SUPER SIMPLE SOLUTION No 19 – Massen weise Entscheidungen

Ohnmacht oder die Angst vor der Courage?

Wie oft wird einem Politiker vorgeworfen „umzufallen“. Man nehme etwa einen Bundeskanzler, zunächst hochgelobt und von Erwartungshaltung nahezu erdrückt. Früher oder später ereilt ihn die Realität: Europa im Angesicht der Globalisierung, Österreich im Angesicht der Populisten, Parteien im Angesicht ihrer heterogenen Klientel und Boulevard, der einen Keil in der Gesellschaft sucht und verstärkt, um seine Auflagen zu erhöhen

Die Macht der Masse

Sollten wir sämtliche politische Entscheidungen durch „das Volk“ treffen oder zumindest legitimieren lassen? Wie sieht die ideale Form der bürgerlichen Mitbestimmung aus? Wie können Wünsche und Bedürfnisse, Meinungen und Rechte aller berücksichtigt werden?

Was heißt es, wenn eine „gespaltene“ Gesellschaft Entscheidungen trifft, die für 50% der Menschen im Land mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar abzulehnen ist?

Hat die Mehrheit immer Recht?

Wir kennen das Vorgehen aus der Wirtschaft und auch aus der Medienwelt: Meinungsumfragen, Marktforschungen und andere Methoden, um die Stimmung und die Urteile der Menschen zu erheben, dienen den Entscheidern gerne als Basis zur Befriedung der eigenen Leute und vor allem auch als Legitimation für Änderungen (oder eben keine Änderungen). Aber: Wir kennen die Tücken von Umfragen mittlerweile nur zu gut. Um nur eine zu nennen: Trotz aller Hochrechnungen und Wahrscheinlichkeiten, bilden sie natürlich nur ab, was gefragt wurde. Und die Schlussfolgerungen liegen ebenso oft ganz im Auge des Betrachters (Auftraggebers). Wer sich unsicher ist, macht eine Umfrage, um so seine Entscheidung rechtfertigen oder die eigene Argumentationsweise abstimmen zu können. Feige sagen die einen, notwendig sagen die anderen. Ohne Rückendeckung ist es einsam im Dickicht der ungewissen Zukunft mit ihren unvorhersehbaren Schlaglöchern. Aber heißt dass, dass die Befragungen und damit „die Mehrheit“ selbst die „richtigen Entscheidungen“ trifft? Worauf basieren die Entscheidungen „der Menschen“? Richtig. Wie (nicht nur) die Neurowissenschaften postulieren, werden Entscheidungen im limbischen System, also im emotionalen Teil unseres Gehirn, wenn man so will, getroffen – und erst im Nachhinein „rationalisiert“, also vom Verstand versucht, zu erklären.

Damit zum anderen Weg, zu versuchen, das zu tun, was „die Menschen“ wollen: auf die Stimmung „im Land“, sprich in den Medien, vor allem auch den sozialen Medien eingehen. Aber ist wirklich wichtig, was sich lautstark und wiederkehrend im Sumpf der eigenen und fremden Resonanzkreise äußert?

Schwarmintelligenz

Zu Beginn der 2000er Jahre galt dieser Begriff als bahnbrechend: Man nahm an, dass wir gemeinsam, also als Kollektiv, wie „selbstorganisiert“ durch Kooperation und Kommunikation zu wesentlich schnelleren und besseren Entscheidungen finden würden. Mittlerweile hat sich zu dieser Ansicht eine zweite gesellt: „Gemeinsam sind wir dümmer“ betitelt etwa Der Spiegel  einen Artikel im Wissenschaftsteil. Er bezweifelt, dass aus „vielen guten Entscheidungen Einzelner“ die „Weisheit der Masse“ würde. Interessanterweise haben Studien herausgefunden, dass Schwarmintelligenz schnell in „Schwarmdummheit“ umschlagen kann – und zwar, sobald Menschen erfahren, dass andere über ein Problem anders denken als sie selbst. Wir wollen es nicht wahrhaben, aber dann verändern wir selbst unsere Meinung, zumindest ein bisschen. Leider kann sich dieses „bisschen“ hochschaukeln und im kollektiven Konsens zu wahrem Un-Sinn umschlagen.

