SUPER SIMPLE SOLUTION No 21 – Im Fluss der Zeit

Die wirklich wesentlichen Fragen

Lassen Sie sich Zeit für die Beantwortung dieser Fragen, eine nach der anderen:

  • Nehmen Sie sich gerade Zeit?
  • Wie viel Zeit haben Sie jetzt?
  • Wie viel Zeit haben Sie noch?
  • Wie viel Zeit bleibt Ihnen?

Traum oder Wirklichkeit

Blicken Sie auf Ihre Hände, vielleicht halten sie gerade Ihr Handy. Oder sehen Sie auf die Hand an Ihrem Computer, an der Maus. Nehmen Sie die nötige und unnötige Spannung in Ihren Händen, Schultern und im Nacken, eventuell gerunzelte Stirnfalten, alles Unbequeme an Ihrer Sitzposition, wahr. Erleben Sie die Entspannung in Ihrem ganzen Körper, wenn Sie sich Ihrer momentanen Befindlichkeit bewusst werden und überall da loslassen, wo eben noch zu viel Druck herrschte. Ent-Spannen Sie sich.

Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen werden

Peter Ustinov

Wozu eilen, wenn der Moment nie länger sein wird als gerade die Aufmerksamkeit, die wir ihm schenken?

Lebenslänglich

Die Zeit, die vergangen ist, ist weg.

Die, die kommen wird, ist noch nicht da.

Das ist ja nun wirklich keine Neuigkeit.

Und dennoch: Wir verbringen so viel Zeit im Rückwärtsblicken, im Aufbauschen von Vergangenem oder im Ausmalen vom Zukünftigen, im Warten auf etwas oder jemanden, im Planen, im Hoffen, Fürchten und Sehnen. Wir tun dies nicht, weil wir beschränkt wären. Ganz im Gegenteil. Wir leben derart expansiv in die Vergangenheit und Zukunft hinein, weil wir uns diese Welten in unserem Geist und Gefühlsleben kreieren können und wollen. Wir tun dies, weil es uns eine bestimmte Befindlichkeit vermittelt: Mitten im Leben zu stehen. Dies klingt nur auf den ersten Blick paradox. Warum soll ich mich nach hinten und vorne orientieren, um mich als mitten drin zu erleben? Richtig, weil wir unser Erleben dadurch auf eine ganz bestimmte Art intensivieren. Wir wollen uns richtig, wichtig und gebraucht fühlen, und im Leben etwas erreichen. All dies scheint nur durch den Vergleich zu gelingen. Wenn etwas eben noch nicht so ist, wie es sich gehört, gibt uns das eine Richtung, ein Gefühl für „richtig“. Der Vergleich zwischen wie es war, wie es ist und wie es sein soll eröffnet uns ein enormes Spannungsfeld. Intensität nennt sich das Hochgefühl, das wir aus dieser Spannung generieren. Wir lieben diese Art der Spannung! Sobald wir dies wissen und uns dieses Wissen im Moment des Vergleichens, des Wanderns in die Vergangenheit und Zukunft, bewusst machen, fällt der Druck des „nichts ist so, wie es sein sollte“ auf einmal und ganz einfach weg. Nichts ist falsch daran, wenn alles ist. Wie es ist. Gerade auch, dass uns gefällt, wenn uns etwas nicht gefällt, braucht keine Bewertung. In der Frage „wie werde ich Gewohnheiten los“ verfestigen sie sich meist erst recht….

Try not to try not too hard  

James Taylor

Just Do It: Just Be

Zugleich erleben wir uns als eingesperrt, nicht frei. Zunächst in unserem Körper. Er will dauernd etwas. Essen, Trinken, Bewegen, Ruhe, Aufmerksamkeit. Auch unser Geist begrenzt uns oft durch unser erfahrungsbedingtes Vorstellungsvermögen. Und wir werden ständig bewegt von unseren Gefühlen, ohne dass wir uns groß dagegen wehren könnten. Oder dass wir uns der Interaktion, der gegenseitigen Abhängigkeit, der drei Felder Körper-Gefühl-Geist auch nur allzu bewusst wären. Was soll’s, sagen viele. Wir leben.

The secret in life is enjoying the passage of time

James Taylor

Das Geheimnis

Alles fließt. Nur wie wir den Fluss erleben, liegt in unserem Ermessen. Dieses Ermessen kommt auch ohne Messen aus. Was aber tun und was nicht tun, um die passage of time uneingeschränkt zu genießen?

In der reinen Wahrnehmung, ohne uns durch Vergangenheit und Zukunft einschränken zu lassen, betreten wir den Raum des Jetzt. Zugleich können wir die Türen in alle Richtungen der Zeit und Möglichkeiten offen lassen. Wir erfahren dann unsere Welt ohne Absicht, und im Wissen um die eigene Geschichte, um Wünsche und Bedürfnisse, Gewohnheiten und Grenzen. Wir tun, lassen und erleben, worauf wir uns gerade konzentrieren.

Was bedeuten Plan und Ziel, wenn wir im Fluss des Lebens sind?

Vollkommenheit ist etwas, das in einem nicht vorbedachten Augenblick gelebt wird, und dieser Augenblick hat keine Dauer

Dem ist an sich nichts hinzuzufügen.

Außer vielleicht…

…eine hilfreiche Perspektive

Glück gleicht durch Höhe aus, was ihm an Länge fehlt

Robert Lee Frost

Springen wir mit einem wissenden Lächeln in hohem Bogen vom Trampolin des Strebens nach Glück in die Intensität des Seins. Lassen wir uns dort treiben. Tauchen wir unter. Steigen wir heraus. Springen wir noch einmal. Immer. Wieder. Jetzt.

Advertisements

SUPER SIMPLE SOLUTION No 20 – Echte Magie

Magie – Die Kunst der Transformation

Heute geht es um die Gebrauchsanweisung zum Einsatz von Magie. Wobei Magie hier nicht als schillernde Zauberei, Trickkunst der Sinne oder als Mentalmanipulation verstanden wird. „Echte“ Magie besteht in der Fähigkeit zur Verwandlung seiner selbst und seiner Umgebung. Ohne Tricks und doppelten Boden. Die kürzeste Formel, um diese transformatorische Wirkkaft zu entfesseln, lautet:

 Magie = Möglichkeitsraum + Strahlkraft

Grundvoraussetzungen für das ungehinderte Ausleben der eigenen Größe und vollen Kraft sind:

  1. Selbsterkenntnis: sich selbst zu kennen, seine Stärken, Schwächen und Wirkungsfelder.
  2. Wissen um die Funktionsweisen der Welt
  3. Methoden, um sich selbst und die Funktionsweisen der Welt gezielt einzusetzen
  4. Einstellung, um das magische Feld zu aktivieren: eine nicht auf uns selbst gerichtete Motivation (warum wir magisch wirken wollen) und eine authentische Vision (wofür wir unsere Kräfte nutzen wollen)

