Special Screen Script 18: GESUNDE GEFÜHLE

Was gesunde Gefühle ausmacht 

Unser Gefühlshaushalt sorgt auf vielfältige Art und Weise für unser Überleben. Er erzeugt Motivation und Schubkraft, auf dass wir tun können, was nötig ist oder Spaß macht. Gefühle weisen uns einen Weg im Angesicht von Gefahren aller Art. Sie vermitteln, dass es Zeit zum Handeln ist. Von „gesunden“ Gefühlen können wir dann sprechen, wenn sie uns unterstützen und uns helfen, den Alltag besser zu bewältigen. Solche Gefühle schädigen uns selbst nicht und belasten auch unsere Beziehungen nicht auf Dauer. Selbst unangenehme Gefühle sind gesund, ja sinnvoll, weil sie uns anzeigen, dass wir auf bestimmte Bereiche besonders achten sollten. Etwa ekeln wir uns, wenn etwas möglicherweise für unsere Gesundheit abträglich ist (wie vergammeltes Essen). Wir werden wütend, wenn wir uns angegriffen fühlen oder etwas für unfair oder bedrohlich halten. Gefühle haben einen Grund und auch wenn dieser in uns selbst liegt bleibt er uns nur allzu oft verborgen. So drängen sie mitunter ungebremst an die Oberfläche…

Wenn Gefühle „giftig“ werden

Unangenehme Gefühle werden dann so richtig „giftig“, wenn sie uns nicht mehr bei einer positiven Entwicklung unterstützen – dies ist eine, die uns und das Verhältnis zur Umwelt und zu anderen fördert – sondern wenn sie im Gegenteil eine negative Entwicklung bestärken. Beispielsweise wenn wir uns selbst heruntermachen, wenn etwa die Scham oder Angst uns fest im Griff hat und wir uns nicht mehr trauen, aus dem Haus zu gehen. Oder wenn wir ständig in Sorge leben, anderen misstrauen, uns selbst nichts zutrauen. Wenn Wutausbrüche jede Beziehung verleiden. Auch die Autoaggression, also die Wut, die gegen sich selbst gerichtet wird, ist ungesund. Sie macht Menschen seelisch oder körperlich krank, manche werden süchtig, etwa nach Schmerz, nach Ablenkung, nach Essen, Sex oder Alkohol etc.

Unangenehme Gefühle werden besonders intensiv und kippen dann ins Ungesunde, wenn wir ihre Ursachen nicht rechtzeitig erkennen, wenn wir uns nicht rechtzeitig abgrenzen, wenn Konflikte verdrängt werden und im Unbewussten schwelen. Sie drängen dann an bestimmten Stellen unseres Lebens, in bestimmten Situationen und ganz bestimmten Menschen gegenüber vehement an die Oberfläche.

Alarmzeichen erkennen

Um mit toxischen Gefühlen gut umgehen zu können ist es sinnvoll, ihre Vorboten rechtzeitig zu erkennen. Denn selbst wenn die Selbstreflexion im Affekt schwer fällt, so sind es doch bestimmte Verhaltensweisen, an denen wir schon frühzeitig ablesen können, dass sich etwas in die falsche Richtung, also gegen einen selbst oder gegen eine Beziehung bzw. gegen unsere Umwelt, entwickelt.

Die drei Grundformen an denen wir erkennen können, dass wir mit einer Situation oder Beziehung nicht mehr ganz rund sind, können wir an sich einfach erkennen: Festhalten, Wegschieben und Ignorieren.

  1. Festhalten geschieht etwa indem wir versuchen, an Altem festzuhalten wie an den schönen Erinnerungen, an der „guten alten Zeit“ und etwa daran, dass man versucht gewohnte Rituale immer wieder aufzuwärmen, sie aber nicht mehr dieselbe Wirkung haben. Das Entspannungsbier am Abend entspannt nicht mehr, das Plaudern beim Frühstückskaffee stellt keine Beziehung mehr her.
  2. Wegschieben geschieht, indem wir uns selbst oder den anderen abwerten, an allem Möglichen herumnörgeln, uns oder ihn kritisieren und verändern wollen oder das Gute der eigenen oder gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart anzweifeln.
  3. Ignoranz erkennt man daran, dass wir anfangen uns selbst zu übergehen. Wenn wir nicht mehr auf unser Äußeres oder Inneres achten. Oder wenn wir uns vom Partner immer öfter oder immer länger fernhalten, uns einer Auseinandersetzung oder Diskussion entziehen.

