SUPER SIMPLE SOLUTION No 8 – Die Wahl, das Alter und das Ego

Identität – oder die Wahl: Wer bin ich?

Wenn unsere Vergangenheit die Wahl unserer Identität bestimmt, dann ist unser „Ich“ die Summe unserer Prägungen, Erfahrungen, Bedürfnisse und Vorlieben/Abneigungen.

Wenn die Gegenwart die Wahl unseres Selbstbildes trifft, dann drückt unser „Ich“ unsere Erwartungen, Ängste wie Hoffnungen im Hier und Jetzt – verbal und nonverbal, bewusst und unbewusst – aus.

Wenn wir auf Basis der Vergangenheit und des aktuellen Zustandes unser Wesen definieren, dann wird unser „Ich“ niemand anderes als das Ergebnis unserer bisherigen und aktuellen Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen in Reaktion auf unsere Umgebung sein.

Aber wo bleibt da die freie Wahl? Sie liegt genau hier: im Erkennen unserer Funktionsweise.

Wer bin ICH also? ICH ist das Resultat der erinnerten Vergangenheit und der antizipierten Zukunft. Ich bin mein Alter, meine Geschichte – und mein Ego erzeugt mICH in jedem Augenblick.

Doch es herrscht ein immenser Unterschied zwischen dem ICH, das aus der Angst vor der Zukunft geboren wird und dem ICH, das dem erlebten Vertrauen erwächst.

Und genau diese Wahl, die wir tatsächlich täglich aufs Neue treffen können, entscheidet über unser Selbsterleben und über die Welt, in der wir leben. Auch morgen. Es geht darum, ob wir in Angst leben oder Vertrauen bilden. Aber haben wir wirklich die Wahl?

Identität zwischen Einheit und Unterscheidung

Ohne Akt der Unterscheidung, was Ich bin und was Ich nicht bin, gibt es mIch nicht. Das klingt banal, hat aber eine schwerwiegende Auswirkung: Erst durch Unterscheidung gibt es mich als nach innen hin definierte und nach außen (wieder)erkennbare Einheit.

Eins mit sich sein, über die Zeit hinweg konsequent stimmig sein – bedarf zunächst der Abgrenzung.

Im Unterschied zwischen innen und außen, zwischen mir und anderen erkenne ich mICH selbst.Und von hier aus kann ICH den nächsten Schritt gehen: ICH kann erkennen, wer WIR sein können und was uns zusammenhält, wenn wir diese Grenzen zwischen uns nicht ziehen.

Verzichten wir auf Unterscheidungen, können wir unser All-Eins-Sein erkennen und spüren.

Identität, verstanden als der stabile Kern unseres Selbstempfindens, verlangt nach Abgrenzung. Solange zumindest, bis wir lernen, in der grenzenlosen Offenheit zu Hause zu sein. Und das kann ein Leben lang dauern, oder auch nie geschehen.

In dem Moment aber, in dem ich mein ICH, also meine Vorstellung von mir und der Welt für wahrhaftig, für gegeben, für unabänderlich und einzig wahr halte, wird alles ANDERE zur potenziellen Bedrohung. ICH will Stimmigkeit mit seiner Vorstellung. ICH will nicht, dass seine Bedürfnisse und Ansichten, Hoffnungen und Weltbilder ignoriert oder konterkariert werden.

ICH wehrt sich gegen jede Bedrohung.

Indem es seinen inneren Schutzschirm hochfährt, sich abschottet – oder nach außen hin aggressiv wird oder ANDERE(S) zu kontrollieren versucht. Mit Gewalt, durch Machtausübung.

Orientierung und Stabilität

Ordnung und Sicherheit, Kontrolle und Planbarkeit – sie alle zielen auf eines ab: auf tatsächlich erlebte Stimmigkeit der äußeren Wirklichkeit mit der eigenen Selbst- und Weltsicht. Hier treibt uns die Hoffnung auf gefühlten Frieden durch Aufrechterhalten des Alten und des Ego.

In Zeiten des Wandels und unter der Prämisse der Freiheit kann der Eindruck von Chaos vorherrschend werden. Wo Strukturen aufbrechen und neue noch nicht in Sicht sind, greift das Gefühl von Instabilität gnadenlos um sich. Die Frage nach Orientierung wird vorherrschend.

Wir Menschen sind – evolutionsgeschichtlich – gesehen auf die Wahr-Nehmung von Angst spezialisiert (das haben wir im Überlebenskampf tausende von Jahren lang trainiert). Daher werden wir in solchen als kritisch und unplanbar empfundenen Zeiten leicht aggressiv, ignorant oder abweisend. ICH will sich schützen, es hält an Altem und Ego fest.

Haben wir uns hingegen unser Leben lang mit den Mechanismen von Kreation, Innovation und Wachstum beschäftigt, so wissen wir, dass Irritationen und Wechselphasen zu Entwicklung und Fortschritt dazugehören. Unser Selbstbild ist durch diese Erkenntnis nicht gefährdet, ein derartiges Ich, das um ein kollektives Wir im Wandel erweitert ist, schöpft die Orientierung aus dieser Ausrichtung und im Prozess selbst.

Keine Henne ohne Ei. Und kein Ei ohne Henne. In beiden Fällen. Angst oder Vertrauen: Unsere Wahl zählt!

Ident und Täter

Wir haben die Wahl. Jeder einzelne von uns. In jedem Moment. Wo sehen wir hin, wie handeln wir, wem schenken wir unsere Aufmerksamkeit, wen wählen wir zum Präsidenten.

Wir können dabei zwei emotionalen Leitlinien folgen:

  1. Gleichmachen und Angstschüren.
  2. Unterschiede sehen und Vertrauen.

Wofür entscheiden wir uns: Werden wir zu Triebtätern der blinden Angst oder zu Wohltätern des sehenden Vertrauens?

Angst versus Vertrauen

Angst ist der Gegenpol zu Vertrauen.

Vertrauen braucht innere Sicherheit, Angst sucht die Sicherheit in starren Systemen. Aus der Angst heraus existieren evolutionsbiologisch gesehen nur 2 Reaktionsmöglichkeiten: fight or flight. Panikreaktion und Totstellen oder Wut und Hass.

Vertrauen wiederum bedarf einer gehörigen Portion Mut.