Der Todessprung der Lemminge

Um die „Weisheit der Vielen“ nutzen zu können ist es wichtig, dass der Einzelne bei seiner Entscheidung nicht weiß, wie die anderen entscheiden. Diese Beeinflussung von außen, überdeckt oft die innere Einstellung. Wir müssten uns abschirmen. Gerade die sozialen Medien sind so äußerst effektive Stimmungsmacher und Manipulatoren. Wir manipulieren uns selbst und einander. Wir müssten also bewusst verstärken, was wir in der Welt sehen wollen. Dazu braucht es eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und den Mut, Kritik einstecken zu können, ebenso wie die Fähigkeit, andere Meinungen zu sehen, zu verstehen und darauf eingehen zu können, ohne die eigene Meinung außer Acht zu lassen.

Die Volksvertreter und der Opportunismus

Diese Gratwanderung machen auch unsere Politiker durch: Zwischen eigener Meinung, Positionierung der Partei und Stimmung der Bevölkerung, suchen sie einen Weg, der ihnen nach außen hin ein anerkanntes Profil gibt und zugleich sich selbst und die „eigenen Leute“ nicht verrät.

Reines Vertrauen scheint daher bei der politischen Mitbestimmung genauso wenig hilfreich zu sein, wie die pure Abwehr gegen alle Politiker. Angst ist kein guter Ratgeber für Entscheidungen, ebenso wenig wie Frustration, Wut oder blauäugiges Wunschdenken geeignete Einflüsterer für sinnvolle Entscheidungen sind. Was also tun?

Die einfache Lösung

Wenn sich Politiker immer nur nach dem „Willen des Volkes“, sprich der Mehrheit, richten würden, wären wertebasierte Entscheidungen oft im Hintertreffen. Die Vorteile einer repräsentativen und parlamentarischen Demokratie liegen insofern auf der Hand, als die politischen Vertreter verpflichtet wären, gewisse Grundstandards wie die Grundrechte aktiv zu vertreten. Minderheiten und Anliegen, die von vielen als weniger populär, weniger akut oder weniger wichtig eingestufte werden, wie etwa Maßnahmen und Strategien zur Gleichberechtigung bzw. Gleichbehandlung, gelangen dadurch nicht allzu sehr ins Hintertreffen. Eine solche Verantwortung zu tragen sollte den gewählten Volksvertretern zugestanden werden. Sie sollten im Sinne der Verfassung und der Grundwerte einer Gesellschaft agieren, ohne den Machtspielen und Manipulationen durch Populisten nachgeben zu müssen.

Zum anderen ist es wichtig, dass jeder Einzelne im Kontakt zu seiner inneren Entscheidungswelt, zu seinen persönlichen Werten steht. Dazu müssen wir lernen, dem Gruppendruck zu wiederstehen. Der Beeinflussbarkeit durch andere muss ein profunder Standpunkt gegenüber stehen können. Hier hilft zum einen Bildung. Etwa bieten sich Kommunikationstrainings und Diskussionstrainings in Schulen an. Sie können zeigen, wie Menschen unterschiedlicher Meinung sein können, ohne sich deshalb angegriffen zu fühlen, rechtfertigen oder verteidigen zu müssen oder die Meinung des anderen annehmen zu müssen.

Nein, wir sind kein Schwarm. Wir sind Individuen, die selbst bestimmen können, was wir für gut und richtig halten und wie wir miteinander leben wollen. Trotz und in aller Verschiedenheit.

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CHALLENCHOICE

Secret Success Story No 13 – über das Gute an der Qual der Wahl

Freiheit – Privileg und Geißel unserer Zeit

Viel wurde schon darüber geschrieben, wie mühselig doch unsere heutige Zeit geworden ist: Unsere „Freiheit“ besteht darin, ständig Entscheidungen treffen zu müssen, ohne aber die Konsequenzen absehen zu können. Auch die Entscheidungsgrundlagen gleichen eher trüben Sümpfen als dass sie einer klaren Architektur zu folgen scheinen. Die allgegenwärtige Informationsflut überschwemmt uns mit einer unüberschaubaren Vielzahl an… Ja was eigentlich? Das weiß keiner so genau. Hauptsache viel Info, gleichzeitig und räumlich parallel.