Beobachten wir an uns selbst ein solches Verhalten, ist es Zeit, in sich zu gehen und sich zu fragen: Wie fühle ich mich eigentlich? Wovor habe ich Angst? Was macht mich wütend? Worüber bin ich traurig? Was bereitet mir Sorgen? Erst dann können wir nämlich anfangen, darüber zu reden – zunächst im inneren Dialog, dann auf klärende Art und Weise mit der Außenwelt…

Die Gefahr von giftigem Verhalten in Beziehungskrisen 

Kein Mensch will enttäuscht, verlassen oder verletzt werden. Wir wollen auch andere meist weder enttäuschen, noch verletzen. Aber allein schon der Wunsch nach einer Veränderung beinhaltet die Möglichkeit von Enttäuschung und Verletzung ganz automatisch und macht Angst. Und oft ist das Problem genau dieses: Einer von beiden ist mit einem inneren Konflikt oder mit einer äußeren Herausforderung so beschäftigt, dass sich seine Prioritäten verändern – und der andere bleibt in der Vergangenheit stehen, sieht nicht mehr das Hier und Jetzt, sondern eher seine Vorstellung von einem gelingenden Miteinander wie es bisher war. Wenn Partner aber nur ihre eigene Vorstellung bestätigt haben möchten – sei es nun die der Veränderung oder die des Stehenbleibens, das ist egal -, so kann eine offene Kommunikation kaum geschehen. Weil eben Festhalten, Wegschieben und Ignoranz aus Angst vor Verletzung (also sowohl verletzt zu werden, als auch den anderen zu verletzen) gegen einen echten Austausch arbeiten. Es kommt dann nicht nur zu schwierigen Gefühlen, die sich aufschaukeln, sondern auch zu psychisch oder physisch verletzendem, ausfallenden Verhalten sich selbst oder dem Anderen gegenüber (je nach Veranlagung). Es ist das Kommunizieren über die schwelende Verlustangst, über das bedrohte Selbstwertgefühl, über die Gefahren von Einsamkeit und Enttäuschung, über all diese Gefühle, die mit einer veränderten Situation automatisch mitschwingen, das uns so schwer fällt.

Gesunde Kommunikation trotz giftiger Gefühle

Der Schlüssel zur guten Kommunikation(sbasis) besteht darin, trotz intensiver, unangenehmer Gefühle nicht im Affekt zu handeln. Sobald wir merken, dass wir maßlos wütend oder voller Angst sind, sollten wir uns innerlich oder tatsächlich zurückziehen, um herauszufinden, wo wir stehen, welche Bedürfnisse und Erwartungen wir an uns selbst und an den anderen haben und welche Entwicklung unserer Ansicht nach ansteht. Zum anderen sollte uns in diesen Momenten – die auch länger dauern können, je nach Mensch und Situation vielleicht Minuten, Stunden, Tage, manchmal noch länger – klar werden, was genau wir am anderen schätzen und was wir darüber hinaus an uns selbst und an der Beziehung verändern wollen.

Klarheit, Zeit und Wertschätzung sind daher die Kernkomponenten einer fruchtbaren Krisenkommunikation: Für das Krisengespräch vereinbaren wir uns am besten einen abgegrenzten Zeitraum uns sorgen für eine ungestörte und angenehme Atmosphäre. Hier teilen wir einander mit, wie man das (Beziehungs)Leben derzeit sieht, was man empfindet, was man möchte und auch nicht möchte. Was man am anderen schätzt und was einem in der Beziehung fehlt. Dann ist Zuhören gefragt. Je besser wir uns selbst und den anderen verstehen, desto mehr lernen wir selbst aus scheinbar ausweglosen Situationen.