Nicht umsonst heißt es ver-trauen. Es ist der Mut, der sich der Realität stellt, ohne wegzuschauen. Wir trauen uns zu sehen, was auch immer da ist, ohne zuzuschlagen oder abzustumpfen. Vertrauen heißt verletzlich sein und zu bleiben, empfänglich für die unendlich vielen Facetten des Lebens. SIch zu trauen. Sich und anderen, der Welt und der Zukunft zu vertrauen, bedeutet in Offenheit zu erleben, was da ist und in Ruhe zu tun, was getan gehört, um noch mehr Vertrauen ins Leben zu rufen. Vertrauen zu verbreiten ist so viel schwieriger als das Angsthaben zu schüren…

Faites vos jeux

Die vermeintliche Sicherheit der Vergangenheit ist eine Illusion, die Planbarkeit der Zukunft ein vermeintliche Sicherheit spendender Traum. Aber Angst erzeugt nur noch mehr Angst.

Was bleibt übrig? Das Vertrauen in die Vernunft. Auch und gerade jetzt. Seien wir uns bewusst, dass wir unser aller Leben durch unsere Wahl mitbestimmen.

Zeigen wir Courage. Wählen wir den Mut, uns und einander zu vertrauen.

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SUPER SIMPLE SOLUTION No 7 – Lebenslange Lernlust

Nie mehr Schule

Bildung, Schule, Lernen: Pfui Teufel! Seien wir uns mal ehrlich, oder? Anstrengend, lustfern, uninteressant. Hausübung. Grantige Kinder. Müde Erwachsene. Zermürbende Jahre. Keiner will, was da geschieht. Das Schulsystem macht Eltern zu Tyrannen („Hast du schon gelernt? Mach doch endlich…!“ etc.) oder zu Aushilfslehrern, als hätte man sonst nichts zu tun. Und Kinder? Die fragt ja keiner, die müssen. Und die Kinder mit starkem Willen, die sich des „Müssens“ vehement erwehren, bleiben oft auf der Strecke. Unerziehbar in der Schule, unerträglich zu Hause. Keine Lösung in Sicht. Eine Wahl haben? Die Motivation steigern? Auf Bedürfnisse eingehen? Interessen fördern? Nix da.

Bildung als Erziehungsmittel

Manchmal denke ich, dass unser Bildungssystem äußerst gut dazu geeignet ist, Menschen aller Altersstufen auszulaugen. Kommen Sie sonst eigentlich ganz gut zurecht? Die Schule schafft‘s schon, Sie fertig zu machen! Manche Menschen glauben, dass Fernsehen verblödet und zur Steuerung der Massen, zum Stillhalten dient. Zuckerbrot und Peitsche. Während unsere Konsumgesellschaft das Zuckerbrot feilbietet, lässt unser Schulsystem die Peitsche knallen. Auf alle Beteiligten.

Aber könnte das auch ganz real gesehen anders gehen? Und ich meine nicht à la Waldorf, Montessori und Co. Kann Erziehung – also das Lernen, in einem gemeinsamen Rahmen nach gemeinsamen Vorstellungen und Regeln zu funktionieren – überhaupt Spaß machen?

Schauen wir uns um, so entdecken wir verlockende Oasen des Lernens besonders oft dort, wo die restliche Realität noch schlimmer, noch frustrierender ist:

Bildung als Zuflucht

Erwachsene lernen dann besonders gerne, wenn der Job unerträglich wird. Die Bildungskarenz ist die schönste Möglichkeit, dezent mal eine Auszeit zu nehmen, ohne Burnout oder Arbeitsfrust allzu deutlich und öffentlich zugeben zu müssen. Eine wunderbare Gelegenheit, sich umzuorientieren, ob nicht woanders noch etwas anderes, ja: ein besseres Leben möglich wäre.

Auch in den ärmeren Ländern ist die Schule ein Privileg und bietet eine Auszeit von harten Arbeitsbedingungen oder vielleicht wenig liebevollen familiären Strukturen. Aber muss das sein: Muss es uns schon verdammt schlecht gehen, damit wir gerne lernen – oder sogar gerne in die Schule gehen?

Der Rotstift des Lebens

Das Problem mit der Schule ist, dass sie Probleme macht. Wortwörtlich. Sie fokussiert auf Probleme – und vermittelt nicht das kreative-Lösungen-Finden. Sie macht in der jetzigen Form das Lösungen-Suchen zur Sache des Auswendiglernens vorgegebener, vielfach wiedergekäuter Uraltansichten. Und wo die Mathematik kreativ sein will, steigen die Eltern aus (kennen Sie die Textbeispiele, die keiner versteht, weil sie angeblich logisches Denken fordern – ohne allerdings vorher logisches Denken zu schulen oder eine solche Aufgabe als solche auszuweisen? Man sucht vergeblich nach einer versteckten Rechnung und fragt sich, was die eigentlich wissen wollen…). Eltern, die wohlgemerkt mit ihren Kindern lernen müssen, weil diese ihre Aufgaben nicht verstehen. Das hat’s doch früher nicht gegeben, oder? Vielleicht bin ich eine Ausnahme, aber mit mir hat keiner zu Hause gelernt. Es war völlig klar, wie wir unsere Hausübungen zu machen haben. Das heißt nicht, dass man nicht ab und zu, vor allem in der Oberstufe, eine Nachhilfestunde eingelegt hat. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern je mit mir gelernt hätten oder sich den Kopf darüber zerbrechen mussten, was mit einer Aufgabe wohl gemeint ist. Das war schlicht nicht nötig. Warum funktioniert das heute nicht (mehr)?

Ich behaupte, weil die Überforderung systemimmanent ist. Alle Beteiligten sind überfordert: Lehrer, Schüler, Eltern, die Politik, die Budgets, die Zeitpläne, die Lehrpläne – überfrachtet, unterversorgt, der eigenständigen Entscheidung enthoben, durch sozial-integrative Aufgaben der Gesellschaft belastet. Schule ist derzeit eine reine Frustbaustelle. Hier sollte der Rotstift des Lebens unerbittlich ansetzen!

Himmlische Schulen – Friede auf Erden

Fragen wir einmal ganz anders: Was müssten wir eigentlich als Kinder und Jugendliche lernen, um im realen Leben eines Erwachsenen nicht nur zu überleben, sondern auch noch Erfüllung, Sinn, Glück und Zu-Frieden-heit zu finden, zu erhalten und weiter zu entwickeln?

Natürlich brauchen wir Lesen, Schreiben und Rechnen. Wir brauchen logisches Denken, Sprachen und Einblick in künstlerische Wirkungsfelder. Wir müssen die Rahmenhandlungen aus Geschichte, Wirtschaft, Politik und (Natur-)Wissenschaften kennen, damit wir uns zumindest als ansatzweise in derselben Welt befindlich erleben und uns in diesen Konventionen halbwegs geschmeidig bewegen können.

