Special Screen Script 18: GESUNDE GEFÜHLE

Was gesunde Gefühle ausmacht 

Unser Gefühlshaushalt sorgt auf vielfältige Art und Weise für unser Überleben. Er erzeugt Motivation und Schubkraft, auf dass wir tun können, was nötig ist oder Spaß macht. Gefühle weisen uns einen Weg im Angesicht von Gefahren aller Art. Sie vermitteln, dass es Zeit zum Handeln ist. Von „gesunden“ Gefühlen können wir dann sprechen, wenn sie uns unterstützen und uns helfen, den Alltag besser zu bewältigen. Solche Gefühle schädigen uns selbst nicht und belasten auch unsere Beziehungen nicht auf Dauer. Selbst unangenehme Gefühle sind gesund, ja sinnvoll, weil sie uns anzeigen, dass wir auf bestimmte Bereiche besonders achten sollten. Etwa ekeln wir uns, wenn etwas möglicherweise für unsere Gesundheit abträglich ist (wie vergammeltes Essen). Wir werden wütend, wenn wir uns angegriffen fühlen oder etwas für unfair oder bedrohlich halten. Gefühle haben einen Grund und auch wenn dieser in uns selbst liegt bleibt er uns nur allzu oft verborgen. So drängen sie mitunter ungebremst an die Oberfläche…

Wenn Gefühle „giftig“ werden

Unangenehme Gefühle werden dann so richtig „giftig“, wenn sie uns nicht mehr bei einer positiven Entwicklung unterstützen – dies ist eine, die uns und das Verhältnis zur Umwelt und zu anderen fördert – sondern wenn sie im Gegenteil eine negative Entwicklung bestärken. Beispielsweise wenn wir uns selbst heruntermachen, wenn etwa die Scham oder Angst uns fest im Griff hat und wir uns nicht mehr trauen, aus dem Haus zu gehen. Oder wenn wir ständig in Sorge leben, anderen misstrauen, uns selbst nichts zutrauen. Wenn Wutausbrüche jede Beziehung verleiden. Auch die Autoaggression, also die Wut, die gegen sich selbst gerichtet wird, ist ungesund. Sie macht Menschen seelisch oder körperlich krank, manche werden süchtig, etwa nach Schmerz, nach Ablenkung, nach Essen, Sex oder Alkohol etc.

Unangenehme Gefühle werden besonders intensiv und kippen dann ins Ungesunde, wenn wir ihre Ursachen nicht rechtzeitig erkennen, wenn wir uns nicht rechtzeitig abgrenzen, wenn Konflikte verdrängt werden und im Unbewussten schwelen. Sie drängen dann an bestimmten Stellen unseres Lebens, in bestimmten Situationen und ganz bestimmten Menschen gegenüber vehement an die Oberfläche.

Alarmzeichen erkennen

Um mit toxischen Gefühlen gut umgehen zu können ist es sinnvoll, ihre Vorboten rechtzeitig zu erkennen. Denn selbst wenn die Selbstreflexion im Affekt schwer fällt, so sind es doch bestimmte Verhaltensweisen, an denen wir schon frühzeitig ablesen können, dass sich etwas in die falsche Richtung, also gegen einen selbst oder gegen eine Beziehung bzw. gegen unsere Umwelt, entwickelt.

Die drei Grundformen an denen wir erkennen können, dass wir mit einer Situation oder Beziehung nicht mehr ganz rund sind, können wir an sich einfach erkennen: Festhalten, Wegschieben und Ignorieren.

  1. Festhalten geschieht etwa indem wir versuchen, an Altem festzuhalten wie an den schönen Erinnerungen, an der „guten alten Zeit“ und etwa daran, dass man versucht gewohnte Rituale immer wieder aufzuwärmen, sie aber nicht mehr dieselbe Wirkung haben. Das Entspannungsbier am Abend entspannt nicht mehr, das Plaudern beim Frühstückskaffee stellt keine Beziehung mehr her.
  2. Wegschieben geschieht, indem wir uns selbst oder den anderen abwerten, an allem Möglichen herumnörgeln, uns oder ihn kritisieren und verändern wollen oder das Gute der eigenen oder gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart anzweifeln.
  3. Ignoranz erkennt man daran, dass wir anfangen uns selbst zu übergehen. Wenn wir nicht mehr auf unser Äußeres oder Inneres achten. Oder wenn wir uns vom Partner immer öfter oder immer länger fernhalten, uns einer Auseinandersetzung oder Diskussion entziehen.

Beobachten wir an uns selbst ein solches Verhalten, ist es Zeit, in sich zu gehen und sich zu fragen: Wie fühle ich mich eigentlich? Wovor habe ich Angst? Was macht mich wütend? Worüber bin ich traurig? Was bereitet mir Sorgen? Erst dann können wir nämlich anfangen, darüber zu reden – zunächst im inneren Dialog, dann auf klärende Art und Weise mit der Außenwelt…

Die Gefahr von giftigem Verhalten in Beziehungskrisen 

Kein Mensch will enttäuscht, verlassen oder verletzt werden. Wir wollen auch andere meist weder enttäuschen, noch verletzen. Aber allein schon der Wunsch nach einer Veränderung beinhaltet die Möglichkeit von Enttäuschung und Verletzung ganz automatisch und macht Angst. Und oft ist das Problem genau dieses: Einer von beiden ist mit einem inneren Konflikt oder mit einer äußeren Herausforderung so beschäftigt, dass sich seine Prioritäten verändern – und der andere bleibt in der Vergangenheit stehen, sieht nicht mehr das Hier und Jetzt, sondern eher seine Vorstellung von einem gelingenden Miteinander wie es bisher war. Wenn Partner aber nur ihre eigene Vorstellung bestätigt haben möchten – sei es nun die der Veränderung oder die des Stehenbleibens, das ist egal -, so kann eine offene Kommunikation kaum geschehen. Weil eben Festhalten, Wegschieben und Ignoranz aus Angst vor Verletzung (also sowohl verletzt zu werden, als auch den anderen zu verletzen) gegen einen echten Austausch arbeiten. Es kommt dann nicht nur zu schwierigen Gefühlen, die sich aufschaukeln, sondern auch zu psychisch oder physisch verletzendem, ausfallenden Verhalten sich selbst oder dem Anderen gegenüber (je nach Veranlagung). Es ist das Kommunizieren über die schwelende Verlustangst, über das bedrohte Selbstwertgefühl, über die Gefahren von Einsamkeit und Enttäuschung, über all diese Gefühle, die mit einer veränderten Situation automatisch mitschwingen, das uns so schwer fällt.