Wie wir Reibungswärme nutzen können

Wir können die vier negativen Grundgefühle von Wut, Angst, Trauer und Ekel meistern, indem wir sie bewusst nutzen lernen. Wenn sie uns nicht mehr vorgeben, wie wir zu denken und zu handeln haben, werden gerade die unangenehmen Gefühle zu wertvollen Signalgebern. Sie deuten unmissverständlich auf Themen und Situationen, deren Hintergründe und Auswirkungen eine intensive Auseinandersetzung verlangen …

Interviewscript zu „Gesunde Gefühle: Wie wir Reibungswärme nutzen können“ in „Heute Mittag“ am 20.03.2018, ORF 2

 

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SPECIAL SCREEN SCRIPT 15: GENERATIONENKAMPF ADE

Wenn alte und junge Sichtweisen aufeinanderprallen

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Abendessen, zusammen mit Ihren Eltern oder Kindern, oder beiden Generationen. Malen Sie sich aus, wie es da zugeht: Ist es laut und reden alle durcheinander oder ist es eher leise, vielleicht angespannt? Und was passiert, wenn es bei einem von Ihnen gerade im Job so richtig kriselt, wenn massive Beziehungsprobleme vorhanden sind oder wenn gewichtige gemeinsame Entscheidungen anstehen, wenn etwa das Familienunternehmen an die nächste Generation übergeben werden soll? Bei solchen spannungsgeladenen Themen kommt es dann oft zum Streit. Und hier stellt sich die Frage:Wie können wir wieder zueinander finden, wenn die Ansichten über ein gelingendes Leben – sei es nun im Beruf, in Beziehungen oder im Familienverband – so unglaublich weit auseinanderklaffen?

Streitgründe verstehen lernen

In den meisten inner-familiären Konflikten geht es darum, unser eigenes Bild von uns selbst und davon, wie unsere Welt sein sollte, gegenüber einer anderen Ansicht über uns und die Welt durchzusetzen. Um das in der Familie erreichen zu können ist es wichtig zu verstehen, dass jede Generation jeweils ihre eigene Sichtweise vertritt – und damit ganz bestimmten Ansichten anhängt, die in jeweils einem anderen Zeitalter entstanden sind. Sie sind mit anderen gesellschaftlichen Regeln verknüpft und auch die wirtschaftlichen Umstände waren bzw. sind unterschiedlich. Jede Generation entwickelt ihren Umständen entsprechend und zumeist in ihrer ersten Lebenshälfte eine ganz eigene Vorstellung davon, was genau beruflicher Erfolg ist, wie gelingende Beziehungen auszusehen haben und wie eine glückliche Familie aussehen soll. Es sind genau diese Unterschiede in den Vorstellungen, die so viel Reibung im Familienalltag erzeugen. Mit diesen Unterschieden gilt es konstruktiv umzugehen, um unseren lieben Frieden wiederzufinden!

3 Knackpunkte fürs miteinander Leben

Betrachten wir die 3 wesentliche Knackpunkte für das gelingende Miteinander etwas genauer, nämlich die Vorstellungen zu Erfolg in Beruf, gelingender Beziehung und Familienglück etwas näher. Versuchen Sie im Selbstversuch daheim zunächst einfach nur die Unterschiede zwischen den Generationen glasklar zu sehen – ohne dass es ums Recht haben geht.

Sie können sich und Ihrem streitbaren Gegenüber dazu die folgenden Fragen stellen:

  1. Beruflicher Erfolg: Was zeichnet für Dich und für mich beruflichen Erfolg aus? Geld, Macht, Karriere? Ein selbstbestimmtes Leben? Nachhaltiges Wirtschaften? Einfach nur Überleben? Oder das Familienerbe so zu erhalten, wie es ist?
  2. Gelingende Beziehung: Was ist für Dich und für mich eine gelingende Beziehung? Dass man ein Leben lang beisammen bleibt? Dass es Kinder gibt? Dass es eine klare Rollenverteilung gibt? Ein respektvoller Umgang miteinander? Unterstützung in allen Lebenslagen? Oder eher Spaß und Genuss?
  3. Familienglück: Was verstehst Du und was verstehe ich genau unter Familienglück? Müssen Kinder da sein? Wie viel Zeitaufwand füreinander ist notwendig? Lassen sich Beruf und Familienleben vereinbaren? Vom wem wird erwartet, seine Bedürfnisse und Vorstellungen zurückzustecken und wie genau soll das „für den anderen da sein“ aussehen? Wie soll mit Konflikten umgegangen werden? Woran ist erkennbar, dass sich die Familienmitglieder aufeinander verlassen können?