Natürlich brauchen wir ein Verständnis für die notwendige Vielfalt des Lebens, eine Einsicht in die Gleichwertigkeit jedes Menschen und ein Vermitteln von Wertschätzung für jeden einzelnen. Aber was wir vor allem und zur Vermittlung von all dem bräuchten, wären weniger gestresste Menschen. Wir bräuchten die Zeit, die Mittel und Wege, unsere Interessen lustvoll zu erforschen und uns an dieser Leitlinie weiterzuentwickeln.

Ich behaupte (und hoffe), dass jeder Lehrer sein Fach zumindest aus einem gewissen Interesse heraus gewählt hat. Wenn man ihnen erlaubte, neben den grundlegenden Inhalten vor allem ihr Interesse zu vermitteln, diesem, ihrem roten Faden der Leidenschaft zu folgen, wie anders wäre dann wohl der Unterricht? Wenn man Kindern erlaubte, herauszufinden, was ihr inneres Feuer anfacht, wofür sie Begeisterung empfinden können und welchen roten Faden sie verfolgen wollen – wie anders wären dann die jungen Erwachsenen, die der Schule entwachsen?

Super Simple Schule

Und wo ist jetzt die Lösung? Ganz einfach: Sie liegt im Fokus auf die Lösungskompetenz.

Stellen wir Kindern Fragen und begleiten wir sie dabei, praktikable Lösungen zu finden. Auch wenn diese nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Wir können dann sogar mehrere Lösungen zulassen und nebeneinander stehen lassen und aus dem Vergleich Erkenntnisse gewinnen. So lernen wir alle den kompetenten Umgang mit Vielfalt, definitiv eine Schlüsselfähigkeit in unserer heutigen Welt.

Man kann sogar mathematische Aufgaben auf unterschiedliche Weise lösen, sobald man die Funktionsmechanismen tatsächlich nachvollziehen kann. Ich weiß das: Ich hatte plötzlich einen Einser in der Achten, als ich auf einmal verstand, dass man Mathematik tatsächlich verstehen kann. Ich löste die Aufgaben, wie ich es wollte. Meiner damaligen grantig-diktatorischen Mathematiklehrerin gefiel dies nicht, denn der Weg zu meiner (richtigen) Lösung war oft anders, als sie es erwartete. Diesem, meinem unerwarteten Verständnis gingen Lernstunden mit einer weisen, nicht frustrierten und trotz ihres hohen Alters immer noch begeisterungsfähigen anderen Mathematiklehrerin voran. Dass Mathematik tatsächlich zu verstehen ist, war für mich ein nahezu erleuchtungsähnliches Aha-Erlebnis, auf das ich Zeit meines (Schul)Lebens warten musste – und das ich nur durch Eigeninitiative, gepaart mit echtem Mentoring erreichen konnte. Und daher weiß ich: So sollte Schule eigentlich sein. Lustvolles Lernen bringt das Licht der Erkenntnis ins Leben!

Lernen wir also unseren Kindern, die grundlegenden Zusammenhänge zu verstehen und selbst herstellen zu können. Dann bekommen wir auch selbstverantwortliche Menschen, die in wechselnden Herausforderungen nicht den Rotstift zücken, und die Realität ihrer Vorstellung anpassen wollen, sondern sich auch in Veränderungsphasen zu behaupten wissen und neue anwendbare Wege für alle suchen, finden und gehen.

SUPER SIMPLE SOLUTION No 6 – Geld oder Leben

Der Heilige Gral

Mit dem Geld ist das so eine Sache: Hat man es, will man mehr. Hat man es nicht, auch. Außer man ist „Aussteiger“ und baut sein Essen selbst an, wird nie krank, bekommt keine Kinder und hat keine Ansprüche an seine Holzhütte oder Wohnhöhle. Ist man von „dieser Welt“ braucht man Geld. Geld verkörpert den Mechanismus, wie wir miteinander funktionieren. Es symbolisiert den Tauschhandel von Waren und Dienstleistungen. Als „Energieausgleich“ rechtfertigen manche esoterisch orientierte Menschen das Annehmen von Geld für ihre Tätigkeiten.

Money makes the world go round“ lautet eine berühmte Textzeile, deren Inhalt für viele wahr ist. Aber wer oder was energetisiert das Geld derart, die Welt zu bewegen? Ich behaupte Geld ist wie der moderne heilige Gral: Alle wollen es und die, die es haben, verstecken es. Haben wollen, an ein besseres Leben glauben, auf Erleichterung hoffen, sich in die Unabhängigkeit sehnen – Geld ist eine immens starke Projektionsfläche. Und natürlich kann man damit auch Miete zahlen und die Kinder versorgen. Ein sozusagen notwendiges Übel mit Erlösungspotenzial von allem Leiden…

Was macht das Geld

Wie bewegt uns Geld bloß dazu, Dinge zu tun, mit denen wir unser Leben nie ausfüllen würden, wenn wir es nicht zum „Leben“ (im wörtlichen und bildlichen Sinn, je nachdem welche Ansprüche wir haben) bräuchten? Ich behaupte durch Gewohnheiten. Wie wir gewohnt sind, miteinander umzugehen, was wir wertschätzen, was wir für wichtig halten und welche Entscheidungen wir treffen: Das Geld spricht mit, es flüstert ein, es überredet – es duftet und es stinkt. Aber es tut etwas. Es verführt und es tritt uns in den Hintern. Ob wir es nun haben oder nicht. Wer hat kann verlieren, wer nicht hat kann verhungern. Das Geld macht uns Beine, die wir gar nicht hätten, wenn es das System „Geld“ nicht gäbe.

Schall und Rauch

Machen wir ein kurzes Gedankenexperiment: Wer wären wir, wenn wir alle kein Geld hätten. Niemand von uns kennt es. Und wir haben nicht die Steinzeit, sondern leben im Jetzt. Wäre dann automatisch die Macht bei den Stärksten, die uns beschützen können? Oder bei den Handwerkern und Ärzten? Wie würden wir Dienstleistungen „vergelten“? Auge um Auge, Leistung um Leistung?

Gehen wir noch einen Schritt weiter und stellen wir uns vor, wir müssten für eine Leistung überhaupt nichts zurückgeben. Es herrscht nur eine Regel: Wir könnten uns völlig frei aussuchen, an wen wir unsere eigene Dienstleistungen oder Produkte geben. Und es ist in dieser Gesellschaft nicht üblich, zu tauschen. „Eine Hand wäscht die andere“ gibt es nicht. Jeder Mensch gibt was er kann oder will schlicht an jene, die ihm sympathisch sind…

Was wäre das für eine Welt? Wir wären gezwungen, uns zum einen wohl zu verhalten, um etwas zu bekommen und zum anderen uns einander genau anzusehen, um etwas zu geben. Was für eine Welt!