Gesunde Kommunikation trotz giftiger Gefühle

Der Schlüssel zur guten Kommunikation(sbasis) besteht darin, trotz intensiver, unangenehmer Gefühle nicht im Affekt zu handeln. Sobald wir merken, dass wir maßlos wütend oder voller Angst sind, sollten wir uns innerlich oder tatsächlich zurückziehen, um herauszufinden, wo wir stehen, welche Bedürfnisse und Erwartungen wir an uns selbst und an den anderen haben und welche Entwicklung unserer Ansicht nach ansteht. Zum anderen sollte uns in diesen Momenten – die auch länger dauern können, je nach Mensch und Situation vielleicht Minuten, Stunden, Tage, manchmal noch länger – klar werden, was genau wir am anderen schätzen und was wir darüber hinaus an uns selbst und an der Beziehung verändern wollen.

Klarheit, Zeit und Wertschätzung sind daher die Kernkomponenten einer fruchtbaren Krisenkommunikation: Für das Krisengespräch vereinbaren wir uns am besten einen abgegrenzten Zeitraum uns sorgen für eine ungestörte und angenehme Atmosphäre. Hier teilen wir einander mit, wie man das (Beziehungs)Leben derzeit sieht, was man empfindet, was man möchte und auch nicht möchte. Was man am anderen schätzt und was einem in der Beziehung fehlt. Dann ist Zuhören gefragt. Je besser wir uns selbst und den anderen verstehen, desto mehr lernen wir selbst aus scheinbar ausweglosen Situationen.

Wie wir Reibungswärme nutzen können

Wir können die vier negativen Grundgefühle von Wut, Angst, Trauer und Ekel meistern, indem wir sie bewusst nutzen lernen. Wenn sie uns nicht mehr vorgeben, wie wir zu denken und zu handeln haben, werden gerade die unangenehmen Gefühle zu wertvollen Signalgebern. Sie deuten unmissverständlich auf Themen und Situationen, deren Hintergründe und Auswirkungen eine intensive Auseinandersetzung verlangen …

Interviewscript zu „Gesunde Gefühle: Wie wir Reibungswärme nutzen können“ in „Heute Mittag“ am 20.03.2018, ORF 2

 

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Special Screen Script 17: HAPPY SINGLES

Raus aus der Einsamkeit – Rein in die Freiheit!

Stellen Sie sich vor, Sie leben alleine, gehen jeden Tag alleine ins Bett, stehen alleine auf. Kaufen im Supermarkt für eine Person, kochen nur für sich selbst, essen – alleine.

So schön diese Freiheit für manche ist, wenn Sie sich aussuchen können, was Sie wann essen, wann Sie wo und mit wem schlafen, welches Chaos oder welche Ordnung bei Ihnen zu Hause herrscht: Wer alleine lebt, fühlt sich manchmal auch ganz schön einsam. Aber muss das sein? Gibt es nicht Möglichkeiten, wie wir uns auch als „Singles“, also als allein Lebende, weniger einsam fühlen und stattdessen unsere Freiheit so richtig genießen können? Jede/r fragt sich wahrscheinlich im Laufe seines (Beziehungs-)Lebens irgendwann einmal: Ist das Leben ohne Partner nicht genauso lebenswert? Und dann kommt gleich die nächste Frage: Wie macht man das Beste aus dem Alleine-Leben?

Im Kern brauchen wir fürs Single-Glück nur die beiden Aspekte des Alleine-Seins, nämlich die prinzipielle Freiheit und das (eben oft fehlende) Gefühl tiefer Verbundenheit offenen Auges anzunehmen und damit zielführend umzugehen. Sie gehören unmittelbar zusammen, sind wie die beiden Seiten einer Medaille. Deswegen sind auch nur 2 Schritte nötig, um aus der Einsamkeit und hinein in die Freuden der Freiheit zu finden:

  1. Freiheit annehmen: Die Qualität der Selbstbestimmtheit zu genießen
  2. Verbundenheit entwickeln: Ein Gefühl tiefer Verbundenheit dort aufbauen, wo es geht: nämlich zu uns selbst – zu unseren Lieben, zu Freunden und Familie – und zu unserer Umwelt, sei es die Natur oder das Große Ganze…

Was es bedeutet, unsere Freiheit tatsächlich zu genießen

Vor allem, dass wir lernen, unsere Entscheidungen bewusst zu treffen. Dass wir Entscheidungen treffen, die uns stärken, die uns gut tun, durch die wir eine Freude am Leben haben, und den Sinn des Lebens spüren. Wir leben alle voraussichtlich nur einmal: Achten wir also gut auf unseren Körper, auf unser Gefühlsleben, unsere Gedankenwelt und unser Verhalten. Stellen wir uns nicht gegen uns, sondern handeln wir mit und für uns!

Die gute Verbundenheit zu uns selbst

Wieso fällt es uns oft schwer, uns ohne Partner gut mit uns selbst verbunden zu fühlen? Um eine Antwort darauf zu finden, können wir uns dazu die folgenden Fragen stellen:

  • Mag ich mich, so wie ich bin?
  • Reiche ich mir selbst aus?
  • Und wenn dem nicht so ist: Kann und soll eine Partnerschaft eine solche Lücke überhaupt füllen?
  • Ist die gute Verbundenheit zu mir selbst nicht der wesentlichste Schritt, um überhaupt Beziehungsfähigkeit zu entwickeln?

Nutzen wir diese Zeit, die Zeit unseres Lebens hier und jetzt, für uns und mit uns und stellen wir uns der vielleicht wichtigsten Frage unseres Lebens:

Wie will ich mit mir leben, bis dass der Tod uns scheidet?

Blog-Nachtrag des ORF-Beitrags vom 28.05.2018

Special Screen Script 10: THE PERFECT MATCH

Ein echtes Traumpaar

Eine Möglichkeit um herauszufinden, ob Ihr Gegenüber wirklich zu Ihnen passt ist, sich besonders die schwierigen Situationen und kritischen Momente miteinander ganz genau auszusehen. In diesen Augenblicken wird klar, ob Sie beide auch unter Stress und widrigen Bedingungen zusammenhalten. Diese Stressresistenz ist zudem ein guter Gradmesser für die längerfristige Belastbarkeit einer Beziehung. Durchleuchten Sie dazu die folgenden