Stellen Sie alle Unterschiede zwischen den Sichtweisen nur neben einander. Stellen Sie dabei sicher, dass beide Perspektiven auf ein gelingendes Leben für beide Seiten gut nachvollziehbar sind, indem sie schlüssig erklärt werden. Jetzt fragen Sie, welche Schlussfolgerungen aus beiden Sichtweisen heraus besonders viel Sinn machen. Also warum wer welche Entscheidungen treffen möchte und sich wie verhält – und was von anderen erwartet wird. Auch hier werden sich voraussichtlich große Unterschiede abzeichnen! Aber erst jetzt können Sie in offener Atmosphäre erklären, warum zum Beispiel Ihr beruflicher Weg und die entsprechenden Entscheidungen sinnvoll für Ihre Vorstellung von einem erfolgreichen Leben sind. Erst in diesem bedeutsamen Moment, in dem die beiden Sichtweisen gleichwertig nebeneinander auf dem Tisch liegen, können Gemeinsamkeiten und Unterschiede klar gesehen und beidseitig in ihrer Existenz anerkannt werden. Dadurch wird es möglich, Brücken zwischen den Generationen zu bauen. Auf den Gemeinsamkeiten aufbauend, können die Unterschiede einen Raum zur eigenen Verwirklichung bekommen. Vielleicht, indem Sie manche Entscheidungen zeitlich etwas anders anlegen oder indem Sie gemeinsam neue Prioritäten setzen. Jedenfalls, indem Sie ganz allgemein versuchen, eine Situation herzustellen, in der beide Seiten etwas von ihren Vorstellungen im Sinne eines gelingenden (Berufs-, Familien- oder Beziehungs-)Leben umsetzen können…

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 18.06.2018 eine Woche lang nachsehenhttps://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13980256/Beziehungsweise-in-Oesterreich/14318823

Special Screen Script 14: LEBENSLANGES LIEBEN

Lust auf lebenslanges Lieben?

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein stolzes Alter erreicht, die Haare grau, der Rücken vielleicht schon etwas steif. Sie sitzen auf der Terrasse im Schaukelstuhl und wippen sanft vor sich hin. Doch Sie sind nicht allein: neben Ihnen quietscht ein zweiter Schaukelstuhl. Sie greifen rüber und halten Händchen – mit der Liebe Ihres Lebens…

Hand aufs Herz: Wer wünscht sich so etwas Ähnliches nicht? Mit der Liebe seines Lebens glücklich bis ans Lebensende zusammen sein. Miteinander durch Dick und Dünn gehen. Sich vertrauensvoll fallen lassen und immer wieder aufs Neue angenehm überrascht werden. Und wir stellen uns vielleicht die Frage: „Gibt es ganz bestimmte Zutaten für eine lebenslange Partnerschaft?

Das Geheimrezept

Und tatsächlich gibt es einen Kernfaktor, der Beziehungen nachhaltig erfüllend macht: Je höher die Qualität einer Beziehung ist, desto tiefer und länger währt das Beziehungsglück.

6 Bestandteile bestimmen die Beziehungsqualität

An allen 6 Bestandteilen können wir arbeiten, indem wir sie wie Stellschrauben auf die eigenen und partnerschaftlichen Bedürfnisse abstimmen:

  1. Liebe spüren: die Liebesfähigkeit steigern, indem man sich selbst lieben lernt
  2. Liebe leben: seine Gefühle nicht zurückhalten, sondern teilen – sie mitteilen und spürbar machen
  3. Raum lassen: die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen nicht immer durchsetzen oder immer hintenanstellen. Sich selbst, dem Partner und der Partnerschaft genügend Luft lassen, damit sich das Gemeinsame entwickeln kann
  4. Lebensweg gestalten: Sein berufliches und familiäres Leben so gestalten, dass die Liebe nicht ausgeschlossen wird. Zeit fürs Miteinander schaffen: fürs aufmerksame Miteinander und die genaue Wahrnehmung seiner selbst und des anderen. Zeit für intensiven Austausch auf gedanklicher, emotionaler und körperlicher Ebene
  5. Konflikte annehmen: Aus Reibungen für sich selbst und für die Partnerschaft lernen
  6. Übergangsphasen nutzen: Lebenskrisen gemeinsam bewältigen, ohne die Eigenverantwortung dabei der Beziehung oder dem Partner aufzubürden

Als Gradmesser für die Qualität der Beziehung, die Sie gerade erleben, können Sie sich fragen: Fühle ich mich absolut sicher, während ich mein Innerstes mit dem anderen teile? Kann ich mich völlig entspannen, wenn ich bin, wie ich bin? Und nicht zu Letzt: Schätze ich den anderen, so wie er ist?