2 Fässer ohne Boden

So wie wir jedoch mit unserem Leben und Geld momentan umgehen ist von beiden nicht genug da. Das eine kostet das andere quasi. Wer arbeitet kommt kaum zu leben, wer lebt kommt kaum zum Geldverdienen. Lassen wir mal all jene außen vor, die nicht arbeiten wollen oder können und die genug geerbt haben und auch nicht mehr möchten. Die mit viel Geld zeigen den anderen, was „Leben“ ist – die mit wenig bekommen einen Zahn darauf, wie toll das reiche Leben doch wäre. Ein Perpetuum Mobile der Begehrlichkeit, der Sehnsucht ohne Ende. Eine gegenseitige Abhängigkeit: Reiche zeigen dem Rest der Welt, wie toll sie sind. Der Rest der Welt will dazugehören oder kämpft für ihre Sicherheit und gegen die Abhängigkeiten von Arbeit, Banken – wie gegen Windmühlen.

Wo genau ist jetzt das Leben? Die Lebensqualität? Die Freiheit und Leichtigkeit? (Mal abgesehen vom Sinn des Lebens, den hatten wir ja schon in Blog No 4…)

Richtig versus Wichtig

Der Wohl-Stand, der Stand, dem es wohl ergeht, hält auch das System Geld aufrecht. Wichtig ist, was Sicherheit schafft. Und wer Geld hat, kann sich Sicherheit kaufen: Essen, Wohnen, Unterhaltung, Gesundheit, ein bisschen Liebe, zumindest Gesellschaft. Die „Aussteiger“ sind oft fade Moralapostel, genussverweigernde Miesepeter, besserwisserische Oberlehrer des „So sollte es aber (nicht) sein!“.

Fragen wir uns ganz unabhängig davon, was richtig oder wichtig wäre – unabhängig davon, was wir tun sollten, müssten oder auf gar keinen Fall dürften, schlicht: Was wollen wir wirklich?

Liebe, Luft und Leidenschaft

Kann man von Liebe leben? Nein, ich meine nicht von körperlicher gegen Geld. Von der Fähigkeit zu Lieben, meine ich. Nein, natürlich nicht, werden Sie sagen. Können wir von Luft und Leidenschaft leben? Nein, werden wir sagen. Wir sind doch Realisten. Und Geld regiert die Welt. Oder?

Mut zur Lücke

Ich behaupte, es gibt geldfreie Zonen der reinen Lebensqualität. Und ich behaupte, wir sollten diese kultivieren, um unsere Gewohnheiten und nicht zuletzt unsere Gesellschaft und unser Miteinander-Funktionieren ganz allmählich und profund auf andere Beine zu stellen. Keine kurzen oder langen, sondern unsere eigenen. Das hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern etwas mit Gewinn: Lebenszeit, Lachen, Lust und Laune statt Abrackern, Stress, Kompensationsgenuss und Ablenken. Wie das geht? Ganz einfach: Aufhören zu tun, anfangen zu sein. In den Himmel schauen. Ein- und ausatmen. Dem nächsten Menschen in die Augen sehen und nichts von ihm wollen. Sich überraschen lassen. Frei werden. Ankommen.

SUPER SIMPLE SOLUTION No 5 – Is mir egal

Gleichgültigkeit, oder…?

Es gibt da diesen Song auf youtube, in verschiedenen Versionen, mit mehreren Millionen Klicks: „Is mir egal“. Kein Geld, kein Rückhalt, keine Wahl – is mir egal. Ist ziemlich genial. Weil er einen Nerv trifft. Wie beim Zahnarzt, nur anders schmerzhaft. Als würde der Schmerz durch die Haltung „Is mir egal“ eine ordentliche Dröhnung Anästhetikum verpasst bekommen. Auf diese Art können wir der Wirklichkeit ins Auge sehen: Ist es uns zu viel, schalten wir ab. „Is mir egal“ zeigt nicht nur mit dem Finger auf die Untugend der Gleichgültigkeit – der Song liefert zugleich eine wertvolle Qualität: Er zeigt eine alltagswirksame Möglichkeit auf, mit der allgegenwärtigen Informationsflut und gleichzeitigen Aussichtlosigkeit, mit den Gefühlen von Überforderung und Ohnmacht praktisch umzugehen. Wir müssen auf einmal keine Entscheidung mehr treffen. Wir müssen keine Haltung einnehmen, uns nicht eines Problems annehmen, eine Situation nicht einmal mehr wahr nehmen.

Dieser oft negativ besetzten Gleichgültigkeit steht jedoch der durchaus hilfreiche Zustand der Gleichmut zur Seite: Gleichmut meint den Mut, die Dinge einfach sein zu lassen, wie sie sind. In einem gleichmütigen Zustand nehmen wir sie wahr – ohne mit ihnen zu interferieren. Und manchmal steht genau dieser Zustand des „Nichts-Tuns“ am Anfang eines Weges hinaus aus der Gleichgültigkeit – hinein in die Gleichwertigkeit.

Gleichwertigkeit, oder…?

Alles ist. Und doch betrifft, berührt uns nicht alles. Nur was uns irritiert, spricht uns auch an. Spricht zu uns: Wir erkennen das uns Betreffende, weil im selben Augenblick unsere Bedürfnisse, Interessen, Werte und Vorstellungen angesprochen werden. Positiv wie negativ, das ist einerlei. Es funktioniert, sobald wir unser Selbst- und Weltverständnis als bestätigt oder gefährdet erfahren. Wir warten de facto Zeit unseres Lebens auf die Ereignisse, die uns entsprechen, also positiv ansprechen – und wir warten darauf, dass uns etwas widerspricht, also negativ anspricht. Warum wir (dies er)warten? Um darauf zu reagieren. Es ist schlicht unsere übliche Art und Weise, mit der Welt, mit anderen zu interagieren. Fühlen wir uns nicht irgendwie angesprochen, interagieren wir auch nicht.

Dabei werten wir alles, was (uns) passiert, nach unseren eigenen Maßstäben (und seien sie auch sozial akzeptiert). Wir werten uns, andere und die Umstände ständig auf oder ab. Wir bewerten, vergleichen, beurteilen alles und jeden. Eine solche Haltung ist höchst subjektiv. Wir maßen der Welt quasi unser Urteil an. Solange bis wir sagen: Is mir egal. Es ist wie es ist.  