5 Meilensteine einer gelingenden Beziehung:

  1. Streitkultur: Können Schwierigkeiten offen angesprochen werden? Können Sie miteinander streiten, ohne dass tiefe Verletzungen geschehen? Können Sie Missverständnisse aufklären? Sind Sie beide willens und im Stande, nach einer Diskussion, einem kritischen Feedback oder einem Streit in sich selbst hineinzuhören und zu hinterfragen, was Ihr Anteil daran war? Sind beide fähig, etwaige Fehleinschätzungen oder ein Fehlverhalten nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor dem anderen einzugestehen und sich ernsthaft zu entschuldigen? Können Sie beide aus dem Geschehenen lernen und ziehen Sie gemeinsam Ihre Schlüsse fürs nächste Mal?
  2. Wertschätzung: Begegnen Sie einander auf Augenhöhe, also ohne dass der eine oder andere dauernd kritisiert, heruntergemacht oder sonst irgendwie abgewertet wird? Zeigen Sie einander Ihre gegenseitige Wertschätzung? Auch und vor allem während und nach einem Streit? Will keiner den anderen verändern und verlangt aber für sich selbst, so genommen zu werden, wie er ist?
  3. Machtverhalten: Zeigt eine Seite hingegen ein ausgeprägtes Dominanzverhalten, so kann sich dies nicht nur in abwertendem Verhalten äußern. Auch Gefühle können unkontrolliert ausbrechen, ohne dass dafür die Verantwortung übernommen wird. Das kann soweit gehen, dass es im Krisenfall zu verbaler, emotionaler oder sogar körperlicher Gewalt kommt. Ebenso können Ignoranz oder abwehrendes Verhalten deutliche Anzeichen für ein Bedürfnis nach Überlegenheit sein. Auf der anderen Seite der Machtfrage steht hingegen ein stark konfliktvermeidendes Verhalten – quasi die „Sucht nach Harmonie“ – bei dem die Verantwortung für die Lösung eigener und gemeinsamer Probleme und damit für die Entwicklung der Beziehung nicht übernommen wird.
  4. Selbstsicherheit: Dieser Punkt ist besonders spannend. An sich ist eine Partnerschaft, in der beide Partner stark und souverän sind, wünschenswert. Manchmal kommt es aber anders und das muss nicht schlecht sein, sondern kann sich auf den langfristigen Beziehungsverlauf vorteilhaft auswirken: Ist etwa einer der Partner sehr selbstkritisch oder unsicher, dann bleibt er mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst in schwierigen Phasen in der Beziehung. Nichtsdestotrotz sollte das Entwicklungsziel die „gleiche Ebene“ sein, denn ein solches Ungleichgewicht bringt wiederum ein ganz eigenes Konfliktpotenzial mit sich.
  5. Das Nähe-Distanz-Verhältnis: wollen Sie mehr Nähe und sterben vor Sehnsucht und „Er“ oder „Sie“ hält Sie hin? Oder klebt sie/er an Ihnen und Sie bekommen keine Luft mehr zum Atmen? Das funktioniert auf Dauer nicht und führt zu Frustration. Hier ist es angesagt, dass beide sich über ihr eigenes Nähe-Distanz-Bedürfnis klar werden und darüber austauschen. So sollte etwa die Angst vorm Verlassenwerden oder vor einem Kontrollverlust von jedem Partner klar erkannt werden. In der individuellen Auseinandersetzung damit kann sich dann auch das Verhältnis zu einander entspannen.

Zusammengefasst stehen die Zeichen für Ihre Beziehung gut, wenn Sie miteinander streiten können, einander dabei wertschätzen und auf Augenhöhe begegnen, die Verantwortung für die eigenen schwierigen Gefühle übernehmen, ein gesundes Maß an Selbstsicherheit und ein passendes Nähe-Distanz Verhältnis haben.

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 30.04.2018 eine Woche lang nachsehen: http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13975266/Beziehungstipps-von-Expertin-Nana-Walzer/14292653

Surprising Salon Session No 16: In voller Blüte

Blooming

Blühend, so soll es uns gehen. Blühen, so sollen wir. Zumindest wir Frauen. Männer würden die Zielvorgabe für optimale Befindlichkeit und Ausstrahlung wahrscheinlich anders ausdrücken: „voll im Saft stehen“, oder so. Abgesehen von der Wortwahl und den Bildern, die „Blüte“ und „Saft“ im Geist hervorrufen, ist prinzipiell Ähnliches gemeint: Wir sollen im Vollbesitz all unserer Kräfte sein, alles uns nur Mögliche erleben können. Und das sollten wir am besten andauernd können. Das Leben befinden wir genau in solchen Momenten für richtig gut, in denen wir unser Potenzial an Kraft und Selbst, an Schönheit und Intensität, an Leistungsfähigkeit und Brillanz ausleben. Wenn wir uns bis zur Perfektion verfeinert und zur sichtbaren Verwirklichung all unserer Wünsche und Talente hin ent-faltet haben, dann „passt es“. Vorher sind wir am Weg dorthin, nachher ist es zu spät. Dieser Höhepunkt, dieses voll Erblühen und Sprühen soll eigentlich und irgendwie das ganze Leben lang währen. Obwohl wir zugleich wissen, dass dies so nicht geht. Oder vielleicht doch?

Gibt es wirklich nur Einen Karrieregipfel, die Eine Erfolgsphase, auf die das ganze Leben zugesteuert, für die gelernt und geopfert wird und nach der alles vorbei ist?

Perfect Moment – Perfect Life

Wie sieht ein nachhaltig perfektes, weil durchgehend blühendes, saftiges Leben aus?

Über die „Karriere, Geld, Macht, Haus, Partner, Familien“-Phantasien brauchen wir hier gar nicht lange reden. Dass selbst all diese zusammen genommen nicht wirklich glücklich machen, sondern dem Leben „nur“ eine Richtung geben, wird den meisten im Lauf ihrer (Lebens)Zeit klar. Interessanterweise machen weder das Erreichen noch das Nicht-Erreichen dieser Zielvorstellungen ein erfüllendes Leben aus. Ja, erfüllt im Sinne von „voll“, „ausgefüllt“ allemal. Erfüllend in unserem Sinne meint jedoch einen Zustand, in dem wir aus einem inneren Überschuss an Energie heraus schöpfen können. Das Sein, unser Wesen, damit das Wesentliche füllt uns aus (statt der to do-Listen). Es fliesst aus uns, formt sich in (Selbst- und Fremd-)Wirksamkeit, findet (s)einen Weg, um aus unserem Innersten hinaus auch andere zu ihrer Überfülle, zum Heraustreten aus sich und ihren engen Vorstellungen, ihren Ver-Stellungen und Ver-Biegungen, zu inspirieren.

In diesem Blog geht es um solche Formen des Blühenden Lebens. Um das „Alles“, das auch sich gemacht, herausgeholt, im besten Fall ausgelebt werden kann. Aber ist das „Alles“ zu jeder Lebenszeit dasselbe? Ich denke nicht. Jedes Lebensjahrzehnt blüht anders, lässt uns anders erleben, fokussieren, wirksam sein.

