Durchhaltevermögen“. Um an die Wurzel zu gehen wäre es aber am besten, gleich die Auslösefaktoren für Stress zu eliminieren.

Welche Wahlräume haben wir?

Je mehr wir darüber wissen, was wir von uns, von anderen, von der Welt und dem Leben erwarten umso eher wissen wir, was uns enttäuscht. Im Wissen selbst liegt die vielleicht größte Macht, die es schafft, uns in unserer Mitte zu halten, egal was passiert. Denn was uns aus dem Gleichgewicht bringt, ist stets eine Bedrohung dessen, was wir glauben zu haben und zu sein, zu verdienen und zu erreichen. Eine Bedrohung unseres Selbstbildes, unseres Weltbildes, unserer Hoffnung. Flüchtlingsströme im Mittelmehr, TTIP, ein zwar momentan stiller aber eher unberechenbarer russischer Anführer, vom Klima redet schon gar niemand mehr. Alles unberechenbare und auf den ersten Blick risikoreiche, gefährliche Komponenten, die unser Wohlergehen über kurz oder lang beschneiden könnten. Eine Veränderung macht für uns nämlich erst dann Sinn, wenn sie sofort und spürbar oder zumindest höchst aussichtsreich unsere Situation verbessert oder erleichtert. Wenn die Erleichterung aber nicht unmittelbar sichtbar und spürbar ist und auch nicht überzeugend für die Zukunft argumentiert wird, erfolgt der Widerstand – nach außen (Wahlergebnisse, Bürgerinitiativen, Demonstrationen), oder auch nach innen (Stress, Spannungen, Autoagression, Krankheiten).

Wenn wir hier als von Wissen reden und von seiner Macht, uns all dies zu ersparen, damit wir ohne große Aufregung das Beste aus jeder Situation machen können, dann sprechen wir eigentlich schon fast vom Stein der Weisen. Wahrnehmungsfähigkeit, Reflexionsvermögen, Urteilsfreiheit oder auch Entscheidungslosigkeit (siehe mein letzter Blog) führen zu einer krisenfesteren Persönlichkeit. Unzählige Therapien, Bücher, Trainer, Seminare und Workshops bieten Erkenntnishilfen an. Ich sehe dort Vorsicht geboten, wenn das Konzept, also die Methode rechter haben will, als Ihre innere Stimme Ihnen sagt. Die Wahrheit im obigen Sinne liegt definitiv in Ihnen und nicht in einer Lehre oder einem Konzept, auch nicht in einem Rezept. Es gibt tolle Methoden, Mittel und Wege, sich zu erkennen. Aber erkennen werden Sie hoffentlich sich selbst und nicht die Funktionsweise eines Produktes, eines Verkäufers oder einer Organisation. In jedem Fall gibt es viele Möglichkeiten, die eigenen Gewohnheiten und (Re)Aktionsweisen zu durchleuchten und so Abstand von eingefahrenen Denk-, Fühl- und Verhaltensmustern zu gewinnen.

Der einfachste Weg zur Sicherheit

Übersichtlichkeit, Langsamkeit und Ordnung scheinen heute wie Relikte vergangener Zeiten:

„Instability is chronic, uncertainty is permanent, change is accelerating, disruption is common, and we can neither predict or govern events. There will be no „NEW NORMAL“. There will only be a continuous series of „NOT NORMAL“ times.“ Collins/Hansen, Great by Choice

In Zeiten ständiger Veränderungen macht es Sinn, das eigene Zentrum der Stabilität nicht in den äußeren turbulenten Umständen, sondern im Auge des Tornados anzulegen, und die eigene Komfortzone ganz in die Nabe des sich ständig drehenden Rades, zu verlegen. Die Neurowissenschaft sagt uns wie dies geht. Ganz ohne Seminare und Selbstreflexion. Nur mit ein bisschen Übung.

„Normally what you think and decide is influenced by the limbic system. You think different if you are happy or depressed. If you want to change your thinking and change the quality of your thinking, you can’t do it by thinkingTo change behaviour, you have to change thinking, to change thinking, you have to change the context in which thoughts occur! What is the biological and emotional context in which a thought arises? Here you can change the quality of your thought. And you don’t have to be a yogic master or enlightened. IT’S ALL ABOUT CHOICES.“ Dr. Alan Watkins, Neurowissenschafter (siehe seine spannenden youtube-Clips zum Thema „Daily Peak Performance“)

Laut Neurowissenschaft – aber auch gemäß Sozialpsychologie und Ernährungswissenschaft – liegt die Wahl zur maximal stabilen Haltung für eine maximal flexible und effiziente Performance nicht nur in Ihren Händen, sondern in Ihrem gesamten Körper:

  1. Atem: Er beeinflusst Ihre Herzrate und damit Ihren Stresslevel, sowie durch die Sauerstoffsättigung Ihre gesamte Grundkonstitution. Für eine optimale Versorgung atmen Sie etwa 4 Sekunden ein und ebensolange aus, für mindestens 5 Minuten lang, in einem gleichmäßigen und sanften Rhythmus (also nicht stoßweise).