Eine solchermaßen verstandene Magie unterscheidet sich zutiefst von anderen Herangehensweisen und Zielsetzungen herbeigeführter Veränderungsprozesse. In der Folge einige prominente Beispiele für die Magie der „anderen“ Art:

Der Stein der Weisen

So versuchte etwa die Alchemie v.a. durch chemische Prozesse materielle Umwandlungen hervorzurufen. Der berühmte Stein der Weisen kann natürlich auch anders, in einem übertragenen Sinne, verstanden werden: als Sammlung überlieferten Weisheitswissens, das die Erkenntnisse verschiedenster Disziplinen – von der Philosophie über die Mathematik und Geometrie bis hin zur Astronomie oder Musikwissenschaft – zu einem universalen Gesamtverständnis vereint. Wer die Mechanismen der systemischen Wechselwirkung versteht, ihre generellen Gemeinsamkeiten und ihr Ineinandergreifen wahrzunehmen vermag, der sieht, denkt und handelt in größeren Zusammenhängen und erlangt dadurch die Macht, den Lauf der Dinge und das gesellschaftliche Bewusstsein zu beeinflussen. Insofern sind wohl viele Universalkünstler wie beispielsweise Leonardo Da Vinci in gewisser Weise Magier ihrer Zeit. Wissenschaft und Kunst agieren im besten Fall an den Rändern des Gewohnten und verändern die Sicht auf unser Leben, Sein und Werden. Doch mit welchem Ziel transformieren diese Menschen ihre Welt? Steckt die reine Neu-Gierde, das Streben nach Unsterblichkeit oder die Lust auf die Intensität des Lebens dahinter? Der Schöpfungsakt alleine, der Sichtweisen und Umstände zu verändern vermag, macht noch keinen Magier aus.

Das Gold der Welt

Wozu überhaupt Stroh in Gold verwandeln? Wobei das „Gold“ vielfach zu verstehen ist: als Erkenntnisgewinn, als erweitertes Handlungsfeld, als Problemlöser, als Wertanlage. Gold bedeutet aber vor allem eines, nämlich Machtgewinn. Gold als Geld verstanden, also als Universaltauschmittel, ist Macht. Macht korrumpiert sagen manche. Macht kann aber zumindest Menschen manipulieren. Hier kommt die Motivation zur Manipulation von Materie ins Spiel. Letztendlich soll die ins Edle verwandelte Substanz ihrem Herrscher – sei es dem Verwandler, Besitzer oder Käufer – nur eines ermöglichen: sich selbst und andere Menschen nach dem eigenen Wunsch zu manipulieren. Manipulation bedeutet hier so viel wie Verhaltensweisen und Ansichten gezielt zum eigenen Nutzen zu verändern. Genuss, Konsum, Sicherheit, Entscheidungsbefugnis – allesamt käuflich. Gesundheit – käuflich. Frieden – käuflich. Bildung – käuflich. Echte Magie: nicht käuflich, nicht besitzbar, nicht manipulierbar. Die Wirkkraft von einer solchen Magie hängt nämlich direkt von der eigenen Motivation zur Transformation und der eigenen, tatsächlich gelebten Vision der erfolgten Wirkung ab.

Der Schein, der trügt

Wer Materie zu transformieren vermag, etwa Rohstoffe in Wertpapiere oder auch Selbst- und Weltbilder verändern kann, wie die Verwandlung von Menschen in Dienstleister, der hat unbestreitbar Macht. Wer Strukturen umbauen kann, wie Bildungsreformen oder Flüchtlingsrouten, hat ebenso unbestreitbar Einfluss auf den Lauf der Dinge. Wer die Bilder der Medien bestimmen kann oder die Meinung der Bevölkerung zu verkörpern versteht, der hält wesentliche Wirkungshebel zur Gestaltung unserer Welt in seiner Hand. Doch solche Macht alleine reicht nicht aus, um Magie zu wirken. Selbst das Mächtig-Sein fällt im Schein einer getrübten, selbstsüchtigen Motivation, in sich zusammen. Manipulation beginnt dort, wo durch das Verwandeln der Umstände, der Funktionsweisen, der Denk- und Verhaltensweisen von sich selbst und anderen nur die eigenen Ziele erreicht werden sollen. Welche Vision steckt hinter so einem Verhalten? Eine bessere Welt, vielleicht – aber vor allem für sich selbst.

Glitzernde Manipulationen als Magie-Ersatz für die Masse

Computeranimationen, Meinungsforschung, NLP und andere Kommunikationstechniken – sie alle können eine gewisse verändernde Wirkung erzielen, indem sie neue Räume erschließen oder uns in alten Räumen einschließen. Die virtuelle Welt ist mittlerweile mindestens so real wie die echte. Aber auch jedes Buch ist ein Eintritt in eine andere Welt, ebenso wie jeder Glaube, jede Hoffnung und jede Angst uns von der nackten Allverbundenheit abhält. Die meisten wollen interessanterweise abgelenkt werden, sie wollen unterhalten, entspannt, aufgeregt oder angeregt werden. Manche wollen gegen die Unterdrückung aufbegehren und andere wiederum die Unterdrückung ausüben. Erwartungen prallen auf Erlebnisse, werden bestätigt oder enttäuscht. Die Vorstellungen interagieren derartig effizient miteinander, schaffen gordische Verflechtungen, dass sie den Raum für die Klarsicht verstellen. Dieser Raum ist aber notwendig, um Magie zu wirken.

Warum echte Magie so selten ist

Die Tür zum Raum, in dem die Magie spielt, liegt in der Vorstellungsfreiheit, in der vollständigen Wahrnehmung seiner selbst – von den Gedanken über die Gefühle bis zu den Körperzuständen – im Nicht-Tun, in der Nicht-Identifikation mit Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten. Wie oft stehen wir an dieser Türe? Und wer geht durch? Wer hindurchgeht muss loslassen. Zu glauben zu wissen, wer man ist. Jedes Wollen. Daher funktioniert echte Magie nicht aus selbstsüchtigen Motiven heraus. Diese führen nicht einmal ansatzweise zur richtigen Tür. Sie eröffnen einfach andere Wege.

Magie in der Praxis

Wer hingegen loslässt vom Alltag und hineinfällt in den grenzenlosen Augenblick, herausfällt aus den Engen der Welt, der schwebt auf einmal. Wer nun keine Vision hat, der kann sich hier ewig aufhalten, ohne wirksam zu werden. Der Möglichkeitsraum ist an sich wunder-voll. Hier geschehen dauernd wundersame Dinge. Dies alleine befähigt uns allerdings noch nicht dazu, Magie auszuüben. Es ist das zuständliche Formen unserer Welt, das uns im Möglichkeitsraum zugänglich wird. Für diese gestalterische Transformationsleistung gilt es, die eigene Strahlkraft auf allen Ebenen, also körperlich-geistig-emotional zu entwickeln, zu beherrschen, zu formen, in den verschiedensten Farben leuchten zu lassen. Beides zusammen, der Eintritt in den Möglichkeitsraum und das Meistern der Strahlkraft, verändert unsere Welt. Solche Menschen transformieren ihre Umwelt durch ihre reine Präsenz. Und sie nutzen diese Macht, die mit einer solchen Wirkung einhergeht, konsequent nicht für sich selbst, sondern für das Wohl und die Entwicklung aller. Was daran einfach sein soll? Alles. Jeder einzelne Schritt ist leicht und nicht schwer. Wir sind es nur nicht gewohnt, uns so zu erleben.