Diese Blüten jeden Lebensalters erstrahlen in jeweils eigen-willigen Farben, bilden die ihnen eigen-artigen Formen heraus und tragen entsprechend eigentümliche Früchte. Sie finden die zu ihnen passenden Nahrungsquellen und wachsen dem Lichtspektrum entgegen, das genau dieser Zeitabschnitt anziehend findet. Über die Dauer eines Lebens blühen wir immer wieder, immer anders, immer weiter auf und wachsen zunehmend  in die Essenz unserer Persönlichkeit hinein. Dies kann so aussehen (oder auch anders):

Brillantine Brutal: Die 20er

Schönheit, Kraft und Abenteuer. Die Farbe der 20er ist bunt, die Formen wild, die Früchte schmecken intensiv. Die Nahrung für die 20er liefern zum einen unsere Sinne, die auf Hochtouren arbeiten, zum Zweiten unsere Bewegungsfreude, sowie drittens unsere Offenheit, die unser (noch)Nichtwissen in die vielen Premiere-Erlebnisse dieses Alters transformiert. Das Licht fürs Weiter- und Überunsselbsthinaus-Wachsen liefert ein glühender Horizont, der zum Greifen nahe scheint: Das All-Wissen lockt. Wir lernen Dinge, von denen wir nicht wissen, ob wir sie jemals brauchen.

Powerpack: Die 30er

Wissen, Können, Tun. Die bunte Erfahrung der 20er mündet in den einfärbigen, weil fokussierten Willen des zielgerichteten Schaffens der 30er. Nahrung bieten die beruflichen und beziehungstechnischen Erfolge. Die Früchte werden vielfach einfach hängen gelassen, übersehen oder als Treibstoff für die nächste Etappe umgehend umgewandelt. Der Weg scheint klar, er führt auf einen Gipfel, egal ob auf einen nahen oder fernen. Der leuchtende Horizont schimmert hinter dem Gipfel hervor, bleibt sanft und kaum wahrnehmbar im Hintergrund, denn der Alltag will gemeistert werden.

AllinOne: Die 40er

Konzentrieren, Potenzieren, Brillieren. Sind die erste und zweite Etappe geschafft – und das sind sie, so oder so, mit 40+ – dann werden die Farben weniger grell, angenehmer, ruhiger, entspannter. Das Tun weicht dem „am Punkt bringen“, die Früchte glänzen besonders. Sie duften nach Lebenserfahrung und dem dicken, süßen Saft erlebter Gefühle, Niederlagen und Höhenflüge. Nun ist der Horizont ganz einfach da, er bietet den Nährboden des eigenen Standpunktes. Von hier aus kann in alle Richtungen und Lebenszeiten geblickt werden. Wie sehen und verstehen: Kinder, Eltern, Großeltern. Das Altern wird selbstverständlich, das Werden und Vergehen ein hypnotischer Rhythmus, von dem wir uns nur allzu leicht einlullen lassen. Wer wach bleibt, dem eröffnen sich unerwartet andere Knospen:

Plateau-Mania: Die 50er

Angekommen, Nicht-Tun, Wirken. Das Sein ist an sich schon reif, es gilt nichts mehr wegzunehmen oder hinzuzufügen. Der eigene Horizont gleicht dem Universalhorizont – und steht als einer neben unendlich vielen. Ganz ohne Zutun er-folgt die feine, pastellfarbene Wahrnehmung der zahllosen Varianten des Ewiggleichen. Die Vielfalt im Einen Leben wird zelebriert und genossen. Die Ruhe angesichts des letzten Sturms erkennt sich als Auge im Hurrikan. Wer sich der Altes verzehrenden Kraft des Unbekannten widersetzt – wer behalten will, sich nicht mehr verändern will, der erstarrt zunehmend und wird immer mehr zum Zerrbild seiner Vergangenheit. Wer sich gegen das Neue, das Wechselnde, das Vergängliche im Fruchtbaren und das Fruchtbare im Vergänglichen wehrt, hat seinen Horizont überschritten. Alles geschieht für ihn „danach“. Den anderen, die auf dem fruchtbaren Boden des „bisher“ wandeln, bietet sich das weite Feld des „noch nicht“.

JoyFull Living: Die 60er

Freude, Friede, Frag-Würdigkeit. Wer sich nicht der Vergangenheit verschreibt oder der Schockstarre hingibt, der stellt sich dem Licht der neuen Fragen auf seinem Weg. Die Farben werden anders, erdiger und himmlischer zugleich. Im inneren Frieden, der jener Hingabe an den Wandel aller Dinge folgt, ent-faltet sich die Freude am reinen Sein, am Erleben ohne Auftrag. Diese Frucht kommt zum Tragen wenn kein Druck, kein Zwang sie formen will. Im frei Sein duftet sie von ganz alleine. Sie trägt das Licht der im Laufe des Lebens schwer erkämpften Zeitlosigkeit in sich. Selten zu sehen, aber köstlich für alle, die sie (mit) verkosten dürfen.

Silver Surfer: Die 70er

Hügel, Wellen, Wolken. Die Farben werden schillernd, die Formen fließend, die Zeit rinnt vor sich hin, der Horizont steht nicht im Vordergrund, eher ruft er sanft im Hintergrund, aus dem Rückhalt gibt er Rückhalt. Er flüstert: „Jetzt oder nie“. Die Früchte reifen da, wo Wohlgefühl und Wiedererleben auf die Einzigartigkeit des Jetzt treffen. Was geht, geht. Was nicht (mehr) geht, verabschiedet sich still und leise.

Wondering Wisdom: Die 80er

Wunder, Weisheit, Wohltun. Wer voll und ganz zu seiner Frucht wird, dessen Anwesenheit tut wohl. Diese Früchte gereichen anderen zur Seelennahrung, was wiederum die eigene Seele nährt. Alle Farben sind wunder-voll, jede Form ist ein-deutig aus ihrer Weisheit geboren. Wir sehen. Unsere Augen werden weich und mild.

Shining Eyes: Die 90er

Sehen, Herzen, Stille. Die Ruhe sieht über die Bewegung, das Herz über den Verstand. Die Farben werden durchsichtig, das Leben ist ein Aquarell, das sich selbst malt. Jeder Augenblick kommt und verschwindet. Von ganz alleine. Früchte kommen und gehen. Der Horizont ist offen und weit. Wir sehen ins Allganze, sehen es in uns, in anderen. Wir leben im Raum zwischen den Herzschlägen, er wird zu unserem Zuhause.

Just Be: Die 100er

Sein. Zeit hat keine Macht mehr, Raum ist kein Thema. In der Mitte des Erlebens gibt es zwei Augen, sie sehen und erkennen keinen Unterschied zwischen Innen und Außen.