Sobald wir aufhören, auf Bestätigung oder Ent-Täuschung zu warten und darauf zu reagieren – sobald wir aus dem Kreislauf des Unvermeidlichen aussteigen, kann etwas Neues beginnen.

Gleichwertigkeit zu leben bedeutet, uns selbst nicht mehr oder weniger wichtig als andere zu nehmen.

Gleichartigkeit, oder…?

Aber können wir andere anders sein lassen, ohne sie zu bewerten und zu beurteilen, ganz ohne eine Position ihnen gegenüber einzunehmen? Sind sie uns dann nicht einfach nur egal? Und sind wir uns selbst nicht einfach egal, wenn wir aufhören uns zu bewerten??

Nicht, wenn wir beginnen das Andere, die Andersartigkeit, die uns zunächst (an anderen oder an uns selbst) irritiert, als solche wertzuschätzen. Wenn wir Irritierendes, nicht den Erwartungen Entsprechendes als eine Anregung, uns weiter zu entwickeln, zu wachsen, zu werden, verstehen. Statt Unterschiede hoch– oder abzuschätzen, könnten wir sie schlicht sehen und (für) wahr nehmen. Ohne annehmend oder abwehrend zu reagieren. Sein lassen. Is mir nicht egal. Ist wie es ist. Sehen ohne zu werten, ohne zu warten. Wahrnehmen, ohne zu richten, ohne Recht haben zu wollen.

 Gleichberechtigung, …oder?

Wenn wir nicht richten – wie finden wir dann aber heraus, was richtig ist? Und wer hat Recht? Wer bekommt welches Recht? „Gleiche Rechte für alle“ lautet ein Grundsatz unserer europäischen Gesellschaft. Doch selbst wenn dieser Grundsatz in den Gesetzbüchern und Moralvorstellungen der europäischen Bürger fest verankert wäre – geht mit der Theorie der gleichen Rechte auch die Praxis der Gleichbehandlung einher? Puh, darüber nachzudenken führt schnell einmal zu Frustration, Wut oder Trauer, sobald man das falsche Alter, Aussehen, Geschlecht, Sprache, Herkunftsland etc. hat.

Is mir egal! ist dazu die Haltung all jener, die sich von Vorneherein gleich(er)behandelt oder gar „von Rechts wegen“, etwa durch ihre Geburt oder Rolle in der Gesellschaft, privilegiert fühlen und daher gar keinen diesbezüglichen ungleichen Leidensdruck empfinden. Sie spüren oft nicht einmal eine moralische Verpflichtung zu einer Änderung ihrer Sichtweise.

Is mir egal!  ist zugleich auch oft die  Haltung all jener, die spürbar nicht gleich behandelt werden, die nicht die gleichen Rechte bekommen, nicht die gleichen Chancen erhalten.

Is mir jetzt mal (nicht) egal: Zeit für die Super Simple Solution!

Same same but different

Dieser Ausspruch aus Thailand meint soviel wie „ganz gleich – und doch anders“.

Wie eine gefälschte Rolex oder ein Mann, der wie eine Frau aussieht. Dieser Ausspruch schätzt die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede, er sieht sie, ohne sie zu bewerten. Das tun dann die Menschen in weiterer Folge selbst. Die Haltung von same same but different drückt Egalité aus und lebt damit den Ursprung des Wortes „egal“: Gleichheit. Wir alle sind gleich, weil wir Menschen sind. Und wir alle sind anders, weil jeder von uns einzigartig in seinem Wesen ist. Gleichheit und Andersartigkeit sind die beiden Seiten derselben Medaille. Unsere Aufgabe liegt darin, die Einheit in der Vielheit zu sehen und die Vielfalt im Einheitlichen zu schätzen.

Das Eine, das Gleiche im Vielen zu erkennen geht ganz einfach: Sehen wir einander in die Augen und nehmen wir das Wesen wahr, das durch die Augen des Gegenübers blickt. Sehen wir unser eigenes Spiegelbild im Wesentlichen – und erkennen wir zugleich die Einzigartigkeit unserer Formen und Inhalte im Spezifischen.

We are One – und wir sind 7 Milliarden 393 Millionen 620 Tausend 414 Menschen (Stand: 29.03.2016, 10.11 – vgl. http://countrymeters.info/de/World).

Super Simple Solution No 4 – Der Sinn des Lebens

Warum wir verwirrt sind

Halten wir Anerkennung oder Gemocht-Werden für ein Anzeichen von Erfolg, so suchen wir vielleicht auch den Sinn unseres Lebens im Außen. Veräußern wir aber unsere ureigene Sinnsuche, so werden wir zu anderen, als wir eigentlich sind. Das Verstellen, Verbiegen, sich-selbst-Verlassen manifestiert sich früher oder später in Unstimmigkeit. Im Innen wie im Außen. Wir haben uns ver-irrt, wir sind verwirrt.

Wo ist das Licht am Ende des Tunnels?

Bis zu diesem Punkt haben wir nach der Leitlinie gehandelt: Welche Entscheidungen und welches Verhalten versprechen die meisten scheinbaren, also „mich anscheinenden“ Resultate? Wodurch stelle ich mich ins „rechte“ Licht? Diese Haltung verlängert den Tunnel. Fragen wir uns hier: Welchem Licht wollen wir an dieser Stelle unseres Lebens weiter folgen?

Mein Vorschlag: Suchen und folgen wir dem aus uns selbst kommenden Licht. Entwickeln wir die uns eigene Strahlkraft. Leben wir unsere tatsächliche Eigenfarbe. Sie kommt erst dann zum Vorschein, wenn wir ganz wir selbst sind. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Hoffnung auf Zustimmung. Ohne Angst vor Kritik. Erwartungslos unseren Weg gehen, unserer inneren roten Leitlinie folgen…. DAS macht Sinn. Aber wie finden wir uns selbst, unser eigenes Licht?

Wer bin ich?

Die Antwort darauf offenbart sich überraschenderweise, sobald uns klar wird, wer wir nicht sind. Indem wir die Vorstellungen darüber, wer wir sein sollten oder müssten loslassen, gewinnen wir den Raum für die reine Selbst-Erkenntnis. In dieser formlosen Offenheit kristallisiert sich heraus, was immer schon da war. Wir sind, wer durch unsere Augen sieht und durch unsere Ohren hört. Unser Gewahr-Sein. Alles andere ist Interpretation.