SUPER SIMPLE SOLUTION No 19 – Massen weise Entscheidungen

Ohnmacht oder die Angst vor der Courage?

Wie oft wird einem Politiker vorgeworfen „umzufallen“. Man nehme etwa einen Bundeskanzler, zunächst hochgelobt und von Erwartungshaltung nahezu erdrückt. Früher oder später ereilt ihn die Realität: Europa im Angesicht der Globalisierung, Österreich im Angesicht der Populisten, Parteien im Angesicht ihrer heterogenen Klientel und Boulevard, der einen Keil in der Gesellschaft sucht und verstärkt, um seine Auflagen zu erhöhen

Die Macht der Masse

Sollten wir sämtliche politische Entscheidungen durch „das Volk“ treffen oder zumindest legitimieren lassen? Wie sieht die ideale Form der bürgerlichen Mitbestimmung aus? Wie können Wünsche und Bedürfnisse, Meinungen und Rechte aller berücksichtigt werden?

Was heißt es, wenn eine „gespaltene“ Gesellschaft Entscheidungen trifft, die für 50% der Menschen im Land mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar abzulehnen ist?

Hat die Mehrheit immer Recht?

Wir kennen das Vorgehen aus der Wirtschaft und auch aus der Medienwelt: Meinungsumfragen, Marktforschungen und andere Methoden, um die Stimmung und die Urteile der Menschen zu erheben, dienen den Entscheidern gerne als Basis zur Befriedung der eigenen Leute und vor allem auch als Legitimation für Änderungen (oder eben keine Änderungen). Aber: Wir kennen die Tücken von Umfragen mittlerweile nur zu gut. Um nur eine zu nennen: Trotz aller Hochrechnungen und Wahrscheinlichkeiten, bilden sie natürlich nur ab, was gefragt wurde. Und die Schlussfolgerungen liegen ebenso oft ganz im Auge des Betrachters (Auftraggebers). Wer sich unsicher ist, macht eine Umfrage, um so seine Entscheidung rechtfertigen oder die eigene Argumentationsweise abstimmen zu können. Feige sagen die einen, notwendig sagen die anderen. Ohne Rückendeckung ist es einsam im Dickicht der ungewissen Zukunft mit ihren unvorhersehbaren Schlaglöchern. Aber heißt dass, dass die Befragungen und damit „die Mehrheit“ selbst die „richtigen Entscheidungen“ trifft? Worauf basieren die Entscheidungen „der Menschen“? Richtig. Wie (nicht nur) die Neurowissenschaften postulieren, werden Entscheidungen im limbischen System, also im emotionalen Teil unseres Gehirn, wenn man so will, getroffen – und erst im Nachhinein „rationalisiert“, also vom Verstand versucht, zu erklären.

Damit zum anderen Weg, zu versuchen, das zu tun, was „die Menschen“ wollen: auf die Stimmung „im Land“, sprich in den Medien, vor allem auch den sozialen Medien eingehen. Aber ist wirklich wichtig, was sich lautstark und wiederkehrend im Sumpf der eigenen und fremden Resonanzkreise äußert?

Schwarmintelligenz

Zu Beginn der 2000er Jahre galt dieser Begriff als bahnbrechend: Man nahm an, dass wir gemeinsam, also als Kollektiv, wie „selbstorganisiert“ durch Kooperation und Kommunikation zu wesentlich schnelleren und besseren Entscheidungen finden würden. Mittlerweile hat sich zu dieser Ansicht eine zweite gesellt: „Gemeinsam sind wir dümmer“ betitelt etwa Der Spiegel  einen Artikel im Wissenschaftsteil. Er bezweifelt, dass aus „vielen guten Entscheidungen Einzelner“ die „Weisheit der Masse“ würde. Interessanterweise haben Studien herausgefunden, dass Schwarmintelligenz schnell in „Schwarmdummheit“ umschlagen kann – und zwar, sobald Menschen erfahren, dass andere über ein Problem anders denken als sie selbst. Wir wollen es nicht wahrhaben, aber dann verändern wir selbst unsere Meinung, zumindest ein bisschen. Leider kann sich dieses „bisschen“ hochschaukeln und im kollektiven Konsens zu wahrem Un-Sinn umschlagen.

Der Todessprung der Lemminge

Um die „Weisheit der Vielen“ nutzen zu können ist es wichtig, dass der Einzelne bei seiner Entscheidung nicht weiß, wie die anderen entscheiden. Diese Beeinflussung von außen, überdeckt oft die innere Einstellung. Wir müssten uns abschirmen. Gerade die sozialen Medien sind so äußerst effektive Stimmungsmacher und Manipulatoren. Wir manipulieren uns selbst und einander. Wir müssten also bewusst verstärken, was wir in der Welt sehen wollen. Dazu braucht es eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und den Mut, Kritik einstecken zu können, ebenso wie die Fähigkeit, andere Meinungen zu sehen, zu verstehen und darauf eingehen zu können, ohne die eigene Meinung außer Acht zu lassen.

Die Volksvertreter und der Opportunismus

Diese Gratwanderung machen auch unsere Politiker durch: Zwischen eigener Meinung, Positionierung der Partei und Stimmung der Bevölkerung, suchen sie einen Weg, der ihnen nach außen hin ein anerkanntes Profil gibt und zugleich sich selbst und die „eigenen Leute“ nicht verrät.

Reines Vertrauen scheint daher bei der politischen Mitbestimmung genauso wenig hilfreich zu sein, wie die pure Abwehr gegen alle Politiker. Angst ist kein guter Ratgeber für Entscheidungen, ebenso wenig wie Frustration, Wut oder blauäugiges Wunschdenken geeignete Einflüsterer für sinnvolle Entscheidungen sind. Was also tun?

Die einfache Lösung

Wenn sich Politiker immer nur nach dem „Willen des Volkes“, sprich der Mehrheit, richten würden, wären wertebasierte Entscheidungen oft im Hintertreffen. Die Vorteile einer repräsentativen und parlamentarischen Demokratie liegen insofern auf der Hand, als die politischen Vertreter verpflichtet wären, gewisse Grundstandards wie die Grundrechte aktiv zu vertreten. Minderheiten und Anliegen, die von vielen als weniger populär, weniger akut oder weniger wichtig eingestufte werden, wie etwa Maßnahmen und Strategien zur Gleichberechtigung bzw. Gleichbehandlung, gelangen dadurch nicht allzu sehr ins Hintertreffen. Eine solche Verantwortung zu tragen sollte den gewählten Volksvertretern zugestanden werden. Sie sollten im Sinne der Verfassung und der Grundwerte einer Gesellschaft agieren, ohne den Machtspielen und Manipulationen durch Populisten nachgeben zu müssen.