Tun Sie dies regelmäßig, so erhöht sich Ihre Gehirnleistung und generelle Verfassung, Sie werden emotional ausgeglichener und reagieren im Falle des Falles weniger heftig. Besonders wenn Sie es schaffen, noch vor einer allfälligen Reaktion nach altem Muster (Toben, Anklagen, Ausrasten, Selbstanschuldigungen, Fressanfälle – alle Gewohnheiten, mit denen Sie bisher versuchten Ihren Frust, Ihre Enttäuschung, Ihre Wut, Trauer und Angst „normalerweise“ zu besänftigen) einen solchen Atemfluss zu etablieren (nach einiger Übung reicht ein einziger solcher Atemzug, um automatisierte Musterabläufe zu unterbrechen).

  1. Muskelentspannung: gezielt. Etwa indem Sie aktiv in eine vorhandene Spannung hineingehen (10Sekunden lang) und doppelt solange (20 Sekunden lang) danach doppelt so sehr loslassen und entspannen. Funktioniert besonders gut mit Schultern, Kiefer, Nacken. Massagen, Yoga oder Osteopathie sind natürlich auch wunderbare Methoden.
  2. Haltung: Öffnen Sie regelmäßig Ihren Oberkörper (à la Siegerpose), sitzen, gehen, stehen Sie aufrecht ohne dabei steif zu sein. Verschränken Sie weder Arme noch Beine. Sie verhelfen Ihrem Körper zur optimalen Atmung und Zirkulation. Dies hat nachgewiesener Weise Auswirkungen auf Ihr Gefühlserleben und Ihre Selbsteinschätzung, lässt Schwieriges weniger mühsam und Neues weniger bedrohlich wirken.
  3. Ernährung: wenige Überraschungen erwarten Sie hier, die aber viel bewirken, da Ihr Körper eben einige Elemente ausreichend braucht und für den Abbau anderer Dinge viel zu viel Kraft verbraucht. Mehr Wasser, Nüsse, Obst, Gemüse, Fisch. Weniger Zucker, Fett, Tabak und Alkohol. Die Zellen regenerieren schneller, die Nerven und das Immunsystem werden gestärkt u.v.m
  4. Spass: Lachen, Wohlfühlen, Liebe machen, Musik hören, Malen, Sporteln – alles, was uns gute Laune spendet macht uns nur stärker.

Life is a constant Transition

Das Erfolgsziel ist es, dauerhaft eine Haltung zu entwickeln, in der wir mehr Möglichkeiten in Zeit, Raum und Bedeutung wahr-nehmen. Die Challenge ist es, über das Gewohnte (Erwartungen: Ängste + Hoffnungen) hinauszugehen, und es sich direkt hinein im Unbekannten bequem zu machen. Sie können obige Anregungen besonders gut mit Personen üben, die Sie regelmäßig „triggern“, also aus Ihrer Komfortzone kicken. Z.B. Kinder, Kollegen, Vorgesetzte, Eltern etc. Sie alle scheinen oft nur allzu genau zu wissen, auf welchen Knopf sie drücken müssen, um uns zum orangeroten Glühen zu bringen. Das nächste Mal atmen Sie 4 Sekunden aus bevor Sie reagieren, entspannen in dieser Zeit Ihre angespannte Stellen, erlauben Ihrer Stimmung dazu sein, ohne sie für gut oder schlecht zu halten. Sehen den Betroffenen an, richten sich auf, greifen zur Banane und lächeln…

Keine Lust auf Veränderung, bringt eh alles nichts, alles schon probiert – und das Leben ist und bleibt trotzdem irgendwie nicht ganz so wie erhofft? Steht die Motivation auf dem Prüfstein, fehlt die Richtung oder das Ziel? Dann lesen Sie nächste Woche mehr über

Motirection – Lebenskraft aus Leidenschaft. Success Story No 15: Samstag, 12.09.2015, 10.00

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