Worum es wirklich geht…

… zeigt sich uns besonders deutlich in den spannenden Übergangsphasen unseres Lebens, in denen wir in die Offenheit katapultiert werden oder in manchmal als leidvoll erfahrenen Veränderungsprozessen, in denen wir Unsicherheit erfahren. Spätestens in der direkten Konfrontation mit dem Tod oder gegen Ende unseres Lebens wird klar ersichtlich und eindeutig spürbar, was wirklich zählt. Menschen mit solchen Grenzerfahrungen1, die unser Leben ins “rechte Licht“ rücken, formulieren die 3 Kernfragen des Lebens in etwa so:

  • Lebe ich?
  • Liebe ich?
  • Bewege ich jemanden/etwas?

Leben, lieben, bewegen

Aber leben wir nicht alle? Nein, viele funktionieren vor sich hin oder warten auf bessere Zeiten, manche verwechseln  das Leben mit „so tun als ob“ sie irgendwer oder etwas anderes als einfach nur Menschen wären.

Lieben wir nicht alle? Nein, viele sehnen und wünschen bzw. beklagen sich eher, anstatt die Quelle der Liebe in sich selbst zu entdecken.

Bewegen wir nicht alle irgendetwas oder jemanden? Nein, nicht so, wie wir könnten. Natürlich strahlt jeder von uns hinaus in seine Welt. Aber die wenigsten achten darauf, was sie ausstrahlen und was sie daher wie oder warum bewegen.

Viele Menschen könnten schon allein dadurch mehr im Sinne von Leben und Lieben bewegen, indem sie schlicht nicht tun, was sie „normalerweise“ so ausstrahlen…

Und wieviel mehr und anderes können wir bewirken, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, alles Mögliche zu tun, was zu mehr Leben und Liebe führt… Ein solches Verhalten muss gar nicht Gandhi-like von Selbstaufgabe oder moralischem Heilsanliegen begleitet werden. Ganz im Gegenteil: Ein derartig auf Leben und Liebe ausgerichtetes Verhalten verändert unser eigenes Erleben auf höchst sinnliche und erfreuliche Art und Weise.

Glück und Zufriedenheit

Viele Untersuchungen2 zeigen, dass in der Qualität unserer Beziehungen der Schlüssel

  • zum kurzfristigen Glück (etwa durch Hormonausschüttungen bei gemeinsamen Höhenflügen verschiedenster Art)
  • zur langfristigen Zufriedenheit (durch die Umgestaltung neuronaler Prozesse und damit der Gewohnheiten in unserem Gehirn)
  • sowie zu dauerhafter Gesundheit (u.a. durch die Stärkung des Immunsystems und den Abbau von Stress) liegt.

Jeder Schritt auf unserem Lebensweg, der uns in Richtung hochqualitative Begegnung – mit uns selbst und anderen – führt, ist daher besonders sinnvoll.3

Sinn und Sinnlichkeit

Erleben wir hochqualitative Begegnungen auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene, erfüllt dies unser Leben in aller Sinnlichkeit. Und wir strahlen. Unser Strahlen bewegt unsere Umwelt, wie beeinflussen andere durch unsere Lebendigkeit, wir lehren sie alleine schon durch unsere Präsenz das Leben zu lieben. Und der Sinn? Liegt direkt am Weg. Wir ent-wickeln uns – und andere.

Live, Love, Matter.

What else?

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1 beispielsweise die bewegende Geschichte von Brendon Burchard, der sich in der schwierigsten Phase fragte: Did I live?, Did I love?, Did I matter?

2 vgl. etwa der schöne TED Vortrag „The Good Life“ von Robert Waldinger über die „longest runnig study on happyness“, die seit den 1930ern von der Harvard University durchgeführt wird

3 Mehr darüber, wie das eigene Leben auf hochqualitative Begegnungen ausgerichtet werden kann, in: Die Kunst der Begegnung. Vom Ich zum Wir. Der Weg zu einer erfüllenden Beziehung. Braumüller Verlag 2016.

Super Simple Solution No 3 – Der Europäische Frühling

Genug vom Europäischen Winter!

Das Wetter ist scheußlich. Im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn. Es wird höchste Zeit für Wärme und Licht. Wenn ich aus dem Fenster sehe – und wenn ich auf Europa blicke. Daher fangen wir heute zur Abwechslung gleich mit der Lösung des Problems an:

Europa im Frühling

Wie kann ein Europa aussehen, das de facto aufblühend aus all seinen Krisen hervorkommt? Kann es das überhaupt geben? Sind wir nicht dem sicheren Untergang geweiht?

Nein. Wir erleben schlichtweg in jedem Augenblick das, was wir aus unserer Situation machen. Jeder von uns bestimmt die Richtung, in die wir uns bewegen, mit. Durch unsere Einstellung, unsere Sprache, unser Handeln verändern wir unsere Welt mit jedem Atemzug. Nichts ist tatsächlich so, wie in unseren Erwartungen (seien sie nun durch Angst oder von Hoffnung gespeist).

Alles ist wie es ist – und zugleich haben wir die Macht, durch unser Tun das Werden zu verändern.

Was gilt es also zu tun, wenn wir jetzt und in Zukunft ein friedliches und konstruktives Miteinander in aller Vielfalt und trotz aller Krisen erleben wollen?

Die Antwort ist überraschend einfach: Seien wir genau jetzt, im Angesicht der offenen Entwicklung in eine noch nicht feststehende Zukunft, jene Menschen, mit der wir unsere Welt bevölkert sehen wollen. Hier liegt die Lösung: Entscheiden wir uns für ein gemeinsames Europa. Leben wir, und zwar jeder einzelne von uns, Frieden, Freiheit, Freundschaft und Gerechtigkeit vor. Hier und jetzt – für alle sichtbar, weltweit.

Sie fragen sich vielleicht: Wie und warum? Hier kommen einige praktische Ansätze:

Europa im Umbruch

In Zeiten anhaltender Krisen (Finanz, Wirtschaft, destabilisierte Staaten, und ja, drängende Flüchtlingsfragen) gilt es, einen klaren und sinnvollen Weg einzuschlagen. Ein solcher ergibt sich aus einem gemeinsamen Ziel, welches die Frage zu beantworten vermag: Quo vadis Europa?

Was sich derzeit im Umbruch befindet ist vor allem das Selbstverständnis, mit dem wir Europäer (die wir uns selten als solche begreifen, außer wir sind im nicht-europäischen Ausland) die Privilegien der ersten Welt für uns beanspruchen. Ja, es sind unsere Selbstverständlichkeiten, die derzeit in Gefahr scheinen: unsere Sicherheit (Arbeit, Einkommen, Pensionen, Wohlstand und Wohlgefühl) und unser Wachstum (die berechenbar positive Entwicklung von Wirtschaft oder die Güte unserer Bildung) – ganz generell gesagt: unser lieber Frieden und die schönen Aussichten stehen derzeit auf dem Prüfstand.