Zum anderen ist es wichtig, dass jeder Einzelne im Kontakt zu seiner inneren Entscheidungswelt, zu seinen persönlichen Werten steht. Dazu müssen wir lernen, dem Gruppendruck zu wiederstehen. Der Beeinflussbarkeit durch andere muss ein profunder Standpunkt gegenüber stehen können. Hier hilft zum einen Bildung. Etwa bieten sich Kommunikationstrainings und Diskussionstrainings in Schulen an. Sie können zeigen, wie Menschen unterschiedlicher Meinung sein können, ohne sich deshalb angegriffen zu fühlen, rechtfertigen oder verteidigen zu müssen oder die Meinung des anderen annehmen zu müssen.

Nein, wir sind kein Schwarm. Wir sind Individuen, die selbst bestimmen können, was wir für gut und richtig halten und wie wir miteinander leben wollen. Trotz und in aller Verschiedenheit.

SUPER SIMPLE SOLUTION No 18 – Wirklich Wahr?!

„Streben nicht alle Menschen nach der Wahrheit?“ fragte mich unlängst eine Freundin.

„Nein!“ wollte mein erster Impuls, schneller als der Schatten meines bewussten Verstandes, seine vor-urteilende Pistole ziehen. Ich zügelte meine Zunge und sprach: „Wahrer, weil näher an der Wirklichkeit, wäre es, das Wort Wahrheit durch Wahrhaftigkeit zu ersetzen.“

Wahrhaftigkeit verstehe ich als den Versuch, seiner inneren Wahrheit gemäß zu leben. Wahrheit in diesem Sinne wird als die eine Wirklichkeit verstanden, die nur im Auge des Subjektes der (Selbst)Beobachtung liegt. Dort, im Auge des Betrachters wird sie überhaupt erst geboren, hier hat sie ihren Ursprung und hier wird ihre Existenz bestätigt. Wahr-scheinlich strebt jede*r danach, ein derart wahrhaftiges Leben zu führen, ein mit sich stimmiges Leben. Ein Leben, in der Haft der eigenen Wahrheit, unter dem Zwang der eigenen Wirklichkeitswahrnehmung. In der Suche nach der beständigen Bestätigung der eigenen Selbst- und Weltsicht, auch wenn sie sich wandelt, finden so manche „sich selbst“ und „ihre Wahrheit“. Immer wieder. „Die Wahrheit“ fühlt sich unter diesem Blickwinkel dann erst besonders wahrhaftig an, wenn ein Erlebnis oder eine Erkenntnis die eigene Wirklichkeitserfahrung aus der Vergangenheit, inkl. der daraus resultierenden Erwartungen für die Gegenwart und Zukunft, bestätigt. Wahr ist, was sich richtig – weil erwaHrtet- anfühlt. Wird die ErwaHrtung gebrochen, muss die Wahrheit erneut gesucht, der Sinn wieder verliehen, die Bestätigung aufs Neue erzielt werden. So wird das der Wahrhaftigkeit gewidmete Leben zu einem Perpetuum Mobile aus der Suche nach der Wahrheit im Erleben einer Wirklichkeit, die mit Hilfe des entsprechenden Wandels von Selbst- und Weltbildern erkannt wird.

Wahrhaftigkeit versus Wahrheitsglaube

„Die“ absolute, einzige, „echte“ Wahrheit suchen manche im Glauben: An ein höheres Wesen, oder auch an wissenschaftliche Objektivität. Eine grundlegende Subjektbezogenheit des Glaubens an sich ist in beiden Fällen argumentierbar: Einmal ist es die Annahme einer überlegenen Wesenheit. Sie ist ja auf allen Ebenen überlegen, stärker, weiser, absolut all-umfassend. Es ist ein Jemand, der/die/das alles kann, sieht, weiß und sogar ist – und sich dieses „Alles“ auch noch bewusst ist, darin herrschen, schalten und walten kann, wie er/sie/es will. All-Mächtigkeit. Wunsch oder Wirklichkeit, wer kann das schon feststellen? Im als wahrhaft empfundenen Glauben und dem tiefen Wunsch nach einer entsprechenden Wahrheit, zeigt sich die Wesenheit des Glaubenden. Dieses Wesen-tliche waHltet in der Wirklichkeit, verwaHltet die Kriterien für eigene Wahrhaftigkeit. Die Wahl  entlässt die Wesenheit und ihre Wahrheit in die Welt.

Der andere Glaube, derjenige an eine rationale, objektive Realität, die wissenschaftlich nachweisbar so und nicht anders existiert, enthüllt spannender Weise eine ähnliche Quelle für Wirklichkeit (was sich natürlich aus meiner Art der Wirklichkeitsbetrachtung ergibt): Den Wunsch nach einer eindeutigen, definitiven Realität. Wissenschaftliche Wirklichkeitsdarstellungen nehmen mittlerweile immer öfter die Form von WAHRschein-lichkeiten an. Methodisch betrachtet ergibt sich etwa aus der Übereinstimmung und den Abweichungen von These und Untersuchungsergebnis ein mögliches Bild der Annahme über die Wirklichkeit, das mit „Der Wirklichkeit“ gleichgesetzt wird. Die konzepthafte Selbstbezogenheit dieser „Verifikationsprozesse“ wird in vielen Disziplinen erstaunlich wenig beachtet.

Klar ist, dass wir jeweils nur erkennen, was wir untersuchen. Wir sehen dort, wo wir hinsehen, das, was wir sehen können und wollen. Und daraus machen wir Sinn. So könnte die Annahme konstruktivistischer Erkenntnistheorie lauten. Ist diese Ansicht wahr, weil Die Wirklichkeit beschreibend? Wissen wir letztendlich nicht. Natürlich nicht. Sie ist im Lichte ihrer Annahmen über die Funktionsweise der Welt eine wahrhaft scheinende, wahr-scheinliche Idee. Konzepte sind immer nur Konzepte. Und doch gestalten wir mit ihnen unsere Wirklichkeit.

Wozu überhaupt Wahrheit, wenn es die Wirklichkeit gibt

Die Wirklichkeit alleine reicht uns Menschen nicht. Wir – Menschen – erstellen Regeln, an die wir uns halten (oder nicht) und wir – Menschen – interpretieren dann all unsere Erfahrungen innerhalb und mittels genau jenem Bedeutungsraum unserer derartigen Erwartungen. Wir bewegen uns durch die Welt mit Hilfe des Vergleichs von ankommenden Eindrücken mit vergangenen Erfahrungen und deren Ergebnisprojektionen auf das Jetzt und das Morgen, die die Gestalt von Ängsten und Hoffnungen annehmen.