Das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben, geschweige denn über die äußeren Umstände musste schon vor einiger Zeit einem Arrangement mit dem „es ist wie es ist“ weichen. Manche interpretieren ihre Rolle in der derzeitigen, gelinde gesagt „veränderungsfreudigen“ Situation eher als Auftritt in dem Stück „friss Vogel oder stirb“. Andere entwickeln im steten und durchaus (mit)reißenden Fluss der Veränderungen eine innere Stabilität. Der Blog nächste Woche („Flexicore“) handelt von ihnen.

Heute geht es um die prinzipielle Einstellung zur Vielfalt – und um unseren Hang zur Einfalt, was unsere Handlungsmöglichkeiten betrifft.

Widerstand ist zwecklos

Gefühle und gedankliche Schlussfolgerungen limitieren unseren Handlungsraum. Gefühle und Gedanken sind nicht viel anderes, als die Interpretation von Sinnesreizen und Körperzuständen im Gehirn. Mit Körperzuständen sind etwa muskuläre Spannungen, der Sauerstoffgehalt im Blut (verursacht durch beispielsweise flache oder tiefe Atmung) oder der im Körper befindliche aktuelle Hormoncocktail gemeint. Diesen „Informationen“ – im Sinne der derzeitigen „Form“, in der wir uns jeweils befinden – wird von uns eine „Bedeutung“ zugeschrieben. Dies geschieht auf der Basis unserer Erfahrung: unsere Erlebnisse, Prägungen und damit Gewohnheiten geben vor, wie wir etwas fühlen, sehen oder verstehen. Das ist er Grund, warum uns immer wieder „dasselbe“ passiert, obwohl wir ja eigentlich „niemals in denselben Fluss steigen“. Die persönliche Interpretation ist aber auch ein Weg im stets Neuen den Eindruck der Kontrolle und Selbstbestimmung aufrechterhalten zu können. Jede Interpretation ist ein willkürlicher, wenn auch zumeist unbewusst ablaufender, Akt der Verortung auf einer fließenden Skala zwischen beispielsweise gut oder schlecht, hell oder dunkel, angenehm oder unangenehm. Insofern ist jede Interpretation zugleich auch ein Akt der Bewertung. Und an dieser Stelle wird es wirklich interessant.

Challenge without choice

Würden wir nämlich akzeptieren, dass jeder Moment absolut einzigartig ist, bräuchten wir ihn nicht mehr zu interpretieren im Sinne von bewerten. Nein: Wir könnten ihn sogar gar nicht mehr bewerten. Wir wären uns voll und ganz bewusst, dass jede Interpretation unserer eigenen Sicht der Dinge entspringt, und damit nur uns selbst und unsere eigene Wirklichkeit widerspiegelt – und nicht „die“ Wirklichkeit (oder „die Wirklichkeit der anderen“).

Aber warum ist diese Unterscheidung überhaupt wichtig? Warum ist es wichtig anzuerkennen, dass wir niemals mit unseren Sichtweisen „absolut recht“ haben sondern nur „relativ recht“, quasi „subjektiv recht“?  Reicht es denn nicht für ein authentisches, erfolgreiches Leben, unseren eigenen Weg gemäß unserer eigenen Vorstellung zu gehen? Ja und Nein. Es kommt eben auf unsere bewusste Einstellung der Subjektivität jeder Entscheidung gegenüber an.

Das eigentliche Problem besteht darin, dass jede Entscheidung eben eine Bewertung, eine Interpretation der Gegebenheiten ist. „Die Gegebenheiten“ erleben wir dadurch, dass sie in uns repräsentiert in Form unserer eigenen Zustände sind. Die Interpretation dieser eigenen Zustände basiert dann eben – wie oben schon beschrieben – entlang unserer Musterprägungen, Erfahrungen, Gewohnheiten. Eine Wahl zu treffen bedeutet, die uns zu einem Zeitpunkt gerade sichtbaren Möglichkeiten zu bewerten, abzuwägen – sprich: auf das uns Sichtbare, Zugängliche zu limitieren.