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 11.06.2018 eine Woche lang nachsehenhttps://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13979518/Lebenslange-Partnerschaft-Tipps-von-der-Expertin/14314676

Special Screen Script 13: DER SPRUNG ZUR SEITE – UND ZURÜCK

Gibt es ein (Liebes-)Leben nach dem Seitensprung?

Selbst wenn Sie bislang verschon geblieben sind, höchst wahrscheinlich gibt es jemanden in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, der schon mal betrogen wurde. Erinnern Sie sich: Dem ersten Schock folgt meist eine schwere Krise. Wenn die Beziehung dann noch nicht zu Ende ist, steht oft der schwere Vertrauensbruch zwischen den beiden Partnern. Und damit sind wir bei der folgenden Frage: Gibt es ein gemeinsames, vertrauensvolles Leben nach dem Betrug?

Diese Frage finde ich besonders wichtig, da Vertrauen die Essenz jeder guten Beziehung ist – und weil schlicht und ergreifend niemand perfekt ist. In fast jeder Beziehung dürfte sich die Vertrauensfrage mindestens einmal stellen.

Wenn es soweit ist, können Sie die folgenden 4 Punkte beherzigen, um wieder zu Ihrem Seelenfrieden zurück zu finden bzw. um die entstandene Krise bestmöglich für eine Vertiefung der Beziehung zu nutzen.

Die 4 wesentlichen Faktoren zur Vertrauensbildung nach einem Seitensprung:

  1. Erschütterung der Basis: Wenn Vertrauen gebrochen wird, passiert in den meisten Menschen etwas ganz Heikles – die unausgesprochene Basis zwischen den Partnern, die Hoffnung auf gute, vielleicht lebenslange tiefe Verbundenheit, wird heftig erschüttert. Erkennen Sie die schwere Erschütterung in Ihnen und in der Beziehung an.
  2. Bekenntnis zur Beziehung: Ein solcher Einschnitt kann nur verarbeitet werden, wenn beide Seiten die Beziehung nach wie vor wirklich wollen. Wenn die Partner bereit sind, die schönen Seiten und die wertvolle gemeinsame Zeit als das zu sehen, was sie zumeist ist: wesentlich wichtiger als ein Seitensprung.
  3. Misstrauen begegnen: Es gibt keine Sicherheit, dass es nicht nochmals passiert. Mit diesem Wissen muss man umgehen lernen. Das Selbstwertgefühl der/des Hintergangenen ist angegriffen worden, die Verlassens-Ängste wurden geschürt. Mit diesen Folgen, die oft noch lange zu spüren sind, gilt es umzugehen. Und zwar auf beiden Seiten.
  4. Verstehen und Vergeben: Hoffnung und Vertrauen entstehen erst durch eine gründliche Auseinandersetzung mit den Hintergründen, die zum Seitensprung geführt haben. Ohne eine gewisse Unzufriedenheit oder einem Wunsch nach dem Stillen von Bedürfnissen, die in der Stamm-Beziehung offen bleiben, kommt es ja erst gar nicht so weit. Eine Ausnahme: wenn der zur Seite Springende es mit der Treue prinzipiell, also unabhängig von seinem jeweiligen Beziehungspartner, nicht so ernst nimmt – in diesem Fall muss man sich klar werden, ob man dieselben Vorstellungen vom Beziehungsleben hat und ob man mit den Unterschieden im Treueverständnis leben kann. Im Verstehen liegt jedenfalls eine Quelle, um negative Gefühle loslassen zu können. Alles hat einen Grund. Bedürfnisse, Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen, Wünsche – schlicht eine persönliche Geschichte. Wenn wir sie verstehen lernen, und zwar beide Partner, dann können wir das Ereignis loslassen und uns auf der nächsten Ebene des Vertrautseins neu begegnen.

Vertrauen ist die Erwartung, nicht durch das Handeln anderer benachteiligt zu werden“, lautet eine Erklärung für die Grundlage von Vertrauen. Gelingt es also, einen Seitensprung nicht als gegen uns selbst gerichtet zu empfinden, sind wir damit prinzipiell im Stande, zu vergeben.