***

Die Rose, die derzeit oben auf dem Subwoofer in der Mitte meines Schreibtisches thront, wurde auf dem Höhepunkt ihrer Einen Blüte eingefroren, schockgefroren, in Stickstoff getaucht, damit sie haltbar bleibt. In ihrer Perfektion ist ihre letztendliche Schönheit fast schon bedrohlich. Im optimalen Moment ihres Seins wurde sie genommen, für ultimativ reif befunden und ihres Lebens beraubt. Ihr „Leben danach“ ist dazu verdonnert, in der vollen Blüte ihres Seins bewundert zu werden, ohne dass sie selbst das Leben noch genießen könnte. Wie vielen (erfolgreichen) Menschen ergeht es so? Dass sie nur zu ihrer Blüte gesehen werden und sich selbst sehen? Das limitiert uns Menschen ungemein.

Ich meine, dass für uns Menschen nicht nur diese eine, große, ultimative Blüte(zeit) im Leben möglich ist. Es zählen eben nicht nur die Höhepunkt unserer beruflichen Karriere oder die Höchstleistungen aller Art. Vielleicht sollten wir uns eher am Bild der „Blume des Lebens“, das ja aus vielen einzelnen Blüten besteht, die miteinander verbunden sind, orientieren. Diese Blüten gemeinsam ergeben ein großes Ganzes, das erst im Zusammenspiel seine maximale Kraft entfaltet. Es können die Blüten der Lebensphasen sein, die ein solches Ganzes ergeben. Oder die Blüten mehrerer Menschen gemeinsam.

Mögen wir die Blüte jeder Lebensphase zur vollen Entfaltung bringen und das Blühen anderer in jeder ihrer Lebensphasen befördern. Mögen wir auf diese Weise jedes Lebenszeitalter in seiner Einzigartigkeit und als ein wesentlicher Teil, der uns insgesamt noch blühender das Leben erfahren lässt, verstehen. Wir können getrost darauf verzichten, einzelne Zeitabschnitte zu überhöhen oder ihnen nachzutrauern.

Auf diese Weise blühen wir ein Leben lang und bis zum Ende voll und ganz.

Surprising Salon Session No 12: Herzmassage

EU wie: Einigt Euch Endlich oder: Uneinigkeit Untergräbt Unser Universum

Klar, das demokratische Prinzip soll ja dafür sorgen, dass sich die unterschiedlichsten Meinungen Gehör verschaffen können und diskutiert werden. Die Auseinandersetzung macht aber erst dann einen Sinn, sofern prinzipiell eine gemeinsame Richtung im Raum steht, zu der alle beteiligten Partner einmal ganz generell “Ja” sagen können und wollen. Ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Mitmenschlichkeit könnte eine wünschenswerte Grundlage für ein Europa der Gegenwart und Zukunft sein. Diese drei Grundwerte, frei nach den Werten der Aufklärung “Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit” in zeitgemäßere Form gebracht, vermögen etwas, das derzeit dringend nötig scheint: Sie zeigen eine gemeinsame Basis, die für alle Europäer funktionieren kann, auf. Die Grundfrage heute lautet: Wer sind wir, die Europäischen Bürger, wenn nicht Zeit unseres Lebens mit unserer Geschichte verwurzelt und derzeit auf der Suche nach einer neuen gemeinsamen Geschichte, die uns den Übergang von einem nationalstaatlichen zu einem europaweiten Selbstverständnis ermöglicht?

Good (Bye) Old Europe

Das Gute Alte Europa definiert sich üblicherweise über seine Geschichte, beginnend mit den griechischen Philosophen, dem demokratischen Prinzip, der klassischen Kunst und Kultur, den jahrhundertelangen Einfluss von Christentum, Kirche und des feudalherrschaftlichen Machtgefüges. Weiters kommen im heutigen Europaverständnis die Werte der Aufklärung dazu, die neben den oben beschriebenen Aspekten auch zur Säkularität/Laizität, also zur Trennung von Staat und Kirche geführt haben. Daraus entwickelten sich letztendlich die Rechtsstaatlichkeit, das moderne humanistischen Denken und Handeln – eine Ausrichtung, die auf allgemeine Bildung setzt und das Wohl aller und nicht nur einiger Weniger im Auge behalten möchte – sowie die Rationalität und das wissenschaftlichen Prinzip als Basis zur Wirklichkeitsdefinition. Lauter gute Grundlagen, auf die wir stolz sein können; die allerdings auch schon vor der EU da waren. Was haben das vereinte Europa und das über die Historie gewachsene Selbstverständnis Europas miteinander zu tun? Stimmen die beiden überhaupt überein?

What Did The EU Ever Do For You?

Was hat die EU uns Neues und wirklich Gutes gebracht? Mehr Möglichkeiten zu mehr Miteinander: Gemeinsame Währung und Wirtschaftsraum, freie Mobilität von Menschen, Waren, Dienstleistungen. Aber was ist das schon alles, wenn der Schilling früher gefühlt mehr wert war, weil man um weniger mehr kaufen konnte – und wenn das empfundene Sicherheitsempfinden, aber auch die Zuversicht in eine aussichtsreiche Zukunft, wesentlich höher waren. Ein Brot kostete damals gefühlt ein Drittel vom heutigen Preis. Und es war so langweilig in der Hauptstadt Österreichs, dass ein Gefühl der Unsicherheit wohl eher als aufregendes Entertainment gegolten hätte, denn als ernsthafte Bedrohung. Und es schien noch möglich, sich Kraft seiner Arbeit, die man nahezu automatisch bekam und oft auch ein Leben lang beim selben Arbeitgeber behalten konnte, sogar ein Häuschen leisten zu können. Von sicheren und schönen Pensionen mal ganz abgesehen… Man könnte sagen, dass es ein Zufall ist, wenn Finanzkrise, Migrationsströme und Wirtschaftsflaute mit dem strukturellen Zusammenwachsen Europas zusammenfallen. Man könnte auch sagen, dass es die Europäischen Werte sind, die uns dorthin gebracht haben, wo wir sind: Zu einer größeren Gemeinschaft, die mit Hilfe des Ausbaus einer gemeinsamen strukturellen Basis mehr Miteinander ermöglicht. Nur die Menschen haben sich scheinbar noch nicht so recht ans Neue Europa gewöhnt. Viele suchen darin eher einen Schuldigen für die unabwägbaren Veränderungen unserer Zeit – und der Ruf nach mehr von „früher“ lässt sich wunderbar mit dem Ruf nach weniger Europa kombinieren…