Bricht Europa auseinander?

Die einen sagen: Früher war alles besser. Naja, kommt darauf an, wie viel früher. Das ist definitiv eine Generationenfrage. An den letzten Krieg denken möchte dann doch keiner.

Einen ähnlichen aber in Zukunft zu vermeiden, daran zeigen besonders jene kein Interesse, die derzeit zurück zur vermeintlichen Stabilität der 80er, 90er und 2000er wollen. Eine egogetriebene Stabilität, die in weiten Teilen die aktuellen Krisen mitverursacht hat. Die Vorgehensweisen der Gewinnmaximierung durch etwa (un)wahrscheinlichkeits-berechnete Spekulation oder die Hoffnung auf ewiges Wirtschaftswachstum haben wohl vielen den Blick auf nachhaltig sinnvolle, weil langfristig stabile Strukturbildungen verstellt. Schnelle, weil krisenbedingte Strukturänderungen stellen jedoch für Menschen, die ihre Notwendigkeit nicht sehen, weil sie an „der guten alten Zeit“ und ihrer scheinbar ruhigen Vorhersehbarkeit hängen, eine schwere Irritation dar. Schock und Abwehr sind die Folgen. Angst greift um sich. Allesamt Emotionen, die das Gegeneinander schüren und Probleme vergrößern, anstatt im und durch das Miteinander Lösungen zu suchen, zu finden und umzusetzen.

Europa im Aufbruch

Worüber wir uns zumeist einig sind: Aufhetzen und Panikmachen sind keine effizienten Wege zu effektiven Lösungen. Negative Emotionalisierung nährt die Abwehr und das Verurteilen, um nicht zu sagen das Vor-Urteilen. Fühlen wir uns angegriffen, folgt eine Stressreaktion: fight or flight, wie es so schön heißt. Aber Flüchten geht derzeit nicht gut, nicht einmal in die Unterhaltung oder den Genuss (wie es unsere Konsumgesellschaft ja schon so lange recht erfolgreich mit dem Verdrängen der Probleme dieser Welt tut). Flüchten bringt nichts, schon gar keine Hoffnung – das führen uns die vielen Flüchtlinge momentan nur allzu offenbar vor Augen.

Bleibt also das Kämpfen. Aber wollen wir nicht gegen etwas sein (wie kämpft man gegen Finanz- und Wirtschaftskrise oder gegen destabilisierte soziale Systeme?), dann stellt sich die Frage: Wofür? Wofür wollen wir kämpfen?

Oder gibt es vielleicht noch andere Handlungsalternativen? Wohin bitteschön, sollen und können wir mit all dem individuellen und kollektiven Stress, der uns Europäer aktuell aufmischt?

Die Macht unserer Wahl

Flucht, Kampf oder Stressabbau. Das sind scheinbar unsere drei Wahlmöglichkeiten.

Um die bestmögliche Wahl punktgenau und kräfteschonend zu treffen, ist es hilfreich, zuvor eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Die kann meiner Meinung nach nur ein „Ja zu Europa!“ sein. Denn am derzeitigen Scheideweg der Geister und Handlungen gibt es nur ein Ja oder Nein. Klar, über Form und Struktur Europas kann man dann wieder streiten. Aber eines sollte klar sein: Europa steht als demokratischer Verbund für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Und das soll so bleiben. Am besten im Angesicht der Krisen noch wesentlich profunder verwirklicht werden! Ab dieser prinzipiellen pro-Europäischen Entscheidung liegen wieder unsere 3 Wahlmöglichkeiten vor uns: der Kampf, die Flucht und der Stressabbau.

Handlungsvariante 1: Der Kampf

Für ein solches Ziel, für ein solches Europa wollen und können wir tatsächlich guten Gewissens kämpfen. Auf so viele Arten und Weisen: Im täglichen Gespräch mit allen möglichen Menschen, in (social) medialen Diskussionen, in Demonstrationen, in Hilfsaktionen. Wenn wir uns unserer prinzipiellen Einstellung und leitenden Motive bewusst sind, dann nimmt der Kampf eine proaktive Haltung ein, keine streitende, aggressive. Wir sind dann bedingungslos FÜR Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Und zwar ALLER Menschen.

Bleiben als Alternativen die Handlungsvarianten 2 + 3:

Flucht und Stressabbau

Beginnen wir mit dem Stressabbau: Eine gute Verbindung zu Mitmenschen ist erwiesenermaßen (siehe mein Buch „Die Kunst der Begegnung“) ein Garant für nachhaltigen Stressabbau: Das intensive Gespräch, das einander-Halten, das für einander Da Sein – ob wir das Gegenüber nun kennen oder nicht – führt zu Wohlgefühl, zu innerer Stabilität, zu Selbstvertrauen und Weltvertrauen. Und wenn das Gegenüber nicht will? Dann gibt es genügend andere, mit denen wir eine vertrauensvolle Stimmung aufbauen können. Und das braucht Europa derzeit wirklich: Vertrauen in uns als seine Bürger, in unsere Gegenwart und Zukunft. Nein, die Politik ist nicht an allem Schuld. Ja, wir können Verantwortung tragen und dazu beitragen, dass unsere Gegenwart und Zukunft menschlicher, wärmer, hoffnungsvoller und ganz real angenehmer und stabiler wird. Jeder Mensch, der sich selbst stabil und zugleich offen hält, ist ein Beitrag zu jener Zukunft, die es an uns liegt, derzeit zu gestalten.

Und die Flucht? Lassen wir die Ablenkung mal außen vor. Reine Ablenkung, Verdrängung und Ignoranz setzt selten aktiv Veränderung in Gang. Man kann natürlich darauf hoffen, dass alles einfach vorbei geht und wir unbeschadet davon kommen.

Eine etwas andere Art der Realitätsflucht sind gute Bücher, aufbauende Filme, aber auch Sport, Genuss, Natur. Statt Fluchtpunkte bieten sich hier eher Kraftquellen, die wir uns gerade in dieser aufreibenden Zeit gönnen sollten. Jedenfalls solange, wie wir die Balance aus Realität und Fiktion dazu nützen können, unsere Welt in eine anstrebenswerte Wirklichkeit zu verwandeln.

Wir haben die Wahl. In jedem Moment. Abwehr oder Offenheit, Zurückziehen oder Stress abbauen. Alles ist möglich. Wissen wir, wofür wir selbst stehen, fällt die Entscheidung, was in jedem Augenblick am sinnvollsten zu tun ist, nicht schwer. Die Folgen eines solchen Handelns sind weitreichend.

Wir können uns sogar ein blühendes Europa vorstellen!