Politiker etwa sind sich der Subjektivität der Wirklichkeitswahrnehmung „Des Volkes“ und der Bezüglichkeit zu den individuellen Erfahrungen und Erlebnisräumen oft bewusst. Deshalb tun sich auch so manche schwer mit „ehrlichen“ Aussagen. Um „Den Nerv“ „Der Menschen“ zu treffen, reproduzieren sie generelle menschliche Ängste und Hoffnungen. Sie wollen damit an sich die Wirklichkeitswahrnehmung „Der Menschen“ (=anvisierte Wähler) bestätigen, um den Eindruck zu erwecken, „Die Wahrheit“ zu sagen. Oft genug schaffen sie dadurch erst jene Wirklichkeit, die sie herbei fürchten. Genau deshalb wirken viele „Volksvertreter“ heutzutage auch so un-glaub-würdig wie selten zuvor. Sie verleugnen das Streben nach ihrer eigenen, inneren Wahrhaftigkeit, ihren Wunsch nach dem Glauben an eine Wirklichkeit, die wahrer ist, als ihr Wunsch nach Bestätigung.

Mittlerweile ist der Glaube an die Wahrhaftigkeit im Menschen vielen überhaupt abhanden gekommen. Sie glauben statt dessen eher an die Schlechtigkeit des Menschen. Auch das ist ein Glaube an eine „wahre Wirklichkeit“ und will durch ErwaHrtungen bestätigt werden. Es ist allerdings eine Katze, die sich in den Schwanz beißt, siehe self-fullfilling-prophecy. Natürlich könnten wir auch anders denken, urteilen und hinschauen auf unsere Wirklichkeit. Mann/Frau könnte all die unglaublich tollen Menschen und genialen Errungenschaften, alltägliche Leistungen, und einzigartige Ausdrucksformen wahr-nehmen und bewundern. Aber das ist interessanterweise für viele eher un-wahr-schein-l-Ich. Das hat mit der WaHrnehmung des Ich und seinem Wunsch nach Bestätigung zu tun.

Welche Wahrheit?

Wie sieht die unglaublich nahe liegende Lösung dieses Grunddilemmas der Selbstbezüglichkeit von Wirklichkeitswahrnehmung aus? Wie kann mit dem Problem umgegangen werden, dass Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit unterschiedliche Formen für jeden von uns annehmen können?

Die wahr-l-Ich einfache Lösung liegt vor allem in der Wahl zwischen bewusstem Selbstbetrug oder dem Betrug durch die Wirklichkeitsdarstellung anderer. Das klingt einerseits traurig, weil nach einer Aufgabe des Glaubens an „Die Wahrheit“ und „Die eine, absolute Wirklichkeit“. Ist es aber nicht. Diese Aufgabe kann uns auch erlösen, zu einer Lösung führen. Sie stellt die Weichen hin zu mehr Freiheit, unser Leben durch vom Selbst gewähltes Streben nach „Wahr-Haftigkeit“ gestalten zu können. Im ehrlichen Eingeständnis, dass selbst die Ausrichtung auf Wahrhaftigkeit nur eine innere Bestrebung nach klarer Orientierung und spürbarer Stimmigkeit ist, eröffnet sich mir erst die Wahl der Realität, in der Ich tat-sächlich leben will. Diese Wahl zu treffen, bedeutet im selben Atemzug in dieser gewählten Wirklichkeit zu sein, sich selbst in ihrer innen liegenden Wahrheit zu suchen und mit allem, was die eigene Wahrhaftigkeit an Wehrhaftigkeit hergibt, zu verteidigen. Um an der eigenen Grenze weiter zu wachsen.

SUPER SIMPLE SOLUTION No 17 – EMFORMATION

Emotion statt Information

Es gilt, ein Zeichen unserer Zeit zu akzeptieren: Das Publikum will Gefühle.

Damit wird es Zeit, die alten Vorstellungen von Gut und Böse in der Nachrichtenwelt zu transformieren. Nicht, weil sich etwa hohe Qualitätsansprüche an Recherche von Informationen oder Darstellung von Zusammenhängen ändern sollten. Vielmehr weil die Aufbereitung von Inhalten bestimmte Bedürfnisse ansprechen müssen, um vom Zielpublikum aufgenommen werden zu wollen. Auf diese Weise bekommen die „guten“, weil sachlich fundierten Informationen erst eine Chance, überhaupt wahrgenommen und argumentativ nachvollzogen zu werden.

Schluss mit dem Jammertal

Genug des Jammerns über die Lust des Publikums am scheinbar reinen Entertainment. Das Interessante an der „Unterhaltung“ ist ja, dass das „Reine“ am Entertainment dem Publikum echter vorkommt, als die sachliche Darstellung der Information es vermag. Das liegt daran, dass viele Menschen die „Informationen“ schlicht nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können. Damit wird die „Reinheit“ eines unmittelbar und selbst empfundenen Gefühls das neue Qualitätskriterium für Infos: In der direkten Erlebbarkeit liegt eine Quelle für Bezugnahme, eine Möglichkeit, sofort Stellung zu beziehen. Finden Sie das schlimm? Unvernünftig, der Manipulation Tür und Tor öffnend? Dann sage ich: Genug des  kopfschüttelnden resignierten Seufzens über die zunehmend weniger vorhandene Sachlichkeit in der Newsrezeption, gerade auch wenn es um Politik und die Wahl von Politikern geht. Genug des Bedauerns der fehlenden kritischen Betrachtung unserer Welt sowohl durch Medienmacher, als auch durch Leser/Seher. Genug des Klagens über das Ausbleiben der generellen Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Sachverhalten und Argumenten. Schluss mit dem Wettern gegen das stets flacher anmutende und auf Emotionalisierung ausgelegte Infotainment. Nicht weil ich beides – die unreflektierte Hinnahme irgendwelcher „Informationen“ oder „Nachrichten“  und die stimulierende, oberflächliche Aufbereitung von Inhalten – für tatsächlich gut hieße. Nein. Eine Sachlage braucht keine Bewertung meinerseits. Und die Sachlage sieht so aus: Menschen wollen sich wohlfühlen – und das ist ihr gutes Recht. Sie wollen sich auch aufregen dürfen und können. Sie wollen sich betroffen und berührt fühlen. Auch das ist ihr gutes Recht. Und das schaffen die „guten“ Nachrichten immer weniger. Stattdessen nehmen die Konsumfreude und die Ablenkungssucht, der Rückzug auf kindliche Verhaltensweisen und jener in die eigenen vier Wände oder Traditionen immer mehr Realität an. So sehen die Realitäten schlicht aus, in und mit denen wir leben. Ich plädiere daher für einen lustvollen Umgang mit den Bedürfnissen der Menschen, anstelle eines lebensverneinenden Verdammens. Wer Vernunft für anstrengend hält, dem kann Vernünftiges trotzdem schmackhaft gemacht werden.

Warum wird „gute“ Information von vielen kaum mehr ernst genommen?