Herzmessage

Was hat uns die EU also spürbar, sichtbar Sinnvolles gebracht? Eine Harmonisierung von Gesetzen oder das gemeinsame Antworten auf globale Krisen wie den Klimawandel oder die Finanzkrise? Pah – was ist das schon. Wir sind doch schließlich vorher auch ganz gut, wenn nicht sogar besser zurechtgekommen, oder? Was ist das alles wirklich wert, wenn die EU als wirtschaftsbasierter Interessensverein wahrgenommen wird, an dem sich “die da oben”, die Politiker und Konzerne, „die in Brüssel” bereichern? Und wenn man nicht nur nicht mit-partizipieren, sondern auch nicht mitreden, geschweige denn mitgestalten kann? Was ist eine Wirtschaftsunion in Zeiten der andauernden Wirtschaftsflaute wirklich wert? Wenn der gesellschaftliche Aufstieg nicht mehr möglich scheint und der Wohlstand nur schwer zu sichern ist, sowie das Überleben wieder zum Problem wird? Haben wir nicht dringendere Aufgaben vor unserer Haustüre, als die EU? Nein, haben wir nicht. Denn die heutigen Aufgaben verlangen europaweite, wenn nicht globale Lösungen. Arbeitswelt, Finanzwelt, Wirtschaftswelt, Zusammenleben – all das gehört neu gedacht, an die heutigen Anforderungen angepasst. Gute Ideen dazu gibt‘s erstaunlich viele. Von der Gemeinwohlökonomie über das bedingungslose Grundeinkommen bis zur Rückverbindung der virtuellen Finanzwelt an die reale Welt und dem Neustellen der Frage: Haben wir Geld – oder hat das Geld uns? Und was sind die Alternativen? Aber alle strukturellen und andersartigen Änderungsvorschläge brauchen eines gemeinsam: Sie müssen in eine Richtung gehen, die die Menschen (in diesem Fall Europas) auch wirklich wollen.

Europas neue Ausrichtung muss von uns Europäern mit Herz und Seele gewollt werden

Wenn die Grundfrage “Quo vadis Europa?” nicht geklärt und für jeden Europäischen Bürger auch tatsächlich klar ist, dann diskutieren wir an der kleinsten Kleinigkeit eine Ewigkeit herum. Dann kann ein einziges Veto schon mal das große Ganze ins Wanken bringen. Die Geister scheiden sich an jenen Themen, die zum Stellvertreter der wirklich großen Fragen gemacht werden (siehe “Kopftuch” und Islam/Intergrations-Debatte statt die Frage: Was wollen wir, dass Wirklichkeit wird?). Wo kein Herz und keine Klarheit, da kein Sinn und kein Ziel.

Ein Herz für Europa 

Ein Europa der Herzen, das wär schon was. Europa sollte ein uns gemeinsamer Raum sein, in dem wir uns wohlfühlen, beistehen, als gute Nachbarn verstehen. Nachbarn, die nicht nur nebenan wohnen, sondern die auch aufeinander achten. Nachbarn, die auch mal die Blumen giessen oder die Katze füttern, wenn‘s drauf ankommt. Nachbarn, die sich selbst erst richtig wohlfühlen können, wenn es den anderen auch gut geht. Nachbarn, die Verantwortung dafür tragen wollen, dass es den Menschen in ihrem Umfeld gut geht. Aber das tun wir doch schon, oder? Und zwar schon seit Langem. Das haben wir bereits getan, als man noch mit Pässen reisen und Geld wechseln musste. Sobald es friedlich war, waren wir auch Europäer, nicht nur Bürger jenes Landes, dessen Logo auf unserem Reisepass stand. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht war alles ganz anders? Vielleicht schauen schon seit Langem die Nachbarn auch des kleinsten Dorfes nicht mehr aufeinander…?

Eine/r gegen Alle

Die Vereinzelung, Individualisierung, Isolation – sichtbar im Ansteigen der Singlehaushalte oder im Umsatz der Datingplattformen – greift spürbar seit Jahrzehnten um sich. Das alte, gemütliche Familiengefühl einer angestammten community, die quasi angeborene Zugehörigkeit zu einem regionalen Clan, ging nicht nur in der Großstädten immer mehr verloren. Auch am Land verändert sich alles. Wir werden einander fremd, weil die altherbegrachten Normen und Rituale,  die “die Gesellschaft” vereinten, zunehmend wegbrechen, zu Konsumevents verkommen. Wir driften auseinander, weil sich einzelne ihre Welten bauen, aber diese von anderen nicht gesehen werden (können). Wir sind nicht mehr in einer (traditionsgeprägten) Gesellschaft zu Hause, aber noch nicht in einer Gesellschaft der Einen, der gelebten und akzeptierten Individualität und Vielfalt, angekommen.

Wir leben in einer Übergangszeit, in der das Alte nicht mehr funktioniert und das Neue noch nicht sichtbar, spürbar für alle ist.

Aber es, das Neue, formt sich gerade. Und wir sind mittendrin, statt nur dabei. Genau hier, in all diesen offenen Fragen und mit all diesen Gefühlen der Unsicherheit, können wir unsere Welt so gestalten, wie es die Herausforderungen der Gegenwart und unsere Wünsche an die Zukunft fordern.

Einer für alle, alle für einen

Wir sollten beginnen, uns als Vorreiter einer neuen Welt zu sehen und zu verhalten. Einer Welt, in der Menschen in aller individuellen Unterschiedlichkeit nicht nur ko-existieren, sondern sich gemeinsam entwickeln können. Dazu braucht es Visionäre wie Praktiker – die aus den unterschiedlichsten (Fach)richtungen und von Herzen dasselbe Ziel verfolgen.  Das Ziel kann ein Europa der Menschen sein. Europa, die Menschliche Union. Eine Union, die auf den Menschen (und damit auch auf die sozio-ökologische Nachhaltigkeit und die Wirtschaft als Dienstleister der Menschheit) schaut. Eine Union, die sich als Möglichkeit zur Verwirklichung des Besten aller möglichen Lebens versteht.

Europeans: Unique and United

Dazu braucht es viel und auch nicht. Es braucht viele Menschen, die dies wollen und danach handeln. Und es braucht wenig, nämlich nur die Adjustierung von Entscheidungen an diese generelle Ausrichtung. Ein Europa der Zukunft als Europa der Herzen richtet sich nach dem Menschen, ermöglicht das Aufblühen jeder*s einzelnen in aller Einzigartigkeit, sowie das gemeinsame Wachstum. Oder?

Gut und schön – aber wie?