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 04.06.2018 eine Woche lang nachsehenhttp://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13978812/Kommunikationsexpertin-Nana-Walzer-zu-Seitenspruengen/14310863

Special Screen Script 12: ZEIT ZUM LOSLASSEN

Nicht klammern – loslassen

Bekommen Sie nur spät oder gar keine Antworten mehr auf Ihre Nachrichten? Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Partner und Sie auseinanderdriften? Dann stellen Sie sich wahrscheinlich auch die Frage, ob Ihre Beziehung vielleicht schon zu Ende ist. Sie zu beantworten fällt sicherlich nicht leicht. Vor allem, wenn nicht klar ist, ob einfach nur Zeit für mehr Freiraum angesagt ist, oder ob Sie tatsächlich die Beziehung beenden sollten. Diese Entscheidung ist besonders schwer zu fällen, solange Sie nicht wissen, was in Ihrem Partner vorgeht und warum er/sie sich von Ihnen etwas distanziert. Ein direktes Ansprechen dieses heiklen Themas kann auf der anderen Seite aber recht schnell zu einem „Aus“ der Beziehung führen, denn Ihr Partner sucht ja – aus ihrer/seiner Sicht – nicht grundlos etwas Abstand zu Ihnen.

Unter den folgenden Umständen, sollten Sie aber auf jeden Fall den Rückwärtsgang einlegen und sich klar abgrenzen!

3 Anzeichen, dass es Zeit für einen Rückzug aus der Beziehung ist:

  1. Abwehr: Wenn Sie sich gegenseitig nur noch auf die Nerven gehen. Wenn Streiten die Form von reinen Schuldzuweisungen annimmt, ohne echte innere Auseinandersetzung und ohne dem Willen, einander wirklich zu verstehen
  2. Abwertung: Wenn andere gelobt werden oder mit den Blicken verschlungen werden, Ihnen aber keinerlei Wertschätzung mehr entgegengebracht wird. Wenn einer vom anderen permanent runtergeputzt wird, gar beschimpft wird. Wenn schamlos gelogen und rücksichtslos betrogen wird
  3. Aufmerksamkeit: Wenn Funkstille herrscht, keine fruchtbare Kommunikation stattfindet, kein waches Zuhören, kein interessiertes Nachfragen, keine liebevollen Nachrichten, keine warmen Berührungen, kein geistiger Austausch vorhanden sind. Wenn Hilfe und Unterstützung verweigert werden, etwa im Krankheitsfall. Wenn alles und jeder andere wichtiger ist als Sie und auch die Freizeit ohne Sie geplant wird

Im Allgemeinen ist eine direkte Auseinandersetzung mit genug Zeit und Raum für ein tiefgehendes Gespräch angesagt, wenn Sie das Vertrauen in Ihren Partner und in Ihre Beziehung verloren haben, spätestens wenn die negative Seite die positiven Gefühle über einen bedeutsamen Zeitraum hinweg bei weitem überwiegt.

Stellen Sie in diesem Gespräch Ihr Gegenüber nicht einfach zur Rede und machen Sie vor allem keine Vorwürfe. Stellen Sie sich vielmehr schon im Vorneherein innerlich darauf ein, sie/ihn loszulassen. So wie in dem schönen Song von Sting/Police: „If You Love Somebody Set Them Free”. So machen Sie keinen zusätzlichen Druck auf den anderen, auf die sie/er soundso mit Abwehr reagieren würde. Sie können sich auf diese Weise in aller gebotenen Ruhe mit den Ursachen für die existierende Beziehungskrise auseinandersetzen und ausloten, welche Zukunftsperspektiven Sie beide noch haben.

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 14.05.2018 eine Woche lang nachsehenhttp://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13976780/Nana-Walzer-Rueckzug-aus-der-Beziehung/14299774

 

Special Screen Script 11: ZU ALT ODER ZU JUNG?

Die Vor- und Nachteile von Altersunterschieden in der Partnerschaft

Es gibt viele Gründe sich zu fragen, ob die Liebe ein Verfallsdatum hat. Einer davon ist ein großer Altersunterschied zwischen den Liebenden. Kann es auf Dauer funktionieren, wenn einer älter bzw. jünger als nur wenige Jahre ist, wenn der Altersunterschied etwa 15+ Jahre beträgt? Worauf ist zu achten – und gibt es vielleicht sogar ungeahnte Vorteile?