Weil sie sich nicht an die bedürfnisorientierte Realität der Konsumenten anpassen will. Sachliche Information will verarbeitet werden. Konsumenten wollen aber sinnlich verwöhnt oder gefühlstechnisch angeregt werden. Information ist schwer, braucht die Mühsal eines subjektiven sich In-Bezug-Setzens. Eine Bezüglichkeit, die in der Komplexität und Geschwindigkeit heute nur schwer herzustellen ist. Emotion hingegen ist unmittelbar. Emotion ist wahrer, weil näher. Emotion rules.

Was ist real?

Die Wirklichkeit ist ein Fluss des Wahrnehmbaren. Wer mit seinem ganzen Wesen die Wirklichkeit wahr-nimmt, der sieht. Auch alles Unzusammenhängende, alles Widersprüchliche, allen neben einander Stehende und Ungeklärte. Die Realität des bewusst Wahrnehmenden ist so bunt wie nie zuvor. Wer hingegen nur die Oberflächen wahrnimmt, die Unstimmigkeiten der Vielschichtigkeit unserer Welt, der glaubt schnell  gar nichts mehr. Weil ihm/ihr die Inkongruenz wie ein unbewältigbarer Störfaktor vorkommt. Doch ohne Vertrauen und ohne bewusste Wahrnehmung ist der Betrachter schutzlos von der vorgekauten Wirklichkeitsdarstellung anderer abhängig, ohne sich auf das dort Dargestellte verlassen zu können. Auch die an der Oberfläche Schwimmenden und die solche Menschen zu befriedigen suchenden Medientreibenden, müssen sich der Komplexität unserer Realität stellen. Sie tun dies „mit Gefühl“ statt mit Verstand oder Vernunft.

Das Paradoxon von Hirn und Herz

Wer weder „den Medien“, noch „den Politikern“, nicht „der Wirtschaft“ oder gar der Zukunft vertrauen kann, der hat echt ein Problem. Ganz in Wirklichkeit. Ein Hirn, das die Integrationsleistung von Widersprüchen, Vieldeutigkeiten, ständigen Neuerungen nicht zu leisten vermag, hat ein Problem. Mit „Integrationsleistung“ ist das Vermögen, Sinn in den Umständen zu finden und immer wieder eine Stimmigkeit zwischen sich selbst und der Umwelt zu entwickeln, gemeint. Heute müssten wir, sofern wir jede Information tatsächlich ernst nähmen, ständig Unmengen an Wahnsinn in unserem System verarbeiten und sinnhaft integrieren. Das geht nicht. Die Unübersichtlichkeit und Informationsflut verhindern für viele eine effektive Verarbeitung. Nicht nur unser Hirn, sondern unser ganzes Wesen steht vor einem Problem, dem Problem der Wirklichkeit, die von sich aus kaum mehr Sinn zu machen scheint und in der der Spaß immer kürzer zu kommen droht. Und dieses Problem kann unser Hirn offenbar oft nicht ausreichend verarbeiten. In diesen Fällen wird es schlichter Hand von unserem Herzen gelöst. Sofern wir mit „Herz“ unsere Gefühle meinen….

Em-Formation statt In-Formation

Lassen wir es zu, lassen wir uns treiben, hinein in die Schwingungen des zeitgemäßen Seins. Hier bedrücken uns die Ängste, tritt uns die Panikmache in den konsumverwöhnten Allerwertesten, versetzt uns die Wut in unbestimmte Rage und bremst uns die Hoffnungslosigkeit wieder runter. Emotional betrachtet gleicht die Welt für viele Menschen derzeit einer Hochschaubahn. Da ist es völlig egal, dass wir in der längsten Friedensperiode mit dem höchsten Wohlstand und Alterserwartung leben. Da stellt sich nur eine Frage, ganz aktuell, jeden Moment: Rauf oder runter? Das kann man durchaus metaphorisch verstehen: Rauf auf die Hochschaubahn der Gefühle oder runter und rüber in die Unergründlichen Tiefen der Hirnwindungen. Oder man versteht es rein emotional: und hier existiert gerade für viele nur noch das „Runter“ – die Angst vor dem wirtschaftlichen, sozialen Abstieg. Daher sollten wir das„Runterkommen“, nicht nur aus einer ehemals wirtschaftlichen Hoch-Phase, schlicht anders kommunikativ aufbereiten.

Let me take you down…

„Runterkommen“ kann heißen: vom alptraumhaften „alles wird schlechter“- Gefühlstrip einen gesunden Abstand nehmen. Aber was passiert dann? Im Abstand-Nehmen driften wir vom High der Intensität des Lebens weg und enden mit höchster Wahrscheinlichkeit in einem flacher werdenden, schaleren, langweiligeren Energiezustand, nämlich in der „mühsamen Realität“. Wer will das schon? Lieber heiß und fettig als kühl und trocken, oder? Aber was wäre, wenn am anderen Ende der Impulsivität, der Hingabe an den trügerischen Schein der rein emotionalen Realität ein völlig anderes Lämpchen leuchtete? Ein anderes als das kahle Neonlicht des Hirns, das wenig verlockend aus seiner Gefangenschaft in der spröd-unverdaubaren Informationslandschaft der Gegenwartsbetrachtung zu unserem Herzen blinkt?

…‘cause I am going to: strawberry fields!

Ich plädiere eben nicht fürs Runtersteigen von der ungefilterten Emotion oder fürs Umsteigen auf die reine Information. Ich plädiere für Einmal Alles.  Ich bin für vernünftige Träumerei, unbegründete Hoffnung, für in sich selbst verwurzeltes Vertrauen. Für überraschende Hinwendung zu jenen, die vergebens aber lustvoll im Trüben fischen. Für die Hochschaubahn des Lebens, ohne die eine oder andere Farbe auszulassen.

Wer Erdbeeren pflanzt, wird sie eines Tages auch essen können. Oder verschenken wollen. Oder ihnen beim Werden und Vergehen zusehen. Aber es wird Erdbeeren geben. Manche werden ihre Existenz verstehen wollen, andere sie genießen, Dritte ihre Wachstumsphasen untersuchen, Vierte ein Geschäft mit ihnen machen wollen. Und Fünfte sich einfach nur an ihnen erfreuen. Nur Sechste befürchten, dass die Erdbeeren nächstes Jahr nicht so schön sein werden wie dieses. Oder morgen. Oder heute schon nicht mehr so schön wie gestern sind…

Warum sollten wir letzteren, der Variante Sechs, mehr Recht auf Realität zugestehen als all den anderen, vor allem als jenen, die die Erdbeeren (also jene, die etwa mit Zuversicht und Vertrauen konstruktive Lösungen erdenken, kommunizieren und umsetzen) tatsächlich aktiv pflanzen?

Pflanzen wir Erdbeeren, seien wir EM’s, verbreiten wir Emfos

Sähen wir die Samen positiver Emotion inmitten der Unübersichtlichkeit unserer Welt. Grundlos, einfach, weil wir können. Ja, wir befinden uns in einem Veränderungsprozess. Ich bin jedoch nicht bereit, ihn von Schwarzmalern gestalten zu lassen.