Die „Qual“ der Wahl stellt sich eigentlich genau hier und jetzt ein: Wenn wir nicht mehr bewerten können oder die Konsequenzen nicht mehr abschätzen können, weil uns eine eindeutige Grundlage für diese Einschätzungen fehlt. Genau hierin liegt aber zugleich die Chance, mehr als „das Übliche“ erkennen und letztendlich tun zu können…

Die Kraft der Entscheidungslosigkeit

Das größte Abenteuerland, die größten Herausforderungen, liegen dort verborgen, wo wir noch nicht waren. Im unbegrenzten Hier und Jetzt. Und um dorthin, dahin, hierher zu gelangen braucht es nicht viel. Ganz im Gegenteil: nur die Aufgabe von Vor-Stellungen.  Das Aufhören vom Bewerten und Interpretieren. Durch die  Hingabe an die Entscheidungslosigkeit eröffnet sich uns das weite Land der Komplexität. Eine Realität zwischen Chaos und Ordnung mit unendlich vielen Möglichkeiten. Orientierung, Sinn, Richtung, Ziel – alle diese Anker des Alltags geben hier wie eine Landschaft verschiedene Täler und Bergspitzen, Flüsse und Wege ab. Und wir sehen verschiedene Menschen auf ihren eigenen Wegen. Wir sehen unsere und ihre Landschaften neben einander. Und manchmal sehen wir uns zu, wie wir gemeinsame Welten gestalten.

Zuvor haben wir zumeist unsere selbst geschaffene Landschaft wahrgenommen. Wenn wir unsere Vor-Stellungen, unsere Bewertungen und Ein-Schätzungen von gut/böse, richtig/falsch, schwarz/weiss etc. als relativ erkennen und ein Stück weit loslassen, füllt sich der Raum mit ungeahnten, ungesehenen Möglichkeiten.

Die Macht der Wahl liegt darin, sie auch nicht treffen zu können

Jede Entscheidung reduziert unendliche Komplexität auf eine simple Funktion. Sei es der Gewinn von Sicherheit, das Stillen von Bedürfnissen, das nackte Überleben. Als Menschen, die im Alltag funktionieren wollen, müssen wir uns ständig entscheiden. Als Vor-Bilder im Unternehmen oder in der Familie müssen wir uns entscheidungsstark geben, um anderen das Gefühl von Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit zu vermitteln. Wir können nicht von allen erwarten, Komplexität aushalten zu wollen. Es ist jedermanns/-fraus gutes Recht, sich auf die eigenen Sichtweisen zu reduzieren. Ich sage nur: Wenn wir alle unsere Sichtweisen relativieren könnten und uns in diesem Bewusstsein begegnen würden, dann wäre die Welt eine große gemeinsame und vor allem friedlichere Spielwiese.

Ganz in diesem Sinne fordere ich unsere gewohnten Erfolgsbilder heraus: Muss wirklich immer der Stärkere gewinnen? Können wir nicht die mit der Fähigkeit zum intellektuellen Tiefsinn (statt denen mit den Bestsellerlisten), die mit der Fähigkeit zum handlungsorientierten Weitblick (statt denen mit dem meisten Geld/Macht/Ansehen), die mit der Fähigkeit zur emotionalen Nahversorgung (statt denen, die uns das Ganze auf der Leinwand vorspielen) oder die mit der Fähigkeit zum körperlichen Höhenflug (statt denen, die Spitzenleistung bringen) an ihrer Stelle küren? Hier mein Vorschlag: Machen wir einander zu Gewinnern, einfach für die Eigenart, die wir einander schenken – gönnen wir uns Erfolg auf unsere Weise, schätzen wir uns nicht ein oder ab, sondern hoch!

Challenge the Choice! Choose the Challenge! Das bewusste Leben im Fluss unendlicher Komplexität verlangt nach einer unerschöpflichen Quelle innerer Stabilität, die uns wie die Nabe am Rad in der Mitte des Seins zentriert, während das Leben sich in alle Richtungen entwickelt. Mehr dazu in

Flexicore – Success Story No 14: Samstag, 06.06.2015, 10.00

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