Das diskutieren wir Bürger Europas am 12. Mai mit Vertretern aus Politik und Medien, Bürgerinitiativen, proeuropäischen Organisationen und Institutionen. Wir stellen uns der Frage, wie ein Europa mit lebenswerter Zukunft aussieht und welche Rolle Österreich und jeder Einzelne bei der Mitgestaltung Europas spielen kann…

EUROPA – DER MENSCH IM ZENTRUM. Symposium zur aktiven Mitgestaltung Europas. Am 12. Mai 2017, von 09.30-17.00 im Haus der Europäischen Union, Wipplingerstrasse 35. Eintritt frei, Infos und Anmeldung unter: http://bit.ly/2oPjGqA 

 

Surprising Salon Session No 11: On the Road Again

Die Welt ist nicht genug

Ich gestehe, ich bin ein Trekkie irgendwie. Damals, als das Fernsehen noch aus 2 Kanälen bestand und meine Kindheit in Schwarz Weiss abgespeichert wurde, da hatten abenteuerliche Figuren eine immense Anziehungskraft. Old Shatterhand war die erste dieser Verkörperungen vom großen Abenteuer, mit der ich mich identifizierte. Mann? Egal. Wilder Western? Ja bitte – bloss schön weit weg. Dort, woanders, war das Leben voller Aufregung, voll duftender Verlockung. Es waren sinn- und ehrenhaften Aufgaben, die zu weiten Reisen und unberechenbaren Kämpfen anspornten. Es waren auch zeitlich begrenzte, episodenhafte, heute würde man sagen: projektbezogene Aufgaben, die dem Suchen der Beteiligten eine situativ gültige Richtung gaben. Vor dem Hintergrund ihrer lebenslangen ungelösten Fragen, die sie überhaupt erst auf diesen, ihren Weg brachten. Vordergründig suchten sie dabei nichts anderes als Neues, Ungeahntes, Unerforschtes – sie wollten einfach immer nur das Richtige tun, je nach Anforderung des Momentes. Old Shatterhand, wie auch Cpt. James T. Kirk, war die eigene Welt nicht groß genug, es galt Neuland zu betreten und sich zu beweisen, nicht die Liebe zu finden. Warum ist aber gerade das Neuland so anziehend? Weil wir nicht wissen, was passieren wird. Weil wir uns auf uns verlassen müssen, um im Unbekannten zu überleben. Weil wir uns beweisen können, dass wir etwas schaffen, was garantiert noch niemals jemand vor uns jemals getan hat. Aber gibt es solche, fremde Welten auch hier bei uns – oder nur in der Literatur, im Film, im Kopfkino?

Alles außer irdisch

Wo beginnen die Spannung, der Spaß und das Spiel so richtig aufregend zu werden? Dort, wo die Grenzen der bekannten Welt endgültig überschritten werden. Weit jenseits des Rollenspiels, tief im Ernst des gefährlich unwissenden Überlebens. Zumindest theoretisch. Denn, seien wir uns ehrlich: Wer möchte denn wirklich Old Shatterhands oder Cpt. Kirks Leben führen? Beim einen keine Hygiene, Schlafen im harten, kalten Freien. Beim anderen ein Leben auf dem ewigselben Raumschiff mit den ewig selben Leuten. Bei beiden ständige Gefahren und niemals irgendwo ankommen.  Eigentlich ein unbequemes, unerfreuliches Leben, das vor Entbehrungen nur so strotzt. Doch was wirkt dann so stark auf uns? Ich behaupte es wirkt, dass beide Reisende sind, die ihr innerer Kompass auf Linie hält. Keine Regeln außer den eigenen, denen es zu folgen gilt. Doch die eigenen sind glasklar, die des moralisch integeren Freiheitsliebenden und des kreativ-kraftvollen Sternenflottenoffiziers. Klare Rollen mit eindeutigen Lebenswegen, die hier vorgelebt werden: Der ewige Abenteurer und Entdecker, der Held und Beschützer, Retter und nur gelegentlich Liebende – all das sind archetypische Grundfiguren, die uns in ihrer Reinheit und Eindeutigkeit ansprechen. Ideal im Selbstverständnis, konsequent in den Entscheidungen. Notfalls bis in den Tod für die eigenen Werte und Ansichten gehend. Alles für “das Richtige” riskierend. Doch Otto Normalbürger ist nun mal ein Irdischer, ein Mensch den die Komfortzone fest im Griff hat, der sich nicht allzusehr hinauslehnen will ins Unbekannte. Den der alltägliche Überlebenskampf schon fest genug im Griff hat. Da bleibt keine Überschussenergie ürbig, um noch mal schnell die Welt zu retten. Aber warum ist unser Überlebenskampf den um so viele unendliche Grade weniger spannend als jener der Helden und Heldinnen aus Star Trek und Co?

(Lass die) Fantasie los

Berechenbar, planbar, überschaubar, kontrollierbar, mit einem Quäntchen angenehmer Überraschung und vielen Glücksmomenten gewürzt – so haben wir’s gern. Nur in unseren Tagträumen sind wir Superstars, Helden und strahlende Ritter. Aber was brauchen wir, was bräuchten wir eigentlich, damit unser Alltag filmtauglich wird? Einen Zaubertrank, der uns unbesiegbar macht? Eine blaue Pille, die uns der Illusion beraubt, im Konsum Zufriedenheit zu finden? Von beiden etwas: Das Selbstvertrauen, dass egal was kommt, wir uns auf uns verlassen können, unseren Weg finden werden. Und den Mut, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, egal wie nackt, kalt und unwirklich sie auf uns wirkt. Um neue Wege zu gehen brauchen wir zum einen unseren inneren Kompass, das Wissen, was wir für wirklich wichtig halten, und zum anderen eine allumfassende Offenheit nach Außen hin, den Willen, das wahrzunehmen, was tatsächlich da ist und nicht was wir sehen wollen oder wovor wir uns zu fürchten glauben. Die knallharte Realität ist um unendliche Welten skurriler, als wir uns das auch nur ansatzweise vorstellen können. Und wir selbst sind um Äonen stabiler und heldenhafter wenn es darauf ankommt, als in unserer erwartungsvollen Sicherheitszone. Worauf warten wir denn dann noch? Auf geht’s. Oder? Hält uns vielleicht doch noch etwas fest? Ein “altes Leben”, das aufrechtzuerhalten wir uns verpflichtet fühlen?

Ein Leben jenseits der Rolle

Meine Identifikationsfigur bei “Next Generation” war Deanna Troi, der Schiffscounselor mit der verantwortungsvollen Fähigkeit, die Emotionen anderer lesen zu können. Irgendwie bin ich ihr, meinem fiktiven Rollenmodell, über die Zeit ähnlich geworden. Statt auf Raumschiffen wurde ich Berater für Firmen und Führungskräfte, ein kommunikativer Transformator für innere Konflikte und äußere Widerstände. Und jetzt? Wird es Zeit für neue Rollen und Aufgaben, Zeit für die “Next Dimension”. Und falls jemand unter Euch an der K(l)ippe steht und sich überlegt, das Altbekannte hinter sich zu lassen: Lassen wir uns nicht einengen durch all das, was bisher gut funktioniert hat. Lassen wir uns nicht einschüchtern durch all das, was noch nie irgendwohin geführt hat. Seien wir schlicht und einfach unendlich neugierig, wo uns unser Weg hinführen wird, wenn wir nur mehr unserem inneren roten Faden folgen. Das Abenteuer unseres Lebens wartet…

 

Surprising Salon Session No 9: Einmal Entwicklung mit Erfüllung bitte!