Vielleicht könnten wir den konstruktiven Buntmalern unserer Realität einen Namen geben, damit sie besonders wahrnehmbar werden. Wir wäre es mit: „Em-formationists“, kurz „Em’s“ – und ihre Art, Nachrichten über die Welt zu kommunizieren „Emfos“?

 

SUPER SIMPLE SOLUTION No 16 – WIRRLICHTER

Wer sind „WIR“?

Und wer gehört zu „UNS“? Welche Grenzen definieren eine Zugehörigkeit, etwa zum westlichen Kulturkreis, um nicht zu sagen: zu Europa oder gar zu Österreich? Der Wohnort alleine macht es ja offenbar nicht aus.

Klassischerweise definieren wir das WIR durch unsere GeWOHNheiten. Sprache, Aussehen, Verhalten, Erwartungen. Wir möchten uns friedlich im Altbekannten bewegen können und möglichst nicht in unserem Dunstkreis gestört werden. Vor allem nicht, ohne dass wir das „Andere“, Neue, das IHR proaktiv dazu einladen, uns zu besuchen (von Bleiben ist da vorerst noch keine Rede). Unser Rechtsverständnis, unsere höchsteigene Weltsicht, unser selbst-zentriertes historisches Verständnis – und natürlich die uns gewohnten Werthaltungen: alle diese identitäts-stiftenden Faktoren sollten am besten von allen rund um UNS gelebt werden. Oder die anderen Menschen rundherum sollen zumindest kompatibel mit unseren Gewohnheiten sein. Dann kennen wir uns aus, müssen uns selbst nicht relativieren, müssen keine neuen Bezüge zur Umwelt und zu uns selbst herstellen.

Manches hingegen dürft IHR, dürfen die anderen, aber trotz aller Hoffnung auf das Erwartbare nicht: Bestimmte Dinge sollen nicht „so wie WIR es tun“ gemacht werden. Bestimmte Dinge sollen nicht gleich erreicht oder besessen werden können. Denn dann würde UNS vielleicht etwas weggenommen, im Schlimmsten Fall ist das etwas, was das „UNS“ überhaupt erst ausmacht.

Was nur „Wir“ dürfen

Ein Österreicher nörgelt, ein Wiener motschgert. So war es schon immer, das braucht man nicht persönlich zu nehmen, das ist Teil der Kultur. Echte Kaffeehauskellner sind grantig. Punkt. Man nennt das dann „authentisches Flair“ oder „Lokalkolorit“. Wenn aber ein hier ansässiger Mensch mit Migrationshintergrund jammert, so wollen wir das nicht hören. Der soll gefälligst froh sein, dass er hier sein darf. Hier öffnet sich ein seltsamer und teilweise noch gar nicht weithin sichtbarer Graben: Wir wollen zwar integrierte Menschen, Menschen, die durch ihr Verhalten nicht auffallen. Sie sollen sich auch an die Regeln halten: an unsere Rechts-, Moral- und Wertvorstellungen. Sie sollen „unsere“ Kultur verstehen, sie aber zugleich nicht wirklich völlig übernehmen, das verwirrt nur. Womit wir bei den „Wirrlichtern“ des Titels wären. Andere sollen zwar nicht anecken, dürfen aber zugleich nicht so sein wie wir. Ein deutscher Kellner mit Wiener Schmäh? Hm. Eigenartig. Wohin also mit ihnen? Wie sollen sie sich denn verhalten, die Zu-Gezogenen, dass sie von UNS akzeptiert werden? Geben WIR IHNEN überhaupt eine Chance, dazuzugehören, anerkannt zu werden?

Wo gehört ein Mensch hin?

Heimat, Zuhause, Zugehörigkeit: Scheinbar eine klare Sache für all jene, die irgendwo leben, wo sie geboren sind. Oder die sich freiwillig den Ort aussuchten, an dem sie leben. Aber was ist mit den „anderen“, die das Schicksal irrgendwohin gespült hat? Sie träumen von der verlassenen Zugehörigkeit oder von einer besseren neuen Welt –  und finden in der Realität kaum Anschluss. Zuhause ist man da, wo man willkommen ist. Dieses Gefühl des Aufgenommenseins, des Dazugehörens ist für uns Menschen als soziale Wesen sogar zentraler, als eine uns vertraute Umgebung (soviel zur GeWOHNheit als Basis für ein WIR-Gefühl). Werden wir akzeptiert, so wie wir sind, dann fühlen wir uns sicher. Leben wir aber in einer Umgebung, die vielleicht sogar „wie immer“ aussieht, aber von Menschen bevölkert wird, die uns nicht sehen, nicht wollen, nicht für gut (genug) befinden, dann werden wir unsicher. Und aus Unsicherheit heraus verhalten wir uns abwehrend, unangenehm, aggressiv.

Unser Eigenraum als Zentrum für das Wir-Gefühl

Kaum etwas wirkt stärker Unfrieden-stiftend, als wenn Menschen abgewertet, ausgegrenzt, ignoriert oder gar aktiv bekämpft werden. Die Haltung der Toleranz ist so betrachtet keine menschliche Schwäche oder Zeichen von idealisierendem Gutmenschentum. Aus der Konfliktursachen betrachtenden Perspektive wird sie zur Notwendigkeit für sozialen Frieden. Eine warmherzige Umgebung, ein Gefühl der Verbundenheit, das von allen Seiten her geteilt wird, bietet den einzig fruchtbaren Boden für konstruktive Auseinandersetzungen. Für die Verwandlung von Reibung in Lösung.

Das Gefühl einer prinzipiellen Verbundenheit kann vom Grundverständnis ausgelöst werden, dass wir alle unleugbar Menschen sind. Dies vereint uns nun wirklich und tatsächlich. Eine solche Haltung wird zunächst auf Basis kultureller Gewohnheiten entwickelt („Gastfreundschaft“, „Liebe Deinen Nächsten“,…), das WIR-Gefühl ist dabei aber trotzdem auf Bekannte beschränkt. Es muss erst gelernt werden, das WIR-Empfinden auf alle Menschen hin zu übertragen, verALLgemeinern. Es braucht einen gewissen Grad an Verständnis für das Mensch sein an sich, für die in uns allen angelegte Menschlichkeit, für UNS vereinende Gemeinsamkeiten in und trotz aller Unterschiedlichkeit. Der Wunsch nach Zugehörigkeit kann ein solches grundlegend verbindendes Element sein.

Bewusstseinsevolution

Die Reife der Menschheit, die sich aus jener einzelner Menschen zusammensetzt, stellt heute das Zünglein an der Waage zwischen dem Tiefen Mittelalter und einer zeitgemäßen Social Reality dar. Viele Komponenten unserer Zeit – in Amerika klingend unter dem Titel „VUCA-Reality“ zusammengefasst (eine Wirklichkeit, die von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität bestimmt wird) – fordern diesen Entwicklungssprung zu einem neuen, umfassenden WIR-Verständnis vehement ein. Andernfalls, so wirrkt es, landen wir im Krieg oder Chaos. Wer „Wir“ sind gehört heute neu definiert.