Zunächst einmal das Offensichtliche: Wenn ein älterer Mann mit einer jungen Frau zusammen ist, so empfinden das die Wenigsten als problematisch oder schauen allzu schief. An diese Konstellation hat „man“ sich seit Langem gewöhnt. Natürlich spielen bei der allgemein höheren Akzeptanz die klassischen Rollenbilder herein – überspitzt gesagt: Der Versorger auf der einen Seite, die Gebährfähige auf der anderen. Das scheint irgendwie zumindest (bio-/sozio-)logisch (selbst wenn es bei weitem nicht für alle erstrebenswert oder korrekt wirkt). Damit zum vielleicht weniger Offensichtlichen: Ganz gleich ob Mann oder Frau der/die Ältere ist, es können in jedem Fall heikle Punkte auftreten, die sich schlichtweg aus den Unterschieden in den jeweiligen Lebensphasen ergeben. Heute spielen vielfach die angestammten, traditionellen Rollenerwartungen keine so wesentliche Rolle mehr. Statt dessen sind es biographische Herausforderungen, die miteinander harmonieren oder eben Reibungen verursachen können.

6 heikle Punkte für Paare mit großem Altersunterschied:

  1. Beruf und Karriere: Einer ist beruflich schon etabliert, der andere noch am Anfang der Karriere. Was einer schon durchgemacht hat und ihn daher nicht aufregt, ist beim anderen noch ein offenes Feld, das ihn massiv beschäftigt. Und auf Dauer kann es passieren, dass der eine in Pension geht, während der andere noch mitten im Berufsleben steht, gestresst ist, andere alltägliche Herausforderungen bewältigen muss
  2. Interessen und Freunde: Es können unterschiedliche Interessen, Hobbies und Freundeskreise existieren, die nicht unbedingt zueinander passen
  3. Leistung und Lust: Auch die körperliche Leistungsfähigkeit und die Libido können mitunter zu Konflikten führen oder Selbstzweifel mit sich bringen. Und natürlich kann es schwierig werden, wenn der ältere Teil dauerhaft krank wird oder körperlich oder geistig/seelisch stark abbaut
  4. Der Blick von außen: Mitunter werden älteren Partnern massive Vorurteile entgegengebracht. Spitznamen wie „Sugar-Daddy“ oder „Sugar-Mama“ suggerieren, dass sie sich auf die eine oder andere Art den jüngeren Beziehungspartner aus Eigennutz erkaufen. Manche unterstellen, dass es dabei nur um Geld, Sex, Imagepolitur oder einen psychischen Knacks geht. Auch die Jüngeren sind vor Vorurteilen nicht gefeit: Begriffe wie „Vater- oder Mutter-Ersatz bzw. -Komplex“ können hier fallen. Die Anerkennung aus dem sozialen Umfeld ist für viele Menschen aber wesentlich, um eine erfüllende Beziehung führen können. Denn auf Dauer will verständlicherweise jedes Paar, will jeder Mensch in einer guten Verbindung zu Freunden und Familie stehen und nicht ständig kritisiert werden. Erfreulicherweise zeigen Untersuchungen, dass die Akzeptanz großer Altersunterschiede, also ab etwa 15 Jahren Unterschied, in den letzten Jahren immens gestiegen ist.

Worauf es in jeder Beziehung aber ganz prinzipiell ankommt sind ähnliche Werte, Ziele und Vorstellungen. Und worauf sich beide Seiten in jedem Fall einstellen müssen, sind unterschiedliche Weltansichten, Erfahrungswerte und Lebensperspektiven. Sofern sie wahrgenommen und akzeptiert werden, können sie Anlass zum Lachen und Lernen geben. Es kann immens bereichernd sein, aus der Ruhe, Erfahrung und Gelassenheit des „Alters“ zu schöpfen und aus der Neugier, Abenteuerlust und Sinnlichkeit der „Jugend“ Kraft zu tanken…

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 07.05.2018 eine Woche lang nachsehenhttp://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13975965/Altersunterschiede-in-einer-Partnerschaft-Vor-und-Nachteile/14296198

Special Screen Script 10: THE PERFECT MATCH

Ein echtes Traumpaar

Eine Möglichkeit um herauszufinden, ob Ihr Gegenüber wirklich zu Ihnen passt ist, sich besonders die schwierigen Situationen und kritischen Momente miteinander ganz genau auszusehen. In diesen Augenblicken wird klar, ob Sie beide auch unter Stress und widrigen Bedingungen zusammenhalten. Diese Stressresistenz ist zudem ein guter Gradmesser für die längerfristige Belastbarkeit einer Beziehung. Durchleuchten Sie dazu die folgenden