Das vollendete Werk

Macht stolz. Und ist doch nur ein neuer Anfang. Es ist nie genug. Solange die Menschheit sich nicht in Frieden ihres Daseins freut gibt es noch unendlich viel zu tun. Sisyphos lässt grüßen. Wenn ich unser Buch so betrachte, dann stellt sich mir als erstes die Frage: Wird es wohl gelesen werden? Und wenn ja – was wird daraus erwachsen? Das Werk ist tatsächlich erst vollendet, wenn es ankommt. Aber was genau soll ankommen, wenn es um einen Prozess geht? Den Prozess der Menschwerdung im Sinne der Entwicklung von Mitmenschlichkeit im Einzelnen und einer auf Miteinander basierenden Gesellschaft im Ganzen. Ist dieser Prozess jemals zu Ende? Kann er das überhaupt sein? Kann es jemals so viele „reife“ Menschen geben, dass sich „das Blatt wendet“?

Füllhorn der Menschlichkeit

Eigentlich dreht sich alles um die Antwort auf die Frage: Wann ist menschliche Entwicklung tatsächlich erfüllend? Also Raum und Zeit sinnlich ansprechend und sinnvoll füllend. Ich spreche hier nicht von vorübergehenden Zuständen des Glücks, der Dankbarkeit, der Zufriedenheit. Ich spreche hier von einem tiefen Grundgefühl, auf dem „richtigen Weg“ zu sein. Und davon, diesen nicht alleine zu gehen, sondern mit vielen anderen und zum Besten aller. Friedlich, freudvoll, frei. Ist das Utopie? Falsche Frage.

Denn: Zahlt es sich denn überhaupt aus, für weniger als für diese Utopie zu leben? Ab wann ist eine Utopie unrealistisch? Meiner Ansicht nach dann, wenn sie entkoppelt von den Vorstellungen und Bedürfnissen der Menschen ein abstraktes Dasein führt und Menschen dazu zwingt, ihre Menschlichkeit starren Regeln zu unterwerfen. Die Verwirklichung von Ideen und Idealen muss jedenfalls bei der Wirklichkeit ansetzen. Aber es gibt so viele Wirklichkeiten… So viele wie Menschen.

Evolution gut und schön

Aber wohin? Wohin schreiten wir, als „Menschheit“, fort? Wer ist „die Menschheit“ wenn nicht eine Ansammlung aus Individuen, die sich in formbaren Gemeinschaften aus Gründen der sozialen Stabilität formieren. Haben Menschen überhaupt ein Gefühl dafür, Teil „der Menschheit“ zu sein und deren Entwicklung mitzugestalten? Und haben wir überhaupt einen Einfluss auf die weitere Entwicklung? Ja, wir haben. Synchronisation heißt das Zauberwort. Menschen wirken auf sich und auf andere in jedem Augenblick ihres Seins. Manche wirken stark, so stark, dass sie als Vorbilder Veränderungen initiieren oder kanalisieren können. Andere Menschen wirken gemeinsam, wirken zusammen und können dadurch großen Einfluss nehmen, größere Menschenmengen bewegen. „Der Schwarm“. Aber ob der immer intelligent ist…? Wer stellt sicher, dass sich die Menschen und die Menschheit in die „richtige“ Richtung fort bewegt? Moral, Ethik, Glaube? Nicht als abstrakte Schrift, nicht als normative Regel, nicht als bebilderter Buchtext oder langweiliger Bildungsinhalt. Bleibt etwas reine Theorie oder wertende Handlungsanweisung, so wird es selten gern gelebt. Klar wäre es vielleicht sinnvoll. Aber es ist in dieser Form nicht sexy, nicht attraktiv, schlicht nicht sinnlich.

Reicht es andererseits, auf negative Mobilisierung zu setzen? Auf die drastische und dramatische Darstellung diverser Katastrophenszenarien? Sollten wir verstärkt auf die Bedrohungen durch Klimawandel über Ressourcenerschöpfung, Radikalisierung bis Krieg, Finanzcrashs oder Verrohung von Einzelnen, Bildungsabbau der Gesellschaft und Emotionalisierung der Politik setzen, sie immer mehr und emotionsgeladener ins Feld zu führen, um Menschen zu aktivieren? Um die Notwendigkeit einer anderen Entwicklung zu unterstreichen? Nein. Angst und Bedrohung reichen nicht. Da muss was Stärkeres her.

Was motiviert zum Mitmenschlichsein?

Die Fähigkeit zur bewussten Wahrnehmung von Körperzuständen, Gefühlen und Gedanken wie Verhalten unterscheidet den Mensch vom Tier. Solange er aber noch unreflektiert von seinen Trieben, Begierden und Gewohnheiten in seinem Verhalten angefeuert wird, ist der Unterschied zur Tierwelt nicht allzu groß. Erst mit der bewussten Wahl, nicht nur auf das eigene Wohl zu sehen, sondern „Ich“ und „Du“ gleichberechtig zu behandeln, entsteht ein neuer Raum, der verändertes Handeln ermöglicht. Warum ist dieser Raum so wichtig? Weil uns heutzutage sowohl der Raum als auch die Zeit abhandenkommen. Wir werden immer mehr Menschen, die einander zunehmend wahrnehmen. Ja, wahrnehmen müssen, weil sie nicht mehr auszublenden sind. Auf den Straßen, im Internet, in den Schulen und Universitäten, am Arbeitsmarkt, am Markt der Waren und Dienstleistungen generell. Die Fülle ist überwältigend. Wer „mitmenschlich“ agieren will muss scheinbar zum selbstlosen Heiligen mutieren angesichts dieser schieren Überzahl. „Wer kommt und kettet sich die Welt ans Bein – möge die Macht, mit ihm sein…“ singen SEEED. Aber schönerweise heißt der Songtitel „Deine Zeit“: „Diese Zeit, ist Deine Zeit, und Du meinst, Du seist noch nicht so weit – doch jeder Tag, ruft Deinen Namen, Du weißt, Du hast keine Wahl!“ Und damit sind wir schon bei der „Moral von der Geschichte“: Wer, wenn nicht wir? Mehr Motivation gibt es nicht.