Auf der Schwelle zu einem veränderten gesellschaftlichen Selbstverständnis

Die Identitätskrise ist akut. Denn die Spaltung von WIR und IHR betrifft nicht nur „Alteingesessene“ und „Flüchtlinge“ oder „Menschen mit Migrationshintergrund“ oder schlicht „von woanders Zugezogene“. Nein, es ist die innere Spaltung in gesellschaftliche „Verlierer“ und „Gewinner“, die derzeit so viel Sprengstoff in sich birgt. Menschen, die sich früher einer Gesellschaft zugehörig gefühlt haben, die einen gesicherten sozialen Status zu haben glaubten oder sich zu erarbeiten hoffen konnten.  Sie wehren sich gegen den drohenden Verlust von Akzeptanz, Aufstiegschancen und – natürlich – Wohlstand. Soziale Sicherheit scheint derzeit DER Spaltstein der westlichen Welt zu sein. Auf Flüchtlinge und kulturell anders Geborene wird dieser Konflikt oft nur verschoben, sie werden zu Sündenböcken. Der an sich inner-systemische Konflikt wird auf sie verlagert, es wird ein Scheinkampf, ein Stellvertreterkrieg geführt. Daher ist er auch so aussichtslos. Dieser Kampf löst nichts, weil er sich nicht mit den Ursachen der drohenden und bedrohlichen Nicht-Zugehörigkeit befasst.

Identität im Übergang

Wir sind Menschen. So viel ist klar. Wir sollten uns auch danach verhalten. Nur hat der Mensch dazu 2 Möglichkeiten: Folgen wir im „Menschlich-sein“ unseren  körperlichen Trieben, unreflektierten Gefühlen und alten Gewohnheiten? Oder entwickeln wir ein Sensorium dafür, was wir selbst, andere, eine Gemeinschaft, die Gesellschaft gerade braucht, um sich den Fragen der Gegenwart konstruktiv zu stellen? In diesem, zweiteren Verständnis, sind „Wir“ wer wir sein müssen, damit eine Situation vom Problem zur Lösung voranschreiten kann. Mit der Einstellung „Was braucht es, um die anstehenden Themen aufnehmen und an und mit ihnen wachsen zu können?“ kommen wir voran. Mit der Einstellung „Alles soll so sein wir immer“ bleiben wir stecken.

Wer sind „Wir“ aber, wenn alles im Fluss ist, anders wird, sich in einem permanenten Veränderungsprozess befindet?

Sicherheit in Zentrum

Wir sind Menschen. Immer noch. Aber wir sind erst dann effektiv am Wachstumsprozess der Menschheit beteiligt, wenn wir Mitmenschlichkeit leben, Inseln der Kooperation aufbauen, miteinander am gemeinsamen Wohl-Gefühl – statt Wohl-Stand –  arbeiten. Wollen wir in Sicherheit leben und innere Sicherheit erfahren, brauchen wir dazu andere. Menschen, die uns unterstützen, Menschen, die wir unterstützen. Es sind diese positiven Erfahrungen, die zu starken Erinnerungen werden. Aus ihnen schöpfen wir die nötige Kraft, wenn die Gegenwart uns herausfordert. Indem wir für einander da sind gewinnen wir Vertrauen in uns und andere.  Aus dem Vertrauen erwächst die so nötige Zuversicht der offenen, offenbar unkontrollierbaren Zukunft gegenüber.

Irrlichter im Trubel der Welt

Wer nicht kooperiert, der konkurriert. Kaum jemand kann sich völlig heraushalten. Was heute passiert ist, dass sich die – im sog. Westen lebende – Menschheit spaltet. Die einen wollen mit-einander, die anderen gegen die anderen sein. Diese beiden Haltungen scheinen unvereinbar. Viele lenken sich von dem schwelenden inner-gesellschaftlichen Konflikt ab, viele fühlen sich betroffen und werden zunehmend negativ eingestellt. Interessanterweise fühlen sich beide Seiten angegriffen. Und hier liegt eine andere tiefere Gemeinsamkeit in der Differenz. Die Zugehörigkeit und die Bedrohung derselben sind die beiden Seiten derselben Medaille. Auf welcher Seite die Münze zum Liegen kommt, bestimmen wir selbst. Jeder einzelne von uns.

Den tiefen Graben sehen und nutzen: Von der Isolation zur Inspiration

Wo eröffnet sich hier eine echte, einfache Lösung? Sie liegt im Sichtbarmachen der Gräben, die wir zwischen uns aufziehen.

Solange wir für UNS und gegen die ANDEREN – egal von welcher Perspektive aus (links, rechts, mitte, außen) – sind, vertiefen wir den Graben und finden keine Lösung, keine Brücke, keinen Ausweg. Wollen wir UNS nicht noch tiefer eingraben heißt es: Kein weiteres Öl ins Feuer gießen. Abwertungen („alles Vergewaltiger“, „alles Nazis“, „alles Gutmenschen“) und Anschuldigungen sollten ins Leere laufen. Dadurch geht dem Grabenbau der Treibstoff aus. Dies gelingt, sobald alle Vorwürfe, Opferhaltungen und Schuldzuweisungen gegen die Koalition der Menschlichkeit wie ein Blatt im Wind wirken.

Wie geht das? Weg vom Angriff, hin zur Öffnung, zur Achtung, zur Achtsamkeit. Nicht aus esoterischer Überzeugung oder glaubender Moralität heraus. Aus dem Wissen heraus, das die Reibungsenergien, die heute so spürbar sind, in konstruktive Gestaltungsenergie transformiert werden können und müssen. Nur wer hinsieht kann diese Veränderungsleistung erbringen. Solche „Agenten des neuen Wir“, die ein umfassendes Verständnis von Menschlichkeit vorleben, sollten in der Lage sein, (E)Un-Einigkeit auszuhalten. Aber Spannungen wahrnehmen, ohne darauf abwehrend zu reagieren ist eine Kunst. Sich angegriffen fühlen, ohne die Verbindung zueinander zu kappen, also ohne in eine entweder-oder Haltung und in die Aggression oder Regression zu kippen, ist keine Selbstverstänndlichkeit, aber eine tiefe Notwendigkeit: Beide Abwehrhaltungen (Aggression und Regression) verstärken das alte Muster WIR gehen IHR, sie vertiefen den Graben, festigen die Aussichtslosigkeit (im Graben ist es bekanntlich dunkel).

Verbundenheit in der Un-Stimmigkeit aufrechtzuerhalten zeigt echte menschliche Größe. Sie hat auch eine immense Strahlkraft. Alles, was wir heute brauchen ist ein Netzwerk von derartig agierenden Menschen, von menschlichen WIR-Agenten. Dann ist tatsächlich alles gut, denn die Zugehörigkeit und die Akzeptanz sind erst im Auge der Menschlichkeit gesichert.

Bleibt nur noch eine Frage, die zugleich die simple Lösung  bietet: Wer macht mit?