5 Meilensteine einer gelingenden Beziehung:

  1. Streitkultur: Können Schwierigkeiten offen angesprochen werden? Können Sie miteinander streiten, ohne dass tiefe Verletzungen geschehen? Können Sie Missverständnisse aufklären? Sind Sie beide willens und im Stande, nach einer Diskussion, einem kritischen Feedback oder einem Streit in sich selbst hineinzuhören und zu hinterfragen, was Ihr Anteil daran war? Sind beide fähig, etwaige Fehleinschätzungen oder ein Fehlverhalten nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor dem anderen einzugestehen und sich ernsthaft zu entschuldigen? Können Sie beide aus dem Geschehenen lernen und ziehen Sie gemeinsam Ihre Schlüsse fürs nächste Mal?
  2. Wertschätzung: Begegnen Sie einander auf Augenhöhe, also ohne dass der eine oder andere dauernd kritisiert, heruntergemacht oder sonst irgendwie abgewertet wird? Zeigen Sie einander Ihre gegenseitige Wertschätzung? Auch und vor allem während und nach einem Streit? Will keiner den anderen verändern und verlangt aber für sich selbst, so genommen zu werden, wie er ist?
  3. Machtverhalten: Zeigt eine Seite hingegen ein ausgeprägtes Dominanzverhalten, so kann sich dies nicht nur in abwertendem Verhalten äußern. Auch Gefühle können unkontrolliert ausbrechen, ohne dass dafür die Verantwortung übernommen wird. Das kann soweit gehen, dass es im Krisenfall zu verbaler, emotionaler oder sogar körperlicher Gewalt kommt. Ebenso können Ignoranz oder abwehrendes Verhalten deutliche Anzeichen für ein Bedürfnis nach Überlegenheit sein. Auf der anderen Seite der Machtfrage steht hingegen ein stark konfliktvermeidendes Verhalten – quasi die „Sucht nach Harmonie“ – bei dem die Verantwortung für die Lösung eigener und gemeinsamer Probleme und damit für die Entwicklung der Beziehung nicht übernommen wird.
  4. Selbstsicherheit: Dieser Punkt ist besonders spannend. An sich ist eine Partnerschaft, in der beide Partner stark und souverän sind, wünschenswert. Manchmal kommt es aber anders und das muss nicht schlecht sein, sondern kann sich auf den langfristigen Beziehungsverlauf vorteilhaft auswirken: Ist etwa einer der Partner sehr selbstkritisch oder unsicher, dann bleibt er mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst in schwierigen Phasen in der Beziehung. Nichtsdestotrotz sollte das Entwicklungsziel die „gleiche Ebene“ sein, denn ein solches Ungleichgewicht bringt wiederum ein ganz eigenes Konfliktpotenzial mit sich.
  5. Das Nähe-Distanz-Verhältnis: wollen Sie mehr Nähe und sterben vor Sehnsucht und „Er“ oder „Sie“ hält Sie hin? Oder klebt sie/er an Ihnen und Sie bekommen keine Luft mehr zum Atmen? Das funktioniert auf Dauer nicht und führt zu Frustration. Hier ist es angesagt, dass beide sich über ihr eigenes Nähe-Distanz-Bedürfnis klar werden und darüber austauschen. So sollte etwa die Angst vorm Verlassenwerden oder vor einem Kontrollverlust von jedem Partner klar erkannt werden. In der individuellen Auseinandersetzung damit kann sich dann auch das Verhältnis zu einander entspannen.

Zusammengefasst stehen die Zeichen für Ihre Beziehung gut, wenn Sie miteinander streiten können, einander dabei wertschätzen und auf Augenhöhe begegnen, die Verantwortung für die eigenen schwierigen Gefühle übernehmen, ein gesundes Maß an Selbstsicherheit und ein passendes Nähe-Distanz Verhältnis haben.

Den ORF-Beitrag zum Thema können Sie in der TV-Thek unter „Daheim in Österreich“ vom 30.04.2018 eine Woche lang nachsehen: http://tvthek.orf.at/profile/Daheim-in-Oesterreich/13887572/Daheim-in-Oesterreich/13975266/Beziehungstipps-von-Expertin-Nana-Walzer/14292653