Wie kann so ein Europa aussehen? Es ist ein Europa mit gleichen Rechten und Pflichten für alle, die hier miteinander leben. Ein Europa, das dadurch letztendlich auch als Vorbild für ein friedliches und gerechtes Miteinander in globalem Ausmaß dienen kann. Feiern wir unsere Tradition und denken wir weiter als nur bis zum nächsten Vorteil oder zu den Herausforderungen des Alltags. Stellen wir uns weiterhin den Herausforderungen des Menschen und der Menschheit an sich. Entwickeln und etablieren wir heute Lösungen, die das Potenzial dazu haben, eine Zukunft für alle zu sichern. So weit muss Krisen-Management gehen. Danach sollte sich die Führung in Krisenzeiten und durch Krisen orientieren.

Die Vision eines gemeinsamen Europas hat die Macht, unsere täglichen Entscheidungen, seien sie politisch und menschlich, zu leiten. Eine solche Vision hat auch die Kraft, dem Abendland einen Frühling zu bescheren. Und das nicht auf Kosten anderer, sondern zum Vorteil aller.

Super Simple Solution No 2: Große Frauen

Ein Bild von einer Frau!

Ja, aber was für eines? Das Bild der idealen Frau ist heute widersprüchlicher denn je. Wobei das Wunschbild der „eierlegenden Wollmilchsau“ überwiegt. „Sie“ soll alles können: schön sein, klug sein, verständnisvoll sein, Karriere machen, Kinder haben. Jung sein und jung bleiben, wissen was sie will und es verfolgen, zugleich da sein für alle, sich versprühen, sich hingeben und die Kontrolle behalten. Und bloß keine Szenen machen. (Der Klischee-)Mann wünscht sich seine persönliche Variante von „Heilige-Mutter-Geliebte“, die nur ihm zu Diensten ist. Eine solch mild-nachgiebig-einsichtige, koch-putzend-kinderhütende Wahnsinnige im Bett widerspricht wohl dem, was Frau selbst sich unter authentischer Weiblichkeit, geschweige denn unter einer „Großen Frau“ oder einer Grande Dame vorstellt.

Ist hier Weibsvolk anwesend?

Monty Python zeichnen im „Leben des Brian“ ein Bild von Frauen, die „mitmischen“ wollen im gesellschaftlichen Spaß (in diesem Fall dem Steinigen der Regelbrecher) und sich zu diesem Zweck bunte Bärte umbinden. Wer so tut, als ob „er“ dazugehört zum „starken Geschlecht“, der darf selbst mit Steinen werfen. Dazugehören – einer der stärksten Gründe, warum sich Frauen immer noch kleiner machen oder verstellen und „so tun als ob“. Woher kommt diese Angst vor der eigenen Größe? Ist es ein Vorurteil oder Realität: Wer sich als ganze, große Frau zu erkennen gibt und nicht dazugehören muss oder will, der… die… wird selbst gesteinigt. Weil er, sie nicht dazugehört, nicht mitspielt, sich nicht einordnet, trifft ihn, sie das harte Urteil der anderen. Oder hat sich da schon etwas geändert?

Frauen, die ihren Mann stehen

Heute am „Tag der Frau“ stehen besonders die starken, unabhängigen, die Frauen, die „es“ geschafft haben, als Zielbilder im Blickpunkt. Ja und wer ist das in Wirklichkeit? Die alleinerziehenden, alleinverdienenden, ständig dem Burnout Nahen? Oder die, die sich entschieden haben – für Kinder oder Karriere, für Spaß oder Bildung, für Schönheit oder Selbstaufgabe, für Familie oder Selbstverwirklichung? Das Entscheiden ermöglicht es Frauen durchaus, in einem Bereich herausragend zu werden, ein Vorbild quasi. Und gerade dann wird ihnen das Fehlen der anderen Seiten, der anderen Kompetenzen, das nicht-Performen in den anderen Feldern gerne vorgeworfen. Wer keine Kinder hat, versteht nichts von der Welt. Wer keine Karriere hat, versteht nichts von der Welt. Warum beurteilen Menschen, Frauen wie Männer, einander? Um sie schön unten zu halten und um den eigenen Lebensweg der Anpassung recht zu fertigen? Oder damit die freien Frauen bloß nicht groß,  tatsächlich „Grande“ werden? Aber wer tut denn sowas, bitteschön, in unserer aufgeklärten Zeit noch? Ist ja total unfair. Genau deshalb tut man(n) das. Gender Equality würde so vieles in Frage stellen, so viele aufgeplusterte Selbstbilder, die auf Rollen, Masken und Kostümen statt auf Menschlichkeit aufbauen, zum Platzen bringen. Bei Männern und Frauen. Aber wer sind sie dann? Wer sind wir, wenn wir nicht mehr unser Äußeres, eine erwartungserfüllende Form sind?

Damenhaft oder dämlich?

Was ist eine Dame? Eine ältere, weltgewandte Frau mit genug Geld, die sich dezent zu verhalten weiß und exquisit kleidet? Das klingt irgendwie nach zu wenig, zu angepasst, zu viel Friseur, zu wenig Persönlichkeit.

Und was ist eine „Grande Dame“ – im Sinne einer wirklich Großen Frau? Ich behaupte: Ein Entwicklungsziel. Ziel all jener, die ihren Weg vom begehrten Fräulein zur akzeptierten Frau zur selbstsicheren Weisen gehen. Dieser Wandlungsprozess hängt nicht vom Alter ab, sondern vom geerdeten Selbstwertgefühl, das Frau sich auf ihrem Weg verleiht. Un-abhängig von der Zustimmung anderer verfolgt sie, was sie für richtig, für gut und wahr hält.

Dämlich ist, wer sich klein macht, anpasst, andere runterzieht, sich nicht mit sich und der Welt auseinandersetzt. Dame ist, wer die eigene Größe lebt, im Leben eine aufrechte Haltung – körperlich, geistig und emotional – bewahrt und dadurch ganz nebenbei als Vorbild für all jene wirkt, die noch nicht soweit oder bereit dazu sind. Ohne sie zu verurteilen. So einfach ist das.

La Grande Femme

Lady Liberty, wie die Freiheitsstatue auch genannt wird, hält die Fackel hoch. Die Fackel der Freiheit, der Gleichberechtigung, der unbegrenzten Möglichkeiten. Nicht nur für Amerikaner. Auch für Frauen. Helfen wir ihr, dieses Feuer immer wieder zu entfachen und zu verbreiten, indem wir unser eigenes Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ganz im Gegenteil: Verändern wir die Welt, indem wir unsere Größe zeigen!